Pfarrei

Eine Pfarrei bzw. Pfarre (parochia, paroecia, von altgriechisch παροικία paroikía ‚Nachbarschaft‘) ist in der Gliederung vieler christlicher Kirchen eine rechtlich abgegrenzte Gemeinschaft von Gläubigen, der ein Pfarrer vorsteht. Die Gemeinschaft der Gläubigen nennt man Pfarrgemeinde, auch das dazugehörige Seelsorgegebiet, als Amtsbezirk auch Pfarrbezirk oder Pfarrsprengel, der Amtsbezirk, Amtssitz des Pfarrers und auch die amtliche Würde nennt man auch Pfarrei oder Pfarramt, das Amts- und Wohngebäude selbst heißt auch Pfarrhaus (Pfarrhof).

Parish boundary stone - geograph.ci - 381
Gemauertes Objekt mit Steinrelief, an der Grenze zwischen Grouville und Saint Clement auf der Insel Jersey.

Wortbedeutung

Für die Herkunft des Wortes παροικία (paroikía) wird zumeist πάρ-οικος (pár-oikos) angenommen, was wörtlich übersetzt ‚am Haus‘ bedeutet, also die Bedeutung ‚Nachbarschaft‘ hat.

Eine Alternative für die Etymologie von παροικία ist „das Wohnen eines Fremden in einem Orte ohne Bürgerrecht“.[1] In dieser Bedeutung (fremd, Fremde, Fremder) kommt der Begriff mehrfach im Neuen Testament vor (Lk 24,18 , Apg 13,17 , Eph 2,19 , 1 Petr 1,17 , 1 Petr 2,11 , Hebr 11,9 ) und wurde wohl auch in dieser Bedeutung auf die christliche Pfarrei übertragen, denn „die Christen sahen das irdische Leben als Leben in der Fremde an“[2].

Eine andere Etymologie geht von παροχή (parochē, von παρ-έχω) 'Darreichung' aus.[3]

Historische Entwicklung

Entstehung

Das frühe Christentum war eine Stadtreligion. In jeder Stadt mit christlicher Gemeinde leitete der Bischof, unterstützt von seinen Klerikern die Seelsorge. Die Bischofskirche stellte dabei auch gleichzeitig den Mittelpunkt des christlichen Lebens dar. Ab dem 2. Jahrhundert dehnte sich das Christentum jedoch mehr und mehr auch auf ländliche Gebiete aus, beziehungsweise dehnte es sich in Gebiete aus, die kaum Städte aufwiesen. Im Osten wurde die Seelsorge dort zunächst von so genannten Chorbischöfen übernommen.[4] Alsbald jedoch traten vom Bischof der nächstliegenden Stadt ernannte Kleriker an deren Stelle. Im Westen wurden mit der zunehmenden Christianisierung Seelsorgebereiche eingerichtet, die durch vom Bischof entsandte Kleriker geleitet wurden. Diese Kleriker besaßen anfangs nur delegierte Kompetenzen, z. B. für Taufe und Eucharistie.[4]

Spätere Ausgestaltung

Ab dem 6. Jahrhundert wurden diese Seelsorgsbezirke als „parochia“ bzw. „paroecia“ bezeichnet (siehe auch Urpfarrei). Die Pfarrstruktur wurde prägend für die Organisation der Seelsorge und damit für das Leben der Gläubigen. Die Entwicklung der Pfarrstruktur wiederum wurde durch das Eigenkirchenwesen, Stiftswesen und Klöster bestimmt.[4] Schließlich entwickelte sich ein flächendeckendes System von Pfarreien, das immer dichter wurde. Für die Errichtung neuer Pfarreien entwickelten sich zwei Bedingungen: Zunächst musste der Unterhalt des Pfarrers sichergestellt sein. Dies geschah durch Pfründen (Benefizien), deren Erträge dem Pfarrer zugutekamen. Die zweite Bedingung war die Ausstattung der Pfarrei selbst mit hinreichenden Finanzmitteln, insbesondere für den Erhalt der Pfarrkirche. Hierfür wurde jeweils eine Kirchenstiftung („fabricae ecclesiae“) eingerichtet.[4] Durch den Pfarrzwang waren die Gläubigen gehalten, die Sakramente in ihrer eigenen Pfarrei zu empfangen.

Nach einem Dekret Papst Alexanders III. (1159–1181) konnten für Gläubige in entfernteren Gebieten Filialkirchen oder Vikariate eingerichtet werden.[4]

Entwicklung nach dem Konzil von Trient

Das Konzil von Trient (1545–1563) bestimmte, dass es kein pfarrloses Kirchenvolk mehr geben dürfte. Jeder Gläubige musste einer Pfarrei zugeordnet sein. Die Territorialpfarrei, also die Zusammenfassung der auf einem Gebiet zusammenlebenden Gläubigen wurde dabei zum Regelfall. Daneben bestehen aber bis heute auch Personalpfarreien, jedoch in wesentlich geringerer Zahl. Zudem regelte das Konzil die Aufgaben, Rechte und Pflichten des Pfarrers neu, insbesondere was die Predigt, die Eheassistenz und die Applikationspflicht an Sonn- und gebotenen Feiertagen anging. Zudem wurden die Pfarrer ausdrücklich zur Residenz in ihrer Pfarrei und zur Führung von Kirchenbüchern (Taufbücher, Ehebücher) verpflichtet.[4]

Neuere Entwicklungen

Die Pfarrei stellt bis heute den zentralen Raum für das christliche und gemeindliche Leben des Volkes Gottes dar. Im neueren Kirchenrecht (s. u.) besteht jedoch kein Pfarrzwang mehr, so dass Gläubige heute freier über den Ort von Taufe, Eheschließung und Beerdigung entscheiden können. Die höhere Mobilität ermöglicht zudem das gezielte Aufsuchen besonderer Angebote anderer Pfarreien.

Bedingt durch den Priestermangel werden Pfarreien in einigen europäischen Ländern in den letzten Jahren verstärkt zusammengelegt. Daneben hat der Zusammenschluss von Pfarreien zu Pfarrverbänden eine erhöhte Bedeutung erhalten.

Kirchenrechtlicher Status (römisch-katholische Kirche)

Überblick

Nach dem heutigen kirchlichen Recht ist die Pfarrei „eine bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen, die in einer Teilkirche auf Dauer errichtet ist und deren Seelsorge unter der Autorität des Diözesanbischofs einem Pfarrer als ihrem eigenen Hirten anvertraut wird“ (can 515 § 1 CIC). Jede Diözese muss in Pfarreien aufgeteilt sein (can 374 § 1 CIC). Ihre Errichtung, Aufhebung und Veränderung ist allein Sache des Diözesanbischofs, der jedoch den Priesterrat zu hören hat (can 515 § 2 CIC). Die Pfarrei besitzt von Rechts wegen Rechtspersönlichkeit (can 515 § 3 CIC).

Der Pfarrer als „eigener Hirte“ der Gemeinde (pastor proprius, can 515 § 1), auch kanonischer Pfarrer genannt[5], muss die Priesterweihe empfangen haben (can 521 § 1 CIC). Die Möglichkeit, eine Pfarrei einem Kanonikerkapitel (etwa einem Domkapitel) oder einer Ordensgemeinschaft zu inkorporieren, besteht nach dem Kirchenrecht von 1983 nicht mehr (can 520 § 1 CIC). Wenn einem Kanonikerkapitel oder einer Ordensgemeinschaft die Pfarrseelsorge übertragen war oder übertragen werden soll, so muss eines der Mitglieder zum ordentlichen Pfarrer bestellt werden.

Arten von Pfarreien

Im Laufe der Zeit haben sich mehrere Arten von Pfarreien ausgeprägt. Die gängige Form ist die Territorialpfarrei. Bei der Territorialpfarrei werden die auf einem abgegrenzten Gebiet lebenden Gläubigen einer Pfarrei zugewiesen. Jeder Territorialpfarrei können eine oder mehrere Filialgemeinden zugewiesen sein. Flächenmäßig größte römisch-katholische Territorialpfarrei ist heute die rund 300 Katholiken umfassende Pfarrei Christ König in Nuuk, die zum Bistum Kopenhagen gehört und ganz Grönland umfasst.[6]

Seltener ist die Personalpfarrei, die einen gewissen nicht gebietsabhängigen Kreis von Gläubigen zusammenfasst. Sie stellt insoweit eine Durchbrechung des sich aus can 374 § 1 CIC ergebenden Territorialitätsprinzips dar.[7] Personalpfarreien werden insbesondere errichtet, um den seelsorglichen Bedürfnissen von bestimmten Gruppen entgegenzukommen. Ein Fall der Personalpfarrei sind die Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprache. Nach dem Motu proprio Summorum pontificum sind Bischöfe ausdrücklich ermächtigt, Personalpfarreien für Gläubige einzurichten, die die Sakramente nach den liturgischen Büchern von 1962 (tridentinischer Ritus) empfangen wollen.

Von der gewöhnlichen Pfarrei zu unterscheiden sind die Pfarrvikarien, -lokalien, -kuratien und -rektorate. Dabei handelt es sich um Quasipfarreien, die nicht denselben Status wie eine kanonische Pfarrei besitzen, dieser jedoch weitgehend gleichgestellt sind.

Sonderformen der pfarrlichen Organisation

Wegen Priestermangels kann einem Pfarrer die Seelsorge für mehrere Pfarreien übertragen werden (can 526 § 1, 2. HS, 534 § 2). Dies stellt faktisch die Gründung eines Pfarrverbands dar und ist eine Sonderform der pfarrlichen Seelsorgsorganisation.[8] Weitere Sonderformen sind die solidarische Priestergemeinschaft mit einem Moderator (can 517 § 1 CIC), bei der die Seelsorge einer Gemeinschaft von Priestern übertragen wird und einer dem Bischof als Moderator verantwortlich ist, die Pfarrei als Seelsorgsstelle (can 517 § 2 CIC), bei der bestimmte seelsorgerliche Aufgaben unter Oberaufsicht eines benachbarten Pfarrers an einen Diakon oder Laien übertragen werden und die anvertraute Pfarrei, bei der die Seelsorge einem klerikalen Ordensinstitut übertragen wird.

Gemeindestrukturreformen in deutschsprachigen Bistümern

Im Zuge der Gemeindestrukturreformen in vielen deutschen und österreichischen Bistümern wurden in den vergangenen Jahren Pfarreien verschmolzen oder bisherige Pfarrgemeinden zu größeren Einheiten (etwa Pfarrverbände oder „Seelsorgeräume“) gruppiert oder zu Großpfarreien zusammengelegt. So gibt es beispielsweise in den Diözesen Essen und Köln nur noch wenige große Pfarreien, die ihrerseits in „Gemeinden“ – verstehbar als Pfarrbezirke – unterteilt sind.[9] Die bisherigen Pfarrkirchen, jetzt „Gemeindekirchen“ oder auch – wenn ihnen keine Gemeinde mehr zugeordnet ist – „weitere Kirchen“ genannt, werden rechtlich in der Regel als Filialkirchen der übergeordneten Pfarr- oder Gemeindekirchen der Großpfarrei geführt. Da die Einzelheiten der Reformen in den verschiedenen deutschsprachigen Bistümern sehr unterschiedlich gehandhabt und umgesetzt werden, existiert hier keine einheitliche Regelung.

Abgrenzung zum Begriff Kirchengemeinde

Von der Pfarrei ist die Kirch(en)gemeinde zu unterscheiden. Der Begriff der Kirchengemeinde kommt im katholischen Kirchenrecht nicht vor. In Deutschland ging das Allgemeine Preußische Landrecht von evangelischen Begrifflichkeiten aus und betrachtete die Kirchengemeinde wegen deren Funktion bei der Vermögensverwaltung als juristische Person. Dies setzte sich im Staatskirchenrecht durch, so dass der Staat die Gesamtheit der Angehörigen einer Pfarrei als Kirchengemeinde betrachtete, obgleich diese bis 1983 keine Rechtspersönlichkeit im innerkirchlichen Recht besaß;[10] Rechtsträger der Pfarrei war damals die Kirchenstiftung. Daher kommt der Kirchengemeinde heute in Deutschland eine entscheidende Bedeutung im Staatskirchenrecht zu, wobei sie jedoch von der Pfarrei zu unterscheiden ist. So kann eine Pfarrei durchaus aus zwei Kirchengemeinden bestehen, die dann auch jeweils einen Vermögensverwaltungsrat (Verwaltungsrat, Kirchenverwaltungsrat) haben.

In der Schweiz gibt es in Kantonen mit Landeskirchenmodell ebenfalls einen Dualismus zwischen staatlicher und kirchlicher Struktur, wobei dieser noch wesentlich bedeutender ist, weil die betreffenden Kantone die Anerkennung der Kirche als Religionsgemeinschaft von bestimmten Bedingungen, etwa einer demokratischen Wahl des Pfarrers, abhängig gemacht hat. Die so als Parallelstruktur zu Bistum und Pfarrei existierenden Landeskirchen und Kirchgemeinden erhielten so das Besteuerungsrecht als vom Kanton geliehene Hoheitsgewalt.[11]

Kirchenrechtlicher Status (Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern)

Das Kirchengesetz über die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und Dekanatsbezirken (ZAG) definiert die Pfarrei innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern als ein örtlich abgegrenzter Seelsorge- und Verwaltungsbezirk, in dem ein Pfarrer bzw. eine Pfarrerin tätig ist oder mehrere Pfarrer bzw. mehrere Pfarrerinnen mit einem gemeinsamen Pfarramt tätig sind. Die Pfarrei hat keine eigene Rechtspersönlichkeit, da diese bei der Kirchengemeinde liegt.[12] Der Begriff entspricht also in diesem Fall weitgehend dem, was in anderen evangelischen Kirchen als Pastorat bezeichnet wird.

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Pape-GDHW Bd. 2, S. 525
  2. Eintrag "Parochie, die". In: Duden. Abgerufen am 1. August 2018.
  3. Gemoll: Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch.
  4. a b c d e f Peter Krämer: Pfarrei. I. Begriff u. Geschichte. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999, Sp. 164.
  5. Erzbistum Köln: Ordnung für kanonische Pfarrer als Hirte der ihm übertragenen Pfarrei der Erzdiözese Köln (Pfarrer-Ordnung), 8. Dezember 2017.
  6. Grönland auf Internetpräsenz des Bonifatiuswerkes, abgerufen am 30. Juli 2017.
  7. Aymans, Mörsdorf: Kanonisches Recht, Bd. II, S. 414.
  8. Aymans, Mörsdorf: Kanonisches Recht, Bd. II, S. 419.
  9. Gerd Lohaus: Strukturreform der Pfarreien im Bistum Essen. Ekklesiologische Leitlinien. In: Geist und Leben, 79 (2006), S. 458–466 (459).
  10. Lederer: Kirchengemeinde, in LThK, 2. Auflage, S. 207.
  11. A. Loretan: Scriptum Religionsverfassungsrecht, S. 22 (PDF; 303 kB).
  12. Erläuterung des ZAG der ELKB
Bistum Dresden-Meißen

Das Bistum Dresden-Meißen (lateinisch Dioecesis Dresdensis-Misnensis, obersorbisch biskopstwo Drježdźany-Mišno), bis 1979 Bistum Meißen, ist ein Bistum der römisch-katholischen Kirche mit Sitz in Dresden. Die Diözese wurde 1921 wiedererrichtet. Kathedrale ist die unter Kurfürst Friedrich August II. 1739–1751 errichtete ehemalige Katholische Hofkirche Ss. Trinitatis in Dresden, Konkathedrale der Dom St. Petri in Bautzen. Der Schutzpatron des Bistums ist der heilige Benno von Meißen. Weitere Diözesanpatrone sind der hl. Donatus von Arezzo und die hl. Afra von Augsburg.

Bistum Magdeburg

Das Bistum Magdeburg (lateinisch Dioecesis Magdeburgensis) ist eine römisch-katholische Diözese in Sachsen-Anhalt und wurde 1994 errichtet. Die Bistumsgrenzen folgen bis auf einen Grenzangleich mit Thüringen den Grenzen des Landes Sachsen-Anhalt, wie sie abweichend vom heutigen Bundesland von 1947 bis 1952 bestanden. Teile des Bistums gehören deshalb heute zu den Bundesländern Brandenburg und Sachsen. Bischofskirche ist die Kathedrale Sankt Sebastian in Magdeburg. Kennzeichnend ist die Situation als Bistum in der Diaspora.

Hervorgegangen ist es aus dem zum Niedersächsischen Reichskreis gehörenden Erzbistum Magdeburg, das als Folge des Westfälischen Friedens mit dem Tod des Erzbischofs und sächsischen Administrators Herzog August 1680 sich auflöste.

Das Bistum hat einen Etat von etwa 28 Millionen Euro p. a., davon 10 Millionen aus Kirchensteuern, 10 Millionen aus anderen deutschen Diözesen und vier Millionen aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt.

Ebernhahn

Ebernhahn ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wirges an.

Erzbistum Bamberg

Das Erzbistum Bamberg (lat. Archidioecesis Bambergensis) ist eine Diözese im Norden Bayerns und umfasst große Teile der Regierungsbezirke Oberfranken und Mittelfranken sowie jeweils einen kleinen Teil der Regierungsbezirke Unterfranken (Iphofen) und Oberpfalz (Auerbach). Suffraganbistümer sind Eichstätt und Würzburg sowie das in Rheinland-Pfalz gelegene Bistum Speyer.

Expositur (Kirche)

Als Expositur (von lateinisch ex ‚aus, heraus‘ und positus ‚gestellt, gelegt‘) wird im katholischen Kirchenwesen ein Seelsorgebezirk ohne eigene Vermögensverwaltung bezeichnet.

Sie wird von einem Priester geleitet, der die Amtsbezeichnung „Pfarrvikar“ trägt und ortsabhängig den Titel Pastor innehat. Der Pfarrvikar ist aber zugleich immer auch Kaplan der Mutterpfarrei. Eine Expositur hat eigene Kirchenbücher, die jedoch als Teilregister der Mutterpfarrei geführt werden. Der Pfarrer der Mutterpfarrei behält seine pfarrlichen Rechte und Pflichten, soll von ihnen jedoch nur in dringenden Notfällen Gebrauch machen; der Pfarrvikar entscheidet daher in der Regel in eigener Verantwortung. Bezüglich der Seelsorge genießt die Expositur daher faktisch den Status einer Pfarrgemeinde.

Ähnlich einer Pfarrvikarie ist es das Ziel einer Expositur, zur Pfarrei erhoben zu werden. Voraussetzung hierfür ist eine Stabilität der Ortsgemeinde und des eigenständigen kirchlichen Lebens. In der Praxis ist die Expositur daher einer Pfarrei gleichgestellt, auch wenn sie kirchenrechtlich untergeordnet ist. Eine Expositur hat einen eigenen Pfarrgemeinderat, aber keinen eigenen Kirchenvorstand. Das Kirchenvermögen wird durch den Kirchenvorstand der Mutterpfarrei verwaltet.

Filialkirche

Eine Filialkirche ist ein Kirchengebäude (Nebenkirche), das neben einer Hauptkirche, der Pfarrkirche, besteht. Der Name ist aus dem Lateinischen abgeleitet (Filius = Sohn, Filia = Tochter).

Der Begriff ist nicht klar abgegrenzt. Er wird regional und konfessionell unterschiedlich benutzt und sagt auch nichts aus über die Größe oder Ausstattung des Gebäudes. Weitere Bezeichnungen sind Expositur, Lokalie, Pfarrkuratie, Pfarrvikarie, Rektorat, Succursalkirche, Stationskaplanei oder Tochterkirche.

Hochstift Augsburg

Das Hochstift Augsburg war bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts der weltliche Herrschaftsbereich des Fürstbischofs von Augsburg.

Kaplan

Kaplan (von lateinisch capellanus „einer (fränkischen) Hofkapelle zugeordneter Kleriker“, daraus mittelhochdeutsch kaplan) ist ein kirchliches Amt. Im Mittellateinischen ist ein capellanus ein Hilfspriester. Seine Wohnung wird zuweilen als „Kaplanei“ bezeichnet.

Nach cann. 564–572 CIC ist damit ein Priester mit einem extraterritorialen Seelsorgebereich für einen bestimmten Personenkreis gemeint, etwa in Krankenhäusern, Gefängnissen oder militärischen Einrichtungen. In den meisten deutschen Diözesen ist es jedoch üblich, diesen Seelsorgern den Titel Pfarrer zu verleihen (beispielsweise Krankenhauspfarrer, Gefängnispfarrer oder Militärpfarrer), wenngleich aus diesem Titel keine pfarrherrlichen Rechte abgeleitet werden können.

Im deutschen Sprachraum wird die Bezeichnung Kaplan auch für einen Pfarrvikar verwendet, der in den ersten Jahren nach seiner Priesterweihe einem Pfarrer unterstellt ist und noch keine Alleinverantwortung für eine Pfarrei trägt, er soll in dieser Zeit die notwendige Erfahrung sammeln und übernimmt daher teilweise Aufgaben des Pfarrers. In früherer Zeit gehörte zu den meisten Pfarreien auch ein Kaplan, mitunter gab es in großen Pfarreien mehrere. Heute sind sie aufgrund der gesunkenen Zahl der Jungpriester nur noch selten anzutreffen.

Je nach örtlicher Gewohnheit wird der Kaplan als Mitarbeiter eines Pfarrers in manchen Bistümern Vikar genannt – eine Bezeichnung, die der Codex Iuris Canonici 1983 für diese Funktion vorsieht: vicarius paroecialis. Im bairischen Sprachraum und im Bistum Trier wird meist auch die Bezeichnung Kooperator (Mitarbeiter des Pfarrers) verwendet. In der Erzdiözese Wien wurden die Hilfsgeistlichen in den Pfarreien bis 1938 als Kooperatoren oder Cooperatoren bezeichnet. Mit Beschluss der österreichischen Bischofskonferenz vom 28. September 1938 wurde dann die deutsche Bezeichnung Kaplan übernommen. Ganz ungebräuchlich geworden sind die Bezeichnungen Adjunkt und Supernumerarius. In Gemeinden mit mehreren Hilfspriestern wurde früher der dienstjüngste als „Adjunkt“ bezeichnet, ein weiterer als „Vikar“ und der dienstälteste als Kaplan.

Die Kapläne der Diözesanbischöfe sind alle zugleich Geheimsekretäre, weil sie im Auftrag des Bischofs arbeiten und in diesem Sinn der Geheimhaltung unterliegen. Hierbei handelt es sich jedoch meist nicht, wie in Pfarreien, um junge Priester die dieses Amt zur Ausbildung übernehmen, sondern um bereits erfahrene Geistliche.

Kirchengemeinde

Eine Kirchengemeinde (in der Schweiz und teilweise in Deutschland Kirchgemeinde) ist der staatskirchenrechtliche Begriff für eine kirchlich verfasste Gemeinde. Vom deutschen Grundgesetz ist den Kirchengemeinden die Körperschaft öffentlichen Rechts zugesagt. Die entsprechenden Artikel wurden aus der

Weimarer Reichsverfassung übernommen (vgl. GG Art. 140).In der evangelischen Kirche ist die Kirchengemeinde (in wenigen Landeskirchen mit abweichender Bezeichnung) die Organisationsform der Kirchenglieder auf lokaler Ebene. Sie ist die unterste Gliederungsebene der Landeskirchen. In ihrem Bereich nimmt sie die Aufgaben der Kirche wie das Halten von Gottesdiensten, Seelsorge, kirchliche Unterweisung und diakonische Aufgaben wahr.

Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim

Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim (sortiert nach Dekanaten und Orten)

Ordenspriester

Ein Ordenspriester ist ein Priester, der einem römisch-katholischen Orden angehört. Er legt die Profess ab und lebt nach einer Ordensregel. Während einen Diözesanpriester die Inkardination in ein Bistum kennzeichnet, untersteht ein Ordenspriester einem Ordensoberen. Zu seiner Anrede dient meist das lateinische Wort Pater. Der weiter gefasste Begriff Regularkleriker schließt Frauen mit ein.

Parish

Parish [pærɪʃ] (engl.; zu Deutsch etwa „Pfarrei, Kirchspiel, Parochie“) ist, ähnlich den Landkreisen oder Gemeinden in Deutschland, eine Verwaltungseinheit in englischsprachigen Ländern und findet sich dort als Namensbestandteil von Gebietsbezeichnungen. Die wörtliche Übersetzung lautet Gemeinde, aber auch Pfarrgemeinde; daher wird in administrativem Zusammenhang auch der Begriff civil parish verwendet, unter anderem im Vereinigten Königreich und dem US-Bundesstaat Louisiana, der als einziger Bundesstaat Parishes statt der in den übrigen US-Bundesstaaten üblichen Countys bzw. Boroughs (in Alaska) benutzt.

Parroquia

Mit dem Begriff Parroquia (wörtliche Übersetzung ins Deutsche: Pfarrei, Kirchspiel, Parochie; Plural: Parroquias) werden in verschiedenen spanischsprachigen Ländern bzw. Regionen politische Verwaltungseinheiten bezeichnet, die in der Regel die unterste Ebene der Kommunalverwaltung bilden.

Pfarrer

Pfarrer ist eine in christlichen Gemeinden verwendete Bezeichnung für eine Person, mit der Leitung einer Kirchengemeinde oder Pfarrei betraut ist und die Verantwortung trägt für die Leitung von Gottesdiensten, die seelsorglichen Betreuung und in der Regel auch für die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten der Pfarrei oder Kirchengemeinde. In der römisch-katholischen Kirche kann nur ein Priester Pfarrer einer Pfarrei sein. Anstelle der Leitung einer Gemeinde kann ein Pfarrer jedoch auch einen besonderen Dienst übernehmen. Die römisch-katholische Kirche, die Evangelische Kirche in Deutschland und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche regeln die Rechte und Pflichten der Pfarrer durch Kirchengesetz (Pfarrerdienstrecht), das sich weitgehend am staatlichen Beamtenrecht und an den Laufbahnen von Studienräten orientiert.

Pfarrkirche

Eine Pfarrkirche oder Parochialkirche (lateinisch ecclesia par(r)ochialis, auch pa(r)rocialis oder pa(r)roecialis) bezeichnet im Christentum die Hauptkirche einer Kirchengemeinde (= Parochie, von lat. parochia).

Quasipfarrei

Eine Quasipfarrei (lateinisch quasi-paroecia) oder Pfarrkuratie ist im kanonischen Recht der römisch-katholischen Kirche eine bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen, die „wegen besonderer Umstände noch nicht als Pfarrei errichtet ist“ (can. 516 §1 CIC). Grund für den Status kann sein, dass für den Verband noch kein dauerhaftes Bestehen abzusehen ist; Pfarreien sind nach can. 515 §1 CIC immer auf Dauer zu errichten.

Weitere im deutschen Sprachraum gängige Bezeichnungen sind Pfarrvikarie, Pfarrrektorat, selbstständige Kuratie, Kuratgemeinde, Rektoratspfarrei und Lokalie. Die Kirche einer Quasipfarrei wird je nach regionalem Sprachgebrauch auch Rektoratskirche, Kuratiekirche oder Vikariatskirche genannt.

Ständige Pfarrvikarien, -kuratien und -rektorate haben sich in Deutschland und anderswo ab dem 19. Jahrhundert partikularrechtlich entwickelt, wobei sich die rechtliche Verfassung von Diözese zu Diözese unterscheiden kann. Die Gründe waren meist vermögens- oder staatskirchenrechtlicher Natur. Mit der Errichtung von Quasipfarreien als Ersatzform der Pfarrei wurde die Installierung eines kanonischen Pfarrers vermieden, für dessen Einstellung und Besoldung entsprechende staatskirchenrechtliche Verträge und kirchliche Normen bindend waren. Auch konnten diese Ersatzformen leichter wieder aufgehoben werden, oder die installierten Pfarrvikare, -kuratoren oder -rektoren leichter abgelöst werden. Die Einteilung von Diözesen nicht nur in Pfarreien, sondern auch in die beschriebenen Ersatzformen hat sich bis heute erhalten.

Der Codex Iuris Canonici 1917 erkannte die Pfarrvikarie in can. 1427 CIC/17 als Ersatzform der Pfarrei an, regelte jedoch nicht ihre rechtliche Gestalt. Nach dem Codex Iuris Canonici 1983 sind die nunmehr als Quasipfarreien bezeichneten Ersatzformen den Pfarreien gleichgestellt, wenn das Recht nichts anderes bestimmt. Die Quasipfarrei ist nach deutschem Staatskirchenrecht wie die Pfarrei eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

St. Jobst

St. Jobst ein Stadtteil von Nürnberg und der Name des Statistischen Bezirks 90. Der Ortsteil gehört zum PLZ-Bezirk 90491. St. Jobst gehört seit 1813/18 zu Erlenstegen wurde 1899 nach Nürnberg eingemeindet.

Titelkirche

Eine Titelkirche (von lateinisch titulus ecclesiae) ist eine Kirche in Rom im Rang einer Pfarrkirche, die einem Kardinal zugewiesen ist. Dieser ist an dieser Kirche als Pfarrer eingesetzt und gehört somit der Klasse der Kardinalpriester an. Faktisch übt der Kardinal sein pfarrliches Amt jedoch nicht selbst aus, sondern hat andere Aufgaben, meist als Diözesanbischof oder an der römischen Kurie. Die tatsächliche Betreuung der Pfarrei in der Seelsorge und Leitung übernimmt in der Regel ein Diözesanpriester, während der Kardinal eher eine Funktion als Schirmherr einnimmt. Durch die Einrichtung der Titelkirche wird die enge Verbundenheit der Kardinäle mit dem Papst unterstrichen, in dessen Bistum sie nominell einer Gemeinde vorstehen. Entsprechend der Anzahl der Kardinalpriester gibt es heute etwa 150 Titelkirchen, die in der Liste der römischen Titelkirchen aufgeführt sind.

Urpfarrei

Der Begriff Urpfarrei (auch Altpfarrei, Großpfarrei, Mutterkirche oder Urkirche) bezeichnet die ersten im Zuge der Christianisierung in ländlichen Gegenden geschaffenen kirchlichen Zentren.

Der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Historikern eingeführte Begriff Urpfarrei besagt, dass die betreffende Pfarrei zu den ältesten Schichten des Pfarreinetzes der jeweiligen Diözese gehöre. Das Kirchspiel der Urpfarrei war ausgedehnt, sie verfügte über das Tauf- und Sepulturrecht (Begräbnisrecht), ihr Patrozinium deutet ein hohes Alter an, und von ihr wurden jüngere Kirchspiele abgepfarrt (Tochterkirchen, Filialen). Neben der Zeitstellung der Kirchengründung erhält man Hinweise auf Anlass der Gründung und den jeweiligen Kirchengründer.

In anderen Sprachen

This page is based on a Wikipedia article written by authors (here).
Text is available under the CC BY-SA 3.0 license; additional terms may apply.
Images, videos and audio are available under their respective licenses.