Niederländische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg planten die Niederlande ab 1945, große Gebietsteile entlang der deutsch-niederländischen Grenze zu annektieren. Dies wurde als eine Möglichkeit der Kriegsreparation neben Geldzahlungen und dem Überlassen von Arbeitskräften in Betracht gezogen. Der Verlauf der Staatsgrenze zwischen den Niederlanden und Deutschland im Verlauf der Außenems ist nach wie vor ungeklärt. Siehe dazu den Hauptartikel Deutsch-Niederländische Grenzfrage.

Grenzpfahl ubbergen 01
Laat vriendschap heelen, wat grenzen deelen“ – „Lasst Freundschaft heilen, was Grenzen teilen“. Alter Grenzpfahl am ehemaligen Grenzverlauf bei Wylerberg

Bakker-Schut

Eine treibende Kraft bei den offiziellen und inoffiziellen Planungen für die Annexion war Frits Bakker-Schut (1903–1966). Er war Mitglied der Staatskommission zur Klärung der Annexionsfrage (Staatscommissie ter Bestudering van het Annexatievraagstuk) sowie der Studiengruppe Gebietserweiterungen (Studiegroep Gebiedsuitbreiding). Die Staatskommission zur Klärung der Annexionsfrage wurde am 25. August 1945 vom damaligen niederländischen Außenminister Eelco N. van Kleffens eingerichtet. Gleichzeitig war Bakker-Schut Sekretär des Niederländischen Komitees für Gebietserweiterungen (Nederlandsch Comité voor Gebiedsuitbreiding).

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Übermalen einer deutschen Grenzmarkierung bei Elten, 1949. Hierbei wurde der deutsche Grenzpfahl in niederländischen Farben übermalt und mit einem großen N (als Symbol für die Niederlande) markiert

Planungskomitee

Das Niederländische Komitee für Gebietserweiterungen hatte sich zum Ziel gesetzt, durch Propagandaschriften und öffentliche Auftritte um Sympathien in der niederländischen Bevölkerung für die Gebietserweiterungen zu werben. So wurde zum Beispiel für die sogenannte Wesergrenze (Werbespruch: Nederlands grens kome aan de Wezer) geworben. In der Nachkriegszeit gab es eine Flut solcher Broschüren.

Staatskommission

Der Staatskommission zur Klärung der Annexionsfragestellung waren einige extra eingerichtete Arbeitsgruppen untergeordnet, die sich mit der genauen Umsetzbarkeit des Plans auf bestimmten Teilgebieten beschäftigten. So wurden durch die Arbeitsgruppen sämtliche Bodenschätze wie Steinkohle, Braunkohle, Torf, Naturstein, Erdöl, Eisenerz, Stein- und Kalisalzvorkommen kartiert und erfasst. Dasselbe geschah mit sämtlichen im geplanten Annexionsgebiet liegenden größeren Industrieunternehmen sowie landwirtschaftlichen Flächen. Besonderes Interesse erregten die (Niedergrafschafter) Erdöl- und Erdgasfelder sowie die weitgehend unberührten Flächen des Bourtanger Moores.

Der Abschlussbericht der niederländischen Staatskommission zur Klärung der Annexionsfrage wurde Ende 1945 dem niederländischen Innenministerium vorgelegt. Dieser als Bakker-Schut-Plan bekanntgewordene Bericht sah drei verschiedene Annexionsalternativen vor. Plan A umfasste eine Annexion aller Gebiete westlich der ungefähren Linie Wilhelmshaven (dann westlich der Weser folgend), Osnabrück, Hamm, Wesel, weiter dem Rhein folgend bis in die Nähe Kölns, dann abknickend Richtung Westen bis Aachen. Die Städte Aachen, Osnabrück, Münster, Köln und Oldenburg sollten dabei mitannektiert werden. Plan B entspricht im Wesentlichen Plan A mit dem Unterschied, dass die bevölkerungsreichen Gebiete der Städte Neuss, Mönchengladbach und Köln von der Annexion ausgenommen werden sollten. Plan C sieht ein kleineres Annexionsgebiet vor, beginnend auf einer Linie östlich von Varel, umschließend das gesamte Emsland, das Gebiet um Wesel bis in die Nähe von Krefeld.

Befürworter der Annexionspläne waren vor allem Königin Wilhelmina und die katholische Partei. Zurückhaltender waren die Protestanten und die Liberalen, während die Sozialisten Annexionen grundsätzlich ablehnten.

Gebietsansprüche nach Bakker-Schut

Bakker Schut-plan
Karte der nach Bakker-Schut zu annektierenden nordwestdeutschen Gebiete

Die Gebiete, die nach Bakker-Schuts Plan hätten annektiert werden sollen, waren die damaligen Landkreise und kreisfreien Städte:

Nr. Name der Gebietskörperschaft Plan A Plan B Plan C
1 Norden-Emden X X X
2 Wittmund X X X
3 Jever-Varel X X X
4 Aurich X X X
5 Weener-Leer X X X
6 Ammerland X X --
7 Oldenburg-Stadt X X --
8 Aschendorf-Hümmling X X X
9 Cloppenburg-Friesoythe X X --
10 Meppen X X X
11 Vechta X X --
12 Grafschaft Bentheim X X X
13 Lingen X X X
14 Bersenbrück X X --
15 Ahaus X X X
16 Steinfurt X X X
17 Tecklenburg X X --
18 Osnabrück Stadt X X --
19 Osnabrück Land X X --
20 Münster Land X X --
21 Borken X X X
22 Coesfeld X X X
23 Münster Stadt X X --
24 Kleve X X X
25 Rees X X X
26 Lüdinghausen X X --
27 Geldern X X X
28 Moers X X --
29 Kempen-Krefeld X X --
30 Krefeld-Uerdingen X X --
31 Erkelenz X X --
32 Mönchengladbach X -- --
33 Neuss X -- --
34 Grevenbroich X -- --
35 Heinsberg-Geilenkirchen X X --
36 Jülich X X --
37 Bergheim X -- --
38 Köln X -- --
39 Aachen Stadt X X --
40 Aachen Land X X --
41 Düren X X --

Geplante Ortsumbenennungen

Es waren im Annexionsgebiet auch Ortsumbenennungen geplant, wobei viele deutsche Orte jedoch schon von alters her im Niederländischen einen eigenen Namen hatten.

Beispiele:

Geplante Ortsnamen Deutsche Ursprungsnamen
Keulen Köln
Monniken-Glaadbeek München-Gladbach
Gulik Jülich
Emmerik Emmerich
Zelfkant Selfkant
Kleef Kleve
Aken Aachen
Neder-Benthem (Bad) Bentheim
Emmelkamp Emlichheim
Geelkerken Geilenkirchen
Gelderen Geldern
Gogh Goch
Meurs Moers
Munster Münster
Nieuwenhuis Neuenhaus
Noordhoorn Nordhorn
Osnabrugge Osnabrück
Veldhuizen Veldhausen
Wezel Wesel
Hoog Elten Hoch-Elten
Jemmingen Jemgum
Zwilbroek Zwillbrock

Vertreibungspläne

Über den geplanten Umgang mit der in den beanspruchten Gebieten lebenden deutschen Bevölkerung gab es keine offiziellen Angaben. Bewohner eventuell betroffener Gebiete fürchteten, im Falle einer Annexion vertrieben zu werden. Geschürt wurden diese Ängste durch einige in Broschüren des Niederländischen Komitees für Gebietserweiterungen veröffentlichte Pläne, so etwa in der Broschüre: Oostland – Ons Land (deutsch: Ostland – unser Land).

Danach sollten aus dem Annexionsgebiet sofort ausgewiesen werden:

  • Alle Bewohner von Gemeinden mit mehr als 2500 Einwohnern.
  • Alle Personen, die Mitglieder in der NSDAP und verwandten Organisationen gewesen waren.
  • Alle Bewohner des Annexionsgebietes, die sich dort nach 1933 niedergelassen hatten.

Die übrige Bevölkerung sollte einer Optantenregelung unterworfen werden. Nach dieser konnten Personen, die plattdeutschsprachig waren sowie keine verwandtschaftlichen Beziehungen (bis in den zweiten Grad) ins übrige Deutschland hatten, für die niederländische Staatsbürgerschaft optieren. Alle anderen sollten entschädigungslos enteignet und ausgewiesen werden. Als Sympathisanten für eine Annexion hofften die Niederländer auf die vor allem in der Niedergrafschaft Bentheim lebenden Altreformierten, die enge Verbindungen zu ihrer niederländischen Schwesterkirche pflegten und Niederländisch als Kirchensprache verwendeten.

Die Umsetzung

Annexionen im größeren Umfang durch die Niederlande wurden von der Alliierten Hohen Kommission mit der Begründung abgelehnt, dass Deutschland bereits mit den mehr als 14 Millionen Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten überfordert sei und weitere Annexionen und Vertreibungen das Problem verschlimmern würden. Auch stand mit dem Beginn des Kalten Krieges eine Stabilisierung Westdeutschlands im Vordergrund. Annexionsideen im Kontext des Morgenthau-Planes wurden unter den neuen politischen Bedingungen fallengelassen. Auch in den Niederlanden selber gab es eine starke Opposition, insbesondere aus Kirchenkreisen, gegen die Annexionsbestrebungen.

Auf der Innenministerkonferenz der westalliierten Besatzungsmächte Deutschlands in London (14. Januar bis 25. Februar 1947) machten die Niederlande jedoch einen Gebietsanspruch auf eine Fläche von 1840 Quadratkilometern deutschen Grenzterritoriums offiziell geltend. Dieses Gebiet beinhaltete die Insel Borkum, die Niedergrafschaft und einen Grenzstreifen bei den Städten Ahaus, Rees, Kleve, Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg sowie jeweils um diese herumliegende Gebiete. In diesen Gebieten lebten 1946 rund 160.000 Menschen, die zu weit mehr als 90 Prozent deutschsprachig waren. Diese Gebietsforderung entsprach einer verkleinerten und modifizierten Form der ursprünglichen Variante C des Bakker-Schut-Plans. Ein wichtiges Ziel der Annexionsforderungen war das Abschneiden des Seehandels in Emden. Dessen Rolle sollte Delfzijl übernehmen. Die Niedergrafschaft der Grafschaft Bentheim grenzt im Norden, im Westen und im Süden an niederländisches Staatsgebiet. Da diese Grafschaft, in der auch enge sprachliche und verwandtschaftliche Kontakte zum Nachbarland bestanden, deshalb von den Annexionsforderungen, selbst bei einer sehr moderaten Form, besonders betroffen war, gründete sich in Bentheim am 12. Februar 1947 unter Federführung des Grafschafter Landrats Rudolf Beckmann der „Bentheimer Grenzlandausschuß“. Ihm traten die betroffenen Landkreise und Städte bei und beschäftigten sich in Ausschüssen mit der politischen und propagandistischen Abwehr der niederländischen Begehren, wozu unter anderem Spezialgutachten produziert wurden, die aus historischen, wirtschaftlichen oder geographischen Gründen einer Annexion widersprachen. Die niederländischen Annexionsforderungen, die auch in dem beabsichtigten Griff nach den Erdölfeldern der Grafschaft Bentheim und des Emslandes sowie den dortigen Ödlandflächen als Siedlungsgebiet begründet waren, sind mit ein Grund für die Durchsetzung eines wirtschaftlichen Aufbauprogramms für diese unterentwickelte Region (Emslandplan).

Auf der Grundlage des Pariser Protokolls vom 22. März 1949 beschlossen am 26. März 1949 die USA, Großbritannien, Frankreich und die Beneluxländer auf der Londoner Deutschland-Konferenz, die Grenzziehung zwischen den Beneluxländern, Frankreich und Deutschland anzupassen. Nur kleinere Annexionen deutscher Gebiete im Selfkant- sowie Elten-Gebiet und in der Grafschaft Bentheim wurden durchgesetzt. Des Weiteren wurden eine Vielzahl kleinerer Grenzänderungen vorgenommen, unter anderem in der Nähe von Nijmegen (Wylerberg) und Dinxperlo. Die Besetzung dieser Gebiete durch niederländische Kräfte begann am Sonntagmittag des 23. April 1949 um 12:00 Uhr.

Rückgabe 1963

Diese Gebiete wurden aufgrund eines Staatsvertrages (Hollandvertrag) am 1. August 1963 an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben.[1] Nur der Wylerberg verblieb endgültig bei den Niederlanden. Für die niederländische Nationalstraße N 274, die durch den Selfkant hindurch ohne Verbindung mit dem deutschen Straßennetz die niederländischen Gemeinden Echt und Brunssum verband, wurde ein grenzabfertigungsfreier Transitverkehr vereinbart. Der in Deutschland liegende Teil dieser Straße wurde am 1. Januar 2002 unter deutsche Verwaltung gestellt, da die Transitregelung durch das Schengener Abkommen gegenstandslos geworden war. Sie wurde nach der Schaffung von Kreuzungen als Landesstraße 410 in das deutsche Straßennetz einbezogen.

Der Bentheimer Grenzlandausschuss, dessen Tätigkeit sich zunehmend auf das Problem der Traktatländer, also des größtenteils ererbten Grundbesitzes von deutschen Bauern auf niederländischer Seite, die nach dem Krieg pauschal und entschädigungslos enteignet worden waren, konzentrierte, löste sich am 12. Februar 1964 auf, nachdem mit Ausnahme dieses Punktes seine Aufgabe erfüllt war.

Eltener Butternacht

Die Rückgabe der annektierten deutschen Gebiete nutzten findige niederländische Geschäftsleute zu einem Coup, der als „Eltener Butternacht“ in die Geschichte einging: Lkw voller zollpflichtiger Waren fuhren in das an Deutschland zurückzugebende Gebiet, das um Mitternacht tatsächlich den Staat wechselte – Zoll wurde dabei nicht (mehr) erhoben.

Übersicht der 1949 annektierten Gebiete (von Nord nach Süd)

  • Unbewohnte Flächen (insgesamt 0,30 km²) zwischen Bad Neuschanz und Ter Apel
  • Unbewohnte Flächen beiderseits des Nordhorn-Almelo-Kanals (0,03 km²)
  • Gebiet nordöstlich von Losser, achtzehn Bewohner (1 km²)
  • Grenzgebiet zwischen Rekken und dem Süden von Haaksbergen
  • Unbewohnte Fläche bei Kotten (0,09 km²)
  • Deutsches Wohngebiet (Suderwick), 342 Bewohner, angrenzend an Dinxperlo (0,64 km²)
  • Die Grenzgemeinde Elten (19,54 km²) mit 3235 Einwohnern
  • Grenzgebiet zwischen den Grenzsteinen 652 und 650 bei Millingen am Rhein
  • Wylerberg (ndl. Duivelsberg) (1,25 km²)
  • Grenzgebiet zwischen den Grenzsteinen 594 und 589 bei Mook en Middelaar
  • Unbewohnte Flächen zwischen den Grenzsteinen 651 und 655 bei Ottersum (0,05 km²)
  • Grenzgebiet zwischen den Grenzsteinen 532 und 531 bei Siebengewald, vier Einwohner
  • Zwei Landstriche zwischen den Grenzsteinen 499 und 488 im Norden von Arcen, 60 Einwohner (0,40 und 0,41 km²)
  • Gebiete bei Sittard von einer Größe von 41,34 km², 5665 Einwohner (Tüddern, Selfkant, Saeffelen, Heilder)
  • Grenzgebiet bei Ubach over Worms (Rimburg)
  • Grenzgebiet zwischen den Grenzsteinen 239 und 229 bei Kerkrade, 130 Einwohner (0,88 km²)
  • Gebiet bei Eygelshoven, 110 Einwohner (0,11 km²)

Mit Ausnahme des Wylerberges kehrten alle Gebiete 1963 bzw. 2002 (Straße N 274 bei Selfkant) wieder zu Deutschland zurück.

Siehe auch

Literatur

  • Herbert Asche: Der Bentheimer Grenzlandausschuß 1947–1964. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatvereins Bd. 11/1964, Lingen 1965, S. 56–67.
  • Emsländische Landschaft und Bezirksregierung Weser-Ems (Hrsg.): Die Emslanderschließung. Eine Handreichung für den Unterricht in siebten bis zehnten Klassen. Endredaktion: Helmut Lensing, Sögel 2000.
  • Fabrice Gireaud: Von der Annexion zur Euregio. Das deutsch-niederländische Verhältnis nach dem Zweiten Weltkrieg mit besonderem Blick auf die Grafschaft Bentheim. In: Emsländische Geschichte Bd. 18. Hrsg. von der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, Haselünne 2011, ISBN 978-3-9814041-3-5, S. 348–448.
  • Christof Haverkamp: Der Bentheimer Grenzlandausschuss 1947–1964 und die deutsch-niederländischen Beziehungen. In: Emsländische Geschichte Bd. 15. Hrsg. von der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, Haselünne 2008, ISBN 978-3-9808021-6-1; S. 56–90.
  • Georg Kip: Fünf Jahre Bentheimer Grenzlandausschuß. In: Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim 1953 (Das Bentheimer Land Bd. 41), o. O., S. 104–108.
  • Helmut Lensing: Beckmann, Rudolf. In: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.): Emsländische Geschichte Bd. 11. Haselünne 2004, S. 236–245.
  • Tim Terhorst: Leben zwischen zwei Grenzen – Elten unter niederländischer Auftragsverwaltung 1949–1963. 123 Seiten, Grin, München 2006, ISBN 978-3-638-60126-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Text des Hollandvertrages
1949

Im Jahr 1949 stehen vor allem die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik sowie die Proklamation der Volksrepublik China im Mittelpunkt des Weltgeschehens.

23. April

Der 23. April ist der 113. Tag des gregorianischen Kalenders (der 114. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 252 Tage bis zum Jahresende.

Belgische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg

Nachdem das Deutsche Reich den Zweiten Weltkrieg verloren hatte, plante Belgien ab 1945, Gebietsteile entlang der deutsch-belgischen Grenze zu annektieren. Dies wurde neben Geldzahlungen und dem Überlassen von Arbeitskräften als eine Möglichkeit der Kriegsreparation in Betracht gezogen. Mitte April 1949 gab Belgien überraschend einen Verzicht auf die meisten der beanspruchten Gebiete bekannt.

Besatzungszone

Eine Besatzungszone ist ein von ausländischen Truppen besetztes Gebiet oder Bereich eines Staates, in dem eine fremde Staatsmacht als Besatzungsmacht die Hoheitsgewalt ausübt. Der Begriff bezieht sich in deutscher Sprache vor allem auf die letzte Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Österreich.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg war das linksrheinische Rheinland einer anfangs kriegerischen, ab 1920 friedlichen Besetzung, die auf dem Versailler Vertrag und dem Rheinlandabkommen von 1919 (RGBl. 1919 S. 1336) beruhte, unterworfen und in vier Zonen aufgeteilt worden. Belgische, britische, US-amerikanische und französische Truppen hatten es zum Teil bis 1930 besetzt gehalten; zu einem Übergang der Gebietshoheit auf die Alliierten und Assoziierten Mächte kam es aber nicht und auch ihre Ausübung (Staatsgewalt) in den besetzten Rheinlanden lag grundsätzlich in deutschen Händen.

Als am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa beendet war (VE-Day), übernahmen die vier Siegermächte Sowjetunion, USA und Großbritannien sowie Frankreich die Hoheitsgewalt über das Deutsche Reich und teilten sein Gebiet untereinander in Besatzungszonen auf oder gliederten es aus. Dazu wurden die östlichen Gebiete des Deutschen Reiches, abgesehen vom sowjetisch verwalteten Norden Ostpreußens, unter polnische Verwaltung gestellt. Es entstanden neue deutsche Staaten und die Zeit, in der die vier Mächte die wiedererrichtete Republik Österreich und Deutschland besetzt hielten, nennt man daher auch Besatzungszeit. Sie dauerte in Österreich von 1945 bis 1955. In Deutschland bezeichnet der Begriff meist nur die Zeit von 1945 bis 1949, also bis zur Gründung der Bundesrepublik und der DDR, obwohl die Besatzung auch in Westdeutschland erst 1955 mit dem Deutschlandvertrag beendet wurde.

Bunde

Bunde (ostfr. Platt Bunn) ist eine Einheitsgemeinde im ostfriesischen Landkreis Leer in Niedersachsen. Bunde liegt im Rheiderland, einer der vier historischen Landschaften des Landkreises Leer. Die Gemeinde liegt am Dollart, einer Bucht der Nordsee, und hat als einzige ostfriesische Kommune eine Landgrenze zu den Niederlanden.

Bunde zählt zu den kleineren Einheitsgemeinden Ostfrieslands. Die 7692 Einwohner leben auf zirka 121 Quadratkilometern, was eine recht geringe Einwohnerdichte von 62 pro Quadratkilometer ergibt. Etwas mehr als die Hälfte der Einwohner (knapp 3900) lebt im namensgebenden Hauptort. Bemerkenswert ist der hohe Anteil von knapp neun Prozent Niederländern.

Im Wynhamster Kolk befindet sich mit 2,5 Meter unter dem Meeresspiegel eine der tiefsten Stellen der Bundesrepublik. Es ist ein Anfang des 19. Jahrhunderts trockengelegtes Gebiet, das nach der Zweiten Cosmas- und Damianflut 1509 vom Meer überspült wurde. Weite Teile des Gemeindegebietes wurden dem Meer durch Anlegung von Poldern wieder abgerungen.

Die Gemeinde ist wirtschaftlich von Landwirtschaft und Tourismus geprägt. Seit 1998 ist die Gemeinde „staatlich anerkannter Erholungsort“. Produzierendes Gewerbe spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle. Bunde ist eine Auspendlergemeinde, vor allem in die Kreisstadt Leer. Die niederländischen Einwohner pendeln zumeist ins Nachbarland. Das Land Niedersachsen führt Bunde als Grundzentrum.

Zum kulturellen Erbe der Gemeinde zählen die Reformierte Kreuzkirche im Hauptort aus dem 13. Jahrhundert und das Steinhaus Bunderhee, eine später erweiterte Turmburg aus dem 14. Jahrhundert und damit eine der ältesten Burganlagen Ostfrieslands. In den Poldergebieten stehen einige außergewöhnlich große Gulfhöfe.

Burg Mergelp

Die Burg Mergelp ist eine ehemalige Burganlage auf dem Wylerberg in der niederländischen Gemeinde Berg en Dal nahe dem deutschen Ort Wyler in der Gemeinde Kranenburg.

Chronik der deutschen Teilung

Die Chronik der Teilung Deutschlands umfasst Geschehnisse vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990. Deutschland wurde aufgrund der Kriegsniederlage in vier Besatzungszonen geteilt, welche von den Siegermächten kontrolliert und geleitet wurden.

Emslandplan

Der Emslandplan war ein Plan, den der Deutsche Bundestag am 5. Mai 1950 beschloss und mit dessen Durchführung sich das seinerzeit rückständige Emsland dem Lebensstandard der Bundesrepublik angleichen sollte. Dabei profitierten nicht nur die damals drei emsländischen Landkreise Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen sowie die Grafschaft Bentheim vom Emslandplan, sondern auch Teile der angrenzenden Landkreise Leer, Cloppenburg und Bersenbrück.

Geschichte der Niederlande

Die Geschichte der Niederlande behandelt die Geschichte der Region des heutigen Staates der Niederlande sowie bis zu deren Abspaltung im 19. Jahrhundert die Geschichte Belgiens und Luxemburgs. Die menschliche Besiedelung reicht bis ins Eiszeitalter zurück. Mit dem Abschmelzen der Gletscher am Ende der Weichsel-Kaltzeit entstand ein relativ sumpfiges Land, das vor allem aufgrund der Bedrohung durch die See nur auf den höheren Landpunkten bewohnt war. Die Römer eroberten ab etwa 50 v. Chr. das Land. Erste Siedlungsgründungen folgten. Dabei bildete der Rhein eine natürliche Landgrenze. Das Land nördlich davon blieb unter friesischer Herrschaft. Alle Versuche, das Land der Friesen zu erobern, scheiterten. Ab dem Jahr 355 wurde der Einfluss der Franken immer größer. Nach dem Niedergang des Römischen Reiches übernahmen die Franken den Süden des Landes. Der Norden und die Küstenregionen blieben friesisch, der Osten gehörte zunächst zum sächsischen Gebiet. Mit der Herrschaft der Franken begann die Christianisierung des Landes. Durch die Teilung des Frankenreiches im Vertrag von Verdun 843 kam das Gebiet östlich der Schelde um Maas und Niederrhein an das Mittelreich Lothars I. und 925 an das im Entstehen begriffene Heilige Römische Reich. Flandern fiel 843 an das Westreich Karls II., des Kahlen, das spätere Frankreich.

In der Folgezeit erlebten die Niederlande einen raschen Aufschwung. Städte und mit ihnen Handel und Handwerk entwickelten sich, und vor dem Hintergrund der immer schwächer werdenden lothringischen Herzogsgewalt bildeten sich im 12. Jahrhundert relativ feste und selbständige Territorien heraus: Im Norden, den heutigen Niederlanden, Holland, Seeland, Geldern und das Bistum Utrecht, im Süden das Bistum Lüttich, Flandern, Hennegau, Brabant, Namur und Limburg. Mit Ausnahme von Flandern gehörten die Niederlande zwar nominell zum Heiligen Römischen Reich, die politische Bindung war jedoch sehr locker. Im 15. Jahrhundert gelangte das Land in den Besitz der Habsburger. Kaiser Karl V. vereinigte während seiner Herrschaft 1500–1558 die „Niedere Lande“ mit Belgien und Luxemburg. Nun waren die „Niedere Lande“ Teil des großen burgundisch-habsburgischen Reiches.

Philipp II. sah sich im Jahre 1568 mit heftigem Widerstand konfrontiert. Rebellen aus den nördlichen niederländischen Gebieten nahmen die Einschränkung der Religionsfreiheit und absolutistische Tendenzen als Anlass für den Achtzigjährigen Krieg. Im Jahr 1579 schlossen sich die sieben nördlichen Provinzen zusammen und gründeten die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Nach dem Sieg über die Spanier erlangten die Gebiete 1648 im Westfälischen Frieden ihre Selbständigkeit und trugen ab dato den Namen Republik der Vereinigten Niederlande. Die Südlichen Niederlande verblieben bei Spanien und bildeten zunächst die Spanischen Niederlande später die Österreichischen Niederlande. Die im Jahre 1602 gegründete Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC) und die Westindische Kompanie (WIC) verhalfen durch den Handel mit Südostasien, Westafrika und Amerika den Niederlanden im 17. Jahrhundert zu großem Reichtum und zur Goldenen Zeit.

Nach mehreren Kriegen gegen England und gegen Frankreich verloren die Niederlande nach dem Spanischen Erbfolgekrieg ihren Anfang des 17. Jahrhunderts erworbenen Großmachtstatus. Die Ressourcen und die Größe des Landes reichten nicht mehr aus, um diese Rolle zu erfüllen. Die Zeit der Republik der Vereinigten Niederlande endete mit der Französischen Revolution. Das Land trug fortan den Namen „Batavische Republik“. Die südlichen, damals österreichischen Niederlande fielen an Frankreich. 1813 erlangten die Niederlande ihre Unabhängigkeit wieder. Hauptstadt war weiterhin Amsterdam, der Regierungssitz jedoch zog nach Den Haag. Im Jahre 1815 wurden die Nördlichen und die Südlichen Niederlande zum Königreich der Vereinigten Niederlande zusammengeschlossen und Wilhelm Friedrich wurde König. Die Südlichen Niederlande riefen bereits 1830 ihre Unabhängigkeit aus und trugen ab da den Namen Belgien. Die Niederlande hatten nun die heutigen Grenzen erreicht.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Niederlande, obwohl sie sich neutral verhielten, von Deutschland angegriffen. Insgesamt waren die Niederlande fünf Jahre von Deutschland besetzt. Der amerikanische Marshallplan initiierte nach dem Krieg den Wiederaufbau der Niederlande. Mit dem Verlust von Niederländisch-Indien 1949 orientierte sich das Land außenpolitisch langsam neu: Aus der neutralen Seemacht wurde ein Partner in der NATO.

Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden

Die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden hat eine Länge von 567 Kilometern (ohne Dollart und im Außenbereich der Ems).Unklarheit über den Grenzverlauf zwischen Deutschland und den Niederlanden betrifft das Gebiet des Ems-Ästuars am Übergang des Dollarts in die Nordsee. Während die Niederlande den Talweg als ihre Grenze betrachten, vertritt Deutschland den Standpunkt, die Staatsgrenze verlaufe am linken Ufer der Ems.

Nach 1945 sollten grenznahe Teile Deutschlands den Niederlanden zugeschlagen werden.

In Bocholt - Suderwick hat die Grenze eine Straße geteilt; im Verhältnis zum unmittelbar benachbarten Dinxperlo gibt es weitere Besonderheiten.

Ähnlich ist auch Eurode.

Luxemburgische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Luxemburgischen Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg waren Pläne des Großherzogtums Luxemburg, ab 1945 Teile von Deutschland zu annektieren. Dies wurde als eine Möglichkeit der Kriegsreparation neben Geldzahlungen und dem Überlassen von Arbeitskräften in Betracht gezogen.

Niedersachsen

Niedersachsen [ˈniːdɐzaksn̩] (saterfriesisch Läichsaksen, ostfriesisch Leeghsaksen, niederdeutsch Neddersassen, Landescode NI, Abkürzung Nds.) ist ein Land im mittleren Nordwesten der Bundesrepublik Deutschland. Das Flächenland steht mit rund 47.600 km² unter den 16 deutschen Ländern auf dem zweiten Platz hinter Bayern und nimmt bei einer Einwohnerzahl von rund 7,96 Millionen in dieser Hinsicht Platz vier ein. Neben der Landeshauptstadt Hannover gibt es sieben weitere Großstädte: Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Göttingen, Hildesheim und Salzgitter. Die Ballungsräume von Bremen und Hamburg reichen weit nach Niedersachsen hinein.

Das heutige Land Niedersachsen entstand nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Vereinigung des Landes Hannover mit den Freistaaten Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe.

Westfalen

Als Westfalen wird heute der nordöstliche Landesteil Nordrhein-Westfalens bezeichnet, der im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen preußischen Provinz Westfalen umfasst. Historisch, sprachlich und kulturell gehören zum Kulturraum Westfalen, dem vom sächsischen Teilstamm der Westfalen besiedelten Gebiet, darüber hinaus die im Land Niedersachsen gelegenen Regionen Grafschaft Bentheim, Emsland (südlicher Teil), Oldenburger Münsterland (südlicher Teil) und Osnabrücker Land. Das Westfälische zählt zu den niedersächsischen Mundarten (Dialekt).

Wyler (Kranenburg)

Wyler ist ein Ortsteil der Gemeinde Kranenburg im Kreis Kleve, Nordrhein-Westfalen. Er grenzt mit seiner Wohnbebauung direkt an die Niederlande und hatte 498 Einwohner im Mai 2008.

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