Despotie

Die Despotie oder der Despotismus (gr. δεσποτία despotía, von δεσπότης despótes „Herr“) ist eine Herrschaftsform, in der ein Herrscher oder Oberhaupt, wie etwa ein Staatsoberhaupt, (Despot = unumschränkt Herrschender, Gewaltherrscher oder abwertend für einen herrischen, tyrannischen Menschen[1]) die uneingeschränkte Herrschaft ausübt. Heutzutage wird mit dem Begriff Despotie eine „schrankenlose Gewalt-, Willkürherrschaft“ bezeichnet.[2]

Oft ist mit Despotie eine Entartungsform der Monarchie gemeint (Tyrannis). Kennzeichen dieser Form ist Willkürherrschaft, denn es entscheiden lediglich der Wille und die Willkür des Herrschers. Damit stellt die Despotie den höchsten Grad und die besondere Ausgestaltung eines autokratischen oder absolutistischen Regierungssystems dar. Die Despotie ist aber nicht auf die Monarchie beschränkt, denn auch in einer Republik können Gewalthaber zeitweise despotisch auftreten, wenn es ihnen gelingt, lediglich nach ihrem Willen die Geschicke des Volkes zu bestimmen. Daher entspricht in der moderneren Typologie politischer Systeme die totalitäre Diktatur der Despotie.

Allgemein bezeichnet Despotismus auch eine durch Willkür und Schrankenlosigkeit gekennzeichnete Herrschaftsordnung oder Regierungsweise. Der Begriff Despotismus wird aus der Staatstheorie nicht selten in andere Lebensverhältnisse übertragen. Im Gemeinde-, Kirchen-, Vereins- oder Familienleben wird der Begriff ebenfalls benutzt, wenn ein Einzelwille in ungerechtfertigter Weise anderen gegenüber dominiert.

Weil der Herrscher oder die herrschende Gruppe ihre Macht in despotischer Weise ausüben und Machtbefugnisse missbrauchen, wird dem Despotismus von manchen Staatstheoretikern jede Förderung des Allgemeinwohls abgesprochen. Die Despotie begründet als illegitime Herrschaftsform nach Ansicht vieler Staatstheoretiker ein Widerstandsrecht, das im Grundgesetz in Deutschland in Art. 20 Abs. 4 GG garantiert ist.

Geschichte

Der Despot ist im griechischen Wortursprung der Herr, insbesondere über Sklaven und auch im Sinne von Hausherr. Die griechische Polis war durch eine Trennung von Haushalt (oikos) und öffentlicher Sphäre charakterisiert. Wenn sich ein Politiker in der öffentlichen Sphäre so verhält wie im privaten Haushalt, d. h. die freien Bürger als Sklaven behandelt, spricht man in der antiken Tradition von Despotie. Der Despotismus ist eine der ältesten Herrschaftsformen, denn immer wieder sind monarchische und auch demokratische Regierungen zu Despotien entartet. Bereits im Altertum bei den Griechen (Dionysios I. von Syrakus) und in der römischen Kaiserzeit (Caligula) finden sich viele Beispiele, und auch zur Zeit der Völkerwanderung beherrschten zahlreiche Stammesfürsten auf despotische Weise ihre Völker.

Im Mittelalter strebten manche Fürsten nach absoluter Macht und so entsteht der Fürstendespotismus. Im 17. Jahrhundert bezeichnete Ludwig XIV. von Frankreich sich als „Sonnenkönig“ und schaltete den Einfluss des Adels aus. In Deutschland entstand im 17. und 18. Jahrhundert ein patriarchalischer Despotismus, der durch ein eher väterlich-fürsorgliches Verhältnis zwischen Landesherrn und Landeskindern gekennzeichnet war.

Stark despotische Reiche traten auch in Asien auf, wobei der Kaiser von China die größte Macht ausübte und in der Qing-Dynastie einen aufgeklärten Despotismus errichtete.

Seit der Zeit der Aufklärung wurde die absolute Staatsmacht von französischen Philosophen wie Jean-Jacques Rousseau, Condorcet, Montesquieu und Voltaire sowie den englischen Denkern wie Hume und auch von dem Gründervater der amerikanischen Demokratie Thomas Jefferson kritisiert.

Der Verweis auf einen drohenden „Sieg des russischen Despotismus“ diente dem SPD-Parteivorsitzenden Hugo Haase im August 1914 als Begründung für die Zustimmung zu den Kriegskrediten.[3]

In neuerer Zeit trat der Despotismus wieder im Dritten Reich (1933 bis 1945) unter Adolf Hitler, in Spanien (1939 bis 1975) unter Francisco Franco, in der Sowjetunion unter Josef Stalin, in Italien (1922 bis 1943) unter Benito Mussolini, in Chile (1973 bis 1990) unter Augusto Pinochet, im damaligen Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) unter Mobutu Sese Seko, in Uganda unter Idi Amin oder in der Zentralafrikanischen Republik unter Jean-Bédel Bokassa auf. Auch mehrere heutige Staaten in Asien und Afrika können als Despotien betrachtet werden, so etwa Nordkorea, Turkmenistan oder Simbabwe.

Eigenschaften einer Despotie

Despotie in der Antike

Vor der Antike war die Unterscheidung zwischen Despotie und anderen Formen der Herrschaft kaum begrifflich darzustellen, weil es keine Gesetze und Beschränkungen von Herrschaft gab. Nach dem griechischen Verständnis gab es vor der Polis und jenseits der Polis nur Despotie(n). Im antiken Griechenland vor allem Athen entwickelte sich die attische Demokratie, die zwischen einer legitimen und einer illegitimen Herrschaft unterscheiden konnte. Die Tyrannis, eine Entartung der Monarchie, war keine Despotie, weil der Rahmen des Politischen noch existierte. Erst wenn es dem Tyrannen gelingen würde, alle Bürger dauerhaft zu Sklaven zu machen und auch das Gedächtnis an eine Zeit vor der Tyrannis zum Verschwinden zu bringen, dann kann man, nach antikem Verständnis von einer Despotie sprechen. Der Begriff Diktatur war nach römischem Verständnis eine zeitlich beschränkte Alleinherrschaft. Diese Beschränkung unterschied sie von der Despotie. Noch im römischen Kaiserreich galten weiterhin de jure die Gesetze der Republik. De facto kann allerdings das Handeln einiger Kaiser als despotisch bezeichnet werden.

Begriff „Despotie“ nach der Antike

Die Untertanen sind ihrem Despoten zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet. Es gibt kein Parlament und keine Parteien oder diese bestehen nur zum Schein. Eine Opposition besteht nicht und eine Diskussion wird nicht geduldet. Kritiker und Abweichler werden gnadenlos verfolgt. Der Despot regiert zumeist durch Günstlinge, die nicht selten große, aber ausschließlich von ihm herrührende politische Macht besitzen. Der Despot strebt jedoch danach, diese Macht durch das gezielte Schüren von Rivalität zu kontrollieren.

Der Herrscher einer Despotie besitzt ein absolutes Machtmonopol, ihm allein unterstehen die Machtorgane Militär und Polizei. In der Regel gibt es eine Geheimpolizei für die im Sinne eines Überwachungsstaats organisierte Verfolgung politischer Gegner. Oft orientiert sich die Politik dieser Staaten an einer Ideologie.

Der Personenkult um einen Despoten nimmt häufig religiöse Züge an: Sein Abbild wird beispielsweise auf Medaillen und Porzellantellern dargestellt, man sieht ihn auf Denkmälern; Straßen und Plätze sind nach ihm benannt.

Titel „Despot“

Im Mittelalter entstand in Byzanz der Titel des Despotes, der für die höhere Aristokratie reserviert war. Als höchster Titel nach dem des Kaisers geschaffen, konnte der Despot Inhaber einer Despotie oder Despotat sein, war aber auch ab 1261 der Titel des Thronfolgers, der gleichzeitig der Herrscher im Despotat Morea war. Die weibliche Form Despoina bezeichnet einen weiblichen Despoten oder die Ehefrau eines Despoten.

Auch außerhalb Byzanz, vor allem in Südosteuropa verbreitete sich der Titel als höchster Herrschertitel, so wurde Béla III. von Ungarn (regierte 1172–1196) der erste nichtbyzantinische Despotes. In der Regel wurde deren Herrschaftsgebiet dann als Despotat bezeichnet, wie das Despotat Epirus oder das Despotat Dobrudscha.

In der byzantinischen Liturgie wird der Priester vom Diakon bis heute als Despot angesprochen. Diese Titel sind neutral im Sinne von „Herrscher“ zu verstehen, ohne die heute übliche negative Bedeutung „Gewaltherrscher“.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Despot in duden.de, abgerufen am 22. Mai 2015
  2. Despotie in duden.de, abgerufen am 22. Mai 2015
  3. Erklärung der Sozialdemokratischen Partei zum Kriegsausbruch abgegeben vom Fraktionsvorsitzenden Haase im Reichstag (4. August 1914)

Weblinks

  • Despotism (1946) Aufklärungsfilm für das Klassenzimmer, produziert von Encyclopaedia Britannica Films, 1946 (englisch)
Agricola (Tacitus)

De vita Iulii Agricolae (kurz: [der] Agricola [des Tacitus]) ist den Zügen nach eine biographische Schrift des römischen Historiographen Tacitus aus dem Jahr 98 n. Chr. über seinen Schwiegervater, Feldherrn und Statthalter in Britannien Gnaeus Iulius Agricola (40 – 93).

Die Schrift gilt als Erstlingswerk Tacitus’ und zählt zu dessen kleineren Schriften („Opera minora“: Germania, Dialogus de oratoribus) und wird vor den Historien datiert, da Tacitus die „15 Jahre des Schweigens“, das heißt die Zeit der Despotie unter Domitian verurteilte und die nachfolgenden Regierungszeiten des Nervas und Trajans lobpreiste.

Das vielschichtige Werke zeigt zahlreiche Elemente antiker literarischer Traditionen, Stilistiken und Gattungen. Funktional begegnet dem Leser durch die Erinnerung an dem im Jahr 93 verstorbenen Protagonisten eine (verspätete) laudatio funebris. Des Weiteren Formen eines Enkomions, die aufkommende Biographie und der exitus-Literatur (seit der neronischen Despotie) zur Verherrlichung prominenter Opfer der jeweiligen Tyrannen – insbesondere in Tacitus' Fokus unter Domitian. Durch die Abhandlung nach den Amtsjahren Agricolas tritt das annalistische Geschichtswerk entgegen, sowie ebenfalls in der klassischen Tradition antiker Geschichtsschreibung seit Herodot ein geographischer Exkurs (Britanniens) und die detaillierte Schilderung von Schlachten in Anlehnung an Sallust.

Alltag

Unter Alltag versteht man gewohnheitsmäßige Abläufe bei zivilisierten Menschen im Tages- und Wochenzyklus.

Charles de Secondat, Baron de Montesquieu

Charles-Louis de Secondat, Baron de La Brède de Montesquieu (getauft am 18. Januar 1689 auf Schloss La Brède bei Bordeaux; † 10. Februar 1755 in Paris), bekannt unter dem Namen Montesquieu, war ein französischer Schriftsteller, Philosoph und Staatstheoretiker der Aufklärung. Er gilt als Vorläufer der Soziologie, bedeutender politischer Philosoph und Mitbegründer der modernen Geschichtswissenschaft.

Obwohl der gemäßigte Vordenker der Aufklärung für seine Zeitgenossen auch ein erfolgreicher belletristischer Autor war, ist er vor allem als geschichtsphilosophischer und staatstheoretischer Denker in die Geistesgeschichte eingegangen und beeinflusst noch heute aktuelle Debatten.

Der Belagerungszustand

Der Belagerungszustand (franz. L'état de siège) ist ein Theaterstück in drei Teilen von Albert Camus und Jean-Louis Barrault, das 1948 in Paris uraufgeführt wurde.

Das Drama entstand unter dem Einfluss der deutschen Teilung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Camus zeigt die Grausamkeiten, welche tyrannische, menschenfeindliche Regimes nach sich ziehen, und macht vor allem die Bürokratie als eines der wirkungsvollsten Instrumente der Despotie aus.

Despot

Despot (griechisch: δεσπότης despótēs „Herrscher; [Haus]herr“) bezeichnet:

einen unumschränkt Herrschenden oder Gewaltherrscher einer Despotie

Despot (Titel), einen Titel im byzantinischen Reich sowie verschiedenen südosteuropäischen ReichenDespot ist der Familienname von

Nicolai Despot (* 1986), deutscher Theater-, Film- und FernsehschauspielerSiehe auch:

Tyrann

Serbische Despoten

Caesar (Titel)

Despot (Titel)

Der Titel Despotes bzw. Despot (altgriechisch δεσπότης despótēs Gebieter, Herrscher) wurde im Jahr 1163 vom byzantinischen Kaiser Manuel I. Komnenos (regierte 1143–1180) als höchster Titel nach dem des Basileus (Kaisers) eingeführt.

Der Titel des Despotes war für die höchste Aristokratie reserviert. Ein Despot konnte Inhaber einer Despotie oder Despotats sein, war aber auch ab 1261 der Titel des Thronfolgers, der gleichzeitig der Herrscher im Despotat Morea war. Die weibliche Form Despoina (altgriechisch δέσποινα) bezeichnet einen weiblichen Despoten oder die Ehefrau eines Despoten.

Auch außerhalb Byzanz’, vor allem in Südosteuropa, verbreitete sich der Titel als höchster Herrschertitel. So wurde Béla III. von Ungarn (regierte 1172–1196) der erste nichtbyzantinische Despotes. In der Regel wurde deren Herrschaftsgebiet dann als Despotat bezeichnet, wie das Despotat Epirus oder das Despotat Dobrudscha. Im Despotat Epirus war Despot der Titel des Herrschers über den byzantinischen Nachfolgestaat. Im mittelalterlichen Serbien wurde der Despot (siehe Serbische Despoten) unter dem Kaiser Stefan Dušan eingeführt, der damit die byzantinischen Ämter und Titel übernahm. Die serbischen Despoten des 15. Jahrhunderts erhielten zwischen 1402 und 1453 ihre Titel immer vom byzantinischen Kaiser, danach vom ungarischen König.

Nachdem sich das byzantinische Hofzeremoniell endgültig durchgesetzt hatte, blieb der Titel der höchste Herrschertitel nach dem des Basileus, und seine Vergabe war mit der Auflösung des serbischen Kaiserreiches einzig dem byzantinischen Basileus vorbehalten. Das schloss auch die Anerkennung des byzantinischen Kaisers als eine Art primus inter pares mit ein.

In der byzantinischen Liturgie wird der Priester vom Diakon bis heute als Despot angesprochen. Dieser Titel ist neutral im Sinne von „Herrscher“ zu verstehen, ohne die heute übliche negative Bedeutung „Gewaltherrscher“.

Die Kabale der Scheinheiligen

Die Kabale der Scheinheiligen, auch Molière (russisch Кабала святош Kabala swjatosch), ist ein Theaterstück in vier Akten des sowjetischen Schriftstellers Michail Bulgakow, dessen Niederschrift 1930 abgeschlossen wurde. Vor seiner Premiere am 16. Februar 1936 am Moskauer Künstlertheater wurde das Stück dort jahrelang einstudiert und immer wieder umgeschrieben. Stalin ließ die Kabale nach sieben Aufführungen am 9. März 1936 verbieten. Die „Begründung“ hatte dem Diktator Platon Kerschenzew – einer seiner „Kulturpolitiker“ – am 29. Februar geliefert: Bulgakow führe dem Zuschauer eine Parallele der Despotie Ludwig XIV. mit der Diktatur des Proletariats vor Augen. 1966–2015 erlebte das Stück auf sowjetischen/russischen Bühnen immer neue Inszenierungen.

Hydraulische Gesellschaft

Eine hydraulische Gesellschaft (altgriechisch ὑδραυλική hydrauliké von ὕδωρ hýdor, deutsch ‚Wasser‘ und αὐλός aulós, deutsch ‚Rohr, Flöte‘) ist nach dem Soziologen Karl A. Wittfogel eine Kultur und Gesellschaft, deren (land)wirtschaftlicher und politischer Fortbestand und Entwicklungspotential entscheidend von einer erfolgreich vernetzten Wasserbau-Großtechnik (zumal von Deichbau, Kanalsystemen, Überflutungsregulierungen, Schleusen) abhängen.

Imperialismus

Als Imperialismus (von lateinisch imperare „herrschen“; imperium „Weltreich“; etwa bei Imperium Romanum) bezeichnet man das Bestreben eines Staatswesens bzw. seiner politischen Führung, in anderen Ländern oder bei anderen Völkern wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu erlangen, bis hin zu deren Unterwerfung und zur Eingliederung in den eigenen Machtbereich. Typischerweise geht das damit einher, eine ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.Imperialismus wurde im Nachhinein auch für eine Reihe von antiken Großreichen angenommen. Der Begriff als solcher wurde im 16. Jahrhundert geprägt und galt damals als Negativbezeichnung für eine auf Militärmacht und Despotie – im Gegensatz zum Rechtsstaat – basierende Herrschaft. Als eigentliches Zeitalter des Imperialismus gilt das späte 19. Jahrhundert, wozu auch die verschiedenen marxistischen Imperialismustheorien beitrugen.

Der Begriff Imperialismus umfasst mehr als Kolonialismus und sollte deshalb vor allem von Kolonisierung getrennt werden. Edward Said sieht beim Imperialismus „die Praxis, Theorie und die Benehmensregeln eines dominierenden städtischen Zentrums gegenüber einem regierten fernen Territorium“, der Provinz. Said zufolge sei Kolonisierung nicht mehr als die Besiedlung entfernter Länder. Robert J. C. Young stimmt dem insoweit zu, als Imperialismus aus dem Zentrum operiere, als staatliche Politik, während Kolonisierung nicht mehr als Siedlungs- oder Wirtschaftsentwicklung bedeute.

Von der bewussten Politik der Machtprojektion und der Erweiterung von Regierungsgewalt auf verschiedene Territorien ist der weiter gefasste Begriff des Kulturimperialismus zu unterscheiden, wie auch der der kulturellen Hegemonie im Sinne Antonio Gramscis.

Karl August Wittfogel

Karl August Wittfogel (* 6. September 1896 in Woltersdorf, heute Landkreis Lüchow-Dannenberg; † 25. Mai 1988 in New York, USA) war ein deutscher Soziologe und Sinologe. Er erhielt 1941 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Einige seiner wichtigsten Bücher sind die Dissertation Wirtschaft und Gesellschaft Chinas (1931) und die mit Feng Chia-sheng verfasste History of Chinese Society, Liao (1947), das Ergebnis des Chinese History Project. Sein Hauptwerk ist Oriental Despotism (1957), übersetzt Die orientalische Despotie. Wittfogels Arbeiten über China beruhen auf Max Weber und Karl Marx.

Liste der Herrschaftsformen

Herrschaftsformen charakterisieren die tatsächliche Art und Weise der Herrschaftsausübung und berücksichtigen hierbei unter anderem, welche Personen oder Gruppen politische Macht ausüben.

Davon abzugrenzen sind die Regierungssysteme, welche sowohl nach der Stellung des Staatsoberhauptes, Regierungschefs und Parlaments als auch nach deren Wechselbeziehung unterschieden werden. Es muss ebenfalls zwischen Herrschaftsformen und den Staatsformen, die sich heutzutage in der Regel nach der verfassungsrechtlichen Stellung des Staatsoberhauptes richten, differenziert werden.

Bei Untersuchungen von Fallbeispielen ist oftmals festzustellen, dass mehrere Herrschaftsformen parallel auftreten können.

Bei Gesellschaftsformen wie den „Jäger und Sammler“-Kulturen, die vorwiegend in der Jungsteinzeit zu finden sind, und auch bei Nomaden ist häufig die segmentäre Gesellschaft, bei der kein dauerhafter Herrscher existiert, sondern allenfalls Respektspersonen, die aufgrund gemeinschaftlicher Entscheidungen zeitweilig führende Aufgaben übernehmen dürfen.

Der Fall, dass keine Herrschaftsform vorliegt und somit faktisch niemand Herrschaft ausübt, wird als Anarchie bezeichnet. Im Gegensatz zur segmentären Gesellschaft muss die Anarchie jedoch als bewusst gewählte „Rückkehr“ aus einer vorher existierenden Herrschaftsform verstanden werden.

Matabele-Königreich

Das Matabele-Königreich war ein von 1837 bis 1893 bestehender afrikanischer Staat, territorial fast deckungsgleich mit dem heutigen Simbabwe.

Das Matabele- oder auch Ndebele-Königreich wurde 1837 von dem abtrünnigen Zulu-Führer Mzilikazi gegründet, der sich 1823 mit dem Zulu-König Shaka überworfen hatte und mit zahlreichen Anhängern das Reich der Zulu in der heutigen südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal verlassen hatte. Den Namen Matabele gab ihnen das benachbarte Bantuvolk der Tswana, nachdem sie sich zunächst in der Gegend um das spätere Pretoria niedergelassen hatten. Ab 1834 zogen sie weiter in das heutige Simbabwe. Nach der Unterwerfung des ansässigen Volkes der Schona wurde Mzilikazi 1837 erster König des Matabelereichs. Hauptstadt war Bulawayo, 75 Kilometer westlich von Dhlodhlo, der Residenz des unterworfenen Changamire-Staates. In den 1860er Jahren wurde auch der nördliche Teil des Schona-Gebietes unterworfen. Damit umfasste das Reich das gesamte Staatsgebiet des heutigen Simbabwe außer dessen Osten, dem Manicaland.

Unter Mzilikazis energischer Führung war der Staat analog dem Zulureich eine expansive Militär-Despotie, die sich auf Kosten der friedlichen Nachbarvölker rasch ausdehnte. Das mehrere tausend Mann umfassende stehende Heer war wie im Zulureich nach Regimentern (Impi) strukturiert, geführt von einer Adelskaste (InDuna).

Die Wanderung und die Art der Staatsgründung waren typische Ereignisse der Mfecane der 1820er und 1830er Jahre.

Als Mzilikazi 1868 starb, folgte ihm sein Sohn Lobengula auf den Thron. Im Gegensatz zu seinem Vater verfolgte der friedliebende Lobengula keine kriegerische Politik. Während seiner Regierungszeit wurde die Hauptstadt Bulawayo zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt im südlichen Afrika.

Nach dem Untergang des Zulureiches 1879 war das Matabele-Königreich neben dem Kaiserreich Abessinien das einzige noch existierende souveräne schwarzafrikanische Königreich. 1893 drangen britische Kolonialtruppen von Süden aus in das Land ein. Sie setzten erstmals das Maxim-Maschinengewehr ein. Verhandlungsangebote König Lobengulas wurden von den Briten nicht beantwortet. Die Matabele wurden geschlagen. Im November 1893 fiel Bulawayo. Dem 60-jährigen König gelang zwar die Flucht aus der brennenden Hauptstadt, er war aber den Strapazen nicht mehr gewachsen und starb am 23. Januar 1894 auf der Flucht. Das Matabelereich wurde nach der Niederschlagung des Matabeleaufstandes 1896 von der British South Africa Company verwaltet.

Monarchie

Der Begriff Monarchie (altgr. μοναρχία monarchía ‚Alleinherrschaft‘, aus μόνος monos ‚ein‘ und ἀρχεῖν archein ‚herrschen‘) bezeichnet eine Staatsform mit einem durch seine Herkunft legitimierten Herrscher an der Spitze. In der Regel handelt es sich hierbei um einen Adligen, der das Amt des Staatsoberhaupts durch Vererbung oder Wahl auf Lebenszeit oder bis zu seiner Abdankung innehat. Die Monarchie bildet somit das Gegenstück zum modernen Republikbegriff. Die Machtbefugnisse der betreffenden Person können je nach Form der Monarchie variieren: Dieses Spektrum reicht von fast keiner (parlamentarische Monarchie) über durch eine Verfassung begrenzte (konstitutionelle Monarchie) bis hin zu alleiniger, uneingeschränkter politischer Macht (absolute Monarchie). Die entartete, illegitime und despotische Form der Monarchie ist die Tyrannis. Zusätzlich wird zwischen Erb- und Wahlmonarchie unterschieden: In der erstgenannten Form wird der Herrscher durch Erbfolge, in der zweitgenannten durch eine Wahl meist auf Lebenszeit bestimmt. In Erbmonarchien wird der Herrschaftsanspruch des Staatsoberhauptes in der Regel auf eine göttliche Bestimmung zurückgeführt (sakrale Elemente). Auch eine Verehrung als eigenständige Gottheit oder Person göttlichen Ursprungs (Gottkönig, Sakralkönigtum) ist möglich (sehr verbreitet in antiken Reichen, z. B. im alten Ägypten oder – in abgewandelter Form – im Römischen Reich, aber auch in neuerer Zeit, z. B. im Kaiserreich China oder bis nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan).

Die Staatstheorie beziehungsweise -ideologie, die die Monarchie rechtfertigt, ist der Monarchismus oder auch Royalismus. Ein Anhänger der Monarchie wird als Monarchist oder Royalist bezeichnet, ein Gegner als Republikaner, Monarchomach oder auch Antimonarchist.

Orientalische Despotie

Die orientalische Despotie ist ein von Karl August Wittfogel wiederbelebter Begriff, der vor allem auf Aristoteles und Montesquieu zurückgeht, auch in marxistischen Gesellschaftstheorien in Form der asiatischen Produktionsweise formuliert wurde.

Wittfogel versteht darunter eine despotisches Regierungssystem, in der der Herrscher die totale Macht beansprucht und eine starke Staatsbürokratie das Land völlig beherrscht. In solchen Gesellschaften fehlen politische Gegengewichte, die für bürgerliche Freiheiten sorgen können. Die Städte sind durch eine starke Abhängigkeit von der Beamtenschaft geprägt, so dass Kaufleute und Handwerker nicht zu einer eigenen politischen Kraft werden konnten. Die orientalische Despotie hat sehr nachteilige Auswirkungen auf die Würde des Individuums.

Die Entstehung der orientalischen Despotie sieht Wittfogel folgendermaßen:

Wo größere Wasseransammlungen in einer ansonsten trockenen, aber latent fruchtbaren Landschaft vorhanden waren, entstanden „hydraulische Gesellschaften“. Der Bau von Bewässerungsanlagen erforderte den massenhaften Einsatz von bäuerlichen Arbeitern. Diese Arbeitsleistungen erfolgten durch Fronarbeit, waren aber wegen der Zersplitterung der vielen Dorfgemeinden erst durch die zentrale Planungsmacht einer Funktionärselite möglich, die gleichzeitig zur politisch herrschenden Kaste aufstieg und über eine zur Mathematik, Geometrie, Astronomie und Verwaltung fähigen Bürokratie verfügte.

Reinhart Kößler

Reinhart Kößler (* 14. April 1949 in Karlsruhe) ist ein deutscher Soziologe.

Richter

Ein Richter ist der Inhaber eines öffentlichen Amtes bei einem Gericht, der Aufgaben der Judikatur (Rechtsprechung) wahrnimmt. Abhängig von Ort und Zeit in der Geschichte ist das Amt des Richters mit unterschiedlichsten Anforderungen, Rechten, Pflichten und Privilegien verbunden.

Tel Quel

Tel Quel (französisch ‚wie es ist‘) ist eine literaturkritische Bewegung der 1960er und 1970er Jahre um die gleichnamige Zeitschrift.

1960 von Philippe Sollers und Jean-Edern Hallier gegründet, gewann die Zeitschrift mit literaturkritisch-avantgardistischem Profil schnell an Bedeutung. Wesentliche Begriffe des Poststrukturalismus nahmen hier in Veröffentlichungen von Michel Foucault, Jacques Derrida, Roland Barthes, Gérard Genette, Julia Kristeva u. a. Gestalt an.

Die Autoren von Tel Quel näherten sich der Sprache und den Zeichensystemen im Allgemeinen auf eine Art, die ihre „Ausdrucks- und Sinnpluralität nicht einschränkt, sondern diesen gerecht wird, da eine Befreiung des Denkens und Lebens ohne eine Befreiung der Sprache“ (Kuhn) nicht machbar sei. Die „gesellschaftliche Umwandlung“, so formuliert es Julia Kristeva in Die Revolution der poetischen Sprache, sei von der „sprachlichen nicht zu trennen“. Bei den Fragen der literarischen Praxis betont Kristeva, dass sie sich „auf einen politischen Horizont richten“ müssen, wobei „die Poesie … auf das Fundament dessen trifft, was die Ordnung bereithält: die Logik des Sprachsystems und das Staatsprinzip“. Somit ist die „poetische Sprache in der gesellschaftlichen Ordnung und gegen sie ...: letztes Mittel, sie zu verändern oder zu unterlaufen.“

Der „Kristeva-Gruppe“ und Tel Quel geht es um die Analyse herrschender Denkformen. Die Despotie der herrschenden Sprache und ihre Rigorosität, den Sinn festzulegen, wird offengelegt. Dabei bewegt sich die Programmatik der Zeitschrift im Laufe der Zeit zwischen apolitischem Ästhetizismus und kommunistischer Parteinahme. In den sprachkritischen Texten der Tel Quel zeichnen sich Methoden und Ziele der Dekonstruktion ab.

1982 erschien die Zeitschrift zum letzten Mal. Seitdem erscheint der Nachfolger L’Infini.

Vom Geist der Gesetze

Das Buch Vom Geist der Gesetze von Charles de Secondat, Baron de Montesquieu wurde 1748, in der Frühzeit der Aufklärung, unter dem französischen Originaltitel De l’esprit des loix in Genf erstveröffentlicht. Die Erstveröffentlichung erfolgte anonym, weil Montesquieus Werke der Zensur unterlagen, und tatsächlich wurde das Buch 1751 auf den Index gesetzt.

Der Geist der Gesetze ist ein Schlüsseltext der Aufklärung und Montesquieus Hauptwerk. Der französische Untertitel der Originalausgabe zeigt schon den Umfang der bearbeiteten Themengebiete auf: Ou du rapport que les Loix doivent avoir avec la Constitution de chaque Gouvernement, les Moeurs, le Climat, la Religion, le Commerce &c., à quoi l’Auteur a ajouté des recherches nouvelles sur les Loix Romaines touchant les Successions, sur les Loix Françoises et sur les Loix Féodales (deutsch: „Oder von der Beziehung, welche die Gesetze zur Verfassung einer jeden Regierung, zu den Sitten, zum Klima, der Religion, dem Handel usw. aufweisen müssen, wozu der Autor noch neue Untersuchungen über die römischen Erbfolgegesetze, die französischen Gesetze und die Lehensgesetze hinzugefügt hat“).

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