Ferdinand Heribert von Galen

Ferdinand Heribert Graf von Galen (* 31. August 1831 in Münster; † 5. Januar 1906 in Dinklage) war Politiker der Zentrumspartei.

Ferdinand von Galen 1
Ferdinand Graf von Galen

Familie

Galen gehörte dem alten westfälischen Adelsgeschlecht Galen an und entstammte einer tief religiösen Familie. Er wurde als viertes von 13 Kindern geboren und wuchs auf dem Familiensitz, der Burg Dinklage im Oldenburger Münsterland, auf. Seine Eltern waren der Erbkämmerer Johann Matthias Graf von Galen (1800–1880) und Anna geb. Freiin von Ketteler zu Harkotten (1803–1884), die Schwester des Sozialpolitikers und Mainzer Bischofs Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811–1877).

Am 7. Mai 1861 heiratete er die Reichsgräfin Elisabeth Friederike von Spee (1842–1920), eine Tochter des Hofbeamten August von Spee. Dieser war in zweiter Ehe mit Ferdinands Schwester Maria Anna (1826–1939) verheiratet. Ferdinands Frau Elisabeth brachte zwölf Kinder zur Welt: Elisabeth Ferdinanda (1862–1870), Maria Anna (1863–1930, Ordensschweaster), Friedrich Mathias von Galen (Reichstagsabgeordneter), August Aloys (1866–1912, ⚭ 1896 Gräfin Livina von Korff gen. Schmising), Maria Franziska Christina (1869–1938 in St. Louis, Ordensschwester), Maria Franziska Elisabeth (1869–1876), Wilhelm Emanuel von Galen (Augustinermönch), Maria Gertrud Agnes (1872–1943, ⚭ 1901 Conrad Freiherr von Wendt), Joseph Ferdinand Hubert (1873–1876), Maria Paula Antonia (* 1876; † 1923, Ordensschwester), den Bischof von Münster und Kardinal Clemens August Graf von Galen[1] und den Benediktinermönch Franz von Galen.

Leben und Wirken

Galen besuchte die Rheinische Ritterakademie in Bedburg, dann das Gymnasium in Münster und studierte anschließend Rechtswissenschaften in München, Löwen und Bonn. Verschiedene Reisen führten ihn nach Frankreich, Italien und Spanien. 1849 begann er eine militärische Laufbahn im 1. Garde-Ulanen-Regiment. 1853 trat er ins 11. Husaren-Regiment in Düsseldorf ein, und schied 1858 als Premierleutnant des 13. Landwehr-Regiments in Warendorf aus. In der Folgezeit arbeitete von Galen in der Verwaltung des Familienbesitzes in Dinklage.[1] Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 war er Kriegsteilnehmer.[2]

Zwischen 1872 und 1875 war er Mitglied des Oldenburgischen Landtages. Von 1874 bis 1903 war er Mitglied des Reichstages für die Zentrumspartei. Er vertrat als Abgeordneter den Wahlkreis Großherzogtum Oldenburg 3 (Delmenhorst–Vechta–Cloppenburg).[3] Von 1898 bis 1903 war von Galen Mitglied des Fraktionsvorstandes.

Im Jahr 1880 übernahm er dann die Familiengüter in Oldenburg und Westfalen und arbeitete neben seiner Tätigkeit im Reichstag führend in mehreren katholischen Organisationen und Vereinen mit. Von Galen war 1883 Vizepräsident und ab 1893 Präsident des Deutschen Katholikentages. Außerdem war er seit 1890 Vorstandsmitglied des Volksvereins für das katholische Deutschland, gehörte dem Verein katholischer Edelleute sowie dem Mainzer Verein deutscher Katholiken an. Zwischen 1898 und 1906 war von Galen Vorsitzender des Provinzialkomitees der Zentrumspartei in Westfalen.

Von politischer Bedeutung war der im Reichstag 1877 eingebrachte „Antrag Galen“, in dem sich Galen hinter Forderungen zum Arbeiterschutz und zur Sonntagsruhe stellte.[4] Urheber dieses Antrags war allerdings der westfälische Zentrumspolitiker Burghard von Schorlemer-Alst, dessen Vorschläge von einer kleinen Gruppe von Abgeordneten redigiert wurden. Auf seinen Vorschlag hin beauftragte die Zentrumsfraktion Galen, aufgrund seines hohen Ansehen auch bei den übrigen Parteien, mit der Einbringung des Antrages. Der Antrag wurde am 19. März 1877 im Reichstagsplenum eingebracht. Neben dem Verbot der Sonntagsarbeit enthielt der Antrag auch Forderungen zu Einschränkungen der Kinder- und Frauenarbeit, Einschränkung der Gewerbefreiheit, Einführung korporativer Organisationen im Handwerk und Schutz der Familie. In der Begründung des Antrages entwickelte Galen sein christlich-ethisch sozial-romantisch verklärtes Weltbild. Die Forderungen wurden von der Regierung und den sie stützenden Parteien als Angriff auf die bisherige Wirtschaftspolitik aufgefasst und eine weitere Prüfung und eine Behandlung im zuständigen Reichstagsausschuss abgelehnt. Wenn der „Antrag Galen“ damit auch keine unmittelbaren praktischen Ergebnisse hervorbrachte, stand er jedoch am Beginn der Sozialpolitik der Zentrumspartei.[5]

Ehrungen und Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. a b Michael Hirschfeld: Galen, Ferdinand Heribert Graf von. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 31, Bautz, Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8, Sp. 477–481.
  2. Eckhard Hansen, Florian Tennstedt: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik. Kassel 2010, S. 57.
  3. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 278.
  4. Abgedruckt In: Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, I. Abteilung: Von der Reichsgründungszeit bis zur Kaiserlichen Sozialbotschaft (1867-1881), 3. Band: Arbeiterschutz, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Stuttgart u. a. 1996, Nr. 102.
  5. Karl Gabriel, Hermann-Josef Grosse Kracht: Franz Hitze (1851–1921), Sozialpolitik und Sozialreform. Schöningh, 2006, ISBN 3506729209, S. 20 (Digitalisat)

Literatur

  • Galen, Ferdinand Heribert Graf von. In: Dirk Hainbuch; Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel, 2010, S. 57. ISBN 978-3-86219-038-6 (print), ISBN 978-3-86219-039-3 (Digitalisat) (Volltext, PDF; 2,2 MB)
  • Michael Hirschfeld: Glaube und Adelsstand als Motivation für politisches Engagement – zur Biographie der Reichstagsabgeordneten Ferdinand Heribert (1831-1906) und Friedrich Matthias von Galen (1865-1918). In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2012 (Hrsg.: „Heimatbund für das Oldenburger Münsterland“). Vechta 2011. S. 49–72
  • Galen, Ferdinand Heribert Ludwig Maximus Antonius Hubertus Maria Graf von In: Hans Friedl, Wolfgang Günther, Hilke Günther-Arndt, Heinrich Schmidt (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5. Seite 222–223. (online)

Weblinks

August von Spee

August Wilhelm Konstantin Hubert Reichsgraf von Spee (* 18. April 1813 in Düsseldorf; † 23. August 1882 auf Schloss Heltorf) war ein deutscher Hofbeamter, Rittergutsbesitzer und Ritterschaftsfunktionär.

Burghard von Schorlemer-Alst

Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst (* 21. Oktober 1825 auf Schloss Herringhausen bei Lippstadt; † 17. März 1895 auf der Wasserburg Haus Alst in der Bauerschaft Alst bei Horstmar) war ein deutscher Politiker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Schorlemer-Alst war der Gründer des „Westfälischen Bauernvereins“ und Initiator der ländlichen Genossenschaftsbewegung in Westfalen.

Conrad Freiherr von Wendt

Conrad Freiherr von Wendt (* 24. April 1872 auf Schloss Gevelinghausen; † 19. Januar 1945) war Besitzer des Ritterguts Gevelinghausen und weiterer Besitzungen und engagierte sich im katholischen, caritativen Vereinswesen.

Wendt war Sohn von Freiherr Carl von Wendt-Papenhausen und dessen Ehefrau Maria (geb. von Romberg zu Bladenhorst). Er war sehschwach und konnte daher keine öffentliche Schule besuchen. Wendt wurde vom örtlichen Volksschullehrer im Schloss Gevelinghausen unterrichtet. Von 1890 bis 1892 machte er ein land- und forstwirtschaftliches Praktikum auf dem ehemaligen Klostergut Glindfeld. Außerdem sammelte er Erfahrungen bei der Verwaltung der Familiengüter Gevelinghausen, Wiggeringhausen, Schellenstein und Papenhausen sowie dem Passel Hof in Nuttlar.

Im Jahr 1901 heiratete von Wendt Gräfin Agnes von Galen, Tochter des Reichstagsabgeordneten Ferdinand Heribert von Galen (1831–1906) und Schwester des späteren Kardinals Clemens August Graf von Galen (1878–1946). Seit 1902 lebte die Familie auf Schloss Schellenstein. Dort kam von Wendt in Kontakt mit Pfarrer Heinrich Sommer. Ein Jahr später schlug dieser auf dem Katholikentag in Köln die Gründung eines „Krüppelheims“ für körperbehinderte Jugendliche vor.

Conrad von Wendt hat die Gründungsinitiative von Pfarrer Heinrich Sommer mit seinem Vermögen, seinen weitreichenden kirchlichen und politischen Beziehungen und seiner Vorstandsarbeit über 40 Jahre unterstützt und wesentlich geprägt. Er war Gründungsmitglied der Josefs-Gesellschaft am 15. August 1904 und Erster Vorsitzender vom 1. Juni 1914 bis zum 19. Januar 1945.

Bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Josefs-Gesellschaft hat ihn der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Johannes Gronowski, als „sozialsten Adeligen Westfalens“ bezeichnet. Von Papst Pius XI. erhielt er den Gregoriusorden.

Dinklage

Dinklage ist eine Stadt im Landkreis Vechta, Niedersachsen.

Eduard Burlage

Heinrich Eduard Burlage (* 25. November 1857 in Huckelrieden bei Löningen; † 19. August 1921 in Berlin) war ein deutscher Politiker des Zentrums.

Emanuel von Galen

Emanuel Graf von Galen (-Beversundern) (* 6. Oktober 1877 in Münster; † 20. Oktober 1950 in Lingen) war ein deutscher Gutsbesitzer, Landrat und MdL (Deutsche Partei).

Friedrich Mathias von Galen

Friedrich Mathias Graf von Galen (* 20. Mai 1865 in Münster; † 10. November 1918 in Dinklage) war Gutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags.

Galen

Galen ist der Name oder Familienname folgender Personen:

Galenos (~129–216), griechischer Arzt und Naturforscher in Rom

Galen, Deckname von Wassili Konstantinowitsch Blücher (1889–1938), sowjetischer General

Håkon Galen (~1170–1214), norwegischer Jarl

Barry van Galen (* 1970), niederländischer Fußballspieler

Philipp Galen, Pseudonym von Ernst Philipp Karl Lange (1813–1899), deutscher Schriftsteller und ArztGalen ist der Name des westfälischen Adelsgeschlechts Galen (Adelsgeschlecht):

Augustinus von Galen (1870–1949), Benediktinermönch, PriesterChristoph Bernhard von Galen (1606–1678), deutscher katholischer Priester, Fürstbischof von Münster

Christoph Bernhard Graf von Galen (Päpstlicher Geheimkämmerer) (1907–2002), deutscher Politiker (CDU) und Päpstlicher Geheimkämmerer

Clemens August Graf von Galen (1878–1946), Bischof von Münster und Kardinal

Emanuel von Galen (1877–1950), deutscher Landtagsabgeordneter

Ferdinand von Galen (1803–1881), deutscher Diplomat und Politiker

Ferdinand Heribert von Galen (1831–1906), Reichstagsabgeordneter (Zentrum)

Franz von Galen (1879–1961), Landtagsabgeordneter

Franz Wilhelm von Galen zu Assen (1648–1716), Erbkämmerer im Fürstbistum Münster und Amtsdroste in Vechta und Wildeshausen

Friedrich Mathias von Galen (1865–1918), Reichstagsabgeordneter (Zentrum)

Heinrich von Galen († 1557), Landmeister von Livland

Heinrich Ludwig von Galen zu Assen (1675–1717), Komtur des Malteser-Ritterordens

Johan van Galen (1604–1653), deutsch-niederländischer Kapitän und Flottenkommandeur

Johann Heinrich von Galen (1609–1694), Erbkämmerer und Amtsdroste in Vechta und Wildeshausen

Margarete von Galen (* 1955), deutsche Juristin

Maximilian Gereon von Galen (1832–1908), Weihbischof in Münster

Wilderich von Galen (1913–1967), Generalsekretär der Deutschen ParteiGalen bezeichnet:

Galen (Mondkrater), einen Krater auf dem Mond

Galen (Montana), einen Ort in den Vereinigten Staaten

Galen (New York), einen Ort in den Vereinigten Staaten

Galen (Tennessee), einen Ort in den Vereinigten Staaten

Galen Peak, Berg auf der Brabant-Insel im Palmer-Archipel in der AntarktisSiehe auch:

Gahlen

Galen zu Assen

Reichstagswahl 1874

Die Reichstagswahl 1874 war die Wahl zum 2. Deutschen Reichstag. Sie fand am 10. Januar 1874 statt.

Die Wahlbeteiligung lag bei ca. 61,2 % und damit deutlich höher als bei der Reichstagswahl 1871.

Zum ersten Mal zogen Abgeordnete aus dem Reichsland Elsaß-Lothringen in den Reichstag ein. Alle 15 elsaß-lothringischen Wahlkreise wurden von pro-französischen elsässisch-lothringischen Regionalisten gewonnen; erst bei der Reichstagswahl 1890 gelang es auch deutschen Parteien, Mandate zu gewinnen.

Gewinner der Wahl waren die Nationalliberalen und das Zentrum, Verluste mussten dagegen die Konservative Partei und die Liberale Reichspartei hinnehmen. Die Nationalliberalen gewannen mit 154 Mandaten (38,8 %) so viele Abgeordnetensitze wie nie zuvor und später eine Partei bei einer Reichstagswahl im Kaiserreich. Für Besorgnis u. a. beim Reichskanzler Otto von Bismarck sorgte das Abschneiden der Sozialdemokraten, die ihre Abgeordnetenzahl von 2 auf 9 erhöhen konnten.

Reichstagswahl 1877

Die Reichstagswahl 1877 war die Wahl zum 3. Deutschen Reichstag. Sie fand am 10. Januar 1877 statt.

Die Wahlbeteiligung lag bei 60,6 % und damit etwa bei der von 1874.

Gewinne bei dieser Wahl verbuchten die konservativen Kräfte auf Kosten der Liberalen. Darin sah sich Reichskanzler Otto von Bismarck, der seit einiger Zeit von der Freihandels- zur Schutzzollpolitik überging (Entlassung Rudolph von Delbrücks 1876), bestätigt. Die Spannungen zwischen dem Kanzler und den Liberalen verschärften sich nun zunehmend. In diesem Zusammenhang kam es zur „Kanzlerkrise“ (vergleiche Albrecht von Stosch).

Die 1876 gegründete Deutschkonservative Partei trat erfolgreich die Nachfolge der preußischen Altkonservativen an. Die nunmehr vereinten Sozialisten, 1874 noch in Arbeiterverein und Arbeiterpartei gespalten, konnten erneut ihre Mandatszahl erhöhen. Gleiches galt für die (Süd-)Deutsche Volkspartei, die sich in Württemberg etablierte. Das Zentrum stabilisierte sich als zweitstärkste Kraft.

Nach Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. und Auseinandersetzungen um das geplante Sozialistengesetz wurde der dritte Reichstag auf Wunsch Bismarcks vom Kaiser aufgelöst, und es kam zur Reichstagswahl 1878.

Reichstagswahl 1878

Die Reichstagswahl 1878 war die Wahl zum 4. Deutschen Reichstag. Sie fand am 30. Juli 1878 statt. Aufgrund der Umstände ist sie auch als Attentatswahl bekannt.

Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 63,4 % (andere Quelle: 63,1 %) und damit unwesentlich höher als bei der Reichstagswahl 1877.

Nach einem fehlgeschlagenen Attentat des Arbeiters Max Hödel auf Kaiser Wilhelm I. am 11. Mai 1878 hatte Reichskanzler Otto von Bismarck ein Verbot der Sozialdemokraten gefordert. Der mehrheitlich liberale Reichstag hatte dies aus rechtsstaatlichen Erwägungen abgelehnt. Ein zweites Attentat, durchgeführt von Karl Eduard Nobiling am 2. Juni 1878, bei dem der Kaiser verletzt wurde, führte zu weiterer Aufregung in der Bevölkerung und Druck auf die gemäßigten Kräfte. Daraufhin war der Reichstag gemäß Artikel 24 der Reichsverfassung von Bundesrat und Kaiser – durchaus auf Wunsch Bismarcks – am 11. Juni aufgelöst worden. Vor allem Nationalliberale schwenkten nun ins Lager derer um, die die Sozialisten gesetzlich und polizeilich bekämpfen wollten.

Der Wahlkampf wurde um das vor allem von konservativen Kräften um Bismarck geforderte Sozialistengesetz geführt. Mit dem Berliner Kongress, der zwei Wochen vor der Wahl endete, konnte Bismarck sein Ansehen erhöhen.

Die Wahl wurde eindeutig von den Konservativen gewonnen. Verlierer waren dagegen die Liberalen. Auch die Sozialdemokraten verloren Sitze.

Der vierte Reichstag stimmte dem Sozialistengesetz am 19. Oktober 1878 mit 221 zu 149 Stimmen zu. Dafür stimmten die Konservativen und Nationalliberalen, dagegen vor allem das Zentrum, die Deutsche Fortschrittspartei und die Sozialdemokraten selbst, die ihre Mandate allerdings weiter ausüben durften.

Eine wichtige Weichenstellung in der Legislaturperiode war die Einführung von Schutzzöllen, die im Juli 1879 mit den Stimmen der Konservativen und des Zentrums beschlossen wurde. Die Nationalliberale Partei war in der Frage tief gespalten und stimmte uneinheitlich ab; sowohl Vertreter des rechten als auch des linken Flügels verließen die Partei. Letztere bildeten später mit weiteren Liberalen die Liberale Vereinigung. Die liberal gesinnten preußischen Minister Adalbert Falk (am 14. Juli 1879), Karl Rudolf Friedenthal (12. Juli 1879) und Arthur Johnson Hobrecht traten zurück. Der erbitterte Widerstand der geschwächten „linksliberalen“, d. h. manchesterliberalen Parteien mit dem Wortführer Eugen Richter war schließlich vergeblich, die Abstimmung endete mit 217 zu 117 Stimmen. Die Einführung war vor allem von der Lobbygruppe Zentralverband Deutscher Industrieller gefordert worden, die sich mit den agrarischen Interessengruppen – sie beherrschten die konservativen Parteien – zum „Bündnis aus Roggen und Eisen“ zusammengeschlossen hatte und auch in Wahlkämpfe eingriff.

Reichstagswahl 1881

Die Reichstagswahl 1881 war die Wahl zum 5. Deutschen Reichstag. Sie fand am 27. Oktober 1881 statt. Wahlberechtigt waren 20,1 % der Gesamtbevölkerung. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,3 % und damit deutlich niedriger als bei der vorangegangenen Reichstagswahl 1878. Der Wahlkampf wurde vor allem um die Finanzpolitik geführt und stand außerdem noch wie bei der vorherigen Wahl im Zeichen der Auseinandersetzungen um die Schutzzollpolitik.

Reichstagswahl 1884

Die Reichstagswahl 1884 war die Wahl zum 6. Deutschen Reichstag. Sie fand am 28. Oktober 1884 statt.

Die Wahlbeteiligung lag bei knapp über 60 % und damit wieder höher als bei der Reichstagswahl 1881.

Der Wahlkampf stand im Zeichen der beginnenden Kolonialpolitik, die die Unterstützung von Reichskanzler Otto von Bismarck gefunden hatte und von den Konservativen und der Nationalliberalen Partei befürwortet wurde. Trotz der Popularität der Kolonialpolitik gewann die Deutschkonservative Partei keine Stimmen dazu. Die Nationalliberalen konnten nach herben Verlusten bei den vorhergehenden Wahlen wieder mehr Mandate gewinnen.

Die Deutsche Fortschrittspartei und die Liberale Vereinigung hatten sich zur Deutschen Freisinnigen Partei zusammengeschlossen. Zusammen mit der Deutschen Volkspartei gewannen sie aber nur 74 Mandate; bei der vorherigen Reichstagswahl hatte das linksliberale Lager noch 115 Abgeordnete gestellt. Das war auch der eher skeptischen Haltung zur Kolonialpolitik geschuldet.

Trotz der anhaltenden Behinderung durch das Sozialistengesetz konnten die Sozialdemokraten ihre Mandatszahl von 12 auf 24 verdoppeln. Das Zentrum behauptete sich unterdessen als stärkste Fraktion.

Immer stärker wurden die Verzerrungen sichtbar, die das Mehrheitswahlrecht mit sich brachte. Da es seit der Reichstagswahl 1871 keine Neuabgrenzung der Wahlkreise gegeben hatte, waren durch Wanderungsbewegungen Städte unter- und ländliche Gebiete überrepräsentiert. Dies schadete vor allem den in den Städten stärkeren Linksliberalen und den Sozialdemokraten. So kam die Freisinnige Partei insgesamt auf 17,6 % der Stimmen und damit auf 67 Sitze (16,9 %), während die Deutschkonservative Partei mit 15,2 % der Stimmen 78 Mandate (19,6 %) errang. Die Sozialdemokraten hatten mit 9,7 % der Stimmen 24 Mandate (6,0 %) gewonnen, die Deutsche Reichspartei erreichte mit nur 6,9 % der Stimmen aber 28 Mandate (7,1 %).

Reichstagswahl 1887

Die Reichstagswahl 1887 war die Wahl zum 7. Deutschen Reichstag. Sie fand am 21. Februar 1887 statt.

Die Wahlbeteiligung lag bei knapp über 77 % und damit deutlich über der aller vorangehenden Reichstagswahlen. Erst bei der Reichstagswahl 1907 wurde eine noch höhere Wahlbeteiligung erreicht.

Die Wahl fand statt, nachdem Bundesrat und Kaiser den Reichstag am 14. Januar 1887 aufgelöst hatten. Grund war die Ablehnung der Heeresvorlage der Regierung Otto von Bismarcks im Reichstag. Mit dieser sollte das alte Heeresgesetz von 1881, das im kommenden Jahr ausgelaufen wäre, ersetzt werden. Dabei sollte das Heer in Friedenszeiten um rund 10 % auf 468.000 Mann aufgestockt werden. Diese Regelung, die mit außenpolitischen Spannungen (Boulangismus in Frankreich) begründet wurde, sollte wieder für sieben Jahre (Septennat) gültig bleiben. Nicht der Inhalt, aber diese lange Gültigkeitsdauer stieß auf Widerstand. Kompromissvorschläge des Zentrums schlug Bismarck aus, er erhoffte sich von der Neuwahl eine stabile konservativ-nationalliberale Mehrheit. Dazu mag auch seine Sorge beigetragen haben, dass sein Einfluss unter dem möglicherweise liberaleren Thronfolger Friedrich Wilhelm – Kaiser Wilhelm I. war 90 Jahre alt – bei einer liberalen Reichstagsmehrheit schwinden würde.

Noch am Tag der Auflösung schlossen die Deutschkonservative Partei, die Deutsche Reichspartei und die Nationalliberale Partei ein Wahlbündnis zur gegenseitigen Unterstützung aussichtsreicher Kandidaten. Alle drei sogenannten Kartellparteien unterstützten Bismarcks Position. Dieser machte den Streit um die Heeresvorlage im Wahlkampf zur Grundsatzfrage, ob das deutsche Heer ein „Parlamentsheer“ oder ein „kaiserliches Heer“ sein sollte. Die Bevölkerung folgte offenbar Bismarck: die Kartellparteien errangen einen überragenden Sieg, Linksliberale und Sozialdemokraten wurden geschwächt. Am 11. März 1887 stimmte der neue „Kartellreichstag“ dem Septennat zu.

Zum ersten Mal zog mit Otto Böckel ein Abgeordneter in den Reichstag ein, der sich selbst primär als Antisemit bezeichnete.

Reichstagswahl 1890

Die Reichstagswahl 1890 war die Wahl zum 8. Deutschen Reichstag. Sie fand am 20. Februar 1890 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp über 71 % und war damit niedriger als bei der Reichstagswahl 1887.

Reichstagswahl 1893

Die Reichstagswahl 1893 war die Wahl zum 9. Deutschen Reichstag. Sie fand am 15. Juni 1893 statt.

Die Wahlbeteiligung lag bei etwas über 72 % und damit unwesentlich höher als bei der Reichstagswahl 1890.

Die Wahl war notwendig geworden, nachdem der Reichstag auf Wunsch von Reichskanzler Leo von Caprivi am 6. Mai 1893 aufgelöst worden war. Wie schon bei der Reichstagsauflösung 1887 war eine Heeresvorlage der Regierung der Anlass für die Auflösung. Caprivi hatte eine erneute Erhöhung der Heeresstärke auf rund 500.000 Mann geplant und war damit im Reichstag gescheitert: Sozialdemokraten, eine Mehrheit des Zentrums und ein Teil der Freisinnigen Partei lehnten die Vorlage ab. Die Freisinnigen spalteten sich daraufhin in die Freisinnige Volkspartei und die Freisinnige Vereinigung auf.

Die Wahl endete mit einem knappen Sieg für die regierungstreuen sogenannten „Kartellparteien“ (Deutschkonservative, Freikonservative und Nationalliberale). Erneut zulegen konnten die inzwischen vom Sozialistengesetz befreiten Sozialdemokraten, die nach Stimmenanteil nun deutlich stärkste Partei waren, und die Antisemiten. Letztere konnten vor allem in der preußischen Provinz Hessen-Nassau, im Großherzogtum Hessen, in Ost- und Mittel-Sachsen und vereinzelt in der Neumark und Hinterpommern Mandate gewinnen. In Niederbayern und Mittelfranken konnte der Bayerische Bauernbund, der als Interessenvertretung der bayerischen Landwirtschaft in Reaktion auf die durch Reichskanzler Caprivi initiierte Niedrigzoll-Politik gegründet worden war, vier Wahlkreise gewinnen. Verluste mussten die gespaltenen Liberalen hinnehmen. Insgesamt war der Reichstag zunehmend zersplittert. Durch das weitere Ausbleiben einer Wahlkreisreform führte das Mehrheitswahlrecht zu starken Verzerrungen zwischen tatsächlichem Stimmenanteil und Fraktionsgröße.

Erst- und einmalig war auch ein nationalpolnischer Kandidat, Anton von Wolszlegier in einem ostpreußischen Wahlkreis (Allenstein) erfolgreich.

Der neue Reichstag nahm die Heeresvorlage der Regierung schließlich mit knapper Mehrheit (201 Stimmen) an.

Reichstagswahl 1898

Die Reichstagswahl 1898 war die Wahl zum 10. Deutschen Reichstag des Deutschen Kaiserreiches. Sie fand am 16. Juni 1898 statt.

Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 68 % und damit etwas niedriger als bei der Reichstagswahl 1893.

Alle drei sogenannten „Kartellparteien“ (Deutschkonservative, Freikonservative und Nationalliberale) hatten Verluste hinzunehmen. Erneut bestätigte sich dagegen der seit der Reichsgründung bestehende und seit der Reichstagswahl 1890 zunehmende Trend zugunsten der Sozialdemokraten. Nach Stimmen waren sie erneut klar stärkste Partei. Durch die für sie ungünstige Wahlkreiseinteilung wurde sie aber nur zweitstärkste Fraktion hinter dem Zentrum, das tatsächlich rund 9 % hinter der SPD lag. Dennoch gewann es einige Sitze hinzu. Zum ersten und einzigen Mal bei einer Reichstagswahl wurde mit Jonas Smalakys ein Kandidat einer national-litauischen Partei im Wahlkreis Memel/Ostpreußen gewählt.

Die Regierung um Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der Leo von Caprivi nachgefolgt war, hatte sich allerdings schon in der vorherigen Legislaturperiode auf das Zentrum und auch auf „nationale“ Kräfte in der Freisinnigen Volkspartei gestützt. Auch im neuen Reichstag konnten Hohenlohe-Schillingsfürst und sein Nachfolger ab 1900 Bernhard von Bülow meist auf Zustimmung des Zentrums rechnen (Lex Arons, neues Zollgesetz 1902). In der Auseinandersetzung um die „Zuchthausvorlage“ 1900 gelang es dagegen den Sozialdemokraten und Liberalen erneut (wie schon bei der „Umsturzvorlage“ 1895), zusammen mit dem Zentrum ein „Sonderstrafrecht“ gegen Arbeiter, Gewerkschafter und Sozialdemokraten zu verhindern.

Wie bei den vorherigen Wahlen nahm die Zahl kleiner Interessenparteien zu. Auch die Antisemiten stabilisierten sich.

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