Sephardim

Als Sephardim (hebräisch סְפָרַדִּים Sfaradim; deutsch Sepharden) bezeichnen sich die Juden und ihre Nachfahren, die bis zu ihrer Vertreibung 1492 und 1513 auf der Iberischen Halbinsel lebten. Nach ihrer Flucht ließen sich die Sepharden zum größten Teil im Herrschaftsgebiet des Osmanischen Reiches (Thrakien, Makedonien, Bosnien) und in Nordwestafrika (Maghreb) nieder. Ein kleiner Teil siedelte sich auch in Nordeuropa an, insbesondere in den Seehandelsstädten der Niederlande (unter anderem Amsterdam), und in Norddeutschland (vor allem in Hamburg), aber auch in Frankreich (Bordeaux, Bayonne), in Italien (Livorno, Ferrara), in Amerika, Indien und Afrika. Ihre Kultur beruhte weiterhin auf der iberischen. Darin unterscheiden sich Sephardim von den mittel- und osteuropäisch geprägten Aschkenasim.

Im griechischen Thessaloniki befand sich bis zur Besetzung durch deutsche Truppen im Jahr 1941 die wohl größte europäische sephardische Gemeinde; es hieß daher auch „Jerusalem des Balkans“.[1]

Sepharadic Migrations
Sephardische Migrationen

Namensherkunft und Schreibung

Der Name Sephardim leitet sich von der im biblischen Buch Obd 20  genannten Ort- oder Landschaft Sefarad (ספרד) ab, wo zur Entstehungszeit des Buches Angehörige der Verlorenen Stämme des Nordreichs Israel gelebt haben sollen. Der Name wurde im Mittelalter auf die Iberische Halbinsel und die von dort stammenden Juden übertragen.

In der Neuen Rechtschreibung, die normalerweise – besonders bei griechischstämmigen Fremdwörtern – dem Ersetzen des Ph durch F gegenüber tolerant ist, wird „Sephardim“ geschrieben, da das „ph“ das hebräische „Pe“ wiedergibt, das vor Vokalen regelmäßig als "f" ausgesprochen wird.

Geschichte

Goldenes Zeitalter

Auf der Iberischen Halbinsel waren bereits vor dem 1. Jahrhundert n. Chr. Juden ansässig.

Der Beginn des „Goldenen Zeitalters“ für die jüdische Bevölkerung auf der Iberischen Halbinsel wird normalerweise auf die Wirkungszeit von Chasdai ibn Schaprut angesetzt, einem jüdischen Diplomaten, der im 10. Jahrhundert im Dienst des in Córdoba residierenden umayyadischen Kalifen Abd ar-Rahman III. stand. In den folgenden Jahrhunderten wirkten in Spanien und Portugal bedeutende jüdische Gelehrte und Künstler, wie Moses und Abraham ibn Esra, Jehuda Halevi und Isaak Abrabanel.

Reconquista und Inquisition

Emanuel de Witte 002
Emanuel de Witte: Portugiesische Synagoge Amsterdams, um 1680
Expulsao judeus Olival (Porto)
Gedenktafel in Porto zur Vertreibung der Juden

Ausgelöst von antisemitischen Predigten des Priesters Ferrand Martinez kam es im März 1391 in Sevilla erstmals zu einem Pogrom im Königreich Kastilien. Ein Jahrhundert später, nachdem die Reconquista durch die Eroberung Granadas, des letzten maurischen Herrschaftsgebiets auf der iberischen Halbinsel, zum Abschluss gekommen war, erließen die „katholischen Könige“ Ferdinand II. und Isabella I. das gegen die Juden gerichtete Decreto de la Alhambra. Dieser Erlass vom Donnerstag, dem 31. März 1492 stellte die Juden Spaniens vor die Wahl zwischen Exil oder Konversion zum Christentum. Viele zogen den Gang ins Exil der Taufe vor. Ein Teil der Vertriebenen ließ sich in Nordafrika nieder, vor allem in Marokko in den Städten Fès und Casablanca. Ein weiterer Teil folgte der Einladung ins Osmanische Reich, die auf einen persönlichen Erlass des Sultans zurückging. Sie ließen sich vor allem in Thrakien und Makedonien nieder, dessen Hauptstadt Thessaloniki noch in der Zwischenkriegszeit einen jüdischen Bevölkerungsanteil von etwa 20 Prozent aufwies. Als Zentren des sephardischen Ritus gelten neben Fès und Thessaloniki die Städte Istanbul, Jerusalem, Safed, Kairo, Ancona, Edirne und Venedig.

Nach der Einführung der Inquisition in Portugal 1531 setzte die zweite Verfolgungswelle gegen die Juden auf der iberischen Halbinsel ein. Außer den Juden, die bei ihrem Glauben geblieben waren, wanderten auch viele Konvertiten (conversos) und zwangsweise Getaufte, die Marranen, aus. Ziele der Flüchtlinge waren vor allem Hafenstädte, da viele von ihnen im Großhandel tätig waren. Zu diesen Städten zählen Casablanca, Bayonne, Bordeaux, Livorno, später auch Amsterdam, Hamburg und London und Fès im Binnenland. In Amsterdam wurde am 2. August 1675 die Portugiesische Synagoge eingeweiht. Im Gegensatz zu den früheren Auswanderern sprachen sie meist Portugiesisch oder Spanisch, nicht mehr Judenspanisch.

20. Jahrhundert

Die letzte große Einwanderungswelle erreichte Marokko während der Schoah im Zweiten Weltkrieg, oft als Zwischenstation ins überseeische Exil, zuweilen jedoch auch als ein Ziel der Emigration. Sultan Sidi Mohammed Ben Jussuf (König Mohammed V.) weigerte sich, die „Ausnahmegesetze“ des französischen Vichy-Regimes über die „Behandlung der Israeliten“ zu unterzeichnen. Die nordafrikanischen Juden hatten 1880 das französische Bürgerrecht erhalten und stellten unter anderem in Algerien einen bedeutenden Teil der europäischen Bevölkerung, waren jedoch in den Jahren 1940 bis 1944 antisemitischer Verfolgung ausgesetzt.

Nach der Entkolonialisierung begann, auch wegen der zunehmenden antisemitischen Haltung der muslimischen Bevölkerung, die Auswanderung: Viele sephardische Juden verließen Nordafrika in Richtung Israel oder in Richtung des französischen Mutterlandes. So besteht die große jüdische Gemeinde von Paris (ca. 200.000 Mitglieder) heute zum größten Teil aus Juden aus Nordafrika.

Im Februar 2014 legte die spanische Regierung einen Gesetzentwurf zur Wiedereinbürgerung von Nachfahren sephardischer Juden vor.[2][3]

Sephardisches Hebräisch

Die Hebraistik folgt in der Aussprache des masoretischen Textes hinsichtlich der Vokale der sephardischen Tradition. Die sephardische Aussprache zeichnet sich durch Realisierung des Qames als langes a aus, während man im Aschkenasischen ein kurzes o setzt.

Im gesprochenen Neuhebräisch (Ivrit) folgt die Aussprache der Vokale der sephardischen Tradition, während die Aussprache der Konsonanten stark europäisiert ist, das heißt unter anderem auf die emphatischen Laute verzichtet.

Demografie

2019 schätzt man die Anzahl der Sephardim auf 3,5 Millionen Menschen.[4]

Sephardim in Israel

Die religiöse Schas-Partei in Israel versteht sich insbesondere auch als Wahrer der sephardischen Glaubensausprägung. Neben den Aschkenasim stellen die Sepharden in Israel einen eigenen Oberrabbiner.

Spanische und portugiesische Staatsangehörigkeit

Spanien und Portugal vergeben die Staatsangehörigkeit an die Nachkommen der Sephardim.[5]

Mehr als 130.000 sephardische Juden haben in den vier Jahren bis September 2019, dem Ablauf der festgelegten Frist, die spanische Staatsbürgerschaft beantragt. Spanien hatte den ausländischen Sephardim seit 2015 die Möglichkeit gegeben, die spanische Staatsbürgerschaft zu beantragen, ohne ihre aktuelle Staatsbürgerschaft aufgeben zu müssen. Die meisten Anträge kamen aus Lateinamerika, hauptsächlich Mexiko, Kolumbien und Venezuela. Aus Israel habe es etwa 3.000 Anfragen gegeben. Die eingegangenen Anträge werden jetzt geprüft. Neben dem Nachweis über den sephardischen Ursprung der Familie mussten die Anträge den Familiennamen, den Nachweis von Sprachkenntnissen und möglichst einen Stammbaum enthalten.[6]

Siehe auch

Literatur

  • Amor Ayala, Stefanie von Schmädel: Identitätsdiskurse und Politisierung der Sepharden in Wien am Beispiel des Studentenvereins „Esperanza“ 1896–1924. In: Transversal. Schwerpunktheft Jüdischer Widerstand im NS. Centrum für Judische Studien der Karl-Franzens-Universität, 11. Jg., Heft 2. Studienverlag, Graz 2010, ISSN 1607-629X, S. 83–102.
  • Georg Bossong: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. Beck’sche Reihe, 2438. C. H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56238-9.
  • Predrag Bukovec: Sephardische Juden in der Frühen Neuzeit. In: Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), 2013, urn:nbn:de:0159-2013040312
  • Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo. Handlung zur Zeit des Königs Alfonso VIII. 11. Auflage. Aufbau, Berlin 2008, ISBN 978-3-351-02398-0.
  • Sabine Kruse, Bernt Engelmann (Hrsg.): „Mein Vater war portugiesischer Jude …“ Die sefardische Einwanderung nach Norddeutschland um 1600 und ihre Auswirkungen auf unsere Kultur. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Jüdischen Museum in Rendsburg und im Burgkloster von Lübeck 1992/1993. Steidl, Göttingen 1992, ISBN 3-929076-11-X.
  • Michael Studemund-Halévy: Biographisches Lexikon der Hamburger Sefarden. Christians, Hamburg 2000, ISBN 3-7672-1293-5.
  • Michael Studemund-Halévy (Hrsg.): Die Sefarden in Hamburg. Zur Geschichte einer Minderheit. Die Grabinschriften des Portugiesenfriedhofs an der Königstraße in Hamburg. Buske, Hamburg.
    • Band 1. 1994, ISBN 3-87548-048-1.
    • Band 2. 1997, ISBN 3-87548-099-6.
  • Schlomo Svirsky, Devorah Bernstein, Karlheinz Schneider: Sefarden in Israel. Zur sozialen und politischen Situation der Jüdisch-Orientalischen Bevölkerung. Deutsch-Israelischer Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten, Hamburg 1999, ISBN 3-925031-02-2.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schalom. Deutschlandfunk, 25. November 2011
  2. Spanien: Gerechtigkeit für sephardische Juden. welt.de; abgerufen am 8. März 2014
  3. Spanien: Gesetzentwurf zur Wiedereinbürgerung von Nachfahren sephardischer Juden. sueddeutsche.de; abgerufen am 8. März 2014
  4. 3.000 Israelis beantragen spanische Staatsbürgerschaft. In: Israelnetz.de. 2. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019.
  5. Hubert Kahl: Vertriebene Juden aus Spanien und Portugal: Ein Pass für die Nachfahren. Spiegel Online, 3. Februar 2015
  6. 3.000 Israelis beantragen spanische Staatsbürgerschaft. In: Israelnetz.de. 2. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019.
Bima

Die Bima (hebräisch בִּימָה Bīmah, pl. בִּימוֹת Bīmōt, deutsch ‚Bühne[n]‘, von griechisch τὸ βῆμα, Bema, oder auch Almemor, hebräisch אַלְמֵימָר Almejmar, deutsch ‚Kanzel‘) ist der Platz in einer Synagoge, von dem aus die Tora während des Gottesdienstes verlesen wird. Bima und Toraschrein bilden dabei die liturgisch-funktionalen Zentren im Gottesdienst.

Charosset

Das Charosset (hebräisch חרוסת) (jiddisch Charojses oder Ch'rojses) gehört zum traditionellen Sederessen stets dazu. Charosset verfolgt als einziges Bestandteil der Sederspeise einen süßen Geschmack.

Bei den Aschkenasim ist es eine Mischung überwiegend aus geriebenen Äpfeln und Nüssen oder Mandeln, die mit süßem roten Wein dünn gemacht und mit Zimt gewürzt wird. Gelegentlich werden Rosinen verwendet.

Die Sephardim geben zusätzlich Feigen, Datteln, Rosinen oder Orangensaft hinzu, denn für sie und ihre Küche waren Tropenfrüchte traditionell besser erreichbar.

Christof Jung

Christof Jung (* 31. Januar 1939 in Rüsselsheim; † 8. Mai 2017 in Nieder-Olm) war ein deutscher Buchhändler, Abenteurer und Flamenco-Experte, der vor allem durch seine Fachbeiträge über den Cante Flamenco bekannt ist.

Elul

Elul (hebr.: אֱלוּל, von akkadisch elūlu) ist der zwölfte und letzte Monat des bürgerlichen jüdischen Kalenders und der sechste des religiösen jüdischen Kalenders nach der Zählung im jüdischen Kalender. Er hat 29 Tage und fällt im gregorianischen Kalender in die Zeit von August und September.

Im Tanach trägt dieser Monat einfach den Namen „der sechste Monat“, der Nummerierung der anderen Monate folgend: „Der sechste, für den sechsten Monat, war Ira, der Sohn des Ikkesch, aus Tekoa.“ (1 Chr 27,9 )

Der heutige Monatsname „Elul“ hat seinen Ursprung in den akkadischen Monatsnamen des antiken Babyloniens, die von den Juden während des Babylonischen Exils zwischen 586 und 536 v. Chr. übernommen wurden. In der Bibel kommt dieser Monatsname nur einmal im Buch Nehemia vor: „Nach zweiundfünfzig Tagen, am fünfundzwanzigsten des Monats Elul, war die Mauer vollendet.“ (Neh 6,15 )

Der jüdische Monatsname Elul ist allerdings nicht der einzige, der auf den babylonischen Monat zurückzuführen ist: Auch im Türkischen wird der September „Eylül“ genannt.

Elul, auch genannt der „Monat der Gnade und des Vergebens“, ist eine Zeit der Buße als Vorbereitung auf die Jamim Noraim, die hohen Feiertage Rosch ha-Schana und Jom Kippur am ersten und zehnten Tag des Folgemonats Tischri. Elul bedeutet übersetzt so viel wie Suche, der Mensch soll sich in dieser Zeit auf die bevorstehenden Tage des Gerichts und der Versöhnung einstellen. Der Prophet Jeremia sagte: „Kehr um, Jungfrau Israel, kehr zurück in diese deine Städte!“ (Jer 31,21 ), was ein Aufruf zu Reue und Vergebung an das jüdische Volk sein sollte.

Abgesehen von den Schabbat-Tagen wird an allen Tagen zwischen Rosch Chodesch Elul, dem ersten Tag des Monats, und dem Tag vor Rosch ha-Schanah morgens das Schofar geblasen, das die Menschen aus ihrer gedankenlosen Lebensweise aufwecken soll (Am 3,6 ). Weiterhin ist es üblich, zwischen Rosch Chodesch Elul und Hoschana Rabba im Tischri täglich den Psalm 27 zu lesen. Neben dem Schofarblasen ist das Rezitieren der Selichot, besonderer Bußgebete, alltäglich vor Sonnenaufgang ein wichtiges Ritual. Die Aschkenasim beenden dieses Ritual bereits am Mittwoch vor Rosch ha-Schanah, die Sephardim erst am Ende des Monats.

Viele Juden besuchen außerdem die Gräber von Freunden und Verwandten, um an sie zu erinnern und sie zu ehren.

Ein weiterer Brauch ist es, sämtliche im Elul geschriebenen Briefe mit Wünschen für ein gutes Jahr zu beenden – die Tradition lehrt, dass an Rosch ha-Schanah die Taten eines jeden Menschen, die er während des vergangenen Jahres begangen hat, beurteilt und in das Buch des Lebens geschrieben werden.

Die insgesamt vierzig Tage zwischen Rosch Chodesch Elul und Jom Kippur sollen an jene vierzig Tage des Jahres 2448 der hebräischen Zeitrechnung (entspricht 1313 v. Chr.) erinnern, in denen Mose den Berg Sinai erstieg, um zum zweiten Mal die Tafeln mit den Zehn Geboten zu empfangen, nachdem er die ersten aus Wut zerbrochen hatte, während das Volk in seiner Abwesenheit das Goldene Kalb anbetete. Von jeher war der Tag, an dem JHWH durch Mose die Vergebung aller Sünden verkünden ließ, der Tag der Vergebung im Judentum.

Geschichte der Juden in Hamburg

Die Geschichte der Juden in Hamburg umfasst nach dem heutigen Stadtgebiet Hamburgs nicht nur die Gemeinden in den historischen Stadtgrenzen Hamburgs, sondern auch die Gemeinden in den ehemals selbständigen Städten Altona, Wandsbek und Harburg.

Seit Ende des 16. Jahrhunderts kamen sephardische Juden nach Hamburg, die von der iberischen Halbinsel vertrieben worden waren oder dort als Conversos verfolgt wurden. Die Hamburger Sepharden stammten zum größeren Teil aus Portugal und waren meist im Fernhandel tätig und profitierten von ihren Verbindungen mit anderen sephardischen Gruppen in Europa und Amerika. Auch in Altona bestand seit 1712 eine sephardische Gemeinde. Die Hamburger Gemeinde nahm seit 1697 durch Abwanderung an Bedeutung ab, bestand aber bis zur Zeit des Nationalsozialismus.

Aschkenasischen Juden (in Hamburg „hochdeutsche Juden“ genannt) war die Ansiedlung in Hamburg zunächst nur als Angestellten der Sephardim erlaubt. 1648 wurden sie der Stadt verwiesen und siedelten sich in Altona an. Aber schon bald kehrten auch Aschkenasen nach Hamburg zurück. Auch in den anderen drei Städten sind seit Anfang des 17. Jahrhunderts Juden nachweisbar. Besonders in Altona waren die Ansiedlungsbedingungen durch Privilegien sehr günstig. Die Altonaer und Wandsbeker Gemeinden unterhielten Filialgemeinden in Hamburg, deren Mitglieder in Hamburg lebten und arbeiteten, aber weiterhin der anderen Gemeinde angehörten.

1671 schlossen sich die aschkenasischen Gemeinden von Hamburg, Altona und Wandsbek zu einem Gemeindeverbund zusammen, der sogenannten „Dreigemeinde AHW“. Der Oberrabbiner dieses Verbundes hatte seinen Sitz in Altona und übte auch die Jurisdiktion über die Juden in Schleswig-Holstein aus. Der Verbund wurde 1812 aufgrund der französischen Gesetzgebung aufgelöst. Zu dieser Zeit war die Hamburger Gemeinde mit etwa 6300 Mitgliedern (rund 6 Prozent der Stadtbevölkerung) die größte in Deutschland. Während der französischen Besetzung Hamburgs genossen die Juden nahezu alle gleiche Rechte, die ihnen nach dem Wiener Kongress wieder entzogen wurden. Die endgültige rechtliche Gleichstellung erlangten sie in Hamburg erst 1861.

1925 lebten im Hamburger Raum etwa 20.000 Juden (zwei Prozent der Stadtbevölkerung). Seit Beginn des Nationalsozialismus wurden ihre Rechte immer weiter eingeschränkt. 1938 wurden die meisten Synagogen zerstört und bald darauf die zugehörigen Gemeinden enteignet. Von 1941 bis fast zum Kriegsende wurden über 5.000 Personen als Juden im Sinne des Nationalsozialismus aus Hamburg deportiert, die meisten von ihnen wurden in den Vernichtungslagern ermordet. Insgesamt kamen etwa 8.000 Hamburger Juden ums Leben.

1945 wurde die Gemeinde von Überlebenden der Shoah neugegründet. Seit 1960 besitzt die Gemeinde eine neugebaute Synagoge in der Straße „Hohe Weide“. Nach der Zuwanderung von Juden aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion hat die Gemeinde heute etwa 3.100 Mitglieder.

Geschichte der Juden in Spanien

Die Geschichte der Juden in Spanien (Sephardim oder Sefarden nach der hebräischen Bezeichnung für Spanien סְפָרַד Sfarád) reicht mehr als 2000 Jahre bis in die Zeit des Römischen Reichs zurück. Im Mittelalter entfaltete sich unter islamischer und später christlicher Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel ein blühendes jüdisches Leben, sowohl in kultureller als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Diese Blütezeit wurde im Jahr 1492 durch das Ausweisungsedikt (Alhambra-Edikt) der katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragonien beendet. Die Juden wurden entweder zur Konversion zum Christentum oder zur Emigration aus Spanien gezwungen. Über Jahrhunderte war danach in Spanien bis in die Neuzeit hinein kein offenes jüdisches Leben mehr möglich. Die aus Spanien vertriebenen Juden ließen sich im übrigen Mittelmeerraum nieder und behielten dabei zum Teil noch ihre aus Spanien mitgebrachte Kultur und Sprache, das Judenspanisch (Spaniolisch, Ladino) bei.

Iberische Halbinsel

Die Iberische Halbinsel (von lateinisch Hiberi/ Iberi ‚die Bewohner der Landschaft Hiberia in Hispanien‘) bzw. Pyrenäenhalbinsel ist der Teil Europas, der südwestlich der Pyrenäen liegt. Spanien, Portugal, das Fürstentum Andorra und Gibraltar sind die heutigen Staaten auf der Halbinsel. Spanien nimmt etwa 85 Prozent der Fläche ein. Portugal liegt an der Westküste. Andorra liegt im Nordosten inmitten der Pyrenäen, des Grenzgebirges zu Frankreich. Gibraltar an der Südspitze der Halbinsel ist ein Britisches Überseegebiet. Die Straße von Gibraltar, welche an der schmalsten Stelle 14 Kilometer breit ist, trennt die Halbinsel von Afrika.

Juden in Bosnien und Herzegowina

Die Juden in Bosnien und Herzegowina (bosnisch Jevreji/Židovi u Bosni i Hercegovini) blicken auf eine mehr als 500-jährige Geschichte zurück.

Judentum in Afrika

Das Judentum in Afrika hat drei unterschiedliche Ausprägungen:

Verstreut lebende afrikanische Gruppen, die eine Zugehörigkeit zur Nachkommenschaft des alten Israel oder auf andere Weise zum Judentum – eigentlich „Israelitentum“ – behaupten und Bräuche pflegen, von denen man eine Verwandtschaft mit jüdisch-israelitischen Bräuchen annehmen kann. Allein die aus Äthiopien stammenden Beta Israel werden vom Staat Israel und der internationalen jüdischen Gemeinschaft als Juden anerkannt.

Die Sephardim und Mizrahim, die überwiegend in Nordafrika leben. Viele von ihnen sind nach Israel und Frankreich, aber auch nach Kanada, Brasilien und den USA ausgewandert.

Die Aschkenasim, die als europäische Kolonisten nach Afrika gekommen sind.

Jüdische Gemeinde Hamburg

Die Jüdische Gemeinde Hamburg ist mit ca. 3500 Mitgliedern eine der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands. Sie bildet innerhalb des bundesweiten Zentralrats der Juden in Deutschland einen eigenständigen Landesverband. Daneben gibt es weitere jüdische Gemeinden anderer Strömungen, die sich hier organisiert haben.

Jüdische Küche (Israel)

Die Jüdische Küche in Israel umfasst sowohl die traditionellen Gerichte der Region als auch die von Juden aus der Diaspora nach Israel mitgebrachten. Sie besteht insbesondere aus der Kochkunst der Mizrachim, der Sephardim und der Aschkenasim. Sie enthält viele Speisen, die traditionell in der orientalischen Küche und in der Mittelmeerküche gegessen werden. Auch die Verfügbarkeit der in der Mittelmeerregion gängigen Lebensmittel, besonders bestimmter Arten von Früchten und Gemüse, Milchprodukten und Fisch, hat sich auf die Küche Israels ausgewirkt. Die Einhaltung der jüdischen Speisegesetze, welche die Zubereitungsweise und die Verfügbarkeit bestimmen, und die Speisegebräuche am Sabbat und an den jüdischen Feiertagen spielen eine große Rolle.

Orthodoxes Judentum

Das orthodoxe Judentum (von altgriechisch ὀρθός orthós, „richtig“ und δόξα dóxa, „Lehre“ – das heißt „der rechten Lehre angehörend“) ist eine der Hauptströmungen des heutigen Judentums neben dem konservativen Judentum, dem liberalen Judentum (bekannt auch als Reformjudentum) und dem Rekonstruktionismus. Das heutige orthodoxe Judentum wird meist in die beiden Hauptrichtungen modern-orthodoxes Judentum und ultraorthodoxes Judentum unterteilt; inwieweit bestimmte historische Gruppen Vorläufer bestimmter heutiger Gruppen sind, ist teilweise umstritten. So wird Rabbiner Samson Raphael Hirsch, dessen Bewegung im 19. Jahrhundert meist als neo-orthodox bezeichnet wird, sowohl von modern-orthodoxen als auch von ultraorthodoxen Juden für sich beansprucht.

Die Bezeichnung „orthodoxes Judentum“ entstand im 19. Jahrhundert als Abgrenzung zum damals neu entstehenden Reformjudentum.

Rabbiner

Ein Rabbiner ist ein Funktionsträger in der jüdischen Religion. Seine Hauptaufgabe ist es, die Torah zu lehren. Die Grundform des Rabbiners entwickelte sich in der Pharisäer- und Talmud-Ära, als sich gelehrte Lehrer versammelten, um die schriftlichen und mündlichen Gesetze des Judentums zu kodifizieren. Der erste Weise, für den die Mischna den Titel eines Rabbiners verwendet, war Jochanan ben Sakkai, der im frühen bis mittleren 1. Jahrhundert vor Christus tätig war.

In den verschiedenen jüdischen Glaubensrichtungen gibt es unterschiedliche Anforderungen an die rabbinische Ordination (Semicha, hebräisch סְמִיכָה Auflegen (der Hände)) und heftige Meinungsverschiedenheiten darüber, wer als Rabbiner anerkannt wird. So ordiniert das orthodoxe Judentum Frauen nicht als Rabbiner. Das konservative Judentum hingegen lässt Frauen aus halachischen Gründen als Rabbinerinnen zu, das Reformjudentum aus ethischen Gründen.

Seder

Seder (hebräisch סדר, „Ordnung“) oder Sederabend ist eine zeremonielle Mahlzeit am Beginn des jüdischen Pessach-Festes.

Sephardische Musik

Sephardische Musik ist die den sephardischen Juden eigene Musik. Sephardim sind mit den Aschkenasim und Mizrahim eine der drei ethnischen Hauptzweige der Juden in der Diaspora. Die Sephardim waren ursprünglich auf die Iberische Halbinsel konzentriert, sind aber heute über die gesamte Mittelmeerregion verbreitet, da sie auch Jahrhunderte unter den Mizrahim gelebt haben.

Sfaradim VeEdot Misrach

Sfaradim VeEdot Misrach (hebräisch ספרדים ועדות מזרח, Sfaradim VeEdot Mizrah; deutsch Sepharden und Gemeinschaften des Orients; englisch Sephardim and Edot Mizrah bzw. Sephardim and Oriental Communities) war eine politische Partei in Israel. Sie bestand von 1948 bis 1951.

Die Partei repräsentierte die Bevölkerungsgruppen der Sephardim und Mizrachim, die bereits vor der Unabhängigkeitserklärung 1948 in Palästina lebten. Die Sfaradim VeEdot Misrach wurde 1949 in die Gründungsversammlung gewählt, aus der dann die 1. Knesset wurde. Sie war an der ersten Regierung Israels beteiligt, in der sie eine Koalition mit folgenden Parteien bildete:

HaChasit haDatit haMe’uchedet

Mapai

Miflaga Progresivit

Reschima Demokratit schel NatzratInsgesamt war die Partei, unter leicht wechselnden Bezeichnungen, während der 1. Legislaturperiode sowie am Anfang der 2. Legislaturperiode von 1949 bis 1951 an der ersten und zweiten Regierung beteiligt. Kurz nach den Wahlen zur 2. Knesset vereinigte sie sich mit der Hitachdut HaTeimanim beJisra’el (dt. Jemenitische Vereinigung in Israel) zur Partei Allgemeine Zionisten (Tzionim Klaliym).Am 10. September 1951 löste sich die Sfaradim VeEdot auf. Die neu entstandene Allgemeine Zionisten vereinigte sich später mit anderen Zentrumsparteien zur Miflaga Liberalit Jisra’elit und verschmolz im Gachal-Wahlbündnis mit der konservativen Cherut, die schließlich zum Likud wurde.

Spanische Küche

Die spanische Küche besteht aus einer großen Vielfalt an regionalen Gerichten und Besonderheiten. Fisch und Meeresfrüchte spielen eine wichtige Rolle, ebenso Hülsenfrüchte in Eintopfgerichten. Kartoffeln werden vorrangig als Gemüse betrachtet; die Funktion der im deutschen Sprachraum gängigen Sättigungsbeilage erfüllt das bei Tisch allgegenwärtige Weißbrot. Durch die wechselvolle Geschichte Spaniens wurde die Küche von verschiedenen Kulturen, insbesondere den Mauren und Sephardim beeinflusst, nach der Entdeckung Amerikas durch die Einfuhr im mittelalterlichen Europa unbekannter landwirtschaftlicher Produkte (Tomaten, Kartoffeln, Paprika, Kakaobohnen) bereichert und beinhaltet heute eine Fülle verschiedener Zutaten, Zubereitungsarten und typischer Gerichte:

reichhaltige Eintopfgerichte mit Hülsenfrüchten

Gemüse als eigenständiger Gang

viel Fleisch, viel Fisch und Meeresfrüchte, Kurzgebratenes angerichtet nur mit einer kleinen Garnitur am Tellerrand

Sofrito als Grundlage für Eintöpfe und Saucen in Schmor- und Fischgerichten, aber auch für Paella

fast ausschließliche Verwendung von Olivenöl, im Landesinneren bei Fleischgerichten gelegentlich auch Schmalz oder ausgelassener Speck

Zutaten bleiben im fertigen Essen meist erkennbar (keine oder kaum pürierte oder faschierte Gerichte)

sparsame Verwendung von Gewürzen und Kräutern, mit Ausnahme des in vielen Gerichten reichlich verwendeten KnoblauchsSaucen werden selten gereicht, Salat wird im Restaurant häufig vom Gast selbst angemacht, Olivenöl, Essig und Salz werden vom Kellner gebracht oder stehen schon auf dem Tisch.

Türkischer Tempel

Der Türkische Tempel in Wien war eine Synagoge im orientalischen Stil der türkisch-jüdischen Gemeinde (Sephardim). Das Gebäude wurde zwischen 1885 und 1887 nach Plänen von Hugo von Wiedenfeld in der Zirkusgasse 22 im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt errichtet und während der Novemberpogrome 1938 zerstört.

Ángel Sanz Briz

Ángel Sanz Briz (* 28. September 1910 in Saragossa; † 11. Juni 1980 in Rom) war ein spanischer Diplomat. 1944 rettete er über 5.000 ungarischen Juden das Leben, indem er ihnen spanische Pässe ausstellte. Zunächst gab er Pässe an jene, die sich als Sephardim ausgaben, später an alle, die anfragten. Für seine Taten wurde ihm der Titel Gerechter unter den Völkern verliehen.

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