Schlacht bei Myton

Die Schlacht bei Myton (englisch auch Chapter of Myton) war eine Schlacht während des Ersten Schottischen Unabhängigkeitskrieges. Am 12. September 1319 schlug ein schottisches Heer ein schlecht ausgerüstetes englisches Heer, das zur Verteidigung von York aufgestellt worden war. Irrtümlicherweise wird auch der 20. September als Datum der Schlacht genannt.[2]

Mutmaßliches Schlachtfeld bei Myton (2007)

Vorgeschichte

Als ab dem 7. September 1319 ein englisches Heer unter König Eduard II. die schottische Grenzfestung Berwick belagerte, unternahmen die Schotten unter Sir James Douglas und Thomas Randolph, 1. Earl of Moray einen Vorstoß nach England, um die belagerte Stadt zu entlasten. Allerdings wollte der schottische König Robert Bruce eine offene Feldschlacht gegen die besser ausgerüsteten englischen Ritter vermeiden, so dass der schottische Vorstoß die Belagerung von Berwick vor allem stören oder die Engländer gar zum Abbruch der Belagerung bewegen sollte.[3]

Der Weg zur Schlacht

Das schottische Heer, das angeblich 20.000 Mann, doch wahrscheinlich eher zwischen 10.000 und 15.000 Mann umfasste, stieß über Carlisle nach Cumberland vor und umging damit die Belagerer bei Berwick. Durch Northumberland und Durham zogen die Schotten plündernd bis nach Boroughbridge und Myton-on-Swale in Yorkshire, wobei sie angeblich von Edmund Darel, einem verräterischen Ritter des englischen Königs geführt wurden.[1] Die Verteidiger von York sollen durch einen gefangen genommenen schottischen Spion erfahren haben, dass die Schotten versuchen wollten, Königin Isabelle, die sich in der Nähe der Stadt aufhielt, zu überraschen und gefangen zu nehmen. Diesem Bericht wurde zwar kaum Glauben geschenkt, dennoch wurde Isabelle erst nach York und dann per Schiff nach Nottingham Castle gebracht.[1] Die Engländer befürchteten aber weiter einen schottischen Angriff auf York, wo sich seit September 1318 die königliche Verwaltung befand. Da die Truppen aus Yorkshire bereits vor Berwick lagen, stellten Erzbischof William Melton von York und der königliche Kanzler John Hotham zusammen mit Nicholas Fleming, dem Mayor von York, hastig ein Heer zur Verteidigung der Stadt auf. Das Heer soll angeblich 10 bis 20.000 Mann stark gewesen sein, doch es bestand fast nur aus schlecht ausgerüsteten und unzureichend bewaffneten Bürgern aus York und Einwohnern aus dem Umland, die von zahlreichen Geistlichen begleitet wurden. Dieses Heer zog am 12. September in Richtung des über zwanzig Kilometer entfernten Myton-on-Swale in der Hoffnung, die Schotten zu überraschen und so schlagen zu können.[4]

Verlauf der Schlacht

Myton-on-Swale liegt etwa fünf Kilometer östlich von Boroughbridge beidseits des River Swale, knapp oberhalb von dessen Mündung in den River Ure. Vermutlich zog das englische Heer von York am Ostufer des Swale heran, um über die Brücke von Myton den River Swale zu überqueren.[5] Die Schotten bemerkten das englische Heer und zündeten Heudiemen an, so dass den Engländern durch den Brandrauch die Sicht genommen wurde. Dann umgingen schottische Reiter das englische Heer und blockierten den Rückzug über die Brücke, während das schottische Hauptheer die desorientierten und unerfahrenen Engländer angriff. Die Engländer erlitten hohe Verluste. Unter den zahlreichen Toten befand sich auch Mayor Fleming, viele weitere Engländer ertranken während der Flucht im River Swale oder im River Ure.[6] Unter den zahlreichen Gefangenen befanden sich auch die Beamten Andrew de Tange sowie William und Richard Airmyn. Erzbischof Melton und Kanzler Hotham konnten sich nur knapp nach York retten, wo sie die Stadttore vor der erwarteten schottischen Belagerung schließen ließen. Angesichts der zahlreichen Geistlichen, die das englische Heer begleitet hatten und von denen viele getötet wurden, bezeichneten die Schotten die Schlacht spöttisch als Kapitel von Myton.[7]

Folgen

Nachdem die englischen Belagerer vor Berwick am 14. September von der Niederlage von Myton erfahren hatten, verließ der Earl of Lancaster am 16. September mit seinem großen Gefolge das Belagerungsheer. Möglicherweise wollte er die Schotten auf ihrem Rückzug stellen oder wenigstens seine eigenen nordenglischen Besitzungen schützen, doch aufgrund seines Abzugs brach der König am 17. September die Belagerung von Berwick ab und zog sich nach Newcastle zurück. Die Schotten stießen nach der Schlacht von Myton nicht weiter nach York vor, sondern zogen weiter südlich bis Castleford. Damit standen sie nur unweit nördlich von Pontefract, einer der wichtigsten Burgen des Earl of Lancaster. Dann wandten sie sich um den 14. September nach Westen und zogen über Airedale und Wharfedale plündernd nach Norden.[8] Westlich der Pennines plünderten und verwüsteten sie die Region, verbrannten die Ernte und erbeuteten viel Vieh.[9] Schließlich entkamen sie über Stainmoor, Gilsland und an Carlisle vorbei zurück nach Schottland.[10]

Nach der Niederlage von Myton und dem Scheitern der Belagerung von Berwick nahmen die Engländer ab Ende Oktober 1319 Verhandlungen mit Schottland auf, die schließlich am 25. Dezember zum Abschluss eines auf mindestens zwei Jahre befristeten Waffenstillstand führten.[11] Für Januar 1320 berief Eduard II. ein Parlament nach York. Während des Parlaments wurde John Hotham, möglicherweise wegen der katastrophalen Niederlage von Myton, als königlicher Kanzler entlassen.[12]

Einzelnachweise

  1. a b c d Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 347
  2. English Heritage Battlefield Report: Myton 1319. Abgerufen am 31. August 2018.
  3. Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 346
  4. Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 348
  5. English Heritage Battlefield Report: Myton 1319. Abgerufen am 31. August 2018.
  6. Seymour Phillips: Edward II. New Haven, Yale University Press 2010. ISBN 978-0-300-15657-7, S. 348
  7. Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003. ISBN 0-521-54806-3, S. 42
  8. John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307-1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 248
  9. Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 342.
  10. John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307-1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 250
  11. John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 187
  12. John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307-1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 254

Koordinaten: 54° 5′ 59,3″ N, 1° 20′ 14,3″ W

12. September

Der 12. September ist der 255. Tag des gregorianischen Kalenders (der 256. in Schaltjahren), somit bleiben 110 Tage bis zum Jahresende.

Wenn das folgende Jahr ein Schaltjahr ist, beginnt im Koptischen und im Äthiopischen Kalender das Jahr am 12. September. In allen anderen Jahren ist Jahresbeginn am 11. September.

Belagerung von Berwick (1319)

Die Belagerung von Berwick war eine Schlacht während des Ersten Schottischen Unabhängigkeitskriegs. Vom 7. bis zum 17. September 1319 belagerte ein englisches Heer unter König Eduard II. erfolglos die Grenzstadt Berwick.

Eduard II. (England)

Eduard II. (englisch Edward II, auch Edward II of Carnarvon; * 25. April 1284 in Caernarvon, Wales; † 21. September 1327 in Berkeley Castle, Gloucestershire) war ein englischer König, Lord of Ireland und Herzog von Aquitanien. Er war der erste englische König, der seit der normannischen Eroberung 1066 abgesetzt wurde.

James Douglas of Douglas

Sir James Douglas of that Ilk (* 1286; † 25. August 1330 in Teba, Spanien) war ein schottischer Ritter aus dem Clan Douglas. Er war einer der Heerführer von Robert the Bruce in den schottisch-englischen Unabhängigkeitskriegen. Er wurde von den Schotten „The Good Sir James“ und von den Engländern „The Black Douglas“ genannt. Er war Laird der feudalen Baronie Douglas einschließlich Douglas Castle.

Sir James entstammte dem schottischen Adel und war der Sohn von Sir William „le Hardi“ Douglas. Der englische König Eduard I. lehnte ihn im Jahre 1306 als Vasallen ab, daher schlug er sich auf die Seite von König Robert I. Schnell wurde er dessen bester Heerführer. Von insgesamt 70 Schlachten, die Douglas gefochten haben soll, hat er angeblich 57 gewonnen. Dabei ging er aber nie als adliger Gentleman vor, sondern vielmehr als schottischer Barbar, das untermauert die Legende, dass eine Schlacht aus dem Jahre 1307, an der Douglas teilnahm, den Namen "Freudenhaus Douglas" erhielt, weil er damals ein richtiges Gemetzel veranstaltete.

Sein größter Coup gelang ihm, als er die Schotten am 24. Juni 1314 zum Sieg in der Schlacht von Bannockburn führte. Robert the Bruce soll Douglas daraufhin angeblich zum Ritter (Knight Banneret) geschlagen haben. Doch nach dieser Schlacht ging es weiter, die Schotten brachten den Krieg nun nach England. 1319 fiel Douglas in Yorkshire ein und besiegte dort die von Erzbischof William Melton von York und vom königlichen Kanzler John Hotham geführten englischen Truppen in der Schlacht bei Myton. Bis 1327 kämpfte er regelmäßig in England, um dort Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Freundschaft zwischen Bruce und Douglas wurde immer größer, so groß, dass Bruce Douglas bat, bevor er starb, sein Herz in das Heilige Land zu bringen. Als Robert the Bruce 1329 starb, machte sich Sir James Douglas auf den Weg, sein Versprechen einzulösen, doch Douglas kam nur bis Spanien, dort fiel er in der Schlacht von Teba im Kampf gegen die muslimischen Nasriden.

Er hinterließ mindestens zwei Söhne:

William Douglas, Laird of Douglas († 1333);

Archibald Douglas, 3. Earl of Douglas (um 1325–um 1400).

John Hotham

John Hotham (auch de Hothum) (* 13. Jahrhundert in Hotham; † 14. Januar 1337 in Somersham) war ein englischer Geistlicher und Minister. Ab 1316 war er Bischof von Ely.

Richard Airmyn

Richard Airmyn (auch de Airmyn, de Ayreminne, Ayermin oder Ayermine) (* um 1290; † zwischen 3. April und 9. Mai 1340) war ein englischer Geistlicher und Beamter.

Thomas Randolph, 1. Earl of Moray

Thomas Randolph, 1. Earl of Moray († 20. Juli 1332 in Musselburgh) war ein schottischer Adliger, Diplomat und Militär. Er gehörte zu den führenden Figuren des Ersten Schottischen Unabhängigkeitskriegs und diente von 1329 bis zu seinem Tod als Guardian of Scotland.

William Airmyn

William Airmyn (auch Ayreminne, Ayermin oder Ayermine) († 27. März 1336 in London) war ein englischer Beamter und Geistlicher. Ab 1325 war er Bischof von Norwich.

William Melton

William Melton († 5. April 1340 in Cawood Castle) war ein englischer Geistlicher. Ab 1316 war er Erzbischof von York, dazu diente er wiederholt als königlicher Minister.

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