Martianus Capella

Martianus Min(n)e(i)us Felix Capella (meist kurz Martianus Capella) war ein aus Karthago stammender römischer Schriftsteller und Dichter. Er lebte im 5. und vielleicht noch im frühen 6. Jahrhundert und verfasste ein lateinisches enzyklopädisches Werk, das als Lehrbuch der Sieben Freien Künste dienen sollte. Die Vermittlung des Wissensstoffs wird durch eine allegorische Rahmenhandlung und lyrische Partien aufgelockert. Der Einfluss dieser Schrift auf das abendländische Bildungswesen im Mittelalter war sehr groß.

Martianus Capella, Cosmography
Das kosmographische Modell des Martianus Capella nach einer mittelalterlichen Zeichnung. Handschrift Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, San Marco 190, fol. 102r (11. Jahrhundert)

Leben

Über das Leben des Martianus, der sich selbst Felix oder Felix Capella nannte, liegen nur sehr wenige, teils zweifelhafte Informationen vor, die aus autobiographischen Andeutungen in seinem Werk gewonnen werden. Chronologische Angaben fehlen, und in der Forschung sind sehr unterschiedliche Meinungen über seine Lebensdaten geäußert worden; die Vermutungen schwankten zwischen dem späten 3. und dem frühen 6. Jahrhundert, heute wird meist das 5. oder frühe 6. Jahrhundert angenommen.[1]

Martianus ist vermutlich in Karthago geboren. Jedenfalls ist er dort aufgewachsen; anscheinend hat er den größten Teil seines Lebens in Karthago verbracht. Ein Aufenthalt in Rom wird vermutet, doch ist dies sehr unsicher. Spekulativ sind auch die Hypothesen über seinen Beruf und seine soziale Herkunft. Man hat vermutet, dass er aus bäuerlichem Milieu stammte und Autodidakt war. Nach einer anderen, in der Forschung häufiger vertretenen Meinung gehörte er der Oberschicht an. Aus einer unklaren Formulierung hat man gefolgert, dass er Prokonsul in Afrika gewesen sei. Oft wird angenommen, dass er Jurist war; auch eine Tätigkeit als Rhetorik- oder Grammatiklehrer kommt in Betracht.[2] Anscheinend verfügte er über Griechischkenntnisse.[3]

Unklar ist auch, ob Martianus Christ war. Es fällt auf, dass sein Werk keinerlei Anspielungen auf das Christentum enthält. Dieses Schweigen und einige weitere Indizien, darunter seine Schilderung verlassener Orakelstätten des Gottes Apollon, deuten darauf, dass er Anhänger der alten paganen Religion und Kultur war, deren Hauptinhalte er in seinem Werk zusammenfassen wollte. In der Forschung wurde sogar eine verhüllte antichristliche Stoßrichtung vermutet. Möglicherweise war Martianus oberflächlich christianisiert.[4]

Werk

Das einzige bekannte Werk des Martianus trägt traditionell den Titel De nuptiis Philologiae et Mercurii („Die Hochzeit der Philologie mit Merkur“), der jedoch nicht vom Autor stammt. Er verfasste es in fortgeschrittenem Alter, als er im Ruhestand lebte, und widmete es seinem Sohn. Der mögliche Entstehungszeitraum reicht von 410 bis zum ersten Viertel des 6. Jahrhunderts.[5] Aufgrund einiger Indizien wird eine Abfassung in Rom vermutet.[6]

Es handelt sich um eine offenbar als Lehrbuch konzipierte Enzyklopädie in neun Büchern in der Form einer Menippeischen Satire. In die Prosa sind Verse in 15 verschiedenen Versmaßen eingestreut. Dargestellt wird der Kanon der Sieben Freien Künste.

Martianus capella grammaire fleury
Seite einer Handschrift von De nuptiis, 10. Jahrhundert, Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 7900 A

Satura, die Personifizierung der Satire, hat dem Autor den Inhalt des Werks erzählt. Die Rahmenhandlung ist mythisch-allegorisch. Als Einleitung dient eine allegorische Szenerie. Geschildert wird eine Brautsuche und die anschließende „heilige Hochzeit“. Das Brautpaar sind der Götterbote Merkur, der Gott der Beredsamkeit, und eine sterbliche Jungfrau, die Philologie. Unter Philologie verstand man damals die gesamte Gelehrsamkeit, nicht wie heute speziell Sprach- und Literaturwissenschaft. Die ersten beiden Bücher handeln von den Vorbereitungen. Merkur ist bei der Brautschau erfolglos geblieben und wendet sich auf den Rat der Virtus (Tugend) an den Gott Apollon, der ihm die „überaus gelehrte“ Philologia empfiehlt. Nachdem der Göttervater Jupiter und seine Gemahlin Juno dem Hochzeitsplan zugestimmt haben, wird eine Götterversammlung einberufen, die ebenfalls einwilligt und beschließt, die sterbliche Braut unter die Unsterblichen aufzunehmen. Philologia wird zur Hochzeit geschmückt und erhält den Trank der Unsterblichkeit. Merkurs Hochzeitsgabe an seine künftige Gemahlin sind sieben jungfräuliche Dienerinnen, welche die Sieben Freien Künste personifizieren. Sie treten der Reihe nach auf, wobei jeweils Kleidung und Auftreten genau beschrieben werden, und jede legt in einem der restlichen Bücher (3–9) zusammenfassend ihre Wissenschaft dar. Buch 3 behandelt die Grammatik, Buch 4 die Dialektik, Buch 5 die Rhetorik, Buch 6 die Geometrie, Buch 7 die Arithmetik, Buch 8 die Astronomie und Buch 9 die Harmonie (Musik). Somit wird zunächst in den Büchern 3–5 das Trivium, dann in den Büchern 6–9 das Quadrivium dargestellt. Die Architektur und die Medizin sind aus dem Fächerkanon ausgeschlossen, da sie sich auf Irdisches und Vergängliches beziehen und daher nicht in die himmlische Götterwelt passen.[7] Schließlich geleitet die Harmonie das Brautpaar ins Schlafgemach.

Im dritten Buch, das von der Grammatik handelt, werden nacheinander Buchstaben, Silben, Redeteile, Deklination, Konjugation, Anomalie (Wörter, die nicht den sprachlichen Regeln folgen) sowie gelungener und fehlerhafter Sprachgebrauch behandelt. Dargestellt werden Lautlehre und Formenlehre, nicht jedoch die Syntax. Das vierte Buch handelt von der Dialektik (Logik, „Wissenschaft vom guten Disputieren“), und zwar zuerst hinsichtlich einzelner Wörter, dann hinsichtlich der Bestandteile und Arten von Sätzen; dann werden wahrheitsfähige Aussagen und schließlich die Syllogismen betrachtet. Im fünften Buch, dessen Thema die Rhetorik ist, werden erst ausführlich die einzelnen Aufgaben des Redners erörtert, nämlich „Stoffauffindung“ (inventio, mit der Lehre von den juristischen Fragestellungen und den Beweisen), Stoffgliederung, Darstellung, Auswendiglernen und Vortrag, und dann relativ knapp die Teile der Rede besprochen. Das Thema des sechsten Buches ist eigentlich die Geometrie, doch handelt der weitaus größte Teil von der Geographie. Die beiden Wissensgebiete erscheinen als eng miteinander verflochten. Die Ausführlichkeit der Rede Geometrias ruft den Unmut der Götter hervor. Im siebten Buch geht es um die Arithmetik; die Zahlen werden erst knapp unter qualitativem Gesichtspunkt (Zahlensymbolik) betrachtet, dann ausführlich unter quantitativem (eigentliche Arithmetik).

Naboth Capella
Das System des Martianus Capella nach Valentin Naibod: Primae de coelo et terra institutiones, Venedig 1573, fol. 41 recto

Im achten Buch legt Astronomia ihre Lehre dar; Themen sind die Himmelskugel mit den zehn Himmelskreisen, die Fixsterne und die Planeten (zu denen Sonne und Mond gezählt werden). Martianus ist der Ansicht, dass die Planeten Merkur und Venus nicht die Erde, sondern die Sonne umkreisen; damit vertritt er eine Änderung gegenüber dem damals herrschenden rein geozentrischen Weltbild. Im letzten Buch tritt Harmonia auf und spricht über ihre Wissenschaft, die Musiktheorie; eigentlich ist sie nur für die Harmonik zuständig, doch behandelt sie auch die Rhythmik. Die Harmonie in der Musik wird im Sinne der pythagoreischen Tradition mit der Harmonie des Universums (Sphärenharmonie) in Verbindung gebracht. Zu den Themen gehören die Wirkungen der Musik auf Seele und Körper des Menschen und ihre Verwendung in der Heilkunst.

Der Kanon der Sieben Freien Künste war nicht, wie früher in der Forschung angenommen wurde, schon seit der Epoche des Hellenismus oder zumindest seit Varro im Erziehungswesen verbreitet. Vielmehr handelt es sich um ein erst im Neuplatonismus entstandenes Konzept, das vor Augustinus und Martianus Capella nicht bezeugt ist. Die ursprüngliche Zielsetzung war dabei nicht schulisch (Erlangung von Allgemeinbildung), sondern philosophisch (Ermöglichung der Rückkehr der Vernunftseele in ihre göttliche Heimat, den intelligiblen Bereich). Das Werk des Martianus ist nur vor dem Hintergrund seiner neuplatonischen Gedankenwelt zu verstehen.[8]

Rezeption

Martianus Capella, Musica
Musica, die Personifikation der Musik, als Buchmalerei in einer Handschrift von De nuptiis Philologiae et Mercurii: Venedig, Biblioteca Nazionale Marciana, Lat. XIV, 35 (colloc. 4054), fol. 149v (Zeitraum 1485/1490)

Das Werk des Martianus erfreut sich jahrhundertelang einer außerordentlichen Beliebtheit. Mindestens 241 Handschriften sind bekannt. Das Ausmaß der Verbreitung und der Nutzung für Unterrichtszwecke in der Spätantike ist unklar; im Mittelalter wird es zu einem Hauptpfeiler des Bildungswesens. Erstmals zitiert wird es im 6. Jahrhundert von dem Mythographen Fulgentius, der als Erster den bis heute gängigen Titel anführt. Der gallorömische christliche Geschichtsschreiber Gregor von Tours nennt den Autor „unser Martianus“. Die ältesten erhaltenen Handschriften stammen aus der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts; nach der Mitte des 9. Jahrhunderts beginnt auch die mittelalterliche Kommentierung. Das Werk wird nun als Schulbuch verwendet. Prominente karolingerzeitliche Martianus-Kommentatoren sind Johannes Scottus Eriugena und Remigius von Auxerre. Notker der Deutsche übersetzt die ersten beiden Bücher ins Althochdeutsche. Im 12. Jahrhundert befasst sich die als „Schule von Chartres“ bekannte Gelehrtengruppe mit Martianus. Zahlreiche bildliche Darstellungen der Sieben Freien Künste im Mittelalter basieren auf seinen Beschreibungen. Ab dem Hochmittelalter schwindet das Interesse. Kopernikus lobt Martianus wegen dessen Eintretens für ein heliozentrisches Element innerhalb des in der Antike vorherrschenden geozentrischen Weltbilds.[9]

Die erste Martianus-Edition, besorgt von Franciscus Vitalis Bodianus, erschien 1499 in Vicenza; bis zum Ende des 16. Jahrhunderts folgten sechs weitere Ausgaben, darunter eine im Jahr 1599 von Hugo Grotius besorgte.[10]

In der Moderne wird Martianus oft wegen seines teils dunklen Stils und wegen übermäßiger Wortfülle getadelt.

Der Mondkrater Capella ist nach ihm benannt.

Ausgaben und Übersetzungen

  • Martianus Capella: Les noces de Philologie et de Mercure. Les Belles Lettres, Paris (kritische Ausgabe, lateinischer Text mit französischer Übersetzung und Kommentar; bisher erschienen:)
    • Bd. 1: Livre I, hrsg. Jean-Frédéric Chevalier, 2014, ISBN 978-2-251-01467-8
    • Bd. 4: Livre IV: La dialectique, hrsg. Michel Ferré, 2007, ISBN 978-2-251-01448-7
    • Bd. 6: Livre VI: La géometrie, hrsg. Barbara Ferré, 2007, ISBN 978-2-251-01449-4
    • Bd. 7: Livre VII: L’arithmétique, hrsg. Jean-Yves Guillaumin, 2003, ISBN 2-251-01433-0
    • Bd. 9: Livre IX: L’harmonie, hrsg. Jean-Baptiste Guillaumin, 2011, ISBN 978-2-251-01461-6
  • James Willis (Hrsg.): Martianus Capella. Teubner, Leipzig 1983 (kritische Ausgabe; die Teubner-Edition von Adolf Dick ist dadurch überholt)
  • Hans Günter Zekl (Übersetzer): Martianus Capella: Die Hochzeit der Philologia mit Merkur. De nuptiis Philologiae et Mercurii. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 978-3-8260-3043-7

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Übersetzungen und Kommentare

  • Cora E. Lutz (Hrsg.): Dunchad: Glossae in Martianum. Lancaster Press, Lancaster 1944
  • Cora E. Lutz (Hrsg.): Remigii Autissiodorensis commentum in Martianum Capellam. 2 Bände. Brill, Leiden 1962–1965 (kritische Edition)
  • Cora E. Lutz (Hrsg.): Iohannis Scotti annotationes in Marcianum. Mediaeval Academy of America, Cambridge (Mass.) 1939 (Digitalisat)
  • Haijo Jan Westra u. a. (Hrsg.): The Berlin commentary on Martianus Capella’s De nuptiis Philologiae et Mercurii. 2 Bände, Brill, Leiden 1994–1998
  • Haijo Jan Westra (Hrsg.): The Commentary on Martianus Capella’s De nuptiis Philologiae et Mercurii attributed to Bernardus Silvestris. Pontifical Institute of Mediaeval Studies, Toronto 1986, ISBN 0-88844-080-4
  • Gabriella Moretti (Hrsg.): I primi volgarizzamenti italiani delle Nozze di Mercurio e Filologia. Università degli Studi di Trento, Trento 1995, ISBN 88-86135-43-2
  • Ilaria Ramelli (Hrsg.): Scoto Eriugena, Remigio di Auxerre, Bernardo Silvestre e Anonimi: Tutti i commenti a Marziano Capella. Bompiani, Milano 2006, ISBN 88-452-5739-8 (lateinische Texte ohne kritischen Apparat und italienische Übersetzungen)

Literatur

Übersichtsdarstellungen

  • Marc-Aeilko Aris: Martianus Capella. In: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 24, Hiersemann, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7772-1222-7, Sp. 266–275
  • Barbara Ferré, Michel Ferré: Martianus Capella. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Bd. 4, CNRS Éditions, Paris 2005, ISBN 2-271-06386-8, S. 288–302
  • Sabine Grebe: Martianus Min(n)e(i)us Felix Capella. In: Wolfram Ax (Hrsg.): Lateinische Lehrer Europas. Fünfzehn Portraits von Varro bis Erasmus von Rotterdam. Böhlau, Köln 2005, ISBN 3-412-14505-X, S. 133–163

Untersuchungen und Kommentare

  • Sabine Grebe: Martianus Capella: ‚De nuptiis Philologiae et Mercurii‘. Darstellung der Sieben Freien Künste und ihrer Beziehungen zueinander. Teubner, Stuttgart/Leipzig 1999, ISBN 3-519-07668-3 (Habilitationsschrift)
  • Danuta Shanzer: A Philosophical and Literary Commentary on Martianus Capella’s De Nuptiis Philologiae et Mercurii Book 1. University of California Press, Berkeley 1986, ISBN 0-520-09716-5

Rezeption

  • Brigitte Englisch: Die Artes liberales im frühen Mittelalter (5.–9. Jahrhundert). Das Quadrivium und der Komputus als Indikatoren für Kontinuität und Erneuerung der exakten Wissenschaften zwischen Antike und Mittelalter. Steiner, Stuttgart 1994, ISBN 3-515-06431-1
  • Sonja Glauch: Die Martianus-Capella-Bearbeitung Notkers des Deutschen. Band 1: Untersuchungen, Band 2: Übersetzung von Buch I und Kommentar. Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-89116-5
  • Mariken Teeuwen: Harmony and the Music of the Spheres. The Ars Musica in Ninth-Century Commentaries on Martianus Capella. Brill, Leiden 2002, ISBN 90-04-12525-6
  • Mariken Teeuwen, Sinéad O’Sullivan (Hrsg.): Carolingian Scholarship and Martianus Capella. Ninth-Century Commentary Traditions on De nuptiis in Context. Brepols, Turnhout 2011, ISBN 978-2-503-53178-6

Siehe auch

Weblinks

Anmerkungen

  1. Zur Datierungsproblematik siehe Sabine Grebe: Martianus Capella: ‚De nuptiis Philologiae et Mercurii‘, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 16–21.
  2. Danuta Shanzer: A Philosophical and Literary Commentary on Martianus Capella’s De Nuptiis Philologiae et Mercurii Book 1, Berkeley 1986, S. 2; Sabine Grebe: Martianus Capella: ‚De nuptiis Philologiae et Mercurii‘, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 12–15; Jean-Yves Guillaumin (Hrsg.): Martianus Capella: Les noces de Philologie et de Mercure, Bd. 7, Paris 2003, S. IX f.
  3. Danuta Shanzer: A Philosophical and Literary Commentary on Martianus Capella’s De Nuptiis Philologiae et Mercurii Book 1, Berkeley 1986, S. 4; Sabine Grebe: Martianus Capella: ‚De nuptiis Philologiae et Mercurii‘, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 33.
  4. Danuta Shanzer: A Philosophical and Literary Commentary on Martianus Capella’s De Nuptiis Philologiae et Mercurii Book 1, Berkeley 1986, S. 21–28; Sabine Grebe: Martianus Capella: ‚De nuptiis Philologiae et Mercurii‘, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 21 f.; Samuel I. B. Barnish: Martianus Capella and Rome in the Late Fifth Century. In: Hermes 114, 1986, S. 98–111, hier: 107 f.
  5. Danuta Shanzer: A Philosophical and Literary Commentary on Martianus Capella’s De Nuptiis Philologiae et Mercurii Book 1, Berkeley 1986, S. 5–17; Sabine Grebe: Martianus Capella: ‚De nuptiis Philologiae et Mercurii‘, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 19–21; Jean-Yves Guillaumin (Hrsg.): Martianus Capella: Les noces de Philologie et de Mercure, Bd. 7, Paris 2003, S. X–XVI.
  6. Samuel I. B. Barnish: Martianus Capella and Rome in the Late Fifth Century. In: Hermes 114, 1986, S. 98–111.
  7. Martianus Capella, De nuptiis Philologiae et Mercurii 891.
  8. Ilsetraut Hadot: Martianus Capella, Mittler zwischen griechisch-römischer Antike und lateinischem Mittelalter. In: Arbogast Schmitt, Gyburg Radke-Uhlmann (Hrsg.): Philosophie im Umbruch, Stuttgart 2009, S. 15–33.
  9. Sabine Grebe: Martianus Capella: ‚De nuptiis Philologiae et Mercurii‘, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 571.
  10. Jean-Yves Guillaumin (Hrsg.): Martianus Capella: Les noces de Philologie et de Mercure, Bd. 7, Paris 2003, S. LXXXIX f.; eine der Ausgaben (Basel 1532) ist online.
Aristeides Quintilianus

Aristeides Quintilianus war ein antiker Musiktheoretiker. Seine Lebenszeit lässt sich nicht genau bestimmen. Da er Cicero in seinem Werk erwähnt und Martianus Capella ihn verwendet, lässt sie sich zwischen Mitte 1tes Jahrh. v. Chr. und 5tes Jahrh. n. Chr. einschränken. Inhalt und Grundhaltung seines Werkes lassen die Wende vom 1ten zum 2ten Jahrh. wahrscheinlich erscheinen. Über sein Leben ist nichts überliefert. Bekannt ist nur, dass er die aus drei Büchern bestehende Schrift Περι μουσικῆς (Über die Musik) in griechischer Sprache verfasste. Es ist eine enzyklopädieartige, umfangreiche Darstellung des musikalischen Umfeldes in der Antike. Sie umfasst die Musiktheorie (Harmonik, Rhythmik, Metrik), Erziehung und Heilung durch Musik, Instrumentenkunde, arithmetische Intervalllehre und philosophische Aspekte der Musik.

Attavante degli Attavanti

Attavante degli Attavanti (auch Gabriello di Vante; * 1452 in Castelfiorentino; † um 1525 in Florenz) war ein italienischer Maler.

Attavante war seit 1476 in der Ausführung von Miniaturmalereien in Bibeln, Meß- und Evangelienbüchern, Antiphonarien und Handschriften von Werken antiker Autoren für den Herzog von Urbino Federico da Montefeltro, für die Mediceer, den Dom von Florenz und besonders für König Matthias Corvinus von Ungarn tätig.

Er komponierte seine Randverzierungen, Kopfleisten, Initialen etc. mit einem großen Aufwand von Phantasie und Geschmack im Geiste der Frührenaissance und gab ihnen durch Einfügung von Nachbildungen antiker Gemmen, Büsten, Statuen, Edelsteine und von allerlei Tiergestalten einen großen malerischen und stofflichen Reiz. Seine Hauptwerke sind:

Meßbuch in der Bibliothek zu Brüssel (um 1485/87)

Handschrift des Martianus Capella (Markusbibliothek in Venedig)

Bibel in der Bibliothek des Vatikans

Bibel von sieben Bänden im Kloster Belem in PortugalAuch werden ihm drei Handschriften der Hamiltonschen Sammlung in Berlin zugeschrieben.

Blitzlehre

Die Blitzlehre war ein zentraler Bestandteil der religiösen Lehren und Praktiken der Etrusker, die von den Römern als Etrusca disciplina bezeichnet wurden. Weitere bedeutende Wahrsagepraktiken waren die Leberschau und die Deutung des Vogelflugs. Die Ausübung der Wahrsagekunst war den Priestern (Haruspices) vorbehalten. Einen Priester bei der Beobachtung und Deutung von Blitzen bezeichnete man auch als Fulgurator (lat.; Plural: Fulguratores. selten auch Fulguriator oder Fulgerator). Die Römer übernahmen die Blitzlehre im Wesentlichen von den Etruskern, sie war aber nicht von so großer Bedeutung im römischen Kult.

Bronzeleber von Piacenza

Die Bronzeleber von Piacenza ist ein Modell einer Schafsleber aus dem späten 2. oder frühen 1. Jahrhundert v. Chr. und diente vermutlich als Lehrmodell für etruskische Priester (Haruspices) bei der Leberschau. Die Leber galt in der Antike als Hauptstück der Eingeweide und neben dem Herz als Zentralorgan des Lebens. Der den Makrokosmos gestaltende Götterwille spiegelte sich nach antiker Auffassung im Mikrokosmos der Leber. Aufgabe der Priester war es, die Götterregionen auf der Leber zu kennen und auffällige Zeichen richtig zu deuten. Mit Hilfe der Bronzeleber konnten die etruskischen Blitzgötter der 16 Himmelsregionen weitgehend identifiziert werden.

Capella

Capella steht für:

Capella, zeitweilig gültige Gattungsbezeichnung der Sumpfschnepfen, siehe Bekassinen#Systematik

Capella (Huesca), spanischen Gemeinde in der Autonomen Gemeinschaft Aragonien

Capella (Kartoffel), eine Kartoffelsorte

Capella (Mondkrater), ein Einschlagkrater auf der Mondvorderseite

Capella (Software), ein Programm zum Notensatz mit dem Computer

Capella (Schiff, 1943), Betonschiff

Capella (Schiff, 1944), ehemaliger Kriegsfischkutter KFK 334

Capella (Schiff, 1957), niederländisches Frachtschiff

Capella (Schiff, 2004), deutsches Vermessungsschiff

Capella (Stern), Hauptstern des Sternbilds Fuhrmann

Capella-Orkan, schwerer Sturm in Mitteleuropa im Jahr 1976

Capella Rocks, Gebirgskamm im Palmerland, Antarktika

Mazda Capella, ein AutomodellCapella ist der Familienname folgender Personen:

Gaius Herennius Capella, römischer Konsul 119

Galeazzo Flavio Capella (1487–1537), italienischer Schriftsteller und Staatsmann

Martianus Capella, römischer Enzyklopädist des 5. oder frühen 6. Jahrhunderts

Richard de Capella († 1127), Bischof von HerefordMusikensembles

Capella Concertante, Bläserquintett aus Österreich

Capella vocalis, deutscher KnabenchorSiehe auch:

A cappella

Cappella

Capela

Capella (Mondkrater)

48.13

Capella ist ein Einschlagkrater auf der Mondvorderseite nördlich des Mare Nectaris, unmittelbar östlich des Kraters Isidorus, dessen östlicher Wall von Capella überdeckt wird, und nordwestlich von Gaudibert.

Der Krater ist sehr stark erodiert, das Innere ist uneben und weist einen Zentralberg auf.

In nordwestlicher und südöstlicher Richtung verläuft das Mondtal des Vallis Capella, dessen mittlerer Teil von Capella überlagert wurde.

Der Krater wurde 1935 von der IAU nach dem spätantiken römischen Enzyklopädisten Martianus Capella offiziell benannt.

Categoriae decem

Categoriae decem (Zehn Kategorien), auch Paraphrasis Themistiana genannt, ist eine lateinische Zusammenfassung der Kategorienschrift des Aristoteles. Sie wird u. a. auf das 4. Jahrhundert datiert und im Kreis um Themistius bzw. im neuplatonischen Kontext verortet und u. a. Vettius Agorius Praetextatus zugeschrieben. Bisweilen wird sie auch erst auf das 8. bis 9. Jahrhundert datiert, z. B. Remigius von Auxerre zugeschrieben. Traditionell wurde das Werk Augustinus zugeschrieben, was aber unhaltbar ist, wie bereits von den Herausgebern der Textausgabe von 1674 (wiederabgedruckt bei Migne) bemerkt wurde.Um 370 beschreibt Augustinus den Enthusiasmus für die aristotelische Kategorienschrift in lateinischen Schulen, was sich, schließt man mit guten Gründen eine Verwendung des griechischen Textes aus, nur auf drei lateinische Editionen beziehen kann: die Kapitel in De nuptiis Philologiae et Mercurii von Martianus Capella, die (nicht überlieferte) Übersetzung von Marius Victorinus oder eben die Categoriae Decem. Auch Isidor von Sevilla (um 560 – 636) verwendet nicht die Übersetzung des Boethius, sondern Fragmente aus Cassiodorus (der selbst wiederum Boethius verwendete), Martianus Capella und den Categoriae decem.Die Categoriae decem waren eine der wichtigsten Quellen für den frühen mittelalterlichen europäischen Logikunterricht, vor allem im 9. und 10. Jahrhundert. Das Werk wurde von Heiricus von Auxerre (ca. 835 – ca. 887) glossiert. Solange die genuine aristotelische Schrift nicht vorlag, wurden die Categoriae decem meist für eine vollständige lateinische Übersetzung derselben gehalten. Wichtigen Einfluss übten die Categoriae u. a. aus auf Johannes Scotus Eriugena, Ratramnus von Corbie, Fridugisus von Tours und vor allem Alkuin, der für die breite Verwendung im Rahmen des fränkischen Bildungssystems verantwortlich wird. Im 11. Jahrhundert nimmt der Einfluss der Categoriae decem ab, da die echte aristotelische Schrift in lateinischer Übersetzung zugänglich wird; jüngere lateinische Übersetzungen stammen u. a. von Boethius (510), einem anonymen Übersetzer des 9. oder 10. Jahrhundert und schließlich Wilhelm von Moerbeke (1266).

Etymologiae

Die Etymologiae (sive origines) sind eine Enzyklopädie von Isidor von Sevilla (ca. 560 bis 636).

Isidor von Sevilla (auch bekannt als Isidorus Hispalensis), der „Lehrmeister Spaniens“, veröffentlichte um 623 (630 (?)) die Etymologiae (auch bekannt als Origines; voller Titel: Originum seu etymologiarum libri XX; auch: Etymologiarum sive originum libri XX(?); dt.: „Zwanzig Bücher der Etymologien oder Ursprünge“). Isidor versuchte in dieser Enzyklopädie, das gesamte weltliche und geistliche Wissen seiner Zeit zu vereinen.

Die Etymologiae orientieren sich an den Artes liberales, ergänzen diese jedoch um einen Abriss der damals bekannten Weltgeschichte. Das „Grundbuch des ganzen Mittelalters“ (E. R. Curtius) wurde aus unterschiedlichsten Vorlagen zusammengestellt.

Der Druck der Etymologiae von 1472 enthält als Illustration zu Isidors Text den ersten Kartendruck des Abendlandes. Die einfache Karte ist im T-O-Stil als Radkarte ausgeführt.

Fracanzano da Montalboddo

Fracanzano da Montalboddo ist Herausgeber der 1507 in Vicenza gedruckten Anthologie Paesi novamente retrovati, der ersten gedruckten, umfassenden Sammlung von Entdeckerberichten der frühen Neuzeit.Erstmals wird er in Vicenza in einem Testament vom 12. August 1495 als „francisco .q. vitalis de monte alboto marchiae anconitanae professore grammaticae“ erwähnt; Monte Alboto ist identisch mit dem heutigen Ostra in der Provinz Ancona. 1499 gab er das lateinische Lehrwerk De nuptiis Philologiae et Mercurii von Martianus Capella heraus. Dieses wurde, wie später auch die Paesi novamente retrovati, bei Enrico Ca’ Zeno in Vicenza gedruckt. Im Vorwort tritt er als „Francisc[us] Vitalis Bodian[us]“ in Erscheinung, in einem Brief an den venezianischen Drucker Aldo Manuzio unterzeichnet er mit „Franciscus Vitalis Bodianus tuus cognomento Fracantianus“; er spricht dort eine Tätigkeit als Privatlehrer an. In den Libri degli Estimi von Vicenza ist er in den Jahren 1505 und auch noch 1519 aufgeführt, er wird dort als „grammatico“ bzw. „profesori de gramaticha“ verzeichnet.

Hans Günter Zekl

Hans Günter Zekl (* 22. Januar 1939 in Troppau; † 15. April 2016 in Korbach) war ein deutscher Klassischer Philologe, Philosophiehistoriker, Übersetzer und Gymnasiallehrer.

Nach dem Studium der Klassischen Philologie und Philosophie in Marburg und München wurde Zekl 1968 mit einer Dissertation über Platons Dialog Parmenides an der Universität Marburg promoviert. Ab 1972 unterrichtete er Latein und Ethik an einem Gymnasium. Darüber hinaus arbeitete er als Herausgeber, Übersetzer und Interpret philosophischer Texte der griechischen und römischen Antike sowie der frühen Neuzeit, wiederholt in Zusammenarbeit mit dem Marburger Kant-Forscher Klaus Reich (Platon: Timaios; Aristoteles: Organon, Physik, Metaphysik; Cicero; Diogenes Laertios; Porphyrios; Proklos; Martianus Capella; Nicolaus Copernicus; Petrus Ramus; Rudolph Goclenius, von dem er drei akademische Festreden wieder aufgefunden hat; René Descartes). Im Jahr 1990 legte er eine umfangreiche Untersuchung zur aristotelischen Lehre vom Raum vor.

Marcus Meibom

Marcus Meibom (latinisiert auch Marcus Meibomius; * wohl 1630 in Tönning; † 1710 in Utrecht) war ein dänischer Altphilologe, Musiktheoretiker, Mathematiker, Antiquar und Bibliothekar.

Marcus Meiboms bedeutendstes Werk erschien 1652, als er erst 22 Jahre alt war. In seiner Schrift Antiquae musicae auctores septem stellte er die altgriechischen musiktheoretischen Schriften von Aristoxenos, Euklid, Nikomachos von Gerasa, Alypios, Gaudentois, Bakcheios sowie Aristeides Quintilianus zusammen. Dazu bot er eine selbst gefertigte Übersetzung der Texte ins Lateinische. Zudem veröffentlichte er dort auch den lateinischen Text des siebten Buches von De nuptiis Philologiae et Mercurii des Martianus Capella. Für einen Teil der Schriften handelte es sich um die editio princeps. Das Werk blieb bis zum Erscheinen von Musici scriptores Graeci von Karl von Jan im Jahr 1895 das maßgebliche Werk auf dem Gebiet und blieb auch danach noch in Teilen für die Forschung nützlich. Seine Forschungen zur antiken Musik brachten Meibom eine Einladung an den schwedischen Hof von Königin Christina ein. Dort versuchte er die antike griechische Musik aufzuführen, womit er jedoch scheiterte, was zu harscher Kritik beispielsweise von Isaac Vossius führte. 1653 bis 1663 war er Bibliothekar in Kopenhagen.

Neben der Forschung zur Musik beschäftigte Meibom sich auch mit anderen altphilologischen Studien. So überarbeitete er Ambrosius Civenius’ lateinische Übersetzung von Diogenes Laertios’ Geschichte der Philosophie aus dem 15. Jahrhundert; diese erstmals 1592 erschienene Arbeit wurde danach immer wieder in spätere Diogenes-Ausgaben übernommen. Epiktet übersetzte er ins Lateinische und kommentierte sein Werk ebenso wie die Tabula Cebetis, die beide erst posthum durch Adriaan Reland publiziert wurden. Er widmete sich der Textkritik des hebräischen Alten Testaments, untersuchte insbesondere das Versmaß, und forschte zu den mathematischen Proportionen, die der Musiktheorie nahestehen.

Meibom galt als exzentrische und polemische Persönlichkeit, über die viele Anekdoten kursierten.

Martianus

Martianus hießen folgende Personen:

Martianus von Tortona (2. Jh. n. Chr.), Bischof von Tortona und Heiliger

Martianus Capella (5. Jh. n. Chr.), römischer Enzyklopädist

Martianus (Bischof), Bischof von Konstanz 629–639Siehe auch: Marcianus

Nortia

Nortia ist eine etruskische Göttin.

Vermutlich entsprach die Vorstellung von Nortia ungefähr der Idee von Fortuna, der römischen Glücksgöttin. Benjamin Hederich setzt sie allerdings mit Pomona gleich. In Rom hatte Nortia wohl keinen eigenen Kult, aber alljährlich wurde in ihren Tempel in Volsinii ein Nagel eingeschlagen. Die gleiche Sitte bestand in Rom; hier wurde immer an den Iden des September ein Nagel in den Tempel des Jupiter Capitolinus eingeschlagen, wie Livius berichtet. Der Geschichtsschreiber meint, dieser Brauch stelle eine Art Kalender dar; heute geht man jedoch eher davon aus, dass die Nägel nicht der Jahreszählung dienten, sondern eine apotropäische Wirkung hatten.

Zu Nortias Wirken als Glücksgöttin vgl. Martianus Capella 1, 88 und Schol. Iuv. 10, 74; über den in Rom nicht vorhandenen Kult äußert sich Varro bei Tert. apol. 24.

In den toskanischen Sagen lebt Nortia als die Koboldin von Norcia weiter.

Notker III.

Notker III., genannt Notker Labeo, Notker Teutonicus oder Notker der Deutsche (* um 950 im Thurgau; † 28. Juni 1022 in St. Gallen), war Benediktiner­mönch und Leiter der Klosterschule in St. Gallen. Er war der erste Aristoteles-Kommentator des Mittelalters und der bedeutendste Übersetzer vor Luther.

Pherekrateus

Der Pherekrateus ist in der antiken Metrik ein siebensilbiges äolisches Versmaß. In der metrischen Formelnotation wird es mit pher abgekürzt. Man unterscheidet die folgenden beiden Formen:

1. Pherekrateus (pher1): —◡◡—◡—◡

2. Pherekrateus (pher2): ◡◡—◡◡—◡Das Versmaß ist nach dem attischen Komödiendichter Pherekrates benannt.

Der Pherekrateus kann als katalektischer Glykoneus aufgefasst werden. Er erscheint als dritter Vers in der asklepiadeischen Strophe, zum Beispiel bei Horaz, oder als vierter Vers in der glykoneischen Strophe, zum Beispiel bei Catull. Bei Martianus Capella findet er sich monostichisch.

Wird allgemein vom "Pherekrateus" gesprochen, ist zumeist der 2. Pherekrateus gemeint.

In der deutschen Dichtung finden sich beide Formen des Verses in Friedrich Leopold Stolbergs Wiegenlied zu singen für meine Agnes; die ersten beiden Verse jeder Strophe sind 1. Pherekrateen, der dritte Vers, der als Kehrreim durch alle Strophen wiederkehrt, ist ein 2. Pherekrateus. Die erste Strophe:

Vierzeilige Strophen mit ausschließlich 2. Pherekrateen verwendet Josef Weinheber in einer vierstrophigen Ode. Die erste Strophe:

Häufig wird der Pherekrateus im Zusammenspiel mit anderen Versen verwendet. Ludwig Hölty nutzt für die Gedichte Maigesang und An Daphne eine der glykoneischen Strophe (auf drei Glykoneen folgt ein Pherekrateus) entsprechende pherekratische Strophe (auf drei Pherekrateen folgt ein Glykoneus). Die erste Strophe von An Daphne:

Der Vergleich des ersten mit dem vierten Vers verdeutlicht dabei die enge Verwandtschaft von Glykoneus und Pherekrateus.

Die asklepiadeische Strophe wurde auch in der deutschen Odendichtung viel genutzt; in ihr findet sich der Pherekrateus als dritter Vers, wie in der ersten Strophe von Friedrich Gottlieb Klopstocks bekanntem Gedicht Der Zürchersee:

Der Pherekrateus erscheint auch als Bestandteil größerer Verse. Der Priapeus ist zusammengesetzt aus einem Glykoneus und einem ihm folgenden Pherekrateus; der erste Vers von Friedrich Rückerts An J. von Hammer:

"Sprach mit wichtiger Miene" ist der Pherekrateus. Im Hexameter kann der erste Halbvers die Form eines Pherekrateus annehmen, wenn bei dreisilbigem dritten Fuß die Zäsur zwischen dessen leichten Silben liegt (Katà tríton trochaíon); Der erste Vers von Johann Wolfgang Goethes 21. venezianischem Epigramm:

"Emsig wallet der Pilger!", der erste Halbvers hat die Form eines Pherekrateus.

Remigius von Auxerre

Remigius von Auxerre, lateinisch: Remigius Autissiodorensis, französisch: Remi d’Auxerre (* um 841 in Burgund; † um 908) war ein Benediktinermönch, Lehrer und Verfasser von Kommentaren zur Bibel und antiken Texten.

Sabine Grebe

Sabine Grebe (* 25. März 1959 in Mannheim; † 13. Dezember 2009 in Guelph) war eine deutsche Altphilologin.

Sabine Grebe studierte Klassische Philologie und Alte Geschichte an der Universität Heidelberg, wo sie 1983/1984 das Erste Staatsexamen ablegte und anschließend bei Michael von Albrecht ihre Doktorarbeit über die Heldenschau in Vergils Aeneis schrieb. Von 1985 bis 1987 war sie Promotionsstipendiatin der Graduiertenförderung des Landes Baden-Württemberg.

Nach der Promotion (1988) absolvierte Grebe das Referendariat für den höheren Bibliotheksdienst an der Universitätsbibliothek Heidelberg und an der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen in Köln. Außerdem wirkte sie als Dozentin und Forscherin an der Universität Heidelberg, an der Colgate University und an der Wayne State University. 1997 habilitierte sie sich in Heidelberg mit einer Arbeit über Martianus Capella. Am Clare Hall College der University of Cambridge war sie Life Member.

Seit 2005 lehrte Grebe an der University of Guelph in Kanada, wo sie 2009 zum Associate Professor ernannt wurde. Im selben Jahr erkrankte sie an Brustkrebs, dem sie am 13. Dezember 2009 im Alter von 50 Jahren erlag.

Sieben freie Künste

Die sieben freien Künste (lateinisch septem artes liberales, seltener auch studia liberalia) sind ein in der Antike entstandener Kanon von sieben Studienfächern. Aus den freien Künsten bestand traditionell die einem freien Mann ziemende Bildung, ihre Siebenzahl ist aber erst in der Spätantike bezeugt. Im mittelalterlichen Lehrwesen galten sie als Vorbereitung auf die Fakultäten Theologie, Jurisprudenz und Medizin.

Urania

Urania (altgriechisch Οὐρανία Uranía; Betonung lateinisch und deutsch auf der zweiten Silbe: Urania) ist in der griechischen Mythologie die Muse der Sternkunde (Astronomie) – namentlich abgeleitet von Uranos, dem Himmel in Göttergestalt. Ihre Zeichen, mit denen sie dargestellt und beschrieben wird, sind Himmelsglobus und Zeigestab, oftmals in Händen gehalten, teilweise auch mit dem Stab in der linken Hand auf einen Globus am Boden zeigend.

Vom Gott Apoll wurde sie nach einigen Quellen auch die Mutter des Hymenäos und des Linos.

In der Spätantike (Macrobius, Martianus Capella) wurde die pythagoreische Vorstellung von der Sphärenharmonie so ausgestaltet, dass die Musen für die einzelnen Himmelssphären zuständig waren; dabei wurde Urania der Fixsternhimmel und damit der höchste Ton in der Sphärenharmonie zugewiesen.

Urania ist unter anderem Namensgeberin des Asteroiden Urania und der Sternwarte Uraniborg auf der Insel Hven. Die 1888 gegründete Berliner Gesellschaft Urania hatte bedeutende Beispielwirkung. Viele astronomische Observatorien und naturwissenschaftlich orientierte bürgerliche Volksbildungsvereine übernahmen diesen Namen, so die betreffenden Volkssternwarten Wien, Zürich, Jena und in Antwerpen sowie die Astronomische Gesellschaft Urania Wiesbaden. Auch in Frederiksberg bei Kopenhagen wurde im Dronning Olgas vej eine solche Urania eingerichtet.

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