Moustérien

Als Moustérien (Aussprache [mʊsteˈri̯ɛ̃ː]) wird eine Epoche des europäischen Mittelpaläolithikums bezeichnet. Das Moustérien im engeren Sinne beginnt vor rund 120.000 Jahren und dauert bis vor etwa 40.000 Jahren. In Europa ist es mit der Kultur der Neandertaler assoziiert.

Zeitalter: Mittelpaläolithikum
Absolut: 120.000 - 40.000 vor heute
Ausdehnung
Europa, Zentralasien, Naher Osten
Leitformen

Abschläge in Levalloistechnik, Schaber, Klingen, feingearbeitete Faustkeile

Etymologie und Geschichte

Le Moustier sup
Eponymer Fundort: oberer Abri von Le Moustier

Die Bezeichnung Moustérien leitet sich von dem Eponymen Fundort Le Moustier ab, einer im Vézèretal gelegenen Ortschaft der französischen Gemeinde Peyzac-le-Moustier im Département Dordogne.

Gabriel de Mortillet führte den Epochenbegriff Moustérien (ursprünglich noch richtiger Moustiérien geschrieben) 1872 in die wissenschaftliche Fachliteratur ein. Er hatte die Epoche nach den für sie charakteristischen, in der Fundstelle Le Moustier enthaltenen Steinartefakten benannt.[1] Als Typprofil diente ihm dabei die Sedimentfüllung des oberen Abris von Le Moustier.

Zu Ausgang des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche andere klassische Fundstätten des Moustérien entdeckt und untersucht, wie beispielsweise La Micoque, La Quina, La Chapelle-aux-Saints, der Abri Romaní, La Ferrassie, Krapina und andere.

Seit Beginn der 1950er Jahre ermöglichen es neue Untersuchungsmethoden die reichhaltigen Artefaktfunde besser zu klassifizieren. François Bordes konnte beispielsweise mit der von ihm eingeführten Typologie mehrere Varietäten des Moustérien zuerst empirisch und dann auch statistisch unterscheiden (siehe weiter unten). Diese verschiedenen Faziestypen lassen sich sowohl durch unterschiedlich proportionierte Zusammensetzungen der einzelnen Werkzeugsfunde, als auch durch unterschiedliche Herstellungstechniken der aufgefundenen Werkzeuge auseinanderhalten.[2][3]

Seit den 1960er Jahren wird die Interpretation dieser Unterschiede innerhalb des Moustériens in wissenschaftlichen Kreisen sehr intensiv diskutiert (Debatte Bordes – Binford). Manche in der Tradition Bordes’ stehende Autoren schreiben diese Unterschiede verschiedenen Kulturen oder auch zeitlich aufeinanderfolgenden Kulturen zu. Der Kreis um Lewis Binford deutet Unterschiede als verschiedene Betätigungen aufgrund veränderter Umweltbedingungen (auch saisonbedingt). Autoren um Paul Mellars wiederum sehen die Ursache in einem stetigen Veränderungsprozess innerhalb einer Kultur.

Chronologie

Nucleus et eclat levallois
Kern und Abschlag in Levalloistechnik aus der Haute Saône

Das Moustérien zählt zu den Steinwerkzeugsindustrien des Mittelpaläolithikums, gekennzeichnet durch relativ kleine Abschläge gefolgt von Retuschierungen.

In Europa löst das Mittelpaläolithikum gegen 300.000 Jahren BP nur ganz allmählich das Acheuléen mit seinen noch recht groben Faustkeilen ab. Zum selben Zeitpunkt etabliert sich auch die Levalloistechnik. Technologisch ist das Moustérien daher durch die überwiegend mit der Levalloistechnik hergestellten Abschläge und durch das häufige Vorkommen von Schabern charakterisiert.

In Europa ist das Moustérien mit den Neandertalern assoziiert. Im Nahen Osten gelten zudem frühe anatomisch moderne Menschen (Homo sapiens) als Träger des Moustérien.

Das Moustérien im engeren Sinne mit den von Bordes ausgeschiedenen Fazies entwickelt sich im Zeitraum zwischen 200.000 und 40.000 Jahren BP. Gegen Ende dieser Zeitspanne scheint sich die Entwicklung zu diversifizieren, diese Beobachtung lässt sich aber auch möglicherweise durch eine bessere Erforschung der jüngeren Industrien erklären.

In den späten Abschnitten entwickeln sich in Europa bereits „Übergangsindustrien“, die schon Kennzeichen des folgenden Jungpaläolithikums tragen. So folgen in Westeuropa auf das Moustérien das Châtelperronien (38.000 bis 32.000 Jahre BP) bzw. das Aurignacien, welche bereits zum Jungpaläolithikum gerechnet werden und sich durch von Klingen gestützte Werkzeuge auszeichnen. Diese Kulturen wurden vormals den Cro-Magnon-Menschen zugeschrieben, die aus Afrika kommend in Europa eingewandert waren und die Neandertaler nach und nach aufgrund ihrer höheren Fortpflanzungsrate verdrängt hatten. Seit der Entdeckung eines Neandertalgrabmales in Saint-Césaire wird jedoch jetzt vielmehr davon ausgegangen, dass das Châtelperronien die letzte von Neandertalern geschaffene Werkzeugsindustrie war.

Veränderungen in Klima und Umwelt

Wie das gesamte Pleistozän wird auch das Mittelpaläolithikum von bedeutenden, globalen Klimaschwankungen betroffen, die sich durch einen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten auszeichnen; letztere können ihrerseits wiederum bedeutende, relativ rasch wirksam werdende Temperaturschwankungen vorweisen.[4] Die während des Moustériens lebenden Hominiden waren folglich sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgesetzt:

  • gemäßigtes Klima – günstige Voraussetzungen für die Ausbreitung von Wäldern (OIS 5e während des Eemiums),
  • kühl-gemäßigtes Klima – Erscheinen von mit Buschwerk bestandenen Wiesenflächen im Norden Frankreichs (OIS 5c bis OIS 5a),
  • kalt-gemäßigtes Klima – Steppenvegetation im Südwesten Frankreichs (gewisse Stadien des OIS 3),
  • kaltes Klima – Tundrenvegetation (OIS 4).

Die kältesten Perioden werden von Meeresrückzügen begleitet, einhergehend mit einer bedeutenden Rückverlegung der Küstenlinien. Dies ermöglichte es den damaligen Menschen, die britischen Inseln zu Fuß zu erreichen.

Verbreitung

Die genaue Verbreitung des Moustériens ist nur in groben Zügen bekannt, da seine Erforschung bisher nicht in allen Ländern gleich intensiv erfolgte. Gesicherte Vorkommen des Moustériens finden sich in ganz Europa, von Wales bis Griechenland und von Portugal bis nach Russland, eine Ausnahme bilden hierbei die Mittelmeerinseln. Im Norden Europas reicht sein Verbreitungsgebiet bis an die damals von den Gletschern Skandinaviens gesetzte Grenze. Im Süden scheint es bis ans Mittelmeer heranzureichen – es gilt hierbei jedoch die noch etwas unklaren Verhältnisse zwischen dem europäischen Moustérien und dem nordafrikanischen Atérien – einer von anatomisch modernen Menschen geschaffenen Industrie des Mittelpaläolithikums – aufzuklären. Richtung Osten hat sich das Moustérien offensichtlich über die russischen Ebenen und den Ural hinaus nach Zentral- und Ostasien ausgedehnt. Beispielsweise gibt es in der Mongolei dem Moustérien vergleichbare Industrien. Die vor kurzem aufgefundenen Knochenreste aus der Höhle von Okladnikov im Altai wurden mittels einer genetischen Analyse der in den Mitochondrien enthaltenen aDNA dem Neandertaler zugeschrieben.[5] Die assoziierten Artefaktfunde besitzen offensichtlich die für das Moustérien charakteristischen Merkmale.[6]

Im Nahen Osten wurden zwischen 130.000 und 80.000 Jahren BP die Steinwerkzeuge des Moustérien von Vertretern der Art Homo sapiens, früher auch noch als „Proto-Cro-Magnons“ bezeichnet, geschaffen – Funde in Qafzeh und Skhul belegen dies. Später dann aber auch von Neandertalern, die zwischen 70.000 und 50.000 Jahren BP aus Westeuropa hinzugewandert waren (Funde von Kébara, Tabun und Amud).

Generelle Charakterisierung der Steinartefakte des Moustérien

Racloir silex
Schaber aus Silex des Moustériens

Die auf Abschlägen beruhenden Steinwerkzeuge des Moustériens zeigen eine große Bandbreite unterschiedlicher Formen. Vorherrschend sind verschiedene Schaber (Einfach- und Doppelschaber, konvergente Schaber, gekrümmte Schaber etc.), Pfeilspitzen, Kratzer, gezähnte und eingebuchtete Klingen. Die Abschläge wurden teilweise mit schon sehr komplexen Herstellungsmethoden wie beispielsweise der Levalloistechnik gefertigt.[7] Zu den Abschlägen gesellen sich oft kleinere, schmale und regelmäßig geformte Faustkeile.

Die Anordnung der Abnutzungsspuren sowie außergewöhnliche Funde von natürlichen Klebestoffen beweisen,[8] dass diese Werkzeuge auf einen Schaft angesetzt waren. Mikroskopische Untersuchungen der Schneideflächen haben ferner gezeigt, dass mit diesen Werkzeugen Holz, frische und getrocknete Felle sowie pflanzliches Material bearbeitet wurden.

Die Faziestypen des Moustérien

Typisches Moustérien

Das typische Moustérien wird meist negativ definiert, d. h. durch die Abwesenheit von Faustkeilen, gezähnten Klingen etc. Es enthält sehr viele Schaber und gelegentliche Spitzen. Seine Stellung als eigene Fazies wird oft in Frage gestellt.

Gezähntes Moustérien

Das gezähnte Werkzeuge führende Moustérien (franz. Moustérien à denticulés) ist für den Ausgang des Moustérien charakteristisch. In den Fundstätten Südwestfrankreichs befindet es sich meist am oberen Ende der Sedimentabfolgen. Wie die anderen Faziestypen resultiert es ebenfalls aus einer Kombination von ökonomischen, technischen und kulturellen Faktoren.[9] Es enthält im Wesentlichen nur gezähnte und eingekerbte Abschläge.

Moustérien des Charentetyps

RacloirLa Quina MHNT PRE.2009.0.206.1 (2)
Ein Schaber des La Quina-Typs

Das Moustérien des Charentetyps besteht aus zwei Unterfazies, die in der Charente definiert worden waren. Diese beiden Unterfazies ähneln sich aber nur wenig und sind wahrscheinlich auch nicht miteinander verwandt. Die beiden Unterfazies sind:

Der Quina-Typ führt sehr viele, relativ dicke Schaber, die entweder im Längs- oder im Seitenriss gebogen sind. Hinzu treten recht spezialisierte Werkzeuge wie Hackmesser und sogenannte «Schnecken».

Der Ferrassie-Typ ist in seinen Werkzeugen dem Quina-Typ recht ähnlich, unterscheidet sich aber in ihrer Fertigung mittels der Levalloistechnik. Deswegen wirken die Werkzeuge des Ferrassie-Typs im Vergleich zum massiven Quina-Typ wesentlich zierlicher.

Moustérien de tradition acheuléenne (MTA)

Das MTA (Moustérien de tradition acheuléenne – Moustérien in der Tradition des Acheuléen) ist ein Faziestyp, der ebenfalls für das Endstadium des Moustérien kennzeichnend ist. Die auf Denis Peyrony zurückgehende Bezeichnung ist irreführend, da diese Fazies nicht direkt aus dem Acheuléen hervorgegangen ist.

Generell führt das MTA herzförmige Faustkeile, Messerklingen mit Rücken, Schaber und bereits mehrere Werkzeuge des Jungpaläolithikums.

François Bordes hat das MTA in zwei Subfazies unterteilt:

  • einen Typ A, der durch einen hohen Anteil von Faustkeilen, Schabern und Klingen mit Rücken gekennzeichnet wird,
  • einen Typ B, der durch langgezogene Klingen und durch einen geringeren Anteil an Faustkeilen und Schabern als in Typ A charakterisiert wird.

Laut Bordes und anderer Autoren dürften die beiden Subfazies Entwicklungsstufen hin zum Châtelperronien darstellen. Diese Ansicht wird jedoch heute in Frage gestellt.

Andere regionale Faziestypen

Es bestehen noch andere, auf bestimmte Regionen beschränkte Faziestypen, z. B.:

  • das Pontinien,
  • das Taubachien,
  • das Vasconien,
  • die Klingenindustrien Nordeuropas,
  • die vom modernen Menschen getragenen Industrien des Nahen Ostens.

Komplexe Verhaltensweisen während des Moustériens

Zu den bereits erwähnten diversifizierten Steinwerkzeugen und den anspruchsvollen Herstellungstechniken treten nun auch recht komplexe Verhaltensweisen hinzu, wie beispielsweise die organisierte Jagd auf große Herbivoren wie Ren, Wisent, Auerochs und Pferd, die teils gestellt oder in natürliche Fallen (wie z. B. Überhänge) getrieben wurden, sowie die gezielte Suche nach hochwertigem Feuerstein und dessen Transport über Entfernungen bis zu hundert Kilometer.[10] Auch die Siedlungsplätze wurden während des Moustériens allmählich ausgebaut, wie Überreste von Hütten und konstruierten Feuerstellen im Freien als auch in Höhlen und unter Abris belegen.[11]

Der Neandertaler ist offensichtlich schon vor 100.000 Jahren BP spirituellen Belangen nachgegangen – zu erkennen an mehreren, in Grabstätten beigesetzten Neandertalskeletten, versehen mit rituellen Grabbeigaben und Tierhörnern.[12] Zu den Grabmälern gesellen sich Aktivitäten ästhetischer Natur wie das Sammeln von Ocker, außergewöhnlichen Fossilien und seltenen Mineralien. Auch Gravuren und nichtfigurative Ritzzeichnungen wurden bereits angebracht.

Aus dem Moustérien stammen die ältesten bekannten Petroglyphen im anstehenden Gestein. Sie wurden in einer Höhle in Gibraltar gefunden und 2014 publiziert. Die einfachen Formen aus sich kreuzenden Linien konnten durch Ablagerungen über den Linien auf ein Alter von mindestens 39.000 Jahren datiert werden.[13]

Die nomadisch, als Jäger und Sammler lebenden Neandertaler waren vorzüglich an ihre Umwelt angepasst und soweit entwickelt, dass sie Zehntausende von Jahren unter den teils extremen klimatischen Bedingungen der letzten Kaltzeit überleben konnten. Ob ihr Aussterben vor rund 30.000 Jahren BP mit dem gleichzeitigen Auftauchen des modernen Menschen, dem Träger der Kultur des Aurignacien, verknüpft ist, ist ungeklärt.[14]

Siehe auch

Literatur

  • François Bordes: Typologie du Paléolithique ancien et moyen (= Cahiers du Quaternaire. Band 1, ZDB-ID 780170-1). 2 édition. Éditions du Centre national de la recherche scientifique, Paris 1979.
  • Jacques Jaubert: Chasseurs et artisans du Moustérien. La Maison des Roches, Paris 1999, ISBN 2-912691-05-2.
  • Johannes Krause, Ludovic Orlando, David Serre, Bence Viola, Kay Prüfer, Michael P. Richards, Jean-Jacques Hublin, Catherine Hänni, Anatoly P. Derevianko, Svante Pääbo: Neanderthals in central Asia and Siberia. In: Nature. Band 449, Nr. 7164, 2007, S. 902–904, doi:10.1038/nature06193.
  • Marcel Otte: Le paléolithique inférieur et moyen en Europe (= Collection U. Band 293). Masson & Armand Colin, Paris 1996, ISBN 2-200-01389-2.
  • Bernard Vandermeersch, Bruno Maureille (Hrsg.): Les Néandertaliens. Biologie et cultures (= Documents préhistoriques. Band 23). Éditions du Comité des travaux historiques et scientifiques, Paris 2007, ISBN 978-2-7355-0638-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gabriel de Mortillet: Classification de l’Âge de la pierre. In: Matériaux pour l’Histoire primitive et naturelle de l’Homme. 2° Série, Band 3, 1872, ZDB-ID 207922-7, S. 464–465.
  2. François Bordes: Principes d’une méthode d’étude des techniques de débitage et de la typologie du Paléolithique ancien et moyen. In: L’Anthropologie. Band 54, 1950, ISSN 0003-5521, S. 19–34 (französisch).
  3. François Bordes: Essai de classification des industries „moustériennes“. In: Bulletin de la Société Préhistorique Française. Band 50, Nr. 7/8, 1953, ISSN 1950-2133, S. 457–466, doi:10.3406/bspf.1953.5156 (französisch).
  4. Jacques Jaubert: Chasseurs et artisans du Moustérien. 1999.
  5. Johannes Krause et al.: Neanderthals in central Asia and Siberia. In: Nature. Band 449, 2007, S. 902–904 (englisch).
  6. Anatolij P. Derev’anko: Paleolithic of North Asia and the problems of ancient migrations. Academy of Sciences of the USSR – Siberian Division – Institute of History, Philology, and Philosophy, Novosibirsk 1990.
  7. Eric Boëda: Le concept Levallois. Variabilité des méthodes (= Monographie du CRA. Nr. 9). CNRS, Paris 1994, ISBN 2-222-04772-2.
  8. Eric Boëda, Jacques Connan, Daniel Dessort, Sultan Muhesen, Norbert Mercier, Hélène Valladas, Nadine Tisnérat: Bitumen as a hafting material on Middle Palaeolithic artefacts. In: Nature. Band 380, Nr. 6572, 1996, S. 336–338, doi:10.1038/380336a0 (englisch).
  9. Céline Thiébaut: Le Moustérien à denticulés. Variabilité ou diversité techno-économique? 2 Bände. Aix-Marseille 2005 (Aix-Marseille, Université de Provence, Thèse de Doctorat, 2005).
  10. Jehanne Féblot-Augustins: La circulation des matières premières au Paléolithique. Synthèse des données perspectives comportementales (= Études et recherches archéologiques de l’Université de Liège. ERAUL. Band 75). Université de Liège – Service de Préhistoire, 1997, ZDB-ID 1139409-2 (Zugleich: Paris, Universität, Dissertation, 1995).
  11. René Desbrosse, Janusz Kozlowski: Les habitats préhistoriques. Des Australopithèques aux premiers agriculteurs (= Documents préhistoriques. Band 6). Éditions du Comité des travaux historiques et scientifiques u. a., Paris 2001, ISBN 2-7355-0487-5.
  12. Bruno Maureille: Les premières sépultures (= Le Collège de la Cité. Band 11). Le Pommier, Paris 2004, ISBN 2-7465-0203-8.
  13. Joaquín Rodríguez-Vidal, Francesco d’Errico, et al.: A rock engraving made by Neanderthals in Gibraltar. In: PNAS. 12. August 2014, doi:10.1073/pnas.1411529111.
  14. Bruno Maureille: Qu’est-il arrivé à l’homme de Néandertal? (= Les Petites Pommes du Savoir. Band 108). Le Pommier, Paris 2008, ISBN 978-2-7465-0389-2.
Balver Höhle

Die Balver Höhle ist eine im Hönnetal bei Balve in Nordrhein-Westfalen gelegene Karsthöhle, die für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Sie ist die größte offene Hallenhöhle in Europa. Dem gut erforschten archäologischen Fundmaterial zufolge ist die Höhle einer der wichtigsten Fundplätze der Kulturen der Mittleren Altsteinzeit in Europa (daher die Bezeichnung „Kulturhöhle“). Der Vorplatz zur Höhle besteht aus ausgeräumten Sedimenten.

Börslingen

Börslingen ist eine kleine Gemeinde im Alb-Donau-Kreis und mit rund 180 Einwohnern eine der kleinsten selbständigen Gemeinden in Baden-Württemberg.

Die Gemeinde gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Langenau mit Sitz in Langenau an.

Groléjac

Groléjac ist eine französische Gemeinde mit 649 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine; sie gehört zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda und zum Kanton Vallée Dordogne.

Grotten von Saint-Brais

Die Grotten von Saint-Brais sind drei Höhlen, die an der Schnittstelle der Hochebene der Freiberge und dem

Westende des Delsberger Beckens im Schweizer Jura zwischen 950 und 1000 m Höhe nordöstlich des Ortes Saint-Brais liegen. Die Höhlen wurden vom Paläolithikum bis zur Bronzezeit von Menschen aufgesucht und von Frédéric-Edouard Koby zwischen 1935 und den 1960er Jahren untersucht.

Gudenushöhle

Die Gudenushöhle im nordwestlichen Niederösterreich wurde vor 70.000 Jahren von einer Gruppe von Neandertalern frequentiert und zählt zu den bedeutendsten steinzeitlichen Fundplätzen Mitteleuropas.

Höhlen von Isturitz und Oxocelhaya

Die Höhlen von Isturitz und Oxocelhaya (frz.: Grottes d’Isturitz et d’Oxocelhaya oder Grottes d’Oxocelhaya et d’Isturits) befinden sich im Département Pyrénées-Atlantiques in Frankreich und gehören zu den baskischen Gemeinden Isturits (auch Isturitz) und Saint-Martin-d’Arberoue im Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre. Sie liegen etwa 12 km vom Städtchen Hasparren entfernt. Die Schauhöhlen sind Teil eines Karsthöhlensystems, der Eingang liegt 209 m über dem Meeresspiegel. Die Höhlen enthalten Siedlungsschichten vom Moustérien bis in an das Ende des Jungpaläolithikums und zählen mit ihren Kleinkunstwerken und Artefakten zu den bekanntesten Fundplätzen der Altsteinzeit in Südfrankreich.

La Ferrassie

La Ferrassie ist eine archäologische Fundstätte im Département Dordogne in Frankreich und gehört zum Umkreis der Frankokantabrischen Höhlenkunst. Unter dem Felsdach des Abris wurden Schichten mit Artefakten des Micoquien, Moustérien, Aurignacien und Gravettien gefunden. Von großer Bedeutung für die Erforschung des Neandertalers ist insbesondere das sehr gut erhaltene Fossil La Ferrassie 1, das Skelett eines rund 50 Jahre alten Mannes, der hier vor annähernd 50.000 Jahren bestattet wurde, ferner Hinweise auf Begräbnisrituale.

La Quina

La Quina ist eine altsteinzeitliche Fundstätte bei Gardes-le-Pontaroux im südwestfranzösischen Département Charente. Neben Werkzeugen aus dem Moustérien, dem Châtelperronien und dem Aurignacien wurden auch Überreste von mehr als 20 Neandertalern gefunden.

Laussel

Laussel ist eine jungpaläolithische Fundstätte der französischen Gemeinde Marquay im Département Dordogne. Sie ist insbesondere durch die Entdeckung der Venus von Laussel bekannt geworden und gehört zum Umkreis der Frankokantabrischen Höhlenkunst.

Le Moustier

Le Moustier ist ein prähistorischer Fundplatz im Tal der Vézère bei Peyzac-le-Moustier im französischen Département Dordogne. Das Moustérien, eine der Perioden des Paläolithikums von vor 120.000 bis vor 40.000 Jahren, wurde nach diesem Fundort benannt.

Les Combarelles

Les Combarelles ist eine etwa drei Kilometer von Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil im französischen Département Dordogne entfernt gelegene Karsthöhle, in der zahlreiche Felsbilder aus dem Jungpaläolithikum entdeckt wurden. Die Höhle gehört zum Umkreis der Frankokantabrischen Höhlenkunst.

Levalloistechnik

Die Levalloistechnik (Levallois-Technik oder Schildkern-Technik) war in Europa die typische Abschlagtechnik des Neandertalers bei der Bearbeitung von Feuerstein. Im nördlichen Mitteleuropa ist die Levalloistechnik erstmals während des Acheuléen im Vorfeld der Saaleeiszeit vor etwa 200.000 Jahren belegt, wo sie innerhalb von Acheuléen-Fundinventaren meist als Teilmenge vorkommt. Seit Mitte der 1960er Jahre wird von Prähistorikern der Beginn des Mittelpaläolithikums (= Mittlere Altsteinzeit) mit dem ersten Auftreten von Levallois-Grundformen definiert, da diese in einem fünfstufigen Entwicklungsmodell der Steinbearbeitungstechniken als „Mode-III-Technik“ gilt, das Acheuléen als „Mode-II-Technik“.Die Bearbeitungstechnik beschrieb erstmals Victor Commont im Jahre 1909. Henri Breuil bezeichnete das Levalloisien 1931 als eigenständige Kulturstufe. Als Typuslokalität dienten Funde aus Levallois-Perret, einer Stadt nordwestlich von Paris. Heute wird das Levalloisien als Chronostufe nicht mehr verwendet. Stattdessen wird die Levalloistechnik als Bearbeitungstechnik im europäischen Acheuléen, Moustérien und Châtelperronien angesehen. Ähnliche oder identische Techniken sind seit mindestens 300.000 Jahren in Afrika und Asien belegt.

Micoquien

Das Micoquien ist eine archäologische Kultur der Neandertaler in Mittel- und Westeuropa, benannt nach der südfranzösischen Fundstätte „La Micoque“ bei Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, deren Schwerpunkt im späten Mittelpaläolithikum liegt (ca. 60.000 - 40.000 vor heute). Neuere Forschungen sehen im Micoquien lediglich eine Steinwerkzeug-Industrie, die zeitlich überlappend mit der Kultur des Moustérien auftrat. Leitformen sind das Keilmesser und der Micoque-Keil, ein spezieller Faustkeil-Typ. Wenngleich erste Keilmesser-Inventare bereits in der Eem-Warmzeit (130.000 - 115.000 vor heute) und im frühen Abschnitt der Würm- bzw. Weichsel-Eiszeit gefunden wurden, datieren die meisten Fundstellen Mittel- und Westeuropas in die späte Neandertalerzeit.

Mittelpaläolithikum

Das Mittelpaläolithikum (von griech. παλαιός (palaios) „alt“ und λίθος (lithos) „Stein“) ist der mittlere Abschnitt der Altsteinzeit in Europa, der vor ca. 300.000–200.000 Jahren mit dem Einsetzen der Levallois-Technik beginnt und vor etwa 40.000 Jahren mit der Einwanderung des Cro-Magnon-Menschen und dem Beginn des Jungpaläolithikums (Aurignacien) endet. In Europa ist das Mittelpaläolithikum mit dem Neandertaler assoziiert (je nach Bearbeiter wird auch der späte Homo heidelbergensis geltend gemacht).

In Afrika und im Vorderen Orient entspricht dieser Zeitabschnitt in etwa dem Middle Stone Age. Dort lebten bereits um 150.000 vor heute anatomisch moderne Menschen (siehe Archaischer Homo sapiens sowie Homo sapiens idaltu), im Nahen Osten seit etwa 90.000 vor heute.

Nach einer heute veralteten Terminologie wurde der Beginn des Mittelpaläolithikum mit dem Beginn des Jungpleistozäns gleichgesetzt (ca. 130.000 Jahre vor heute).

Nahal Me’arot

Nahal Me’arot oder Nachal Me’arot (hebräisch נחל מערות, arabisch Wadi el-Mughara) ist ein Naturschutzgebiet am Westhang des Karmel-Gebirges im Norden Israels. Die Höhlen von Nahal Me’arot im Wadi el-Mughara wurden 2012 unter der Bezeichnung Stätten der menschlichen Evolution am Berg Karmel: Nachal Me’arot / Höhlen im Wadi el-Mughara in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Dazu gehören unter anderem die Tabun-Höhle als bedeutender Fundplatz von Knochen und Werkzeugen der Neandertaler, weiterhin die Skhul-Höhle, die El-Wad-Höhle und die Jamal-Höhle als Fundstätten des modernen Menschen (Homo sapiens) der Acheuléen- und Moustérien-Kultur. Das Besondere dieser prähistorischen Fundstätten ist, dass sie über 500.000 Jahre besiedelt wurden und – nach bisherigen Kenntnissen – in diesen Höhlen des Karmel-Gebirges Homo neanderthalensis und Homo sapiens gleichzeitig vor etwa 100.000 Jahren gelebt haben.

Qafzeh

Qafzeh (auch Kafzeh, Qafzah; dt. Abgrund) ist eine Höhle am südlichen Stadtrand von Nazareth (Israel). Sie liegt am Abgrundberg (arab. Ǧebel el-Qafze; engl. Mount Precipice) im östlichen Steilhang des Wādi el-Haǧǧ (hebr. Naḥal Mizra). Die Höhle wurde als paläolithischer Fundplatz vor allem wegen ihrer Fossilien des frühen anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) bekannt. Sie enthielt Ablagerungen des Mittelpaläolithikums (Moustérien) sowie des Übergangs zum Jungpaläolithikum. Die archäologisch relevanten Fundschichten wurden vollständig ausgegraben.

Salzofenhöhle

Die Salzofenhöhle im Toten Gebirge bei Grundlsee in der Steiermark ist die höchstgelegene, alpine Höhle mit paläolithischen Funden Österreichs. Der Eingang zur Höhle befindet sich am Südwesthang des Salzofens (2070 m) ca. 65 m unterhalb des Gipfels. Im Jahre 2008 betrug die vermessene Gesamtlänge der Höhle 3588 Meter.Der Namensteil „-ofen-“ ist auf eine alte Bezeichnung für markante Felsen zurückzuführen.

Shanidar

Shanidar oder Schanidar ist eine Höhle im Norden des Iraks in der Provinz Erbil der autonomen Region Kurdistan. Sie liegt in 745 m Höhe am Großen Zab in den Ausläufern des Zagrosgebirges. Die Höhle wird im Winter von nomadisierenden kurdischen Stämmen bewohnt. Internationale Bekanntheit erlangte die Höhle, als dort Überreste von Neandertalern gefunden wurden.

Vogelherdhöhle

Die Vogelherdhöhle (kurz: der Vogelherd) bei Niederstotzingen im Lonetal ist eine Karsthöhle. Die Höhle ist ein bedeutender Fundplatz des Jungpaläolithikums. Sie liegt im Archäopark Vogelherd auf der östlichen Schwäbischen Alb, an der Landstraße 1168 zwischen Niederstotzingen und Bissingen ob Lontal. Im Jahre 2017 wurde sie als eine der sechs Höhlen der Weltkulturerbestätte Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Berühmt wurde die Höhle im Jahre 1931 nach dem Auffinden der Vogelherd-Figuren aus dem Aurignacien, der frühesten Stufe des Jungpaläolithikums, die damit zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit gehören. Die dort entdeckten menschlichen Überreste jedoch, die jahrzehntelang gleichfalls dem Aurignacien zugeordnet wurden, unter anderen die Schädel „Stetten 1“ und „Stetten 2“, stammen aus dem Neolithikum. Sie stehen damit nicht im Zusammenhang mit der beträchtlich älteren Jungpaläolithischen Kleinkunst der Höhle.

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