Konfuzius

Konfuzius – latinisiert aus Kong Fuzi (chinesisch 孔夫子, Pinyin Kǒng Fūzǐ, W.-G. K'ung-fu-tzu ‚Lehrmeister Kǒng‘) – im Chinesischen auch Kǒng Zǐ (孔子, K’ung-tzǔ ‚Meister Kǒng‘, veraltet nach Wilhelm Kung-tse[1], Vissière Kong-tseu[2] transkribiert) genannt, war ein chinesischer Philosoph zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie. Er lebte vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr. und wurde unter dem Namen Kong Qiu (孔丘, Kǒng Qiū, K’ung Ch’iu) in der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu (der heutigen Provinz Shandong) geboren, wo er auch starb.

Das zentrale Thema seiner Lehren war die menschliche Ordnung, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei. Als Ideal galt Konfuzius der „Edle“ (jūnzĭ, 君子), ein moralisch guter Mensch. Edel kann der Mensch dann sein, wenn er sich in Harmonie mit dem Weltganzen befindet: „Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint“, sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. „Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht“ galten ihm als erstrebenswert. Den Weg hierzu sah Konfuzius vor allem in der Bildung.

Confucius Tang Dynasty
Konfuzius, traditionelle Darstellung aus der Tang-Zeit

Namensgeschichte

Kǒng Zǐ war Namensgeber für die im Westen als Konfuzianismus bekannten Lehren der Schule der Gelehrten. Ein anderer Name, der in der Literatur gefunden werden kann, ist 孔夫子, Kǒng Fūzǐ, (höflichere Anrede) zu Deutsch Meister Konfuzius. Die Endung „-us“ hat ihren Ursprung darin, dass seine Texte zuerst von Jesuiten ins Lateinische übertragen wurden. So wurde aus „Kǒng Fūzǐ“ „Konfuzius“. Eine andere häufige Transkription nach Stange ist Kung Fu Tse. Sein eigentlicher Name ist Kǒng Qiū (Qiū aus der Familie Kǒng) und er selbst nennt sich im Lùnyǔ meist „Qiū“.

Die Familie Kǒng besteht weiterhin in gerader Linie und dürfte damit eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Welt sein. Wegen des Alters des Familienstammbaums gibt es heute Tausende Familien, die ihr Geschlecht direkt auf Kǒng zurückführen können. Am tempelartigen Anwesen von Kǒng Zǐ hat die Familie einen eigenen Friedhof, auf dem noch heute Angehörige beerdigt werden, die nachweislich der Familie Kǒng angehören.

Ein Nachfahre der 75. Generation lebt heute in Taiwan. Auch eine Familie Kǒng in Qufu führt ihren Stammbaum auf Konfuzius zurück.

Leben

Über Leben und Taten des Konfuzius gibt es eine ausführliche Überlieferung. Die Glaubwürdigkeit der Überlieferung ist im Einzelnen umstritten.[3] Die folgende Darstellung orientiert sich an dieser Überlieferung (Shiji) und Autoren der Gegenwart.

Traditionelle Biographie

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Konfuziusgrab am Ende des 19. Jahrhunderts
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Standbild des Konfuzius in Berlin-Marzahn (2008)

Über das Leben und Wirken des Konfuzius berichtet ein ausführliches Kapitel in den historischen Annalen (Shiji) von Sima Qian, der Jahrhunderte später während der Han-Dynastie lebte und schrieb. Hier heißt es: Die Vorfahren des Konfuzius waren die Könige von Shang, denen der König von Zhou nach dem Sturz der Shang-Dynastie das Lehen von Song gegeben hatte. Die Familie verarmte jedoch später. Bereits in früher Jugend verlor Konfuzius seinen Vater und wurde als Halbwaise von seiner Mutter allein aufgezogen.

Mit 19 Jahren heiratete Konfuzius und trat in den Dienst des Staats Lu ein. Mit 50 Jahren soll es ihm gelungen sein, einen Ministerposten zu erlangen. Diesen Posten soll er jedoch bereits ein paar Jahre später wieder enttäuscht quittiert haben. Anschließend zog er mit seinen Schülern als Wanderlehrer von einem Lehensstaat zum anderen und wirkte als Berater an verschiedenen Fürstenhöfen. Drei Jahre vor seinem Tod kehrte er in seinen Heimatstaat Lu zurück. Erfolg war ihm zu Lebzeiten nicht beschieden. Erst seine Schüler bauten seine Lehre aus und gewannen Einfluss.

Zwei Jahre nach seiner Geburt, 551 v. Chr. in Lu (dem heutigen Shandong), starb sein Vater, und der junge Konfuzius erhielt 539–533 v. Chr. Privatunterricht bei seinem Großvater. Mit 19 Jahren heiratete er. In den Jahren 532–502 v. Chr. war er als Scheunenaufseher sowie in anderen niederen Beschäftigungsverhältnissen tätig.

Seine Mutter starb 529 v. Chr. Nach einem angeblichen Treffen mit Laozi in Luoyang 518 v. Chr. musste er zwei Jahre später die Flucht vor internen Machtkämpfen ergreifen und Exil im Nachbarstaat Qi suchen. Nach seiner Rückkehr nach Lu begann etwa 500 v. Chr. der politische Aufstieg des Konfuzius. Er wurde zunächst Bauminister und dann Justizminister von Lu und schließlich 498 v. Chr. stellvertretender Kanzler.

497 v. Chr. nahm Herzog Ding von Lu 80 Singmädchen als Geschenk des Nachbarstaats Qi entgegen, woraufhin Konfuzius abermals ins Exil ging. Auch höfische Intrigen bewogen ihn, das Land zu verlassen und sich auf eine 13-jährige Wanderschaft durch verschiedene Staaten zu begeben. Er besuchte nacheinander

  • 495 v. Chr. Staat Wei
  • 494 v. Chr. Staat Chen
  • 492 v. Chr. Wei, dann Jin
  • 490 v. Chr. Staat Cai
  • 489 v. Chr. Auseinandersetzungen zwischen Chen und Cai ließen Konfuzius fast verhungern
  • 488 v. Chr. Staat Wei

Erst 484 v. Chr. erfolgte die Rückberufung nach Lu. Dort erlebte er 482 v. Chr. den Tod seines Sohnes Bo Yu und 481 v. Chr. den Tod von Yan Hui und die Ermordung des Herzogs von Qi. Dies wird auch als der Beginn der „Zeit der Streitenden Reiche“ bezeichnet. 480 v. Chr. starb sein Schüler Zilu auf dem Schlachtfeld, und ein Jahr später starb auch Konfuzius selbst.[4]

Lehre

Von Konfuzius selbst sind keine Schriften überliefert. Seine Lehren wurden erst ca. 100 Jahre später von seinen Anhängern niedergeschrieben. Am meisten über seine Gedankenwelt erfahren wir aus den Gesprächen (Lúnyǔ, 論語 / 论语), heute als Analekten des Konfuzius bekannt, in denen viele seiner Aussprüche überliefert sind.[5]

Konfuzius war ein ju und der Gründer der Ju-Schule, die im Westen als Konfuzianische Schule bekannt gewesen ist. Der in seiner Zeit als bedeutend eingeschätzte Philologe Liu Xin (46 v. Chr. – 23. n. Chr.) schrieb in den Zusammenfassungen seiner textvergleichenden Forschungen in der kaiserlichen Bibliothek mit Blick auf diese Schule, dass sie „mit dem Studium der Liu Yi erfreute und vor allem Angelegenheiten wie Menschlichkeit und Rechtschaffenheit betonte“. Der Terminus Liu Yi bedeutet die ‚sechs Künste‘, z. B. die sechs freien Künste, doch wird er im Allgemeinen mit die „Sechs Klassiker“ übersetzt.[6]

Die Lehre des Konfuzius prägte die Philosophie, Staats- und Soziallehre Chinas und beeinflusste über Jahrhunderte Politik und Moral des Landes. Sie wirkte auch auf die Politik und das Denken in Japan und Korea. Dort blieb sie als fremde, aber positive Anregung im Gedächtnis und wurde den Gegebenheiten angepasst. Gemeinsame Elemente dieser konfuzianisch geprägten Kulturen waren die Betonung der Sozialbeziehungen und sozialen Hierarchien, die Priorität der Innenpolitik vor der Außenpolitik und die Überzeugung, dass Menschen grundsätzlich erziehbar sind. Verworfen wurden Ideen, die einen sozialen und politischen Egalitarismus zuungunsten der hierarchischen Ordnung einrichten wollten. Für die Staatlehre ergab sich aus den Lehren des Konfuzius einerseits die Berechtigung der kaiserlichen Herrschaft, andererseits eröffnete sie den konfuzianistisch ausgebildeten Beamten des Hofes die Möglichkeit, die Macht des Herrschers und der Militärs einzuschränken. So diente sie dem am Gemeinwohl orientierten Interessenausgleich, oder, wie Konfuzianisten es formulierten, dem „Prinzip der Anwendung eines angemessenen Ausgleichs“.[7]

Mit den Worten des Konfuzius:

Die Erfahrung, dass jeder sich selber erziehen kann, ist der Anlass für die allgemeine Auffassung, dass jeder Mensch erziehbar sei, wie es in folgender konfuzianischer Spruchweisheit heißt:

Der Edle

Das einflussreichste Werk der ostasiatischen Geistesgeschichte ist das Lúnyǔ. Es enthält die vier konfuzianischen Grundtugenden:

Das menschliche Ideal ist für Konfuzius der Edle, der danach strebt, diese vier Tugenden zu verwirklichen. Dabei stellen diese für Konfuzius lediglich ein Ideal dar. Dies tritt in den Lúnyǔ ebenfalls hervor, wenn es über den Meister selbst heißt: „Ist das nicht jener Mann, der weiß, dass seine Ideen nicht zu verwirklichen sind, aber dennoch nicht davon ablässt?“[9] Auch Konfuzius selbst beansprucht nicht, dieses Ideal zu erfüllen (XIV,28):

»Zum Weg des Edlen gehört dreierlei, aber ich bewältige es nicht: Richtiges Verhalten zu anderen Menschen – es befreit von Sorgen. Weisheit – sie bewahrt vor Zweifeln. Entschlossenheit – sie überwindet die Furcht.« Zi-gong bemerkte: »So beurteilt der Meister sich selbst.«[10]

Derjenige, vor dem Konfuzius die größte Hochachtung hatte und der als Beispiel des wahrhaft Edlen galt, war Wu Tai Bo (吳太伯 / 吴太伯). Im 8. Kapitel (Lúnyǔ·Tàibó – 论语·泰伯) steht bereits zu Beginn des Kapitels über Wu Tai Bo geschrieben: „Tai Bo ist ein wahrhaft edler Mensch. Er hat einen sehr hohen moralischen Charakter. Drei Male hatte er dem eignen Königsthron entsagt. Für das gemeine Volk lassen sich keine richtigen Worte finden, ihn zu loben.“[11]

Der Weg ist das Ziel[12]

Der Edle bemüht sich, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen, aber er weiß um die Unerreichbarkeit. Redliches Bemühen ist also das faktische Tun, während das Ideal die Wunschvorstellung für das eigene Handeln ist. Danach zu streben, ist eine Bedingung, edel zu werden (VII,8):

Menschlichkeit

Dieses Streben braucht einen Maßstab, um die eigene Lebensführung eigenverantwortlich gestalten zu können. Den hat jeder in sich, meint Konfuzius und kann ihn daher jederzeit benutzen. Dieser Maßstab ist die eigene Menschlichkeit (rén, ), die als Vorbild dafür dient, Menschlichkeit zu praktizieren. Letzteres hält Konfuzius für leicht, wenn er sagt: „Ist ren wirklich weit weg? Ich sehne mich nach rén und es ist in Ordnung! rén ist zur Hand.“ (Analekten VII, 29)[14] Man braucht also keine speziellen Anlagen, ein Edler zu werden, das kann jeder durch eine entsprechende Unterweisung erreichen (XVII,2): „Von Natur aus sind die Menschen einander ähnlich. Durch die Erziehung (die Unterweisung) entfernen sie sich voneinander.“[15]

Bildung

Die Tatsache, dass die Menschen unterschiedlich sind, heißt nicht, dass sie dies ihrer Veranlagung nach sind. Wer diesen Irrtum zum Anlass nimmt, Menschen den Zugang zu Bildung zu verwehren, weil jene ihrer Veranlagung nach ungeeignet seien, der verkennt die Ursache (Erziehung) der Unterschiede zwischen Menschen. Deshalb fordert Konfuzius (XV,39):

„Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen.“[16]

Dem Lernen wird bei Konfuzius eine hohe Priorität eingeräumt. Es ist das bevorzugte Mittel, den Edlen zu formen, zu bilden – der Edle ist also wortwörtlich gebildet. Der erste Satz des Lùnyǔ lautet: „Lernen und das Gelernte zur rechten Zeit anwenden, ist das nicht auch eine Freude?“ Das Lernen ist für Konfuzius das, was den Menschen erst zum Menschen macht; als kulturelles Wesen ist er dadurch bestimmt, dass er Wissen durch Traditionsbildung weitergibt. Wesentlich ist dabei, dass Bildung untrennbar mit der moralischen Forderung nach Selbstkultivierung verbunden ist (XIV,24): „Konfuzius sprach: »Im Altertum lernte man, um sich selbst zu vervollkommnen; heute dagegen lernt man, um anderen gegenüber etwas zu gelten.«“[10] Konfuzius lehnte es ab, Bildung als bloßes Mittel für egoistische und niederträchtige Zwecke einzusetzen. Zu lernen und sich zu bilden ist dabei für Konfuzius eine Aufgabe, die jedem zukommt (XI, 25):

„[Der Schüler] Zi-gao wurde durch Zi-lu [einen anderen Schüler] zum Präfekten von Bi ernannt. Konfuzius meinte dazu: »Damit verdirbst du fremder Leute Sohn.« Zi-lu rechtfertigte sich: »Er hat dort Land und Leute zu regieren. Warum muss man unbedingt Bücher lesen, um etwas zu lernen?« Doch der Meister erwiderte: »Wegen solcher Art Ausreden erregen zungenfertige Leute deines Schlags meinen Widerwillen.«“[17]

Allerdings gibt es für Konfuzius einen Unterschied zwischen „totem Wissen“ und wahrer Bildung (XIII,5):

„Konfuzius sprach: »Nehmen wir an, jemand kann alle dreihundert Stücke des ‚Buchs der Lieder‘ auswendig hersagen. Wird ihm aber eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, dann versagt er. … Ein solcher Mensch hat zwar viel gelernt, aber welchen Nutzen hat es?«“[18]

Philosophie des So-ist-es

Das erste Lehrstück im Lùnyǔ lautet:

Original Pinyin Übersetzung
學而時習之,
不亦說乎?
xué ér shí xí zhī,
bù yì yuè hū?
„Lernen und das Gelernte zur rechten Zeit anwenden, ist das nicht auch eine Freude?“
有朋自遠方來,
不亦樂乎?
yǒu péng zì yuǎn fāng lái,
bù yì lè hū?
„Wenn ein Freund von weit her kommt, ist das nicht auch ein Vergnügen?“
人不知而不慍,
不亦君子乎?
rén bù zhī ér bú yùn,
bù yì jūnzǐ hū?
„Von den Menschen verkannt zu werden, aber sich nicht zu grämen,
ist das nicht auch die Haltung eines Edlen?“

Konfuzius lehrte eine Philosophie des So-ist-es: „Wenn ein Freund von weit her kommt, ist das nicht auch ein Vergnügen?“ Das einflussreichste Werk in der ostasiatischen Geistesgeschichte beginnt mit einer einfachen Feststellung, nicht mit Spekulationen über erste Ursachen der Welt oder höchste Prinzipien, wie etwa in der griechischen Philosophie. Auch plagen Konfuzius keine Descartes’schen Zweifel, ob es die Außen-Welt wirklich gibt. Die Welt ist da und in ihr muss gelebt werden. Es geht Konfuzius nun darum, sie in ihrem So-sein zu bestimmen, ohne dieses auf andere Prinzipien zurückzuführen. Es herrscht also eine pragmatische Haltung gegenüber der Welt vor.

Ordnung als Bedingung für Freiheit

Zentraler Gegenstand der Lehre des Konfuzius ist die (Gesellschafts-)Ordnung, also das Verhältnis zwischen Kind und Eltern, Vorgesetzten und Untergebenen, die Ahnenverehrung, Riten und Sitten. Konfuzius lehrte, dass erst durch die Ordnung sich überhaupt Freiheit für den Menschen eröffnet. So wie die Regeln eines Spiels Bedingung dafür sind, dass die Freiheit des Spielens entsteht, bringt die wohlgeordnete Gesellschaft erst die Strukturen für ein freies Leben des Menschen hervor. Wie jeder Spieler aus Freiheit die Regeln akzeptiert, so akzeptiert auch der Edle Sittlichkeit und Pflichten. Ordnung unterdrückt also nicht die Freiheit, sondern eröffnet erst einen Handlungsraum, in dem menschliche Tätigkeiten einen Sinn bekommen. Ungeregelte, chaotische Zustände hingegen erzeugen ein Klima der Unfreiheit, des Zwangs und der Bedrängnis.

Während Konfuzius’ lebendige Lehre noch eine Biegsamkeit gegenüber den gesellschaftlichen Regeln umfasste, um diese vor dem Erstarren zu bewahren, wurden in Teilen des Konfuzianismus die Regeln zum Selbstzweck und begannen, tatsächlich mehr einschränkend als befreiend zu wirken. Diese potentielle Gefahr rigoristischer Ausartung muss Konfuzius bewusst gewesen sein, wenn er beispielsweise über die Geisterverehrung spricht (VI,22):

„[Der Schüler] Fan Chi fragte, was Weisheit sei. Konfuzius antwortete: »Zu den Pflichten stehen, die man gegenüber dem Volke hat, die Geister verehren, aber nicht darin aufgehen – das kann man Weisheit nennen.«“[19]

Konfuzius legte dabei großen Wert darauf, die Sittlichkeit, welche die gesellschaftlichen Beziehungen regelt, nicht unabhängig vom konkreten Menschen einzufordern. Wie sich jemand sittlich verhält, ist relativ zu seiner eigenen Person. Die zwischenmenschliche Ordnung folgt damit nicht einem starren Organigramm (XI,22):

„Zi-lu fragte den Meister, ob er das, was er über die Grundsätze des rechten sittlichen Verhaltens gehört habe, auch sofort anwenden solle. Konfuzius antwortete ihm: »Du hast doch Eltern und Brüder. Wie kannst du also sofort danach handeln wollen?«
Ran Qiu fragte den Meister, ob er das, was er über die Grundsätze des rechten, sittlichen Handelns gehört habe, auch sofort anwenden solle. Ihm aber antwortete Konfuzius: »Führe aus, was du gehört hast.«“[20]

Im selben Lehrstück erklärt Konfuzius hierzu: „Ran Qiu ist ein Mensch, der sich nur zögernd zum Handeln entschließt. Deshalb ermutige ich ihn. Zi-lu ist ein Draufgänger. Deshalb halte ich ihn zurück.“[20] Die angestrebte Ordnung gibt also nur eine Richtung vor, in die sich jeder Mensch seinen eigenen Kräften gemäß bewegen sollte.

Der Konfuzianismus

Begriffsbestimmung

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Konfuziusgrab in Qufu

Der Konfuzianismus ist eine der philosophisch-politischen Strömungen Chinas, die sich als Antwort auf eine tief greifende Krise der Gesellschaft herausgebildet haben und an die Lehre Konfuzius’ anschließt. Schon im Lùnyǔ sagt Konfuzius (XVIII,6): „Wäre die Welt in Ordnung, dann brauchte ich mich nicht damit abzugeben, sie zu ändern.“[21]

Der Begriff „Konfuzianismus“ ist allerdings eine westliche Prägung ohne genaues chinesisches Äquivalent. Der nächste chinesische Ausdruck Kǒngjiào (孔教 ‚Lehre des Konfuzius‘) – gebildet analog zu Fójiào (佛教 ‚Lehre des Buddha‘ = Buddhismus) und Dàojiào (道教 ‚Lehre des Dao‘ = Daoismus) – bezieht sich auf den religiösen Kult, der um die Person des Konfuzius betrieben wurde. Der in China gebrauchte Begriff Rújiā (儒家) lässt sich wörtlich als „Schule (, jiā) der Gelehrten (, )“ verstehen, wobei der Begriff „, rú“ aus der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen stammt und für die „dienende Gelehrtenschaft der Adelsschicht“ steht, die sich in Dichtung, Literatur, Riten und Musik auskennt und die gesellschaftlich der meist in der Kriegskunst bewandten Herrscherschicht unterstellt war.

Politisch-kulturelle Verwendung

Der Schwierigkeit, zu bestimmen, was „Konfuzianismus“ überhaupt sei, steht eine sehr undifferenzierte Alltagsverwendung des Begriffs im Westen gegenüber. Das Etikett „konfuzianisch“ wird hier meist für das ethische System verwandt, welches (umstrittenerweise) dem Verhalten von mit „konfuzianischem“ Hintergrund aufgewachsenen Chinesen (oder Koreanern) zugrundegelegt wird. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Verwender dieses Begriffes selbst keine Vorstellungen darüber haben, was diesen ‚Konfuzianismus‘ kennzeichnen könnte. Ähnliche Tendenzen sind im Zuge der Öffnung der chinesischen Märkte im Übrigen auch in China beobachtbar, wo Konfuzius seit Anfang der Neunzehnhundertneunzigerjahre wieder hoffähig ist. Hier dienen sie als Erklärungsmodell für das schnelle Wirtschaftswachstum und haben apologetische Funktion für das rasante Anwachsen sozialer Ungleichheit. So wird einseitig darauf hingewiesen, dass Konfuzius doch die Segnungen einer „stabilen politischen Ordnung“ betone, was mit der konfuzianischen „Harmonie“ verknüpft wird, einem Begriff, der besonders in den Jahren nach dem Millennium zum allgegenwärtigen Motto der kommunistischen Partei geworden ist. Dabei wird übergangen, dass Konfuzius ursprünglich die soziale Mobilität am Herzen lag. Gegenüber vererbten Machtstrukturen machte er als Aufstiegschance den Bildungsweg geltend, der einem jeden offenstehe:

„Vor Konfuzius war die Kultur das Geheimnis der Heiligen auf dem Thron. Durch Konfuzius, den „ungekrönten König“, wurde sie einer Schule von Gebildeten anvertraut, die als Berater und Minister von Herrschern und Königen dafür gesorgt haben, dass, wo sie Einfluss hatten, die Macht durch Recht und Sitte geheiligt wurde. … Das Problem des Konfuzius war die naturgemäße Organisation der Menschheit. Für den Aufbau seines Systems wählte er eine Ellipse mit zwei Brennpunkten. Der eine Brennpunkt war für ihn das Innere des Menschen, der andere die menschliche Gesellschaft.“ (Richard Wilhelm)

Schüler

Die Lehren des Konfuzius wurden von Zeng Zi an Zi Si, den Enkel des Meisters, weitergegeben und nach dessen Tod durch seine Schüler an Menzius.

Die Tradition nennt 77 herausragende Schüler des Konfuzius. Von diesen zeichneten sich Yan Yuan, Min Ziqian, Ran Boniu und Zhong Gong im Bereich der Tugendlehre aus. Ran You und Ji Lu waren bewandert in Regierungsangelegenheiten. Zai Wo und Zi Gong waren gute Redner, während Zi You und Zi Xia für ihre Kenntnis der Literatur bekannt waren.

Besonders erwähnt werden folgende Schüler:

  • 顏回 Yan Hui (30 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 閔損 Min Sun (15 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 冉雍 Ran Yong (29 Jahre jünger als Konfuzius): kam aus den niedrigsten Bevölkerungsschichten
  • 仲由 Zhong You (9 Jahre jünger als Konfuzius): ein derber Mann, der durch Konfuzius gemildert wurde, starb bei einer Revolte im Staat Wei
  • 宰予 Zai Yu: war in eine Revolte verwickelt, durch die er das Leben verlor
  • 端木賜 Duanmu Ci (31 Jahre jünger als Konfuzius): guter Redner und Debattierer, sehr reich
  • 卜商 Bu Shang (45 Jahre jünger als Konfuzius): Lehrer des Herzogs Wen von Wei, nach dessen Tod er so weinte, dass er erblindete
  • 澹臺滅明 Dantai Mieming (39 Jahre jünger als Konfuzius): hatte 300 Schüler
  • 原憲 Yuan Xian: sehr arm
  • 顓孫師 Zhuan Sunshi (48 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 曾參 Zeng Shen (46 Jahre jünger als Konfuzius): schrieb das Xiaojing
  • 樊須 Fan Xu (36 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 有若 You Ruo (43 Jahre jünger als Konfuzius): ähnelte dem Meister
  • 公冶長 Gongye Zhang: Schwiegersohn des Konfuzius
  • 南宮括 Nangong Guo: heiratete die Nichte des Konfuzius
  • 公皙哀 Gongxi Ai (42 Jahre jünger als Konfuzius)

Vier Bücher

Die Vier Bücher (四書 / 四书, Sì Shū) sind vier kanonische Bücher der konfuzianischen Lehre, die der Neokonfuzianer Zhu Xi im 12. Jahrhundert zusammenstellte.

Fünf Klassiker

Es gibt die so genannten Fünf Klassiker des Konfuzianismus, deren Studium Konfuzius empfiehlt:

  • 易經 Yijing (I-Ging), das Buch der Wandlungen (Vierundsechzig Hexagramme, Textbuch des Großwahrsagers)
  • 詩經 Shijing, das Buch der Lieder (Eine Sammlung alter Volkslieder)
  • 書經 Shujing, das Buch der Urkunden (Sammlung von Gesetzen und Erlassen mit Kommentierung)
  • 禮記 Liji, das Buch der Riten (Riten für den Umgang mit den Ahnen, dem König, der Familie)
  • 春秋 Chunqiu, die Frühlings- und Herbstannalen (eine Chronik der Ereignisse seines Heimatstaates Lu vom 8. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr.)

Die traditionelle Forschung glaubte, dass diese Bücher alle von Konfuzius verfasst oder zumindest von ihm bearbeitet und herausgegeben wurden. Die neuere Forschung stellt dagegen fest: „Es ist ... eine Tatsache, dass Konfuzius weder Autor, Kommentator, sogar nicht einmal Herausgeber einer dieser Klassiker war.“[22] Konfuzius hat alle diese Bücher vorgefunden und sie für seinen Unterricht verwendet.[23] Dies war die konfuzianische Art, sie zu empfehlen.

Dreizehn Klassiker

Darüber hinaus gibt es die sogenannten dreizehn Klassiker der kanonischen Konfuzius-Literatur, zu denen auch das Lúnyǔ gehört, das die Lehrgespräche des Konfuzius enthält. Das Lúnyǔ gehört auch bereits zu den Neun Klassikern, nicht aber zu den Fünf Klassikern.

Literatur

  • Christiane Haupt: Und der Meister sprach ... Die Darstellung des Konfuzius in Texten der Zhanguo- und Frühen Han-Zeit, Dissertation, München 2006 – PDF-Datei
  • Carl Crow: Konfuzius. Staatsmann – Heiliger – Wanderer, Leipzig 1939. (Originaltitel: Master Kung)
  • Die Lehren des Konfuzius  –  Die vier konfuzianischen Bücher, Übersetzung und Erläuterung: Richard Wilhelm, Vorwort: Hans van Ess, Ausg. chinesisch/deutsch. Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86150-873-1.
  • Xuewu Gu: Konfuzius zur Einführung, 3. Auflage, Junius, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-361-2.
  • Volker Zotz: Konfuzius, Rowohlt, Reinbek 2000, ISBN 3-499-50555-X.
  • Heiner Roetz: Konfuzius, (= Denker. 529). Beck, München 1995, ISBN 3-406-34641-3.
  • Sima Qian: Konfuzius, in: Gregor Kneussel (Übers.): Aus den Aufzeichnungen des Chronisten (Shiji). Beijing: Verlag für fremdsprachige Literatur, 2015, ISBN 978-7-119-09676-6, Bd. 1, S. 193–251.
  • Wojciech Jan Simson: Die Geschichte der Aussprüche des Konfuzius (Lùnyǔ) (= Welten Ostasiens. 10), Lang, Bern u. a. 2006, ISBN 3-03910-967-7. (zugleich: Dissertation Universität Zürich, 2002)
  • Gregor Paul: Konfuzius, Herder, Freiburg/B. 2001, ISBN 3-451-05069-2.
  • Hartmut RosenauKONFUZIUS (Kung-fu-tse = „Meister aus dem Geschlechte Kung“). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 375–378.
  • Lun Yu (Originaltext und Übersetzung), Zhong Hua-Verlag – 中华书局, 2006, ISBN 7-101-05418-8.
  • Lin Yutang (Hrsg.): Konfuzius, Fischer, Frankfurt am Main 1957.
  • Hans van Ess: Der Konfuzianismus, C.H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69142-3

Dokumentation

  • Konfuzius, Großbritannien 2016, Regie: Yan Dong (89 Min.).[24]

Spielfilme

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. z. B. bei Richard Wilhelm: Kung-tse. Leben und Werk. Frommann, 1925; Albert Schweitzer: Geschichte des chinesischen Denkens. C. H. Beck, 2002, S. 142.
  2. z. B. bei Adolf Wuttke: Geschichte des Heidenthums in Beziehung auf Religion, Wissen, Kunst, Sittlichkeit und Staatsleben. Josef Max, 1853, S. 6ff.
  3. Vgl. Ernst Schwarz: Konfuzius: Gespräche des Meisters Kung (Lun-Yü), mit der Biographie aus den „Historischen Aufzeichnungen“. München 1985.
  4. Die umstrittenen Daten dieser Darstellung beruhen auf der klassischen chinesischen Überlieferung der Shih Chi (Historische Berichte), Chinas erster dynastischen Geschichte bis zum Jahr 86 v. Chr. Verwendet wurden sie u. a. in den Veröffentlichungen von Heiner Roetz: Konfuzius, München 1995, und von Xuewu Gu: Konfuzius, Hamburg, 1999.
  5. Vgl. zu diesem Abschnitt Feng Youlan (Fung You-Lan): A short history of Chinese philosophy, New York 1966, 30. Auflage, S. 38.
  6. Vgl. Feng Yu-Lan: A short history of Chinese philosophy, New York 1966, S. 31 u. 39.
  7. Vgl. zum Abschnitt: Helwig Schmidt-Glintzer: Geschichte der chinesischen Literatur: von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1999, S. 61f. – Auch Fung Yu-Lan: A short history of Chinese philosophy, New York 1966, S. 43.
  8. Helwig Schmidt-Glintzer: Geschichte der chinesischen Literatur: von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999, S. 64.
  9. Konfuzius: Gespräche, übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 95.
  10. a b Konfuzius: Gespräche, übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 93.
  11. (Quelltext: 泰伯第八《论语·泰伯»“子曰:‘泰伯,其可谓至德也已矣!三以天下让,民无得而称焉.’)
  12. Dieser Spruch hat Eingang in die deutsche Umgangssprache gefunden und wird häufig dem Konfuzius zugeschrieben. Er entspricht konfuzianischem Geist, ohne dass sich in den überlieferten Schriften eine solche Sentenz finden lässt. Vgl. Der Weg ist das Ziel., im Wörterbuch für Redensarten auf redensarten.de
  13. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 39.
  14. Feng Youlan (Fung Yu-Lan): A short history of Chinese philosophy, New York (The Free Press) 1966, 30. Auflage. S. 44.
  15. Konfuzius: Gespräche, übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 112.
  16. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 105.
  17. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 68.
  18. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 80.
  19. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 36.
  20. a b Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 67.
  21. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 121.
  22. Feng Youlan (Fung You-Lan): A short history of Chinese philosophy, New York 1966, 30. Auflage, S. 39.
  23. Vgl. z. B. Wolfgang Bauer: Geschichte der chinesischen Philosophie, München 2001, S. 45. Auch schon Richard Wilhelm: Chinesische Philosophie, Wiesbaden 2007, S. 34.
  24. Sendungsseite auf arte.tv (Memento vom 24. Mai 2018 im Internet Archive), abgerufen am 4. Oktober 2019
Buch der Riten

Das Buch der Riten (chinesisch 禮記 / 礼记, Pinyin Lǐjì oder auch 小戴禮記 / 小戴礼记, Xiǎodài Lǐjì) ist einer der Fünf Klassiker, die dem Konfuzius zugeschrieben werden.

Es beschreibt soziale Verhaltensweisen und Hofzeremonien (die konfuzianischen Riten).

Das Buch der Riten ist das umfangreichste der kanonischen Bücher. Es ist erst nach Konfuzius entstanden und teilweise wohl auf das zweite Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zu datieren, Teile werden auf Schüler des Konfuzius zurückgeführt (so die Bibliographie im Hanshu 漢書·藝文志 / 汉书·艺文志). Es behandelt die Vorschriften der Etikette, Sitten und Bräuche, zum Beispiel für den Ahnenkult und für das Benehmen bei Hof.

Die Referenz auf die „Riten“, oder eher „Sitten“ (禮 / 礼), bzw. die „Aufzeichnung über die Riten (Sitten)“ (禮記 / 礼记) muss sich in älteren Texten nicht unbedingt auf das Buch der Riten beziehen, sondern kann auch frühere Texte und Textsammlungen bezeichnen – der Bezug ist dann oft unklar.

Chinesische Philosophie

Chinesische Philosophie bezeichnet das philosophische Denken in China etwa seit der Zeit der Zhou-Dynastie. Durch ihren Einfluss auf den ostasiatischen Kulturraum China, Japan, Korea und Taiwan hat sie im Rahmen der östlichen Philosophie eine vergleichbare Stellung wie die antike griechische Philosophie im Rahmen des europäischen Denkens. In der Vielfalt der chinesischen Philosophien bestimmen in der Gegenwart den philosophischen Diskurs Strömungen der traditionellen Hauptrichtungen des Taoismus und Konfuzianismus in Verbindung mit marxistischen Theorien und Problemen neuer gesellschaftlicher und politischer Situationen.

Dreizehn Klassiker

Die Dreizehn Klassiker (chinesisch 十三經, Pinyin Shisan jing) sind die kanonischen Bücher des Konfuzianismus. Die konfuzianischen Klassiker wurden größtenteils nicht von Konfuzius (Kongzi 孔子) selbst redigiert, sondern von seinen Schülern, teilweise erst in der Han-Zeit, als der Konfuzianismus zur Staatsphilosophie erhoben wurde. Teilweise stammen sie auch aus älteren, vorkonfuzianischen Überlieferungen. Sie setzen sich folgendermaßen zusammen:

Die Fünf Klassiker (wujing 五經) waren:

I Ging (Yìjing 易經) – Das Buch der Wandlungen

Shijing 詩經 – Das Buch der Lieder

Shujing 書經 (Shangshu 尚書) – Das Buch der Urkunden

Liji 禮記 (Lijing 禮經) – Das Buch der Riten (enthält Das Große Lernen 大學, Maß und Mitte 中庸)

Chunqiu 春秋 – Die Frühlings- und HerbstannalenDurch die Konfuzius zugeschriebenen Vier Bücher wurden die fünf Klassiker zu den Neun Klassikern (jiujing 九經) erweitert:

Zhouli 周禮 – Riten der Zhou

Yili 儀禮 – Etikette und Riten

Xiaojing 孝經 – Klassiker der kindlichen Pietät

Lunyu 論語 – Die Analekten des KonfuziusUnter Kaiser Taizong der Tang-Dynastie 唐太宗 wurden die vier Bücher, das Buch der kindlichen Pietät Xiaojing und das Wörterbuch Erya zu Klassikern erhoben. Nachdem das Große Lernen und Maß und Mitte zum Buch der Riten gehören, ergaben sich so dreizehn Klassiker:

Mengzi 孟子 – Mengzi

Erya 爾雅 – Annäherung an das Angemessene

Gongyangzhuan 公羊傳 – Kommentar des Gongyang Gao 公羊高 zum Chunqiu

Guliang Zhuan 穀梁傳 – Kommentar des Guliang Shu 穀梁淑 zum Chunqiu

Frühlings- und Herbstannalen

Die Frühlings- und Herbstannalen (chinesisch 春秋, Pinyin Chūnqiū, kor. 춘추 Chunchu, jap. 春秋 Shunjū), weniger gebräuchlich ist dagegen die historische Bezeichnung Línjīng (麟經 / 麟经), sind einer der Fünf Klassiker, die dem Konfuzius zugeschrieben werden.

Es ist allerdings unsicher, ob das Werk tatsächlich von Konfuzius selbst kompiliert worden ist.

Fünf Klassiker

Unter dem Begriff Fünf Klassiker (chinesisch 五經 / 五经, Pinyin Wǔjīng) werden fünf Werke der klassischen chinesischen Literatur zusammengefasst, deren Studium von Konfuzius besonders empfohlen wurde. Sie bilden den klassischen Kanon des Konfuzianismus.

Besonders das Buch der Riten hat einen tiefen Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft Chinas, Japans, Koreas und Vietnams hinterlassen.

Doch die Wirkung der Klassiker blieb nicht auf Asien beschränkt. So war zum Beispiel der Gründer der analytischen Psychologie Carl Gustav Jung ein Anhänger des Buchs der Wandlungen.

Die Liste der Fünf Klassiker wurde während der Han-Dynastie zu den Dreizehn Klassikern erweitert. Ab etwa dem 12. Jahrhundert wurden die Fünf Klassiker als klassischer konfuzianischer Kanon durch die Vier Bücher ersetzt.

Gespräche des Konfuzius

Die Gespräche oder Analekten des Konfuzius (chinesisch 論語 / 论语, Pinyin lún yǔ), wörtlich etwa: Gesammelte Aussprüche, ist einer der dreizehn Klassiker der kanonischen konfuzianischen chinesischen Literatur. Sie gehören auch zu den Vier Büchern.

Guan Yu

Guān Yǔ (chinesisch 關羽 / 关羽, IPA (hochchinesisch) [ɡ̊u̯an5 y214]; * 160; † 219) war ein chinesischer General, der am Ende der Han-Dynastie und zur Zeit der Drei Reiche lebte. Er war ein Kampfgefährte von Liu Bei, dem Begründer des Shu-Reiches. Guan Yu kämpfte während des Bürgerkriegs am Ende der Han-Zeit gegen die aufständische Bauerngruppierung Gelbe Turbane.

Guan Yu ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte und wird noch heute verehrt. Ab der Zeit der Sui-Dynastie wurde er zur gottgleichen Figur glorifiziert und sogar mit Konfuzius auf eine Stufe gestellt. Guan Yu stand für Treue, Mut und Gerechtigkeit; Konfuzius für die Weisheit.

Sein Leben wurde künstlerisch verarbeitet, am bekanntesten ist der historische Roman „Die Geschichte der Drei Reiche“. Bildlich wurde Guan Yu zumeist als rotgesichtiger, langbärtiger Krieger dargestellt. Seine Waffe soll ein 41 kg schwerer Guan Dao – ein hellebardenähnliches Langschwert – gewesen sein. Bei diesen künstlerischen Interpretationen wurden historische Fakten und Mythologie vermischt.

Jining

Jining (chinesisch 濟寧市 / 济宁市, Pinyin Jǐníng Shì) ist eine bezirksfreie Stadt in der ostchinesischen Provinz Shandong. Sie hat eine Fläche von 11.285 km² und 8,35 Millionen Einwohner (2016). In dem eigentlichen städtischen Siedlungsgebiet leben 939.034 Menschen (Zensus 2010).

Jining hat sich in den letzten Jahren zu einer typischen chinesischen Industriestadt entwickelt. Sie hat aber auch historisch bedeutsame Sehenswürdigkeiten zu bieten, so ist zum Beispiel die Stadtmauer aus der Zeit der Ming-Dynastie noch teilweise erhalten. Außerdem gehört Qufu, die Heimat von Konfuzius zum Verwaltungsgebiet von Jining.

Konfuzianismus

Konfuzianismus (chinesisch 儒家思想, Pinyin Rújiā sīxiǎng ‚Ideen der Anhänger der Schule der Gelehrten‘) ist der Begriff für Philosophien und politische und religiöse Vorstellungen, die sich in die Tradition des Konfuzius und seiner Schüler stellen. Konfuzius’ Schule wird in China auch als Rujia (儒家) bezeichnet, was Schule der Gelehrten bedeutet. Der heutige Begriff Konfuzianismus geht auf christliche Missionare zurück, die im 17. Jahrhundert den Namen des Begründers der Schule, 孔子 / 孔夫子 (Kongzi / Kongfuzi) latinisierten. Konfuzius wurde von seinen Anhängern als Vorbild und Ideal verehrt, seine moralischen Lehren und eigene Lebensweise als mustergültig angesehen. Der Konfuzianismus gehört neben dem Buddhismus und Daoismus zu den „Drei Lehren“. Er prägt seit vielen Jahrhunderten die chinesische Kultur und Gesellschaft und beeinflusst den Alltag in China, Japan, Korea, Singapur, Vietnam und auf Taiwan. Ab dem 16. Jahrhundert wurden seine Lehren in Europa durch Berichte des Missionars Matteo Ricci bekannt. Im Jahr 1687 folgte die Übersetzung seiner Schriften ins Lateinische durch Pater Prospero Intorcetta.

Konfuzius-Institut

Das Konfuzius-Institut (chinesisch 孔子学院, Pinyin Kǒngzǐ Xuéyuàn, Jyutping Hung2zi2 Hok6jyun2) ist eine gemeinnützige öffentliche Bildungsorganisation, die dem Ministerium für Bildung (China) zugeordnet ist, deren Ziel es ist, die chinesische Sprache und Kultur zu fördern, die lokale chinesische Lehre international zu unterstützen und den kulturellen Austausch zu ermöglichen.Das Programm des Konfuzius-Instituts begann 2004 und wird von Hanban (offiziell die außenpolitische Kulturorganisation der Volksrepublik China) geleitet. Die Institute arbeiten mit lokalen Partnerhochschulen und Universitäten auf der ganzen Welt zusammen, und die Finanzierung wird zwischen Hanban und den Gastinstituten aufgeteilt. Das zugehörige Konfuzius-Klassenzimmerprogramm arbeitet mit lokalen Sekundarschulen oder Schulbezirken zusammen, um Lehrer und Unterrichtsmaterialien bereitzustellen.China hat Konfuzius-Institute mit Sprach- und Kulturförderungsorganisationen wie dem portugiesischen Instituto Camões, dem brasilianischen Centro Cultural Brasileiro, dem britischen British Council, der französischen Alliance française, der italienischen Società Dante Alighieri, dem spanischen Instituto Cervantes und dem deutschen Goethe-Institut verglichen. Im Gegensatz zu diesen Organisationen operieren viele Konfuzius-Institute jedoch direkt auf Universitätsgeländen, was zu Bedenken hinsichtlich der akademischen Freiheit und der politischen Einflussnahme führte.

Konfuzius-Statue

Die mit 72 Metern weltgrößte Konfuzius-Statue ist ein aus Messing und mit Stahl verstärktes Bauwerk auf dem Nishan (尼山 ‚Berg Ni‘). Dieser Berg oder Hügel befindet sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Qufu (chinesisch: 曲阜市) / Provinz Shandong in der Volksrepublik China. Der Überlieferung nach ist der Nishan der Geburtsort von Konfuzius.Die Bauzeit betrug 1,5 Jahre. Das erste Mal ist die Statue 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Am 27. September 2018 wurde die Statue offiziell eingeweiht.

Direkt am Platz ist eine Bühne aufgebaut. Ein abendlicher Besuch hier kann mit einer Show aus einer Mischung von Tanzeinlagen, Lasertechnik, Feuerwerk und Wasserdruckanlagen verbunden werden. Dabei werden Bildnisse von Konfuzius eingebaut.

Mengzi

Mengzi („Meister Meng“, chinesisch 孟子, Pinyin Mèngzǐ, latinisiert Mencius oder Menzius; * um 370 v. Chr.; † um 290 v. Chr., also zur Zhou-Zeit) war der bedeutendste Nachfolger des Konfuzius (auch Kongzi). Er reformierte dessen philosophische Richtung und entwickelte sie weiter. So konnte der Konfuzianismus unter der Han-Dynastie zur chinesischen Staatsphilosophie aufsteigen. Mengzis Werk gilt bis heute als sehr bedeutend.

Meritokratie

Eine Meritokratie (lat.: meritum, das Verdienst und griech.: κρατεῖν, kratein herrschen) ist eine Herrschaftsordnung, bei der die Amtsträger (Herrscher) aufgrund einer sogenannten oder als solcher definierten „Leistung“ bzw. „besonderer Verdienste“ ausgewählt werden. Im Idealfall nimmt jedes Mitglied der Gesellschaft eine „verdiente“ Position ein.

Die Idee der Meritokratie kann in Staaten sowie auf politische oder wirtschaftliche Organisationen angewendet werden, in einem abgeschwächten Sinne wird mit ihr auch eine Regierungsform bezeichnet, die Kompetenz und formelle Ausbildung betont.

Der Meritokratie steht unter anderem die Idee des Egalitarismus entgegen, die Einzelnen unabhängig von Leistung, Einsatz sowie Wettbewerbsvorteilen gleichen Einfluss und gleichen Zugang zu Gütern zuspricht.

Mozi

Mozi, auch Mo-tsu, Mo-tse, (chinesisch 墨子, Pinyin Mòzǐ ‚Meister Mo‘) oder Mo Di, Mo Ti, Mo Te, Me-Ti (chinesisch 墨翟, Pinyin Mò Dí), latinisiert Micius genannt, lebte im späten 5. Jahrhundert v. Chr., wirkte hauptsächlich in Nordchina und war Begründer und Namensgeber des Mohismus (墨家, Mòjiā), einer Schule der chinesischen Philosophie. Der Mohismus war eine utilitaristische, am Wohlergehen des Volkes ausgerichtete Denkrichtung. Die straff organisierte mohistische Schule war bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. in drei Gruppen gespalten und hatte ein Jahrhundert später vollends an Bedeutung verloren. Im Gegensatz zu Konfuzius soll Mozi zumindest einen Teil seiner in großem Umfang erhaltenen Schriften selbst verfasst haben.

Qufu

Qufu (chinesisch 曲阜市, Pinyin Qūfù Shì) ist eine kreisfreie Stadt in der ostchinesischen Provinz Shandong. Sie gehört zum Verwaltungsgebiet der bezirksfreien Stadt Jining.

Der chinesischen Mythologie nach gilt die Stadt als Geburts- und Sterbeort des Konfuzius.

Qufu wurde 1994 zum Weltkulturerbe ernannt.

Radikal 195

Radikal 195 mit der Bedeutung „Fisch“ ist eines von sechs traditionellen Radikalen der chinesischen Schrift, die mit elf Strichen geschrieben werden.

Mit 82 Zeichenverbindungen in Mathews’ Chinese-English Dictionary kommt es sehr häufig im Lexikon vor.

Kurzzeichen (VR China): 鱼

Das Piktogramm dieses Zeichens zeigt den schuppigen Körper eines Fisches. Später kamen noch Flossen und der Kopf hinzu. Die vier Punkte stilisieren den Schwanz. In zusammengesetzten Zeichen fungiert 鱼 in der Regel als Sinnträger für das Bedeutungsfeld Fisch wie in:

鲤 (= Flusskarpfen),

渔 (= fischen)

鳃 (= Kiemen) und

鲜 (= frisch).Lu 鲁, der Name eines alten Staates, die Heimat des Konfuzius, in der heutigen Provinz Shandong hat die weitere Bedeutung "dumm". Das Zeichen enthält den Fisch 鱼 vermutlich wegen der Nähe des Staates Lu zum Meer. Die Sonne 日 unten im Zeichen entwickelte sich aus einem rechteckigen Symbol, das für einen Fischteich stand.

Das Kurzzeichen des Radikals 195 ist 鱼; mit 魚 werden Zeichenverbindungen von U+9B5A bis 䲜 U+9C7B codiert, anschließend daran mit 鱼 von U+9C7C bis 鳤 U+9CE4.

Volker Zotz

Volker Helmut Manfred Zotz (* 28. Oktober 1956 in Landau in der Pfalz) ist ein deutsch-österreichischer Philosoph, Religionswissenschaftler und Buddhologe, der als Hochschullehrer und Schriftsteller wirkt. Zotz legte insbesondere Beiträge zur Geschichte und Philosophie des Buddhismus und Konfuzianismus vor. Er prägte die Begriffe des „eurasischen Humanismus“ und der „interkulturellen Spiritualität“ und damit verbundene philosophische und praktische Konzepte. Die Arbeit von Zotz ist der interkulturellen Philosophie und dem interkulturellen Dialog gewidmet. Er kritisiert europäische Wirklichkeiten über das Medium asiatischer Traditionen. Aus der Perspektive von Konfuzianismus, Buddhismus und anderen Systemen, die man Östliche Philosophie nennt, bewertet Zotz die westliche Geistesgeschichte und sucht Anknüpfungspunkte für die Begegnung des Westens mit Asien. Er findet diese zum Beispiel in Traditionen der Antike, des Katholizismus und in der Kunst und Literatur der Moderne, etwa dem Surrealismus André Bretons.

Yan Hui

Yan Hui (chinesisch 颜回; * 521 v. Chr. im Cai; † 490 v. Chr.) war der Lieblingsjünger von Konfuzius und ist eine der meist verehrten Persönlichkeiten des Konfuzianismus. In konfuzianischen Tempeln wird er als einer der „Vier Weisen“ verehrt.

Zhu Xi

Zhu Xi (chinesisch 朱熹, Pinyin Zhū Xī, W.-G. Chu Hsi) (* 1130; † 1200) war der bedeutendste Neokonfuzianer Chinas. Er lehrte während der Song-Dynastie an der berühmten Akademie der Weißen Hirsch-Grotte und war Lehrer und Berater des Song-Kaisers.

Zhu Xi schrieb mehr als 70 Werke. Außerdem gründete er in den Wuyi-Bergen und an anderen Orten mehr als 50 private höhere Lehranstalten und bildete als Privatlehrer einige Tausend Schüler heran. Nicht wenige seiner Schüler wurden berühmte Theoretiker. In jeder Stadt, in der er arbeitete, gründete er eine Lehranstalt.

Unter den Werken von Zhu Xi ist sein Buch Die Familiennormen der Familie Zhu ein wichtiges Werk über die Regelung von Familienangelegenheiten. Kurz vor seinem Tod korrigierte er seine Anmerkungen zum Buch Das Große Lernen (chinesisch 大學, Pinyin dàxué), das bis ins 20. Jahrhundert als Standard für die Beamtenprüfung diente.

Zhu Xi fügte Das Große Lernen zusammen mit den Gesprächen des Konfuzius, dem Buch Mitte und Maß und dem Buch von Mencius zu den sogenannten Vier Büchern zusammen.

Seine Bedeutung für die chinesische Geistesgeschichte erkannte das Life Magazin an, als es ihn bei den hundert wichtigsten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrtausends auf den 45. Platz setzte.

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