Tanach

Als Tanach [taˈnaχ] oder Tenach [təˈnaχ] (hebräisch תנ״ך TNK) bezeichnet das Judentum die Bibeltexte, die als normativ für die eigene Religion gelten. Der Tanach besteht aus den drei Teilen Tora ‚Weisung‘, Nevi’im ‚Propheten‘ und Ketuvim ‚Schriften‘. TNK ist das Akronym der Anfangsbuchstaben dieser Teile (תנ״ך). Sie enthalten insgesamt 24 in hebräischer Sprache verfasste Bücher; zwei davon enthalten längere aramäische Textpassagen. In der Sekundärliteratur wird der Tanach auch als „jüdische“ oder „hebräische Bibel“ bezeichnet.

Das Christentum hat alle Bücher des Tanach übernommen und in etwas anderer Anordnung als sein Altes Testament kanonisiert (Bibelkanon).

Die 24 Bücher des Tanach (TaNaKh)
Tora (Weisung, Lehre)
Nevi’im (Propheten)
Ketuvim (Schriften)
Eingerückt: die fünf Megillot.
Reihenfolge nach BHS; kann sich je nach Ausgabe unterscheiden.

Namen

„TNK“ ist ein Akronym, das aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der Namen der drei Hauptteile zusammengesetzt ist. Die Konsonanten Taw ת, Nun נ und Kaph כ Schlussform ך werden vokalisiert zu Tanakh oder Tenakh ([taˈnax] oder [təˈnax]); der Schlusskonsonant wird als Reibelaut ​[⁠χ⁠]​[1] ausgesprochen.

Der Tanach wird im Gottesdienst des Judentums auch als Miqra מִקְרָא (‚Lesung‘) oder als Tora (nach seinem für das Judentum wichtigsten ersten Hauptteil) bezeichnet.

Entstehung

Der Tanach entstand als Sammlung verschiedener religiöser und profaner jüdischer Schriften in einem komplexen Prozess von ca. 1200 Jahren innerhalb der Geschichte Israels. Seine ältesten Bestandteile sind mündlich überlieferte Sagenkränze, Ätiologien und Herkunftssagen einzelner Sippen und Stämme. Diese wuchsen allmählich zusammen, wurden später aufgezeichnet, in eine theologisch konzipierte Heilsgeschichte integriert und erhielten so gesamtisraelitische Bedeutung.

Textgeschichte

Entire Tanakh scroll set
Kompletter Schriftrollensatz des Tanach

Die hebräische Schrift eignet sich nicht für Tontafeln, die sonst im Alten Orient in Keilschrift beschrieben wurden. Auch mit sakralen Texten beschriebene Tonscherben (Ostraka) wurden in Israel bisher nicht aufgefunden. Das übliche Schreibmaterial waren handgefertigte Papyrus-, vereinzelt auch Leder-Rollen, die mit Tinte aus rußigem Olivenöl oder Eisengallustinte beschrieben wurden.

Der älteste erhaltene Text des Tanach sind der Aaronitische Segen und ein weiterer Segen in den Silberrollen von Ketef Hinnom aus dem 7. Jahrhundert vor Christus.

Die ältesten bekannten zusammenhängenden Bibeltexte sind die Schriftrollen vom Toten Meer, die etwa 250 v. bis 100 n. Chr. entstanden. Sie umfassen die meisten Bücher der ersten beiden Hauptteile. Zu den ältesten sicher datierbaren Fragmenten gehören 4Q52 (4QSamb) und 4Q17 (4QExod-Lev).

Die fast 7,5 Meter lange Jesajarolle enthält das vollständige Jesajabuch (66 Kapitel) und weicht nur minimal von den 1100 Jahre jüngeren masoretischen Bibelhandschriften ab. Die Rolle belegt somit eine enorme Disziplin und Genauigkeit der generationenlangen Abschriften von Bibeltexten.

Seit dem 1. Jahrhundert löste Pergament allmählich Papyrus als Schreibmaterial ab: Damit konnten mehrere umfangreiche Schriftrollen zu einem „Kodex“ gebündelt werden. Der älteste erhaltene hebräische Bibelkodex ist der Codex Cairensis aus dem Jahr 895, eine Abschrift des Zwölfprophetenbuchs.

Der 1616 wiederentdeckte samaritanische Pentateuch weicht in etwa 6000 Fällen meist nur orthografisch vom bis dahin bekannten masoretischen Text ab, stimmt aber in einem Drittel dieser Fälle mit der Septuaginta überein. Ab 1896 kamen Funde aus einer Geniza (versiegelte Kammer zur Entsorgung nicht mehr verwendeter Texte) in Kairo hinzu. Dadurch weiß man heute, dass die bis 1945 bekannte Textversion überwiegend die palästinische Tradition überliefert hat, die vor dem Jahr 135 nicht die einzige war.

Der Konsonantentext vor allem der Tora wurde um 135 festgelegt, nach der Niederlage im jüdischen Bar-Kochba-Aufstand gegen das Römische Reich. Dass er dabei alter vorchristlicher, jedoch noch nicht kanonisierter Überlieferung folgte, ist durch die Funde in Qumran und den Papyrus Nash (um 170 v. Chr. entstanden) erwiesen. Bis dahin gab es mehrere Versionen der Bibeltexte nebeneinander: die griechische Septuaginta, den samaritanischen Pentateuch und hebräisch-aramäische Vorformen des Tanach mit leichten Abweichungen, auf die innerbiblische Paralleltexte hinweisen: zum Beispiel Psalm 18 und 2. Samuel 22 oder Jesaja 2,2–4 und Micha 4,1–3.

Nach Festlegung des Konsonantentextes begann die 1000-jährige philologische Arbeit (מסורה Masora) jüdischer Schriftgelehrter (Masoreten) in Palästina, hier besonders in Tiberias, und Babylonien, die mit dem Sammeln, Kopieren und Redigieren von biblischen Handschriften befasst waren. Zu ihren Aufgaben gehörten die Punktierung des festgelegten Konsonantentextes durch Vokalzeichen, Akzente, Satzzeichen und Verseinteilungen. Ferner mussten nach ihren strengen Vorschriften ältere, von der als gültig vereinbarten Textversion abweichende Abschriften vernichtet werden. Bis etwa zum Jahr 1000 vereinheitlichten sie den Text des Tanach. Der älteste vollständig erhaltene Textzeuge ist der Codex Leningradensis (Handschrift B19) aus dem Jahr 1008. Dieser hebräisch-aramäische Masoretentext wurde erst im Zeitalter der Renaissance und der Reformation von Christen wiederentdeckt und dann zur Grundlage ihrer Bibelübersetzungen, besonders der Lutherbibel (1534). Diese seit dem Mittelalter bekannten masoretischen Bibelhandschriften galten lange Zeit als „Urtext“ der Bibel. Auf ihren Kodizes beruhen alle modernen Ausgaben des Tanach, so die Biblia Hebraica und Biblia Hebraica Stuttgartensia.

Mündliche und schriftliche Quellen

Die ältesten Überlieferungen des Tanach sind in der Tora, auch „Pentateuch“ (von griechisch pente = fünf, teuchos = Buchrolle) genannt, gesammelt. Diese erzählt von der Schöpfung der Welt und Urgeschichte der Menschheit bis zur „Erwählung“, Befreiung und Einwanderung Israels in Kanaan. Diese Heilsgeschichte wurde in Jahrhunderten aus vielen verschiedenen Stoffen, darunter Sagenkränzen, Ortsätiologien, Stammesüberlieferungen und Gesetzeskorpora, komponiert. Die Einzelquellen und -traditionen wurden wohl schon in der Königszeit (ab 1000 v. Chr.), besonders aber der exilischen Zeit (587 v. Chr.) literarisch zu größeren Einheiten verbunden:

  • den „Erzväter“-Erzählungen (1 Mose 12–47),
  • der Geschichte von Israels Auszug aus Ägypten, seiner Wüstenwanderung und Gesetzesoffenbarung am Sinai (2. Buch Mose),
  • der Besiedlung, Eroberung und Verteidigung („Landnahme“) des verheißenen Landes (Teile des 4. Buchs Moses sowie die Bücher Josua und Richter),
  • den Urgeschichten (1 Mose 1–11),
  • Gesetzessammlungen (Teile des 2. und 4. Buch Moses sowie das gesamte 3. und 5. Buch Moses).

Hinzu kamen seit der Königszeit Überlieferungen über die politische Geschichte Israels, die im und nach dem Exil zu größeren Einheiten wie dem „Deuteronomischen Geschichtswerk“ verbunden wurden: Dazu gehören das Buch Josua, das Buch der Richter, das Buch Samuel und das 1. Buch der Könige und 2. Buch der Könige als ein Buch.

Seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. wurden außerdem prophetische Traditionen gesammelt und später entweder in die Geschichtswerke über die Königszeit integriert (Samuel, Nathan, Elija, Elischa) oder zu eigenen prophetischen Einzelbüchern zusammengestellt (von Jesaja bis Maleachi).

Seit der Regierungszeit Salomos im 10. Jahrhundert v. Chr., besonders aber in exilisch-nachexilischer Zeit ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden liturgische, poetische und weisheitliche Schriften:

  • Gebets-Poesie wie die Psalmen, Spruchweisheit wie die Sprichwörter oder die Liebesgedichte des Hohenliedes,
  • reflexive Weisheitsliteratur wie die Bücher Kohelet und Hiob.

Werden der drei Hauptteile

Die Tora entstand seit der Staatsbildung in Israel und lag schon in vorexilischer Zeit in Teilen als schriftliches Gesetzbuch und Grundlage des Jerusalemer Tempelkults vor. Sie wurde bis 250 v. Chr. endgültig fertiggestellt und dann ins Griechische übersetzt und bildete so die Grundlage für die Septuaginta.

Seit etwa 400 v. Chr. wird die Tora in fünf Bücher eingeteilt. Dies hing mit theologischen Gründen und dem Umfang von zusammengerollten Pergamentschriften zusammen. Darum wird die Tora auf Hebräisch auch Chumasch [חומש] („die Fünf“) und auf Griechisch auch Pentateuch („Fünf-Schriftrollen-Behälter“) genannt.

Die Schriftbücher der Propheten und das Zwölfprophetenbuch lagen großenteils bis 200 v. Chr. vor. Im um 190 v. Chr. entstandenen Buch Jesus Sirach wird erstmals eine dreiteilige Sammlung heiliger Schriften vorausgesetzt. Damals war nur noch der dritte Teil unabgeschlossen.

Um 90 teilte Flavius Josephus den Tanach gemäß der Buchstabenzahl des hebräischen Alphabets in 22 einzelne Bücher[2] (griech. biblia) ein. Dabei zählte er die Bücher Samuel, Könige, Chronik, Esra/Nehemia, das Zwölfprophetenbuch, Richter/Rut und Jeremia/Klagelieder als je ein Buch. Das 4. Esrabuch dagegen teilte den Tanach in 24 Bücher ein, indem es Richter, Rut, Jeremia und Klagelieder einzeln zählte. Es erreichte so eine Analogie zu den Zwölf Stämmen Israels und dem in zwölf Monate geteilten Jahreszyklus.

Viele der zu den „Schriften“ gezählten Bücher entstanden nach der Rückkehr eines Teils der exilierten Juden seit 539 vor Christus (Esra, Nehemia, Ester, Rut). In der nachexilischen Zeit wurde mindestens die Tora zur „Heiligen Schrift“ des Judentums; welche Propheten und Schriften dazu gehören sollten, blieb unter den verschiedenen Richtungen des Judentums umstritten. Auch die Abfolge der Bücher im Propheten- und Schriftenteil und die Aufnahme und Zuordnung weiterer Bücher zum Schriftenteil blieben lange umstritten. Umfang und Einteilung des Tanach wurden im Judentum gegen 200 n. Chr. endgültig festgelegt. Von der seit der Makkabäerzeit entstandenen apokalyptischen Literatur wurde nur das um 165 v. Chr. entstandene Buch Daniel in den Kanon aufgenommen, aber den Schriften, nicht den Propheten zugeordnet.[3]

Aufbau

Die drei Hauptteile des Tanach (Tora, Nevi’im und Ketuvim) sind in der Reihenfolge ihrer Kanonisierung angeordnet. Ihre Rangfolge spiegelt nach orthodox-jüdischem Glauben einen abnehmenden Grad an Inspiration wider: Die Tora beruht demnach auf direkter Zwiesprache Mose mit Gott, die Nevi’im beruhen auf gottgesandtem Wortempfang, Träumen und Visionen, und die Ketuvim beruhen auf indirekter Beeinflussung der menschlichen Autoren durch den Ruach HaQodesh, wörtlich „Atem der Heiligkeit“, auch als Ruach JHWH „Atem Adonais“ bezeichnet. In dieses abgestufte Ordnungsschema wurden weitere biblische Bücher nach der angenommenen oder tatsächlichen Entstehungszeit und aus theologischen Gesichtspunkten eingeordnet.

Tora

Die Tora (die fünf Bücher Mose, wissenschaftlich als Pentateuch bezeichnet) enthält JHWHs bleibend gültige Erwählung des Gottesvolks und Offenbarung seiner Rechtsordnung, auf die die Schöpfung der Welt von Anfang an zielt: Darum ist dieser erste zugleich der theologisch wichtigste Hauptteil des Tanach, auf den die beiden später entstandenen Teile bezogen bleiben.

Nevi’im

Der hebräische Titel Nevi’im oder Nebiim (hebräisch נְבִיאִים, Propheten) bezeichnet die Prophetenbücher des Tanach und verbindet ihre beiden Teile. Die sogenannten vorderen Propheten (Neviim Rischonim) enthalten die Aufzeichnungen der Geschichte Israels, die heute in der Wissenschaft als deuteronomistisches Geschichtswerk angesehen wird. Zu den hinteren Propheten (Neviim Acharonim) gehören die Bücher der klassischen Prophetie im Tanach. Diese deuten die Geschichte Israels von vornherein nicht als bloße Erinnerung an Vergangenes, sondern als Verheißung. Damit erscheinen die vorderen Propheten, deren Verkündigung nicht in eigene Bücher gefasst wurde, als legitime Nachfolger des Toraempfängers und Propheten Mose (5 Mose 18,18; 34,10) und als Wegbereiter der Schriftprophetie, deren Theologie das Geschichtswerk entscheidend beeinflusste. So stellen Samuel, Natan, Ahija von Schilo, der Gottesmann aus Juda, Micha ben Jimla, Elija, Elischa und die Prophetin Hulda in den Königsbüchern immer wieder die Weichen für die Zukunft der Königreiche Israel und Juda, indem sie oft an den in der Tora geoffenbarten Gotteswillen erinnern und ihr Eingreifen damit begründen.

Die vorderen Propheten umfassen die vier Bücher Jehoschua, Schoftim, Schemuel und Melachim. Die Bücher Schemuel und Melachim wurden wegen ihrer Länge in je zwei Schriftrollen geteilt, die Rollen Schemuel A und B bzw. Melachim A und B. Sie gelten jedoch jeweils als ein Buch. Sie erzählen insgesamt die Geschichte des Volkes Israel seit dem Tod des Mose bis zum babylonischen Exil. Die hinteren Propheten sind vor allem Sammlungen von Prophetensprüchen, die erzählenden Teile treten demgegenüber zurück. Auch sie umfassen vier Teile, nämlich Jeschajahu, Jirmejahu, Jechezkel und tre asar, in dem die Bücher der zwölf kleinen Schriftpropheten vereint sind.

Ketuvim

Die Ketuvim (auch Ketubim, Ketuwim, hebräisch כְּתוּבִיםdie Schriften) bilden den dritten Hauptteil des Tanach. Er enthält:

  • die drei Sifrei Emet (poetische Bücher) Psalmen (תהלים / Tehilim), Ijob (איוב / ’Iyov), Sprüche (משלי / Mishlei),
  • die fünf Megillot Rut (רות), Hoheslied (שיר השירים / Shir Hashirim), Kohelet (קהלת), die Klagelieder (איכה / Eikha) und das Buch Ester (אסתר). Je eins davon wird bei einem der jüdischen Feste Schawuot, Pessach, Sukkot, Tischa beAv und Purim gelesen.
  • die übrigen Bücher Daniel (דניאל), Esra (עזרא), Nehemia (ונחמיה) und die Chronik als ein Buch (דברי הימים / Divrei Hajamim).

Es sind vor allem Bücher, die die menschliche Antwort auf Gottes Offenbarung (Teil 1) und seine Selbstauslegung in der prophetisch gelenkten Geschichte Israels (Teil 2) behandeln und abbilden. Deshalb enthält dieser dritte Hauptteil des Tanach sowohl vorexilisch entstandene Teile wie die gesammelten Psalmgebete als auch spät und teilweise auf Aramäisch abgefasste Bücher (Esra und das apokalyptische Buch Daniel). Das zweigeteilte Chronikbuch, das dieselbe Zeit wie die Königsbücher behandelt, aber über das Ende des ersten Jerusalemer Tempels hin fortsetzt, wurde an das Ende des dritten Hauptteils gestellt. So bildet das Cyrusedikt zur Freilassung der exilierten Juden mit der Erlaubnis zum Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels um 539 v. Chr. den programmatischen Abschluss des Tanach: Die Heilsgeschichte JHWHs zielt auf ein erneuertes Leben seines erwählten Volkes im gelobten Land und die Wiederherstellung seines Heiligtums, auf Israels Frieden (Shalom) mit seinen Nachbarn und Gott.[4] Es gibt keine normierte Reihenfolge in den gedruckten Ausgaben. Sie wurden vermutlich um 100 n. Chr. kanonisiert, wobei die meisten dieser Bücher bereits um 190 v. Chr. als heilige Schriften galten.

Inhalte

Der Tanach erzählt die Geschichte der Schöpfung und des Volkes Israel unter JHWHs gnädiger Führung über einen Zeitraum von etwa 1300 Jahren. Er enthält unterschiedliche Traditionen der einzelnen Stämme von Halbnomaden, die sich um den Glauben an den Gott JHWH im Raum des heutigen Palästina zu einem Volk vereinten. Dazu gehören Ortsätiologien, Kultsagen, Erinnerungen an Siege und Niederlagen aller Art und Gebotssammlungen. Sie wurden von verschiedenen Autoren redaktionell zu einer Gesamtgeschichte Israels verbunden.

Ein Teil dieser Gebote spiegelt längst vergangene, bis ins Einzelne geregelte vorantike Lebensverhältnisse wider. Solche Gebote sind heute schwer verständlich und müssen vor dem Hintergrund der damaligen Lebensverhältnisse verstanden und für die heutige Zeit neu interpretiert werden.

Wesentliche Kernbestandteile der Tora sind jedoch in das kulturelle Erbe der Neuzeit eingegangen: Dazu gehören vor allem der Dekalog und die Menschenwürde jedes Einzelnen. Sie wird im Tanach mit der Befreiung Israels aus der in der Antike allgemein üblichen Sklaverei, die als Erwählung eines Volkes zum Segen für alle Völker verstanden wird, und der Gottebenbildlichkeit des Menschen begründet.

Einige Schichten des Tanach spiegeln andere als die jahwistische Tradition wider. Bei der Einwanderung der Halbnomadenstämme in das Kulturland Kanaan brachte jeder Stamm seinen Sippengott mit. Diese wurden erst miteinander und dann mit der Gotteserfahrung der Hebräer aus dem Raum Ägyptens und der Sinai-Halbinsel verschmolzen (2 Mose 3), zum Teil aber auch zusammen mit Gottheiten der Kanaanäer synkretisch verehrt. Während etwa die Schöpfergottheit des kanaanäischen Pantheons El problemlos mit JHWH identifiziert werden konnte (Gen 14,17 f.), wurden Fruchtbarkeits- und Astralgötter wie Baal, Astarte, Marduk u. a. als der eigenen Glaubensidentität fremd abgelehnt. Die einheitsstiftende Rolle des Monotheismus des ersten Gebots setzte sich erst allmählich in Israel durch.

Verwendung im Gottesdienst

Der Tanach wird im jüdischen Gottesdienst am Schabbat in der Synagoge regelmäßig für Schriftlesungen verwendet. Aus der Tora wird fortlaufend in Wochenabschnitten (Parascha) vorgelesen, so dass im Laufe eines Jahres die gesamte Tora vorgetragen wird. Zu jedem Tora-Wochenabschnitt gehört ein ausgewählter kürzerer Prophetentext (Haftara), der jeweils anschließend vorgetragen wird. Aus dem dritten Teil, den Schriften, werden besonders die Psalmen liturgisch verwendet sowie die fünf Festrollen zu den fünf Festen Pessach (Hoheslied), Schawuot (Buch Rut), 9. Av (Klagelieder), Sukkot (Kohelet), Purim (Buch Ester).

Rezeption im Christentum

Im Christentum wurden alle Bücher des Tanach zusammen mit einigen weiteren der Septuaginta seit etwa 190 als Altes Testament (AT) dem Neuen Testament (NT) gegenübergestellt und um 400 endgültig kanonisiert. Der Tanach blieb somit vollgültiger Teil des Bibelkanons und damit normatives Wort Gottes. Damit lehnten die Kirchenväter die Trennung des Schöpfergottes der Bibel von Jesus Christus, dem Erlöser, als Häresie ab, die Marcion um 150 vertreten hatte.

Die Bücher des Tanach wurden in ihrem gesamten Textbestand übernommen, aber anders angeordnet und anders in drei Hauptteile eingeteilt: Der erste Teil umfasst die „Geschichtsbücher“ (1. Mose bis Buch Esther), der zweite Teil „Dichtung“ bzw. „Weisheit“ (Hiob, Psalmen, Sprüche Salomos, Prediger, Hoheslied) und der dritte Teil umfasst die „Propheten“.[5] Zuordnung und Reihenfolge der übernommenen Schriften unterscheiden sich je nach christlicher Konfession. Viele evangelische AT enthalten ausschließlich die Schriften des Tanach. Manche andere Schriften wurden als Apokryphen hinzugefügt, wobei die auf der Lutherbibel beruhenden Bibelausgaben mit am weitesten gingen. Die römisch-katholische Kirche zählt zu den Geschichtsbüchern noch die Bücher Tobit und Judit, die nicht Teil des Tanach sind.

Die Schriftpropheten wurden von den Geschichtsbüchern unterschieden und ans Ende gerückt. Darin zeigt sich bereits, dass Christen die jüdische Geschichte eher als abgeschlossene Vergangenheit sahen und die Verheißungen auf Jesus Christus bezogen, während für Juden die ganze fortlaufende Geschichte Israels eine prophetische Dimension behielt: Geschichtserinnerung war für sie zugleich aktuelle Verheißung.

Die Tora eröffnet die Bibel in beiden Religionen. Im AT bildet sie aber keinen eigenen Teil, sondern steht mit den Büchern Josua, Richter, Samuel, Könige, Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Ester in einer Reihe. Damit wird der in der Tora offenbarte Wille Gottes in gewisser Weise zu einer Erinnerung an vergangene Geschichte. Auch die übrigen Schriften (Ketuvim) sind anders zugeordnet. In der Reihenfolge der sogenannten „hinteren“ Propheten (Nevi’im) stimmen beide Versionen überein.

Im Christentum werden die fünf Bücher Mose hauptsächlich als geschichtliche Zeugnisse des Volkes Israel gelesen und weniger als aktuelle Lehre oder Unterweisung, abgesehen von den Zehn Geboten, frühen Verheißungen an die Erzväter und messianischen Weissagungen der Propheten Israels. Die Kirchenväter setzten die Aufnahme des AT in den christlichen Bibelkanon durch, deuteten aber viele prophetische Verheißungen, Psalmgebete und Schöpfungserzählungen allegorisch oder typologisch als Hinweise auf das Kommen Jesu Christi.

Die Bezeichnung „Altes Testament“ geht auf die Rede vom „Alten“ und „Neuen“ Bund im Hebräerbrief zurück. Sie wurde oft irrtümlich als Ablösung des Bundes Gottes mit Israel durch das neue Gottesvolk, die Kirche, aufgefasst, so dass „alt“ als „veraltet“ oder „überholt“ gedeutet wurde. Damit war die „theologische Enteignung“ des Judentums in der Substitutionstheologie verbunden. Um diese traditionelle Abwertung zu vermeiden, nennen manche Christen, Theologen und Kirchen den Tanach bzw. das AT heute Erstes Testament oder hebräische Bibel. Damit grenzen sie sich vom christlichen Antijudaismus ab und betonen die gemeinsame Grundlage beider Religionen. Denn das NT verkündet den „neuen Bund“ als endgültige Bekräftigung des ersten Bundes Gottes mit seinem Volk Israel (Röm 11,2), der wie im Tanach verheißen alle übrigen Völker einschließe (z. B. Apg 2,16; Joh 4). An der lebendigen Beziehung des einen Gottes zu seinem zuerst und bleibend erwählten Volk halten bekennende Juden und Christen nach der Erfahrung des Holocaust gemeinsam fest.

Verfügbare Ausgaben der hebräischen Bibel

  • Biblia Hebraica Stuttgartensia, Handausgabe, ISBN 978-3-438-05218-6
  • Biblia Hebraica Quinta, ist noch im Erscheinen. Teillieferungen: kartoniert; 1. Megilloth (Fasc. 18, 2004), ISBN 978-3-438-05278-0; 2. Ezra and Nehemiah (Fasc. 20, 2006), ISBN 978-3-438-05280-3; 3. Deuteronomy (Fasc. 5, 2007), ISBN 978-3-438-05265-0; 4. Proverbs (Fasc. 17, 2008), ISBN 978-3-438-05277-3; 5. The twelve minor Prophets (Fasc. 13, 2010), ISBN 978-3-438-05273-5; 6. Judges (Fasc. 7, 2011), ISBN 978-3-438-05267-4, 7. Genesis (Fasc. 1, 2015), ISBN 978-3-438-05261-2

Literatur

Historische Übersetzungen des Judentums

  • Annette M. Böckler (Hrsg.): Die Tora. Die fünf Bücher Mose in der Übersetzung von Moses Mendelssohn. Mit den Prophetenlesungen im Anhang. (1783) Jüdische Verlagsanstalt, Berlin 2004, ISBN 978-3-934658-10-3.
  • Samson Raphael Hirsch: Die fünf Bücher der Tora. Pentateuch mit Haftarot übersetzt und erklärt, neu gesetzt. Der klassische Kommentar des deutschen orthodoxen Judentums, Deutsch, Hebräisch. (1867–1873) Fünf Bände, Morascha, Basel/Zürich 2008–2011, ISBN 978-3-033-02899-9. Online.
  • Samson Raphael Hirsch: Sefer Tehilim – Die Psalmen. Ein klassischer Psalmenkommentar, übersetzt und erläutert. (1883) Morascha, Basel/Zürich 1995.
  • Naftali Herz Tur-Sinai: Die Heilige Schrift. (1935–1937) R. Brockhaus, 2013, ISBN 3-417-25180-X.
  • Martin Buber, Franz Rosenzweig: Die Schrift Verdeutscht – mit Bildern von Marc Chagall. (1961) Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007, ISBN 978-3-579-06448-2.
  • Leopold Zunz: Die Heilige Schrift: Tanach. Torah – Newiim -Ketuwim. Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift. Hebräisch-Deutsch. Nach dem Masoretischen Text. Goldschmidt Verlag, Basel, 1997, ISBN 978-3-85705-042-8.
  • Hanna Liss, Annette M. Böckler, Bruno Landthaler: Tanach. Lehrbuch der jüdischen Bibel. (2005) 3. Auflage, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8253-5904-1.
  • Ludwig Philippson: Die Tora. Die Fünf Bücher Mose und die Prophetenlesungen (hebräisch-deutsch). Hrsg.: Walter Homolka, Hanna Liss, Rüdiger Liwak. Herder, Freiburg Basel Wien 2015, ISBN 978-3-451-33334-7 (unter Mitarbeit von Susanne Gräbner und Daniel Vorpahl).

Christliche Rezeption

  • Erich Zenger: Das Erste Testament. Die jüdische Bibel und die Christen. Patmos, Düsseldorf 2004, ISBN 978-3-491-69416-3.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Auch „ach-Laut“ genannt, weil er in der Aussprache des deutschen Wortes „ach“ vorkommt.
  2. Contra Apionem I, 8
  3. Erich Zenger: Einleitung in das Alte Testament. 6. Auflage, Kohlhammer, Stuttgart 2006, S. 23
  4. Erich Zenger: Einleitung in das Alte Testament, Kohlhammer, 6. Auflage 1995, S. 21–26
  5. Adolf M. Ritter: Zur Kanonbildung in der Alten Kirche, in: Charisma und Caritas. Aufsätze zur Alten Kirche, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1997, ISBN 3-525-58160-2, S. 273 ff.
1. Buch Samuel

Das 1. Buch Samuel (abgekürzt 1 Sam) ist ein biblisches Buch des (jüdischen) Tanach und des (christlichen) Alten Testaments. Ursprünglich bildete 1 Sam zusammen mit dem 2. Buch Samuel eine Einheit. Der Name geht darauf zurück, dass es nach jüdischer Tradition von Samuel verfasst wurde. In der Septuaginta (und infolgedessen auch in den Ostkirchen) heißt es 1. Buch der Königreiche. Die Septuaginta-Fassung dieses Buches ist an manchen Stellen wesentlich kürzer als die heutige hebräische Fassung, was dafür spricht, dass der hebräische Text erst spät seine endgültige Form erlangte. Seit Stephen Langton wird das 1. Samuelbuch in 31 Kapitel unterteilt.

2. Buch Samuel

Das 2. Buch Samuel ist ein biblisches Buch im Tanach. Es wird seit dem Mittelalter in 24 Kapitel unterteilt. In den Ostkirchen heißt es 2. Buch der Königreiche.

Der Prophet Samuel erscheint nur im 1. Buch Samuel; die beiden Bücher Samuel waren einst ein einziges Buch, und so behielten die Teile den Namen bei, nachdem sie aus praktischen Gründen (handhabbare Größe einer Schriftrolle) voneinander getrennt wurden. Hauptfigur dieses Buches ist vielmehr David. Das Buch weist viele Parallelen zum 1. Buch der Chronik auf. Im Gegensatz zu diesem ist es aber merklich kritischer und legt den Schwerpunkt mehr auf die politischen Ereignisse als auf den Kultus. Neben den Erzählungen finden sich auch Psalmen (2. Sam 1,19–27: Davids Klagelied über Saul und Jonatan; 2. Sam 22: Davids Danklied (= Ps 18, 1–51); 2. Sam 23: Davids letzte Worte).

2. Buch der Chronik

Das 2. Buch der Chronik, auf hebräisch דִּבְרֵי הַיָּמִים Diwrei hajjamim („Ereignisse der Tage“, 1 und 2 Chr), ist ein Buch aus dem Tanach und bildet die direkte Fortsetzung des 1. Buches der Chronik, das wohl nur der Unhandlichkeit allzu langer Schriftrollen wegen vom ersten getrennt wurde. Seit dem Mittelalter wird es in 36 Kapitel unterteilt. In den Ostkirchen heißt es 2. Buch der Auslassungen.

Die Handlung des Buches ist größtenteils parallel zum 1. und 2. Buch der Könige, das Geschehen wird jedoch aus anderem Blickwinkel betrachtet. Vor allem auf den Kultus und die israelitische Gesellschaft wird mehr Wert gelegt, auf politische Vorgänge dafür weniger. Im Gegensatz zu den Königsbüchern beschränkt sich die Chronik nach der Reichsteilung auf die Vorgänge im Südreich Juda und lässt das Nordreich Israel außer Acht. Die Sicht auf das Königtum ist in der Chronik insgesamt positiver als in den sehr kritischen Büchern der Könige.

Der Aufbau des Buches besteht vor allem aus folgenden Themen:

Bau und Weihe des Tempels Kap. 1–7

Salomos Ruhm und Ende Kap. 8–9

Die Teilung in Israel und Juda Kap. 10

Geschichte der Könige von Juda Kap. 10–28

Die Reformen Hiskias und Josias Kap. 29–35

Das Ende des Reiches Juda Kap. 36

Aaron (biblische Person)

Aaron (hebräisch אַהֲרֹן Aharon; arabisch هارون Harun, möglicherweise von ägyptisch ‘3 rn „groß ist der Name (Gottes)“ oder durch Lautwandeln von l zu r aus hebräisch אַהֲלוֹן, ahǎlôn „Zeltmann“ oder von hebräisch ארון Aron „(Bundes-)Lade, Kasten“) ist nach biblischer Überlieferung (2. Buch Mose) der ältere Bruder des Mose und erster Hohepriester der Israeliten. Die Schwester der beiden war Mirjam.

Aaron war der Sohn des Amram und der Jochebed, aus dem Stamm Levi und drei Jahre älter als Mose, dessen Sprecher (biblisch „Mund, Prophet“; Ex 4,14 ; 7,1 ) er bei dem israelitischen Befreiungs- und Gesetzgebungswerk war.

Altes Testament

Als Altes Testament (abgekürzt AT; von lat. testamentum, Übersetzung von hebr. בְּרִית berît bzw. griech. διαθήκη diathēkē „Bund“; auch: Erstes Testament) bezeichnet die christliche Theologie seit etwa 180 n. Chr. die heiligen Schriften des Judentums, die dort seit etwa 100 v. Chr. als Tanach bezeichnet werden, sowie einige weitere aus der seit 250 v. Chr. entstandenen Septuaginta. Es wurde ursprünglich auf Hebräisch, zu kleineren Teilen auch auf Aramäisch verfasst.

Dem Urchristentum galten diese Schriften als Wort Gottes, das Jesus Christus als Messias Israels und der Völker ankündigte und in seiner Auslegung erwiese. Darum verteidigte die Alte Kirche ihre Geltung als Offenbarungszeugnisse gegen christliche Minderheiten, die diese Geltung ablehnten. Ihre Auswahl und Anordnung wurden bis 350 endgültig festgelegt; das Alte Testament wurde zusammen mit dem Neuen Testament (abgekürzt NT) zur christlichen Bibel.Der Bibelkanon des Alten Testaments unterscheidet sich zwischen den christlichen Konfessionen: Während der Protestantismus die 24 Bücher des Tanach auf 39 aufteilte, behielten Katholizismus und Orthodoxie darüber hinaus Bücher aus der Septuaginta, sodass der katholische Kanon 46 Bücher und der orthodoxe Kanon bis zu 51 Bücher umfasst.

Bibel

Als Bibel (altgriechisch βιβλία biblia ‚Bücher‘; daher auch Buch der Bücher) bezeichnet man eine Schriftensammlung, die im Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.

Die „Bibel des Judentums“ ist der dreiteilige Tanach, der aus der Tora (Weisung), den Nevi’im (Propheten) und Ketuvim (Schriften) besteht. Diese Schriften entstanden seit etwa 1200 v. Chr. im Kulturraum der Levante und des Vorderen Orients und wurden bis 135 n. Chr. kanonisiert.

Das Christentum übernahm alle Bücher des Tanachs, ordnete sie anders an und stellte sie als Altes Testament (AT) dem Neuen Testament (NT) voran. Beide Teile wurden bis zum 3. Jahrhundert für kanonisch erklärt; spätere christliche Konfessionen haben diesen Kanon leicht abgewandelt. Die zweiteilige Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte und in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt.

Bibelkanon

Der Bibelkanon ist jene Reihe von Büchern, die das Judentum und das Christentum als Bestandteile ihrer Bibel festgelegt (kanonisiert) und so zum Maßstab (Kanon) ihrer Religionsausübung gemacht haben.

Im Judentum wurde zuerst die Tora, die fünf Bücher Mose, zur normativen Heiligen Schrift (ca. 800–250 v. Chr.), der weitere prophetische und weisheitliche Schriften zur Seite gestellt wurden. Etwa 100 n. Chr. wurde endgültig festgelegt, welche hebräischen Schriften zum dreiteiligen Tanach gehören. Da das Judentum keine oberste Lehrautorität kennt, blieben griechisch übersetzte Bibelversionen neben dem Tanach bestehen.

Die Alte Kirche übernahm alle Schriften des Tanach und stellte sie als Altes Testament (AT) dem Neuen Testament (NT) voran, das um 400 endgültig kanonisiert wurde. Damit bewahrte sie den sachlichen Vorrang und die bleibende Geltung der jüdischen Bibel für den christlichen Glauben. Die Römisch-katholische Kirche und Orthodoxe Kirchen übernahmen zudem weitere Bücher aus der griechischen Septuaginta in ihr AT. Die Lutherbibel begrenzte das AT auf jene 39 Bücher, deren hebräische Texte in anderer Anordnung auch im Tanach kanonisiert sind.

Biblia Hebraica Stuttgartensia

Die Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS) ist eine Ausgabe des Masoretischen Textes der Hebräischen Bibel auf der Grundlage des Codex Leningradensis und zusätzlich mit den masoretischen und textkritischen Anmerkungen/Randnotizen. Sie wurde von der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart herausgegeben.

David

David (hebräisch דָּוִד und דָּוִיד Dāwīd) war laut 1. und 2. Buch Samuel, dem 1. Buch der Könige und dem 1. Buch der Chronik des Tanach und des Alten Testaments der Bibel König von Juda und als Nachfolger Sauls auch von Israel. Er lebte um 1000 v. Chr. und gilt als Verfasser zahlreicher Psalmen, der Davidpsalmen. Aus der prophetischen Zusage eines ewigen Bestands der Daviddynastie (2. Sam 7) entwickelte sich die biblische Messias-Erwartung.

Habakuk

Habakuk (hebräisch חבקוק) heißt ein Prophet im Tanach (Ambakoum in der Septuaginta und der Vulgata) und die ihm zugeschriebene Schrift, die zum Zwölfprophetenbuch gehört. Danach war er ein Gerichtsprophet; Personendaten sind nicht überliefert. Sein Wirken wird aufgrund sprachlicher und inhaltlicher Indizien auf etwa 630 v. Chr. datiert.

JHWH

JHWH (hebräisch יהוה; in vielen europäischen Sprachen auch YHWH) ist der unvokalisierte Eigenname des Gottes Israels im Tanach. Zu Beginn der Zehn Gebote stellt er sich seinem Volk wie folgt vor:

„Ich bin der HERR (JHWH), dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe.Du sollst keine andern Götter haben neben mir.“ – Ex 20,2–3

In der Bibel ist JHWH der gnädige Befreier und gerechte Bundespartner des erwählten Volkes Israel und zugleich der Schöpfer, Bewahrer, Richter und Erlöser der ganzen Welt. Er wird dort auch mit Titeln wie Elohim („Götter“, Pluralis Majestatis für Gott) oder El („Gott“, oft mit Personennamen oder Eigenschaften verbunden) bezeichnet. Um die Aussprache dieses Namens zu vermeiden, verwendet das Judentum die Ersatzlesungen Adonai („meine Herren“) oder HaSchem („der Name“).

Jesaja

Jesaja (auch Isaias; hebräisch יְשַׁעְיָהוּ Jəšaʿjā́hû; griechisch Ἠσαΐας Ēsaḯas) war der erste große Schriftprophet des Tanach.

Er wirkte zwischen 740 und 701 v. Chr. im damaligen Südreich Juda und verkündete diesem wie auch dem Nordreich Israel und dem anrückenden Großreich Assyrien JHWHs Gericht. Er verhieß den Israeliten aber auch eine endzeitliche Wende zu universalem Frieden, Gerechtigkeit und Heil und erstmals einen zukünftigen Messias als gerechten Richter und Retter der Armen.

Das gleichnamige Buch der Bibel überliefert seine Prophetie in den Kapiteln 1–39. Diese bezeichnet man seit 1892 als Protojesaja.

Im Unterschied dazu werden die Buchteile Deuterojesaja (Jes 40–55) und Tritojesaja (Jes 56–66) auf spätere, exilisch-nachexilische Propheten und deren Tradenten zurückgeführt, die ihre Stoffe dem historischen Jesaja aus der Assyrerzeit zuschrieben.

Das einheitliche Jesajabuch wurde um 200 v. Chr. bei Jesus Sirach vorausgesetzt; seine älteste bekannte vollständige hebräische Handschrift, die große Jesajarolle, wurde bis spätestens 150 v. Chr. erstellt. Es spielt im rabbinischen Judentum (Talmud) und im Urchristentum (Neues Testament) eine herausragende Rolle. Es eröffnet im jüdischen Bibelkanon die Reihe der „hinteren“, im christlichen Kanon die der „großen“ Propheten.

Masoretischer Text

Der masoretische Text (von hebräisch מסורה masora: „Überlieferung“; abgekürzt M bzw. 𝕸, MT oder MasT) ist eine hebräische Textversion des Tanach, der hebräischen Bibel. Er ist Ergebnis der streng geregelten Bearbeitung älterer Bibel-Handschriften ungefähr in den Jahren 700 bis 1000 durch die Masoreten (Punktatoren, Nakdanim). Diese jüdischen Schriftgelehrten vokalisierten den seit Beginn des 2. Jahrhunderts fixierten Konsonantentext, markierten Varianten, andere Lesarten, Parallelstellen und vermutete Fehler mit besonderen Zeichen, die man als die Masora (Schreibweise auch Massora) zusammenfasst und die als textkritischer Kommentar verstanden werden können.

Von den verschiedenen Masorasystemen setzte sich bis zum 11. Jahrhundert das der Familie Ben-Ascher aus Tiberias durch. Von ihr stammt der Codex von Aleppo (um 920), der bis zu seiner Beschädigung 1947 die älteste vollständig erhaltene Handschrift des Tanach war. Die älteste, heute noch vollständig erhaltene Handschrift des masoretischen Texts ist der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008. Diese beiden Codices liegen allen heutigen wissenschaftlichen Ausgaben des hebräischen Bibeltexts zugrunde.

Der tiberisch-masoretische Text galt seit der Renaissance als biblischer Urtext. Diese Annahme wurde durch Funde von bis zu 1100 Jahre älteren Bibelhandschriften unter den Schriftrollen vom Toten Meer und anderswo teilweise entkräftet. Zugleich aber bestätigten diese Funde, dass der masoretische Text für die meisten Bücher des Tanach auf früher jüdischer Bibelüberlieferung beruht und diese erstaunlich genau bewahrt.

Micha

Micha (hebräisch מִיכָה) war einer der ersten Schriftpropheten im Tanach. Seine nach ihm benannte Schrift gehört zum Zwölfprophetenbuch.

Michael (Erzengel)

Michael (hebräisch מיכאל; arabisch ميكائيل/ميكال DMG „Mīkā’īl“ bzw. „Mīkāl“, deutsch „Wer ist wie Gott?“) ist nach dem Tanach ein Erzengel und kommt in den Traditionen des Judentums, Christentums und Islams vor. Anders als im Christentum wird der Engel Michael im Judentum nie mit „Attributen der Göttlichkeit“ versehen. In der neutestamentlichen Offenbarung des Johannes tritt Michael in einem eschatologischen Kontext als Bezwinger Satans auf, den er auf die Erde hinabstürzt (Offb 12,7–9 ). Der hl. Michael wurde seit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 zum Schutzpatron des Ostfrankenreichs und später Deutschlands erklärt.

Der Koran und die arabische Literatur rezipierten die Gestalt des Erzengels Michael seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. unter den Namen Mikal bzw. Mika'il.

Nahum

Nahum (hebräisch נחום Naḥūm, vgl. Nachum), heißt ein biblischer Prophet und sein Buch. Es gehört zum Zwölfprophetenbuch des hebräischen Tanach bzw. des christlichen Alten Testaments. Vom Autor ist nur der unbekannte Herkunftsort Elkosch (Nah 1,1) bekannt; sein Name bedeutet „Tröster“, bzw. „JHWH tröstet“.

Obadja

Obadja (hebräisch עֹבַדְיָה) heißt ein biblischer Prophet und seine Schrift im Tanach. In der griechischen Septuaginta heißt er Αβδιου und in der lateinischen Vulgata Abdia Seine Schrift gehört zum Zwölfprophetenbuch. Sie ist mit 21 Versen das kürzeste Buch des Tanach.

Sacharja

Sacharja oder Secharja (hebräisch זְכַרְיָה בֶּן-בֶּרֶכְיָה בֶּן-עִדּוֹ הַנָּבִיא Secharja ben-Berechja ben-ʿiddo hanNawi) heißt ein biblischer Prophet und sein Buch im hebräischen Tanach. Es entstand nach dem babylonischen Exil (ab etwa 520 v. Chr.) und gehört zum Zwölfprophetenbuch.

Zefanja

Zefanja oder Zephania heißt ein Prophet und die nach ihm benannte Schrift im Tanach. Sie gehört dort zum Zwölfprophetenbuch (Dodekapropheton). In der Septuaginta und der Vulgata heißt sie Sophonias.

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