Schamgefühl

Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das durch Verletzung der Intimsphäre auftreten kann oder auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben. Stolz wird als entgegengesetzter Pol zur Scham gesehen.[1]

Das Schamgefühl ist häufig von vegetativen Erscheinungen wie Erröten oder Herzklopfen (Palpitation) begleitet; manchmal auch von typischen körpersprachlichen Gesten wie dem Senken des Blickes. Die Intensität der Empfindung reicht von flüchtiger Anwandlung bis zu tiefster Beklommenheit. Scham tritt zum Beispiel bei empfundener Entblößung oder einem Ehr- oder Achtungsverlust im sozialen Umfeld auf.

Scham kann auch durch Verfehlungen oder empfundene Unzulänglichkeit (Peinlichkeit) anderer ausgelöst werden, die einem gemeinschaftlich verbunden sind. Hierfür ist mitunter der Neologismus fremdschämen gebräuchlich, der 2009 in den Duden aufgenommen und 2010 in Österreich zum Wort des Jahres gekürt wurde. In der englischen Sprache werden in der Wissenschaftsliteratur seit den 1980er Jahren die Bezeichnungen vicarious embarrassment (stellvertretende Peinlichkeit) oder empathic embarrassment (empathische Peinlichkeit) verwandt.[2][3]

Schamfamilie
Verlegenheit
Befangenheit
Schüchternheit
Peinlichkeit
Kränkung
Schmach
Minderwertigkeitsgefühl

Etymologie

Das deutsche Wort Scham leitet sich gleichbedeutend von althochdeutsch scama bzw. altsächsisch skama ab und geht zurück auf germanisch skamo (vgl. auch engl. shame).[4] Dieser Wortstamm hat die Bedeutung von „Beschämung, Schande“.[5] Die weitere Abstammung des germanischen Wortes ist nicht abschließend bekannt, eine indogermanische Wurzel nicht gesichert.

Evolutionsbiologie

Scham wird oft als negativ empfunden, da sie den Menschen emotional hemmt und Individualität und Kreativität unterbindet. Sie kann das Bekenntnis zu einem Partner, für den wahre Liebe empfunden wird, ebenso verhindern wie den Widerstand gegen Ungerechtigkeit oder die Wahl eines (von anderen als unstandesgemäß empfundenen) passenden Berufs. Dennoch kann Scham einen „Nutzen“ bringen. So zeigen Sznycer et al. (2016) in einer vergleichenden evolutionsbiologischen Studie, dass Scham eine wichtige evolutionäre Anpassung darstellt, indem Schamgefühl dem Einzelnen dabei hilft, Handlungen zu vermeiden, die ihn innerhalb einer Gemeinschaft abwerten oder gar ächten.[6]

Soziologie

Über das individuelle Erleben hinaus lassen sich Scham und Schuld auch als kulturelle Differenz der sozialen Konfliktverarbeitung verstehen. Ruth Benedict verglich Gesellschaften in Anlehnung an die Kulturanthropologie von Margaret Mead anhand der in ihnen vorherrschenden Ausprägung von Scham- und Schuldkultur miteinander.[7][8] Während das Konzept der Schuld auf eine innere Instanz – das Gewissen – verweise, sei der Maßstab der schamorientierten Kultur die Gesellschaft, in der Ehre eine wichtige Rolle spiele. Innerhalb der sozialen Kontrollmechanismen könne also zwischen internen und externen Sanktionen unterschieden werden. „Regelverletzungen führen zu einer Beschämung des Individuums und der Gemeinschaft – und wenn der Zustand andauert, zur Schande.“[9] Soziologisch betrachtet kennen alle Gesellschaften – zum Teil höchst unterschiedliche[10] – Gegenstände der Scham, tragen somit Merkmale einer Schamkultur, während nur einige als ausgeprägte „Schuldgesellschaften“ verstanden werden können. Augenscheinliche Übereinstimmungen im allgemeinen Umgang mit Schuld und Scham zeigen sich in dem universell verbreiteten Tabu-Verhalten der menschlichen Gesellschaften.

Um Scham von Schuld abzugrenzen, nutzt Sighard Neckel den Begriff der Gewissensangst oder der moralischen Angst für Schuld und den Begriff der sozialen Angst für Scham. Schuld bezieht sich auf ein inneres Gebot, welches übertreten wird oder auf das, was wir als „das Böse“ in uns anerkennen. Schuld bedarf keiner Entdeckung, sie stellt lediglich auf unser moralisches Empfinden ab. Voraussetzung ist eine Handlung oder auch Nicht-Handlung, die übernommene Verantwortung für diese und die Schädigung Dritter.[11]

Ein typisches Beispiel für ein Schamgefühl ist die empfundene Nacktheit, also die Unterschreitung einer Mindestgrenze an körperlicher Bedeckung; dies kann von einer Hüftschnur zur Bedeckung der Geschlechtsorgane bis zur völligen Bedeckung des Körpers im Falle einer Ganzkörperverschleierung reichen. Die gezielte Auslösung von Schamgefühlen anderer in erzieherischer oder feindseliger Absicht, die Demütigung, ist in allen Gemeinschaften eine scharfe negative soziale Sanktion.

Norbert Elias hat 1939 in Über den Prozeß der Zivilisation das „Vorrücken der Schamschwelle“ als wesentliches Element der „Zivilisation“ seit dem Mittelalter zu einem soziologischen Schlüsselbegriff gemacht, indem er in der Scham ein wesentliches Kriterium für die Umwandlung von Fremd- in Selbstzwänge sah.[12]

Hans Peter Duerr hat in dem sich gegen Elias wendenden Werk Der Mythos vom Zivilisationsprozess vor allem im ersten Band Nacktheit und Scham nachzuweisen versucht, dass eine niedrige Schamschwelle gerade eine sehr hohe Zivilisierung voraussetze und nur in einem streng konventionalisierten Rahmen möglich werde. Er sieht gegenwärtig einen Bedeutungsverlust der Scham.[13]

Philosophie

Friedrich Schleiermacher setzt sich in seiner Schrift Versuch über die Schamhaftigkeit[14] mit der These auseinander, „daß es bei der Schamhaftigkeit darauf ankomme, gewisse Vorstellungen, diejenigen nämlich, welche sich auf die Mysterien der Liebe beziehen, entweder gar nicht zu haben oder wenigstens nicht mitzutheilen, und dadurch in Andern zu erregen“. Demgegenüber sei es aber naturgemäß und „auf eine gewisse Art erlaubt…, die Vorstellungen, welche die Schamhaftigkeit ächtet, zu haben, und daß also das Vermeiden nur in einem beschränkten Sinne zu verstehen ist.“ Wenn es etwas Erlaubtes hierin gebe, so komme es darauf an, „die Grenzlinie zwischen diesem und dem Verbotenen zu finden“. Schleiermacher sieht diese Grenzlinie im Begriff der „Liebe“ im Gegensatz zur „rohen Begierde“. Wenn Liebe im Spiel sei, gelte: „Der Zustand des Genusses und der herrschenden Sinnlichkeit hat auch sein Heiliges und fordert gleich Achtung, und es muß ebenfalls schamlos seyn, ihn gewaltsam zu unterbrechen.“

In der existentialistischen Philosophie des frühen Sartre (L'être et le néant, 1943, dt. Das Sein und das Nichts) offenbart sich in der Scham das „Für-andere-Sein“ als Selbstentfremdung bzw. Verdinglichung, die das „Für-sich“ in der konflikthaften Begegnung mit dem anderen erleidet; Scham ist insbesondere Anerkennung der Tatsache, dass ich so bin, wie der andere mich sieht.

Scham wird bei Aristoteles als Tugend des Feingefühls beschrieben.

Tiefenpsychologie und Psychiatrie

Sigmund Freud scheint dem Phänomen der Scham nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet zu haben; sie gilt ihm im Wesentlichen neben dem Ekel als Reaktionsbildung gegen die anarchische Äußerung infantiler Sexualität, speziell exhibitionistischer bzw. voyeuristischer Triebimpulse.[15]

Der Freud-Schüler Erik H. Erikson situiert in seinem Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung Scham und Zweifel als Effekte einer misslingenden Lernerfahrung von „Autonomie“ des zwei- bis dreijährigen Kindes in der „analen Phase“ (Stufe II seines Modells).[16] Scham tritt hier in Gegensatz zum Stolz über gemeisterte Entwicklungsschritte. Erikson deutet Scham als sekundär gegen das Ich gerichteten Zorn: „Der Schamerfüllte möchte […] die Welt zwingen, ihn nicht anzusehen […]. Er würde am liebsten die Augen aller anderen zerstören. Stattdessen muss er seine eigene Unsichtbarkeit wünschen.“[17]

Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Psychoanalyse verstärkt dem Thema zugewandt, um die Bedeutsamkeit von Schamkonflikten und traumatischen Schamerfahrungen für schwerste Pathologien (Dissoziale Persönlichkeit, Sucht, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie) nachzuweisen. Wegweisend sind hier insbesondere die Arbeiten von Léon Wurmser.[18]

Die Psychologie der Scham wurde vom Sozialwissenschaftler Stephan Marks auf den Nationalsozialismus angewandt.[19] Marks unterscheidet vier Quellen der Scham: Scham infolge von Missachtung, Scham infolge von Grenzverletzung („Intimitäts-Scham“), Scham infolge von Ausgrenzung und Scham infolge von Verletzung der eigenen Werte („Gewissens-Scham“). Darüber hinaus beschreibt er Scham-Abwehrmechanismen, die dazu dienen, die eigenen Schamgefühle von sich zu weisen: Die Projektion auf andere, das Beschämen anderer, Zynismus und Arroganz, aggressives Verhalten, Mobbing, Perfektionismus, Suchtverhalten und emotionale Erstarrung. Er vergleicht die Scham mit einem Seismographen, „der sensibel reagiert, wenn das menschliche Grundbedürfnis nach Anerkennung, Schutz, Zugehörigkeit oder Integrität verletzt wurde.“[20]

Scham wird nicht zu den Primäraffekten, sondern zu den strukturellen Affekten gerechnet.[21] Nach Rainer Krause entstehe Scham, wenn ein Misserfolg sich auf die Bewertung der ganzen Person auswirkt, während bei Schuld nur eine einzelne Handlung als schlecht bewertet wird.[21][22]

Die Psychiatrie kennt exzessive Scham u. a. als Symptom bestimmter Formen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Kognitive Verhaltenstherapie

Autoren wie Gilbert (1997, 1998) unterscheiden zwischen internalisierten und externalisierten Schamgefühlen.[23] Während der externalisierten Scham die Annahme zugrunde liegt, andere Personen könnten die eigene Person als minderwertig, schwach oder unzulänglich bewerten, geht die internalisierte Scham mit der eigenen Abwertung von sich selbst einher.[23] Für die Therapie ist die Unterscheidung zwischen gerechtfertigten und ungerechtfertigten Schamgefühlen von Bedeutung.[24] Von gerechtfertigten Schamgefühlen spricht man, wenn eine Offenlegung des entsprechenden Sachverhalts tatsächlich zu negativen sozialen Konsequenzen führen würde.[24] Wäre nicht mit negativen Konsequenzen zu rechnen, würde man von unberechtigten Schamgefühlen sprechen.[24] Da verschiedene Kulturen über unterschiedliche Normen verfügen können, ist bei der Therapie wichtig zu berücksichtigen, aus welcher Kultur der Patient stammt.[24] Insbesondere bei Migranten könnte es durchaus sein, dass Schamgefühle gegenüber einigen Angehörigen des Patienten berechtigt sind, während sie gegenüber anderen Personengruppen unberechtigt sind.[24] Dementsprechend wird in der Dialektisch Behavioralen Therapie vorgeschlagen, sich bei unberechtigter Scham zu zeigen und – entgegen dem eigenen Impuls – zu handeln.[25] Bei berechtigter Scham wird hingegen durchaus gewürdigt, dass die Scham hier eine soziale Schutzfunktion hat, um die betroffene Person davor zu schützen, ihr Ansehen in der Gruppe zu verlieren.[25] Während die internalisierte Scham durch einen sokratischen Dialog bearbeitet werden könne, sei es bei externalisierter Scham sinnvoll, sich im Verhaltensexperiment zu vergewissern, dass die Umwelt einem nach der Selbstoffenbarung weiterhin wertschätzend begegnet – vorausgesetzt, es handelt sich um unberechtigte Scham, bezogen auf den Personenkreis, demgegenüber man sich öffnet. Eine besondere Form der schamreduzierenden Mutproben sind sogenannte „shame-attacking exercises“ im Ramen der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie, bei denen sich der Patient aktiv Situationen aussetzt, die bisher schambesetzt waren.[26]

Religion

Für die Abrahamitische Religionen (Judentum, Christentum, Islam) führt das Bewusstsein, gegen göttliche Weisung verstoßen zu haben, zu Scham. So empfanden Adam und Eva ihr Nacktsein plötzlich als unangemessen:

In der jüdischen Kultur hat das Schützen des Mitmenschen vor Scham und Verlegenheit eine zentrale Stellung in den guten Umgangsformen (hebr. Derech Eretz) gefunden.[27]

Kunst

Lucretia MR
Lucretia, den Dolch in der Rechten,
Kupferstich von Marcantonio Raimondi um 1511

Das Schamgefühl wird in Literatur und bildender Kunst vielfach behandelt.

Klassisches und häufig aufgenommenes Motiv vor allem der Malerei ist der Suizid der Lucretia aus Scham.

Bekannt dürfte das Beispiel des Kunstmärchens Des Kaisers neue Kleider aus dem 19. Jahrhundert sein: Hans Christian Andersen erzählt darin von der Macht der Scham im Verbund mit der Eitelkeit.

Schamkonflikte sind auch ein regelmäßiges Motiv etwa des Erzählwerks Arthur Schnitzlers; in Leutnant Gustl oder Fräulein Else wird ein Scham- bzw. Ehrkonflikt der Hauptperson in inneren Monologen ausgestaltet.

Siehe auch

Literatur

  • Michaela Bauks, Martin F. Meyer (Hrsg.): Zur Kulturgeschichte der Scham. Meiner, Hamburg 2011, ISBN 978-3-7873-1979-4.
  • Ruth Benedict: Chrysantheme und Schwert. Formen der japanischen Kultur. Suhrkamp, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-518-12014-9.
  • Claudia Benthien: Tribunal der Blicke: Kulturtheorien von Scham und Schuld und die Tragödie um 1800. Böhlau, Köln 2011, ISBN 978-3-412-20684-0.
  • Caroline Bohn: Die soziale Dimension der Einsamkeit. Unter besonderer Berücksichtigung der Scham. Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3475-9.
  • Julia Döring: Peinlichkeit – Formen und Funktionen eines kommunikativ konstruierten Phänomens. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3145-6.
  • Hans Peter Duerr: Nacktheit und Scham. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-02292-X.
  • Eva-Maria Engelen: Eine kurze Geschichte von „Zorn“ und „Scham“. In: Archiv für Begriffsgeschichte. 50 (2008).
  • Erik H. Erikson: Identität und Lebenszyklus: Drei Aufsätze. Frankfurt am Main 2008 (Neuauflage)
  • Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. 9. Auflage. Frankfurt am Main 2000
  • Ulrich Greiner: Schamverlust. Vom Wandel der Gefühlskultur. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2014, ISBN 978-3-498-02524-3.
  • Wolfgang Hantel-Quitmann: Schamlos! Was wir verlieren, wenn alles erlaubt ist. Herder, Freiburg 2009, ISBN 978-3-451-30262-6. fernladbare Buchbesprechung mit dem Autor unter dem Datum vom 14. März 2010
  • Anja Hesse, Hans-Joachim Behr u. a. (Hrsg.): TABU: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Ekel und Scham. Berlin 2009 (= Braunschweiger kulturwissenschaftliche Studien. Veröffentlichungen des Fachbereichs Kultur der Stadt Braunschweig. Band 1).
  • Friedrich Kirchner: Scham. In: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe. 5. Auflage. Dürr, Leipzig 1907
  • Joachim Küchenhoff u. a. (Hrsg.): Scham. Freiburger literaturpsychologische Gespräche, Band 32. Koenigshausen & Neumann, Würzburg 2012, ISBN 978-3-8260-5105-0.
  • Rolf Kühn u. a. (Hrsg.): Scham – ein menschliches Gefühl. Kulturelle, psychologische und philosophische Perspektiven. Westdeutscher Verlag, Opladen 1997.
  • Michael Lewis: Scham. Annäherung an ein Tabu. Aus dem Amerikanischen übersetzt von R. Höner. Knaur, München 1995.
  • Stephan Marks: Scham, die tabuisierte Emotion. Patmos, Ostfildern 2007.
  • Jeffrie G. Murphy: Art. Shame. In: Encyclopedia of Philosophy. Bd. 9, S. 4–5.
  • Sighard Neckel: Status und Scham. Zur symbolischen Reproduktion sozialer Ungleichheit. Frankfurt am Main/ New York 1991
  • Publik-Forum (Hrsg.): Intimität und Scham. Vom Verlangen nach geschützten Räumen. Oberursel 2012, ISBN 978-3-88095-224-9.
  • Guido Rappe: Die Scham im Kulturvergleich. Antike Konzepte des moralischen Schamgefühls in Griechenland und China. Projektverlag, Bochum / Freiburg i.Br. 2009, ISBN 978-3-89733-201-0.
  • Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1993
  • Max Scheler: Über Scham und Schamgefühl. (1913). In: Ders., Gesammelte Werke. Bd. 10, Francke, Bern 1957, S. 67–154.
  • Friedrich Schleiermacher: Versuch über die Schamhaftigkeit In: Schleiermachers vertraute Briefe über die Lucinde. Hamburg 1835, S. 46–68.
  • Ariane Schorn: Scham und Öffentlichkeit. Genese und Dynamik von Scham- und Identitätskonflikten in der Kulturarbeit. Roderer, Regensburg 1996, ISBN 3-89073-951-2.
  • Jens León Tiedemann: Scham. Psychosozial Verlag, Gießen 2013, ISBN 978-3-8379-2229-5.
  • Léon Wurmser: Die Maske der Scham. Die Psychoanalyse von Schamaffekten und Schamkonflikten. 7. Auflage. Westarp Verlagsservicegesellschaft, Hohenwarsleben 2017, ISBN 978-3-86617-142-8 (englisch: The mask of shame. Übersetzt von Ursula Dallmeyer).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stefan Brunhoeber: Kognitive Verhaltenstherapie bei Körperdysmorpher Störung: Ein Therapiemanual. Hogrefe, 2017, ISBN 978-3-8409-2213-8, S. 136 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Fremdschämen kann wehtun n-tv.de vom 14. April 2011.
  3. Sören Krach, Jan Christopher Cohrs, Nicole Cruz de Echeverría Loebell, Tilo Kircher, Jens Sommer, Andreas Jansen, Frieder Michel Paulus, Jan Lauwereyns: Your Flaws Are My Pain: Linking Empathy To Vicarious Embarrassment. In: PLoS ONE. 6, 2011, S. e18675, doi:10.1371/journal.pone.0018675.
  4. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache. 24. Auflage. 2002.
  5. Drosdowski, Günther: Etymologie; Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache; Die Geschichte der deutschen Wörter und der Fremdwörter von ihrem Ursprung bis zur Gegenwart. Dudenverlag, Band 7, Mannheim, 2. Auflage. 1997, S. 621.
  6. Daniel Sznycer, John Tooby u. a.: Shame closely tracks the threat of devaluation by others, even across cultures. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 113, 2016, S. 2625, doi:10.1073/pnas.1514699113.
  7. Ruth Benedict: Chrysantheme und Schwert. Formen der japanischen Kultur. Deutsche Erstausgabe. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-518-12014-9.
  8. Mladen Gladić: Macht sich schuldig, wer „Schuldkultur“ sagt? In: der Freitag. 14. Februar 2019, abgerufen am 11. September 2019.
  9. Thomas Müller: Transkulturelle Psychiatrie. Von der Scham- zur Schuldkultur. In: DNP. Der Neurologe & Psychiater. Springer Medizin, 18. Januar 2016, abgerufen am 11. September 2019.
  10. Thomas Gross: Der Mythos von der japanischen Schamkultur. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 6. April 2011, abgerufen am 11. September 2019: „Japaner mögen sich aus anderen Anlässen schämen als Araber, Deutsche oder als Engländer, denen ebenfalls nachgesagt wird, vielerlei Anlässe zu Peinlichkeitsgefühlen zu kennen. Gute, oft diskret verborgene Gründe zur Scham haben indes alle.“
  11. Sighard Neckel: Achtungsverlust und Scham In: Sighard Neckel Die Macht der Unterscheidung, Essays zur Kultursoziologie der modernen Gesellschaft, Campus, Frankfurt am Main 2000.
  12. Zuletzt: Norbert Elias: Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, 2 Bde., 17. Auflage. Frankfurt am Main 1992.
  13. Der Mythos vom Zivilisationsprozeß, 5 Bde., 1988–2002.
  14. Friedrich Schleiermacher: Versuch über die Schamhaftigkeit In: Schleiermachers vertraute Briefe über die Lucinde. Hamburg 1835, S. 46–68.
  15. Vgl. S. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie Frankfurt am Main 1989, S. 53. Zum Thema „Scham“ in der Psychoanalyse vgl. D. Strassberg: Scham als Problem der psychoanalytischen Theorie und Praxis (PDF)
  16. vgl. Erik H. Erikson: Wachstum und Krisen der gesunden Persönlichkeit. In: Ders., Identität und Lebenszyklus, Frankfurt am Main. 2008.
  17. Erik H. Erikson: Kindheit und Gesellschaft, Stuttgart 1999, S. 243 ff.
  18. Léon Wurmser: Die Maske der Scham. Die Psychoanalyse von Schamaffekten und Schamkonflikten. Springer. Berlin/Heidelberg/New York 1993.
  19. Stephan Marks: Warum folgten sie Hitler? Die Psychologie des Nationalsozialismus. Patmos, Düsseldorf 2007; ders: Scham – die tabuisierte Emotion. Patmos, Düsseldorf 2007.
  20. Stephan Marks: Vom Umgang mit Scham, Schuld und Ehre in der interkulturellen Begegnung. (PDF; 344 KB) In: Menschenwürde und Scham. Missionsakademie an der Universität Hamburg, 2014, S. 16, abgerufen am 11. September 2019.
  21. a b Martin Hautzinger, Paul Pauli: Themenbereich B: Methodologie und Methoden / Psychologische Interventionsmethoden / Psychotherapeutische Methoden. Hogrefe, 2017, ISBN 978-3-8409-1513-0, S. 188 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  22. Andreas Remmel: Handbuch Körper und Persönlichkeit: Entwicklungspsychologie, Neurobiologie und Therapie von Persönlichkeitsstörungen ; mit 53 Tabellen. Schattauer, 2006, ISBN 978-3-7945-2411-2, S. 31 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  23. a b Anne Boos: Kognitive Verhaltenstherapie nach chronischer Traumatisierung: Ein Therapiemanual. Hogrefe, ISBN 978-3-8409-2316-6, S. 143 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  24. a b c d e Julia König, Patricia A. Resick, Regina Karl, Rita Rosner: Posttraumatische Belastungsstörung: Ein Manual zur Cognitive Processing Therapy. Hogrefe, 2012, ISBN 978-3-8409-2419-4, S. 53 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  25. a b Martin Bohus, Martina Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten. Schattauer, 2012, ISBN 978-3-7945-2827-1, S. 216–218 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  26. Albert Ellis, Burkhard Hoellen: Die rational-emotive Verhaltenstherapie: Reflexionen und Neubestimmungen. Pfeiffer, 2004, ISBN 978-3-608-89652-7, S. 64 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  27. Saul Wagschal: Guide to Derech Eretz, Southfield, Michigan: Targum Press, 1993, ISBN 1-56871-022-4, S. 71; Wendy Mogel: The Blessings of a Skinned Knee: Using Jewish Teachings to Raise Self-Reliant Children, New York, London, Toronto, Sydney, Singapore: Scribner, 2001, ISBN 0-684-86297-2, S. 201 (gebundene Ausgabe; eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA)
Analekzem

Ein Analekzem, in der Schweiz auch Anitis oder Perianitis genannt, ist eine Dermatitis des Anoderms oder der Anal- beziehungsweise Perianalhaut, die akut, subakut oder chronisch verlaufen kann.

Neben dem Krankheitsverlauf unterscheidet man zwischen einem:

kumulativ-toxischen Analekzem,

kontaktallergischen Analekzem und

atopischen Analekzem.Das Analekzem ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Folgeerscheinung verschiedener dermatologischer, proktologischer oder mikrobiologischer Vorgänge, die meist durch andere Erkrankungen des Anus oder Rektums hervorgerufen werden. Es hat eine hohe Prävalenz (Krankheitshäufigkeit), mit einer vor allem durch Schamgefühl bedingten hohen Dunkelziffer. Analerkrankungen sind immer noch ein weitgehendes Tabuthema.

Bei den chronischen Formen des Analekzems ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung mehrere Ursachen hat, das heißt polyätiologisch ist, besonders hoch.

Ausrede

Eine Ausrede ist das Vorbringen eines nicht zutreffenden Grundes für einen vermeintlich oder tatsächlich tadelnswerten Umstand. Das von der sich äußernden Person vorgebrachte ungültige Argument soll als Entschuldigung dienen.Der von der sich äußernden Person zu verantwortende, als verwerflich geltende Sachverhalt, also der wirkliche Grund, soll verschwiegen werden, weil er sanktioniert würde oder von ihr als unangenehm empfunden wird. Grund für die Verwendung einer Ausrede kann ein tatsächlicher oder ein vermeintlicher Gesichtsverlust oder Schamgefühl bei Bekanntwerden des wahren Grundes, Rücksichtnahme auf die Gefühle des anderen oder die Aussicht auf Strafe sein.Im Rechtswesen wird eine Ausrede auch als Schutzbehauptung bezeichnet.

Catherine Ségurane

Catherine Ségurane (Catarina Segurana auf Nissart, Caterina Segurana auf italienisch) ist eine Volksheldin der südfranzösischen Stadt Nizza. Ihr wird eine entscheidende Rolle bei der Abwehr der Belagerung Nizzas 1543 durch die mit dem französischen König Franz I. verbündeten Türken nachgesagt. Damals war Nizza von Frankreich unabhängig und Teil des Fürstentums Savoyen, das kein stehendes Heer besaß, es zu verteidigen. Die Legende besagt, dass Catherine Ségurane, eine einfache Waschfrau, die Bevölkerung der Stadt in die Schlacht führte, nachdem sie einen feindlichen Standartenträger mit einer Schaufel bewusstlos geschlagen und seine Flagge an sich genommen hatte. Es wird erzählt, dass sie an der Spitze der Verteidiger der Stadt den Belagerungsarmeen ihr entblößtes Hinterteil entgegen streckte, was das muslimische Schamgefühl der türkischen Infanteristen derartig beleidigte, dass diese dadurch in die Flucht geschlagen wurden.

Catherines Existenz wurde nie bewiesen und ihr heroischer Akt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Fiktion oder zumindest stark übertrieben. Jean Badat, ein Historiker und Zeitzeuge der Belagerung, erwähnt sie in seiner Darstellung der Verteidigung Nizzas nicht. Historisch überliefert im Rahmen der Verteidigungsmaßnahmen hingegen ist die Zerstörung einer in Schlüsselstellung stehenden Brücke und die Ankunft einer durch den Savoyer Grafen Karl III. ausgehobenen Armee. Trotzdem hat die Legende von Catherine Ségurane die Phantasie der Menschen erregt. Louis Andrioli schrieb 1808 ein episches Gedicht über sie und 1878 erschien ein Theaterstück von Jean-Baptiste Toselli. 1923 wurde ein Flachrelief zu Ehren Catherine Séguranes in der Nähe des angeblichen Ortes ihrer Großtat errichtet. In Nizza wird jedes Jahr am 25. November der Catherine-Ségurane-Tag gefeiert.

Filmzensur

Unter Filmzensur versteht man die behördliche Kontrolle eines Staates über Form und Inhalte von Filmen sowie ihre Verbreitung. Typische Gegenstände der Filmzensur sind Darstellungen, die zu strafbaren Handlungen ermutigen, besonders eindringliche Darstellungen von Grausamkeiten sowie Darstellungen, die im betreffenden Kulturkreis das Schamgefühl verletzen können (Nacktdarstellungen, sexuelle Handlungen). In manchen Gesellschaften, z. B. in totalitären Regimen, dient Filmzensur auch dazu, die Artikulation von politischem, ideologischem oder künstlerischem Widerspruch zu unterdrücken.

Das Spektrum der Maßnahmen der Filmzensur reicht von Schnittauflagen über Distributionseinschränkungen bis hin zum gänzlichen Verbot der Aufführung, des Vertriebs oder der Verbreitung eines Films. Gelegentlich wird die Produktion unerwünschter Filme von vornherein unterdrückt (siehe z. B. Nationalsozialistische Filmpolitik).

Gesäß

Das Gesäß (anatomisch Nates, Clunes, Regio glutea, Regio glutealis, Glutealregion) ist ein nur bei Menschen und ansatzweise bei Primaten ausgeprägter Körperteil am unteren Rumpfende. In der topographischen Anatomie wird das Gebiet des Gesäßes als Regio glutaea (Gesäßregion) bezeichnet. Bei Tieren nennt man diese Region auch Kruppe, beim Menschen auch Sterz.

Gymnophobie

Gymnophobie (von griech.: γυμνός [gymnós] = nackt und φόβος, φοβία [phóbos, phobía] = die Angst) bezeichnet die pathologische und irrational erlebte Angst vor eigener oder fremder Nacktheit. Damit handelt es sich um eine spezifische Phobie, die mit übertriebenem Schamgefühl nicht gleichzusetzen ist, auch wenn sie oft als solches fehlgedeutet wird.

Diese Angst, nackte Menschen zu sehen oder selbst nackt gesehen zu werden, tritt auch unter jenen Rahmenbedingungen auf, in denen dies sozial erlaubt ist, so dass zum Beispiel Saunabesuche nicht möglich sind.

Über die Prävalenz der Gymnophobie gibt es – wie bei vielen anderen spezifischen Angststörungen – keine Angaben.

Kalter Entzug

Kalter Entzug (vom englischen Ausdruck Cold turkey) ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein plötzliches Absetzen körperlich abhängig machender Substanzen wie Alkohol oder Opiaten. Als Folge treten neben den seelischen auch körperliche Entzugssyndrome auf, die je nach Suchtmittel und Ausprägung der Abhängigkeit stark variieren können. Der körperliche Entzug, d. h. die Entgiftung, ist immer nur der erste Schritt in der Suchttherapie.

Unbehandelte Entzugssyndrome stellen ein großes gesundheitliches Risiko dar, bisweilen bis hin zur Lebensgefahr, und sind in ihrem Verlauf nicht vorherzusehen, weswegen ein kalter Entzug ohne ärztliche Aufsicht nicht zu empfehlen ist. Häufig kommt es ungewollt zum kalten Entzug, wenn es den Süchtigen nicht möglich ist, das Suchtmittel zu beschaffen, z. B. bei akuten Erkrankungen. Daneben versuchen Süchtige den kalten Entzug allein, wenn das Schamgefühl zu groß ist und sie sich scheuen, professionelle Hilfe anzunehmen, oder wenn sie glauben, alleine mit dem Entzug zurechtzukommen.

Wird beim Entzug ein Substitutionsmittel eingesetzt, so wird von einem „warmen“ Entzug gesprochen. Neben der Substitution des Suchtmittels zielt die medikamentöse Therapie auf die Milderung der Entzugserscheinungen.

Sowohl bei kaltem aber auch bei warmen Entzug kann ein Drehtür-Effekt beobachtet werden; d. h. der Drogenkonsument pendelt – unabhängig davon, ob er sich dabei einer Substitutionstherapie unterzieht – zwischen Drogenkonsum und Phasen des Entzugs.

Propoetiden

Die Propoetiden bezeichnen in der griechischen Mythologie die Töchter des Propoetus aus der Stadt Amathus. Sie werden in der antiken Literatur bei Ovid (Metamorphosen 10,220–242) behandelt.

Die Propoetiden gelten als die ersten Frauen des Altertums, die sich öffentlich prostituierten. Nachdem sie sich geweigert hatten, der Schönheitsgöttin Venus (bzw. Aphrodite) Verehrung und Opfer darzubieten, erlegte ihnen Venus eine Strafe auf, wodurch die Propoetiden jegliches Schamgefühl verloren, ihre Körper zügellos öffentlich preisgaben, und bald kein Mann mehr mit ihnen zu tun haben wollte. Darauf verwandelte Venus sie in kalten Stein.

Bei Ovids Metamorphosen schließt sich die Geschichte des Pygmalion an, der deswegen von Frauen nichts mehr wissen will (vgl. bis zum Hass gesteigerte Abneigung gegen Frauen Misogynie).

Prüderie

Prüderie bezeichnet eine sehr empfindliche Einstellung und Engherzigkeit gegenüber Sitte und Moral. Pierers Universallexikon von 1861 beschreibt Prüderie als „auf eine übertriebene und affektierte Weise sittsam; scheinspröde, zimperlich“.Im weiteren Sinne bezeichnet Prüderie eine Geisteshaltung, die das Ziel hat, sexuelle Äußerungen jeglicher Art in der Öffentlichkeit und teilweise auch im Privatbereich weitestgehend auszuschließen. Dies betrifft vor allem die Darstellung oder auch nur Andeutung von Erotik in Ton- und Bildform, Mode, Massenmedien, Literatur, historischen Zeugnissen, Konversation.

Scham

Scham steht für:

Schamgefühl, Gefühl von Verlegenheit oder Bloßstellung

Geschlechtsorgane des Menschen

traditionell arabische Bezeichnung für die Levante im engeren Sinne, meist als asch-Schām (الشام, aš-Šām)Scham ist der Familienname folgender Personen:

Hans Scham (1588–1654), südschwäbischer Bildhauer des BarockSiehe auch:

Scham- und Schuldkultur

Schande

Schande (veraltet auch Schmach) bezeichnet einerseits den Verlust von Ansehen und Ehre, andererseits die Ursache für diesen Verlust. Schande kann lediglich subjektiv empfunden sein (siehe Scham) oder von außen durch Verachtung, Geringschätzung oder Bloßstellung induziert und sanktioniert werden.

Selbstwahrnehmung

Selbstwahrnehmung oder Eigenwahrnehmung ist die Wahrnehmung des Selbst, der eigenen Person. Sie ist zusammen mit der Selbstbeobachtung für die eigene Bewusstseinsbildung und das Selbstbewusstsein unentbehrlich. Der Gegenbegriff zur Selbstwahrnehmung ist die Fremdwahrnehmung, also die Wahrnehmung einer Person durch Andere.

Stephan Marks

Stephan Marks (* 1951) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler.

Talmi

Talmi (von französisch Tallois-demi-or) ist ein Falschgold, das von Tallois, einem Pariser Fabrikanten, zuerst hergestellt wurde. Es war eine Kupfer-Zink-Legierung, die mit Blattgold überzogen wurde. Das Material wurde für Schmuck verwendet. Talmigold wird auch häufig mit abessinischem Gold gleichgesetzt. Der Begriff Talmi wird (veraltet) umgangssprachlich auch für die Bezeichnung von Modeschmuck verwendet.

Im übertragenen Sinn bezeichnet Talmi heute etwas Unechtes, nicht Authentisches, zum Beispiel Talmi-Philosemitismus oder talmihaft. Hermann Muthesius verwendete beispielsweise den Begriff Talmi-Aristokratenkunst. In der Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno findet sich der Ausdruck Talmi-Mythos der Faschisten; und Max Scheler spricht in seiner Schrift Über Scham und Schamgefühl von Talmikultur.

Unzucht

Unzucht bezeichnet abwertend ein menschliches Sexualverhalten, das gegen das in einem speziellen kulturellen oder religiösen Kontext empfundene, angenommene oder vorgegebene allgemeine Sittlichkeits- und Schamgefühl verstößt. Die hierbei vorliegende Kontextabhängigkeit kann sowohl von einem säkularen als auch von einem religiösen Umfeld geprägt werden und ist durch die Sittengeschichte hindurch nicht einheitlich definiert. Historisch gesehen steht Unzucht allgemein für eine aktive Handlung, die den Menschen vom Status der Reinheit in den Status der Unreinheit führt. In der Regel geht das Urteil über ein als Unzucht angesehenes Verhalten mit sozialer Ächtung oder Bestrafung einher.

Verlegenheit

Verlegenheit bezeichnet eine Gemütsbewegung, die mit Befangenheit und Unsicherheit einhergeht und in der Regel aus einer fehlenden Handlungskompetenz oder einem Eingriff in die Intimsphäre resultiert. Der Begriff tritt in der Literatur häufig im Zusammenhang mit Schamgefühl und Peinlichkeit auf.

Weiterhin meint Verlegenheit auch die situativen Umstände, die die emotionale Befindlichkeit auslösen und die als unangenehm wahrgenommen werden wie öffentliche Beschimpfung, Bloßstellung, Fauxpas in Gesellschaft. Der Betroffene glaubt dann, „sein Gesicht zu verlieren“. Die umgangssprachlichen Ausdrücke „jemandem aus einer Verlegenheit helfen“ und „jemanden in eine Verlegenheit bringen“ können sich auch auf finanzielle Nöte beziehen oder sexuelle Komponenten aufweisen.

Vulgarismus (Sprache)

Als Vulgarismus bezeichnet man ein derbes, ordinäres oder obszönes Wort, das das Schamgefühl oder den guten Geschmack verletzt. Vulgarismen gehören der Vulgärsprache an.

Ein Vulgarismus, der die bezeichnete Person beleidigt, ist gleichzeitig ein Schimpfwort (Beispiel: Scheißkerl). Jedoch ist nicht jedes Schimpfwort ein Vulgarismus (Beispiel: Rabenmutter). Auch umgekehrt ist nicht jeder Vulgarismus ein Schimpfwort (Beispiel: pisswarm). Vulgarismen, die in erster Linie dem Ausdruck von Ärger oder Überraschung dienen, sind gleichzeitig Fluchwörter (Beispiel: Scheiße!). Ein Kraftausdruck oder Kraftwort ist ein derber, vulgärer Ausdruck als Äußerung von Ärger, Erstaunen und Ähnlichem.

Xiang Yu

Xiàng Yǔ (chinesisch 項羽 / 项羽, W.-G. Hsiang Yü; * 232 v. Chr.; † 202 v. Chr.) war ein General in der Zeit, als die Qín-Dynastie zusammenbrach. Eigentlich hieß er Jí (籍), Yǔ war sein Gesellschaftsname. Er war ein Nachkomme des Adels von Chǔ. Nachdem sein Onkel durch Qín ermordet wurde, übernahm er dessen Armee und wurde bald zum Mächtigsten aller Rebellen. Er nannte sich selbst „Xī Chǔ bàwáng“ (chinesisch 西楚霸王 ‚Hegemonialkönig von West-Chu‘).

Liú Bāng, der später die Hàn-Dynastie gründete, nahm als erster Rebell Xiányáng, die Hauptstadt von Qín, ein. Er wurde jedoch gezwungen, sowohl die Stadt Xiányáng wie auch den letzten Qín-Herrscher Zǐyīng an Xiàng Yǔ zu übergeben. Dieser machte kurzen Prozess, tötete Zǐyīng und brannte die Stadt nieder. Viele Bücher aus der Sammlung verbotener Bücher der königlichen Bibliothek gingen dabei verloren.

Obwohl er bald ganz China unter seiner Kontrolle hatte, fehlte ihm das nötige politische Geschick. Das Land teilte er in 18 Feudalstaaten auf, nach eigenem Gefallen. Beförderungen vergab er nach dem System des Nepotismus, was viele Aspiranten bald verschreckte. Liú Bāng empfand er bald als größere Bedrohung, verpasste aber eine Reihe von Chancen, ihn zu beseitigen. Nach Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen hatte er bald all sein Land an diesen verloren.

Seine letzte Schlacht verlor er in Gāixià (垓下), wo auch seine letzten Armeen geschlagen wurden. Seine Konkubine Yújī (虞姬) beging Suizid; von dieser Tragik erzählt die chinesische Oper „Lebewohl, meine Konkubine“, nach der 1993 ein bekannter Film in die Kinos kam. Der Titel ist dabei einer Zeile der Arie entnommen, die Xiàng Yǔ für Yújī singt, bevor er in die letzte Schlacht zieht.

Obwohl er in seinem Heimatland Chǔ noch viel Rückhalt hatte, brachte er es nicht über sich, nach Hause zurückzukehren, wo er viele Tausende Mannen verloren hatte. Er hatte den Wū Jiāng (烏江 / 乌江) im heutigen Anhui überquert und konnte keinen einzigen zurückbringen. Die Schuld und das Schamgefühl wurden ihm unerträglich und er beschloss, eine letzte Handlung zu vollziehen. Im Angesicht seiner Feinde beging er Suizid, indem er sich die Kehle durchschnitt.

Sein Leben und sein Tod sind durch die Überlieferung im Shǐjì unsterblich geworden.

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