Czesław Miłosz

Czesław Miłosz [ˈt ͡ʂɛswaf ˈmiwɔʂ] () (* 30. Juni 1911 in Šeteniai (poln.: Szetejnie), Gouvernement Kowno, Russisches Kaiserreich (heute Litauen); † 14. August 2004 in Krakau, Polen) war ein polnischer Dichter. 1980 erhielt er den Nobelpreis für Literatur[1].

Czeslaw Milosz 3 ap
Czesław Miłosz (1999)

Leben

Die Familie gehörte dem alteingesessenen polnischen Landadel an. Czesław Miłosz absolvierte das Mittel- und Hochschulstudium in Wilna, das nach der 1920 erfolgten Besetzung durch Polen im Jahre 1922 zur Hauptstadt einer Woiwodschaft wurde. Das Studium der Literatur brach er ab, da ihm zufolge an dieser Fakultät so viele Frauen studierten, dass diese die „Heiratsabteilung“ genannt wurde. Widerwillig begann er stattdessen ein Jurastudium.

Seine ersten Gedichte wurden 1930 in der Studentenzeitung Alma Mater Vilnensis abgedruckt. Zwischen 1931 und 1934 gehörte er tonangebend den Żagary (dt. Reisig) an, einem dem polnischen Nationalismus kritisch gegenüberstehenden Kreis von Literaten. Dieser traf sich im Café Rudnicki, Treffpunkt polnischer Künstler, und gab ein Avantgardeblättchen gleichen Namens heraus, worin die Kunstrichtung des Katastrophismus propagiert wurde. 1933 erschien sein erster Gedichtband Poemat o czasie zastygłym (dt. Poem über eine erstarrte Zeit). Im folgenden Jahr schloss er das Studium ab, erhielt den ersten vieler literarischer Preise sowie ein Stipendium, das ihm erlaubte, sich in Paris ein Jahr lang weiterzubilden.

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg war er im Untergrund tätig, wofür er von Yad Vashem mit dem Titel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet wurde.

Zwischen 1945 und 1949 bekleidete er verschiedene Posten in diplomatischen Vertretungen der Volksrepublik Polen in New York City und Washington, D.C., 1950 wurde er nach Paris versetzt. Bei einem Ferienaufenthalt in Warschau wurde ihm im Dezember der Pass entzogen, den er nur dank Fürsprache einflussreicher Persönlichkeiten Ende Januar 1951 zurückerhielt. Am 1. Februar 1951 „sprang“ Miłosz „ab“ und erhielt in Frankreich politisches Asyl. 1953 erschien gleichzeitig in New York und Paris The Captive Mind (Verführtes Denken) in englischer Sprache. Das Buch analysiert anhand von vier Fallstudien (Alpha, Beta, Gamma, Delta) die ungeheure Anziehungskraft, die totalitäre Systeme auf die schreibende Zunft ausüben. „Die große Sehnsucht des freischwebenden Intellektuellen ist es, zur Masse zu gehören. Dies Bedürfnis ist so ungestüm, dass viele, die einst im faschistischen Deutschland oder Italien Inspirationen suchten, sich jetzt zum Neuen Glauben bekehrt haben“.[2] Dieser Stalldrang der Schreibenden macht es, laut Miłosz, allen Hausierern so leicht, jenen ihre Murti-Bing-Pillen anzudrehen (das Bild entlehnt er bei Witkiewicz). Am meisten verärgerte Miłosz jedoch die in Paris tonangebende Intelligentsia mit ihrer konsequenten Weigerung, sich, gleich anderen schreibenden Abgesprungenen, auf einen Dialog mit dem dialektischen Materialismus einzulassen. Er konzentrierte sich stattdessen darauf, die Auswirkungen dieser Methode zu beschreiben und zu analysieren. Die Methode selbst tat er kurz mit der alten Geschichte von der Schlange ab, die ohne Zweifel ein dialektisches Tier ist: „‚Papa, hat die Schlange einen Schwanz?‘ fragte der kleine Hans. ‚Nichts anderes als einen Schwanz‘, antwortete der Vater“.[3] – Einige Kritiker versuchten das Buch als eine Art Schlüsselroman und Personenkritik zu deuten, und versuchten aufzudecken, welche bekannten Leute Miłosz gemeint haben könnte, so z. B. Jerzy Putrament (als Gamma, „der Sklave der Geschichte“), Tadeusz Borowski (als Beta) und seinen ehemals guten Freund Jerzy Andrzejewski (als Alpha).

1960 wirkte Miłosz als Gastdozent im Department of Slavic Languages and Literatures an der University of California in Berkeley, wo er 1961 ordentlicher Professor wurde. Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt er 1970.[4]

1978 wurde ihm der Neustadt International Prize for Literature verliehen. Er gab die Lehrtätigkeit auf und wurde von seiner Universität mit der höchsten Anerkennung, The Berkeley Citation, ausgezeichnet. 1980 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, woraufhin die Zensur seiner Bücher im gleichen Jahr in Polen aufgehoben wurde. Im Juni 1981 betrat Miłosz nach 30 Jahren Exil wieder polnische Erde, kehrte bald darauf jedoch nach Berkeley zurück. Im Dezember wurden seine Bücher ein weiteres Mal verboten (siehe auch Kriegsrecht in Polen 1981–1983). Nach der Wende im Jahre 1989 pendelte Miłosz zwischen Krakau und Berkeley hin und her, bis er sich schließlich im Jahre 2000 endgültig in Krakau niederließ. Im selben Jahr sandte der Dichter Papst Johannes Paul II. eine Ode zum 80. Geburtstag am 18. Mai[5]. In seinen letzten Lebensjahren erläuterte Miłosz seine Ideen in einer Reihe von Dokumentarfilmen. Czesław Miłosz starb am 14. August 2004 in Krakau.

Auch in der Zeit seines Exils hat Miłosz seine Werke fast ausschließlich auf polnisch geschrieben. Das Gros seines dichterischen Werks liegt in englischer Übersetzung in Ausgaben von HarperCollins und Tate/Penguin vor. Die späteren Gedichte hat er in Zusammenarbeit mit Robert Hass selbst ins Englische übersetzt.[6]

Der Dichter im Urteil bedeutender Kollegen

Joseph Brodsky nennt ihn einen der größten, vielleicht den größten Dichter unserer Zeit.

Für Seamus Heaney gehört er zu den wenigen Menschen, die mehr von der Wirklichkeit wissen und sie auch besser aushalten können als alle andern.

Andrew Motion ist überzeugt davon, dass die Wende, die Ted Hughes mit Crow einleitete, sich ohne den Einfluss Miłosz' nicht erklären lässt.[7]

Tony Judt hielt ihn für den größten polnischen Dichter des 20. Jahrhunderts.[8]

Ehrungen

Werke in polnischer Sprache

  • 1930: Kompozycja (Komposition)
  • 1930: Podróż (Reise)
  • 1933: Poemat o czasie zastygłym
  • 1936: Trzy zimy (Drei Winter)
  • 193?: Obrachunki
  • 1940: Wiersze (Gedichte)
  • 1942: Pieśń niepodległa
  • 1945: Ocalenie
  • 1947: Traktat moralny
  • 1953: Zniewolony umysł (Verführtes Denken)
  • 1953: Zdobycie władzy (Das Gesicht der Zeit)
  • 1953: Światło dzienne (Tageslicht)
  • 1955: Dolina Issy (Das Tal der Issa) – basiert auf den Kindheitserlebnissen des Autors im Tal der Nevėžis
  • 1957: Traktat poetycki
  • 1958: Rodzinna Europa (West- und Östliches Gelände)
  • 1958: Kontynenty
  • 1961: Człowiek wśród skorpionów (Mensch unter Skorpionen)
  • 1961: Król Popiel i inne wiersze (König Popiel und andere Gedichte)
  • 1965: Gucio zaczarowany
  • 1969: Widzenia nad zatoką San Francisco
  • 1969: Miasto bez imienia (Stadt ohne Namen)
  • 1972: Prywatne obowiązki (Private Verpflichtungen)
  • 1974: Gdzie słońce wschodzi i kędy zapada (Wo die Sonne aufgeht und wo sie versinkt)
  • 1977: Ziemia Ulro
  • 1979: Ogród nauk
  • 1982: Hymn o perle
  • 1984: Nieobjęta ziemia
  • 1987: Kroniki (Chroniken)
  • 1985: Zaczynając od moich ulic
  • 1989: Metafizyczna pauza
  • 1991: Dalsze okolice (Weit entfernte Gegenden)
  • 1991: Poszukiwanie ojczyzny (Suche nach der Heimat)
  • 1991: Rok myśliwego (Jahr des Jägers)
  • 1992: Szukanie ojczyzny
  • 1994: Na brzegu rzeki (Am Flussufer)
  • 1996: Legendy nowoczesności
  • 1997: Życie na wyspach (Leben auf den Inseln)
  • 1997: Piesek przydrożny (Hündchen am Wegesrand)
  • 1997: Abecadło Miłosza (Miłosz-Alphabet)
  • 1998: Inne abecadło (Anderes Alphabet)
  • 1999: Wyprawa w dwudziestolecie
  • 2000: To
  • 2003: Orfeusz i Eurydyka

Werke in deutscher Übersetzung

  • Verführtes Denken, Kiepenheuer & Witsch, Köln, Berlin 1953, OCLC 600704050
  • Das Gesicht der Zeit. Europa-Verlag, Köln, Berlin 1953, OCLC 7335938
  • Das Tal der Issa. Kiepenheuer & Witsch, Köln, Berlin 1957, OCLC 720107898
  • West und Östliches Gelände. Kiepenheuer & Witsch, Köln, Berlin 1961, OCLC 601469659
  • Lied vom Weltende. Gedichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln, Berlin 1966, OCLC 468842693
  • Das Land Ulro. Kiepenheuer & Witsch, 1977, ISBN 3-462-01501-X
  • Zeichen im Dunkel. Poesie und Poetik. Suhrkamp, 1979, ISBN 3-518-10995-2
  • Geschichte der Polnischen Literatur. Verl. Wiss. u. Pol., 1981, ISBN 3-8046-8583-8
  • Gedichte 1933–1981. Suhrkamp, 1982, ISBN 3-518-03648-3
  • Das Zeugnis der Poesie. Carl Hanser, 1984, ISBN 3-446-13949-4
  • Gedichte. Suhrkamp, 1992, ISBN 3-518-22090-X
  • Straßen von Wilna. Carl Hanser, 1997, ISBN 3-446-18945-9
  • Hündchen am Wegesrand. Carl Hanser, 2000, ISBN 3-446-19914-4.
  • Mein ABC. Hanser Belletristik, 2002, ISBN 3-446-20133-5
  • DAS und andere Gedichte. Carl Hanser, 2004, ISBN 3-446-20472-5
  • Visionen an der Bucht von San Francisco: Amerikanische Essays. Suhrkamp, 2008, ISBN 3-518-41993-5
  • Gedichte. Carl Hanser, 2013, ISBN 3-446-24181-7

Literatur

  • Ralf Georg Czapla: Warschau, Ostern 1943. Czesław Miłosz' Shoa-Gedicht «Campo di Fiori». In: Zeitschrift für Ideengeschichte, Heft V/2, Sommer 2011, S. 39–46.
  • Christian Heidrich: Strategien gegen die Sterblichkeit. Czeslaw Milosz sucht Gnade in der Schwerkraft. In: Akzente, Heft 3, Juni 2007, 230–248.
  • Ulrike Jekutsch (Hrsg.): Glaubensfragen. Religion und Kirche in der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06454-5 (Insbesondere S. 25–67.).
  • Andreas Lawaty, Marek Zybura (Hrsg.): Czesław Miłosz im Jahrhundert der Extreme. Ars poetica – Raumprojektionen – Abgründe – Ars translationis (= Studia Brandtiana. Band 8). fibre, Osnabrück 2013, ISBN 978-3-938400-85-2.
  • Rafał Pokrywka: Drei autobiografische Dimensionen der Essayistik von Czesław Miłosz. In: Studia Germanica Gedanensia, Bd. 32/2015, S. 113–121.
  • Natacha Royon: Wiederkehr im Wort. Östliche Erinnerungsorte in Werken von Czeslaw Milosz u.a. Hamburg 2008.
  • Andrzej Wierciński: Der Dichter in seinem Dichtersein. Versuch einer philosophisch-theologischen Deutung des Dichterseins am Beispiel von Czeslaw Milosz. Frankfurt/M. 1997.
  • Czeslaw Miłosz, In: Internationales Biographisches Archiv 48/2004 vom 27. November 2004, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Czesław Miłosz, Polish-American author – Encyclopaedia Britannica.
  2. Czeslaw Milosz: Verführtes Denken. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1959, S. 20
  3. Czeslaw Milosz: Verführtes Denken. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1959, S. 61
  4. Osteuropa. Deutsche Verlags-Anstalt. 2004, Band 54, Ausgaben 7–8, S. 9
  5. Andreas Dorschel: Es ist eine Lust zu beichten, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 192 (20. August 2004), S. 14.
  6. Czesław Miłosz: New and Collected Poems (1931-2001). HarperCollins, New York 2001
  7. Nicholas Roe: Czesław Miłosz A Century's Witness. In The Guardian Profile, 10. November 2001
  8. Tony Judt: Captive Minds. In New York Review of Books, 30. September 2010, Seiten 8–10, hier: 8
  9. Members: Czesław Miłosz. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 15. April 2019.
Andrzej Franaszek

Andrzej Franaszek (* 28. April 1971 in Krakau) ist ein polnischer Literaturwissenschaftler, Literaturkritiker und Publizist. In seinen wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigt er sich vorwiegend mit der zeitgenössischen polnischen Literatur, insbensondere mit Zbigniew Herbert und Czesław Miłosz.

Czesław Point

Der Czesław Point (polnisch Przylądek Czesława) ist eine Landspitze an der Nordküste von King George Island im Archipel der Südlichen Shetlandinseln. Sie erstreckt sich nordnordöstlich des Miłosz Point vom Brimstone Peak zwischen der Venus Bay und der Emerald Cove in nördlicher Richtung.

Polnische Wissenschaftler benannten sie 1984 nach dem polnischen Dichter und Nobelpreisträger Czesław Miłosz (1911–2004).

Doreen Daume

Doreen Daume (* 20. Juli 1957 in Dortmund; † 2. Mai 2013 in Wien) war eine deutsche Übersetzerin polnischer Literatur. Sie publizierte auch eigene Texte.

Edward Możejko

Edward Możejko (* 1932) ist ein polnischer Literaturwissenschaftler.

Możejko emigrierte 1968 nach Kanada. Bis 1998 war er Professor für Slawistik an der University of Alberta. Er unterrichtete außerdem an der Universität Aarhus, der Universität Hokkaidō in Sapporo und der Jagiellonen-Universität. Das Spezialgebiet Możejkos ist die slawische Literatur des 20. Jahrhunderts. Sein Buch Der sozialistische Realismus : Theorie, Entwicklung und Versagen einer Literaturmethode, das 1977 in deutscher Sprache erschien, gilt als erste bedeutende westliche Monographie zum Thema Sozialistischer Realismus. Von 1991 bis 2002 war er Herausgeber der vierteljährlich erscheinenden Canadian Slavonic Papers.

Insgesamt veröffentlichte Możejko etwa 250 Studien und Monographien u. a. über Wassili Pawlowitsch Aksjonow, Czesław Miłosz und Tadeusz Konwicki sowie die bulgarischen Schriftsteller Jordan Jowkow und Iwan Wasow. Die St.-Kliment-Ohridski-Universität Sofia zeichnete ihn mit einem Ehrendoktortitel aus. Paul Duncan Morris gab 2002 die ihm gewidmete Sammlung A World of Slavic Literatures: Essays in Comparative Slavic Studies heraus.

Kultura (Paris)

Kultura war die wichtigste Zeitschrift der polnischen Emigration, der Polonia, nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie hatte einen prägenden Einfluss auf das geistige und politische Leben Polens.

Kultura erschien in den Jahren 1947 bis 2000 und war maßgeblich verbunden mit der Person des Redakteurs Jerzy Giedroyc (1906–2000). Er hatte 1946 in Rom den Verlag Instytut Literacki gegründet, der sich mit der Förderung polnischer Literatur im Ausland beschäftigen sollte. Hier erschien im Juni 1947 auch die erste Nummer der Kultura. Zweiter verantwortlicher Leiter des ersten Heftes war der Schriftsteller Gustaw Herling-Grudziński. Bereits einen Monat später zog die gesamte Equipe in die Nähe von Paris in den Ort Maisons-Laffitte um, wo die Zeitschrift ab dem Herbst 1947 bis zu ihrem Ende monatlich erschien.

Neben Giedroyc wirkten an ihr die Schriftsteller Józef Czapski, Zygmunt Hertz und Zofia Hertz mit. Schon bald zeichnete sich ab, dass sich um die charismatische Figur Giedroyc, der für die Traditionen eines liberalen und demokratischen Polens und ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn in West und Ost stand, führende Vertreter des kulturellen Lebens der Polen in der Emigration sammeln sollten. Einer der engsten Mitarbeiter nach seiner Flucht war der spätere Literaturnobelpreisträger Czesław Miłosz. Zu denjenigen, die in den Folgejahren so entschieden vom „Kultura“-Milieu profitierten, waren weltbekannte Schriftsteller wie Witold Gombrowicz oder Marek Hłasko, aber auch für den polnischen Kontext wichtige Autoren wie Andrzej Bobkowski, Jerzy Stempowski oder der Publizist Juliusz Mieroszewski.

Seit 1953 erschien parallel auch eine Buchreihe, die Biblioteka Kultury, und seit 1962 die historische Fachzeitschrift Zeszyty Historyczne.

Als wegweisend für die Entwicklung nach 1989 wurden die besonderen Themenausgaben der „Kultura“, die sich u. a. mit dem polnisch-deutschen, dem polnisch-russischen, vor allem aber mit dem polnisch-ukrainischen Verhältnis beschäftigten. Die polnisch-ukrainische Aussöhnung nach dem Fall des Kommunismus, besonders aber nach der orangefarbenen Revolution von 2004 wäre ohne die geistige Vorbereitung durch die Kultura nicht möglich gewesen. Gleiches gilt für das Verhältnis Polens zu Litauen. Giedroyc wurde für seine Verdienste um die Annäherung der beiden Länder im Jahre 1997 zum Ehrenbürger Litauens ernannt.

Giedroyc’ Tod am 14. September 2000 bedeutete auch das Ende für die Zeitschrift.

Marek Zybura

Marek Henryk Zybura (* 5. Juli 1957 in Nisko, Südpolen) ist ein polnischer Germanist, Literaturhistoriker, Hochschullehrer und Herausgeber.

Nach der Matura in dem Liceum in Nisko studierte Marek Zybura von 1976 bis 1980 Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Breslau und der Universität Wien. Von 1981 bis 1989 war er im Institut der Germanistischen Philologie der Universität Breslau als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Im Jahr 1989 promovierte er mit der Dissertation Die literarische Vermittler-Rolle Ludwig Tiecks als Übersetzer und Herausgeber. Sein Beitrag zur frühromantischen Idee der Weltliteratur an der Universität Breslau zum Doktor (Dr. phil.). Im Jahr 1997 erfolgte an der Universität Breslau die Habilitation mit der Habilitationsschrift August Scholtis. Untersuchungen zu Leben – Werk – Wirkung. Danach lehrte er ab 2002 als Titularprofessor.

Für die Arbeiten auf dem Gebiet der deutschen Romantikforschung verlieh ihm 1990 die Eichendorff-Gesellschaft den Oskar-Seidlin-Preis. Von 1998 bis 2004 unterrichtete er als Professor für deutsche Literaturgeschichte und Kulturwissenschaft am Institut der Germanistischen Philologie an der Universität Oppeln. Marek Zybura ist seit 2004 der Leiter des Lehrstuhls für Germanistik am Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien an der Universität Breslau. Er lehrte als Gastprofessor an Hochschulen in Leipzig, Düsseldorf, und Dresden. Seit 2010 ist er ein korrespondierendes Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste sowie langjähriges Mitglied beim polnischen P.E.N.-Club.

Marek Zybura gab Epistolografien, Monografien und literarische Biografien über Gustav Freytag, Theodor Molinari (1803–1867), Otto Forst de Battaglia, Reiner Kunze, Hubert Orłowski, Tadeusz Różewicz, Witold Gombrowicz, Czesław Miłosz, Rainer Maria Rilke und Heinrich Kunstmann heraus. Mit Maria Katarzyna Lasatowicz gab er die von 1999 bis 2004 erschienenen Oppelner Beiträge zur Germanistik heraus. Ein weiterer Aspekt seines Wirkens sind die deutsch-polnischen Beziehungen.

Mikołaj Rej

Mikołaj Rej (auch Mikołaj Rey; * 4. Februar 1505 in Żurawno bei Halicz; † zwischen 8. September und 5. Oktober 1569) war ein bedeutender polnischer Dichter, Poet und Politiker der Renaissance des 16. Jahrhunderts.

Miłosz Point

Der Miłosz Point ist eine Landspitze an der Nordküste von King George Island im Archipel der Südlichen Shetlandinseln. Sie erstreckt sich südsüdwestlich des Czesław Point vom Brimstone Peak in die Venus Bay

Polnische Wissenschaftler benannten sie 1984 nach dem polnischen Dichter und Nobelpreisträger Czesław Miłosz (1911–2004).

Natalka Sniadanko

Natalka Wolodymyriwna Sniadanko (ukrainisch Наталка Володимирівна Сняданко; * 20. Mai 1973 in Lemberg) ist eine ukrainische Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin. Sie studierte an der Iwan-Franko-Universität in Lemberg und in Freiburg im Breisgau. Ihr Debütroman Sammlung der Leidenschaften (Колекція пристрастей) erschien 2001. Sie übersetzt vom Deutschen (darunter Max Goldt und Günter Grass) und Polnischen (u. a. Zbigniew Herbert, Czesław Miłosz) ins Ukrainische. Als Journalistin erschienen Artikel von ihr unter anderem in der Süddeutschen Zeitung. Natalka Sniadanko lebt in Lemberg.

Olga Orozco

Olga Orozco (eigentliche Olga Noemí Gugliotta; * 17. März 1920 in Toay, La Pampa; † 15. August 1999 in Buenos Aires) war eine argentinische Dichterin.

Sie arbeitete als Journalistin und ihre Werke wurden beeinflusst von Arthur Rimbaud, Gérard de Nerval, Charles Baudelaire, Czesław Miłosz oder Rainer Maria Rilke.

Ostragehege (Zeitschrift)

Ostragehege ist eine Literaturzeitschrift, die sich u. a. der Begegnung von mittel- und osteuropäischen Kulturen widmet und 1994 zum ersten Mal erschien.

Panorama von Racławice

Das Panorama von Racławice (poln. Panorama Racławicka) befindet sich als einziges polnisches Kunstwerk seiner Art in Breslau und gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es ist 15 m × 114 m = 1710 m² groß. Das Panoramabild zeigt den Sieg der polnischen Armee über die russische 1794 in der Schlacht bei Racławice unter Führung des polnischen Generals Tadeusz Kościuszko.

Das Bild wurde anlässlich des 100. Jahrestages der Schlacht nach nur neunmonatiger Entstehungsgeschichte am 5. Juni 1894 anlässlich einer Nationalausstellung in Lwów (Lemberg) veröffentlicht. Der Ideengeber war der bekannte Lemberger Maler Jan Styka, der mit dem Schlachtenmaler Wojciech Kossak die Federführung innehatte. Weitere Mitwirkende waren: Teodor Axentowicz, Ludwig Boller, Tadeusz Popiel, Zygmunt Rozwadowski, Michał Sozański, Włodzimierz Tetmajer und Wincenty Wodzinowski.

Das Bild war lange ein touristischer Höhepunkt der Stadt Lemberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es im Jahr 1946 unter Geheimhaltung zerlegt nach Breslau verbracht, wo es viele Jahre in einem Versteck blieb. Da es eine Niederlage der russischen Armee zeigt, befürchteten die Behörden eine Verschlechterung der sowjetisch-polnischen Beziehungen. Erst nach der Lockerung der politischen Lage wurde es herausgeholt. Es wird in einem neuen Gebäude ausgestellt, welches seit 1968 nach den Plänen des Architekten Marek Dziekoński gebaut und erst in den 1980er Jahren fertiggestellt wurde. Die Bauarbeiten wurden aus finanziellen und politischen Gründen verzögert, die offizielle Eröffnung erfolgte am 14. Juni 1985, seitdem zählt das Panorama zu den meistbesuchten Ausstellungen in Polen. Die erste Million war im August 1987 erreicht und bis September 2004 stieg die Besucherzahl auf sechs Millionen, darunter Persönlichkeiten wie der polnische Papst Johannes Paul II., die Königin Beatrix und der Nobelpreisträger Czesław Miłosz.

Poetry Glacier

Der Poetry Glacier (polnisch Lodowiec Poezji ‚Poesie-Gletscher‘) ist ein Gletscher an der Nordküste von King George Island im Archipel der Südlichen Shetlandinseln. Er fließt zunächst in nördlicher, dann in nordwestlicher Richtung zur Venus Bay.

Wissenschaftler einer polnischen Antarktisexpedition benannten ihn 1984 in Anlehnung an die Benennung des Miłosz Point, der nach dem polnischen Dichter und Nobelpreisträger Czesław Miłosz (1911–2004) benannt ist. Das UK Antarctic Place-Names Committee übertrug die Benennung des Gletschers im Jahr 2003 ins Englische.

Polnische Literatur

Der Begriff polnische Literatur umfasst ca. 1000 Jahre Schrifttum. Bereits im 12. Jahrhundert entstanden die ersten lateinischen Chroniken des polnischen Mittelalters, ferner Heiligenviten, anonyme Gedichte und Lieder, welche aber selten niedergeschrieben wurden.

Als Vater der polnischen Literatur gilt der Dichter und Erzähler Mikołaj Rej, der im 16. Jahrhundert lebte und der erste war, der seine Texte auf Polnisch verfasste. Mit seinen Worten A niechaj narodowie wżdy postronni znają, iż Polacy nie gęsi, iż swój język mają (auf Deutsch ungefähr: Mögen die Nationen der Welt wissen, dass Polen keine Gänse sind, dass sie ihre eigene Sprache haben) wollte er einerseits das Interesse der Polen an der eigenen Sprache wecken, andererseits zeigen, dass man in Polen nicht auf Latein zu schreiben braucht. Bis dahin war fast ausschließlich Latein als amtliche Schriftsprache in Gebrauch.

Stanisław Brzozowski (Philosoph)

Stanisław Brzozowski (* 28. Juni 1878 in Maziarnia bei Chełm, Russisches Kaiserreich; † 30. April 1911 in Florenz) war ein polnischer Philosoph.

Brzozowski entwickelte seine Philosophie weitgehend unter dem Einfluss der Philosophen Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte, später Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Henri Bergson und William James. Seine Auseinandersetzung mit dem Historischen Materialismus brachte ihn Georges Sorel und Antonio Labriola nahe. Ein Hauptbegriff seiner Philosophie wurde, ausgehend von Marx, die Arbeit.

Brzozowski starb an Tuberkulose, die er sich infolge längerer Haft in einem zaristischen Gefängnis wegen Aktivitäten in der polnischen Unabhängigkeitsbewegung zuzog. 1908 verdächtigte ihn der russische Schriftsteller Wladimir Burzew öffentlich der Mitarbeit bei der zaristischen Ochrana. Die Anschuldigungen wurden in zahlreichen Publikationsorganen der Arbeiterbewegung wiederholt. Die polnischen Schriftsteller Karol Irzykowski, Ostap Ortwin und Wacław Nałkowski verteidigten Brzozowski und verfassten eine Denkschrift. Auch Stanisław Przybyszewski solidarisierte sich mit Brzozowski. Die Anschuldigungen blieben unaufgeklärt, beschleunigten aber den gesundheitlichen Zusammenbruch Brozowskis.Brzozowskis Arbeiten beeinflussten zahlreiche polnische Intellektuelle wie Andrzej Trzebiński, Czesław Miłosz und Stanisław Ignacy Witkiewicz.

Tomas Venclova

Tomas Venclova (* 11. September 1937 in Memel, Litauen) ist ein litauischer Dichter, Schriftsteller und Übersetzer. Er ist der Sohn des Politikers und Schriftstellers Antanas Venclova.

Zbigniew Turek

Zbigniew Turek (Pseudonym: Adam Śreżoga; * 1917; † 1997) war ein polnischer Dichter. Sein wohl bekanntestes Gedicht heißt Runą (dt. „Sie werden fallen“) und wurde einst fälschlicherweise Czesław Miłosz zugeschrieben.

Šeteniai

Seteniai (poln. Szetejnie) ist ein kleines litauisches Dorf in der Gemeinde Kėdainiai, Bezirk Kaunas.

Es hat etwa 30 Einwohner und liegt etwa in der Mitte Litauens links des Flusses Nevėžis, 13 km nördlich von Kedainiai und rund 70 km nördlich von Kaunas.

Der Ort ist bekannt als Geburtsort des polnischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Czesław Miłosz. Seit 1999 gibt es ein Kulturzentrum zu Ehren des Autors.

Żagary

Żagary (polnisch für Feuersbrunst) war eine polnische Literaturzeitschrift, die 1931–1934 in Vilnius erschien und von Stanisław Mackiewicz herausgegeben wurde. Um die Zeitschrift entstand eine gleichnamige literarische Gruppe, zu der u. A. Teodor Bujnicki, Henryk Dembiński, Antoni Gołubiew, Mieczysław Jastrun, Czesław Miłosz, Aleksander Rymkiewicz und Jerzy Zagórski gehörten. In ihren Texten reflektierten sie die krisenhafte Situation der polnischen Gesellschaft in den frühen 1930er Jahren.

Literaturnobelpreisträger

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