Honorius Augustodunensis

Honorius Augustodunensis, auch Honorius von Autun (* ca. 1080; † 1150 oder 1151) war ein Benediktinermönch und später Inkluse, er stammte vermutlich aus Irland. Er verfasste theologische, philosophische und enzyklopädische Schriften, Streitschriften zur Kirchenreform und biblische Kommentare.

Leben

Es ist heute unklar, ob sich Honorius den Beinamen Augustodunensis selbst gegeben hat oder ob ihm dieser nachträglich zugeschrieben worden ist. Einige spärliche Angaben zu seinem Leben lassen sich in den Einleitungen seiner ca. 30 zum Teil unvollendeter Werke finden. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass Honorius ein gebürtiger Ire war, der in England geschult, in Frankreich fortgebildet und in der französischen Stadt Autun geweiht wurde.

Honorius kam im 12. Jahrhundert nach Deutschland, wo er sich am Kampf um die Gregorianischen Reformen beteiligte. Dazu verfasste er Streitschriften, die auf die bestehenden Missstände aufmerksam machen sollten. Sein Ziel war es vor allem, dem reformwilligen Klerus ein theologisches und philosophisches Grundwissen zu vermitteln. Dazu gehörten Themen wie Naturwissenschaft, Geschichte, Exegese, Liturgie, Dogmatik und Ethik.

Seine letzte Lebensphase verbrachte Honorius vermutlich als Inkluse des Klosters Weih St. Peter in Regensburg. Dort starb er im Jahre 1150 oder 1151.

Für seine Werke verwendete Honorius die Schriften bekannter Autoren wie Augustinus, Hieronymus, Gregor der Große, Amalarius von Metz, Isidor von Sevilla, Johannes Scotus und Anselm von Canterbury. Heute lassen sich mehr als 500 mittelalterliche Handschriften mit seinen Werken finden. Dies belegt, welche enorme Bedeutung seine Lehrbücher in Europa hatten.

Die bedeutendsten Werke

  • Elucidarium (Erleuchter), theologische Schrift, die um 1100 in Canterbury verfasst und in fast alle europäischen Sprachen, zuerst in das Angelsächsische, übersetzt wurde.
  • Sigillum, entstand etwas später als das Elucidarium und stellt ein wichtiges Werk für die Exegese dar.
  • Clavis physicae, stellt einen vereinfachten Auszug aus dem Werk De divisione naturae von Johannes Scottus Eriugena dar. Der Mensch wird in diesem Werk als Wesen zwischen Natur und Geist dargestellt.
  • Gemma animae, behandelt die Kirche und die Liturgie. Das Werk stützt sich vor allem auf Isidor von Sevilla und Amalar von Metz.
  • Sacramentarium, enthält ebenfalls Erklärungen zur Liturgie.
  • De luminaribus ecclesiae, entstand um 1130 und enthält einen Auszug aus der christlichen Literaturgeschichte. Honorius stützt sich bei dem Werk u. a. auf Hieronymus, Gennadius, Isidor und Beda.
  • Inevitabile seu de libero arbitrio (Über den freien Willen), wurde in England verfasst, die zweite Fassung entstand nicht vor 1109. Das Werk enthält einige Ideen aus dem Elucidarium und bezieht sich inhaltlich auf Augustinus und Anselm von Canterbury.
  • Summa totius de omnimoda historia, stellt einen Abriss der Weltgeschichte von der Schöpfung bis hin zur Gegenwart dar. Das Werk entstand in Deutschland und fand in verkürzter Form Eingang in das dritte Buch des Werkes „Imago Mundi“. Später wurde das Werk durch Beda erweitert.
  • Imago Mundi, entstand 1120 oder früher, stellt ein enzyklopädisches Werk dar und war Vorbild des französischen Werkes Image du monde des Walter von Metz.

Anmerkung: Die Werke sind chronologisch nach ihrer Entstehung geordnet.

Elucidarium

Das Elucidarium ist eines der beiden populärsten enzyklopädisch-didaktischen Werke des Honorius’. Darin vertritt er die Meinung, der Mensch sei aus den vier Elementen, Erde, Feuer, Wasser und Luft entstanden. Außerdem sei der Mensch ein Mikrokosmos und als dieser Teil des Makrokosmos, also des eigentlichen Weltalls. Der Kopf des Menschen sei auch deshalb kugelförmig, weil die ganze Welt kugelförmig sei. Mensch und Kosmos stehen also in einem Zusammenhang. Unter Kosmos versteht Honorius das Weltall und nicht nur die Erde. Das Elucidarium besteht aus drei Büchern. Im ersten Buch werden Gott, die Erschaffung der Engel und Menschen, der Sündenfall, die Inkarnation und die Erlösung thematisiert. Das zweite Buch behandelt den Menschen zwischen Gut und Böse und die Sakramente der Kirche. Im dritten und letzten Buch wird die Eschatologie dargestellt.

Rezeption des Werkes

Dieses Werk hatte eine große Breitenwirkung. Es stellte ein populäres Handbuch für den niedrigen und weniger gebildeten Klerus dar. Die Vorstellungen Honorius’ im Elucidarium hatten also eine hohe Bekanntheit. Das Werk wurde ebenfalls vielfach rezipiert. Hier wäre beispielsweise das Buch Sidrach zu nennen, dessen Autor allerdings unbekannt ist. Es entstand nach dem Vorbild des lateinischen Elucidarium im 13. Jahrhundert und hatte einen religiös-enzyklopädischen Inhalt. Im Buch Sidrach wird die Erde mit einem Apfel verglichen. Diese Vorstellung war auch in anderen mittelalterlichen Texten zu finden. Beispiele für die Verbreitung dieser Vorstellung sind auch die Bezeichnung „Reichsapfel“ für die Insignien des Herrschers und der Name „Erdapfel“ für den ersten Globus des Martin Behaim aus dem Jahre 1492.

Imago Mundi

Imago Mundi bedeutet wörtlich übersetzt ‚Weltbild‘. Dieser Begriff steht für die mentale Vorstellung der Menschen über das Aussehen der Erde im engeren und auch im weiteren Sinne. Dabei kann es sich um kosmographische Ideen handeln oder um die Weltanschauung im Allgemeinen. Imago mundi betiteln somit in der Regel schriftliche, aber auch graphische, kartografische oder bildliche Darstellungen der Welt. Der Begriff Imago Mundi fand im Mittelalter keine allzu häufige Verwendung. Zu nennen wären an dieser Stelle noch die Werke Ymaginis Mundi von Pierre d’Ailly und Image du Monde von Walter von Metz.

Die Imago Mundi des Honorius ist eine um 1120 entstandene enzyklopädische Chronik. Die Forschung vermutet, dass dieses Werk schon 1110 entstanden sein könnte, da diese Schrift Heinrich von Mainz als Grundlage für eine Weltkarte diente. Bis zum Jahr 1139 wurde das Werk von Honorius immer wieder überarbeitet. Er hat dabei weder eine Karte zu seinem Werk anfertigen lassen noch eine vergleichbare Quelle verwendet.

Die Imago Mundi des Honorius ist die Umsetzung einer Übersetzung des geografischen Weltbildes aus gelehrt-lateinischer in die nicht-lateinische Literatur. Das Werk war für den Quadriviumsunterricht an den Universitäten gedacht, welcher die Fächer Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie beinhaltete. Zudem ist das Werk auch nur mäßig mit theologischen Aussagen durchsetzt. Die Imago Mundi des Honorius löste die Vorherrschaft der Etymologie Isidor de Sevillas als „Materialfundgrube“ ab und beherrschte das 12. und 13. Jahrhundert.

Rezeption des Werkes

Auch dieses Werk des Honorius wurde vielfach rezipiert. So sind aus dem 13. Jahrhundert französische, italienische und deutsche Weltbeschreibungen überliefert, denen die Imago Mundi des Honorius’ als Vorlage diente. Als Beispiele sind hier der mittelhochdeutsche „Lucidarius“ zu nennen, dessen Autor unbekannt ist und bei dem manche Kapitel wörtlich von Honorius übernommen wurden. Des Weiteren orientierten sich auch die Werke Weltchronik von Rudolf von Ems und Pierre de Beauvais Mappemonde an der Imago Mundi des Honorius. Außerdem wurde dieses Werk in viele Sprachen übersetzt. Ein Exemplar der Imago Mundi wurde sogar dem Salier Heinrich V. und seiner englischen Gemahlin Mathilde anlässlich ihrer Hochzeit gewidmet.

Vorläufer der „Imago Mundi“

Auch vor dem Werk des Honorius’ gab es schon Lehrwerke mit einem vergleichbaren Inhalt. Einige Geistliche des frühen Mittelalters waren bemüht, die Lehren aus den antiken Wissenschaften in die christliche Welt zu übertragen. Hier sollen nur einige Beispiele aufgeführt werden. Cassiodor, ein Klostergründer und -organisator, hat beispielsweise die erforderliche Elementarbildung für Mönche verfasst. Auch Isidor von Sevilla trug mit seinen Werken „Etymologiae“ und „De natura rerum“ zu einer wichtigen Wissensvermittlung bei. Ähnlich bedeutende Werke wurden von Beda und Hrabanus Maurus verfasst. Seit Orosius ist eine Verbindung von Geschichte mit Geographie üblich, welches auch bei Honorius zu finden ist.

Der Aufbau der Imago Mundi und das darin vermittelte Weltbild

Honorius machte in seiner Abhandlung die bewohnte und auch die unbewohnte Welt zum Gegenstand. Er verspricht dabei dem Leser eine Beschreibung von der Gestalt des ganzen Erdkreises. Diese Gestalt soll dem Leser somit vor Augen geführt werden und ihn im tiefsten Innersten erfreuen. Außerdem verspricht Honorius, dass sein Werk für die gesamte Welt geschaffen sei.

Die Imago Mundi des Honorius ist in drei Bücher unterteilt, welcher der Zusammenstellung von Fachgebieten aus dem Quadrivium entspricht. Imago Mundi erfasst für Honorius die Welt im Sinne von Kosmos. Zur Welt gehört für ihn nicht die Ökumene, sondern auch der Himmel, die Wetterbildung, Astronomie, Computus, Zeitrechnung und Geschichte.

  • I. Kosmographie, Geographie, Meteorologie und Astronomie
In diesem Buch werden die Geographie und die Meteorologie nach Augustinus, Isidor von Sevilla, Beda Venerabilis, Orosius und Solinus beschrieben und die Astrologie nach Isidor von Sevilla und Gaius Iulius Hyginus.
  • II. Chronologie und Komputistik (Berechnung des Jahreskalenders zur Bestimmung der Kirchenfeste)
Dieses Buch behandelt die Zeit nach Beda Venerabilis.
  • III. Weltgeschichte
Dieses Buch enthält einen Abschnitt aus dem Werk Summa totius

Als Beispiele werden hier einige Kapitel aus dem ersten Buch vorgestellt.

In diesem Kapitel beschreibt Honorius die Gestalt der Welt. Die Welt und der Kosmos befänden sich in ständiger Bewegung. Außerdem sei die Welt rund wie ein Ball und nach Art des Eies aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammengesetzt. Dieser Ei-Vergleich beruht nicht auf dem sphärischen Weltbild des Ptolemäus, sondern auf der mittelalterlichen Elementenlehre. Die vier Abschnitte des Weltalls werden also den vier Elementen zugeordnet, und dies wird dann mit dem Aufbau eines Eies verglichen. Honorius vergleicht den Himmel (coelum = Wasser) mit der Schale (testa), den Äther (purus aeter = Feuer) mit dem Eiweiß (album), die Luft (aer = Luft) mit dem Dotter (vitellum) und die Erde (terra = Erde) mit dem Fetttröpfchen (gutta pinguedinis).

Dieser Ei-Vergleich ist auch noch bei anderen Autoren des Mittelalters zu finden, zum Teil aber in abgeänderter Form. Dieses Gleichnis von der Erde und dem Kosmos mit dem Dotter im Ei ist allerdings keine mittelalterliche Erfindung. Es geht vielmehr auf die griechische Kosmologie zurück. Die Auffassung der Eiförmigkeit des Himmelgewölbes war schon seit Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.) bekannt.

Honorius geht in diesem Kapitel auf die Gestalt der Erde ein. Die Erde sei rund und als „orbis“, also als „Erdkreis“ gekennzeichnet. Das Aussehen der Erde beschreibt Honorius so, dass sie aus der Luft aussehen würde wie eine Hand, die einen Ball hält. Die Finger der Hand würden demnach die großen Gebirge und die tiefen Täler darstellen. Den Umfang der Erde gibt Honorius mit 180.000 Stadien an. Die Erde sei von einem Ozean umgeben und sei so überall mit Feuchtigkeit versorgt. Der Mittelpunkt des Kosmos sei auch zugleich das Zentrum der Erde, welches nicht durch eine Stütze, sondern durch die Macht Gottes aufrechtgehalten werde.

Honorius unterteilt die Erdkugel in diesem Kapitel in fünf Zonen bzw. Klimagürtel. Er gibt dabei an, dass die äußeren Bereiche an den Polen wegen extremer Kälte und die mittleren wegen extremer Hitze unbewohnbar seien. Dazwischen befänden sich aber noch jeweils zwei besiedelbare Gürtel.

Honorius unterteilt in diesem Kapitel die Ökumene in drei Teile, die durch das Mittelmeer gegliedert sind. Diese drei Teile entsprechen den drei im Mittelalter bekannten Kontinenten Asien, Europa und Afrika. Asien reiche von Norden über Osten nach Süden, Europa von Westen nach Norden, Afrika von Süden nach Westen. Honorius schildert damit die Merkmale der sogenannten TO-Karte. Bei diesem Kartentypus stellt das O den Ozeanrahmen dar, da die Welt von Wasser umgeben ist, und das T die Gewässer (Don, Mittelmeer und Nil), die die Kontinente voneinander trennen. So ist Asien durch Don und Nil begrenzt, Europa und Afrika werden durch das Mittelmeer getrennt.

Literatur

  • Hartmut Freytag: Honorius in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, Bd. 4, hrsg. v. Kurt Ruh, u. a. Berlin/New York 1983, S. 120ff.
  • Hartmut Kugler: Imago Mundi. Kartographische Skizze und literarische Beschreibung in: Wolfgang Harms/Jan-Dirk Müller (Hrsg.): Mediävistische Komparatistik. Festschrift für Franz Josef Worstbrock zum 60. Geburtstag, Stuttgart/Leipzig 1997, S. 77–93
  • Rudolf Simek: Erde und Kosmos im Mittelalter. Das Weltbild vor Kolumbus, München 1992
  • Benedikt Konrad Vollmann: Honorius Augustodunensis in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5. München/Zürich 1991, S. 122
  • Anna-Dorothee von den Brincken: Imago Mundi. Marginalien zum „Weltbild“ des Honorius Augustodunensis (insbes. Imago Mundi I, 1 und 5-7) in: Scientia und ars im Hoch- und Spätmittelalter (2. Halbband), hrsg. v. Ingrid Craemer-Ruegenberg/Andreas Speer, Berlin/New York 1994, 819–828 (= Miscellanea Mediaevalia, Bd. 22/2)
  • Anna-Dorothee von den Brincken: Mappa mundi und Chronographia. Studien zur imago mundi des abendländischen Mittelalter in: Studien zur Universalkartographie des Mittelalters, Bd. 229, hrsg. v. Thomas Szabo, Göttingen 2008, S. 17–55
  • Franz StanonikHonorius von Augustodunum. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 74–78.
  • Lorenz WeinrichHonorius Augustodunensis. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 601 f. (Digitalisat).

Weblinks

Acephale (Volk)

Acephale (auch Blemmier) sind ein kopfloses Fabelvolk, das seit der Antike in Literatur und Kunst vorkommt und im Mittelalter sehr populär wurde. Man stellte sich solche monströsen Menschenrassen (auch Wundervölker, lat. monstra) an den Rändern der Ökumene, vor allem in Indien und Afrika, vor.

Bestiarium

Ein Bestiarium (zu lateinisch bestia, „[wildes] Tier“) ist eine mittelalterliche Tierdichtung, die moralisierend tatsächliche oder vermutete Eigenschaften von Tieren, auch Fabelwesen, allegorisch mit der christlichen Heilslehre verbindet. Die Beschreibung von Geschöpfen wie zum Beispiel des Drachen, des Einhorns, des Basilisken und des Caladrius finden sich in den Bestiarien zwischen den Darstellungen von Bären, Löwen und Elefanten. Bestiarien sind oft reich illustriert.

Der deutsche Lucidarius

Der deutsche Lucidarius (auch Der große Lucidarius) ist ein um 1190 entstandenes mittelhochdeutsches Prosawerk, das das zeitgenössische theologische und naturwissenschaftliche Wissen (Geographie, Astronomie, Meteorologie) seiner Zeit darstellt. Er wurde nach lateinischen Vorbildern geschrieben und stellt den Anfang populärwissenschaftlicher Literatur in deutscher Sprache dar.

Der Text ist in Form eines Dialogs von Schüler und Lehrer in Fragen und Antworten gestaltet.

Eiríks saga viðförla

Die Eiríks saga viðförla (die „Saga von Eirík, dem Weitgereisten“) ist eine kurze Saga aus dem 14. Jahrhundert über die phantastische Reise Eiríks zum Paradies.

Enzyklopädie (Wissensordnung)

Seit der Rezeption von Bildung und Wissenschaft der griechischen Antike in der römischen Literatur (ca. 200 v. Chr.) gibt es Versuche, das jeweils vorhandene Wissen der Menschheit in einer geordneten Gesamtdarstellung zu präsentieren. Eine solche universale Systematik wurde erstmals von den Humanisten um 1490 als Enzyklopädie bezeichnet. Die erste bekannte gedruckte Einteilung, die damit betitelt wurde, ist die Encyclopedia von Johannes Aventinus, die 1517 in Ingolstadt erschien.

Der erste Entwurf der systematischen Darstellung (der „Disposition“) zumindest eines Teiles des Wissens stammt von Plinius d. Ä. in seiner Naturalis historia aus dem 1. Jahrhundert. Die wohl bekanntesten Entwürfe sind der Baum des Wissens aus dem Mittelalter und das System der Kenntnisse der Encyclopédie von 1751. Der wohl zurzeit (2007) jüngste ist der Kreis der Bildung (Circle of Learning) in der Propaedia der 15. Auflage der Encyclopædia Britannica von 1994 (Bd. 32). In dem Zeitraum von ca. 2000 Jahren entstanden eine große Zahl von teilweise sehr unterschiedlichen Dispositionen.

Flache Erde

Die Vorstellung einer flachen Erde (auch: Erdscheibe) findet sich in vielen frühen Kulturen. Die Erdoberfläche wird hierbei als flach und oft in Gestalt einer Scheibe gedacht. In gebildeten Kreisen gilt seit der Antike ein Modell des Globus oder der Erdkugel. Eratosthenes errechnete im 3. Jahrhundert v. Chr. nach präziser Erdmessung den Erdumfang. Der Globus als Erdmodell blieb seitdem die vorherrschende Lehrmeinung im europäischen Mittelalter und in der Neuzeit.

Die Legende, die mittelalterliche Christenheit habe an eine Erdscheibe geglaubt, wurde von der Historical Association of Britain als historischer Irrtum entlarvt (vgl. „Finsteres Mittelalter“). Untersuchungen seit den 1990er Jahren zeigten, dass „außer sehr wenigen Ausnahmen seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. gebildete Personen in der Geschichte des Westens nicht annahmen, die Erde sei flach“, und dass die Kugelgestalt der Erde die dominante Lehrmeinung blieb.Zur Verbreitung der im 19. Jahrhundert aufgekommenen Legende, der mittelalterliche Mensch habe an eine Scheibengestalt geglaubt, trug die Erzählung Das Leben und die Reisen des Christoph Columbus (1828) von Washington Irving bei.Geodäten und Kartografen entwickelten ab dem 19. Jahrhundert aus dem Kugelmodell ein noch genaueres Geoid als Erdfigur. Auch im 21. Jahrhundert gibt es Anhänger der Verschwörungstheorie, dass die Erde flach sei. Sie heißen im Englischen „Flat Earthers“ (frei übersetzt: „Flacherd[l]er“).

Hauksbók

Die Hauksbók (altisländisch bók ‚Buch‘) ist eine auf Altisländisch verfasste Handschrift, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nach ihrem Verfasser Haukr Erlendsson (gestorben 1334) benannt ist. Sie wird heute unter der Signatur AM 544 4to in der Arnamagnäanischen Sammlung in Kopenhagen aufbewahrt.

Die Handschrift enthält Versionen von zum Teil bedeutenden altisländischen Texten und Sagas, wie beispielsweise die Landnámabók, die Fóstbrœðra saga, die Eiríks saga rauða, die Hervarar saga und die Völuspá.

Des Weiteren enthält sie ein Kapitel über Mathematik, genannt Algorismus, das unter anderem die Grundrechnungsarten behandelt. Es handelt sich dabei um die älteste mathematische Abhandlung in einer skandinavischen Sprache. Außerdem enthält sie kosmographische Angaben, die entweder dem De Imagine mundi des Honorius Augustodunensis oder den Etymologiae des Isidor von Sevilla entnommen sind.

Hausbuch des Michael de Leone

Das Hausbuch des Michael de Leone, auch Würzburger Liederhandschrift genannt, ist eine deutsch-lateinische Sammelhandschrift, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Würzburg entstanden und von dem Würzburger Protonotar Michael Jude, genannt Michael de Leone (um 1300 – 1355) herausgegeben worden ist. In der germanistischen Mediävistik wird sie mit der Sigle E bezeichnet.

Herkynischer Wald

Nicht zu verwechseln mit dem Hyrkanischen WaldHerkynischer Wald (lat.: Hercynia silva, griech.: ορη Αρκύνια oder Ορκύνια) ist die antike Sammelbezeichnung für die nördlich der Donau und östlich des Rheins gelegenen Mittelgebirge.

Honorius

Honorius (lat. der Ehrenvolle) ist der Name folgender Personen:

Honorius Augustodunensis († um 1151), Kirchenschriftsteller

Honorius von Amiens († um 600), Bischof von Amiens

Honorius von Brescia († 586), Bischof von Brescia

Honorius von Canterbury († 653), Erzbischof von Canterbury

Honorius Roth von Schreckenstein (* 1726; † 1785), Fürstabt des Fürststifts Kempten (1760–1785)

Flavius Honorius (384–423), weströmischer Kaiser

Iulius Honorius, spätantiker Verfasser der lateinischen Weltbeschreibung „Cosmographia“Honorius ist der Name folgender Päpste:

Honorius I., Papst von 625 bis 638

Honorius II. (Gegenpapst) (bürgerlich Pietro Cadalus von Parma; † 1072), Gegenpapst von 1061 bis 1064

Honorius II. (Papst) (bürgerlich Lamberto Scannabecchi; ~1060–1130), Papst von 1124 bis 1130

Honorius III. (bürgerlich Cencio Savelli; * um 1148; † 1227), Papst von 1216 bis 1227

Honorius IV. (bürgerlich Giacomo Savelli; * um 1210; † 1287), Papst von 1285 bis 1287Siehe auch:

Honoré

Honoria

Honorio

Honoriusfrage

Hortus Deliciarum

Der Hortus Deliciarum ist eine im ausgehenden 12. Jahrhundert verfasste Enzyklopädie der Herrad von Landsberg (auch: Herrad von Hohenburg, Herradis Landsbergensis, Äbtissin von Hohenburg Herrad von Landsperg, * zwischen 1125 und 1130; † 25. Juli 1195 auf dem Odilienberg im Elsass).

Imago Mundi

imago mundi („Weltbild“) steht für:

Imago Mundi, enzyklopädische Chronik von Honorius Augustodunensis, um 1120

Imago mundi, astronomisches und geographisches Buch von Pierre d’Ailly, 1410

L’Image du monde, Abhandlung über Schöpfung, Erde und Weltall von Gautier de Metz, 1246

Imago Mundi (Zeitschrift), The International Journal for the History of Cartography, Fachzeitschrift zur Geschichte der Kartografie, gegründet 1935

Johannes Scottus Eriugena

Johannes Scottus Eriugena (* im frühen 9. Jahrhundert; † im späten 9. Jahrhundert) war ein Gelehrter irischer Herkunft, der im Westfrankenreich als theologischer und philosophischer Schriftsteller hervortrat und als Lehrer der Freien Künste (Septem artes liberales) tätig war. Er lebte am Hof Karls des Kahlen, eines für Belange des Bildungswesens aufgeschlossenen Königs, dessen Hofdichter er war.

Mit seinen guten, wenn auch nicht hervorragenden Griechischkenntnissen war Eriugena unter den Gelehrten seiner Zeit eine Ausnahmeerscheinung. Als Übersetzer und Kommentator leistete er einen gewichtigen Beitrag zur Verbreitung griechischen Gedankenguts aus der Epoche der Kirchenväter im lateinischsprachigen Westen. Damit stärkte er zugleich den Einfluss des Neuplatonismus in der abendländischen Geistesgeschichte. Mit seinem Bemühen um eine durchdachte, logisch einwandfreie Vorgehensweise in der theologischen Argumentation nahm er Entwicklungen der hoch- und spätmittelalterlichen Scholastik vorweg. Bei seinen Zeitgenossen erregte er damit und mit seiner allegorischen statt historischen Bibelauslegung Anstoß. Seine kühnen Thesen wurden wiederholt kirchlich verurteilt.

Konrad I. von Raitenbuch

Konrad I. Raitenbuch, auch Kuno und von Regensburg (* um 1070; † 19. Mai 1132 in Regensburg) war Abt des Klosters Siegburg und 20. Bischof von Regensburg von 1126 bis 1132. Er wird als Seliger verehrt.

Konrad I. stammte aus dem Regensburger Dienstmannengeschlecht der Raitenbucher. Der 1167 als Regensburger Bischof folgende Konrad II. war sein Neffe. In jungen Jahren verließ er seine Heimat, um im Kloster Brauweiler einzutreten. Er wurde vom Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg 1105 wegen seiner Gelehrsamkeit und seiner monastischen Disziplin zum Abt des Klosters Siegburg berufen. Beide Geistliche verband eine Freundschaft. Unter Konrad I. versammelten sich im Kloster namhafte Gelehrte, darunter Rupert von Deutz und Norbert von Xanten und die Zahl der Mönche verdoppelte sich auf 120. Wie es zu seiner Berufung als Bischof seiner Heimatstadt kam, ist unbekannt, Konrad I. hat jedenfalls in der Reichspolitik unter Lothar III. keinen wesentlichen Einfluss ausgeübt. Auch in seiner Zeit als Regensburger Bischof sammelte er wichtige Geistliche um sich, z. B. Honorius Augustodunensis. Er förderte Klöster und führte dort auch Reformen durch, insbesondere in den Klöstern Mondsee und Weltenburg. Das Kloster Münchsmünster half er zu erneuern. Seine Überlegungen fanden auch Einfluss auf die Kaiserchronik.

Liste von Autoren der Patrologia Latina

Dies ist eine Liste von Autoren der Patrologia Latina (PL), einer umfangreichen Buchreihe mit Werken christlicher Autoren des 2. bis 13. Jahrhunderts. Die Reihe wurde von Jacques Paul Migne (1800–1875) in den Jahren 1844 und 1855 herausgegeben; einige Bände mit Indices wurden in den Jahren 1862 und 1865 veröffentlicht.

Naturalis historia

Die Naturalis historia (auch Historia naturalis, deutsch „Naturforschung“ oder „Naturgeschichte“) ist eine Enzyklopädie in lateinischer Sprache des römischen Historikers und Schriftstellers Gaius Plinius Secundus. Sie ist um 77 n. Chr. entstanden und behandelt Themen, die man heutzutage vor allem den Naturwissenschaften zuordnen würde, aber auch Medizin, Geographie, Kunst und weitere Themen. Es handelt sich um die älteste vollständig überlieferte systematische Enzyklopädie.

Orosius

Paulus Orosius (* um 385; † um 418) war ein in Hispanien (möglicherweise in Braga in der Provinz Gallaecia) geborener spätantiker Historiker und christlicher Theologe.

Rudolf von Ems

Rudolf von Ems (* um 1200 in Hohenems/Vorarlberg; † 1254 ?) war ein deutscher Epiker des Mittelalters.

Wolfgang Beinert (Theologe)

Wolfgang Beinert (* 4. März 1933 in Breslau) ist ein deutscher katholischer Priester, emeritierter Hochschullehrer und Publizist. Als Professor für katholische Dogmatik, als langjähriger Weggefährte Joseph Ratzingers, als Ökumeniker und als Beobachter und Kommentator von Selbst- und Fremdwahrnehmung der katholischen Kirche ist Beinert ein über den innerkirchlichen Bereich hinaus geschätzter Gesprächspartner im öffentlichen Diskurs.

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