Schlacht bei Maciejowice

Die Schlacht bei Maciejowice fand am 10. Oktober 1794 während des Kościuszko-Aufstands nahe dem Ort Maciejowice (bei Siedlce) statt. Sie endete mit einem russischen Sieg über die Polen und der Gefangennahme von Tadeusz Kościuszko. Damit war der Aufstand faktisch entschieden.

Kościuszkos Niederlage in der Schlacht bei Maciejowice

Vorgeschichte

Die Russen hatten am 19. September bei Terespol die polnischen Truppen unter Sierakowski geschlagen und zersprengt. Die Reste gingen nach Warschau zurück. Kościuszko sammelte dort so viele Kräfte wie möglich.

Kościuszko wollte die Vereinigung zweier russischer Armeekorps unter Suworow und Denissow und einen Angriff auf Warschau verhindern. Er griff die Korps von Fersen (General Repnin Armeekorps) an, als diese die Weichsel überschritt. Die Angaben über die Truppenstärken variieren. Sie lagen auf polnischer Seite wohl zwischen 6000 und 7000 Mann mit 20 Geschützen. Die Russen unter General F. Denissow und General I. Fersen hatten dagegen 14.000–20.000 Mann und 80 Geschütze. Folgt man Gaston Bodart waren die numerischen Stärkeverhältnisse hingegen weniger unterschiedlich. Danach verfügten die Russen über 12.000 und die Polen über 10.000 Mann.[1] Außerdem blieb die Unterstützung durch General Adam Poniński aus.

Verlauf und Folgen

Die Schlacht war erbittert und Fersen musste seine sämtlichen Kräfte einsetzen. Die polnischen Truppen wurden nach achtstündiger Schlacht vernichtend geschlagen. Ein Großteil der Truppen soll gefallen und nur 2000 Mann sollen entkommen sein. Kościuszko selbst wurde schwer verwundet und geriet in russische Gefangenschaft. Danach brach der Aufstand faktisch zusammen. Nach einigen unbedeutenden Gefechten folgte die blutige Einnahme von Praga und die Besetzung Warschaus. Die mittelbare Folge der Niederlage bei Maciejowice war die endgültige Teilung Polens.

Zitat Finis Poloniae

Bekannt geworden ist die Schlacht durch den angeblichen Ausspruch von Kościuszko, der kurz vor seiner Gefangennahme gesagt haben soll, diese sei das „Finis Poloniae“ (lat. „das Ende Polens“)! Kościuszko hat sich später vehement gegen dieses angebliche Zitat gewandt. Tatsächlich wurde das Wort bewusst falsch von der der preußischen Regierung nahestehenden Schlesischen privilegierten Zeitung in Umlauf gebracht, um die Welt auf die kommende polnische Teilung vorzubereiten und den Polen die Hoffnung auf Widerstand zu nehmen.[2]

Einzelnachweise

  1. Gaston Bodart (Hrsg.): Militär-historisches Kriegs-Lexikon. (1618–1905). Stern, Wien 1908, S. 304.
  2. Marek Zybura: Das Breslauer Racławice-Panorama. In: Martin Aust, Krzysztof Ruchniewicz, Stefan Troebst (Hrsg.): Verflochtene Erinnerungen. Polen und seine Nachbarn im 19. und 20. Jahrhundert (= Visuelle Geschichtskultur. 3). Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-20292-7, S. 61–68, hier S. 65.

Literatur

  • Jacob Burckhardt: Geschichte des Revolutionszeitalters (= Werke. Kritische Gesamtausgabe. Bd. 28). Beck u. a., München 2009, ISBN 978-3-406-59186-0, S. 553.
  • Marian Kukiel: Kościuszko and the third Partition. In: William F. Reddaway (Hrsg.): The Cambridge history of Poland. Band 2: From Augustus II to Pilsudski. (1697–1935). Reprinted edition. Octagon Books, New York NY 1971, S. l54–l76, hier S. 172.
  • Jerzy J. Lerski: Historical dictionary of Poland, 966–1945. Greenwood Press, Westport CT u. a. 1996, ISBN 0-313-26007-9, S. 329.
  • Сергей Соловьев: История падения Польши. Грачева, Москва 1863, (Digitalisat).

Weblinks

10. Oktober

Der 10. Oktober ist der 283. Tag des gregorianischen Kalenders (der 284. in Schaltjahren), somit bleiben 82 Tage bis zum Jahresende.

Geschichte Polens

Die – ungeschriebene – Vorgeschichte Polens umfasst zahlreiche slawische Stämme, Burgen, Siedlungen und Grabstellen. Eine genaue ethnische Zuordnung ist unsicher. Die heutige Unwissenheit über Polens Ursprünge ist Folge der Quellenarmut des 10. Jahrhunderts, das in der historischen Forschung als „dunkles Jahrhundert“ bezeichnet wird.Die – geschriebene – Geschichte Polens beginnt im Jahr 963, in dem der polnische Herzog Mieszko, lateinisch Misaca († 992), durch Widukind von Corvey in einer lateinischen Chronik als fähiger Herrscher erwähnt wird. Mieszkos freiwillige Annahme des Christentums, durch die Taufe 966, führte zur Christianisierung Polens und schützte das Land vor Fremdmissionierung. Aus seinem Herzogtum, zu dem angeblich ein Stamm der Polanen gehörte, ging das durch Kaiser und Papst anerkannte und gegen Ende der Epoche der Piasten (960–1386) fest etablierte Königreich Polen hervor.

Als eine wichtige Quelle zur Gründung bzw. Anerkennung eines polnischen Staats gilt das sogenannte Dagome-iudex-Regest, obwohl er darin nicht explizit erwähnt wird. Man geht davon aus, dass in der Eintragung eines Mönchs aus den Jahren 1086/1087 ein Schenkungsakt des polnischen Herzogs Mieszko I. an den Apostolischen Stuhl aus dem Jahr 991 beschrieben wird, mit dem Mieszko seine Stadt oder sein Land dem direkten Schutz des Papstes unterstellt. An der Krakauer Akademie wurde die Urkunde als Schenkung Oda's bezeichnet.

Die polnische Kirche entwickelte sich unabhängig von der Reichskirche und stand in direkter Verbindung zur Römischen Kurie. Der britische Historiker Norman Davies bezeichnete die offizielle Annahme des Christentums als „das bedeutendste Ereignis der polnischen Geschichte“.Seit dem Spätmittelalter bis in die Neuzeit bestand durch eine Personalunion eine dynastische Verbindung mit Litauen. Ab 1386 brachte die Union mit dem Großfürstentum Litauen unter dem von dort stammenden Herrschergeschlecht der Jagiellonen (1386–1572) den Aufstieg zu einer europäischen Großmacht, deren Staatsgebiet od morza do morza („von Meer zu Meer“), von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, reichte.

Ab 1569 wurde die Union Polens mit Litauen in einem gemeinsamen Staat gefestigt. Die von 1572 bis 1795 bestehende Adelsrepublik manifestierte sich als Wahlmonarchie. Im 16. und 17. Jahrhundert entstand dort eine hohe parlamentarische Kultur mit umfangreichen Adelsrechten. Dies führte zu einer starken Identifikation des Adels, des Magnats (Hochadel) und der Szlachta (Landadel), mit dem Land. Die sich verstärkenden strukturellen Missstände, bedingt durch zahlreiche Kriege mit Nachbarstaaten, Bürgerkriege und Aufstände der ukrainischen Kosaken, der Unwille zur Reform bei den Verantwortungsträgern, dazu Egoismen bei mehreren Wahlkönigen und im Adel, führten zur Schwächung des polnischen Staates. Die diplomatische und militärische Einmischung der Nachbarstaaten, des Kaiserreichs Russland, des Königreichs Preußen und der Habsburgermonarchie, bewirkte schließlich den vollständigen Zusammenbruch des Staates durch drei Teilungen in den Jahren 1772, 1793 und 1795.

Dadurch verschwand Polen von 1795 bis 1918 als souveräner Staat von den Landkarten Europas. Kennzeichen der Teilungszeit sind niedergeschlagene Aufstände – in den Jahren 1830, 1848 und 1863 – und sehr unterschiedliche Entwicklungen in den drei Teilungsgebieten. Die polnische Kultur überlebte diese Zeit trotz fremdstaatlicher Unterdrückung und der eigenen Staatenlosigkeit.Nach der staatlichen „Wiedergeburt“ als Zweite Republik nach Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 war die polnische Geschichte durch eine mühsame staatliche Reorganisation und mehrere militärische Konflikte mit nahezu allen Nachbarstaaten gekennzeichnet. Die beiden Diktatoren Hitler und Stalin vereinbarten im Zusatzprotokoll des Ende August 1939 geschlossenen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes die erneute Aufteilung Polens. Auf den Polenfeldzug der Wehrmacht, den Beginn des Zweiten Weltkriegs, und die sowjetische Invasion Ostpolens folgten Jahre der deutschen und der sowjetischen Besetzung. Im Zweiten Weltkrieg starben etwa sechs Millionen Polen. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurde das nach Westen verschobene Polen unter massivem sowjetischem Einfluss eine Volksrepublik und Teil des Ostblocks und ein (für die Sowjetunion nicht immer bequemer) Satellitenstaat. Die Revolutionen im Jahr 1989 machten den Weg frei für die Dritte Republik; diese wurde 1997 Mitglied der NATO und 2004 der Europäischen Union.

Josef Hoëné-Wronski

Jósef Maria Hoëné-Wroński (eigentlich Jósef Hoëné, * 23. August 1776 in Wolsztyn in Polen; † 9. August 1853 in Paris) war ein polnischer Philosoph und Mathematiker.

Julian Ursyn Niemcewicz

Julian Ursyn Niemcewicz (* 16. Februar 1757 auf dem Landgut Skoki in der Nähe von Brest-Litowsk; † 21. Mai 1841 in Paris) war ein polnischer Gelehrter, Dichter und Staatsmann.

Józef Kopeć

Józef Kopeć (* 1758; † 1827 in Luszniewo) war ein polnischer Patriot, General und Tagebuchautor.

Kopeć wurde von seinem Vater erzogen und in Polnisch, Latein, Geometrie und Fremdsprachen ausgebildet. Um 1774 trat er in die Armee ein und diente in der litauischen Kavallerie. Am Russisch-Polnischen Krieg 1792 nahm er im Rang eines Leutnants teil. Er beteiligte sich am Kościuszko-Aufstand, nahm dabei an den Schlachten von Dubienka und Gołkowo und der Verteidigung von Warschau teil, wurde zum Vize-Brigadegeneral befördert und von Kościuszko für seine Tapferkeit mit einem Ehrenring ausgezeichnet.

In der Schlacht bei Maciejowice am 10. Oktober 1794 wurde Kopeć verwundet und kam in russische Gefangenschaft. Er kam nach Kiew und Smolensk und wurde im April 1795 nach Sibirien verbannt. Über Kasan, Perm, Jekaterinburg, Tobolsk, Irkutsk und Ochotsk wurde er bis nach Ust Kamtschatsk gebracht, wo er bis zu seiner Begnadigung durch den Zaren Paul I. im November 1796 blieb.

Nach seiner Rückkehr nach Polen betrieb er erfolgreich die Rückgabe der Güter in Luszniewo, die seiner Familie seit dem 18. Jahrhundert gehört hatten. Dort ließ er sich nieder und gründete eine Familie. 1812 wurde er Mitglied der Freimaurerloge Gorliwy Litwin. Alexander I., Zar von Russland und König von Polen, ehrte ihn nach 1815 mit der Ernennung zum General.

Als Autor wurde Kopeć mit seinem Tagebuch (Dziennik). Es erschien 1837 in Wrocław, wurde ins Französische (1839–41) und Russische (1896) übersetzt und diente als Vorlage für Antoni Goreckis Złączenie się brygady Kopcia z Kościuszką (1834), Lucjan Siemieńskis Wieczór u jenerała Kopcia (1842) und Juliusz Słowackis Prosagedicht Anhelli.

Kościuszko-Aufstand

Der Kościuszko-Aufstand (polnisch Insurekcja kościuszkowska) war eine militärische Erhebung polnischer Patrioten unter der Führung von General Tadeusz Kościuszko im Jahr 1794, die gegen die Teilungen Polens gerichtet war.

Praga (Warschau)

Praga ist ein historischer Vorort, der heute zwei Stadtbezirke der polnischen Hauptstadt Warschau bildet. Praga liegt auf der rechten Weichselseite. Dieser erste östliche Vorort wurde erst 1791 eingemeindet. Ein besonders schöner Blick auf die Warschauer Altstadt bietet sich vom Pragaer Weichselufer.

Schlacht bei Praga (1794)

Die Schlacht bei Praga vom 4. November 1794 bezieht sich auf die militärische Auseinandersetzung zwischen den Truppen des Russischen Reiches und der Rzeczpospolita im östlichen Vorort Warschaus, Praga, während des Kościuszko-Aufstands, der sich gegen die Teilungen Polens richtete. Die meisten englischsprachigen Quellen fassen den russisch-polnischen Konflikt um die polnische Hauptstadt Warschau unter der Bezeichnung Massacre of Praga zusammen, die Polen nennen es Rzeź Pragi, was übersetzt ungefähr Gemetzel von Praga bedeutet.

Tadeusz Kościuszko

Andrzej Tadeusz Bonawentura Kościuszko () (* 4. Februar 1746 in Mereczowszczyzna, Polen-Litauen, heute Weißrussland; † 15. Oktober 1817 in Solothurn, Schweiz) war ein polnischer Militäringenieur, der im Russisch-Polnischen Krieg von 1792 und besonders als Anführer des nach ihm benannten Aufstandes von 1794 gegen die Teilungsmächte Russland und Preußen zum polnischen Nationalhelden wurde. In den Jahren 1777 bis 1783 kämpfte Kościuszko auch im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an der Seite George Washingtons. Er vertrat die Ideale der Aufklärung und unterstützte die weltweite Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei. Der Status eines Nationalhelden wird ihm außer in Polen auch in Weißrussland, in den Vereinigten Staaten und teilweise in Litauen zugeschrieben.

Verfassung vom 3. Mai 1791 (Gemälde)

Die Verfassung vom 3. Mai 1791 (poln.: Konstytucja 3 Maja 1791 roku) ist ein Historiengemälde von Jan Matejko aus dem Jahre 1891. Es entstand anlässlich der Hundertjahrfeier zur Verfassung vom 3. Mai 1791 und will keine fotografische Darstellung der wirklichen Begebenheit sein, sondern eine Synthese der letzten Jahre der Adelsrepublik Polen-Litauen, um den Geist der Verfassung zu erfassen. Das Gemälde ist eines der zuletzt gemalten und heute bekanntesten Werke Matejkos.

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