Theologie

Theologie (griechisch θεολογία theología, von altgriechisch θεός theós ‚Gott‘ und λόγος lógos ‚Wort, Rede, Lehre‘) bedeutet „die Lehre von Gott“ oder Göttern im Allgemeinen und die Lehren vom Inhalt eines spezifischen religiösen Glaubens und seinen Glaubensdokumenten im Besonderen.

Faculty of Theology (personification)-1
Personifikation der christlichen theologischen Fakultät am Denkmal Kaiser Karls IV. vor dem Altstädter Brückenturm der Prager Karlsbrücke

Historische Entwicklung des Begriffs

Griechische Antike

Der Begriff theologia trat in der griechischen Antike zu der dortigen polytheistischen Götterwelt auf. Dort bezeichnete er die „Rede von Gott“, das Singen und Erzählen (gr. „mythein“) von Göttergeschichten. (Später verstanden christliche Theologen wie zum Beispiel Karl Barth unter diesem Begriff „Gottes Rede zu den Menschen“.) Der älteste Beleg für dieses mythische Verständnis von Theologie findet sich in Platons Staat (379a). Platon legt an die Göttermythen der kritisierten Theologie den kritischen Maßstab der Frage nach der Wahrheit als dem Einen, Guten und Unveränderlichen an. Bei Aristoteles zeigt sich eine Umprägung des Theologiebegriffs: Theologie als die oberste der theoretischen Wissenschaften richtet sich darin auf das Göttliche als das erste und eigentliche Prinzip (Metaphysik (Aristoteles) 1064a/b). Die Theologie hat sich damit von der Mythologie hin zur Metaphysik gewandelt.

Christentum

Im zweiten Jahrhundert wurde der Begriff von christlichen Autoren, den Apologeten, aufgegriffen, die ihn im Kontrast zur mythologia (Erzählen von Göttergeschichten) der polytheistischen heidnischen Autoren verwendeten. Bei Eusebius bedeutet der Begriff etwas wie „das christliche Verständnis von Gott“. Bei allen patristischen Autoren bezog sich der Begriff jedoch nicht auf die christliche Lehre im Allgemeinen, sondern nur auf die Aspekte von ihr, die sich direkt auf Gott bezogen. So wurden als einzige frühchristliche Autoren der Autor des Johannesevangeliums und Gregor von Nazianz spezifisch als „Theologen“ bezeichnet, weil Gott in ihrer Lehre im Mittelpunkt stand. Die Fragen nach dem Heilshandeln und der Heilsordnung Gottes für die Menschen wurden unter dem Begriff der Ökonomie (gr. „oikonomia“) behandelt.

St-thomas-aquinas
Thomas von Aquin

Theologen in der Alten Kirche waren häufig Bischöfe, im Mittelalter in der Regel Mönche. Mit der Entstehung der Universitäten als Ordenshochschulen im Mittelalter bildete die Theologie meist die erste Fakultät. Im Hochmittelalter bekam der Begriff bei Peter Abaelard (Frühscholastik) und Bonaventura (Hochscholastik) erstmals die allgemeinere Bedeutung „das Gebiet des heiligen Wissens“, das die gesamte christliche Lehre umfasste. Zum feststehenden Begriff in diesem Sinn wurde Theologie insbesondere aufgrund der Summa theologica von Thomas von Aquin, der Theologie in erster Linie als spekulative, theoretische Wissenschaft ansah.

Die Reformatoren betonten den praktischen Aspekt der Theologie wieder stärker. Damit steht Martin Luther auch in der Tradition der monastischen Verankerung der Theologie wie sie im Mittelalter zum Beispiel bei Anselm von Canterbury und Bernhard von Clairvaux wirksam war. Praktische Wissenschaft war die Theologie in dem Sinne, dass sie ganz auf die Zueignung des Heils durch Gott, also auf den praktischen Vollzug des Glaubenslebens bezogen war. In diesem Sinne bestimmten auch zahlreiche Vertreter der lutherischen Orthodoxie die Theologie als eine scientia practica, die allerdings in ihrer Durchführung auch Anleihen bei der theoretischen Wissenschaft machen müsse. Deshalb gewannen die theologischen Systeme der lutherischen Orthodoxie vielfach äußerlich einen ähnlichen Charakter wie die alten scholastischen Summen, waren inhaltlich aber anders angelegt und auch in ihrem systematischen Aufbau (der sich an den analytischen ordo des Aristoteles anlehnte) stärker auf die Glaubenspraxis hin ausgerichtet. Teilweise etablierte sich auch wieder ein stärker oder rein theoretisches Verständnis der Theologie.

Die Unterscheidung der Theologie als Wissenschaft von der Glaubenspraxis und der unmittelbaren Erkenntnis des Glaubens wurde zur Zeit der lutherischen Orthodoxie durch den Theologen Georg Calixt vorbereitet. In Ansätzen liegt sie auch bei Abraham Calov und Johann Andreas Quenstedt vor. Während diese allerdings die Theologie dem Glauben vorordnen, wird das Verhältnis in der Aufklärung umgekehrt: Die Theologie ist als Reflexionsform gegenüber dem Glauben beziehungsweise der Religion sekundär. Diese Verhältnisbestimmung tritt erstmals bei Johann Salomo Semler auf. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher begriff die Theologie als eine positive Wissenschaft, die auf die Kirchenleitung bezogen ist. Während die Unterscheidung von Theologie und Glaube bis heute für den theologischen Diskurs maßgeblich ist, bleibt die Ausrichtung der Theologie auf die Kirchenleitung umstritten.

Christliche Theologie

Die Theologien im Christentum verstehen sich als wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit den Quellen des Glaubens (Biblische Theologie und Historische Theologie) und der Glaubenspraxis (Praktische Theologie) sowie als systematische Analyse und Darstellung des Glaubens (Systematische Theologie, unter anderem Fundamentaltheologie, Dogmatik und Ethik). Im 20. Jahrhundert kam als Disziplin die Interkulturelle Theologie hinzu, die das Verhältnis der christlichen Theologie und Praxis im Kontext verschiedener Kulturen, Religionen und Gesellschaften untersucht und sich den Fragen des interkulturellen wie interreligiösen Miteinanders widmet.[1]

Christliche Theologie bezieht sich meist auf eine bestimmte Konfession. Hierbei werden nicht nur die dargestellten Inhalte, sondern oft auch die Denkweisen und angewandten Methoden von der jeweiligen Konfession bestimmt. In der wissenschaftlich betriebenen Theologie wird diese Tatsache selbst noch einmal problematisiert und reflektiert.

Kritik innerhalb der Theologie

Kritik begleitet die ganze Kirchengeschichte, denn Auseinandersetzungen zwischen der etablierten Kirche und abweichenden Strömungen sind stets mit Kritik (an den Ansichten der anderen) verbunden. Daneben gibt es von Beginn an auch ein selbstkritisches Hinterfragen des eigenen Verständnisses. Paulus mahnte: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21 ), und verwies auf die Vorläufigkeit unseres jeweiligen Erkenntnisstandes („unser Erkennen ist Stückwerk …“ 1 Kor 13,9.12 ). Gegenwärtig betonen theologische Lexika die kritische Aufgabe der Theologie.[2] Für Heinzpeter Hempelmann ist Kritik „die einzig angemessene Antwort auf (einen) Offenbarungsanspruch“, denn die Spuren eines die menschliche Vernunft derart in Frage stellenden Ereignisses wie die Menschwerdung Gottes seien „unterscheidend und prüfend“ wahrzunehmen.[3] Das Thema Kritik im Bereich der christlichen Religion behandelt Franz Graf-Stuhlhofer grundsätzlich im Buch Christliche Bücher kritisch lesen[4] sowie in der Studie Facetten kritischen Denkens.[5]

Kritik an der Theologie

Einige Wissenschaftstheoretiker sprechen jeder (christlichen) Theologie aufgrund ihrer Bekenntnisgebundenheit die Wissenschaftlichkeit ab und kritisieren ihre Präsenz und Finanzierung an staatlichen Universitäten in Form von theologischen Fakultäten.[6]

Kritik an der Theologie richtet sich zum Beispiel gegen

  • eine fehlende Ergebnisoffenheit: „Gott“, „der Glaube“, „die Offenbarung“ und dergleichen würden vorausgesetzt und seien nicht falsifizierbar. Ein solcher Anspruch auf absolute Wahrheit sei in anderen Wissenschaften ausgeschlossen. Mit Ausnahme einzelner Teildisziplinen gehe die Theologie in ihrer Gesamtheit ohne die Bejahung der Glaubenswahrheiten in Philologie, Hebraistik, Geschichte und Religionswissenschaft auf.
  • eine fehlende Freiheit der Lehre: Theologische Lehrstühle würden im Einvernehmen mit der Kirche besetzt und zumindest an katholischen Fakultäten sei eine Lehrerlaubnis erforderlich, die im Konfliktfall entzogen werden kann, siehe Liste von katholischen Theologen, denen die Lehrerlaubnis entzogen wurde. Damit sei eine Freiheit der Lehre bzw. Forschungsfreiheit nicht mehr garantiert.
  • eine Entfernung der dogmatischen Theologie von den Erfahrungen der Menschen, besonders von ihren Sehnsüchten, Ängsten und Nöten. Diese könne zu einem „Begriffsfetischismus“ herabsinken.[7]

Auf diese Anfragen gibt es verschiedene Reaktionen seitens der Theologen:

Manche Theologen sehen Gott nicht als unmittelbaren Gegenstand einer theologischen Wissenschaft; zum Beispiel sieht Wolfhart Pannenberg Gott als Gegenstand des Glaubens. Vertreter der Natürlichen Theologie dagegen argumentieren für die grundsätzliche Erkennbarkeit Gottes mithilfe der (natürlichen) Vernunft, also auch ohne Glauben bzw. Annahme von Offenbarungen.

Mitunter beruht Kritik an der Theologie auf einem naturwissenschaftlich orientierten „objektiven“ Wissenschaftsbegriff. Hier kam es im Rahmen der Wissenschaftstheorie seit den 1960er Jahren zu einer veränderten Sichtweise, etwa durch Thomas S. Kuhns Hinweis darauf, dass bei der Entscheidung von Forschern für oder gegen einen Paradigmenwechsel psychologische Faktoren mitwirken.[8] Auch die Analytische Philosophie war einflussreich.[9]

Theologie in anderen Religionen

Konfessionell gebundene Fakultäten und Seminare gibt es nur für Christentum, Judentum und Islam. Es findet zwar im Rahmen der Vergleichenden Religionswissenschaft eine wissenschaftliche Beschäftigung mit vielen Religionen und ihren Inhalten statt, und es werden Studiengänge wie Judaistik und Islamwissenschaft angeboten, jedoch ist die Perspektive und Methodik hierbei deutlich von einer theologischen Herangehensweise unterschieden, und es gibt dabei auch keine konfessionelle Festlegung.

Judentum

Im Judentum gibt es keine allgemeinverbindlichen Dogmen und demzufolge auch keine Theologie im eigentlichen Sinne („Lehre von Gott“). Die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland getragen. Sie widmet sich der Wissenschaft des Judentums. Auch gibt es an mehreren Universitäten Studiengänge für Judaistik, die unabhängig von der Religionszugehörigkeit besucht werden können.

Islam

Die islamwissenschaftlichen Institute und Seminare der Universitäten beschäftigen sich mit der Geschichte und Praxis des Islams.

Im Islam selbst gibt es eine traditionelle Theologie, die Ilm al-Kalam genannt wird. Bedeutungsvoll sind allerdings auch die islamischen Rechtswissenschaften Fiqh und Schari'a.

Hinduismus

Brahman ist das unbeschreibbare, unerschöpfliche, allwissende, allmächtige, nicht körperliche, allgegenwärtige, ursprüngliche, erste, ewige und absolute Prinzip. Es ist ohne einen Anfang, ohne ein Ende, in allen Dingen versteckt und die Ursache, die Quelle und das Material aller bekannten Schöpfung, selbst jedoch unbekannt und doch dem gesamten Universum immanent und transzendent. Die Upanishaden beschreiben es als das eine und unteilbare, ewige Universalselbst, das in allem anwesend ist und in dem alle anwesend sind.

Von manchen Richtungen wird der Ishvara (wörtlich: der „höchste Herr“) als die manifestierte Form (siehe Avatara) von Brahman gesehen. Die Illusionskraft, durch die das Brahman als die materielle Welt, die einzelnen Seelen und der Ishvara gesehen zu werden, wird Maya genannt. Es gibt auch ihm unterstellte Wesen, die Devas genannt werden. Sie gelten gemäß dieser Sichtweise als die weltlichen Äußerungen des einen Ishvara.

Nach Auffassung des Advaita Vedanta ist der Mensch in seinem innersten Wesenskern mit dem Brahman gleich, und diese Einheit gilt es zu erkennen. Advaita Vedanta (Nichtdualität) ist die Lehre Shankaras (788–820 n. Chr), die auf diese Erkenntnis der Einheit zielt. Nach der Lehre des Vishishtadvaita von Ramanuja dagegen ist das höchste Prinzip alles, was existiert. Es besteht jedoch ein qualitativer Unterschied zwischen individueller Seele und höchstem Prinzip. Am anderen Ende des Spektrums steht die rein dualistische Philosophie des Dvaita Vedanta des Madhvas, die streng zwischen Seele und höchstem Prinzip unterscheidet (siehe: Indische Philosophie).

Siehe auch

Literatur

Auswahlliteratur zur Christlichen Theologie findet sich im dortigen Hauptartikel
  • Oswald Bayer: Theologie. Handbuch Systematische Theologie. Bd. 1. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994.
  • Gerhard Ebeling u. a.: Art. Theologie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. 3. Aufl., Bd. 6, Tübingen 1962, S. 754–781, ISBN 3-16-145098-1.
  • Mohammad Gharaibeh, Esnaf Begic, Hansjörg Schmid, Christian Ströbele (Hrsg.): Zwischen Glaube und Wissenschaft: Theologie in Christentum und Islam. (= Theologisches Forum Christentum - Islam, Band 10), Regensburg 2015, ISBN 978-3-7917-2671-7.
  • Christoph Schwöbel: Art. Theologie In: Religion in Geschichte und Gegenwart. 4., völlig neu bearbeitete Aufl., Bd. 8, Tübingen 2005, S. 255–306, ISBN 3-16-146948-8.
  • Henning Wrogemann: Theologie Interreligiöser Beziehungen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, ISBN 978-3-579-08143-4.

Weblinks

Für Weblinks zu den Theologien bestimmter Religionen vgl. jeweiligen Nachbarartikel, z. B. den Hauptartikel Christliche Theologie.

Einzelnachweise

  1. Henning Wrogemann, Interkulturelle Theologie und Hermeneutik, Gütersloh 2012; H. Wrogemann, Theologie Interreligiöser Beziehungen, Gütersloh 2015.
  2. Manfred Marquardt sieht „die Aufgabe der Theologie“ in der „Prüfung (= Kritik) kirchlicher Verkündigung und Lehre“, im Art. Kritik, II. Theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 20, 1990, S. 77–81.
  3. Heinzpeter Hempelmann: Art. Kritik/Kritizismus, in: Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde, Bd. 2, 1993, S. 1185f.
  4. Franz Graf-Stuhlhofer: Christliche Bücher kritisch lesen. Ein Lehr- und Arbeitsbuch zum Trainieren der eigenen Urteilsfähigkeit anhand von Auszügen aus konservativen evangelischen Sachbüchern (Theologisches Lehr- und Studienmaterial, 26). VKW, Bonn 2008.
  5. Franz Graf-Stuhlhofer: Facetten kritischen Denkens. In: Zeitschrift für Theologie und Gemeinde 19 (2014) S. 32–44.
  6. Vgl. etwa: Rudolf Weth, Christof Gestrich, Ernst Lüder Solte: Theologie an staatlichen Universitäten? Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1972. − Patrick Becker, Thomas Gerold (Hrsg.): Die Theologie an der Universität. Versuch einer Standortbestimmung. Lit, Münster 2005.
  7. Eugen Drewermann: Glauben in Freiheit oder Tiefenpsychologie und Dogmatik, Bd. 1, Patmos, 1993.
  8. Wolfgang Stegmüller machte im deutschen Sprachraum Ergebnisse und Probleme analytischer Debatten bekannt; er präzisierte u. a. die Thesen Kuhns im Rahmen der Konzeption Joseph D. Sneeds (strukturierte Theorien).
  9. Wichtige Beiträge kamen von John Leslie Mackie sowie von Hans Albert (Kritischer Rationalismus).
Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet

Das Wissenschaftliche Bibellexikon (WiBiLex) ist ein frei im Internet zugängliches, von Theologen und anderen Fachwissenschaftlern erstelltes Bibellexikon.WiBiLex ist ein Internetprojekt der Deutschen Bibelgesellschaft, das im Jahr 2008 erste Beiträge veröffentlichte. Das Lexikon ist noch im Aufbau. Im Mai 2019 waren über 1.700 von den über 3000 geplanten Einträgen abrufbar, der größere Teil im Bereich Altes Testament. Auch nach der Vervollständigung des Lexikons sollen Einträge bei Bedarf immer wieder aktualisiert werden.

Die gut 300 Autoren kommen aus unterschiedlichen Fachgebieten (z. B. Theologie, Alte Geschichte, Altorientalistik). Herausgeber sind Michaela Bauks und Klaus Koenen (Altes Testament) sowie Stefan Alkier (Neues Testament). Zudem arbeiten zwanzig Fachherausgeber für die Edition und entscheiden über die Aufnahme weiterer Mitarbeiter.Der Volltext ist frei abrufbar. Für registrierte Benutzer stehen einige erweiterte Funktionen zur Verfügung.

Doctor theologiae

Doctor theologiae, abgekürzt Dr. theol., ist die lateinische Bezeichnung für einen Doktor (akademischen Lehrer) der Theologie und den Doktorgrad in der Christlichen Theologie. Für den theologischen Ehrendoktor ist statt des Kürzels Dr. theol. h. c. auch die Kurzform D. üblich.

Dieser Titel war noch bis in die frühe Neuzeit der höchste akademische Grad und somit dem heutigen Universitätsprofessor gleichzustellen. So wurde z. B. von Martin Luther, auch als sein Ruf als Theologe längst über Wittenberg hinausgedrungen war, weiterhin von „dem Doktor Luther“ gesprochen.

Dogma

Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“) versteht man eine feststehende Definition oder eine grundlegende, normative Lehraussage, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird.

Insbesondere in der christlichen Theologie wird der Begriff Dogma wertneutral für einen Lehrsatz gebraucht, der unter Berufung auf göttliche Offenbarung, die Autorität der kirchlichen Gemeinschaft bzw. des kirchlichen Lehramts oder auf besondere Erkenntnisse als wahr und relevant gilt. Die systematische Entfaltung und Interpretation der Dogmen wird Dogmatik genannt.

Hingegen wird der Begriff vor allem als Adjektiv (dogmatisch) pejorativ gebraucht von Personen, die die entsprechenden Lehrsätze als nicht hinreichend fundiert ansehen, zum Beispiel weil sie die Lehrautorität der Kirche nicht anerkennen oder weil sie Weltanschauungen und Wertvorstellungen prinzipiell skeptisch gegenüberstehen, die den Anspruch erheben, als allein wahr, allgemeingültig oder verbindlich zu gelten oder gar für alle Zeit gültig zu sein.

Dogmatik

Dogmatik ist ein eigenständiges Lehrfach an katholischen und evangelischen theologischen Fakultäten über die dogmatische Auslegung des Inhalts der christlichen Glaubenslehre. Die Dogmatik nimmt besonders in der römisch-katholischen Kirche eine zentrale Stellung ein, da hier die Glaubenswahrheiten der katholischen Kirche vermittelt werden. Sie ist neben den Fachgebieten der Christlichen Ethik (Theologische Ethik und Moraltheologie) sowie Christliche Sozialethik (Christliche Soziallehre) und der katholischen Fundamentaltheologie Teilgebiet der Systematischen Theologie.

Die Darstellung der historischen Entwicklung der Dogmen ist Gegenstand der Dogmengeschichte.

Evangelische Theologie

Evangelische Theologie ist eine wissenschaftliche Disziplin. Sie gliedert sich in die Unterdisziplinen Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie (Dogmatik und Ethik) sowie Praktische Theologie. Manchmal werden auch Missionstheologie, Kirchenrecht und andere Teildiziplinen hinzugezählt. „Evangelisch“ ist hierbei Selbstbezeichnung der Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind. Evangelische Theologie bezieht sich in besonderer Weise auf die Bibel und auf die Bekenntnisschriften, wobei der Kanon der lutherischen Bekenntnisschriften abgeschlossen ist (BSLK), während in den Kirchen reformierter Tradition weltweit immer wieder neue Bekenntnistexte formuliert werden, auf die reformierte Theologen sich in ihrer Argumentation beziehen können.

Die theologische Forschung sucht in ihrem Reflektieren auch den Dialog mit den anderen Wissenschaften.

Eine wesentliche Funktion der theologischen Ausbildung liegt in der Vorbereitung auf kirchliche Tätigkeiten.

Katholische Theologie

Der Begriff katholische Theologie wird sowohl zur Bezeichnung der Theologie als wissenschaftlicher Disziplin innerhalb des konfessionellen Horizonts der römisch-katholischen Kirche (Materialobjekt) als auch zur Bezeichnung der spezifischen Methodik ebendieser Disziplin (Formalobjekt) verwendet.

Lexikon für Theologie und Kirche

Das Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) ist eine christlich-theologische Enzyklopädie.

Alle Ausgaben sind im Verlag Herder in Freiburg im Breisgau erschienen; die gebräuchliche wissenschaftliche Abkürzung ist LThK (mit jeweils hochgestellter Ziffer der Auflage).

Lizenziat

Ein Lizenziat (auch Lizentiat; von lateinischen licentiatus abgeleitet, abgekürzt lic.) ist der Inhaber einer akademischen Licentia docendi (Erlaubnis zu lehren). Es ist ein akademischer Grad, der ursprünglich im Anschluss an das Bakkalaureat und dann teils als Vorbedingung für den Magister oder das Doktorat oder auch als gleichrangiges Äquivalent erworben wurde. In der Stellung des Lizentiats zu anderen akademischen Graden sind auch die Epoche, das Land, die Universität und die Fakultät zu berücksichtigen.

Neues Testament

Das Neue Testament, abgekürzt NT, ist eine Sammlung von 27 Schriften des Urchristentums in griechischer Sprache, die Jesus Christus als den zur Rettung Israels und des Kosmos gekommenen Messias und Sohn Gottes verkünden. Diese neutestamentlichen Schriften beziehen sich oft auf das Alte Testament, die heiligen Schriften der Juden. Die Schriften des Alten und Neuen Testaments bilden insgesamt die Bibel; diese wird von allen Richtungen des Christentums als Wort Gottes und Grundlage des Glaubens betrachtet.

Der Begriff Testament ist abgeleitet von lateinisch testamentum; das ist eine Übersetzung von hebr. בְּרִית (berît) bzw. altgriechisch διαθήκη diathēkē, Deutsch „Bund“. Anstelle vom „Neuen Testament“ wird daher gelegentlich auch von den „Schriften des Neuen Bundes“ gesprochen.

Die Schriften des NT lassen sich in vier Textgattungen unterscheiden: Erstens die vier Evangelien, die Jesu Leben, Sterben und Auferstehen erzählend entfalten, zweitens die Apostelgeschichte, drittens 21 Briefe an christliche Gemeinden und Mitarbeiter sowie viertens eine Apokalypse, die Johannesoffenbarung. Insgesamt enthält das NT rund 140.000 Wörter.

Pfarrer

Pfarrer ist eine in christlichen Gemeinden verwendete Bezeichnung für eine Person, mit der Leitung einer Kirchengemeinde oder Pfarrei betraut ist und die Verantwortung trägt für die Leitung von Gottesdiensten, die seelsorglichen Betreuung und in der Regel auch für die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten der Pfarrei oder Kirchengemeinde. In der römisch-katholischen Kirche kann nur ein Priester Pfarrer einer Pfarrei sein. Anstelle der Leitung einer Gemeinde kann ein Pfarrer jedoch auch einen besonderen Dienst übernehmen. Die römisch-katholische Kirche, die Evangelische Kirche in Deutschland und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche regeln die Rechte und Pflichten der Pfarrer durch Kirchengesetz (Pfarrerdienstrecht), das sich weitgehend am staatlichen Beamtenrecht und an den Laufbahnen von Studienräten orientiert.

Polemik

Polemik (von griechisch πολεμικός polemikós ‚feindselig‘ bzw. πόλεμος pólemos ‚Krieg, Streit‘) bezeichnet einen meist scharfen Meinungsstreit im Rahmen politischer, literarischer oder wissenschaftlicher Diskussionen. Ziel ist, die eigene Meinung auch dann durchzusetzen, wenn sie sachlich nicht oder nur teilweise mit der Realität übereinstimmt. Der Begriff hat historisch einen Wandel erfahren, die ursprüngliche Bedeutung von Polemik war Streitkunst, ein literarischer oder wissenschaftlicher Streit, eine gelehrte Fehde.

Praktische Theologie

Die Praktische Theologie ist eine seit dem 19. Jahrhundert etablierte und an den Universitäten gelehrte Disziplin der Theologie.

Priester (Christentum)

Der Priester ist im Christentum der Träger eines kirchlichen Amts, der eine rituelle Weihe empfangen hat und zu besonderen kultischen Handlungen berechtigt ist.

Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche

Die Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche war ein lexikalisches Großprojekt in der protestantischen Theologie, das zwischen 1854 und 1913 in drei Auflagen erschien.

In der ersten und in der zweiten Auflage lautete der Titel Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche. Die gängige Abkürzung ist RE oder – seltener – PRE.

Die RE ist der Vorgänger der Theologischen Realenzyklopädie (TRE).

Religion in Geschichte und Gegenwart

Die Lexikonreihe Religion in Geschichte und Gegenwart (abgekürzt RGG; in den ersten drei Auflagen noch „Die Religion …“) ist ein Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Der inhaltliche Schwerpunkt der RGG liegt im (evangelischen) Christentum. Daneben werden jedoch auch viele Themen aus anderen Religionen sowie inzwischen aus Philosophie, Ethik, Politikwissenschaft, Ökonomie, Psychologie, Soziologie, Literatur und sonstigen angrenzenden Bereichen behandelt. In kurzen, inhaltlich intensiven Artikeln werden Personen, Begriffe, Orte, Ereignisse, Institutionen und Vieles mehr aus unterschiedlichen Perspektiven erklärt. Es überwiegt dabei eine Theologie liberaler Prägung.

Systematische Theologie

Die systematische Theologie ist ein Teilbereich der Theologie. Ihre Aufgabe ist es, den christlichen Glauben in seinen Voraussetzungen (Fundamentaltheologie), in seinem Glaubensinhalt (Dogmatik) und in seinen Konsequenzen für das menschliche Handeln (Theologische Ethik oder Moraltheologie und christliche Soziallehre) systematisch zu reflektieren.

Dies ist zugleich die Untergliederung der systematischen Theologie in Teildisziplinen, wie sie an katholisch-theologischen Fakultäten üblich ist. In evangelischer Tradition wird eher eine Zweiteilung in die Reflexion von Wort- (Dogmatik) und Tatzeugnissen (Theologische Ethik) des christlichen Glaubens vorgenommen. Die Fundamentaltheologie wird dann als Prolegomenon zur Dogmatik betrachtet.

Theologe

Ein Theologe hat eine theologische Ausbildung bzw. ein theologisches Studium absolviert oder betreibt Theologie mit wissenschaftlichem Anspruch. Normalerweise spricht man von Theologen nur im Kontext theistischer, besonders der monotheistischen, abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam).

Gemäß den theologischen Teilgebieten des Christentums gibt es unter den Theologen u. a.:

Alttestamentler (siehe Kategorie:Alttestamentler und Altes Testament)

Neutestamentler (siehe Kategorie:Neutestamentler und Neues Testament)

Dogmatiker (siehe Kategorie:Dogmatiker und Dogmatik)

Fundamentaltheologen (siehe Kategorie:Fundamentaltheologe und Fundamentaltheologie)

Missionswissenschaftler (siehe Kategorie:Missionswissenschaftler und Missionswissenschaft)

Moraltheologen (siehe Kategorie:Moraltheologe und Moraltheologie)

Kirchenhistoriker (siehe Kategorie:Kirchenhistoriker und Kirchengeschichte)

Kirchenrechtler (siehe Kategorie:Kirchenrechtler und Kirchenrecht)

Liturgiewissenschaftler (siehe Kategorie:Liturgiewissenschaftler und Liturgiewissenschaft/Liturgik/Liturgie)

Pastoraltheologen (siehe Kategorie:Pastoraltheologe und Pastoraltheologie)

Religionspädagogen (siehe Kategorie:Religionspädagoge und Religionspädagogik)

Christliche Sozialethiker (siehe Kategorie:Christlicher Sozialethiker und Christliche Soziallehre)

Patristiker (siehe Kategorie:Patristiker und Patristik)Vor allem die evangelische Theologie fasst manche dieser Teilgebiete häufig in größere Einheiten zusammen und spricht dann von:

Systematischer Theologe (siehe Kategorie:Systematischer Theologe und Systematische Theologie)

Praktischer Theologe (siehe Kategorie:Praktischer Theologe und Praktische Theologie)Ein Freier Theologe ist ein Theologe, der pastorale Dienstleistungen wie freie Trauungen oder freie Beerdigungen unabhängig von einer bestimmten Konfession anbietet.

Nachfolgende Kategorien und Listen enthalten Theologen und Theologinnen:

Liste von Theologen (Christentum, Judentum, Islam, Bahai) in alphabetischer Anordnung

chronologische Liste deutschsprachiger christlicher Theologen

Christliche Theologen nach Fachgebiet

Christliche Theologen nach Konfession

Theologische Realenzyklopädie

Die Theologische Realenzyklopädie (TRE, ThRE) ist das größte deutschsprachige Buchprojekt in Theologie und Religionswissenschaft im Ausgang des 20. Jahrhunderts und Beginn des 21. Jahrhunderts. Sie umfasst in 36 Bänden etwa 2000 meist sehr ausführliche Fachartikel vom Frühchristentum bis ins 20. Jahrhundert. Die erste Lieferung erschien 1977, die letzte im September 2004.

Thomas von Aquin

Thomas von Aquin (* kurz vor oder kurz nach Neujahr 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in Italien; † 7. März 1274 in Fossanova; auch Thomas Aquinas, „der Aquinat(e)“ oder nur Thomas genannt; italienisch Tommaso d’Aquino) war ein italienischer Dominikaner und einer der einflussreichsten Philosophen und der bedeutendste katholische Theologe der Geschichte. Er gehört zu den bedeutendsten Kirchenlehrern der römisch-katholischen Kirche und ist als solcher unter verschiedenen Beinamen wie etwa Doctor Angelicus bekannt. Seiner Wirkungsgeschichte in der Philosophie des hohen Mittelalters nach zählt er zu den Hauptvertretern der Scholastik. Er hinterließ ein sehr umfangreiches Werk, das etwa im Neuthomismus und der Neuscholastik bis in die heutige Zeit nachwirkt. In der römisch-katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt.

In anderen Sprachen

This page is based on a Wikipedia article written by authors (here).
Text is available under the CC BY-SA 3.0 license; additional terms may apply.
Images, videos and audio are available under their respective licenses.