Guerilla

Guerilla (Aussprache: [ɡeˈrɪlja][1], ältere Form: Guerrilla; als Verkleinerungsform des spanischen Wortes guerra, „Krieg“, bedeutet es etwa „Kleinkrieg“[2]) bezeichnet zum einen eine besondere Form des Krieges, die verdeutlichend als Guerillakrieg oder Guerillakampf bezeichnet wird.[3][4] Der Begriff (die) Guerilla steht heute jedoch meistens für aufständische Einheiten, die einen Guerillakrieg gegen Besatzungsmächte oder auch gegen die eigene Regierung führen.[5]

Daneben existiert (der) Guerilla als veraltende Bezeichnung für einen einzelnen aufständischen Kämpfer (im Plural die Guerillas), wobei heute meistens andere Begriffe verwendet werden, etwa Guerillakämpfer, Widerstandskämpfer oder Partisan.[6] Die spanische Bezeichnung für einen Guerillakämpfer ist guerrillero beziehungsweise guerrillera (für eine Kämpferin). Im Deutschen beziehen sich die Bezeichnungen Guerillero bzw. Guerillera in der Regel auf Untergrundkämpfer in Lateinamerika.[7] Eine Sonderform der Guerilla ist die Stadtguerilla.

Kennzeichnend für den Guerillakrieg sind verschiedene Taktiken, die zusammenfassend als Guerillataktik bezeichnet werden. Die Wahl bestimmter Taktiken hängt unter anderem von den Kräfteverhältnissen und der Phase des Aufstandes ab. Die Aufstandsbekämpfung erfordert besondere Maßnahmen („Anti-Guerilla-Kriegsführung“). Auch eine reguläre Armee kann Taktiken der Guerilla anwenden, insbesondere beim verdeckten Einsatz kleinerer militärischer Einheiten hinter den Linien des Feindes (siehe dazu Jagdkampf). Der Kampf regulärer Truppen gegen irreguläre aber auch reguläre Truppen zu meist in Afrika aber auch in anderen Gebieten mit geringer Infrastruktur wird auch als Buschkrieg bezeichnet.

ERP combatants Perquín 1990 55
Angehörige der ERP-Guerilla (FMLN) während des Bürgerkriegs in El Salvador, 1990

Begriff

Wortherkunft

Das Wort Guerilla wurde Anfang des 19. Jahrhunderts über das französische guérilla aus dem spanischen guerrilla, einem Diminutivum (Verkleinerungsform) des spanischen guerra („Krieg“) entlehnt.[8] Das spanische guerra geht, wie das französische guerre, auf das germanische *werra („Streit“) zurück, mit dem auch das althochdeutsche wërra („Verwirrung“, „Streit“), das mittelniederländische warre und das neuenglische war verwandt sind.[9][8]

Historischer Hintergrund war der Spanische Unabhängigkeitskrieg von 1807 bis 1814 gegen die französische Fremdherrschaft unter Napoleon. Als Ausgangspunkt für den späteren Gebrauch des Wortes wird das spanische partida de guerrilla genannt, das ungefähr „Spähtrupp“ bedeutet.[2] In Deutschland wollte Friedrich Ludwig Jahn, der Turnvater, seine Turner als Guerilla gegen Napoleon führen.[10]

In Spanien hat das Wort guerrilla aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation von Befreiung, ähnlich wie in Deutschland die Befreiungskriege oder der Begriff „Volkskrieg“, wie er in den frühen Denkschriften von Gneisenau beschrieben ist.

Bedeutung erlangten die Begriffe Guerilla und Guerillakrieg insbesondere im 20. Jahrhundert als Bezeichnung für sozial oder national begründete Befreiungs- und Unabhängigkeitskriege in weniger entwickelten Ländern, insbesondere zur Befreiung von den damaligen Kolonialmächten im Zuge der Dekolonisation.[3]

CheHigh
Ernesto „Che“ Guevara, wurde als einer der wichtigsten Kommandeure im Guerillakrieg der Kubanischen Revolution international bekannt, scheiterte jedoch bei seinen späteren Versuchen, seine militärischen Erfolge im Kongo und in Bolivien zu wiederholen.

Bedeutungen

Die Bedeutung des Wortes Guerilla hängt auch vom grammatischen Geschlecht ab:

  • die Guerilla: Guerillakrieg oder Guerillakampf, eine spezielle Art des Krieges. Diese ursprüngliche Bedeutung ist heute eine Nebenbedeutung, das heißt, das Wort Guerilla wird selten mit dieser Bedeutung verwendet.
  • die Guerilla: aufständische Kampfgruppen, die einen Guerillakrieg führen. Dies ist heute im Deutschen die Hauptbedeutung.
  • der Guerilla: einzelner Guerillakämpfer, Widerstandskämpfer, Untergrundkämpfer. In Europa werden irreguläre Einheiten gewöhnlich als Partisanen bezeichnet, im Kontext von antikolonialen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel als Guerilla. Die Bezeichnung Guerillero ist vor allem mit Bezug auf Lateinamerika üblich.

Guerillakrieg

Guerillakrieg bezeichnet eine Kampfform irregulärer einheimischer Truppen gegen eine feindliche Armee beziehungsweise Besatzungsmacht oder aber – im Zusammenhang mit einem Bürgerkrieg – gegen die eigene Regierung.[3] Militärische Auseinandersetzungen unter Parteien, die politisch, strategisch und waffentechnisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind, werden auch als asymmetrische Kriege bzw. Konflikte bezeichnet.

Beim Guerillakampf handelt es sich um eine „Waffe der Schwachen“ gegen einen militärisch, vor allem militärtechnologisch überlegenen Gegner. Voraussetzung für einen Guerillakampf ist die fehlende Hoffnung der Bevölkerung, ihre politischen und sozialen Forderungen mit politischen und rechtlichen Mitteln erreichen zu können, wie dies in einer Diktatur oder einem von einer fremden Macht besetzten bzw. dominierten Land der Fall ist. Entscheidend für den Erfolg der Guerilla ist der gleichzeitige, dem militärischen Kampf gleichwertige politische Kampf. In einer offenen Feldschlacht müsste die Guerillatruppe notwendig unterliegen, weil ihr die Ausrüstung einer konventionellen Armee fehlt und ihre Kämpfer meist über keine ausreichende militärische Ausbildung verfügen.

Merkmale

Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als „rechtmäßiger Kombattant“. Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abhängig, ob es ihnen gelingt, die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort, zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet. Die klassische Landguerillatruppe operiert meist aus den Bergen oder aus Dschungelgebieten heraus, welche beide optimales Rückzugsgebiet bilden.

Die Guerillabewegung ist typischerweise auf die Unterstützung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt. Wenn der Grund für den Kampf der Guerilla politische oder soziale Missstände sind, die einen großen Teil oder die Mehrheit der Bevölkerung betreffen, ist deren Unterstützung üblicherweise freiwillig. Mao Zedong fasste dies mit dem Satz „Der Revolutionär schwimmt im Volk wie ein Fisch im Wasser“ zusammen. In den bekannteren Guerillakriegen des 20. Jahrhunderts war dies meistens der Fall – wo die Unterstützung der Bevölkerung nicht gegeben war, war auch der Versuch eines Guerillakampfs meist schnell zum Scheitern verurteilt. So fand Che Guevara bei dem Versuch, die Revolution 1966 auch nach Bolivien zu tragen, kaum Unterstützung durch die indigene Bevölkerung. Das Vorhaben endete mit der fast vollständigen Aufreibung der Guerilla und schließlich seiner Gefangennahme und Exekution durch Regierungstruppen. Ausnahmen bilden Guerillaarmeen, die starke Unterstützung aus einem anderen Land erfahren, etwa die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams („Vietcong“) durch Nordvietnam während des Vietnamkriegs oder die von den USA unterstützten Contra-Rebellen im Contra-Krieg gegen die linke Regierung Nicaraguas ab etwa 1980.

Als typische Merkmale gelten in der Politikwissenschaft:[3]

  • Die Einheit von Guerillas und Teilen der Zivilbevölkerung. Die Bevölkerung billigt den Guerillakrieg, unterstützt diesen, oder nimmt aktiv daran teil.
  • Eine enge Verbindung von politischer und militärischer Zielsetzung.
  • Die Beschaffung von Waffen vor allem aus den Beständen des militärischen Gegners.
  • Die Basis und Hauptstützpunkte bilden meist ländliche Gebiete. Städte werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Guerillakrieges in Kampfhandlungen einbezogen.
  • Traditionelle Kampfformen regulärer Streitkräfte bleiben weitgehend unwirksam. Daher können Guerillas auch einem zahlenmäßig und waffentechnisch überlegenen Feind gewachsen sein.

Typische Eskalationsstadien

Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:

  • Der Guerillakampf beginnt als Aufstandsbewegung, also ohne oder mit nur schwacher eigener Bewaffnung. Typischerweise verfügen die Guerilleros in dieser Phase nur über Handfeuerwaffen wie Pistolen, Karabiner oder Sturmgewehre, Handgranaten und leichte Granatwerfer, also von Fußtruppen tragbare Infanterie-Waffen. Die Waffenbeschaffung erfolgt meist durch Überfälle auf gegnerische Militäreinheiten oder -einrichtungen, Waffenkauf von korrupten Funktionären der gegnerischen Regierungstruppen, oder in manchen Fällen auch durch Lieferungen aus dem Ausland – letzteres insbesondere, wenn die Guerilla von einem anderen Staat unterstützt wird, wie etwa die Contra-Rebellen in Nicaragua durch die USA, oder seit 2011 die Rebellen im Syrischen Bürgerkrieg. Die Kämpfer sind keine Soldaten und verfügen häufig nicht einmal über eine militärische Ausbildung. Sie sind Teil der Zivilbevölkerung und werden auf Grund ihrer politischen Ziele durch diese unterstützt. In dieser Phase können Guerilla-Einheiten keine strategischen Erfolge erringen, also etwa strategisch wichtige Gebiete dauerhaft besetzen, sondern müssen sich stets wieder zurückziehen.
    • Ohne die Unterstützung der Bevölkerung ist die Guerilla zum Scheitern verurteilt. Das unterscheidet die Guerilla vom Terrorismus, der auch ohne Unterstützung der Bevölkerung auskommt.
    • Bei regionalen, dann aber nur stationären Erfolgen ist die Transformation zu einem Warlord-System möglich.
  • Die offensive Phase des Guerillakampfes ist dadurch gekennzeichnet, dass die Mobilität des Gegners eingeschränkt ist. Die Regierungs- oder Besatzungstruppen verfügen nur noch über strategisch wichtige befestigte Stützpunkte und können sich außerhalb dieser nur noch eingeschränkt bewegen. In dieser Phase übernimmt die Guerilla-Bewegung die Initiative und organisiert sich typischerweise in größeren Kampfeinheiten mit fester Struktur.
  • Zur Erreichung strategischer Ziele müssen die Guerilla-Einheiten die Form einer zentral gelenkten Armee annehmen. Sie treten damit aus der taktischen, defensiven Phase in eine strategisch offensive Phase ein. Es entsteht eine Revolutionsarmee.

Erfolgreiche Guerillakriege

Der Guerillakrieg gilt als Kampfform von Befreiungsbewegungen. Als erfolgreiche Beispiele werden in der Politikwissenschaft genannt:[3]

Weitere Beispiele für Guerillakämpfe

Europa

Asien

  • Die Huks kämpften auf den Philippinen zunächst gegen die japanische Besatzung und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1954 für radikale Agrarreformen.
  • Der Krieg der Việt Minh gegen japanische Besatzung, französische Kolonialmacht und später gegen US-amerikanische Besatzungstruppen 1941–1975 endete mit der Errichtung eines sozialistischen Staates
  • Der Guerillakampf der Gruppe LTTE um Tamil Eelam, dauerte von 1986 bis 2009.
  • Der Guerillakrieg der nepalesischen Maoisten begann 1996 und ist seit 2006 vorerst eingestellt.
  • In Indien gibt es seit den 1960er Jahren Guerillaaktionen der maoistisch orientierten Naxaliten. Sie agieren zumeist im ländlichen Raum, mittlerweile nurmehr mit sporadischen Anschlägen. Ähnliche Guerillataktiken verfolgt die für ein eigenständiges Assam eintretende Separatistenorganisation United Liberation Front of Asom.
  • Die libanesische Organisation Hisbollah führte, wie z. B. im Libanonkrieg 2006, dem Guerilla-Krieg nahestehende, paramilitärische Kampfhandlungen aus.
  • Die kurdische Guerilla-Bewegung, auch bekannt als PKK, kämpft gegen die türkische Armee.

Amerika

  • Während der Endphase der Indianerkriege in den Vereinigten Staaten (Anfang der 1860er bis Mitte der 1880er Jahre): Insbesondere Gruppen der Chiricahua-Apachen im Arizona-Territorium und im Norden Mexikos (Chihuahua, Sonora) lieferten zunächst unter Cochise und zuletzt unter Geronimo der überlegenen US-Armee einen zermürbenden, aber letztlich aussichtslosen Guerillakrieg.
  • Der 30-jährige Unabhängigkeitskampf der kubanischen Mambises gegen die spanische Kolonialherrschaft 1868–1898 war in seinen militärischen Phasen Guerillakrieg und endete mit der Besetzung Kubas durch die USA.
  • Die älteste noch heute aktive Guerilla-Bewegung ist die FARC in Kolumbien.
  • Der Kampf der EZLN für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Mexiko, seit 1994.
  • Der Guerillakampf der Gruppe um Che Guevara in Bolivien scheiterte 1967 an der fehlenden Unterstützung durch die Bevölkerung.
  • Von 1967 bis 1973 existierte im Nordosten Brasiliens die kommunistische Guerilla von Araguaia, die von den brasilianischen Streitkräften völlig zerschlagen wurde.
  • Der Kampf des maoistischen Sendero Luminoso kostete in Peru fast 70.000 Menschen das Leben.
  • Der Kampf der FMLN (El Salvador) und der Guerillagruppen in Guatemala endeten mit Friedensabkommen.

Afrika

Geschichte des „kleinen Krieges“

Carl von Clausewitz, aber auch schon vor ihm andere, definierten den „kleinen Krieg“ als den Einsatz leichter Truppen in den Flanken und im Rücken des Gegners – so wurden die Husaren nicht nur zur Aufklärung, sondern auch zur Störung des feindlichen Nachschubs eingesetzt. Bei der Infanterie wurden die Kroaten und die Jäger zum zerstreuten Gefecht eingesetzt. Insbesondere den aus Randvölkern der europäischen Großreiche gebildeten Verbände wie den Kroaten oder Bosniaken kam dieser ihnen vertraute Kleinkrieg als Gefechtsführung entgegen. Diese hatten insbesondere im Kampf gegen die Türken Erfahrungen gesammelt. Von der türkischen Armee wurden die Akıncı als leichte Truppe hinter den feindlichen Linie eingesetzt.

Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776–1783) entwickelte sich die Kampfesweise des „kleinen Krieges“ erstmals nicht nur als Widerstandsoperationen kleiner bewaffneter Milizen gegen überlegene konventionelle Heere, sondern als umfassende strategische Antwort einer kriegführenden Partei. Die taktisch in offener Formation kämpfenden britischen Truppen wurden in einen zermürbenden Abnutzungskrieg verwickelt, den sie schließlich verloren. Seitdem hat sich die Kleinkriegführung als asymmetrische Antwort auf die Stärke konventioneller Streitkräfte etabliert.

Als erste kriegerische Auseinandersetzung mit Guerilla-Charakter und mit diesem Namen gilt der Spanische Unabhängigkeitskrieg gegen die französischen Besatzungstruppen 1807 bis 1814, der sich zum Volkskrieg ausweitete. Die regulären spanisch-britischen Truppen entschieden zwar den Krieg, irreguläre Freischärler oder Guerrilleros trugen jedoch erheblich zur Niederlage der Franzosen bei. Dies lag vor allem an der guten Organisation des Widerstands und der für einen Kleinkrieg günstigen Topographie der Berglandschaften, die gute Unterschlupfmöglichkeiten boten. Im offenen Gelände konnte sich die Guerillatruppe gegen konventionelle Truppen dagegen nicht behaupten.

Konventionelle Truppen waren damals in erster Linie auf intensive Gefechte und Schlachten im „großen Krieg“ ausgerichtet (Linientaktik). Sie übernahmen später allerdings die Kampfesweise der Guerilla, die sich durch Überfälle, Hinterhalte und Angriffe auf die Versorgungslinien im Rücken des eigentlichen Kriegsgeschehens auszeichnete. So wurde der Guerillakampf zu einer taktischen Variante, für die auch auf Einheiten mit speziell ausgebildeten Soldaten (meist so genannte Jäger) zurückgegriffen wurde, weil diese flexibler und mobiler waren als die konventionellen Linientruppen. Charakteristisch für den kleinen Krieg waren militärische Auseinandersetzungen, bei denen zahlenmäßig kleine Abteilungen Operationen zur Schwächung des Gegners unternahmen, ohne jedoch eine Entscheidung herbeiführen zu können. Sie konnte neben großen Operationen des Hauptheeres geführt werden. Typische Beispiele sind der Einsatz der Freikorps der Koalitionstruppen 1813 und der Franc-tireurs 1870. Eine wichtige Rolle spielte auch der Rückhalt der Bevölkerung für den Widerstandskrieg irregulärer Truppen und Banden, wie sich etwa im Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer zeigte.

Auch der polnische Aufstand 1863 und der Burenkrieg 1901 wurden mit der Guerillataktik geführt.

Im Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) setzten sich das Kaiserlich Russische Heer in geplanten Guerillaaktionen gegen die japanische Invasion Sachalins zur Wehr.

Rechtliche Bewertung

Die Kampfesweise der Guerilla wird mit Blick auf die Genfer Konventionen und die Haager Landkriegsordnung als unkonventionelle Kriegführung bezeichnet. Diese internationalen Verträge regeln die rechtliche Basis zwischenstaatlicher bewaffneter Konflikte. Die Guerilla entspricht in ihrer Entstehungsphase eher dem Begriff der levée en masse, wie er in der Haager Landkriegsordnung definiert ist (daher auch „Volkskrieg“). Erst wenn die Guerilla den letzten Schritt zur Befreiungsarmee vollzogen hat, gelten ihre Kämpfer als Teil einer militärischen Befehlsstruktur als Kombattanten gemäß Haager Landkriegsordnung. Solange ihr aber die Ausrichtung auf eine Staatsregierung fehlt, gelten Guerilla-Kämpfer als Nichtkombattanten und werden meist als Aufständische behandelt und/oder kriminalisiert (z. B. indem man ihnen Diebstahl, Raub oder andere Straftaten zuschreibt).

Dazu gehört die Einrichtung tatsächlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de Guaímaro im Kubanischen Unabhängigkeitskrieg oder das Parlament der palästinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterstützenden Staaten oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die Einführung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-militärischen Ordnung mit den dazugehörigen Rängen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Guerilla gegenüber der konventionellen gegnerischen Armee herausstellen. Erst wenn der Gegner sich gezwungen sieht, mit der Guerilla offiziell zu verhandeln, ist die Anerkennung als kriegführende Partei hergestellt, die sogenannte „Belligerenz“. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage für die Erreichung von politischen Zielen der Guerilla (siehe die Diskussion um die Anerkennung der palästinensischen PLO). Erst als kriegführende Partei können Guerilla-Kämpfer nach einer Gefangennahme den Kriegsgefangenenstatus geltend machen.

Guerillataktik

Die „typische“ Guerillataktik besteht darin, dass kleine, selbständige Kampfeinheiten den überlegenen Gegner in seinem Hinterland mit „nadelstichartigen“ militärischen Aktionen zermürben und sich sofort nach jedem Einsatz wieder zurückziehen. Dieses Vorgehen wird auch als „Hit and Run“ bezeichnet (englisch hit and run bedeutet eigentlich „Unfallflucht“). Außerhalb ihrer Kampfeinsätze sind die Guerillakämpfer meist nicht als Soldaten erkennbar.

Vorteile

Für einen Guerillakampf sind keine ausgebildeten Truppen notwendig. Potenziell kann jede Person in der Bevölkerung dem Feind Schaden zufügen. Im Zweiten Weltkrieg beispielsweise öffneten Mitglieder der Résistance im besetzten Frankreich oft die Treibstoffventile von Zügen, sodass diese mangels Treibstoff nicht fahren konnten. Für solche Aktionen sind weder Erfahrung noch Bewaffnung notwendig. Gleichzeitig muss die gegnerische Armee einen Eroberungskrieg führen, also die Guerilla aufspüren und ausschalten. Durch Aktionen wie Hausdurchsuchungen und Ausweiskontrollen zieht sie sich dabei im günstigsten Fall den Ärger der Bevölkerung zu. Währenddessen kann die Guerilla, die sich in der Zivilbevölkerung versteckt, dort zuschlagen, wo der Feind am schwächsten ist. Attacken auf die Guerilla sind nur sehr schwer möglich, ohne die Zivilbevölkerung zu treffen.

Nachteile

Unausgebildete und nur schlecht bewaffnete Guerillakämpfer können der gegnerischen Armee bestenfalls Nadelstiche versetzen, sie jedoch nicht entscheidend schlagen. Dadurch kann sich ein Guerillakampf über Jahre und Jahrzehnte hinziehen. Reagiert der Feind mit Terror gegen die Zivilbevölkerung, so kann dies dazu führen, dass die Guerilla an Rückhalt verliert. Falls die Guerilla erfolgreich sein will, so muss sie sich ab einem bestimmten Punkt organisieren. Ist die Guerilla zu früh straff organisiert, kann sie durch Verhaftung eines Mitglieds „aufgerollt“ werden, falls dieser weitere verrät. Ist die Guerilla jedoch zu lange unorganisiert, kann sie den Kampf nicht gewinnen, weil sie nie Boden erobern und halten kann.

Theoretiker

Johann von Ewald veröffentlichte bereits 1785 in Kassel seine Abhandlung über den kleinen Krieg, welche auf seinen Erfahrungen mit den Aufständischen in den nordamerikanischen Kolonien beruhten.

Theoretiker des Guerillakrieges gingen bei der Entwicklung ihrer Theorien zumeist von den Erfahrungen während des Guerillakrieges in ihren Heimatländern aus. Als bedeutende Theoretiker der Guerillataktik gelten:[3]

Unter dem Begriff der Stadtguerilla versuchte in der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre die linksextremistische Gruppe RAF an Terminologie und Taktik südamerikanischer Befreiungsbewegungen anzuknüpfen.

Anti-Guerilla-Kriegsführung

My Tho, Vietnam. A Viet Cong base camp being. In the foreground is Private First Class Raymond Rumpa, St Paul, Minnesota - NARA - 530621 edit
Abbrennen eines Vietcong-Basislagers durch US-Truppen, My Tho, Vietnam
Memorial de las víctimas del Mozote
Gedenkstätte für das Massaker von El Mozote von 1981 in El Salvador. Auf der Suche nach linken Guerilleros ermordete das Batallón Atlácatl der Regierungstruppen 900 Zivilisten. Die Einheit war von US-amerikanischen Special Forces zusammengestellt und in den USA trainiert worden.[13]

Der Guerillakampf stellt eine konventionelle Armee vor Probleme, die es bei zwischenstaatlichen Kriegen nicht gibt:

  • Der Gegner ist nicht eindeutig zu identifizieren. Jede Person, etwa in einem besetzten Land, kann ständig oder zeitweise zur Guerilla gehören, diese militärisch, logistisch oder politisch unterstützen. Das gilt für Männer wie Frauen, auch für Kinder, Jugendliche und alte Menschen.
  • Es gibt keine Front, welche die Anhänger und Gegner des herrschenden Regimes voneinander trennt. So wird meist von Regionen gesprochen, die von der Regierung oder von der Guerillabewegung „kontrolliert“ werden. Ein Gebiet kann aber auch nachts von der Guerillabewegung und am Tag von der Regierung kontrolliert werden. Der Begriff der Kontrolle ist dabei sehr unbestimmt. So kann es vorkommen, dass derselbe Geschäftsmann sowohl an die Regierung als auch an die Guerillabewegung Steuern zahlt.

Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die reguläre Armee, sich der flexiblen Kriegführung der Guerilla anzupassen – solche Versuche unternahm etwa die US-Armee im Vietnamkrieg. Nicht zu verwechseln ist dies mit der konterrevolutionären Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Mitteln der Guerilla-Taktik eine bestehende revolutionäre Regierung anzugreifen – siehe dazu etwa Contra und Contra-Krieg.

Unter dem Vorwand, dass man die Guerilla nach Guerillaart bekämpfen müsse, bestand die Antwort angegriffener konventioneller Streitkräfte immer wieder darin, selbst mit einem eigenen Kampfverhalten zu reagieren, das nicht mehr den Normen regulärer Kriegführung entsprach. Nicht nur die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist dafür ein Beispiel, auch in der jüngeren Geschichte gingen sogar demokratische Staaten angesichts massiver Guerillaangriffe auf die eigenen Truppen dazu über, die Zivilbevölkerung in den entsprechenden Ländern zu schädigen. Im Algerienkrieg griff die französische Regierung zur routinemäßigen Folter von Inhaftierten und summarischen Exekutionen (sogenannte Französische Doktrin), im Vietnamkrieg gehörte die Entlaubung großer Wälder durch Chemikalien („Agent Orange“), die Zerstörung von Ernten (siehe auch Verbrannte Erde), Politische Säuberungen und vereinzelte Massaker zu den Maßnahmen der US-Streitkräfte und der südvietnamesischen Armee. Darüber hinaus initiierte die CIA das sogenannte Phoenix-Programm, die gezielte Tötung kommunistischer Kader des Vietcong.

Die konventionelle Armee ist durch das Kriegsrecht dazu verpflichtet, humanitäre Mindeststandards zu beachten und muss daher immer versuchen, Zivilbevölkerung und Guerillabewegung voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bevölkerung geschehen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bevölkerung, die dieses Gebiet verlässt, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das Militär meist weder personell, logistisch oder materiell in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentración (Kubanischer Unabhängigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten die Kämpfer von der übrigen Bevölkerung trennen und damit der konventionellen Armee ein klar umgrenztes Feindesland für den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) führt jedoch in der Regel zur politischen Stärkung der Guerillabewegung. Eine freiwillige Aussiedlung von Zivilisten aus den von der Guerillabewegung kontrollierten Gebieten wird dadurch unwahrscheinlich.

Die Guerillabewegung setzt in manchen Fällen ihrerseits die Zivilbevölkerung gezielt unter Druck, sofern diese nicht freiwillig kooperiert, was allerdings in vielen Konflikten des 20. Jahrhunderts der Fall war. Die Nötigung der Zivilbevölkerung kann etwa durch gezielten Terror (Erschießungen, Folter und Vergewaltigungen), erzwungene Geld-, Nahrungs- und Materialabgaben und durch Zwangsrekrutierungen geschehen. Dadurch kann die Zivilbevölkerung in die Situation geraten, von beiden Seiten verdächtigt zu werden, die jeweils andere zu unterstützen. Die FNL im Vietnamkrieg operierte zum Beispiel häufig auf diese Weise. Da die Trennung und Evakuierung der Zivilbevölkerung aus den genannten Gründen oft nicht möglich war, führte das zur unvermeidlichen und unterschiedslosen Bombardierung von Guerillagebieten durch die reguläre Armee, der alle in dem Gebiet befindlichen Personen zum Opfer fielen. Der Zivilbevölkerung bleibt in einer solchen Situation oft gar keine Wahl mehr, neutral zu bleiben, und sie entscheidet sich dann aus Not heraus für die eine oder andere Seite. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass die Regierungsvertreter oft selbst korrupt sind und die Kommandeure und Soldaten ihrer offiziellen Streitkräfte persönliche (kriminelle) Ziele verfolgen. Dies führt meist dazu, dass die Zivilbevölkerung sich auf die Seite der Guerillabewegung schlägt.

Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Guerillabewegung politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:

  • Die (wirtschaftliche) Lage der Bevölkerung wird verbessert, um Unzufriedenheit zu verhindern/vermindern.
  • Es wird eine der Guerilla ähnliche Kontraguerilla geschaffen, die im Namen der Guerilla Taten begeht, die der Guerilla angelastet werden und sie in den Augen der Bevölkerung diskreditiert (Vietnam, Kuba).
  • Da die Guerilla-Einheiten, besonders in ihrer Entstehungsphase, meist dezentralisiert kämpfen, entstehen häufig kämpfende Einheiten, die nicht die politischen Ziele der Bevölkerung teilen, sondern persönliche Bereicherung oder Macht gewinnen wollen (Caudillismo). Dies kann genutzt werden, um die Guerilla zu diskreditieren

Ein Anti-Guerillakampf ist mit militärischen Mitteln nur schwer zu gewinnen, weil es aufgrund der fehlenden Unterscheidbarkeit der Guerillakämpfer von der übrigen Bevölkerung nicht möglich ist, die jedenfalls in den frühen Phasen eines Konfliktes überlegene militärische Macht einzusetzen, ohne gleichzeitig Unschuldige zu treffen. Weiter kann sich die Guerillabewegung immer wieder aus der Bevölkerung verstärken, solange sie deren Unterstützung genießt bzw. über ausreichende Mittel zur Zwangsrekrutierung verfügt.

Die meisten Guerillakämpfe wurden daher nur politisch gelöst, das heißt entweder durch teilweises oder völliges Nachgeben gegenüber den Zielen der Guerillabewegung oder durch Entfremden der Bevölkerung von der Guerilla (so geschehen bei der IRA und der RAF).

Unterschiede zwischen Guerilla und Terrorismus

Im Unterschied zu Guerilla zielen Terroristen nicht darauf ab, Gebiete zu erobern oder zu halten, achten darauf, Konfrontation mit feindlichen militärischen Truppen zu meiden und üben selten direkte Kontrolle auf ein Territorium oder seine Bevölkerung aus.[14]

Während Terroristen unbeteiligte Zivilisten zu ihren Opfern machen, attackieren Guerilla vorrangig feindliche militärische Streitkräfte.[15]

Siehe auch

Abgeleitete Begriffe

Literatur

  • Fritz René Allemann: Macht und Ohnmacht der Guerilla. Piper, München 1974, ISBN 3-492-02006-2.
  • Alberto Bayo: Ciento cincuenta preguntas a un guerrillero. Erste englische Ausgabe: 150 questions for a guerrilla, übersetzt von Hugo Hartenstein und Dennis Harber, Boulder, COLO (Panther Publications) 1963. Spanische Erstausgabe offenbar Mexiko 1955.
  • Ian F. W. Beckett: Encyclopedia of Guerilla Warfare. Checkmark Books, New York 2001, ISBN 0-8160-4601-8.
  • Max Boot: Invisible armies. An epic history of guerrilla warfare from ancient times to the present, New York, NY u. a. (Norton) 2013. ISBN 978-0-87140-424-4.
  • Gérard Chaliand (Hrsg.): Guerrilla strategies. An historical anthology from the Long March to Afghanistan, Berkeley u. a. (University of California Press) 1982. ISBN 0-520-04444-4
  • Brigadier C. Aubrey Dixon/Otto Heilbrunn: Partisanen. Frankfurt a. M. 1956 (Originalausgabe Communist Guerilla Warfare, London 1954).
  • Richard Gott: Guerrilla Movements in Latin America. Seagull, Calcutta [u. a.] 2008, ISBN 1-905422-59-8.
  • Thomas N. Greene (Hrsg.): The Guerrilla and how to fight him. Selections from the Marine Corps Gazette, New York u. a. (Praeger) 1965.
  • Werner Hahlweg: Guerilla, Krieg ohne Fronten. Kohlhammer, Stuttgart [u. a.] 1968. (schwedische und italienische Ausgaben).
  • Werner Hahlweg: Moderner Guerillakrieg und Terrorismus. Probleme und Aspekte ihrer theoretischen Grundlagen als Widerspiegelung der Praxis, in: Manfred Funke (Hrsg.): Terrorismus. Untersuchungen zur Struktur und Strategie revolutionärer Gewalt, Düsseldorf (Droste) 1977. ISBN 3-7610-7205-8.
  • Emanuel Halicz: Partisan warfare in 19th century Poland. The development of a concept. Übersetzt aus dem Polnischen von Jane Fraser, Odense (Odense U. P.) 1975. ISBN 87-7492-135-5.
  • Otto Heilbrunn: Die Partisanen in der modernen Kriegführung, Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen) 1963 (Originalausgabe Partisan Warfare, London 1962).
  • Beatrice Heuser: Rebellen, Partisanen, Guerilleros. Asymmetrische Kriege von der Antike bis heute, Paderborn u. a. (Schöningh) 2013. ISBN 978-3-506-77605-1
  • Friedrich August von der Heydte: Der moderne Kleinkrieg als wehrpolitisches und militärisches Phänomen. Neuauflage, Böttinger, Wiesbaden 1986, ISBN 3-925725-03-2.
  • Robert F. Lamberg: Die Guerilla in Lateinamerika. Theorie und Praxis eines revolutionären Modells. Deutscher-Taschenbuch Verl., München 1972, ISBN 3-423-04116-1.
  • Werner Mackenbach: Guerilla, in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 5, Argument-Verlag, Hamburg, 2001, Sp. 1077–1088.
  • Herfried Münkler: Der Partisan. Theorie, Strategie, Gestalt. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Opladen 1990, ISBN 3-531-12192-8.
  • Abdul Haris Nasution: Der Guerillakrieg. Grundlagen der Guerillakriegführung aus der Sicht des indonesischen Verteidigungssystems in Vergangenheit und Zukunft, Köln (Brückenbauer-Verlag) 1961 (Originalausgabe Fundamentals of Guerilla warfare and the Indonesian defence system past and future, Jakarta, Information Service of the Indonesian Armed Forces, 1953).
  • Joachim Schickel: Guerrilleros, Partisanen. Theorie und Praxis, München (Carl Hanser Verlag) 1970.
  • Carl Schmitt: Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen. Berlin 1963. DNB (Neuaufl. Berlin 1995, ISBN 3-428-08439-X.)
  • Richard Kiessler: Guerilla und Revolution. Parteikommunismus und Partisanenstrategie in Lateinamerika, Bonn-Bad Godesberg (Verlag Neue Gesellschaft) 1975. ISBN 3-87831-192-3.
  • Percy Cross Standing: Guerilla Leaders of the World from Charette to De Wet, London (Stanley Paul & Co) 1912.
  • Max Boot: Invisible armies. An epic history of guerrilla warfare from ancient times to the present, New York u. a. (Norton) 2013. ISBN 978-0-87140-424-4.
  • Al J. Venter: Portugal's guerrilla wars in Africa. Lisbon's three wars in Angola, Mozambique and Portugese Guinea, 1961–1974, Solihull (Helion) 2013. ISBN 978-1-909384-57-6.
  • Freudenberg, Dirk: Theorie des Irregulären. Partisanen, Guerillas und Terroristen im modernen Kleinkrieg. Wiesbaden 2008.

Weblinks

  • Englische Onlineversion von Alberto Bayo: Ciento cincuenta preguntas a un guerrillero (150 questions for a guerrilla), PDF

Einzelnachweise

  1. Duden online: die Guerilla
  2. a b Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.
  3. a b c d e f Helga Jung-Paarmann: Guerillakrieg in Lexikon der Politik, München, 2003.
  4. Vgl. Duden online: Guerillakrieg und Guerillakampf, siehe jeweils unter „Synonyme“.
  5. Vgl. Duden online: die Guerilla, Bedeutung 2 und Guerillakrieg
  6. Duden online: der Guerilla und Guerillakämpfer, siehe dort auch weitere Synonyme.
  7. Duden online: Guerillero und Guerillera. Duden verzeichnet auch hier nur die leicht eingedeutschte Schreibweise Gueri...; die Schreibweise Guerrillero bzw. Guerrillera (mit Doppel-r wie im Spanischen) wird in der Fachliteratur jedoch ebenso häufig verwendet.
  8. a b Duden «Etymologie» – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989.
  9. Diccionario de la lengua española: guerra
  10. Arnd Krüger: Sport und Politik. Vom Turnvater Jahn zum Staatsamateur. Hannover: Fackelträger 1975.
  11. Eric Hobsbawm, Bandits, Hachette, 2010.
  12. John Anthony Davis, Conflict and control: law and order in nineteenth-century Italy, Macmillan Education, 1988.
  13. Vgl. Thomas Sheehan: Friendly Fascism. Business as Usual in America’s Backyard, in: Fascism’s Return. Scandal, Revision, and Ideology since 1980, hrsg. v. J. Richard Golson, Lincoln and London: University of Nebraska Press, 1998, S. 260–300 (PDF (Memento des Originals vom 20. Juni 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.).
  14. Bundeszentrale für politische Bildung: Die Definition von Terrorismus | bpb. Abgerufen am 21. Dezember 2017.
  15. Dietl Wilhelm, Hirschmann Kai, Tophoven Rolf (Hrsg.): Das Terrorismus Lexikon: Täter, Opfer, Hintergründe. 2006, ISBN 3-8218-5642-4, S. 20.
Attentat

Ein Attentat ist eine Gewalttat, die auf die Tötung oder Verletzung einer Person oder einer Gruppe abzielt. In den meisten Fällen ist das Attentat politisch, ideologisch oder religiös motiviert, in manchen Fällen stehen auch wirtschaftliche Interessen oder eine psychische Störung hinter einer Tat. Oft ist das Attentat verbunden mit öffentlichkeitswirksamen Begleitumständen (öffentlicher Tatort, herausragende Persönlichkeit, Geständnis), die dem Anliegen des Attentäters Nachdruck und öffentliche Bekanntheit verleihen sollen. Bis auf wenige Ausnahmen, die wie der Tyrannenmord ethisch und juristisch gerechtfertigt sein können, gelten Attentate mit Todesfolge in der Regel als Mord und deren Durchführung als Mordanschlag.

Insbesondere politisch motivierte Attentate auf prominente Opfer können weitreichende Folgen haben. Die Ermordung Julius Cäsars hatte einen Bürgerkrieg zur Folge, das Attentat von Sarajevo löste den Ersten Weltkrieg aus. Das tödliche Attentat auf den israelischen Premierminister Jitzchak Rabin brachte 1995 den Nahost-Friedensprozess zum Erliegen. Attentate können darüber hinaus traumatisierend auf Gesellschaften wirken, etwa die Morde an Abraham Lincoln, John F. Kennedy, Robert F. Kennedy und Martin Luther King in den USA sowie an Gandhi in Indien und Olof Palme in Schweden. Auch Attentate, die ihr Ziel nicht erreichen, wie das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler samt versuchtem Staatsstreich, können bedeutende Folgen haben.

Che – Guerrilla

Che – Guerrilla (Che – Part Two: Guerrilla) ist eine US-amerikanisch-französisch-spanische Filmbiografie aus dem Jahr 2008. Regie führte Steven Soderbergh, der gemeinsam mit Peter Buchman und Ben Van Der Veen auch das Drehbuch schrieb. Der Film ist die Fortsetzung des Films Che – Revolución, der ebenfalls 2008 veröffentlicht wurde.

Contra (Organisation)

Contra ist eine im spanischen Sprachraum verwendete Kurzform für Konterrevolutionär. Insbesondere wird die Bezeichnung Contras für eine ganze Reihe von Guerilla-Gruppierungen verwendet, die ab 1981 die sozialistische sandinistische Regierung Nicaraguas im so genannten Contra-Krieg bekämpften.

Diskordianismus

Diskordianismus (v. lat.: discordia „Zwietracht“) und davon abgeleitete Varianten wie die Church of the SubGenius sind seit den 1980er Jahren verbreitete Religionen als Folge neuheidnischer Strömungen. Angeblich wurde der Diskordianismus 1957 erfunden. Der maßgebliche Text wurde vermutlich ab 1979 anonym erstellt und als sogenannte Principia Discordia veröffentlicht, unter Berufung auf den amerikanischen Autor Robert Anton Wilson und dessen Roman Illuminatus! (1975). Diskordianer sind dort Leute, die gegen die Vorherrschaft der Illuminaten kämpfen. Zunächst als Fankultur gepflegt, hat sich der Diskordianismus als Religion verselbständigt.

Fatah

Die Fatah ([ˈfataħ], eigentlich jedoch korrekt [fatħ] – arabisch فتح, DMG fatḥ ‚Eroberung, Sieg‘) ist eine politische Partei in den Palästinensischen Autonomiegebieten. Der Name ist ein Akronym und Ananym von حركة التحرير الوطني الفلسطيني Ḥarakat at-Taḥrīr al-waṭanī al-Filasṭīnī ‚Bewegung zur nationalen Befreiung Palästinas‘. Diese Anfangsbuchstaben zusammengesetzt und rückwärts gelesen ergeben das Wort für „Öffnung, Eröffnung, Befreien; (Hindernisse wegschaffen)“, vgl. futūh.

Die Organisation verfolgte laut ihrer Verfassung von 1964 als Ziele die „komplette Befreiung Palästinas“, die „Gründung eines unabhängigen demokratischen Staates mit vollständiger Souveränität über die palästinensischen Gebiete und Jerusalem als Hauptstadt“ sowie die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“. In der gleichen Verfassung betrachtete sie die „israelische Existenz in Palästina“ als „zionistische Invasion mit kolonialer Expansionsbasis“. Die Fatah bediente sich in der Vergangenheit auch terroristischer Mittel, um diese Ziele zu erreichen.

Im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses erkannte die Fatah 1993 unter ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels an, bekannte sich zum Friedensprozess und schwor dem Terrorismus als politischem Mittel ab.

Die Fatah ist heute die stärkste Fraktion innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Sie ist Vollmitglied in der Sozialistischen Internationalen und hat in der Sozialdemokratischen Partei Europas Beobachterstatus.

Anfang Mai 2011 unterschrieb die Fatah gemeinsam mit der Hamas ein Versöhnungsabkommen, dem zufolge beide planen, eine gemeinsame Übergangsregierung zu bilden.

Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional

Die Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (FMLN) (zu Deutsch: Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí) ist eine politische Partei in El Salvador. Sie war ursprünglich ein Bündnis unterschiedlichster, jedoch mehrheitlich linksgerichteter Kräfte, die sich 1980 zur Bekämpfung der damaligen von den USA militärisch und politisch unterstützten Militärdiktatur zusammengeschlossen hatten.

Frente Polisario

Die Frente Polisario (von spanisch Frente Popular para la Liberación de Saguía el Hamra y Río de Oro, arabisch الجبهة الشعبية لتحرير الساقية الحمراء ووادي الذهب, DMG al-Ǧabha aš-šaʿbiyya li-taḥrīr as-Sāqiya al-Ḥamrāʾ wa-Wādiy aḏ-Ḏahab, deutsch Volksfront zur Befreiung von Saguía el Hamra und Río de Oro, kurz Polisario) ist eine militärische und politische Organisation in der Westsahara. Sie vertritt liberale bis sozialistische Positionen und ist Beobachter bei der Sozialistischen Internationale sowie Mitglied der Progressiven Allianz.

Geusen

Geusen (niederländisch geuzen) ist der Name, den sich die niederländischen Aufständischen während des Achtzigjährigen Krieges (1568–1648) gaben.

Guerilla-Marketing

Guerilla-Vermarktung ist eine Wortschöpfung des Marketing-Experten Jay C. Levinson aus der Mitte der 1980er Jahre, der damit ungewöhnliche Vermarktungsaktionen bezeichnet, die mit geringem Mitteleinsatz eine große Wirkung versprechen. Der Begriff Guerilla leitet sich dabei von der speziellen Art der Kriegsführung ab, bei der untypische Taktiken zur Zielerreichung im Hinterland des Gegners angewendet werden. Laut Hutter/Hoffmann (2011) umfasst Guerilla-Marketing „verschiedene kommunikationspolitische Instrumente, die darauf abzielen, mit vergleichsweise geringen Kosten bei einer möglichst großen Anzahl von Personen einen Überraschungseffekt zu erzielen, um so einen sehr hohen Guerilla-Effekt (Verhältnis von Werbenutzen und -kosten) zu erzielen“.

Guerilla Gardening

Als Guerilla Gardening (zusammengesetzt aus guerrilla – von span. guerrilla für „kleiner Krieg“ – und engl. gardening für „Gärtnern“) wurde ursprünglich die heimliche Aussaat von Pflanzen als subtiles Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum bezeichnet, vorrangig in Großstädten oder auf öffentlichen Grünflächen. Mittlerweile hat sich Guerilla-Gardening zum urbanen Gärtnern oder zu urbaner Landwirtschaft weiterentwickelt und verbindet mit dem Protest den Nutzen einer Ernte beziehungsweise einer Verschönerung trister Innenstädte durch Begrünung brachliegender Flächen.

Intervalltraining

Intervalltraining ist eine Trainingsmethodik im Sport, die durch abwechselnde Belastungs- und Erholungsphasen (Intervalle) gekennzeichnet ist. Dabei werden die Erholungsphasen von der Dauer und Intensität so gestaltet, dass sich der Organismus nicht vollständig erholen kann. Durch die unvollständige Erholung wird ein starker Trainingsreiz gesetzt.

Intervalltraining hat je nach Ausprägung das Ziel, die Kraftausdauer, die Schnelligkeitsausdauer, die Laktattoleranz, den Laktatabbau, die maximale Sauerstoffaufnahme oder auch das Tempogefühl (z. B. Wettkampftempo) zu verbessern. Weiterhin kann das Intervalltraining zur Verbesserung und Ökonomisierung der Bewegungsabläufe (inter- und intramuskuläre Koordination) beitragen.

Diese Trainingsziele sind für viele Sportarten wichtig, dementsprechend ist diese Trainingsform weit verbreitet.

Sprinter, Mittelstrecken- und Langstreckenläufer, aber auch Radsportler, Schwimmer sowie Ruderer, Sportkletterer und Skilangläufer kennen das Intervalltraining als sportartspezifische Wettkampfvorbereitung. In der neueren Forschung beschäftigt man sich auch mit der Bedeutung des Intervalltrainings für die kardiologische Rehabilitation.Als Erfinder der Intervallmethode wird immer wieder der Langstreckenläufer Emil Zátopek genannt, der auf Grund seines trainingsmethodischen Wissensvorsprungs seinen Gegnern im Wettkampf vielfach überlegen war. Das Intervalltraining erlangte Dominanz im Laufsport gegenüber dem zuvor bedeutenden 'Stil-Training', da Zátopek überaus unökonomisch lief – das Stil-Training, das sehr auf disziplinspezifische Bewegungs(Lauf)Ökonomie achtete, verlor jedoch nur vorübergehend an Bedeutung. Trainer wie Mihály Iglói kombinierten beide Methoden und waren damit über ein Jahrzehnt international sehr erfolgreich.

Kleiner Krieg

Als kleinen Krieg (auch Kleinkrieg oder auch Parteigängerkrieg, frz. petite guerre, russ. малая / маленькая война) bezeichnet man in der früheren Neuzeit sowie im 19. Jahrhundert die spezifischen (Kampf)handlungen der leichten Truppen (Leichte Infanterie, Leichte Kavallerie). Der „kleine Krieg“ umfasste:

den Sicherheitskrieg (Feldwachen, Kordone, Defensivposten, Patrouillen, Avantgarde, Arriergarde)

die Aufrechterhaltung der Nachrichtenverbindungen zwischen den Armeeteilen (Stafetten, Kuriere)

den Recognoszierungskrieg (Aufklärungsdienst)

die Schutzgefechte (Schutz von Transporten, Magazinen und Depots; Bewachung der Fouragierungen und des Baus; Überfälle auf feindliche Transporte, Magazine, Depots) sowie Eskortierung der Kriegsgefangenen

den Vorpostenkrieg bzw. den Detachementenkrieg (Verteidigung einzelner Objekte wie Brücken, Dämme, Furten usw.; Überfälle, Verstecke und Hinterhalte)

Mudschahed

Der Ausdruck Mudschahed (arabisch مجاهد Mudschāhid, DMG Muǧāhid ‚Kämpfer‘, Mehrzahl Nominativ Mudschāhidūn und Genitiv/Akkusative Mudschāhidīn) ist wie auch der Begriff Dschihad von dschāhada / جاهد / ‚sich bemühen, streben, kämpfen, hl. Krieg gegen Ungläubige führen‘ abgeleitet und bedeutet ins Deutsche übersetzt „jemand, der Dschihad betreibt“. Er wird v. a. in Massenmedien oft ungenau als Gotteskrieger übersetzt.

Das Wort wird im Zusammenhang mit dem Islam verwendet und bezeichnet dann in der Regel islamistische Kämpfer oder islamistische Guerilla-Gruppierungen. Islamische Widerstandskämpfer und Terrorgruppen nennen sich selbst Mudschahidin. Oft wird auch die Form Mudschahed bzw. Mudschahedin verwendet. Außerdem wird im Persischen, zu dem auch das Dari in Afghanistan gehört, das kurze i zu e und das kurze u zum o. Da der Begriff im Verlauf des Krieges islamischer Kämpfer gegen die Sowjetunion in Afghanistan in Westen populär wurde, hat sich die Variante mit persischer Aussprache weit verbreitet.

Der Begriff kann sich aber auch allgemeiner auf Personen beziehen, die sich um die Verbreitung oder Verteidigung des Islam bemühen oder individuell bestrebt sind „Gottes Weg zu folgen“. In diesem Sinne kann jemand, der seinen Glauben (z. B. den Islam) studiert und diesen reinen Gewissens lebt, ein Mudschahed sein.

Nationale Befreiungsfront (Algerien)

Die Nationale Befreiungsfront (arabisch جبهة التحرير الوطني, DMG ǧabhat at-taḥrīr al-waṭanī, oft auch französisch FLN Front de Libération Nationale) ist eine algerische Partei, die aus einer früheren Befreiungsbewegung heraus entstanden ist.

Partisan

Ein Partisan (italienisch partigiano „Parteigänger“) ist ein bewaffneter Kämpfer, der nicht zu den regulären Streitkräften eines Staates gehört.

Stadtguerilla

Die Stadtguerilla ist eine Guerilla, die im städtischen/großstädtischen Umfeld operiert. Sie übernimmt Strategien und Methoden der Guerilla, die vornehmlich in ländlichen Regionen aktiv ist. Als ihr Erfinder gilt der irische Freiheitskämpfer Michael Collins.

Kennzeichnend für die Guerilla/Stadtguerilla ist, dass sie mit oft militanten Mitteln versucht, aus dem Untergrund oder der Illegalität heraus gegen bestimmte politische Entscheidungen, vielfach jedoch auch gegen ein politisches System insgesamt, und damit gegen eine herrschende Regierung Widerstand zu leisten und die eigenen politischen Konzepte und Ziele durchzusetzen, wo dies mit den Mitteln einer legalen Opposition nach Auffassung der militanten Kämpfer nicht möglich oder wirkungslos ist.

Streetart

Als Streetart (auch: Street Art, seltener, da missverständlich Straßenkunst; vgl. dort) werden verschiedene, meist nichtkommerzielle Formen von Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet, die nach der Absicht der Verursacher durchaus dauerhaft dort verbleiben sollten.

Unter Streetart versteht man selbstautorisiert angebrachte Zeichen aller Art im urbanen Raum, die mit einem weiteren Personenkreis kommunizieren wollen. Die engere oder weitere Auffassung des Begriffes Streetart ist an deren kommerzielle Verwertbarkeit geknüpft. Im Gegensatz zu Graffiti überwiegt oft der Bildteil, nicht das kunstvolle Schreiben/Malen des eigenen Namens.

Tiefer Staat

Der Begriff Tiefer Staat (türkisch: derin devlet) wird in der Türkei in der Bedeutung von Staat im Staate verwendet. Er deutet auf eine im Verlauf mehrerer Jahrzehnte gewachsene konspirative Verflechtung von Militär, Geheimdiensten, Politik, Justiz, Verwaltung, Rechtsextremismus und organisiertem Verbrechen (insbesondere Killerkommandos) hin. Die Diskussion entfachte sich besonders um den sogenannten Susurluk-Skandal im Jahre 1996, wurde aber schon in den 1970er Jahren mit Begriffen wie Kontra-Guerilla oder Özel Harp Dairesi (Amt für besondere Kriegsführung) geführt. In den letzten Jahren wurde in diesem Zusammenhang auch der offiziell inexistente Geheimdienst der Gendarmerie mit seiner Abkürzung JİTEM genannt.

In der Türkei wird weithin davon ausgegangen, dass der Tiefe Staat im Geheimen bis heute eine signifikante Rolle in der türkischen Politik spielt und in der jüngeren Geschichte häufig massiven Einfluss genommen hat. Dabei werden unter anderem die beiden Militärputsche von 1971 und 1980 sowie eine größere Zahl von unaufgeklärten politischen Morden, Folter, Menschenrechtsverletzungen, zahlreiche Fälle des gewaltsamen Verschwindenlassens von Menschen und der Verlauf des Konflikts mit der kurdischen PKK in Südostanatolien genannt. Der heutige Stand der Aufklärung des Phänomens, seiner Geschichte und politischen Hintergründe kann jedoch nach wie vor als gering angesehen werden.

Der Begriff wird - in Anlehnung an die türkischen Verhältnisse - auch in anderen Ländern als polemischer Begriff zur Bezeichnung tatsächlicher oder vermeintlicher Zustände benutzt.

Việt Minh

Die Việt Minh (vereinfacht Vietminh, vollständig Việt Nam Ðộc Lập Ðồng Minh Hội, Hán Nôm 越南獨立同盟會, dt. „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“) wurden 1941 aus verschiedenen Gruppierungen gegründet, um die Unabhängigkeit Vietnams zu sichern. Sie bestanden aus nationalistischen und kommunistischen Gruppen. Der politische Führer und ein Gründer der Việt Minh war Hồ Chí Minh. Die militärische Führung unterstand dem Führer der nationalistischen Bewegung Võ Nguyên Giáp. Andere Gründer waren Lê Duẩn und Phạm Văn Đồng. 1960 vereinten sich die Việt Minh mit weiteren Oppositionsgruppen zur „Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams“ (NLF).

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