Schrein des Buches

Der Schrein des Buches (auch bekannt unter dem englischen Namen Shrine of the Book, hebräisch היכל הספר Hechal haSefer) ist ein Gebäude im Westteil Jerusalems in unmittelbarer Nähe der Knesset, des israelischen Parlaments. Das Bauwerk gehört zum Israel-Museum, dem israelischen Nationalmuseum. Bemerkenswert an diesem Gebäude ist das rundzeltähnliche Dach, das aus Beton mit weißen Keramikfliesen besteht und mehrere, teilweise unterirdische Stockwerke im Innenraum bedeckt. Darin werden Originale und Faksimiles antiker Schriftrollen des Tanachs aufbewahrt, allen voran das Buch Jesaja – daher der Name Schrein des Buches. Auch enthält die Ausstellung weitere Fundstücke von Qumran am Toten Meer. Die Architekten waren Friedrich Kiesler und Armand Bartos. Die Planungs- und Bauphase dauerte von 1950 bis 1960.

Der Schrein des Buches ist ein beliebtes Ausflugsziel und wird entsprechend vermarktet. Er gilt als Hauptattraktion des Israel-Museums und wurde zusammen mit den restlichen Teilen des Museums 1965 vom damaligen Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, eröffnet. Von 1962 bis 1965, noch vor der offiziellen Eröffnung des Israel-Museums, wurde der Bau bereits das erste Mal renoviert, das zweite Mal im Jahr 2003. Die Wiedereröffnung nach der Renovierung wurde 2004 durch den damals amtierenden Staatspräsidenten Mosche Katzav vollzogen.

Jerusalem Schrein des Buches BW 1
Gesamtansicht
Shrine of the Book 2
Teilansicht mit einem anderen Flügel des Israel-Museums

Geschichte, Name und Bedeutung

Teddy Kollek und die ersten Direktoren des Museums, Willem Sandberg (Vorstandsvorsitzender) und Karl Katz, arbeiteten in der Anfangsphase der Planung 1957 bis 1959 eng zusammen. Wegen der Bedeutung der Funde vom Toten Meer wurde die Errichtung eines eigenen Bauwerks anstelle der Einrichtung eines Innenraums im Israel-Museum beschlossen.

1959 erhielt das geplante Gebäude erstmals einen Namen, damals Haus des Buches. Von wem der Vorschlag kam, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Allerdings erfand später Kiesler, der Hauptarchitekt des Schreins, den Begriff Schrein des Buches, um auf den religiösen Aspekt der Jesajarolle hinzuweisen und ihn klar vom Haus im Sinne eines Wohnhauses abzugrenzen. Ein Schrein bezeichnet in der Architektur etwas Sakrales, Religiöses. Da die nichtbiblischen Ausstellungsstücke erst später hinzukamen, blieb man bei dieser Bezeichnung.[1]

Die heutigen Direktoren des Museums, James Snyder sowie Anne und Jerome Fisher, bezeichnen die im Schrein enthaltenen archäologischen Fundstücke, hauptsächlich die Rollen vom Toten Meer, als die größten Schätze des Museums und das Gebäude selbst als eine architektonische Perle des letzten Jahrhunderts. Nach Presseinformationen des Israel-Museums enthalte der Schrein die wichtigsten Schätze des Staates Israel.[2] Das Israel-Museum und vor allem der Schrein des Buches gelten als Touristenattraktion und werden oft bei Rundreisen besucht. Dem Schrein kommt dabei eine ähnliche Bedeutung zu wie etwa dem Felsen von Massada.

Architektur

Schrein des Buches002

Übersicht über die Anlage, rechts das Hauptgebäude (Zeichnung von Roland Lelke)

Schrein des Buches002

Die Architekten

Architekten waren Friedrich Kiesler (Österreich und USA) und Armand Bartos (USA).[3] Sie legten bei der Planung Wert auf das Ineinanderspielen von symbolischer Form und struktureller Konstruktion, was gerade für Kiesler typisch ist, hat er doch Werke wie Das endlose Haus (The endless house, 1958) oder Die Welthausgalerie (1957) geschaffen, die ihm gleichzeitig in Form und Arbeitsstil Inspiration waren.[4] Der Schrein gilt als Kieslers Hauptwerk; er ist sein einziges verwirklichtes Großprojekt und das letzte Projekt vor seinem Tod 1965. Bartos wird häufig als „Juniorpartner“ Kieslers verstanden, und in der Tat bestand zwischen den beiden eine Art Mentor-Schüler-Verhältnis.[5] Bartos gehörte bis 1994 dem Projektteam für die Renovierung an und war noch 2004 bei der Wiedereröffnung anwesend.[2]

Die Anlage und das Gebäude

Entrance to the Shrine of the Book
Eingangsbereich in die Innenräume

Der Schrein des Buches umfasst die gesamte Anlage mit Außenhof, Basaltmauer und dem runden Gebäude, das die Jesaja-Rolle enthält; dieses Gebäude stellt den Schrein im engeren Sinne dar.[6] Seine Form ist dem Deckel der Steingutbehälter mit den Rollen nachempfunden, die in den Höhlen von Qumran gefunden wurden. Die Kuppel ist kreisförmig, die Überwölbung hat keine klassische Kuppelform, sie gleicht am ehesten einer Zwiebelkuppel, der oben und unten zwei Krümmungen fehlen.

Gegenüber der weißen Kuppel erhebt sich eine schwarze Basaltmauer. Weiß und Schwarz sollen den Kampf zwischen Gut und Böse symbolisieren – den Sieg der Heiligen Schrift über den Unglauben der Menschheit.

Das Museumsgebäude wird seit 2003 von außen mittels Düsen mit Wasser besprengt[7], einerseits, um es zusätzlich zur Klimaanlage zu kühlen, andererseits, um den Temperaturunterschied zur danebenstehenden Basaltmauer, die von der Sonne aufgeheizt wird, zu verstärken. Die kühle weiße Betonkuppel symbolisiert dabei das Gute der Söhne des Lichts, die Basaltmauer das feurige Böse der Söhne der Dunkelheit. Der Kampf Gut gegen Böse ist auch ein häufiges Motiv in den Rollen vom Toten Meer.[2] Die Wasserdüsen tauchen bereits im Werkplan vom Oktober 1965 auf, daher muss angenommen werden, dass Kiesler diese damals schon vorgesehen hatte. Um den Schrein herum befindet sich ein Brunnensystem, in das das Wasser abfließt und von dem es wieder in die Düsen gepumpt wird. Um den Brunnen herum verläuft eine quadratische Marmormauer. Der Eingangsbereich zu den Innenräumen befindet sich aber nicht in diesem Marmorquadrat, sondern wurde ein Stockwerk tiefer hinter die Basaltmauer gesetzt und ist über Treppen zugänglich. Es besteht somit nur ein unterirdischer Zugang zum Hauptgebäude.

Die Maße

Die Kuppel hat am Fuß einen Durchmesser von 25 Metern, im Opäum (d. h. an der offenen Kuppelspitze, aus dem Griechischen: ὀπαῖον (opaion) = Rauchloch[8]) einen Durchmesser von 5,20 m. Das Quadrat mit dem Brunnen hat eine Seitenlänge von 31,44 m, die gesamte Anlage erstreckt sich in ihrer weitesten Ausdehnung über ziemlich genau 100 Meter.[9]

Die Kuppel erhebt sich in der Spitze 10 Meter vom Boden in die Höhe, 15 Meter sind es bis zur unterirdischen Basis. Wiederum 10 Meter beträgt die Höhe von der Basis bis zur Spitze des Modells der Jesaja-Rolle. 10 Meter ist ein Maß, das sich im Bau oft wiederfindet.[10]

Die Maße wurden aus Sicherheitsgründen vom Israel-Museum nicht freigegeben, weshalb Roland Lelke, der Autor des Buches Der endlose Raum in Frederick Kieslers Schrein des Buches vor Ort nachgemessen hat. Die Angaben unterliegen daher einer gewissen Fehlertoleranz, sind aber relativ genau.[10]

Innenräume

Qumran Caves
Die Höhlen von Qumran

Besucher gelangen durch den etwas abseits liegenden Eingang in einen unterirdischen Ausstellungsteil, der durch seine abgedunkelte Beleuchtung die dort befindlichen Handschriften schützt und dabei einen höhlenartigen Eindruck vermittelt, auch um auf die Herkunft der Fundstücke, die Höhlen von Qumran, aufmerksam zu machen.

Hier werden die kostbaren Schriftrollen und andere Ausstellungsstücke vom Toten Meer aufbewahrt, die sich im Besitz des Staates Israel befinden.[11]

Die Jesajarolle

Im Zentrum des Innenraums steht ein senkrechter Zylinder in Form einer hochgestellten Schriftrolle, auf dem eine Nachbildung der berühmten Jesajarolle (7,35 m lang) angebracht ist. Das Original dieser Rolle, das älteste vollständige Manuskript eines Buches der Bibel, wurde fast vollständig erhalten unter den Schriftrollen vom Toten Meer gefunden. Ursprünglich war das Original auf den Zylinder gespannt; es hat im Laufe der Jahrzehnte aber durch Lichteinstrahlung und Luftfeuchtigkeit infolge des Atems der Besucher Schaden genommen und wird deshalb jetzt unter Panzerglas gesichert im Keller des Museums aufbewahrt. Nur ein Teilstück des Originals ist in einer Seitenvitrine zu sehen. Die Jesajarolle ist das Herzstück des Schreins und Namensgeber für das Gebäude: In der Antike wurde der Inhalt einer Schriftrolle als „Buch“ bezeichnet, hier das biblische Buch Jesaja, daher Schrein des Buches.

Der zentrale Zylinder mit der Jesajarolle dreht sich ständig. Dies hatte früher einen praktischen Grund: Das Original war so zerbrechlich, dass es nicht dauerhaft dem Licht ausgesetzt werden konnte. Es wäre im Laufe der Zeit zerfallen und durch die Bewegung wurde dieser Prozess verhindert. Als das Original durch das Faksimile ersetzt werden musste, wurde seitens der Kuratoren darüber diskutiert, die Drehung aus Kostengründen einzustellen. Da diese aber quasi zu einem Markenzeichen des Museums geworden war, behielt man sie bei.

Im Innern des Schreins herrscht wegen der Schäden, die Blitzlichter an den Fundstücken verursachen können, ein striktes Fotografierverbot. Daher existieren nur wenige Aufnahmen der Jesajarolle. Außerhalb des Gebäudes kann hingegen fotografiert werden.

Andere Schätze aus Qumran

Um die Jesajarolle herum befinden sich in kreisförmig in die Wände eingelassenen Vitrinen weitere wertvolle Handschriften aus den Höhlen von Qumran, wie die anderen ersten sechs gefundenen Rollen von Qumran: Kleine Jesajarolle, Gemeinderegel, Hymnenrolle, Kriegsrolle, Habakuk-Pescher und Genesis-Apokryphon, sowie auch der Codex von Aleppo.

In den unteren Stockwerken des Schreins des Buches sind schließlich andere Ausstellungsstücke aus Qumran zu sehen, darunter Tonkrüge und Werkzeuge der Essener, einer jüdischen Sekte zur Zeit Jesu, welche die Rollen in Qumran gesammelt hatten.

Renovierungen

Von 1962 bis 1965, noch vor der eigentlichen Eröffnung, wurde der Schrein des Buches bereits zum ersten Mal renoviert. Im Zuge der Arbeiten wurden auch die weißen Keramikplatten auf das Betondach gelegt, um mittels einer erhöhten Albedo die Besucher vor der Hitze zu schützen. Im Jahr 2003 wurde das Museum mit großem finanziellen Aufwand auf der Grundlage modernster konservatorischer Erkenntnisse zum zweiten Mal vollständig renoviert, da die Rollen im Laufe der Jahre Schaden genommen hatten. Auch außen wurden Neuerungen angebracht, so die Wasserdüsen und neue Keramikplatten, da die alten durch die Witterung in den letzten vier Jahrzehnten stark angegriffen worden waren.

Der Umbau kostete etwa drei Millionen US-Dollar, der Betrag wurde gestiftet von den amerikanischen Gönnern Herta und Paul Amir, Los Angeles, und der D. S. und R. H. Gottesman Foundation, New York.[2]

Weitere Informationen

Mini Heichal
Modell des Schreins mit Basaltwand in der Ausstellung Mini-Israel

Zwei Drittel des Museums befinden sich oberhalb der Erdoberfläche, ein Drittel unterhalb.

Als eine der touristischen Hauptattraktionen Israels ist der Schrein des Buches auch als Modell in der Ausstellung Mini-Israel bei Jerusalem zu bewundern, die israelische Sehenswürdigkeiten in verkleinertem Maßstab zeigt.

Wegen der einzigartigen Architektur wurde die Kuppel bereits als Motiv für israelische Produktionen von Science-Fiction-Filmen benutzt.

Literatur

  • Roland Lelke: Der endlose Raum in Frederick Kieslers Schrein des Buches, Shaker, Aachen 1999, ISBN 3-8265-4806-X (= Berichte aus der Architektur, zugl. Diss. an der TU Aachen 1998).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Lelke, S. 5 ff.
  2. a b c d Pressemitteilungen des Israel-Museums (Memento vom 6. Juni 2007 im Internet Archive)
  3. Schrein des Buches. In: archINFORM; abgerufen am 14. Dezember 2009. (Architekturinformationen)
  4. Lelke, S. 23
  5. Lelke, S. 7 ff.
  6. Lelke, S. 31 ff.
  7. Text zur Wiedereröffnung 2004 bei Israel-Nachrichten.de (Memento vom 26. April 2005 im Internet Archive)
  8. Lelke, S. 37
  9. Lelke, S. 29 und 38
  10. a b Lelke, S. 30
  11. Übersicht Schrein des Buches bei: Hintergrundwissen zum Film "Sakrileg - Der Da Vinci Code"

Koordinaten: 31° 46′ 24,5″ N, 35° 12′ 10″ O

Codex von Aleppo

Der Codex von Aleppo (hebräisch כתר ארם צובא, Keter („Krone“) Aram Tzova) war bis zu seiner Beschädigung im Jahre 1947 das älteste vollständige Manuskript der masoretischen hebräischen Bibel. Er umfasst jetzt noch 295 von ursprünglich 491 Blättern und befindet sich in Jerusalem im Israel Museum im Schrein des Buches.

Friedrich Kiesler

Friedrich Kiesler (* 22. September 1890 in Czernowitz, Bukowina, Österreich-Ungarn; † 27. Dezember 1965 in New York City; auch englisch: Frederick Kiesler) war ein österreichisch-amerikanischer Architekt, bildender Künstler, Designer und Bühnenbildner. Er verbrachte den ersten Teil seines Lebens in Europa, bevor er 1926 in die USA emigrierte, dort sein Werk fortsetzte und dieses 1965 in Jerusalem mit dem Schrein des Buches, gleichsam seinem Lebenswerk, vollendete.

Genesis-Apokryphon

Das Genesis-Apokryphon (Sigel 1Q20, 1QapGen oder 1QGenAp) ist eine Lederrolle, die etwa zwischen 25 v. Chr. und 50 n. Chr. in aramäischer Sprache beschrieben wurde. Sie enthält einen Text, der Ereignisse um die biblischen Personen Lamech, Henoch, Noach und Abraham erzählt in einer Form und mit Angaben, die über die Berichte des 1. Buches Mose hinausgehen. Die Geschichten werden oft in der Ich-Form erzählt und basieren auch auf dem Buch der Jubiläen und dem Henochbuch.

Die Handschrift ist stark beschädigt, viele Textstellen sind nicht leserlich, der Text bricht nach der 22. Kolumne ab.

Das Fragment wurde 1947 in Höhle 1 in Qumran am Toten Meer gefunden. Es befindet sich heute im Schrein des Buches, einem Gebäude des Israel-Museums in Jerusalem.

Georg Oswald Cott

Georg Oswald Cott (* 21. September 1931 in Salzgitter) ist ein deutscher Schriftsteller.

Habakuk-Pescher

Der Habakuk-Kommentar oder Habakuk-Pescher (Siglum 1QpHab) ist eine Lederrolle, die wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. beschrieben wurde. Sie enthält in 13 Kolumnen Kommentare (Pescher) zu den ersten beiden Kapiteln des Buchs Habakuk in hebräischer Sprache.

Die Rolle ist etwa 1,42 Meter lang und fast vollständig erhalten. Der obere Rand ist gut erhalten, vom unteren Rand hingegen sowie am Anfang fehlen kleinere Partien. Der zitierte Text der Bibelstellen stimmt sehr stark mit dem Masoretischen Text überein.

Die Rolle wurde 1947 in Höhle 1 in Qumran am Toten Meer gefunden und war eine der ersten sieben Schriftrollen vom Toten Meer, die Wissenschaftler der Hebräischen Universität Jerusalem erwarben. Sie befindet sich heute im Schrein des Buches, einem Gebäude des Israel-Museums in Jerusalem.

Holyland-Modell der Stadt Jerusalem

Das Holyland-Modell (hebräisch דגם הולילנד, offizieller Name: דגם ירושלים בסוף ימי בית שני, Modell Jerusalems am Ende der Zeit des Zweiten Tempels) ist ein plastisches Stadtmodell von Jerusalem am Beginn des Jüdischen Krieges. Das Bezugsjahr ist 66 n. Chr.

Das Modell im Maßstab 1:50 entstand ab 1962 auf einem etwa 25 × 40 Meter (940 Quadratmeter) großen Gelände des Holyland-Hotels in Jerusalem und wurde 1966, noch unfertig, der Öffentlichkeit übergeben.Die größte Popularität erreichte das Stadtmodell von den 1980er Jahren bis zum Beginn der Zweiten Intifada. In dieser Zeit zählte man jährlich 300.000 Besucher. Fotos von Bauwerken aus dem Holyland-Modell dienen zur Illustration von Büchern, die sich mit dem antiken Israel oder dem Neuen Testament befassen. Das Bild des Tempelhauses wurde so bekannt, dass später entstandene Darstellungen dieses Gebäudes von Avi-Yonahs Entwurf abhängig sind.Im Jahr 2006 wurde das Modell auf dem Campus des Jerusalemer Israel-Museums in Nachbarschaft zum Schrein des Buches neu aufgebaut.

Israel

Vorlage:Infobox Staat/Wartung/NAME-DEUTSCH

Israel (hebräisch ישראל Jisra'el) bzw. in Langform Staat Israel (hebräisch

Medinat Jisra'el) ist ein Staat in Vorderasien an der Ostküste des Mittelmeers. Israel ist der einzige Staat der Welt mit mehrheitlich jüdischer Bevölkerung und gemäß eigenem Selbstverständnis Nationalstaat des jüdischen Volkes. Israel gehört geographisch zum Maschrek und grenzt an den Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten sowie an Gazastreifen und Westjordanland. Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist Jerusalem, größtes Ballungszentrum ist Gusch Dan um die am Mittelmeer gelegene Metropole Tel Aviv-Jaffa. Politik und Geschichte des Staates sind erheblich durch den andauernden Nahostkonflikt geprägt.

Das Gebiet des heutigen Israel war seit Christi Geburt nacheinander unter römischer, byzantinischer, arabischer, osmanischer und zuletzt britischer Kontrolle. Ab dem ausgehenden 19. Jhd. bestanden unter europäischen Juden Bestrebungen, in damals osmanischen Palästina einen jüdischen Nationalstaat zu errichten. Die ersten politischen Grundsteine dafür wurden beim Ersten Zionistischen Weltkongress in Basel im Jahr 1897 unter der Leitung von Theodor Herzl gelegt, die beabsichtigte Staatsgründung nahm durch die Balfour-Deklaration von 1917 konkretere Formen an. Von 1920 bis 1948 bestand das Völkerbundsmandat für Palästina unter britischer Vorherrschaft, verstärkte jüdische Einwanderung und Aufbau staatlicher Strukturen führten zu Konflikten mit der arabischen Bevölkerung. Der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 sollte diese beilegen, wurde allerdings von arabischer Seite abgelehnt. Am 14. Mai 1948 erfolgte die Israelische Unabhängigkeitserklärung und sogleich ein Krieg gegen die arabischen Nachbarstaaten. Die Geschichte seit der Unabhängigkeit ist von verstärkter jüdischer Einwanderung und dem andauernden arabisch-israelischen Konflikt geprägt.

Das politische System Israels basiert auf einem parlamentarischen Regierungssystem. Regierungschef ist der von der Knesset gewählte Ministerpräsident, das Staatsoberhaupt der Staatspräsident mit überwiegend repräsentativen Aufgaben. Israel ist als freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat mit einem ausgeprägtem Sozialstaat verfasst; das Land gilt gemeinhin als die „einzige Demokratie im Nahen Osten“. Der zentralistisch verwaltete Staat ist in sechs Bezirke und diese wiederum in 71 Städte, 141 Gemeinden und 53 Regionalverbände (Zusammenschlüsse mehrerer kleinerer Ortschaften zu Verwaltungsgemeinschaften) unterteilt.

Das dicht besiedelte Land hat 2019 etwa 9 Mio. Einwohner, davon ca. 6,7 Mio. Juden (74,2 %), 1,9 Mio. nichtjüdische Araber (20,9 %) und einige weitere traditionell im Land beheimatete Minderheiten wie Aramäer, Samaritaner, Armenier, Tscherkessen und Roma. Das Rückkehrgesetz gestattet es allen Juden, sich in Israel niederzulassen. Seit etwa 1990 leben auch zunehmend legale asiatische und osteuropäische Arbeitsmigranten sowie illegale Einwanderer aus Afrika im Land.

Die jüdische Bevölkerung setzt sich aus Aschkenasim, Misrachim, Sephardim, Falaschen sowie aus jemenitischen Juden zusammen, wobei eine zunehmende Verschmelzung dieser Gruppen zu beobachten ist. Die Mehrheit arabischer Israelis sind Muslime, eine Minorität unter den Arabern in Israel bilden Christen und Drusen.

Trotz widriger äußerer Umstände (exponierte geografische Lage, Mangel an Wasser und Rohstoffen, Abhängigkeit von ausländischem Kapital, Kriege mit den arabischen Nachbarstaaten) ist es Israel gelungen, einen hoch entwickelten Industriestaat aufzubauen. Die heutige israelische Wirtschaft ist von einer fortschrittlichen Landwirtschaft und einer spezialisierten, stark exportorientierten Industrie geprägt. Wichtige Industriesektoren sind die Diamantenverarbeitung, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie die Halbleitertechnik, im Dienstleistungssektor ist die Finanzwirtschaft, die Softwareentwicklung und der Tourismus zu nennen. Von wachsender Bedeutung ist die High-Tech-Industrie; das Land hat die höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung pro Einwohner und die höchste Dichte an Start-ups weltweit. Ausgeprägt ist die hohe soziale Ungleichheit, die hauptsächlich durch die unzureichende wirtschaftliche Integration der arabischen und ultraorthodoxen Bevölkerungsteile bedingt ist. Das Land ist seit 2010 Mitglied der OECD. Nach dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) weltweit auf Platz 22 (Platz 1 im Nahen Osten, Platz 4 in Asien, Stand 2017) und zählt damit zu den sehr hoch entwickelten Volkswirtschaften.

Israel-Museum

Das Israel-Museum (hebräisch מוזיאון ישראל „museon jisrael“) ist das Nationalmuseum Israels. Es befindet sich im westlichen Teil Jerusalems, unweit der Knesset, im Givat Ram-Quartier, und wurde 1965 unter dem damaligen Bürgermeister Teddy Kollek errichtet. Der erste Vorstandsvorsitzende des Museums nach der Gründung war Willem Sandberg. In der Nähe befindet sich außerdem der Sitz der Israel Antiquities Authority, das Bible Lands Museum sowie die Israelische Nationalbibliothek.

Das Museum erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 50.000 m², einschließlich eines Gartens von 24.000 m² und wird jährlich von mehr als 950.000 Personen besucht.

Das Museum besteht aus vier Abteilungen:

der Kunstabteilung mit dem Billy-Rose-Kunstgarten

der Abteilung für Judaica und jüdische Ethnographie

der archäologischen Abteilung. Hierzu gehört der Schrein des Buches mit einigen der Schriftrollen vom Toten Meer.

der Jugendabteilung

Jerusalem

Jerusalem (hebräisch , Jeruschalajim [jeʁuʃa'lajim]; arabisch القدس al-Quds ‚die Heilige‘; altgriechisch Ἱεροσόλυμα Hierosólyma [n. pl.], oder Ἰερουσαλήμ Ierousalḗm [f., indecl.]; lateinisch Hierosolyma [n. pl. oder f. sg.], Hierosolymae [f. pl.], Hierusalem oder Jerusalem [n., indecl.]) ist eine Stadt in den judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer mit rund 882.000 Einwohnern.

In Jerusalem begegnen sich viele Kulturen der Antike und Moderne. Die Altstadt ist in das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel gegliedert und von einer Mauer umgeben.

Der politische Status der Stadt ist international umstritten und Teil des Nahostkonflikts. Jerusalem wurde 1980 von Israel, das das gesamte Stadtgebiet kontrolliert, per Gesetz zu seiner "vereinigten und unteilbaren" Hauptstadt erklärt, aber als solche bislang nur von den USA und Honduras anerkannt. Der Staat Palästina beansprucht Ost-Jerusalem als seine Hauptstadt. In Jerusalem befinden sich der Sitz des Staatspräsidenten, die Knesset und das Oberste Gericht als Teil des politischen Systems Israels, die 1918 gegründete Hebräische Universität sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem und der Israel National Cemetery. Ostjerusalem, das bedeutende religiöse Stätten des Judentums, Christentums und des Islam beherbergt, wird von gemäßigteren Palästinenser-Organisationen jedoch als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates beansprucht, während radikalere Palästinenser-Organisationen die gesamte Stadt als Hauptstadt fordern.

Kriegsrolle

Die Kriegsrolle (Siglum 1QM) ist eine 2,79 m lange und 15 – 16 cm hohe Lederrolle, die um 30/50 n. Chr. in hebräischer Sprache beschrieben wurde. Sie enthält eine ausführliche Darstellung des Kampfes der „Söhne des Lichts“ mit den „Söhnen der Finsternis“. Der Text stellt Schlachtordnungen und militärische Szenarien dar, ist aber wahrscheinlich eher endzeitlich gemeint. Er verwendet Elemente biblischer Texte zu diesem Thema (Ez 38-39 , Dan 7-12 ).

Die Rolle wurde 1947 in Höhle 1 bei Qumran gefunden und gehört zu den Schriftrollen vom Toten Meer. Weitere Fragmente 4Q491 bis 4Q497 lagen in Höhle 4. Die Rolle befindet sich heute im Schrein des Buches, einem Gebäude des Israel-Museums in Jerusalem.

Mini-Israel

Mini-Israel (hebräisch מיני ישראל) ist ein Freizeitpark bei Latrun im Westjordanland, wo seit 2003 Sehenswürdigkeiten, vor allem Bauwerke, aus Israel in verkleinertem Maßstab zu sehen sind. Der westlich von Jerusalem gelegene Miniaturpark zeigt rund 350 Modelle.

Ein Schwerpunkt liegt auf religiösen Bauwerken der drei großen in Israel vertretenen Weltreligionen, etwa ein Drittel der Ausstellung besteht aus Nachbildungen solcher Bauten. Unter anderem finden sich Modelle des Felsendoms in Jerusalem, des Schrein des Buches oder die Al-Aksa-Moschee im Maßstab 1:25.

Schriftrollen vom Toten Meer

Die Schriftrollen vom Toten Meer (auch Qumranschriften) wurden zwischen 1947 und 1956 in elf Felshöhlen nahe der Ruinenstätte Khirbet Qumran im Westjordanland entdeckt. Sie umfassen rund 15.000 Fragmente von etwa 850 Rollen aus dem antiken Judentum, die von mindestens 500 verschiedenen Schreibern zwischen 250 v. Chr. und 40 n. Chr. beschriftet wurden. Darunter sind etwa 200 Texte des späteren Tanach, die bislang ältesten bekannten Bibelhandschriften. Später wurden noch weitere antike Schriftrollen in Höhlen nahe dem Westufer des Toten Meeres gefunden.

Tempelrolle

Die Tempelrolle ist ein antiker jüdischer Text, der sich mehrfach unter den Schriftrollen vom Toten Meer fand:

11QTa (11Q19) ist eine besonders hochwertige Ausfertigung (schöne Schrift, feines Pergament) und mit 66 Spalten die längste erhaltene Qumranrolle;

11QTb (11Q20)

weitere Fragmente dieses Textes: 11Q21 und vielleicht auch 4Q365a und 4Q524.

Werner Kraft

Werner Kraft (* 4. Mai 1896 in Braunschweig; † 14. Juni 1991 in Jerusalem) war ein deutsch-israelischer Bibliothekar, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller jüdischer Herkunft. Er lebte nach seiner Emigration aus Hannover seit 1934 bis zu seinem Tod in Jerusalem und verkörperte als ausschließlich deutsch schreibender Schriftsteller neben seinen Freunden Gershom Scholem, Ludwig Strauss und Ernst Simon das „Leben der deutschen Sprache in Jerusalem“.

In anderen Sprachen

This page is based on a Wikipedia article written by authors (here).
Text is available under the CC BY-SA 3.0 license; additional terms may apply.
Images, videos and audio are available under their respective licenses.