Edom

Der Name Edom (hebräisch אדום) bezeichnet sowohl einen Stammesverband, der seit der späten Eisenzeit östlich der Jordansenke siedelte, als auch das von diesem bewohnte Land selbst (vgl. Idumäa). Zusammen mit den Aramäern, Midianitern, Israeliten und Joktanitern werden die in der Bibel erwähnten Edomiter zu den Hebräern gerechnet.

Name

Edom in Hieroglyphen
M17A2D46Z7G17
D36
T14N25

Jdm
Edom[1]

Edom bedeutet „rot“[2] und leitet sich möglicherweise von der Farbe des Sandsteingebirges östlich der Araba-Senke ab. Nach der biblischen Überlieferung bezieht sich der Name auf die rötliche Haut oder die rötlichen Haare von Esau (1.Mose 25, 25 ). Die Farbe Rot bzw. Rottöne werden im AT symbolisch häufig zur Darstellung des Blutes/Lebens und der Aktivität/Lebendigkeit, der Macht und Stärke (Jesaja 63, 2-3 ), aber auch mit negativen Vorzeichen im Kontext der Sünde (Buch der Weisheit 13, 14 ) und der dazugehörigen Reue (4. Mose, 19, 1 ff ) verwandt.

Assyrische Keilschrift-Quellen erwähnen Edom ab der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. als Udumi (𒌑𒁺𒈪) bzw. Udumu (𒌑𒁺𒈬). Griechen und Römer bezeichneten die Volksgruppe als Idumea, so etwa Strabon und Ptolemäus.

Die Geschichte und das Gebiet Edoms wird zurzeit vor allem von französischen Archäologen und Historikern und von der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg erforscht. Pierre Bordreuil vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) vertritt die Meinung, dass eine Besonderheit paläographischer Art, nämlich die große Ähnlichkeit der hebräischen Konsonanten Daleth und Resch, wiederholt zu einer Verwechslung der Namen Aram und Edom geführt hat. Er meint, dass im 2. Buch Samuel 8,13 statt „Aramäer“ eigentlich „Edomiter“ und im 1. Buch der Könige 11,14 eigentlich „Aramäer“ und „Aram“ anstelle von „Edomiter“ und „Edom“ zu lesen sei. A. Lemaire vertritt die Ansicht, dass die edomitische Königsliste im Buch Genesis 36,31-39 ursprünglich eine aramäische Königsliste war.

Geografie

Edom
Das Königreich Edom bei seiner größten Ausdehnung (rot) und die ungefähre Ausdehnung Idumäas in der klassischen Zeit (dunkel)

Das Gebiet lag östlich des südlichen Teils der Jordansenke, dem Wadi Araba zwischen dem nördlich gelegenen Moab (Grenze Wadi Hesa) und dem südlich gelegenen Seir (Seirgebirge) und gehört heute zu Jordanien.

Laut mehreren Bibelstellen (Gen 32,4 , Jos 11,17 ) stammen die Edomiter aus dem südwestlich des Toten Meeres gelegenen Gebirge Seir.

Das Siedlungsgebiet der Edomiter überschneidet sich mit den ab 600 bis 400 v. Chr. von Idumäern und Nabatäern besiedelten Gebieten. Die genaue Beziehung zwischen diesen Ethnien ist unklar.

Insbesondere ist ungeklärt,

  • ob die Idumäer mit den Edomitern identisch waren oder eine abgespaltene besondere Volksgruppe waren,
  • ob die Nabatäer Nachkommen der Edomiter waren oder ob sie diese verdrängten oder überlagerten.

Geschichte

Berichte der ägyptischen Pharaonen aus der 18. Dynastie nennen ein Land Edom, welches an Ägypten Tributzahlungen erbringen musste. Es lag westlich des Orontes, unterhalb von Aleppo am Orontesknick. In der ägyptischen Sprache wurde es Schamasch-Edom genannt. Ob eine Verbindung zum biblischen Edom bestand, kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Die Edomiter waren zunächst ein späteisenzeitlicher Stammesverbund von Ackerbauern (vor allem auf dem Kreidekalkplateau) und Viehzüchtern (vor allem im Sandsteingebirge). Die Bibel ist für diese Zeit das (parteiische) Hauptzeugnis über die Edomiter und behauptet, dass das Volk durch das Reich von David (demnach um 1000 v. Chr.) unterworfen worden sei, und zu einem Staat mit zentraler Verwaltung umorganisiert wurde.[3] Dies dürfte eine Fiktion der späteren israelitischen Geschichtsschreiber sein. Diesen galt Esau als Stammvater der Edomiter, sie hielten die Edomiter somit für Stammesverwandte[4].

Das biblische Edom wird erstmals in einem ägyptischen Text gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt. Es war wohl ein selbständiger Staat; für 850 v. Chr. berichtet die Bibel von einem Abfall von Juda und der Einsetzung eines eigenen Königs. Zugleich war Edom aber auch gegenüber Aššur tributpflichtig, etwa während der Regierungszeiten von Adad-nīrārī III. bis Assurbanipal, also etwa 800 bis 630 v. Chr. Anschließend fiel Edom, wohl zeitgleich mit Juda, als Provinz an Babylon und war wahrscheinlich ab 552 v. Chr. unter König Nabonid Bestandteil der Provinz Arabia. Danach fiel Edom an Persien, genoss aber um 400 v. Chr. möglicherweise große politische Freiheit. In dieser Zeit siedelten Edomiter auch in Hebron: antike Geographen berichten, dass Idumäer und Nabatäer neben den Judäern die wichtigste Bevölkerungsgruppe in Judäa stellten. Die Propheten des Tanach schmähten die Edomiter und Moabiter für verschiedene Vergehen gegenüber den Israeliten.

Die unter römischer Oberherrschaft in Israel und Juda herrschende Dynastie des Herodes war edomitischer Herkunft, es handelte sich allerdings um eine judaisierte Familie.

Ausgrabungen

Nach archäologischen Befunden wurden ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. verschiedene Verteidigungsanlagen durch die Edomiter erbaut. So z. B. in Buseira (Bosra, Buseirah), 45 km nördlich von Petra, eine Metropole und wichtiges Verwaltungszentrum des Landes.

Reste einer weiteren Stadt, dem von Asarja, König von Juda, ausgebauten Eilat, wurde bei Grabungen am Tell el-Cheleifeh (nördlich Aqaba) entdeckt. Entscheidend für die archäologischen Fortschritte war in den 1960er Jahren die Ausgrabung der schon 1929 von G. Horsfield entdeckten edomitischen Siedlung von Umm-el-Bijara durch C.-M. Bennet und die Identifizierung der typischen edomitischen Keramik durch N. Glueck. Diese ermöglichte es, edomitische Siedlungen wie z. B. Elat im Tell el-Cheleifeh, Buseira, es-Sela und Tawilan sicher zuzuordnen.

Edom als Synonym

In der späteren jüdischen Geschichtsschreibung wurden „Edom“ und „Esau“ aufgrund der häufigen Verwendung der Farbe Rot in den Bannern und Standarten der Römer zur Beschreibung des römischen Imperiums genutzt, möglicherweise auch aufgrund des blutigen Regimes der Römer in Judäa. In mittelalterlichen rabbinischen Texten wird Edom häufig als Synonym für das byzantinische Reich (das sich selbst als fortbestehendes Römisches Reich betrachtete) oder das Christentum verwendet.

Edom in der Literatur

Diese synonyme Verwendung des Wortes Edom findet sich häufig in den historischen Romanen von Lion Feuchtwanger. So z. B. in Die Jüdin von Toledo, wenn Jehuda negativ von den Söhnen Edoms spricht. Oder auch in Jud Süß: „Die Bosheit der Frevler ist groß, die Tücke Edoms hebt sich mächtig auf gegen Israel.“[5] Auch Heinrich Heine thematisiert Edom in seinem Gedicht „An Edom!“ an seinen „Rabbi von Bacherach“.[6]

In seinem Gedichtband Was noch blieb von Edom benutzt der rumäniendeutsche Dichter Horst Samson den Begriff Edom im Sinne von Staat, Vater-Land, Land der Väter, in dem die Diktatur wütet, alles zerstört und die Menschen zur Flucht treibt, was zur feinsinnigen poetischen und metaphorischen Überhöhung Edoms als „innere Heimat“ führt, die Emigranten und Flüchtlinge als wichtiges virtuelles Gepäck für ewig mit sich schleppen.[7]

Religion

Hauptgott der Edomiter war Qaus. Sein Name bedeutet „Bogen“, vermutlich ist Regenbogen gemeint (vgl. auch Gen 9,13 ). Qaus war demnach ein Wettergott, der später auch kriegerischen Charakter annimmt.

Ab der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. erscheint der Gottesname zunächst als Namensbestandteil für edomitische Könige: Qaus-Malak (Qaus ist König) oder z. B. ca. 677-667 v. Chr. König Qaus-Gabar (Qaus ist stark). Ein Verwaltungstext aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. beginnt mit den Worten: „Ich segne dich im Namen des Qaus.“ Jahrzehnte später häufen sich in Edom Eigennamen, die „Qaus“ als Namensbestandteil enthalten.

Auch nach dem Verlust der nationalen Selbständigkeit nach der Hellenisierung wurde Qaus von den Edomitern verehrt, wie zahlreiche ins Griechische übertragene Namen belegen. Noch Flavius Josephus kennt ihn in der Form „Koze“.

Die überragende Stellung von Qaus führte wohl dazu, dass die Bibel die Edomiter an mehreren Stellen zu den Anhängern JHWHs rechnet. Nach dem Deborahlied gehören Edom und Seir zu den Ländern, in denen sich JHWH gezeigt hat (vgl. Ri 5,4 ).

Siehe auch

Literatur

  • Pierre Bordreuil: Eine lange gemeinsame Geschichte mit Israel. In: Welt und Umwelt der Bibel, Heft 7, 1. Quartal 1978, S. 22.
  • Manfred Lindner: Die Edomiter in Südjordanien. In: Welt und Umwelt der Bibel, Heft 7, 1. Quartal 1978, S. 57–58.
  • Mary L. T. Witter: Edom und die Edomiter. Bohmeier Verlag 2005, ISBN 3-89094-451-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch : (2800 - 950 v. Chr.). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 1122.
  2. Anm.: Das Adjektiv ist אָדוֹם - ’ādôm. Das entsprechende Verb lautet אדם - ’dm in Bdt. v. rot werden oder rot sein.
  3. 2 Sam 8,14 
  4. vgl. Gen 36,10–19 ; Dtn 2,4–8 
  5. Lion Feuchtwanger: Jud Süß. Aufbau, Berlin 2002, S. 258.
  6. Heinrich Heine: Sämtliche Schriften. Herausgegeben von Klaus Briegleb, Band 1, München 1975, S. 271.
  7. Was noch blieb von Edom. Nosmas Verlag, Neuberg 1994
Ammiël

Ammiël ist ein männlicher Rufname. Er ist hebräischen Ursprungs und bedeutet: „Beschützer ist Gott“.

Der biblische Name kommt im Alten Testament vor:

als einer der 12 Spione die Moses nach Kanaan aussendet (Num 13,12 )

als Vater des Machir (2 Sam 9,4-5 ) und (2 Sam 17,27 )

als Vater der Batseba (2 Sam 11,3 ) und Großvater ihrer Söhne mit David: Schima, Schobab, Natan, Salomo (1 Chr 3,5 )

als Sohn des Leviten Obed-Edom (1 Chr 26,5 )

Esau

Esau (hebräisch עֵשָׂו Esaw, auch Edom genannt) ist eine alttestamentliche Gestalt der Bibel und gilt als der Stammvater der Edomiter und Amalekiter.

Esau wird als erster Sohn seiner Eltern Isaak und Rebekka geboren, sein Zwillingsbruder Jakob kommt kurz nach ihm zur Welt.

Als sie herangewachsen sind, bringt ihn sein Bruder, im Tausch gegen ein Linsengericht, um das Erstgeburtsrecht (Gen 25 ). Zu einem ernsthaften Konflikt kommt es zwischen den zwei Brüdern aber erst, als Jakob den Älteren, angeregt und aktiv unterstützt durch seine Mutter Rebekka, auch um den Segen des Vaters bringt. Durch Täuschung davon überzeugt, dass der älteste Sohn vor ihm kniet, spricht der altersblinde Vater über Jakob seinen feierlichen Segen aus. Für den später heimkehrenden Esau bleibt nur ein Spruch übrig, mit den Worten: Siehe, du wirst wohnen ohne Fettigkeit der Erde und ohne Tau des Himmels von oben her. Von deinem Schwerte wirst du dich nähren, und deinem Bruder sollst du dienen. Aber es wird geschehen, daß du einmal sein Joch von deinem Halse reißen wirst.

Eine Versöhnungsszene zwischen Jakob und Esau in späteren Jahren wird im 1. Buch Mose Kap. 33 geschildert. Nach der Stammtafel in Kap. 36 nimmt Esau drei einheimische Frauen, zieht in das Gebirge Seir und wird Stammvater der Edomiter.

Nach 1. Mose 26, 34 nahm Esau im Alter von vierzig Jahren Judit, die Tochter Beeris, des Hethiters, und Basemat, die Tochter Elons, des Hethiters, zu Frauen. (Gen 26,34 ) Später nahm er noch Mahalat als Frau hinzu, die Schwester Nebajots, die Tochter Ismaels, des Sohnes Abrahams. (Gen 28,8f )

Flugplatz Klein Mühlingen

Der Flugplatz Klein Mühlingen ist ein Sonderlandeplatz im Salzlandkreis. Er verfügt über eine 470 Meter lange und 30 Meter breite Graspiste und ist für Segelflugzeuge, Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Motorflugzeuge mit einem Höchstabfluggewicht von bis zu zwei Tonnen sowie für Hubschrauber mit einem Höchstabfluggewicht von bis zu 5,7 Tonnen zugelassen.

George Horsfield

George Horsfield (* 19. April 1882 in Leeds; † 1956 in Kyrenia) war ein britischer Archäologe. Bekannt wurde er vor allem durch seine Grabungsarbeiten in Gerasa und Petra.

Gouvernement at-Tafila

Das Gouvernement at-Tafila (arabisch محافظة الطفيلة, DMG Muḥāfaẓat aṭ-Ṭafīla) ist eines der zwölf Gouvernements Jordaniens. Sitz der Gouvernementsverwaltung ist at-Tafila.

Jesaja

Jesaja (auch Isaias; hebräisch יְשַׁעְיָהוּ Jəšaʿjā́hû; griechisch Ἠσαΐας Ēsaḯas) war der erste große Schriftprophet des Tanach.

Er wirkte zwischen 740 und 701 v. Chr. im damaligen Südreich Juda und verkündete diesem wie auch dem Nordreich Israel und dem anrückenden Großreich Assyrien JHWHs Gericht. Er verhieß den Israeliten aber auch eine endzeitliche Wende zu universalem Frieden, Gerechtigkeit und Heil und erstmals einen zukünftigen Messias als gerechten Richter und Retter der Armen.

Das gleichnamige Buch der Bibel überliefert seine Prophetie in den Kapiteln 1–39. Diese bezeichnet man seit 1892 als Protojesaja.

Im Unterschied dazu werden die Buchteile Deuterojesaja (Jes 40–55) und Tritojesaja (Jes 56–66) auf spätere, exilisch-nachexilische Propheten und deren Tradenten zurückgeführt, die ihre Stoffe dem historischen Jesaja aus der Assyrerzeit zuschrieben.

Das einheitliche Jesajabuch wurde um 200 v. Chr. bei Jesus Sirach vorausgesetzt; seine älteste bekannte vollständige hebräische Handschrift, die große Jesajarolle, wurde bis spätestens 150 v. Chr. erstellt. Es spielt im rabbinischen Judentum (Talmud) und im Urchristentum (Neues Testament) eine herausragende Rolle. Es eröffnet im jüdischen Bibelkanon die Reihe der „hinteren“, im christlichen Kanon die der „großen“ Propheten.

Kanaaniter

Die Kanaaniter oder Kanaanäer sind die ältesten bekannten Einwohner des heutigen Israel, des biblischen Landes Kanaan, vorwiegend vor dem Auftreten der Israeliten im 13. Jahrhundert v. Chr.

Liste biblischer Personen/O

Diese Liste biblischer Personen führt Eigennamen von Personen auf, die in der Bibel vorkommen. Sie ist nach dem Alphabet auf mehrere Seiten aufgeteilt. Angegeben sind jene Bibelstellen, in denen die Person zuerst genannt wird. Namen von Orten, Bergen, Flüssen, Seen, Meeren, Inseln, Heiligtümern, Ländern, Völkern finden sich in der Liste geographischer und ethnographischer Bezeichnungen in der Bibel.

Moab (Staat)

Moab war ein antiker Kleinstaat im nahen Osten, der auch im Alten Testament der Bibel erwähnt wird.

Montreal (Kreuzfahrerburg)

Montreal, auch Mons Regalis, Castrum Saboach, arabisch قلعة الشوبك, DMG qalʿat aš-Šawbak, ist eine ehemalige Kreuzfahrerburg in „Idumäa“ (Edom) südöstlich des Toten Meeres im heutigen Jordanien.

Obadja

Obadja (hebräisch עֹבַדְיָה) heißt ein biblischer Prophet und seine Schrift im Tanach. In der griechischen Septuaginta heißt er Αβδιου und in der lateinischen Vulgata Abdia Seine Schrift gehört zum Zwölfprophetenbuch. Sie ist mit 21 Versen das kürzeste Buch des Tanach.

Obed-Edom

Obed-Edom ist im Alten Testament der Name eines Mannes aus Gat, in dessen Haus König David die Bundeslade abstellt.

Obed (Bibel)

Obed (hebräisch: עובד) ist der Name von zwei im Alten Testament namentlich erwähnten Männern. Der Name bedeutet „Diener“, „Verehrer“.

Palästina (Region)

Palästina (neugriechisch Παλαιστίνη Palaistínē, arabisch فلسطين, DMG Falasṭīn [falas'tˁiːn] oder Filasṭīn [filas'tˁiːn], hebräisch ארץ ישראל Eretz Jisra'el „Land Israel“), seltener Cisjordanien, liegt an der südöstlichen Küste des Mittelmeers und bezeichnet in der Regel Teile der Gebiete der heutigen Staaten Israel und Jordanien, einschließlich Gazastreifen und Westjordanland. In verschiedenen historischen Kontexten trägt die Region zudem andere Namen wie Kanaan oder Gelobtes oder Heiliges Land; in altägyptischen Texten tritt sie als Retenu oder Retinu, aber auch als Kanaan in Erscheinung. Für das Judentum, die Samaritaner, das Christentum und den Islam besitzt das Gebiet eine besondere geschichtliche und religiöse Bedeutung. Die angeführten Namen sind dabei nicht als Synonyme zu betrachten; so bezeichnet die hebräische Bibel das den Erzvätern der Israeliten verheißene Land als Kanaan (nicht als Israel), und Israel und das Land der Philister (Pleschet, Palästina) dürften – neben Phönizien, Juda, Amon, Moab, Edom – darin nur kleine, von unterschiedlichen Volksstämmen bewohnte Gebiete gewesen sein. In der arabischen Tradition ist Palästina ein Teil von الشام / aš-Šām, das die gesamte Levante umfasst und dessen Zentrum Damaskus ist.

Rote Juden

Die roten Juden (jiddisch rojite jidlech) waren der mittelalterlichen Legende nach ein jüdisches Volk. Man vermutete es am Rande der Welt, irgendwo im Nordosten Asiens, jenseits des legendären Flusses Sambation, durch den es vom Rest der Welt abgeschnitten war – denn an den Wochentagen verhinderte das Tosen und Toben des Flusses eine Überquerung, und am Sabbat beruhigte er sich zwar, jedoch war es dann den Juden verboten, den Fluss zu befahren. Erst beim Kommen des Messias würden sie den Fluss überwinden; ihr Auftauchen wäre so ein Zeichen der Endzeit.

Kern der Legende ist die Geschichte der verlorenen Stämme Israels, jener Teile des jüdischen Volkes, die nach der Zerstörung des Nordreiches Israel im 8. Jahrhundert vor Chr. aus der Babylonischen Gefangenschaft nicht zurückkehrten, seitdem als verschollen galten und bis in die Neuzeit in den unterschiedlichsten Weltgegenden lokalisiert wurden.

Bekannt wurde der Begriff Rote Juden durch den jiddischen Schelmenroman Die Fahrten Binjamins des Dritten von Mendele Moicher Sforim (1836–1917), weshalb man die Bezeichnung früher der Tradition des aschkenasischen Ostjudentums zuordnete. Tatsächlich tauchen Begriff und Legende bereits im Deutschland des 13. Jahrhunderts auf.

Die Legende entstand dabei aus einer Verschmelzung mehrerer Elemente: einerseits der Geschichte von den verlorenen zehn Stämmen, zum anderen einer Episode des Alexanderromans, der zufolge der König Alexander weit im Osten barbarische Völker hinter einer riesigen, unüberwindlichen Mauer verschloss, und schließlich der Legende von Gog und Magog, zwei Völkern, die laut der Apokalypse des Johannes in der Endzeit aus dem Osten hervorbrechen würden, schließlich aber werde der wiedergekehrte Messias über sie triumphieren (Offb 20,8-10 ). Die Roten Juden wurden nun in der christlichen Vorstellung neben Gog, Magog und den Barbarenvölkern des Alexanderromans zu einem weiteren Heer des Antichristen, das am Ende der Zeit über die christliche Welt herfallen würde.

Die Rolle der Roten Juden in der jüdischen Legende entspricht spiegelbildlich der christlichen: Hier sind die Roten Juden mächtige Krieger, die nach der Ankunft des Maschiach den Fluss Sambation überschreiten, die Juden aus der Knechtschaft der „Völker“ befreien und Rache nehmen für die Jahrtausende der Misshandlung und Unterdrückung.

Die Existenz der Roten Juden wurde im Mittelalter als sicher betrachtet, weshalb sie wie andere fabelhafte Völker auch auf den Mappae mundi, den mittelalterlichen Weltkarten, erscheinen. Meist wurden sie im Nordosten angesiedelt, in der Nähe von Gog und Magog, Menschenfressern und anderen wilden Völkern. Erst um 1600 verschwanden sie allmählich aus der Kartographie.

In Zeiten chiliastischer Hochspannung und allgemeiner Erwartung des Weltendes wurden Nachrichten vom angeblichen Anmarsch der Roten Juden in Flugschriften und Sendschreiben verbreitet und geglaubt. So berichtet eine Flugschrift von 1523 Von ainer grosse meng vnnd gewalt der Juden die lange zeyt mit vnwonhafftigen Wüsten beschlossen vnd verborgen gewesen / Yetzunder auß gebrochen vnd an tag kommen seyn. Man sieht eine schwer bewaffnete Armee von Juden, kenntlich an ihren spitzen Hüten, aus den Bergen der Dunkelheit marschieren. Vor ihnen liegt ruhig der Fluss Sambation. Weiter meldet die Schrift, dass das Judenheer schon 30 Tagesmärsche vor Jerusalem stehe und sich dort gelagert habe. Dergleichen Tatarenmeldungen gab es im 16. Jahrhundert des Öfteren. Umgekehrt führte die jüdische Messiaserwartung, auf die Spitze getrieben in der Zeit des Sabbatai Zwi, dazu, dass die jüdischen Gemeinden täglich erste Nachricht vom Anmarsch der verlorenen Stämme erwarteten.

Für die Verknüpfung der Farbe Rot mit diesem sagenhaften Judenvolk wurden verschiedene Erklärungsmodelle vorgelegt. Die Assoziation wurde begründet:

mit der negativen Konnotation der Farbe Rot im Mittelalter, insbesondere roter Bart und rote Haare galten als Zeichen von Falschheit und Tücke:

mit der Verbindung Esaus mit Edom und Edoms wieder mit Rot (hebr. אדום adom bedeutet auch ‚rot‘), wobei das Christentum sich als Volk des Neuen Bundes und als das „wahre Israel“ (verus Israel) sah, im Gegensatz zu den mit Edom identifizierten Juden,

mit der Identifikation der Roten Juden mit den Weißen Chasaren, einer Gruppe des zum Judentum konvertierten Turkvolkes der Chasaren, dessen Angehörige arabischen Quellen zufolge rötliches Haar und blaue Augen hatten. Eine entsprechende Theorie wurde von Kevin Alan Brook vertreten.

Von jüdischer Seite wurde bei der Umdeutung der Legende die Farbe Rot positiv konnotiert, indem sie mit König David assoziiert wurde, der biblischer Tradition gemäß rötliche Haare hatte (1 Sam 16,12 ). So wie David den Goliath bezwang, würden die Roten Juden die übermächtigen Feinde Christentum und Islam überwinden.

Schasu

Schasu ist eine in altägyptischen Texten des zweiten Jahrtausends v. Chr. vorkommende Bezeichnung für eine Gruppe asiatischer Halbnomaden.

Wajischlach

Wajischlach (Biblisches Hebräisch וַיִּשְׁלַח ‚Und er = Jakob sandte‘) bezeichnet einen Leseabschnitt (Parascha oder Sidra genannt) der Tora und umfasst den Text Gen/Bereschit 32,4–36,43 (32,4–33 , 33 , 34 , 35 , 36 )

Es handelt sich um die Sidra des 2. oder 3. Schabbats im Monat Kislew.

Weisheitsliteratur

Der sogenannten Weisheitsliteratur werden die biblischen Bücher Ijob, Kohelet, Sprüche, das Hohelied, das Buch der Weisheit und einige Psalmen zugerechnet. Ein Beispiel für die ägyptische Weisheitsliteratur ist die Spruchsammlung des Ptahhotep (ca. 2450 v. Chr.), für die nordische Weisheitsliteratur das Gedicht Hávamál aus der Edda. Neben Ägypten kann Edom als ein weiteres Zentrum altorientalischer Weisheit angesehen werden.Man unterscheidet zwischen Sprichwortweisheit (Sprüche) und spekulativer Weisheit (Kohelet, Ijob). Sprichwortweisheit verallgemeinert bewusst – in der spekulativen Weisheit geht es eher um die einzelne Person, ihre Auseinandersetzung mit der Sinnfrage, dem Leid und der Beziehung zu Gott.

Besonders in der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends finden wir weisheitliche Dichtung in Ugarit, Emar und anderen westsyrischen Kulturzentren, wobei dieses Genre in Syrien deutlich älter sein dürfte und an den Beginn des zweiten Jahrtausends zu datieren ist. Das Fehlen von Textquellen lässt eine Überprüfung bislang jedoch nicht zu.

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