David Ricardo

David Ricardo (* 18. April 1772 in London; † 11. September 1823 in Gatcombe Park) war ein britischer Wirtschaftswissenschaftler und ein führender Vertreter der klassischen Nationalökonomie.

David Ricardo(1)
David Ricardo (1772–1823); unbekannter Maler

Leben

Ricardo - Opere, 1852 - 5181784
Works, 1852

David Ricardo wurde am 18. April 1772 als drittes von 17 Kindern in eine sephardische jüdische Familie geboren.[1] Diese stammte ursprünglich aus Portugal und war erst kurz zuvor aus den Niederlanden nach London immigriert.[2] Ricardos Vater war als Börsenmakler tätig und galt als einer der reichsten Männer seiner Zeit. Dieser führte seinen Sohn im Alter von 14 Jahren in seinen Beruf ein, nahm ihn mit zur Londoner Börse und ließ ihn dort arbeiten. Einige Jahre später, im Alter von 21 Jahren, lernte Ricardo Priscilla Anne Wilkinson kennen, die Quäkerin war. Er heiratete sie bereits kurze Zeit später und entsagte damit dem jüdisch-orthodoxen Glauben. Ricardos Vater enterbte seinen Sohn und brach alle Kontakte ab.[3] Ricardo erhielt von Freunden ein Darlehen und eröffnete bald ein eigenes Maklerbüro. Durch dessen Erfolg kam er bereits wenige Jahre später zu Reichtum, was ihm bald erlaubte, sich aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen.[2] Intellektuell wurde Ricardo unter anderem von Jeremy Bentham beeinflusst, der als Begründer des klassischen Utilitarismus gilt.[4]

Neben seinen Geschäften befasste sich Ricardo mit Mathematik und Naturwissenschaften. Nach der Lektüre des Werkes The Wealth of Nations von Adam Smith (1723–1790) befasste er sich ab 1799 intensiv mit der Ökonomie. Zunächst fertigte er nur Studien an; 1809 veröffentlichte er erstmals kritische Zeitungsbeiträge.[2] Allerdings beschäftigte er sich erst ab 1814 ausschließlich mit seinen Studien.[3] Ricardo stand in den folgenden Jahren in engem Kontakt zu anderen führenden Ökonomen seiner Zeit, wie James Mill (1773–1836) und Thomas Robert Malthus (1766–1834), mit denen ihn Freundschaft verband, auch wenn sie fachlich unterschiedliche Auffassungen hatten. Zum Teil als Resultat dieser Dialoge, besonders mit Mill, entstanden schließlich die Hauptwerke Ricardos, Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock (1815) und On the Principles of Political Economy and Taxation (1817). Ab 1819 vertrat Ricardo als Abgeordneter den irischen Bezirk Portarlington im britischen Unterhaus. Dort setzte er sich für den Freihandel und die Abschaffung der Getreidezölle ein. Schließlich starb Ricardo am 11. September 1823 in Gatcombe Park an den Folgen einer Mittelohrentzündung.[5]

Den Zeitgenossen zufolge war Ricardo ein „freundlicher, nie rechthaberischer, überlegter und etwas zurückhaltender Mensch“.[1]

David Ricardo wurde Vater von acht Kindern, darunter drei Söhnen. Seine Söhne Oswald Ricardo (MP für Worcester) und David Ricardo der Jüngere (MP für Stroud) wurden Mitglieder des Parlamentes. Der dritte, Mortimer Ricardo diente als Offizier bei den Life Guards und war Deputy Lieutenant für Oxfordshire.[6]

Theorie

David Ricardo veröffentlichte 1817 Principles of Political Economy and Taxation. Er entwickelte die Theorie der komparativen Kostenvorteile, ein Kernstück der Außenhandelstheorie, und begründete damit das ricardianische Außenhandelsmodell. Nach Ricardo lohnt sich Außenhandel für alle Volkswirtschaften, auch für jene, die gegenüber anderen Staaten bei allen Gütern Kostennachteile haben. Weil jedes Land den größtmöglichen Güterertrag erzielt, wenn es die Produkte mit den geringeren Arbeitskosten selbst herstellt und die übrigen Güter im Austausch bezieht, wobei schon die relativen Kostenvorteile die internationale Arbeitsteilung und ihre weitere Spezialisierung gewährleisten. Basis seines Außenhandelsmodells (Ricardo Modell) war die Unbeweglichkeit des Kapitals, was bedeutet, dass z. B. Grund- und Bodenschätze eines Landes nicht durch ein anderes Land erworben werden können. Ricardo meinte, nur 25 Personen in England seien imstande, seine Principles of Political Economy and Taxation überhaupt zu verstehen. Doch die erste Auflage von 750 Exemplaren war bald vergriffen, 1819 erschien die zweite, 1821 die stark überarbeitete dritte.[7]

Weitere wichtige Schriften Ricardos sind der Essay über den Einfluss eines niedrigen Getreidepreises auf den Kapitalprofit (1815), worin er die freie Korneinfuhr empfahl, und die 1820 verfasste Essay on the Funding System, worin er Steuererhöhung statt Anleihen forderte. Ricardo konnte sich gemeinsam mit Robert Torrens mit der These durchsetzen, wonach die Basisgeldmenge begrenzt werden müsse. Damit galt die gegenteilige These John Fullartons und Thomas Tookes, wonach der Geldbedarf einer Volkswirtschaft sich ganz von alleine regeln würde, als widerlegt.

Ricardos Name ist eng verknüpft mit der Theorie der Grundrente. Die Entstehung der Rente wird darauf zurückgeführt, dass von verschiedenen vorhandenen Bodenqualitäten die besseren nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken, und deshalb der Preis der Bodenprodukte so hoch stehen müsse, dass die Kosten für Bebauung des schlechtesten noch unentbehrlichen Grundstücks gerade gedeckt würden.

Obwohl Ricardo in seiner ökonomischen Analyse sonst das Saysche Theorem als gültig annimmt, hat er in seinem letzten Kapitel über das Maschinenwesen eingeräumt, dass technischer Fortschritt zur Verringerung von Beschäftigung führen kann; diese Einstellung (obgleich in der Gesamttheorie inkonsistent) wurde von Marx als „wissenschaftlich objektiv“ geschätzt.[8] Mit seiner eigenen Version der Arbeitswerttheorie hat Marx an Ricardos Werk als dem ihm bekannten letzten Stand der Wissenschaft angeknüpft.

Begriffe und Methode

Ricardos „Kornmodell“ gilt als ein frühes Beispiel einer Ein-Gut-Parabel.

Nach Ricardo ist auch die sogenannte Ricardianische Äquivalenz benannt.

Mit dem Begriff Ricardian Vice (dt. „ein für Ricardo typischer Fehler“) hat Joseph A. Schumpeter Ricardos Methode scharf kritisiert:[9] Ricardo gehe häufig von unrealistischen Annahmen aus. Zudem behandele er Variablen als Konstante, die dem ökonomischen Argument nach keine Konstante sein dürften. Heinz D. Kurz hingegen weist Schumpeters Kritik als ungerechtfertigt zurück, da Ricardos Methode damit fehlinterpretiert werde.[10]

Unter der Bezeichnung „Neoricardianische Schule“ werden Ökonomen wie Joan Robinson oder Piero Sraffa gefasst, die Ricardos Theorie wieder aufgegriffen und zu einer Alternative zur neoklassischen Theorie ausgebaut haben. Sraffa ist zudem als Herausgeber der Neuausgabe der Gesammelten Werke Ricardos hervorgetreten. Ricardo hat kurz vor seinem Tod einen Essay verfasst: „Absoluter Wert und Tauschwert“[11]. Der Aufsatz wurde erst kurz vor der Publikation der Gesammelten Werke bekannt und zum Anlass einer wesentlichen Revision der fast schon fertigen Ricardo-Gesamtausgabe.

Ricardo zu Ehren führte später der Lehrstuhl der politischen Ökonomie an der Londoner Universität seinen Namen.

Publikationen

Postume Ausgaben:

  • Plan for the Establishment of a National Bank (1824)
  • The Works of David Ricardo (1826)
  • The Works and Correspondence of David Ricardo (11 Bde., 1951–1973)
  • On the Principles of Political Economy and Taxation. Nachdruck der Ausgabe von 1817, mit einer Einführung von Frederick William Kolthammer (Friedrich Wilhelm Kolthammer). Empiricus Books, London, 3. Aufl. 2002, ISBN 1-902835-15-8.

Schriften in deutscher Übersetzung:

  • Die Grundsätze der politischen Oekonomie oder der Staatswirthschaft und der Besteuerung. Übersetzt von Christian August Schmidt. Verlag des priv. Landes-Industrie-Comptoirs, Weimar 1821 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteuerung. Vollständige deutsche Fassung der englischen Standardausgabe einschließlich der Einführung und editorischen Anmerkungen Piero Sraffas. Metropolis, Marburg 2006, ISBN 3-89518-540-X.

Literatur

  • Edwin Cannan: Ricardo in Parliament, in: Economic Journal, Vol. 4 (1894), E-Text
  • John P. Henderson: The life and economics of David Ricardo, Kluwer Publ., Boston 1997. ISBN 0-7923-9937-4.
  • Jan Hoff: Kritik der klassischen politischen Ökonomie. Zur Rezeption der werttheoretischen Ansätze ökonomischer Klassiker durch Karl Marx. PapyRossa, Köln 2004. ISBN 3-89438-314-3.
  • Jacob H. Hollander: The Development of Ricardo's Theory of Value, in: Quarterly Journal of Economics, Vol. 18 (1904), S. 455–491 E-Text
  • Samuel Hollander: The economics of David Ricardo, University of Toronto Press, Toronto 1979. ISBN 0-8020-5438-2.
  • Moses Ricardo / Horst Claus Recktenwald: David Ricardo. Persönlichkeit und Lebensweg, Verlag Wirtschaft und Finanzen, Düsseldorf 1988. ISBN 3-87881-027-X.
  • Mark Blaug: Entrepreneurship before and after Schumpeter, in Richard Swedberg Entrepreneurship. The Social Science View. Oxford University Press. New York: 2000.
  • Gerhard Stapelfeldt: Der Liberalismus. Die Gesellschaftstheorien von Smith, Ricardo und Marx. Ca Ira, Freiburg i.Br. 2006, ISBN 3-924627-78-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Michael Hüther (Hrsg.): Klassiker der Ökonomie - Von Adam Smith bis Amartya Sen, Bonn 2006, S. 62f
  2. a b c Josef Bordat: David Ricardo – Eine erste Orientierung zu Leben und Werk
  3. a b Vera Linß: Die wichtigsten Wirtschaftsdenker, Wiesbaden 2007, S. 35
  4. David Ricardo | British economist. In: Encyclopedia Britannica. (britannica.com [abgerufen am 30. Mai 2017]).
  5. Vera Linß: Die wichtigsten Wirtschaftsdenker, Wiesbaden 2007, S. 38f
  6. "RICARDO, David (1772–1823), of Gatcombe Park, Minchinhampton, Glos. and 56 Upper Brook Street, Grosvenor Square, Mdx.". History of Parliament Online.
  7. Heinz D. Kurz: Nichts ist praktischer als gute Theorie. Vor 200 Jahren schrieb David Ricardo seine berühmten „Principles of Political Economy and Taxation“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Januar 2017, S. 18.
  8. Michio Morishima: Ricardo's Economics. A general equilibrium theory of distribution and growth. Cambridge University Press 1989. ISBN 0-521-36630-5. S. 11.
  9. Joseph A. Schumpeter: History of Economic Analysis. Ed. Elizabeth Boody Schumpeter. London. Allen and Unwin, 1954. (dt.: Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): Geschichte der ökonomischen Analyse. Zwei Teilbände. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1965.)
  10. Heinz D. Kurz: Ricardian Vice. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. International Encyclopedia of the Social Sciences, 2. Aufl.
  11. David Ricardo: Absoluter Wert und Tauschwert. In: Bertram Schefold, (Hg.): Ökonomische Klassik im Umbruch. Theoretische Aufsätze von David Ricardo, Alfred Marshall, Vladimir K. Dmitriev und Piero Sraffa. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 627. Frankfurt/Main 1986. ISBN 3-518-28227-1. S. 7–14.
Arbeitskraft

Unter Arbeitskraft versteht man in der Wirtschaft die mit körperlicher oder geistiger Tätigkeit verbundene maximale oder tatsächliche Arbeitsleistung von Arbeitspersonen, die die ihnen zugewiesenen Aufgaben erfüllen.

Bedarf

Bedarf ist allgemein der als Mangel erlebte Wunsch eines Wirtschaftssubjekts nach dem Erwerb von Gütern und Dienstleistungen, deren Besitz, Gebrauch, Nutzung oder Verbrauch die Befriedigung von Bedürfnissen erwarten lässt. Der durch Kaufkraft gestützte Bedarf heißt Nachfrage.

Boden (Produktionsfaktor)

Boden (englisch land) ist in der Volkswirtschaftslehre der zweite originäre Produktionsfaktor, der die wirtschaftlich genutzte Erdoberfläche umfasst.

David Ricardo Williams

David Ricardo Williams (* 28. Februar 1923 in Kamloops, British Columbia, Kanada; † 29. Januar 1999 in Duncan) war ein kanadischer Jurist, Historiker und Schriftsteller.

Der Wohlstand der Nationen

Der Wohlstand der Nationen (vollständiger englischer Titel: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations) ist das am 9. März 1776 erschienene Hauptwerk des schottischen Ökonomen Adam Smith. Es entstand als Kontrapunkt zum bis dahin wirtschaftspolitisch vorherrschenden Merkantilismus, wie er von den damaligen europäischen Großmächten praktiziert wurde. Smiths Werk gilt als das grundlegende Werk der Wirtschaftswissenschaft, welche sich erst in der Folgezeit als eigenständige Wissenschaftsdisziplin etablierte, und markiert sowohl den Beginn der klassischen Nationalökonomie als auch parallel des Wirtschaftsliberalismus.

Smith entwickelt in seinem Werk keine eigene geschlossene Theorie. Der Wohlstand der Nationen ist zum Großteil als Zusammenfassung der wirtschaftstheoretischen Erkenntnisse zahlreicher liberaler Vordenker zu verstehen. Es erfuhr ein großes Echo durch nachfolgende Ökonomen wie David Ricardo, Thomas Robert Malthus und Karl Marx. Heute ist das Werk vorrangig durch die Metapher der unsichtbaren Hand (englisch invisible hand) und das damit behauptete Prinzip bekannt, obwohl diese tatsächlich nur nebenbei von Smith erwähnt wurde. Zudem wird das Zitat meist aus dem eigentlichen Kontext gerissen. Smith bezog sich mit seinem Begriff der unsichtbaren Hand lediglich auf die Unterstützung der heimischen Industrie („the support of domestic industry“) im Gegensatz zum Import von Gütern. Er sagt in diesem Zusammenhang, dass der Unternehmer im Zuge der Unterstützung der heimischen Industrie durch die Maximierung des Gesamteinkommens, basierend auf seiner unternehmerischen Tätigkeit, nur nach seinem eigenen Profit strebe und nicht nach der Förderung des Gemeinwohls, welche lediglich ein Nebeneffekt seiner Gewinnmaximierung sei. Heute verwendet man diese Wendung in der neoklassischen Sichtweise jedoch für jedwede Art der Rechtfertigung einer Deregulierung der Märkte, um den Unternehmen möglichst viele Freiheiten zu gewähren.

Geldwert

Geldwert (auch Kaufkraft; englisch monetary value) ist in der Volkswirtschaftslehre das Austauschverhältnis zwischen Geld und Gütern oder Dienstleistungen.

Grundrententheorie

Die Grundrententheorie ist eine Theorie der klassischen Nationalökonomie, die erklärt, warum und in welcher Form im Wirtschaftskreislauf eine Grundrente anfällt. Die Grundrente (auch Bodenrente, Differentialrente oder einfach nur Rente), ist der Teil des Ertrages, den ein Pächter dem Eigentümer des von ihm als Ackerboden, Baugelände, zur Forstwirtschaft, im Bergbau oder wie auch immer genutzten Bodens regelmäßig zu entrichten hat.

In spezifischem Sinn bezeichnet Grund- oder Bodenrente die Ertragsdifferenz zwischen zwei Böden von gleicher Größe bei gleichem Einsatz an Arbeit und Kapital. Diese Differenz beruht auf Faktoren wie unterschiedliche Bodenfruchtbarkeit, günstige klimatische Faktoren, Verkehrslage, Nutzungsform (land- oder forstwirtschaftlich, bauliche und rechtliche Eignung zum Wohnen oder Arbeiten, Ausbeutungsmöglichkeit des Bodens zur Kohle-, Öl- oder Erdgasgewinnung) sowie das jeweils herrschende Bodenrecht mit seinen besonderen Bestimmungen (siehe z. B. Agrarrecht (Deutschland)).

Klassische Nationalökonomie

Die klassische Nationalökonomie oder klassische Ökonomie (kurz: Klassik), auch Politische Ökonomie, bezeichnet in der Geschichte der Volkswirtschaftslehre sowohl die Theorien wie auch die Epoche der Begründer der Ökonomie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin. Den Begriff „Klassische Nationalökonomie“ prägte Karl Marx.Die klassische Nationalökonomie war anfangs weitgehend identisch mit dem wirtschaftlichen Liberalismus (Klassischer Liberalismus) und löste die Anschauungen des Merkantilismus und des Physiokratismus ab. Paradigmatische Geltung für die klassische Nationalökonomie wird dem Werk Der Wohlstand der Nationen von Adam Smith aus dem Jahre 1776 zugesprochen.

Als ihre Hauptvertreter gelten neben Smith David Ricardo, Jean-Baptiste Say, Thomas Malthus und John Stuart Mill.

Um 1870 herum wurde die klassische Ökonomie als vorherrschende Lehre von der Neoklassik abgelöst.

Komparativer Kostenvorteil

Der komparative Kostenvorteil (v. lat.: comparare = vergleichen) ist ein Modell des Außenhandels, das auf den englischen Ökonomen David Ricardo zurückgeht. Dieser entwickelte Anfang des 19. Jahrhunderts den Begriff des komparativen Vorteils. Es handelt sich dabei um eine Erweiterung bzw. teilweise um eine Richtigstellung der vorangegangenen Theorie des absoluten Kostenvorteils (vgl. Adam Smith 1776).

Anders als die „alte“ Theorie besagen Ricardos Erkenntnisse nämlich, dass der internationale Handel auch dann Kostenvorteile für ein Land bringen kann, wenn diese Nation bei der Herstellung sämtlicher Produkte über absolute Kostennachteile verfügt, das andere Land entsprechend über absolute Kostenvorteile. Damit wird theoretisch begründet, dass grenzüberschreitende Tauschprozesse die Wohlfahrt beider Handelspartner steigern. Der komparative Kostenvorteil besteht im Rahmen der volkswirtschaftlichen Theorie, wenn ein Land, eine Region, ein Unternehmen oder eine Person fähig ist, ein bestimmtes Gut zu geringeren Alternativkosten (Opportunitätskosten) zu produzieren als die Konkurrenz.

Der komparative Kostenvorteil ist eine einfache und grundlegende Darstellung der Vorteilhaftigkeit von Freihandel für alle beteiligten Nationen.

Marktpreis

Der Marktpreis ist in der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre der Preis, der für Güter und Dienstleistungen auf einem Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt von Marktteilnehmern bezahlt und erzielt wird.

Mehrprodukt

Das Mehrprodukt oder der Surplus ist in der klassischen Nationalökonomie der Überschuss, der über das zum Leben notwendige Maß hinaus produziert wird.

In einfachster Form ist diese ökonomische Kategorie im Tableau économique des Physiokraten François Quesnay zu finden, wo er den Teil der Jahresproduktion an Agrarerzeugnissen repräsentiert, der nicht zum Leben der in der Agrarproduktion beschäftigten Arbeitskräfte gebraucht wird. In diesem ersten Reproduktionsablauf-Schema wird dargestellt, dass das Sozialprodukt, das Quesnay ausschließlich in Form landwirtschaftlicher Erzeugnisse vorliegen sieht, wenn es periodisch in gleicher Höhe reproduziert werden soll, zu einem bestimmten Teil wieder in die Produktion zurückgeführt werden muss. Neben den verschlissenen Produktionsmitteln muss auch ersetzt werden, was die landwirtschaftlichen Arbeiter zum Leben brauchen. Der Überschuss über den so bestimmten Reproduktionsbedarf hinaus ist das Mehrprodukt, über das die Gesellschaft verfügen kann bzw. der nach Beteiligung der verschiedenen sozialen Klassen an diesem Produktionsprozess verteilt wird. Es ist dadurch ein direkter Zusammenhang hergestellt zwischen der Produktion und der Verteilung des Sozialprodukts.

Dass Bauern mehr Lebensmittel erzeugen als sie selbst verbrauchen ist ökonomische Voraussetzung, dass sich andere Menschen auf Handwerk, Handel und andere Tätigkeiten in einer Stadt spezialisieren. Nach Auffassung des historischen Materialismus ist ein Produktivitätsniveau, das dauerhaft die Erzielung von Mehrprodukt zulässt, die Voraussetzung dafür, dass ein Gemeinwesen von der Einkommensgleichheit zur Ungleichheit und damit zur Klassengesellschaft übergeht. Denn Sklavenarbeit lohnt sich nur dann, wenn der Sklave mehr produziert, als er selbst zum Leben benötigt. Ernest Mandel setzt sich mit Harry W. Pearson auseinander, der „absoluten“ und „relativen Überschuss“ unterschied und letztlich überhaupt die Relevanz dieses ökonomischen Erklärungsansatzes für Stammesgesellschaften anzweifelte.Nach der Arbeitswerttheorie von Karl Marx tritt im Kapitalismus mit der Wertform, den die arbeitsteilige Produktion durch den Warenaustausch erhält, das gesellschaftliche Mehrprodukt in der Form von Mehrwert auf. Die Aneignung des Mehrwerts wird damit als Ausbeutung der unmittelbar an der Produktion beteiligten Lohnarbeiter gesehen.

Adam Smith, David Ricardo und Karl Marx sind bei der Bestimmung der Lohnhöhe von der Vorstellung des Subsistenzlohns abgegangen und haben diese stattdessen in Abhängigkeit bestimmt von kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen, insbesondere dem Kräfteverhältnis bzw. der unterschiedlichen Verhandlungsmachtpositionen der an der Produktion beteiligten sozialen Klassen.

Die klassische Nationalökonomie muss nach Auffassung von Pierangelo Garegnani in Gegensatz zur neoklassischen Ökonomie als ein surplustheoretischer Ansatz aufgefasst werden, der ausgeht von einem gegebenen Reallohn und einer bestimmten Produktionstechnik und deren Produktivität und dann den Surplus bestimmt als dasjenige, was vom Sozialprodukt schließlich übrig bleibt.

Nachfrage

Nachfrage ist in der Wirtschaft die Menge jeder Art von Gütern und Dienstleistungen, die Wirtschaftssubjekte durch Kauf mit Hilfe von ausreichender Kaufkraft zu einem bestimmten Kaufpreis erwerben. Komplementärbegriff ist das Angebot.

Produktionsmittel

Produktionsmittel sind in der Wirtschaftswissenschaft diejenigen Arbeits- und Betriebsmittel, die zur Produktion von Gütern erforderlich sind.

Profit

Profit (von lat. profectus „Fortgang, Zunahme, Vorteil“ / Aussprache: [pʀoˈfit]) bezeichnet den Gewinn, also den Überschuss der Erträge über die Aufwendungen eines Unternehmens. Im Deutschen wird der Begriff vor allem in der Umgangssprache benutzt, in anderen Sprachen auch als Fachbegriff der Wirtschaftswissenschaft.

Ricardo-Modell

Das Ricardo-Modell (auch Ricardianisches Modell oder Theorie der komparativen Kostenvorteile) nach David Ricardo ist ein vereinfachendes Modell zur Erklärung des Außenhandels zwischen zwei Ländern. Dem Modell liegt dabei die unterschiedliche Arbeitsproduktivität zugrunde, die zu internationalem Handel führt.

Aus sogenannten komparativen Kostenvorteilen (von lat.: comparare = vergleichen) entstehen komparative Preisvorteile der Länder zueinander beim betrachteten Produktionsfaktor menschliche Arbeitskraft. Die Grundannahme ist die Existenz unterschiedlicher Arbeitsproduktivitäten und daraus resultierender unterschiedlicher Opportunitätskosten. Die Theorie der komparativen Kostenvorteile stellt insoweit eine Weiterentwicklung der Theorie der absoluten Kostenvorteile von Adam Smith dar.

Robert Torrens

Robert Torrens (* 1780 in Hervey Hill, Derry; † 27. Mai 1864 in London) war ein britischer Offizier und Ökonom.

Torrens vertrat gemeinsam mit David Ricardo die These, wonach die Basisgeldmenge begrenzt werden müsse. Die gegenteilige These, wonach der Geldbedarf einer Volkswirtschaft sich von alleine regeln würde, vertraten dagegen John Fullarton und Thomas Tooke.

Torrens wurde darüber hinaus als Schöpfer des „Terms of Trade“-Arguments bekannt, das besagt, dass ein Land mit bedeutendem Anteil an der Weltnachfrage (eines Gutes) durch die Erhebung von Zöllen die Weltnachfrage und damit den Weltmarktpreis beeinflussen und sich zusätzliche Wohlfahrt auf Kosten seiner Handelspartner aneignen könne. Torrens vertrat 1844 dies Argument im umgekehrten Zusammenhang: Die britische Regierung unter Robert Peel drohe durch die Abschaffung der Getreidezölle der nationalen Wohlfahrt Englands zu schaden, während sie nach dem Theorem des komparativen Vorteils der Weltwohlfahrt nütze. Torrens gilt daher gemeinsam mit John Stuart Mill als Schöpfer des Konzepts der Terms of Trade.

Nach ihm ist der River Torrens in South Australia benannt.

Sein Sohn Robert Richard Torrens war 1857 Premier von South Australia.

Theorien über den Mehrwert

Die Theorien über den Mehrwert gehen auf Manuskripte von Karl Marx zurück; sie wurden postum in den Jahren 1905 bis 1910 in einer Trilogie mit insgesamt 24 Kapiteln (MEW Bände 26.1 bis 26.3) veröffentlicht.

Wert (Wirtschaft)

Der Wert (auch: ökonomischer Wert, englisch value) ist in der Wirtschaftswissenschaft die sich aus Preisen ergebende, quantitativ messbare Bedeutung von Wirtschaftsobjekten (Güter, Forderungen und Dienstleistungen), die dem Tauschverhältnis eines Wirtschaftsobjekts zu einem anderen oder einem maximal akzeptablen Grenzpreis (Entscheidungswert) entspricht.

Ökonomische Theoriengeschichte

Die Ökonomische Theoriengeschichte oder Geschichte des ökonomischen Denkens betrachtet die Wirtschaftstheorie in der Vergangenheit und Gegenwart. Die Wirtschaftstheorie wird ebenfalls als Volkswirtschaftstheorie oder ökonomische Theorie bezeichnet und behandelt denjenigen Teilbereich der Volkswirtschaftslehre, der sich mit grundlegenden Abläufen und Zusammenhängen volkswirtschaftlicher Art befasst.

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