Iberische Halbinsel

Die Iberische Halbinsel (von lateinisch Hiberi/ Iberi ‚die Bewohner der Landschaft Hiberia in Hispanien)[1] bzw. Pyrenäenhalbinsel ist der Teil Europas, der südwestlich der Pyrenäen liegt. Spanien, Portugal, das Fürstentum Andorra und Gibraltar sind die heutigen Staaten auf der Halbinsel. Spanien nimmt etwa 85 Prozent der Fläche ein. Portugal liegt an der Westküste. Andorra liegt im Nordosten inmitten der Pyrenäen, des Grenzgebirges zu Frankreich. Gibraltar an der Südspitze der Halbinsel ist ein Britisches Überseegebiet. Die Straße von Gibraltar, welche an der schmalsten Stelle 14 Kilometer breit ist, trennt die Halbinsel von Afrika.

Iberische Halbinsel
Iberian peninsula

Lage der verschiedenen Länder und Territorien
Geographische Lage
Karte von Iberische Halbinsel
Koordinaten 40° N, 4° W
Region-ISO ES
Gewässer 1 Atlantischer Ozean
Gewässer 2 Mittelmeer
Fläche 583.254 km²

Topografie

Ebro spanien
Der Ebro in Nordspanien

Die Halbinsel wird von fünf großen Flüssen durchzogen (Ebro, Guadiana, Guadalquivir, Tajo (span.) bzw. Tejo (port.) und Duero (span.) bzw. Douro (port.)) und ist fast vollständig von Gebirgszügen umschlossen. Im Norden trennt die westliche Fortsetzung der Pyrenäen, das Kantabrische Gebirge, den Golf von Biskaya mit der Costa Verde von einer Hochebene, die sogenannte Meseta (von span. Mesa = Tisch), welche einen großen Teil des Binnenlandes einnimmt. Salamanca, León und Burgos sind die beherrschenden Orte. Die Meseta wird vom Kastilischen Scheidegebirge in eine Nord- und Südhälfte geteilt. Im Südwesten geht die Hochebene in die bergigere Extremadura über, mit der sie geologisch eine Einheit bildet. Aragonien, das Flusssystem des Ebro, bildet im Osten südlich der Pyrenäen ein Flussdreieck um Saragossa, das durch ein niedriges Randgebirge (v. a. der Costa Brava) vom Mittelmeer getrennt ist.

Ost-West-Flüsse

Iberian Peninsula base map with rivers and names
Flüsse auf der iberischen Halbinsel

Die Flusssysteme von Duero, Tajo, Guadiana und Guadalquivir – von Nord nach Süd aufgezählt – verlaufen von Osten nach Westen quer durch die Iberische Halbinsel. Ihren gemeinsamen Ursprung haben sie an den Sierras des iberischen Gebirges (span. Sistema Ibérico). Das iberische Gebirge bildet von Westen betrachtet den hohen Ostrand des zentralen Tafellandes und ist die Hauptwasserscheide zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Mittelmeer.

Berge und Küstengebirge

Die Nordküste Spaniens verläuft fast in gerader Linie und bildet nur zwischen Gijón und Avilés sowie zwischen Ribadeo und A Coruña (spanisch La Coruña) bedeutendere Vorsprünge nach Norden. Im Westen schließen sich die Bergketten der Region Galicien an. Der die Grenze zwischen Spanien und Frankreich bildende Fluss Bidasoa läuft am nordwestlichen Ausläufer der Pyrenäen zwischen Hendaye und Irun in den Golf von Biskaya.

Die Süd- und Ostküste bildet die Sierra Nevada mit ihren Vorgebirgen und im Meer endenden Landvorsprünge. Der höchste Berg der Halbinsel ist mit 3482 m Höhe der Mulhacén, der in Andalusien in der Provinz Granada liegt. Die zum Mittelmeer davor liegenden Küstenabschnitte bilden die Buchten/Golfe von Cádiz, Málaga, Almería, Cartagena, Alicante und den Golf von Valencia (von Westen nach Osten).

Das europäische Faltengebirge findet seine Entsprechung durch die Auffaltung der Atlasgebirge an der Nordwestseite der afrikanischen Platte.

Portugiesische Küstenregionen

Die portugiesischen Küstenregionen bilden den Südwesten der Halbinsel. Der Minho liegt davon im Nordwesten und im Nordosten Trás-os-Montes („Hinter den Bergen“).

Die wichtigsten Landschaften in Mittelportugal sind die Beira, der Ribatejo (die Tejo-Ebene mit Beinamen „Garten Lissabons“), die Estremadura sowie das Mündungsgebiet des Tejo.

Der Süden Portugals setzt sich aus den drei Landschaften Terras do Sado, Alentejo und Algarve zusammen (Von Norden nach Süden).

Geschichte

Der Name der Iberischen Halbinsel ist von der Volks- oder Stammesgruppe der Iberer abgeleitet, die laut der griechischen Überlieferung die Halbinsel in der Antike bewohnten. Deren Name wiederum leitet sich vom Fluss Ebro (lateinisch Iberus) ab, der vom Nordosten Spaniens aus ins Mittelmeer fließt.

Iberia (Ιβηρία) war die griechische Bezeichnung dieser Gegend.

Im Lateinischen wurde die Region Hispania genannt, wovon España und Spanien abgeleitet sind. Die römische Provinz Lusitania im Südwesten der Halbinsel umfasste den größten Teil des heutigen Portugal sowie Teile von Extremadura. Lusitania wurde daher zum lateinischen Namen Portugals, eingedeutscht Lusitanien.

Im Mittelalter gehörten große Teile der Iberischen Halbinsel zur islamischen Welt. Der maurische Einfluss hat die hispanische Kultur auf nachhaltige Art und Weise geprägt. Vom 8. Jahrhundert an bis zum 2. Januar 1492 (Sieg über Boabdil) verlief die allmähliche Reconquista („Rückeroberung“) von Al-Andalus durch die christlichen Reiche. Die verbliebenen Muslime und auch die spanischen Juden, die Sephardim, mussten im Zuge dieser Eroberungskriege Spanien verlassen oder zum Christentum konvertieren.

Länder und Territorien

Politische Aufteilung[2]
Gebiet Bevölkerung Größe (km²) Hauptstadt
Spanien Spanien 42.167.337 493.519 Madrid
Portugal Portugal 10.077.388 89.261 Lissabon
Andorra Andorra 81.222 467,76 Andorra la Vella
Gibraltar Gibraltar 27.967 6,50 Gibraltar
Insgesamt 52.353.914 583.254

Siehe auch

Literatur

  • Debora Gerstenberger: Iberien im Spiegel frühneuzeitlicher enzyklopädischer Lexika Europas. Diskursgeschichtliche Untersuchung spanischer und portugiesischer Nationalstereotypen des 17. und 18. Jahrhunderts (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 110). Franz Steiner, Stuttgart 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8., verbesserte und vermehrte Auflage. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1918 (zeno.org [abgerufen am 11. April 2019]).
  2. Angaben zu Portugal ohne Madeira und zu Spanien ohne die Azoren, Balearen, Kanaren, Ceuta und Melilla, da diese Gebiete nicht auf dem Festlandsockel liegen.
1190er

Die neunziger Jahre des zwölften Jahrhunderts gehören in Europa zur Epoche des Hochmittelalters. Die europäische Kunst ist vom Übergang von der Romanik zur Gotik geprägt, die von Frankreich ausgegangen war und sich dort bereits durchgesetzt hat. In der europäischen Literatur entwickelt sich, ebenfalls von Frankreich ausgehend, die höfische Dichtung.

Anthropomorphe Felsgräber der Iberischen Halbinsel

Anthropomorphe Felsgräber der Iberischen Halbinsel (spanisch Tumba Olèrdolana; portugiesisch Sepulturas escavadas na Rocha) finden sich zumeist in Nekropolen (größeren Begräbnis- und Weihestätten). Die Felsgräber weisen meist eine anthropomorphe Form auf, sind also der menschlichen Körperform ähnelnd gestaltet. Sie waren ursprünglich von einer Deckplatte bedeckt und in den meisten Fällen – gemäß christlicher Überzeugung – nicht von Grabbeigaben begleitet. Die in massive Felsplatten geschlagenen Gräber sind eine für die Iberische Halbinsel typische Erscheinung. Obwohl einige Beispiele außerhalb des iberischen Raums bekannt sind (z. B. Felsgräber von Heysham, England; Abtei Saint-Roman bei Beaucaire, Église Saint-Pantaléon (Vaucluse), Kapelle St. Croix (Montmajour) und der Odilienberg, alle in Frankreich, oder in der Nekropole von Marshan, Tanger, Marokko), konzentriert sich hier die überwiegende Mehrheit.

Arevaker

Die Arevaker (spanisch: Arévacos; in antiken Quellen auch Arvatkos oder Areukas genannt) waren eine keltiberische Stammesgruppe im Zentrum und im Norden der Iberischen Halbinsel. Die größte und wohl auch wichtigste Stadt ihres Siedlungsgebietes war Numantia.

Autrigonen

Die Autrigonen (seltener auch Autrigonier) waren ein keltischer Stamm, der vor dem Eintreffen der Römer im Norden der Iberischen Halbinsel siedelte.

Barbakane

Die Barbakane (auch der Barbakan) ist ein dem Tor einer spätmittelalterlichen bzw. renaissancezeitlichen Burg oder Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk in Form einer runden Bastei. Die in klassischer Baumanier runde Bauform diente als Kanonenbastion ohne Vorzugsrichtung für das Richten der dort frei aufgestellten Kanonen. Die Barbakanen entstammen dem Versuch, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf die Feuerwaffen zu reagieren, indem man den Toren gut zu verteidigende zusätzliche Wehr- und Schutzbauten vorschaltete. Später wurden Raveline in ähnlicher Funktion eingesetzt.

Castrokultur

Castrokultur (portugiesisch: Cultura Castreja, galicisch: Cultura Castrexa, spanisch: Cultura Castreña) ist eine zusammenfassende archäologische Bezeichnung für eisenzeitliche Kulturen auf der nordwestlichen Iberischen Halbinsel, die seit dem Ende der Bronzezeit (1. Jahrtausend v. Chr.) bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. bestanden. Zwischenzeitlich gab es Kritik an diesem Konzept.

Ebro

Der Ebro (kat. Ebre, von lat. Iberus, baskisch ibar, „Tal, Flusstal“) ist ein großer Fluss im Nordosten Spaniens. Mit etwa 910 Kilometern ist er der zweitlängste Fluss der Iberischen Halbinsel (nach dem Tajo). Sein Einzugsgebiet hat eine Fläche von 85.362 Quadratkilometern. Seinen Namen bekam er vermutlich von den Karthagern im Rahmen des Vertrages zwischen Karthago und Rom vor dem zweiten punischen Krieg, in dem der Ebro als Grenze festgelegt wurde. Übernommen wurde der Name damals von den Basken, die schon immer dort gelebt hatten und den Fluss in ihrer vorindogermanischen Sprache benannt hatten.

Felsmalereien in der spanischen Levante

Für vorgeschichtliche Felsmalereien in der spanischen Levante (auch: Levante-Kunst) ist ein großes Gebiet im Hinterland der spanischen Ostküste bekannt, das mehrere Tausend freiliegende Felsmalereien aus der Jungsteinzeit enthält. Insgesamt 727 Fundplätze wurden im Jahre 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Gerichtssäule

Eine Gerichtssäule oder Gerichtsbarkeitssäule (manchmal auch Gerichtspfeiler) grenzte früher den Bereich der Gerichtsbarkeit einer Gemeinde ab. Ihre Aufstellung musste von höherer Stelle (Grundherr, Bischof, Landesfürst) genehmigt werden. Sie werden umgangssprachlich auch als „Pranger“ bezeichnet, weil an ihnen – laut mündlicher Überlieferung – nicht nur Urteile gefällt, sondern auch Strafen vollzogen wurden. Darüber hinaus waren sie oft Zeichen des Bürgerstolzes.

Halbinsel

Eine Halbinsel ist eine in einem Gewässer liegende, auch bei Flut über den Wasserspiegel hinausragende Landmasse, die überwiegend, aber nicht vollständig von Wasser umgeben ist, sondern noch über eine natürliche Verbindung zum Festland verfügt.Halbinseln können eine Fläche von bis zu mehreren Millionen Quadratkilometern haben, wie beispielsweise Italien oder die Iberische Halbinsel, aber auch so klein sein, dass ihre Breite sowie ihre Länge (die in aller Regel die Breite übertrifft) nur wenige hundert Meter beträgt.

Hispanien

Hispanien (eingedeutscht) oder Hispania war in der Antike der lateinische Name für die Iberische Halbinsel, besonders für die römische Provinz gleichen Namens (vor allem der Name der betreffenden Diözese in der Spätantike).

Iberer

Die Iberer waren eine Volks- oder Stammesgruppe, die in ur- und frühgeschichtlicher Zeit die Iberische Halbinsel, zeitweise auch Gebiete außerhalb derselben, bewohnten.

Keltiberer

Als Keltiberer bezeichnet man im engeren Sinne eine Gruppe von Stämmen, die in vorrömischer Zeit im zentralen und nördlichen Spanien bzw. im Übergangsgebiet zwischen den iberischen Stämmen entlang der Mittelmeerküste der Iberischen Halbinsel und den keltischen Stämmen im Innern der Halbinsel lebte. Zu den Keltiberischen Stämmen werden gezählt: Arevaker, Titos, Beller, Lusonen und Pelendonen, manchmal auch Vaccaei, Carpetani, Olcades und Lobetani. Im weiteren Sinne ist damit fälschlich die Gesamtheit aller antiken keltischen und iberischen Stämme auf der Iberischen Halbinsel gemeint.

Keltiberische Sprache

Die keltiberische Sprache (seltener als Iberokeltisch bezeichnet) ist die einzige südlich der Pyrenäen belegte keltische Sprache. Sie ist für die letzten Jahrhunderte vor der Zeitenwende belegt und wohl etwa zur Zeitenwende ausgestorben.

Das Keltiberische ist im Vergleich zum Gallischen schlecht belegt, aber immer noch besser als die anderen festlandkeltischen Sprachen Lepontisch und Galatisch. Neben zahlreichen Münzfunden waren es vor allem die Tafeln von Botorrita mit ihren zum Teil relativ langen Texten, die es den Sprachwissenschaftlern ermöglichten, ein etwas besseres Verständnis von der keltiberischen Sprache zu gewinnen.

Abgesehen von Botorrita II, die eine Inschrift in lateinischen Schriftzeichen enthält, zeigen die anderen drei Tafeln keltische Inschriften im iberischen Alphabet, einem Silbenalphabet, das durch den Kontakt zur iberischen Kultur übernommen wurde.

Das Keltiberische weist engere Parallelen zu den anderen belegten festlandkeltischen Sprachen auf, gehört jedoch anders als diese zu den q-keltischen Sprachen. Zudem besitzt es einige sprachliche Eigenheiten, die sich ansonsten in den keltischen Sprachen so nicht wiederfinden. Es gilt daher als mitentscheidend für eine genauere Klassifizierung und Gliederung aller keltischen Sprachen.

Zur Schreibung der keltiberischen Sprache diente die keltiberische Schrift.

Marktrecht (historisch)

Das Marktrecht war im Mittelalter die Gerechtsame, also das Recht, einen ständigen Markt, einen Wochen- oder Jahrmarkt abzuhalten. Der dafür bestimmte Platz stand dann unter Marktfrieden, also einem besonderen für den Markt und seine Besucher geltenden Recht, und wurde vom Marktherrn (König, Fürst, Graf, Bischof) geschützt. Für die städtische Wirtschaft war dieses Privileg von entscheidender Bedeutung. Die Verleihung des Marktrechtes stand seit der fränkischen Zeit dem König zu, und erst im 12. Jahrhundert ging dieses Regal auf geistliche und weltliche Fürsten über und gestattete ihnen die Gründung von Städten.

Sephardim

Als Sephardim (hebräisch סְפָרַדִּים Sfaradim; deutsch Sepharden) bezeichnen sich die Juden und ihre Nachfahren, die bis zu ihrer Vertreibung 1492 und 1513 auf der Iberischen Halbinsel lebten. Nach ihrer Flucht ließen sich die Sepharden zum größten Teil im Herrschaftsgebiet des Osmanischen Reiches (Thrakien, Makedonien, Bosnien) und in Nordwestafrika (Maghreb) nieder. Ein kleiner Teil siedelte sich auch in Nordeuropa an, insbesondere in den Seehandelsstädten der Niederlande (unter anderem Amsterdam), und in Norddeutschland (vor allem in Hamburg), aber auch in Frankreich (Bordeaux, Bayonne), in Italien (Livorno, Ferrara), in Amerika, Indien und Afrika. Ihre Kultur beruhte weiterhin auf der iberischen. Darin unterscheiden sich Sephardim von den mittel- und osteuropäisch geprägten Aschkenasim.

Im griechischen Thessaloniki befand sich bis zur Besetzung durch deutsche Truppen im Jahr 1941 die wohl größte europäische sephardische Gemeinde; es hieß daher auch „Jerusalem des Balkans“.

Vaccaei

Die Vaccaei, manchmal auch Vaccäer (spanisch: Vacceos), waren ein antiker, Ackerbau treibender keltischer Volksstamm im Nordwesten der Iberischen Halbinsel.

Regionen in Europa
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