Islamische Eroberung der Levante

Die islamische Eroberung der Levante fand in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts statt[1] und bezieht sich auf das Bilad asch-Scham, Levante oder Großsyrien genannte Gebiet. Muslimische Streitkräfte waren schon zu Lebzeiten des islamischen Propheten Mohammed in diese Gegend vorgestoßen, was 629 zur Schlacht von Mu'ta führte. Die eigentliche Eroberung begann jedoch 634 unter den Kalifen Abū Bakr und Umar ibn al-Chattab mit Chālid ibn al-Walīd als wichtigstem Anführer.[1]

The Scene of the Theater in Palmyra

Oströmisches Syrien

Die römische Provinz Syria wurde im Jahre 63 v. Chr. gegründet und war in den sieben Jahrhunderten ihres Bestehens mehrfach von Militäroperationen der Sassaniden betroffen gewesen.[2] Während des letzten der Römisch-Persische Kriege gelang den Persern unter Chosrau II. ab 611 die Eroberung Syriens, Palästinas und Ägyptens, bevor sie dem oströmischen Kaiser Herakleios unterlagen und nach der Schlacht bei Ninive 628 Frieden schließen mussten. Daher waren die Oströmer am Vorabend der islamischen Eroberung mit der Wiedererlangung der vollen Kontrolle über die zurückgewonnenen Gebiete beschäftigt, die in einigen Teilen für rund 20 Jahre ihrer Kontrolle entzogen gewesen waren. Administrativ gliederte sich die Gegend in zwei Einheiten: Die Provinz Syrien erstreckte sich von Antiochia und Aleppo im Norden bis zum Toten Meer. Im Westen und Süden des Toten Meeres lag die Provinz Palaestina, welche die heiligen Stätten der drei Abrahamitischen Religionen beinhaltete. Syrien war teilweise arabisch besiedelt, besonders im östlichen und südlichen Teil. Die Araber lebten seit vor-römischer Zeit auf dem Gebiet; sie hatten im Zuge der Christianisierung des Römischen Reiches im vierten Jahrhundert das Christentum angenommen.

Die Araber Syriens blieben politisch im Abseits, bis der Stammesverband der Ghassaniden aus dem Jemen nach Syrien auswanderte und ein halb-autonomes Reich gründete. Die Ghassaniden wurden respektable königliche Verbündete des Römischen Reiches, ihr König herrschte von der Hauptstadt Bosra über die Araber entlang des Jordan. Der letzte ghassanidische König war Dschabala ibn al-Aiham.

Kaiser Herakleios errichtete nach seiner Rückeroberung Syriens eine Verteidigungslinie von Gaza bis zum Südende des Toten Meeres. Diese Linien waren allerdings nur stark genug, um die Kommunikationswege vor Banditen zu schützen. Der Großteil der oströmischen Truppen war in Nordsyrien konzentriert, um die angestammten Feinde, die Sassaniden, in Schach zu halten. Dieses Verteidigungskonzept ermöglichte es den muslimischen Truppen aus dem Süden, ohne oströmische Gegenwehr bis nach Gaza vorzustoßen. Das 7. Jahrhundert war für Byzanz ein Jahrhundert rapider militärischer Veränderungen. Das Reich stand zwar nicht mehr an der Schwelle des Untergangs wie einige Jahre zuvor, doch gelang es ihm nicht mit einer wirksamen Strategie zu antworten.

Der Aufstieg des Kalifats

Nach dem Tode des islamischen Propheten Mohammed im Juni 632 wurde Abu Bakr zum Kalifen und politischen Nachfolger in Medina erklärt. Kurz danach revoltierten mehrere arabische Stämme gegen diese neue Herrschaft (die sog. Ridda-Kriege, d. h. Kriege gegen die Apostaten). Nach der Niederschlagung der Aufständischen im März 633 war ganz Arabien der Autorität des Kalifen unterworfen.

Ob Abu Bakr die Eroberung eines Weltreiches plante, ist historisch nicht gesichert; unter seiner Herrschaft wurden gleichwohl die Grundlagen für eines der größten Reiche der Geschichte geschaffen, eingeleitet durch einen Konflikt mit den Sassaniden unter General Chālid ibn al-Walīd.

Expedition nach Syrien

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Die muslimische Eroberung der Levante.

Nach erfolgreichen Feldzügen gegen die Sassaniden und der fast abgeschlossenen Eroberung des Irak von diesen baute Chalid dort seine Machtbasis auf. Gleichzeitig mit den anhaltenden Kämpfen gegen die Perser flammte der Konflikt mit den arabischen Ghassaniden auf. Auf allen Teilen der Arabischen Halbinsel wurden daher unter den Stämmen – zunächst mit Ausnahme derer, die während der Ridda-Kriege gegen den Islam aufbegehrt hatten – neue Truppen rekrutiert.

Die daraus gebildete Armee teilte Abu Bakr in vier Teile auf, jeweils mit eigenem Befehlshaber und eigenen Aufgaben:

Da die exakte Position der oströmischen Armee nicht bekannt war, sollten die Truppen untereinander in Kontakt bleiben und sich bei Bedarf gegenseitig unterstützen. Für den Fall, dass alle Heeresteile sich für eine große Schlacht vereinigen müssten, war Abū ʿUbaida als Befehlshaber der gesamten Armee vorgesehen.[3] In der ersten Aprilwoche 634 setzten sich die muslimischen Heere von Medina aus in Bewegung. Als erstes marschierte Yazids Heeresteil, gefolgt von Scharhabil, Abū ʿUbaida und Amr, jeweils mit einem Tag Abstand.

Islamische Eroberung Syriens

Petra Jordan BW 21
Ruinen des antiken Petra, eine der ersten Städte, die an die Muslime fiel.

Nachdem er hinter Tabuk seine vorgegebene Route eingeschlagen hatte, traf Yazids Armee auf ein kleines Heer christlicher Araber, das sich nach einem Scharmützel mit der muslimischen Vorhut zurückzog. Yazid marschierte nun durchs Tal von Arava bis zu dessen Ausläufern nahe dem Toten Meer. Etwa zur selben Zeit erreichte ʿAmr ibn al-ʿĀs Elat. Obwohl beide Truppenführer während ihres Vormarsches nach Palästina jeweils eine byzantinische Einheit schlagen konnten, erreichten sie nicht ihre vorgesehenen Ziele. Abū ʿUbaida und Scharhabil setzten ihrerseits ihren Marsch fort und gelangten im Mai 634 in das Gebiet zwischen Bosra und al-Dschābiya.[3] Kaiser Herakleios erhielt nun von seinen arabischen Verbündeten Nachricht über den Marsch der Araber und begann mit der Planung von Gegenmaßnahmen. Der Kaiser befahl den Garnisonen der syrischen Städte, sich bei Adschnadain zu vereinigen. Von dort aus konnten sie Amrs Abteilung angreifen und gleichzeitig in den Rücken der übrigen muslimischen Heere gelangen, die sich in Jordanien und Syrien befanden. In der dritten Woche des Aprils 634 setzte seinerseits Abū ʿUbaida den Kalifen über die Bewegungen der Oströmer in Kenntnis. Da Abū ʿUbaida mit einer solchen militärischen Lage keine Erfahrung besaß, entsandte Abu Bakr Chalid ibn Walid nach Syrien und übergab ihm den Befehl über die muslimischen Truppen.

Eroberungsfeldzüge unter Kalif Abu Bakr

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Detaillierte Karte zum Weg von Chalid ibn Walid bei seiner Invasion von Syrien.

Chalid marschierte mit seiner halben Streitmacht (etwa 8000 Mann) von al-Hira im Juni 634 nach Syrien los.[3] Es gab zwei klassische Routen für ein Heer vom Irak nach Syrien: eine führte über Daumat al-Dschandal, die andere durch Mesopotamien an ar-Raqqa vorbei. Da er sich in Zeitnot befand vermied Chalid die konventionelle Route über Daumat al-Dschandal, da sie die längste war und zwei Wochen in Anspruch nahm. Die Route durch Mesopotamien vermied er, da sich dort viele oströmische Garnisonen befanden, die zu belagern er keine Zeit hatte. Chalid wählte daher einen dritten Weg geradewegs durch die Syrische Wüste, die für eine Armee gefährlich werden konnte. Berichten zufolge marschierte seine Armee zwei Tage ohne einen Tropfen Wasser, bis sie eine Oase erreichte. So betrat Chalid Syrien und überraschte die Oströmer an ihrer rechten Flanke. Dieser unvorhersehbare Schachzug brachte die oströmischen Verteidiger aus dem Konzept.

Eroberung des südlichen Syriens

Sawa, Arak sowie die alte Stadt Palmyra fielen als erste an Chalid. as-Suchna, al-Qaryatain und Hawarin wurden nach der Schlacht von al-Qaryatain und der Schlacht von Hawarin erobert. Nachdem er diese Städte unterworfen hatte bewegte sich Chalid in Richtung Damaskus, wobei er einen Gebirgspass namens Thaniyyat al-'Uqab (Uqab-Pass) passierte (benannt nach der Standarte des Chalid). Dann wandte er sich Bosra, der Hauptstadt des Ghassanidenreiches, eines Vasallen des Oströmischen Reiches, zu. Er befahl auch anderen arabischen Streitkräften in der Nähe sich nach Bosra zu begeben. Bei Mardsch ar-Rahit besiegte Chalid eine ghassanidische Armee in einer schnellen Schlacht (Schlacht von Mardsch ar-Rahit). Zur selben Zeit hatte Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh, der die südlichen muslimischen Armeen führte, Scharhabil ibn Hasana den Angriff auf Bosra befohlen. Dieser hatte befehlsgemäß Bosra mit einer kleinen Abteilung von 4000 Mann angegriffen. Die oströmisch/ghassanidische Garnison der Stadt schätzte diese Gruppe als Vorhut einer größeren muslimischen Armee im Anmarsch ein und entschloss sich zum Angriff auf Scharhabils kleine Abteilung. Gerade als sie den Ausfall gegen Scharhabil ausführten und ihn von allen Seiten umzingelt hatten erreichte Chalid mit seinen Truppen das Geschehen und trieb den Ausfall zurück. Die vereinten Heere von Chalid, Scharhabil und Abū ʿUbaida belagerten nun Bosra, das sich Mitte Juli 634 ergab. Damit ging das ghassanidische Königreich und Dynastie zu Ende.

Nun übernahm Chalid offiziell das Kommando über die muslimischen Heere von Abū ʿUbaida, wie der Kalif es befohlen hatte. Bei Adschnadain wurden unterdessen massive oströmische Kräfte zusammengezogen um die Araber in die Wüste zurückzutreiben. Chalid ließ nun die muslimischen Verbände nach Adschnadain vorrücken, wo es am 30. Juli 634 zur Schlacht kam. Frühe muslimische Quellen berichten von 90.000 oströmischen Soldaten. Heutige Historiker bezweifeln diese Zahl, sehen aber in der Schlacht das Ende der oströmischen Herrschaft über Syrien.

Die Niederlage der Oströmer in der Schlacht von Adschnadain hinterließ Syrien schutzlos. Chalid entschied sich, als erstes Damaskus zu erobern, die oströmische Hauptstadt Syriens. Dort befehligte Thomas die örtliche Garnison; dieser bat den Kaiser, der sich in Emesa befand, schriftlich um Verstärkungen. Außerdem entsandte Thomas zur Störung des feindlichen Vormarsches kleine Kontingente gegen die Araber. Eine dieser Abteilungen wurde in der Schlacht von Yaqusa im August 634 am See Genezareth etwa 120 km von Damaskus entfernt besiegt. Eine weitere kleine Armee wurde in der Schlacht von Mardsch as-Safar am 19. August 634 geschlagen. Unterdessen erreichten Verstärkungen die Stadt, nachdem der Kaiser von der Niederlage bei Adschnadain erfahren hatte. Damaskus wurde (vielleicht im September) 635 erobert; eine teils erwähnte Belagerung fand sehr wahrscheinlich nie statt. Herakleios zog sich schließlich nach Antiochia zurück. Es kam zu einem Friedensabkommen, wonach die Bürger der Stadt zu jährlichem Tribut verpflichtet und der Garnison drei Tage Vorsprung gegeben wurde, um den Muslimen zu entkommen. Nach dieser Frist holte Chalid die auf dem Rückzug befindlichen Truppen mit seiner Kavallerie ein und vernichtete sie in der Schlacht von Mardsch ad-Dibadsch. Nach Abu Bakrs Tod wurde Umar zum neuen Kalifen gewählt. Er entließ seinen Cousin Chalid ibn al-Walid aus seinem Kommando und machte Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh zum neuen Oberbefehlshaber der syrischen Truppen.

Eroberungen unter Kalif Umar

Eroberung der mittleren Levante

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Der muslimische Vorstoß in Zentralsyrien
Byzantine temple in Idlib (Ruweiha) Syria
Griechischer Tempel in Idlib

Kurz nach der Ernennung Abū ʿUbaidas schickte dieser kleine Abteilungen zum jährlichen Markt in Abu l-Quds, dem heutigen Abla, östlich von Beirut. In der Nähe befand sich eine oströmische Garnison, deren Stärke von den arabischen Spähern falsch eingeschätzt worden war. Kurz bevor diese die muslimischen Truppen niedermachen konnte wurden sie von Chalid gerettet, den Abū ʿUbaida nach Bekanntwerden der tatsächlich Stärke der Garnison ihnen hinterhergeschickt hatte. Die Garnison wurde in der Schlacht von Abu l-Quds am 15. Oktober 634 n. Chr. besiegt. Die Araber erbeuteten viele Wertgegenstände auf diesem Markt und machten einige hundert Gefangene. Durch den Verlust von Zentralsyrien war die einheitliche oströmische Linie entlang des Mittelmeers durchbrochen und die Kommunikation zwischen Nordsyrien und Palästina unmöglich gemacht. Abū ʿUbaida entschloss sich, nach Fahl zu marschieren, wo sich eine weitere oströmische Garnison sowie überlebende Truppen der Schlacht von Adschnadain aufhielten. Diese blockierten den Zugang nach Palästina und mussten geschlagen werden. Chalid erreichte den Ort zuerst und musste feststellen, dass er überflutet war, da die Oströmer den nahen Jordan aufgestaut hatten. Dennoch wurde die oströmische Armee in der Schlacht von Fahl am 23. Januar 635 n. Chr. besiegt.

Eroberung von Palästina

Nach der Schlacht rückten Scharhabil und Amr tiefer nach Palästina vor. Bet Sche’an und Tiberias ergaben sich im Februar 635. Kalif Umar schrieb, nachdem er detaillierte Informationen über Position und Stärke der oströmischen Verteidiger erhalten hatte, Anweisungen an seine Truppen: Yazid sollte die Mittelmeerküste erobern. Die Abteilungen von Amr und Scharhabil trennten sich. Amr brach zur Eroberung von Nablus, Amawas, Gaza und Yubna auf um die Eroberung Palästinas abzuschließen, während Scharhabil die Küstenstädte Akkon und Tyros belagerte. Yazid marschierte von Damaskus aus, um die Hafenstädte Sidon, Arqa, Dschubail und Beirut zu erobern. Im Jahr 635 n. Chr. waren Palästina, Jordanien und das südliche Syrien mit Ausnahme von Jerusalem und Caesarea in muslimischer Hand. Auf Befehl von Umar wandte sich Yazid als Nächstes nach Caesarea, die er aber im Vorfeld der Schlacht am Jarmuk aufgeben musste, um sie später wiederaufzunehmen, bis die Stadt 640 schließlich fiel.

Schlachten um Emesa und zweite Schlacht von Damaskus

An der nördlichen Front marschierten Abū ʿUbaida und Chalid mit relativ starker Heeresmacht unterdessen ins nördliche Syrien ein. Während die südlichen Heere bei Fahl beschäftigt waren, sah Kaiser Herakleios eine Möglichkeit zur Rückeroberung von Damaskus und entsandte einen General, die kleine muslimische Garnison zu überwältigen. Nachdem sie aber die Schlacht von Fahl gewonnen hatten, befanden sich die südlichen Truppen nun auf dem Marsch nach Emesa. Die Oströmer trafen das muslimische Heer auf der Straße nach Emesa bei Mardsch ar-Rum. Im Schutze der Nacht schickte die Oströmer ihre halbe Streitmacht gegen Damaskus, um es einzunehmen. Durch einen Spion erfuhr Chalid von diesem Plan und ritt mit der Erlaubnis des Abū ʿUbaida den Oströmern hinterher. Während Abū ʿUbaida die zurückgebliebenen Oströmer in der Schlacht von Mardsch ar-Rum besiegte holten Chalid und seine Kavallerie die andere Heeresgruppe ein und vernichtete sie. Eine Woche später brach Abū ʿUbaida nach Heliopolis auf, wo ein großer Jupitertempel stand. Heliopolis ergab sich den Muslimen widerstandslos und akzeptierte Tributzahlungen. Abū ʿUbaida schickte Chalid nun geradewegs nach Emesa. Emesa und Chalkis boten ihm einen Waffenstillstandsvertrag auf ein Jahr an. Abū ʿUbaida akzeptierte um seine Herrschaft über das bereits eroberte Gebiet zu festigen und Hama sowie Maarat an-Numan zu erobern. Tatsächlich waren die Friedensverträge auf Herakleios Befehl hin geschlossen worden, der Zeit für weitere Abwehrmaßnahmen in Nordsyrien benötigte. Nachdem er eine ausreichend starke Armee in Antiochia gesammelt hatte verteilte er diese auf strategisch wichtige Städte in Nordsyrien, z. B. Emesa und Chalkis. Das Eintreffen der Verstärkungen war eine Verletzung des Waffenstillstandsvertrags; Abu Ubadiah und Chalid marschierten umgehend nach Emesa zurück. Die Muslime belagerten Emesa, das sie im März 636 n. Chr. nach zwei Monaten einnahmen.

Schlacht am Jarmuk

Muslim-Byzantine troop movement (635-636)
Truppenbewegungen vor der Schlacht am Jarmuk

Nach der Eroberung von Emesa bewegten sich die muslimischen Armeen in nördlicher Richtung, um Nordsyrien zu erobern. Chalid plünderte mit seiner Kavallerie im Vorfeld bereits die Landstriche Nordsyriens. Bei Schaizar überraschte er eine Karawane, die Vorräte nach Chalcis brachte. Eine Befragung der Gefangenen brachte den ehrgeizigen Plan des Herakleios zur Rückeroberung Syriens ans Tageslicht. Die Gefangenen berichteten von einer zweihunderttausend Mann starken Armee im Anmarsch. Chalid kehrte sofort mit dieser Nachricht zum Hauptheer zurück.

Im Juni 636 setzte Herakleios Truppen in Bewegung, um Syrien für das Oströmische Reich zu halten. Chalid schlug Abū ʿUbaida im Kriegsrat aus Furcht vor einer Zersplitterung der muslimischen Truppen vor, den Oströmern eine große Feldschlacht anzubieten. Abū ʿUbaida hielt sich an diesen Rat und befahl allen muslimischen Garnisonen das eroberte Land wieder aufzugeben und sich stattdessen bei Dschabiya zu versammeln. Dies vereitelte Herakleios Plan, der sich nun der leichten arabischen Kavallerie im Feld ausgesetzt sah. Von Dschabiya zogen sich die muslimischen Truppen auf Abū ʿUbaidas Befehl auf die Ebene am Fluss Jarmuk zurück, wo Kavallerie effektiv bewegt werden konnte. Während sich die Armee am Jarmuk positionierte fing Chalid die oströmische Vorhut ab und schlug sie in die Flucht. Im Juli 636 war die muslimische Armee vollständig auf der Ebene versammelt. Etwa zwei Wochen später trafen die oströmischen Truppen ein. Der oströmische Befehlshaber Vahan schickte einige ghassanidische Araber voraus, um die Stärke der Muslime auszukundschaften. Chalids Kavallerie überraschte aber auch diese und besiegte sie. Über den ganzen nächsten Monat zogen sich die Verhandlungen zwischen den beiden Armeen hin. Chalid traf Vahan persönlich im oströmischen Lager. Die ganze Zeit über erhielten die Muslime Verstärkungen aus Arabien.

Abū ʿUbaida übergab für die Schlacht den Oberbefehl das Kommando an Chalid. Schließlich begann am 15. August die Schlacht am Jarmuk. Sie dauerte sechs Tage und endete in einer katastrophalen Niederlage für die Oströmer. Sie gilt als eine der entscheidenden der Geschichte, die das Schicksal des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens ändern sollte. Nach der Niederlage standen die Orientprovinzen des Oströmischen Reiches den Arabern schutzlos offen.

Der Fall Jerusalems

Nach der vollständigen Niederlage der Oströmer besetzten die Araber schnell die zuvor eroberten Gebiete erneut. Abū ʿUbaida und sein Kriegsrat entschlossen sich, als nächstes Jerusalem zu erobern. Die Belagerung von Jerusalem dauerte vier Monate, bis sich die Stadt dem Kalifen persönlich ergab. Nach dem Fall der Stadt spaltete sich das muslimische Heer abermals auf. Yazids Heeresteil gelangte über Damaskus nach Beirut und eroberte es. Amr und Scharhabils Teil vervollständigten die Eroberung Palästinas während Abū ʿUbaida und Chalid sich mit einer 17.000 Mann starken Armee aufmachten um ganz Nordsyrien zu erobern.

Eroberung Nordsyriens

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Muslimische Invasion in Nordsyrien

Da sie Emesa bereits erobert hatten bewegten sich Abū ʿUbaida und Chalid auf Chalkis zu, die strategisch gesehen für die Oströmer am wichtigsten war. Durch den Besitz von Chalkis konnten die Oströmer Anatolien, Armenien und die Metropole Antiochia sichern. Abū ʿUbaida schickte Chalid mit seiner Kavallerie vor. Die Festung der Stadt wurde von griechischen Truppen unter einem gewissen Menas bewacht. Dieser entschied sich von der üblichen römischen Strategie abzuweichen und die Vorhut der Araber in einer Feldschlacht anzugreifen. Die anschließende Schlacht ist als Schlacht von Hazir bekannt, in der sich Chalid sogar das Lob des Kalifen Umar erwarb. Abū ʿUbaida traf vor der eigentlich uneinnehmbaren Festung von Chalcis auf Chalid. Die Festung ergab sich im Juni 637. Nun lag das Gebiet nördlich von Chalcis den Muslimen zur Eroberung offen. Chalid und Abū ʿUbaida rückten weiter nach Norden vor und belagerten Aleppo, das trotz heftigen Widerstands der verzweifelten oströmischen Garnison 637 fiel. Das nächste Ziel ihrer Eroberung war die Metropole Antiochia, die Hauptstadt der asiatischen Besitzungen des Oströmischen Reiches. Bevor sie die Stadt belagerten entschieden sich die Araber sie von Anatolien abzuschneiden. Es wurden Abteilungen ausgesandt, die jeglichen oströmischen Widerstand nördlich der Stadt brechen sollte. Diese eroberten auch Azaz, eine Festungsstadt 30 km von Aleppo entfernt. Vor den Toren Antiochias wurde eine letzte Schlacht zwischen den Oströmern und den Arabern um den Besitz Syriens geschlagen, bekannt als Schlacht an der Eisernen Brücke. In der oströmischen Armee waren alle Soldaten versammelt, die die Schlacht am Jarmuk und die anderen Schlachten in Syrien überlebt hatten. Auch diese Armee wurde von den Muslimen besiegt, die daraufhin einen Belagerungsring um die Stadt legten. Da es wenig Hoffnung auf Entsatz durch den Kaiser hatte ergab sich Antiochia am 30. Oktober 637 unter der Bedingung, dass allen oströmischen Truppen der freie Abzug nach Konstantinopel gewährt wurde. Abū ʿUbaida befahl Chalid den Weitermarsch nach Norden, er selbst eroberte Latakia, Jabla und Tartus und das Küstengebiet westlich des Anti-Libanon. Chalid seinerseits plünderte das Land im Norden bis hin zum Fluss Halys in Anatolien. Kaiser Herakleios hatte Antiochia rechtzeitig vor der Eroberung verlassen und war nach Edessa gereist. Er organisierte die Verteidigung in Mesopotamien und Armenien, dann zog er sich in die Hauptstadt Konstantinopel zurück. Auf seinem Rückweg entging er nur knapp einem Zusammentreffen mit Chalid, der nach der Eroberung von Marasch südwärts in Richtung Manbidsch marschierte. Herakleios begab sich hastig auf die Gebirgspfade hin zur Kilikischen Pforte und entkam.

Aufgrund der sukzessiven Niederlagen und den vorangegangenen schweren Kämpfen mit den Persern, die alle Ressourcen verbraucht hatten, war das Oströmische Reich nun zu keiner größeren Gegenwehr mehr fähig. Um Zeit zur Konsolidierung seines verbliebenen Reiches zu gewinnen musste Kaiser Herakleios die Muslime in Syrien beschäftigt halten. Er fragte die christlichen Araber der Dschazira um Hilfe. Diese musterten ein größeres Heer und marschierten gegen Emesa, Abū ʿUbaidas Operationsbasis. Abū ʿUbaida zog seinerseits alle seine Truppen aus Nordsyrien zurück und konzentrierte sie bei Emesa, das nun von den christlichen Arabern belagert wurde. Chalid plädierte für eine offene Feldschlacht vor der Stadt, doch Abū ʿUbaida schickte zuerst einen Brief an Kalif Umar. Der Kalif befahl nun einigen arabischen Kontingenten, die im Irak kämpften, den Angriff auf Dschazira aus drei verschiedenen Richtungen. Eine weitere Abteilung unter Qa’qa ibn Amr, einem Veteranen der Schlacht am Jarmuk, wurde aus dem Irak nach Emesa gerufen. Umar selbst marschierte an der Spitze von tausend Mann von Medina los. Als die christlichen Araber von der Belagerung ihrer Hauptstadt Dschazira hörten brachen sie die Belagerung ab und zogen sich zurück. Als sie sich zum Abmarsch gewandt hatten brach Chalid mit seiner Kavallerie hervor und fiel ihnen in den Rücken und zerstreute sie.

Im selben Jahr fielen die letzten Bastionen des Oströmischen Reiches im Nahen Osten an das Kalifat. Gleichzeitig schickte Sa'd ibn Abi Waqqas, der Befehlshaber der muslimischen Truppen im Irak, ein Heer unter Ayadh bin Ghanam zur Eroberung der Landstriche zwischen Euphrat und Tigris bis nach Urfa aus. Fast gesamt Obermesopotamien ergab sich diesem widerstandslos und willigte ein, die Dschizya-Steuer zu zahlen.

Feldzüge in Armenien und Anatolien

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Invasionsroute von Chalid ibn Walid und Ayaz ibn Ghanam in Anatolien

Nachdem die Eroberung von Mesopotamien (Dschazira) 638 n. Chr. abgeschlossen war schickte Abū ʿUbaida Chalid und Ayaz ibn Ghanam (den Eroberer von Dschazira) die oströmischen Provinzen weiter nördlich zu erobern. Sie marschierten getrennt; auf ihrem Weg eroberten sie Edessa, Amida, Melitene und ganz Armenien bis zur Ebene des Ararat. Sie verwüsteten auch Zentralanatolien. Herakleios hatte bereits im Vorfeld alle Festungen zwischen Antiochia und Tartus aufgeben lassen um ein Niemandsland zwischen dem jetzt muslimisch kontrollierten Orient und Anatolien zu schaffen.

Kalif Umar hielt seine Truppen davon ab, noch tiefer nach Anatolien einzudringen und befahl stattdessen Abū ʿUbaida, jetzt Statthalter von Syrien, seine Kontrolle über das Land zu festigen.

Unter der Herrschaft des Kalifen Uthman

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Das islamische Kalifat unter Kalif Uthman (654)

Während der Herrschaft des Kalifen Uthman versuchte Konstans II. die Levante zurückzuerobern.[1][4] Ein Großangriff wurde geplant und eine nennenswerte Streitmacht unter dem Kommando des magister militum per Orientem Valentinus nach Syrien geschickt. Muʿāwiya I., der damalige Statthalter von Syrien, bat den Kalifen um Verstärkung und Uthman befahl dem Kommandanten von Kufa ein Kontingent zu entsenden, das zusammen mit dem Heer in Syrien die Byzantiner in Nordsyrien schlug.

Uthman erlaubte Muawiyah auch den Bau einer Flotte. Von ihren Häfen in Syrien aus eroberten die Muslime so erst 649 Zypern, dann (aber nur vorübergehend) Kreta und Rhodos. Die Flotten brachen danach zu jährlichen Raubzügen auf byzantinische Küstenstädte auf.[4] 655 kam es zur Schlacht von Phoinix, in der die Byzantiner unterlagen. Uthman befahl die Ausrüstung einer Streitmacht, die die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel erobern sollte. Der Plan wurde aber wegen interner Streitigkeiten im Kalifat erst nach der Ermordung Uthmans und mehrere Dekaden später unter der Herrschaft der Umayyaden-Dynastie ausgeführt, endete aber in einer Niederlage.

Verwaltung durch das frühe Kalifat

Die neuen Herrscher unterteilten Syrien in vier Militärdistrikte (dschund): Damaskus, Homs, Jordanien und Filastin (Palästina).[5] Die arabischen Garnisonen waren von der Provinzbevölkerung separiert, für die also anfangs die neue Herrschaft wenig sichtbar war.[1] Die Muslime verhielten sich recht tolerant gegenüber gewissen Religionsgemeinschaften wie den Nestorianern, den Jakobiten und Juden (Anhänger der Buchreligionen), die vorher von den Oströmern/Byzantinern teilweise verfolgt worden waren.[1][4] Da die Loyalität der neu eroberten Regionen für das Kalifat überlebenswichtig war, wurden die Steuern zunächst relativ niedrig gehalten.[4] Die einzigen Steuern, die erhoben wurden waren die Charadsch – eine Landwirtschaftssteuer – sowie die Dschizya, die von allen Nicht-Muslimen gezahlt wurde. Der Steuerdruck nahm erst später zu, wie es denn auch zu gewissen Repressalien kam. Der oströmisch/byzantinische Verwaltungsapparat wurde mangels einer eigenen effektiven Verwaltung zunächst beibehalten, Griechisch blieb bis Ende des 7. Jahrhunderts die Sprache der Verwaltung.

Der Aufstieg der Umayyaden

Als ein Bürgerkrieg nach der Ermordung des Kalifen Uthman und der Ernennung Alis zum Kalifen ausbrach, stieg am Ende der Unruhen die Dynastie der Umayyaden zum neuen Herrschergeschlecht der islamischen Welt auf. Ihr Herzland war Syrien, Damaskus sollte für die nächsten 100 Jahre das Zentrum der islamischen Welt sein.[1]

Das arabische Schrifttum zur islamischen Eroberung der Levante

Die islamische Eroberung der Levante wurde zum Gegenstand einer Anzahl von arabischen Werken, die den Titel Futūḥ aš-Šām führten. Tatsächlich erhalten geblieben sind von diesen Werken nur zwei: eines, das auf al-Wāqidī (st. 822) zurückgeführt wird und in zahlreichen voneinander abweichenden Handschriften überliefert wird, und ein anderes, das von Abū Ismāʿīl Muhammad ibn ʿAbdallāh al-Azdī al-Basrī (frühes 9. Jh.) verfasst wurde.[6] Das Werk von al-Azdī enthält auch den Bericht von einer Disputation zwischen dem Prophetengefährten Muʿādh ibn Dschabal und dem byzantinischen General Bāhān über die Trinität, Mohammed und den Koran. Der Bericht ist aber wahrscheinlich stilisiert: Er ähnelt dem, was über den Dialog überliefert wird, der 781 zwischen dem Katholikos Timotheus I. und dem abbasidischen Kalifen al-Mahdi stattgefunden haben soll.[7]

Literatur

(Für den Artikel nicht ausgewertet!)

  • Fred M. Donner: The Early Islamic Conquests. Princeton University Press, Princeton NJ 1981, ISBN 0-691-05327-8.
  • James Howard-Johnston: Witnesses to a World Crisis. Historians and Histories of the Middle East in the Seventh Century. Oxford University Press, Oxford u. a. 2010, ISBN 978-0-19-920859-3.
  • Walter E. Kaegi: Byzantium and the Early Islamic Conquests. Cambridge University Press, Cambridge 1992, ISBN 0-521-48455-3.
  • Hugh Kennedy: The Great Arab Conquests. How the Spread of Islam changed the World we live in. Da Capo, Philadelphia PA 2007, ISBN 978-0-306-81585-0.

Anmerkungen

  1. a b c d e f "Syria." Encyclopædia Britannica. 2006. Encyclopædia Britannica Online. 20 Oct. 2006 Syria, Medieval period, Islamic conquest -- Britannica Online Encyclopedia
  2. "Syria." Encyclopædia Britannica. 2006. Encyclopædia Britannica Online. 20 Oct. 2006 Syria, Hellenistic and Roman periods, Byzantine Syria -- Britannica Online Encyclopedia
  3. a b c The Sword of Allah: Chalid bin al-Waleed, His Life and Campaigns: page no:576 by Lieutenant-General Agha Ibrahim Akram, Nat. Publishing. House, Rawalpindi (1970) ISBN 978-0-7101-0104-4.
  4. a b c d "Umar (634–644)", The Islamic World to 1600 Multimedia History Tutorials by the Applied History Group, University of Calgary. Last accessed 20 Oct 2006 (Memento des Originals vom 10. April 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. Yaqut al-Hamawi as cited in Guy le Strange: Palestine Under the Moslems: A Description of Syria and the Holy Land from A.D. 650 to 1500. Alexander P. Watt for the Committee of the Palestine Exploration Fund, London 1890, S. 25, OCLC 1004386 (Abgerufen am 16. September 2010).
  6. Vgl. dazu Jens Scheiner: "Grundlegendes zu al-Azdīs Futūḥ aš-Šām" in Der Islam 84 (2008) 1-16.
  7. Vgl. Nancy Khalek: Damascus after the Muslim Conquest. Text and Image in Early Islam. Oxford University Press, New York, 2011. S. 57–59.
Eroberung von Damaskus (635)

Die Eroberung von Damaskus fand im Jahr 635 n. Chr. durch Truppen des sich formierenden Islamischen Kalifats statt. Aufgrund der Quellenlage sind jedoch mehrere Details umstritten.

Geschichte Syriens

Die menschliche Geschichte des Raumes, den heute der Staat Syrien einnimmt, setzt mit den ältesten Spuren von Homininen ein, die vor fast 1,8 Millionen Jahren in der Syrischen Wüste lebten. Eine kontinuierliche Besiedlung fand wahrscheinlich erst sehr viel später statt, spätestens jedoch vor mehr als 600.000 Jahren, als der afrikanische Homo erectus sich über die Alte Welt auszubreiten begann, und dessen ältestes Fossil in Syrien etwa 450.000 Jahre alt ist. Dieser entwickelte sich in Europa und Westasien zum Neandertaler, in Afrika vor mindestens 300.000 Jahren zum Homo sapiens. Beide trafen, wie jüngst israelische Funde nahelegen, vor 150.000 Jahren in der Levante aufeinander, wobei die Nachfahren dieser Jägergruppen bis heute geringe Mengen an Neandertaler-Erbgut in sich tragen. In der Höhle von Dederiyeh fanden sich die bedeutendsten Neandertalerüberreste des Landes. Die Zugewanderten brachten offenbar jeweils neue Geräte und neue Jagdtechniken mit. Eine Art Klebetechnik erlaubte zudem spätestens vor 70.000 Jahren den allgegenwärtigen Einsatz von Kompositwerkzeugen. Außerdem entwickelten sich regionale Kulturen. Das älteste Fossil unserer unmittelbaren Vorfahren ist über 40.000 Jahre alt.

Der Übergang vom Jagen, Sammeln und Fischen zur produzierenden Lebensweise war in der nördlichen Levante, im Gegensatz zum übrigen Mittelmeerraum, keinem Zuwanderungsprozess geschuldet, sondern einem lokalen Vorgang der indigenen Bevölkerungsgruppen, der sich über einen sehr viel längeren Zeitraum erstreckte. Eine frühestbäuerliche Kultur lässt sich bereits im 11. Jahrtausend v. Chr. fassen, wobei der dorthin führende, überaus komplexe Prozess mehrere Jahrtausende früher einsetzte. In diese Zeit, und zwar sowohl vor als auch nach der Entstehung erster bäuerlicher Kulturen, entstanden Monumentalwerke, darunter im 11. Jahrtausend eine erste Stadtbefestigung und mit ihr der älteste Turm der Welt.

Während man früher glaubte, zur bäuerlichen Kultur gehöre auch von Anfang an die Herstellung von Ton- oder Keramikgefäßen, so erwies sich, dass bereits zwischen 15.000 und 13.000 v. Chr. in Ostasien und in Afrika um 9000 v. Chr. Jäger und Sammler derlei Gefäße herstellten. In Westasien setzte diese jedoch erst nach 7000 v. Chr. ein, als die bäuerlichen Kulturen längst stadtartige Siedlungen hervorgebracht hatten. Schon die Hassuna-Kultur entwickelte Ansätze administrativer Tätigkeit. Die Zucht von Schweinen und Rindern, Schafen und Ziegen gesellte sich zunehmend zur pflanzlichen Kost, während die Jagd auf Gazellen, Onager, Wildschweine, aber auch Hasen an Bedeutung verlor. Die Siedlungen wurden deutlich größer, schließlich entstanden erste Stadtstaaten. Doch kam es Ende des 3. Jahrtausends zu einer Siedlungsunterbrechung, vermutlich durch Vieh-Nomaden, die sich bestimmten Naturräumen sehr viel besser anpassen konnten, als Bauern. Spätestens mit Ebla entstand um 2400 bis 2250 v. Chr. eine Stadt von 56 ha Fläche, die zu erheblichen Teilen vom Handel mit Schafwolle lebte, aber auch von anderen weiträumig gehandelten Produkten. Hauptkonkurrentin wurde Mari am Euphrat. Die mesopotamischen Großreiche Akkad und Alt-Assyrien, aber auch die Hethiter und das Neue Reich der Ägypter griffen immer wieder militärisch in Syrien ein, wo mit den Mittani ein eigenes Großreich entstand. In den weniger von den Nachbarreichen dominierten Phasen blühte eine Reihe von Stadtstaaten.

Die Eroberungen der Seevölker veränderten die regionalen Machtverhältnisse nach 1200 v. Chr. brachial, verstärkt durch die in der arabischen Wüste beginnende Völkerwanderung der Aramäer. Sie profitierten von der Domestizierung des Kamels ab etwa 1300 v. Chr., das auch dort als Reit- und Transporttier eingesetzt werden konnte, wo Pferde nicht leben konnten. Zugleich kam es zu einer Wiedergeburt der Stadtstaatenwelt. Erst mit dem Assyrerreich, das im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. nach Syrien expandierte, wurde die Region wieder Teil eines Großreiches. Trotz heftiger Gegenwehr unterwarf das Neubabylonische Reich die Region, dem das Perserreich folgte, dann, nach der Eroberung durch Alexander den Großen, die Seleukiden, schließlich die Römer.

Das Aramäische wurde zur lingua franca des Nahen Ostens, unter den Seleukiden erhielt das Griechische große Bedeutung, während das Lateinische sich nicht dauerhaft durchsetzen konnte. Umgekehrt kam es zu einer von Syrien ausgehenden „Orientalisierung“ des Römerreichs, die bis zum Versuch einer entsprechenden Staatsreligion reichte. In diesem verengten Sinne ist die Christianisierung des Reiches, das den gesamten Mittelmeerraum umfasste, Teil eines früher einsetzenden Prozesses, aus dem sich die neue Religion allerdings zu lösen verstand. Sie wurde Ende des 4. Jahrhunderts zur Staatsreligion. Doch kam es über theologische Fragen zu heftigen Auseinandersetzungen. Dabei wiederum spielte die Levante, die schon sehr früh christianisiert worden war, eine wichtige Rolle, denn die dort vorherrschenden Lehren standen im Widerstreit zu denen von den Kaisern bevorzugten und durch Kirchenkonzile gefestigten Beschlüssen.

Zugleich schlossen sich die arabischen Stämme, die mit Persien bzw. Ostrom noch im Bündnis gestanden hatten – vor allem während des Überlebenskampfes zwischen den beiden Großreichen zwischen 592 und 628 –, zu Verfechtern der Lehre Mohammeds, dessen Anhänger im Laufe der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts auch Syrien eroberten. Bald wurde Damaskus zum Sitz der Kalifen und zur Hauptstadt eines schnell expandierenden Reiches, doch stürzte diese Dynastie eine konservative Revolution unter Führung der Abbasiden. Infolgedessen büßte die Stadt ab 744 ihre zentrale Rolle im Riesenreich zwischen Atlantik und Indus zugunsten von Bagdad ein. Schon nach wenigen Jahrzehnten setzte sich die arabische Sprache durch, weite Teile der Bevölkerung wurden islamisiert, partiell durch erhebliche Zuwanderung.

Doch dieses Reich zerfiel im Laufe des 9. Jahrhunderts, zudem gelang es schiitischen Gruppen auch in Nordafrika, und von da in Ägypten und in der Levante Fuß zu fassen. Mit den Hamdaniden, die immer wieder versuchten, auch Bagdad zu dominieren, beherrschte nach langer Zeit wieder eine lokal gebundene Dynastie den Norden von Syrien und des Iraks. Doch bald geriet die Region in den Konflikt zwischen schiitischen Fatimiden und sunnitischen Seldschuken, sowie das orthodoxe Byzanz. Mit den Kreuzfahrern erreichte eine weitere religiöse Gruppe 1098 Syrien, die ihre anfänglichen militärischen Erfolge zu erheblichen Teilen der starken Machtzersplitterung zu verdanken hatte, die in der gesamten Levante bestand. So entstanden zeitweise vier Kreuzfahrerstaaten, allen voran das Königreich Jerusalem, sowie der schiitische Staat der Assassinen.

Es waren vor allem Abkömmlinge türkischer und kurdischer Gruppen, die als Militärsklaven in die arabischen Länder gelangten. Sie übernahmen später die Macht, und ihnen gelang es schließlich unter Saladin die Kreuzfahrerstaaten endgültig zu schwächen, auch wenn erst mehr als ein Jahrhundert später die letzte Festung geräumt werden musste. Die türkischen Mamluken Ägyptens schlugen 1260 nicht nur die Mongolen zurück, sondern sie eroberten auch ganz Syrien. Damit setzte aber zum Schutz vor einer erneuten Invasion durch christliche Mächte eine städtefeindliche Politik ein, die unter den Hafenstädten fast nur noch Beirut begünstigte. Mit dem Vordringen der Portugiesen in den indischen Ozean verloren die Mamluken um 1507/09 ihr weitgehendes Handelsmonopol mit Indien, 1516 unterlagen sie den Osmanen, die das gesamte Reich 1516/17 eroberten. 1520/21 kam es zum Aufstand des Damaszener Statthalters Janbirdi al-Ghazālī, doch scheiterte er an Aleppo und wurde schließlich bei Damaskus besiegt, das schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Während wenige Familien in den vier bedeutenden Provinzhauptstädten Syriens, also in Damaskus, Aleppo, Tripolis und Sidon zu enormen Vermögen gelangten, geriet das flache Land immer mehr ins Hintertreffen. Doch waren Eingriffe in die Sozialstruktur, in regionale Sitten und Gebräuche weder gewollt noch durchsetzbar. Zudem folgten die lokalen Gruppen einer anderen Rechtsschule, als der von Konstantinopel entsandte oberste Richter. Das osmanische Steuerpachtsystem sorgte für eine weitere Entfremdung zwischen Zentrale und Peripherie. Zudem suchten religiöse Minderheiten nach 1600 zunehmend Schutz im Ausland, wie etwa die Drusen beim Herzogtum Toskana.

Endgültig erschüttert wurde die osmanische Herrschaft durch die Rückgewinnung der Macht in Ägypten durch die Mamluken, eine Entwicklung, die durch den Versuch Napoleons im Jahr 1799 militärisch zu intervenieren, zunächst gebremst, dann aber durch die Herrschaft des Mamluken Muhammad Ali verstärkt wurde. Ohne Intervention der westeuropäischen Mächte in den Jahren 1839 bis 1841 wäre das Osmanenreich bereits zu diesem Zeitpunkt von dem albanischen Herrscher erobert worden.

Nun versuchte Konstantinopel im Wettlauf mit den entstehenden Industriemächten mitzuhalten, und so wurde Syrien vor allem zum Lieferanten von Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Der soziale Druck gerade im ländlichen Bereich, nunmehr aber auch in den wachsenden Städten des noch dünn besiedelten Gebietes führte zu Aufständen gegen die Grundbesitzer, die sich, wie etwa im Bürgerkrieg im Libanongebirge mit ethnisch-religiösen Auseinandersetzungen verbanden, was 1860 in Damaskus zu einem Massaker an den dortigen Christen führte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu Verwaltungsreformen, zur Militarisierung der Gesellschaft, zu großangelgeten Investitionen in den Grundbesitz und zur Entwicklung eines Bankensystems, aber auch zu einer Verschärfung des türkischen Nationalismus', der sich im Ersten Weltkrieg in Form von Völkermorden gegen Armenier, aber auch Assyrer und Aramäer richtete. Zugleich machten die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich den Arabern Zusagen für einen unabhängigen Staat, sagten aber zugleich einen solchen den jüdischen Siedlern zu. Am Ende des Krieges wurde Frankreich ein Mandat über Syrien durch Völkerbund zugesprochen.

Während dieser Zeit verstärkte sich die Zuordnung der Individuen zu etnisch-religiösen Gruppen, die Paris zudem als Grundmuster wahrnahm und dementsprechend alle Konflikte vor allem vor diesem Hintergrund deutete. So erhielten die Alawiten ein eigenes Gebiet, ebenso wie die Drusen, dann die Maroniten, wodurch die Abtrennung des Libanon als eigener Staat eine Begründung fand, und auch die Kurden verlangten ein eigenes Territorium.

Während des Zweiten Weltkriegs gelang es den Achsenmächten erst nach der Besetzung Frankreichs im Jahr 1940 verstärkt Einfluss zu nehmen. Das von Deutschland abhängige Vichy-Regime setzte sich zunächst in Syrien durch, doch Briten und Franzosen besetzten Syrien ab dem 8. Juni 1941. Damaskus fiel am 21. Juni fast kampflos, zumal dem Faschismus im Land beinahe jeder Rückhalt fehlte. Trotz Unabhängigkeitserklärung durch General Georges Catroux versuchte Paris das Mandat beizubehalten. Der Konflikt eskalierte gegen Kriegsende, so dass Damaskus bombardiert wurde. Erst die gemeinsame Intervention Großbritanniens und der USA zwang Paris, Syrien 1946 aufzugeben.

Die Staatsgründung Israels, gegen das Syrien an vier Kriegen teilnahm, und der Panarabismus unter Führung von Ägyptens Gamal Abdel Nasser, dazu eine laizistische Regierung, waren die dominierenden Themen der Nachkriegszeit vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Seit 1963 beherrscht die bis 2003 auch im Irak herrschende Baath-Partei das Land, die sich vielfach im Libanon einmischte, den sie als Teil Syriens betrachtet. Ab 1970 dominierte Hafiz al-Assad, der 1982 einen Islamistenaufstand niederschlug, und der sich an die Sowjetunion anlehnte, später Russland, seit 2000 sein Sohn Baschar al-Assad. Seit 2011 herrscht ein von zahlreichen Gruppen befeuerter Bürgerkrieg, in den sich schließlich auch Russland massiv einmischte, ebenso wie die USA und jüngst die Türkei.

Geschichte des Libanon

Dieser Artikel beschreibt die Geschichte des Landes Libanon.

Heiliges Land

Die Bezeichnung Heiliges Land (hebräisch ארץ הקודש Éreẓ haQodeš, Latein: Terra Sancta, griechisch Άγιοι Τόποι Hagioi Topoi, arabisch الأرض المقدسة, DMG al-Arḍu l-Muqaddasa) ist eine allgemein-religiöse Bezeichnung für die historische geografische Region Kanaan bzw. Palästina. Sie betrifft Gebiete von religiöser Wichtigkeit für die monotheistischen abrahamitischen Religionen Samaritaner, Judentum, Christentum, Islam und Bahai.

Herakleios

Herakleios (lateinisch Flavius Heraclius; mittelgriechisch Φλάβιος Ἡράκλειος Flavios Heraklios; * um 575; † 11. Februar 641) war vom 5. Oktober 610 bis zum 11. Februar 641 oströmischer bzw. byzantinischer Kaiser. Er war einer der bedeutendsten byzantinischen Herrscher und kann zugleich als der letzte Herrscher der Spätantike und der erste Kaiser des mittelbyzantinischen Reiches gelten. Die von ihm begründete Dynastie regierte bis zum Jahre 711.

Herakleios’ gesamte Regierungszeit war geprägt von einem militärischen Abwehrkampf gegen äußere Aggressoren, zuerst gegen die Perser, später dann gegen die Araber. Im Inneren vollzog sich die Wandlung hin zum nun vollständig gräzisierten Imperium, wobei Staat und Gesellschaft tiefen Veränderungen unterworfen waren.

Islamische Expansion

Die islamische Expansion bezeichnet im Folgenden die Eroberungspolitik der Araber von der Mitte der 630er Jahre an und die damit einhergehende Ausdehnung des Islam bis ins 8. Jahrhundert hinein. Mit dem Beginn der islamischen Expansion wird häufig auch das Ende der Antike angesetzt.

In den 630er Jahren begann der Angriff der Araber auf das Oströmische bzw. Byzantinische Reich und das neupersische Sassanidenreich, wobei beide spätantiken Großmächte von einem langjährigen Krieg gegeneinander stark geschwächt waren. Die Oströmer verloren 636 Palästina und Syrien, 640/42 Ägypten und bis 698 ganz Nordafrika an die Araber. Während die Oströmer ein Restreich mit dem Schwerpunkt Kleinasien und Balkan halten konnten, ging das Sassanidenreich 651 unter. In den folgenden Jahrzehnten griffen die Araber auch zur See. Sie eroberten zu Beginn des 8. Jahrhunderts das Westgotenreich auf der Iberischen Halbinsel und drangen im Osten bis nach Zentralasien vor.

Mehrere Städte ergaben sich oft kampflos bzw. nach Verhandlungen den neuen Herren. Christen, Zoroastrier und Juden durften als „Leute des Buches“ ihren Glauben behalten, mussten aber Sondersteuern entrichten und Restriktionen bei der Glaubensausübung akzeptieren. Die Islamisierung der eroberten Gebiete verlief unterschiedlich schnell und ging zunächst eher langsam voran; noch gut 300 Jahre nach der militärischen Eroberung stellten Muslime in vielen Teilen des Reiches nicht die Mehrheit.

Der arabische Vormarsch konnte schließlich im Osten von den Byzantinern gestoppt werden, während den Arabern im Westen nur kleinere Vorstöße in das Frankenreich gelangen. Damit begann im Frühmittelalter die fortdauernde Teilung Europas und des Mittelmeerraums in einen islamischen und einen christlichen Teil, der seinerseits in einen lateinischen Westen und einen von Byzanz dominierten griechischen Osten zerfiel.

Israel

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Israel (hebräisch ישראל Jisra'el) bzw. in Langform Staat Israel (hebräisch

Medinat Jisra'el) ist ein Staat in Vorderasien an der Ostküste des Mittelmeers. Israel ist der einzige Staat der Welt mit mehrheitlich jüdischer Bevölkerung und gemäß eigenem Selbstverständnis Nationalstaat des jüdischen Volkes. Israel gehört geographisch zum Maschrek und grenzt an den Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten sowie an Gazastreifen und Westjordanland. Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist Jerusalem, größtes Ballungszentrum ist Gusch Dan um die am Mittelmeer gelegene Metropole Tel Aviv-Jaffa. Politik und Geschichte des Staates sind erheblich durch den andauernden Nahostkonflikt geprägt.

Das Gebiet des heutigen Israel war seit Christi Geburt nacheinander unter römischer, byzantinischer, arabischer, osmanischer und zuletzt britischer Kontrolle. Ab dem ausgehenden 19. Jhd. bestanden unter europäischen Juden Bestrebungen, in damals osmanischen Palästina einen jüdischen Nationalstaat zu errichten. Die ersten politischen Grundsteine dafür wurden beim Ersten Zionistischen Weltkongress in Basel im Jahr 1897 unter der Leitung von Theodor Herzl gelegt, die beabsichtigte Staatsgründung nahm durch die Balfour-Deklaration von 1917 konkretere Formen an. Von 1920 bis 1948 bestand das Völkerbundsmandat für Palästina unter britischer Vorherrschaft, verstärkte jüdische Einwanderung und Aufbau staatlicher Strukturen führten zu Konflikten mit der arabischen Bevölkerung. Der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 sollte diese beilegen, wurde allerdings von arabischer Seite abgelehnt. Am 14. Mai 1948 erfolgte die Israelische Unabhängigkeitserklärung und sogleich ein Krieg gegen die arabischen Nachbarstaaten. Die Geschichte seit der Unabhängigkeit ist von verstärkter jüdischer Einwanderung und dem andauernden arabisch-israelischen Konflikt geprägt.

Das politische System Israels basiert auf einem parlamentarischen Regierungssystem. Regierungschef ist der von der Knesset gewählte Ministerpräsident, das Staatsoberhaupt der Staatspräsident mit überwiegend repräsentativen Aufgaben. Israel ist als freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat mit einem ausgeprägtem Sozialstaat verfasst; das Land gilt gemeinhin als die „einzige Demokratie im Nahen Osten“. Der zentralistisch verwaltete Staat ist in sechs Bezirke und diese wiederum in 71 Städte, 141 Gemeinden und 53 Regionalverbände (Zusammenschlüsse mehrerer kleinerer Ortschaften zu Verwaltungsgemeinschaften) unterteilt.

Das dicht besiedelte Land hat 2019 etwa 9 Mio. Einwohner, davon ca. 6,7 Mio. Juden (74,2 %), 1,9 Mio. nichtjüdische Araber (20,9 %) und einige weitere traditionell im Land beheimatete Minderheiten wie Aramäer, Samaritaner, Armenier, Tscherkessen und Roma. Das Rückkehrgesetz gestattet es allen Juden, sich in Israel niederzulassen. Seit etwa 1990 leben auch zunehmend legale asiatische und osteuropäische Arbeitsmigranten sowie illegale Einwanderer aus Afrika im Land.

Die jüdische Bevölkerung setzt sich aus Aschkenasim, Misrachim, Sephardim, Falaschen sowie aus jemenitischen Juden zusammen, wobei eine zunehmende Verschmelzung dieser Gruppen zu beobachten ist. Die Mehrheit arabischer Israelis sind Muslime, eine Minorität unter den Arabern in Israel bilden Christen und Drusen.

Trotz widriger äußerer Umstände (exponierte geografische Lage, Mangel an Wasser und Rohstoffen, Abhängigkeit von ausländischem Kapital, Kriege mit den arabischen Nachbarstaaten) ist es Israel gelungen, einen hoch entwickelten Industriestaat aufzubauen. Die heutige israelische Wirtschaft ist von einer fortschrittlichen Landwirtschaft und einer spezialisierten, stark exportorientierten Industrie geprägt. Wichtige Industriesektoren sind die Diamantenverarbeitung, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie die Halbleitertechnik, im Dienstleistungssektor ist die Finanzwirtschaft, die Softwareentwicklung und der Tourismus zu nennen. Von wachsender Bedeutung ist die High-Tech-Industrie; das Land hat die höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung pro Einwohner und die höchste Dichte an Start-ups weltweit. Ausgeprägt ist die hohe soziale Ungleichheit, die hauptsächlich durch die unzureichende wirtschaftliche Integration der arabischen und ultraorthodoxen Bevölkerungsteile bedingt ist. Das Land ist seit 2010 Mitglied der OECD. Nach dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) weltweit auf Platz 22 (Platz 1 im Nahen Osten, Platz 4 in Asien, Stand 2017) und zählt damit zu den sehr hoch entwickelten Volkswirtschaften.

Römisches Palästina

Das römische Palästina bestand von 63 v. Chr. bis etwa 634 n. Chr. Es durchlief während dieser sieben Jahrhunderte verschiedene Grade der Abhängigkeit vom Römischen Reich. Obwohl die Levante insgesamt römisch und Palästina der Provinz Syria zugeschlagen wurde, bestand dort zunächst eine Herrschaft des Hohepriesters von Jerusalem, dann ein Klientelkönigtum, das zwischen den Großmächten und den Kontrahenten der Spätphase der römischen Bürgerkriege lavierte. Dessen bekanntester Herrscher war der Idumäer Herodes, zumal Jesus von Nazaret gegen Ende seiner Herrschaft geboren wurde. Die Machtkämpfe innerhalb der Dynastie veranlassten Rom immer wieder zum Eingreifen. Der letzte Hasmonäerkönig wurde zugleich zum religiösen Oberhaupt aller Juden sowohl in Palästina als auch in der jüdischen Diaspora. Auch das Königreich der Nabatäer um die heute zu Jordanien gehörende Stadt Petra wurde 62 v. Chr. römisch, konnte sich jedoch bis 106 n. Chr. eine relative Unabhängigkeit bewahren.

Der im Jahr 66 n. Chr. begonnene Aufstand gegen das Römische Reich scheiterte im Jahr 70 und endete mit dem Fall Jerusalems und der Zerstörung des Tempels des Herodes. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde aus Judäa eine Provinz, zu deren Hauptstadt nun Caesarea wurde. Das Sanhedrin, bis dahin die oberste jüdische religiöse und politische Instanz und gleichzeitig das oberste Gericht, wurde als Priestergremium, in das nun nur noch Gelehrte gelangen konnten, neu gegründet. Der Diasporaaufstand (115–118) und der Aufstand unter Simon Bar Kochba (132–135) wurden gleichfalls niedergeschlagen. Um 166 nahm das Sanhedrin schließlich seinen Sitz in Tiberias, wo inzwischen die meisten Juden lebten, da ihnen der Zutritt zu Jerusalem verboten war – ein Zustand, der bis zur islamischen Eroberung anhielt und nur von 425 bis 460 für die Betrauerung der Zerstörung des Tempels erlaubt war. Der Vorsitzende blieb die wichtigste geistliche Autorität der Juden in Palästina und in der Diaspora, ehe das inzwischen in einer Dynastie erbliche Amt des Patriarchen durch Rom aufgehoben wurde. Die Juden lebten vor allem in Galiläa, doch befanden sich auch Siedlungen im Hauran, auf den Golan und im Gebiet zwischen Aschkalon und En Gedi.

Während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts machte sich die Levante unter Führung der großen Handelsstadt Palmyra weitgehend unabhängig, doch eroberte Kaiser Aurelian das Reich von Palmyra bis 273 für Rom zurück. Gegen Palmyra kam es in Palästina zu Unruhen, über die fast keine Überlieferung besteht. Mit der Verlegung der Reichshauptstadt von Rom nach Byzanz, das bald Konstantinopel hieß, wurde das Christentum nach und nach die dominierende Religion im Reich, 380 sogar Staatsreligion. Spätestens mit der Durchsetzung als Staatsreligion gerieten nicht nur die paganen Kulte, sondern auch das Judentum Palästinas in die Defensive. Gesetzliche Behinderungen und örtliche Verfolgungen führten 351/352 und um 440 zu Erhebungen.

Dabei erhielt das christliche Jerusalem schon 325 einen Ehrenvorrang, 451 die Jurisdiktion über Palästina. Im 6. Jahrhundert stand das Patriarchat Jerusalem auf einer Ebene mit denen von Konstantinopel und Rom, Antiochia und Alexandria. Zugleich spitzten sich sowohl die Kämpfe zwischen Juden und Christen, als auch die innerhalb des Christentums immer wieder zu. Auch die Samaritaner erhoben sich in den Jahren 484 und 529/30 sowie 555. Die Ursache lag in der zunehmend gegen religiöse Minderheiten feindlichen kaiserlichen Politik. 578 erhoben sich sowohl Juden als auch Samaritaner abermals. Die Kaiser konnten auch zwischen den aus christologischen Gründen und über die Natur Gottes zerstrittenen Gruppen keinen Kompromiss erzielen. Hingegen gelangen Missionserfolge sowohl von Christen als auch von Juden bei den Arabern, die in den Randgebieten Palästinas und auf der arabischen Halbinsel lebten.

Bis um 300 breitete sich das seit 212 auf das Gesamtreich ausgedehnte Munizipalsystem über die gesamte Provinz aus, sieht man von Obergaliläa, dem Golan und den kaiserlichen Besitzungen in Jericho und dem nördlichen Negev ab. Die Städte waren inzwischen stark romanisiert, die Mehrheit sprach Griechisch. Hingegen wurden aus der Mehrzahl der Bauern Kolonen, die bei schweren Strafen an das Land, das sie bearbeiteten, gebunden waren, während ihr Herr zunehmend auch rechtliche Gewalt über sie erlangte. Die Gesamtbevölkerung erreichte fast wieder die Zahl, die sie vor den großen Aufständen aufgewiesen hatte.

Einen ersten langen Zusammenbruch der römischen Herrschaft in der ausgehenden Spätantike verursachten die Perser unter den Sassaniden, die 614 bis 630 in Jerusalem herrschten und ihr Gebiet bis weit nach Nordafrika und Kleinasien ausdehnten. Wenige Jahre nachdem sie zurückgeschlagen worden waren, drangen Anhänger des auf Mohammed zurückgehenden Islams, dessen Hauptträger zunächst überwiegend Araber waren, ab 632/634 nach Palästina vor und eroberten die Provinz bis 640. Die Bevölkerungsverluste dieser Kriege waren offenbar sehr hoch. Die neuen Herren ließen die Juden wieder in Jerusalem zu und stellten die nichtislamischen Religionen auf eine Stufe. Die Muslime blieben hingegen frei von Abgaben, wobei fast nur den Arabern die führenden Positionen offenstanden.

Syria

Die römische Provinz Syria wurde im Jahre 63 v. Chr. vom Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus eingerichtet und blieb bis zur Eroberung durch die Araber in den 630er Jahren Teil des Römischen Reiches bzw. (seit 395) des Oströmischen Reiches. Das heutige Syrien, das etwas weniger als das Gebiet der römischen Provinz umfasst, ist nach ihr benannt.

Meist wird angenommen, der Name Syria sei von Assyria abgeleitet; einige Forscher glauben hingegen an einen Zusammenhang mit der Stadt Tyros – der Anlaut wurde im einheimischen antiken Dialekt offenbar wie „ts“ gesprochen, weshalb „(T)Syria“ auch nach einem der lange Zeit wichtigsten Orte der Region benannt worden sein könnte.

Herodes Archelaos, der Judäa, Samaria und Idumäa beherrschte, wurde im Jahre 6 durch Augustus verbannt. Archelaos’ Herrschaftsgebiet wurde nun fester Bestandteil des Imperiums und von einem Landpfleger verwaltet. In den Jahren 34 und 37 wurde der Rest des Reiches des Herodes ebenfalls Teil des Römischen Reiches. Diese Teile wurden in der Zeit Hadrians, infolge des großen jüdischen Aufstands, zur Provinz Syria Palaestina reorganisiert.

Der mächtige Statthalter der Provinz Syria hatte seinen Sitz in Antiochia am Orontes, einer der größten und bedeutendsten Städte des Imperiums. Zusätzlich waren starke Truppenverbände in der Provinz stationiert, um die Ostgrenze gegen die Parther zu schützen. In der frühen Prinzipats­zeit standen vier Legionen in der Provinz.

Die Provinz produzierte unter anderem Olivenöl, Wein, Zedern­holz, purpur­gefärbte Stoffe, Gläser und elfenbein­verzierte Kleinmöbel. Außerdem war die Provinz Endpunkt für den Seiden­handel über die Seidenstraße aus China und den Gewürz­handel aus Indien.

193/194 wurde Syria in die beiden Provinzen Syria Coele und Syria Phoenice aufgeteilt, die wiederum in der Spätantike in noch kleinere Einheiten unterteilt wurden. Das Gebiet der syrischen Provinzen erlebte trotzdem bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts eine Blütezeit und stellte damit neben Ägypten eine der wichtigsten Regionen des Reiches dar, wenn es seit dem 3. Jahrhundert auch immer wieder zu Einbrüchen der persischen Sassaniden kam.

Im 7. Jahrhundert wurden die syrischen Provinzen von den islamisierten Arabern erobert.

Syrien

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Syrien (amtlich Syrische Arabische Republik, arabisch الجمهورية العربية السورية al-Dschumhūriyya al-ʿarabiyya as-sūriyya) ist ein Staat in Vorderasien und Teil des Maschrek. Syrien grenzt im Süden an Israel und Jordanien, im Westen an den Libanon und das Mittelmeer, im Norden an die Türkei und im Osten an den Irak. Die Insel Zypern befindet sich etwa 125 km Luftlinie von der syrischen Küste entfernt. Mit rund 185.000 km² ist Syrien ungefähr halb so groß wie Deutschland. Im Jahr 2010 lebten knapp 21 Mio. Menschen im Land, die meisten in Aleppo, der Hauptstadtregion von Damaskus, in Homs, Hama und Latakia.

Die 63 v. Chr. begründete römische Provinz Syria war reich und bedeutend, nach der Islamisierung im Jahr 634 wechselte das Gebiet zwischen Herrschaftsansprüchen. Die Syrische Republik wurde erstmals im Jahr 1930 gegründet und im Jahr 1946 unabhängig. Seit einem Staatsstreich 1963 regiert die arabisch-sozialistische Baath-Partei das Land diktatorisch.

Seit Frühjahr 2011 entwickelte sich aus Demonstrationen gegen die syrische Regierung der Bürgerkrieg in Syrien, der bislang (Stand 3/2017) nach Schätzung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 465.000 Todesopfer gefordert hat. Mehr als 5 Mio. Syrer sind (Stand 3/2017) aus dem Land geflohen, in Nachbarländer oder nach Europa. 6,3 Mio. weitere sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Der Bürgerkrieg führte zu einer De-facto-Teilung des Landes. Die Terrororganisation Islamischer Staat kontrollierte im Mai 2015 über die Hälfte des syrischen Staatsgebiets, in dem allerdings kaum 15 % der Bevölkerung leben, während die Hauptstadt Damaskus, 10 der 13 Provinzhauptstädte und die dicht besiedelten Gebiete im Westen des Landes, in dem die Mehrheit der Bevölkerung lebt, weiterhin unter der Kontrolle syrischer Regierungstruppen stehen. Die restlichen Gebiete werden von Rebellengruppen wie der Freien Syrischen Armee, kurdischen Milizen und dem al-Qaida-Ableger al-Nusra-Front kontrolliert.

Neben sunnitischen Muslimen gibt es in Syrien etwa 12 % Alawiten. Bereits in vorislamischer Zeit lebten Christen in Syrien, sie stellen heute noch etwa 10 %. Es gibt im Land acht staatliche und mehrere private Universitäten, darunter die deutsch-syrische Wadi International University. Wirtschaftlich sind für Syrien die Landwirtschaft, die Förderung und der Export von Erdöl sowie die Erzeugung von Textilien und Nahrungsmitteln bedeutend. Durch den Bürgerkrieg brach die Wirtschaftsleistung jedoch stark ein, die Syrische Lira unterlag zeitweise einer starken Inflation.

Valentinos (Feldherr)

Valentinos (mittelgriechisch Οὐαλεντῖνος, lateinisch Valentinus; † 644) war ein byzantinischer Feldherr, Prätendent auf die Kaiserkrone und unter Kaiser Konstans II. zeitweise Regent des byzantinischen Reiches.

ʿUmar ibn al-Chattāb

ʿUmar ibn al-Chattāb (arabisch عمر بن الخطاب, DMG ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb; * 592 in Mekka; † 3. November 644 in Medina), oft kurz Omar und mit dem Beinamen al-Fārūq („der die Wahrheit von der Lüge unterscheidet“), war der zweite islamische Kalif (634–644). Die Sunniten betrachten ihn als einen der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen. Die imamitischen Schiiten erkennen ihn dagegen nicht als Kalifen an.

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