Codex von Aleppo

Der Codex von Aleppo (hebräisch כתר ארם צובא, Keter („Krone“) Aram Tzova) war bis zu seiner Beschädigung im Jahre 1947 das älteste vollständige Manuskript der masoretischen hebräischen Bibel. Er umfasst jetzt noch 295 von ursprünglich 491 Blättern und befindet sich in Jerusalem im Israel Museum im Schrein des Buches.[1]

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Die Chronik sowie Anfang der Psalmen als pdf, im Bild: Anfang der Chronik

Entstehung

Der ursprüngliche Text des Codex bestand nur aus Konsonanten und wurde ca. 920 n. Chr. in oder bei Tiberias (Israel) von Sch'lomo ben Buya'a abgeschrieben. Diese Abschrift wurde durch den Masoreten Aaron ben Mosche ben Ascher überprüft, vokalisiert und mit masoretischen Anmerkungen versehen. Aaron war das letzte und berühmteste Mitglied der Grammatikerfamilie Ben Ascher aus Tiberias, die die genaueste Fassung der Masorah und mithin der Hebräischen Bibel formte.

Die Handschrift war von Anfang an als Mustercodex vorgesehen. Nur an Passah, Schawuot (=Wochenfest) und Laubhüttenfest sollte aus ihr vorgelesen werden; ansonsten stand sie nur Gelehrten für die Klärung von Zweifelsfragen zur Verfügung. Für das „normale“ Bibelstudium war sie nicht gedacht.

Geschichte

Mitte des 11. Jahrhunderts, etwa ein Jahrhundert nachdem er geschrieben wurde, kam der Codex in die Hände der Karäergemeinschaft von Jerusalem, anscheinend nachdem er den Erben des Aaron ben Ascher abgekauft wurde. Nicht lange danach wurde er als Beute aus Jerusalem mitgenommen (entweder 1071 von den Seldschuken oder 1099 von den Kreuzfahrern) und tauchte schließlich in der Rabbanitensynagoge in Kairo wieder auf, wo er von Maimonides benutzt wurde. Maimonides’ Nachkommen brachten ihn Ende des 14. Jahrhunderts nach Aleppo (Syrien). Die Gemeinde in Aleppo hütete ihn sechs Jahrhunderte lang so sorgfältig, dass es für Außenstehende fast unmöglich war, ihn zu untersuchen. Insbesondere wurde stets die Erlaubnis zur kompletten Verfilmung verweigert. Nachträglich stellte sich jedoch heraus, dass dennoch Fotografien einzelner Seiten existieren, so aus den Jahren 1887 (Gen 26,37–27,30) und 1910 (Dt 4,38–6,3).[2]

Während des Pogroms von Aleppo im Dezember 1947 wurde die Aleppiner Zentralsynagoge in Brand gesetzt und zerstört.[3] Der Codex wurde beschädigt und ging verloren.[4] Die genauen Umstände der Beschädigung und der Verbleib in den Folgejahren sind bis heute strittig. Die Juden von Aleppo behaupten, die fehlenden Blätter seien verbrannt; andererseits zeigen die erhaltenen Blätter kein Anzeichen einer Feuereinwirkung. Die heute sichtbaren dunklen Flecken an den Seitenrändern und -ecken beruhen auf Pilzbefall.

Im Januar 1958 wurde der Codex unter nicht ganz geklärten Umständen nach Jerusalem gebracht, wo er sich heute noch befindet. Ein massiver Streit entbrannte über die Berechtigung des Boten, den Codex an das Israel-Museum zu übergeben. Aus Aleppo stammende Rabbiner vertreten die Auffassung, dass der Codex nur ihnen hatte übergeben werden sollen.[5] Am 31. Dezember 1981 wurde dem Vorstand der Handschriftenabteilung an der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek ein Blatt aus den Chronikbüchern übergeben. Der Teil einer Seite aus dem Buch Exodus wurde 1987 den Gelehrten des Ben-Zvi Instituts bekannt. Im November 2007 tauchte eine weitere Seite auf. Sie war bei dem Brand der Synagoge im Jahr 1947 gerettet worden.[6] Das Auftauchen dieser bisher verschollenen Seiten könnte bedeuten, dass auch weitere Blätter noch irgendwo vorhanden sind. So vermuten einige Gelehrte, die immer noch fehlenden Blätter könnten 1947 von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde herausgerissen und privat versteckt worden sein.

Dem steht die Annahme gegenüber, dass der Codex 1958 nahezu vollständig an das Israel-Museum übergeben wurde. Der Leiter des Ben-Zwi-Instituts am Israel Museum, Meir Benayahu, hat niemals einen ordentlichen Katalog der eintreffenden Bücher zusammengestellt, und in seiner Amtszeit bis zu seiner Entlassung unter ungeklärten Umständen im Jahre 1970 sind zahlreiche Manuskripte aus den Beständen verschwunden.[5] Der israelische Fachjournalist für archäologische und religiöse Themen Matti Friedman schreibt dazu in seinem Buch Der Aleppo-Codex: „Uns bleibt nur diese eine Tatsache: Die Krone von Aleppo kam Ende Januar 1958, also zu einem Zeitpunkt, als das Fehlen eines bedeutenden Teils der Handschrift noch nirgends dokumentiert war, in die Obhut einer Bibliothek, in der die Bücher nicht sicher waren. Im März desselben Jahres galten 200 Seiten als vermisst. Im Lauf der Jahrzehnte ließen die Wissenschaftler des Ben-Zwi-Instituts die Öffentlichkeit immer wieder wissen, dass sie überall auf der Welt nach den fehlenden Teilen suchten. Sie suchten im alten Aleppo, in Brooklyn, São Paolo und Rio de Janeiro. Sie baten einen Hellseher in der Schweiz, den Fundort auf Landkarten des südlichen Libanon auszupendeln. Sie schauten, wie es scheint, überallhin – nur nicht in den Spiegel.“[7]

Ein Sammler von Judaica behauptete 1993, dass ihm Mitte der 1980er Jahre in Jerusalem ein Bestand von 70 bis 100 Seiten aus dem Aleppo Codex zum Kauf angeboten wurde. Er habe den geforderten Preis nicht zahlen wollen, so dass der Bestand an einen Sammler in London gegangen sei, dessen Namen er nicht preisgeben würde.[5]

In einem Bericht der New York Times vom 25. Juli 2012 wurde seitens des Museums betont, der Codex sei in „bemerkenswert gutem Zustand“ (remarkably excellent condition).[5]

Umfang

Das Buch, das 1958 nach Israel geschmuggelt wurde, umfasste 294 beidseitig beschriebene Blätter. Es fehlen wesentliche Teile des Anfangs (Pentateuch)[8] und am Ende der Handschrift sowie einzelne Seiten aus der Mitte. Insgesamt wurden 196 von ursprünglich 491 Seiten vermisst.[9]

Der jetzige Textbestand beginnt mit dem letzten Wort des 4. Buch Mose in Kapitel 28, Vers 17 (ומשארתך, „und dein Backtrog“).

Es folgen die Bücher Josua, Richter, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige, Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Hosea, Joel, Amos, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Sacharja, Maleachi, 1. und 2. Chronik, Psalmen, Hiob, Sprichwörter, Ruth, Hoheslied.

Das letzte Blatt endet mit בנות ציון in Hoheslied 3,11 („kommt heraus und sehet, ihr Töchter Zions...“).

Es fehlen namentlich: Das Ende des Hohelieds, Kohelet, Klagelieder Jeremias, Ester, Daniel und Esra/Nehemia.

Das Fehlen der Seiten ist offenbar auf die Beschädigung im Jahre 1947 zurückzuführen.[8]

Bedeutung

Der Codex von Aleppo wird von vielen jüdischen Gruppierungen als autoritativste Quelle sowohl für den biblischen Text wie auch für die Vokalisation und Kantillation betrachtet, da er nachweislich am getreuesten den masoretischen Prinzipien der Ben-Ascher-Schule folgt. Er wird auch als das autoritativste Dokument der Masorah („Überlieferung“) betrachtet, der Tradition, durch die die Hebräischen Schriften über die Generationen hinweg bewahrt wurden. Siehe auch masoretischer Text.

Diese Bewertung stützt sich darauf, dass der Codex von Aleppo jenes Manuskript war, das der Rabbi und Gelehrte Maimonides (1135–1204) benutzte, als er in seiner Mischneh Torah die genauen Regeln für das Schreiben von Torahrollen festlegte (Hilkot Sefer Torah, „Die Gesetze der Torahrolle“). Allerdings zitierte Maimonides ihn nur für die Abschnittseinteilung und andere Formatierungsfragen, aber nicht für den Textwortlaut selbst. „Der Codex, den wir bei diesen Arbeiten benutzten, ist der in Ägypten bekannte Codex, der in Jerusalem war und 24 Bücher umfasst“, schrieb er.

Die Arbeit von Moshe Goshen-Gottstein an den wenigen erhaltenen Seiten der Torah scheint zu bestätigen, dass der Codex von Aleppo in der Tat die von Maimonides benutzte Handschrift war. In der Einleitung zu seinem Faksimile-Nachdruck des Codex bewertet Goshen-Gottstein den Codex von Aleppo nicht nur als den ältesten einbändigen Tanach, sondern als den ersten kompletten Tanach, der von einem oder zwei Leuten als einheitliches Werk in einem konsequenten Stil hergestellt wurde.

In der christlichen Bibelwissenschaft wird der Codex von Aleppo als einer der wichtigsten und ältesten Zeugen des masoretischen Textes gesehen und in wissenschaftlichen Textausgaben mit herangezogen.

Seit 2015 gehört der Codex zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Moderne Ausgaben

Der Codex von Aleppo ist die Quelle mehrerer moderner Ausgaben der Hebräischen Bibel, darunter die Ausgabe von Mordechai Breuer, das Hebrew University Bible Project (bisher [Stand 2006] erschienen: Jesaja, Jeremia, Ezechiel) und die „Jerusalem Crown“: Letztere folgt dem Seiten-Layout des Codex, bietet einen auf Breuers Arbeit basierenden Text und wurde 2000 in Jerusalem gedruckt. Dabei wurde eine neu entworfene Type verwendet, die auf der Kalligraphie des Codex aufbaut.

Diese Bibelausgabe wird in Israel bei der Vereidigung des Staatspräsidenten benutzt.

Siehe auch

Literatur

  • Matti Friedman: The Aleppo Codex: In Pursuit of One of the World’s Most Coveted, Sacred, and Mysterious Books. Algonquin Books: Chapel Hill 2012. ISBN 978-1-61620-040-4
  • Moshe Goshen-Gottstein: The Authenticity of the Aleppo Codex, in: Textus 1 (1960), S. 17–58.
  • Hayim Tawil, Bernard Schneider: Crown of Aleppo: The Mystery of the Oldest Hebrew Bible Codex. Jewish Publication Society: Philadelphia 2010. ISBN 978-0-8276-0895-5
  • Ernst Würthwein: Der Text des Alten Testaments. Eine Einführung in die Biblia Hebraica. 4. erweiterte Auflage. Württembergische Bibelanstalt, Stuttgart 1974, ISBN 3-438-06006-X.
  • Israel Yeivin: The Aleppo Codex of the Bible: A Study of its Vocalization and Accentuation (= Publications of the Hebrew University Bible Project, Monograph Series 3). Magnes Press: Jerusalem 1968.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Rival Owners, Sacred Text, Wall Street Journal. 12. Juni 2013. Abgerufen am 24. Juli 2017.
  2. Ernst Würthwein: Der Text des Alten Testaments, S. 39 Fußnote 3
  3. Benny Morris: 1948: a history of the first Arab-Israeli war. Yale University Press, 2008, S. 412 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 24. Juli 2017]).
  4. Hayim Tawil, Bernard Schneider: Crown of Aleppo: The Mystery of the Oldest Hebrew Bible Codex. Hrsg.: Jewish Publication Society. 2009, ISBN 978-0-8276-0895-5, S. 163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 24. Juli 2017]).
  5. a b c d New York Times: The Aleppo Codex Mystery, 25. Juli 2012
  6. Abenteuer Archäologie online, 7. November 2007
  7. Matti Friedman: Der Aleppo-Codex. Eine Bibel, der Mossad und das Staatsgeheimnis Israels. Herder, Freiburg 2012, ISBN 978-3-451-32539-7, S. 277.
  8. a b Yosef Ofer: The Aleppo Codex Introduction auf der Seite des Online-Projekts
  9. The Aleppo Codex The Extant Parts of the Aleppo Codex auf der Seite des Online-Projekts
Aleppo

Aleppo (arabisch حلب, DMG Ḥalab; französisch Alep; kurdisch(Kurmandschi) Helebê; türkisch Halep; armenisch Հալէպ; aramäisch ܚܠܒ Halab; in der Antike zeitweise Beroia) ist eine Stadt im Norden Syriens. Aleppo ist gleichzeitig Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements Aleppo. Im Jahr 2006 erhielt Aleppo nach Mekka als erster Ort die Bezeichnung Hauptstadt der Islamischen Kultur.

Die Stadt hatte 2008 knapp 1,7 Millionen Einwohner in den Stadtgrenzen und 2010 rund 2,5 Millionen Einwohner mit Vororten. Sie war damit nach Damaskus die zweitgrößte Stadt Syriens. Außerdem ist Aleppo eine der ältesten Städte in der Region und nimmt einen strategischen Punkt zwischen dem Mittelmeer und dem Euphrat ein. Ursprünglich wurde sie auf einer Hügelgruppe in einer breiten fruchtbaren Senke auf beiden Seiten des Flusses Quwaiq erbaut.

Im Zuge des Bürgerkrieges in Syrien war die Stadt Aleppo von Sommer 2012 bis Dezember 2016 umkämpft. Seit dem 22. Dezember 2016 wird die Stadt von Truppen der syrischen Regierung kontrolliert. Weite Teile der Stadt sind zerstört und ein großer Teil der Bewohner war geflüchtet. Laut der UN und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) ist in den ersten 7 Monaten nach dem Sieg der syrischen Armee der Großteil von ihnen bereits wieder zurückgekehrt.

Aleppo (Begriffsklärung)

Aleppo steht für:

Aleppo, syrische Stadt

Flughafen Aleppo

Universität Aleppo

Gouvernement Aleppo, Syrien

Vilâyet Aleppo, Osmanisches ReichAleppo-Beule, (Leishmaniose), Infektionskrankheit

Aleppo-Kiefer, (Pinus halepensis) Kiefernart

Aleppo-Seife

Aleppo-Zimmer, Exponat im Pergamonmuseum Berlin

Codex von Aleppo, ManuskriptSiehe auch:

Aleppo Township

Bibel

Als Bibel (altgriechisch βιβλία biblia ‚Bücher‘; daher auch Buch der Bücher) bezeichnet man eine Schriftensammlung, die im Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.

Die „Bibel des Judentums“ ist der dreiteilige Tanach, der aus der Tora (Weisung), den Nevi’im (Propheten) und Ketuvim (Schriften) besteht. Diese Schriften entstanden seit etwa 1200 v. Chr. im Kulturraum der Levante und Vorderen Orient und wurden bis 135 n. Chr. kanonisiert.

Das Christentum übernahm alle Bücher des Tanachs, ordnete sie anders an und stellte sie als Altes Testament (AT) dem Neuen Testament (NT) voran. Beide Teile wurden bis zum 3. Jahrhundert für kanonisch erklärt; spätere christliche Konfessionen haben diesen Kanon leicht abgewandelt. Die zweiteilige Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte und in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt.

Codex Cairensis

Der Codex Cairensis (auch Codex Prophetarum Cairensis, Kairoer Prophetenkodex) gilt als eine der ältesten hebräischen Handschriften, die den vollständigen Text der alttestamentlichen Propheten enthalten.

Codex Leningradensis

Der Codex Leningradensis (auch Codex Petropolitanus, Bibliothekssignatur MS Heb B 19A) ist die älteste bekannte vollständige Handschrift der hebräischen Bibel. Sie wurde 1008 geschrieben und befindet sich in der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg (früher Leningrad). Der Codex Leningradensis kann als eines der besten Beispiele des masoretischen Textes betrachtet werden.

Liste des Weltdokumentenerbes

Auf dieser Seite sind nach Staaten geordnet die Einträge in dem von der UNESCO im Rahmen des Programms Memory of the World (MOW, Gedächtnis der Welt) geführten Verzeichnis des Weltdokumentenerbes aufgelistet. Seit der letzten Sitzung des Komitees im Jahr 2017 umfasst die Liste des Weltdokumentenerbes 427 Dokumente bzw. Dokumentsammlungen.Die Zahl am Anfang jeder Zeile bezeichnet das Aufnahmejahr in das Weltdokumentenerbe.

Martin Luther und die Juden

Das Verhältnis Martin Luthers zu Juden und Judentum ist wegen seiner Wirkungsgeschichte ein häufig untersuchtes Thema der inner- und außerkirchlichen Geschichtswissenschaft. Der Reformator (1483–1546) übernahm den gesamtmittelalterlichen Antijudaismus und versuchte, diesen durch seine christologische Bibelexegese zu untermauern. 1523 verlangte er als erster maßgebender christlicher Theologe eine gewaltfreie Judenmission und gesellschaftliche Integration der Juden. Unter dem Eindruck fehlender Missionserfolge und Gefährdung der Reformation rückte er seit 1525 zunehmend davon ab. 1543 forderte er die evangelischen Fürsten zur Versklavung oder Vertreibung der Juden auf und erneuerte dazu die judenfeindlichen Stereotype, die er 20 Jahre zuvor verworfen hatte. Damit überlieferte er diese in die Neuzeit.

Luthers Schrift von 1523 galt im deutschen Protestantismus meist als maßgebend. Seine späteren „Judenschriften“ wurden einige Male für lokale Aktionen gegen Juden benutzt. Antisemiten benutzten sie ab 1879 zur Ausgrenzung von Juden. Nationalsozialisten und Deutsche Christen (DC) legitimierten damit die staatliche Judenverfolgung, besonders die Novemberpogrome 1938. Große Teile der damaligen Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) stimmten dieser Verfolgung zu oder schwiegen dazu.

Seit dem Holocaust wurden die Ursachen und Folgen von Luthers Judentexten wissenschaftlich intensiv untersucht. Nach heutigem Forschungskonsens waren sie noch nicht von Rassismus, sondern von seiner antijudaistischen Theologie bestimmt. Diese trug jedoch erheblich dazu bei, dass viele Protestanten den Antisemitismus übernahmen und der nationalsozialistischen Judenverfolgung zustimmten oder nicht widerstanden. Seit den 1960er Jahren distanzieren sich viele evangelische Kirchen öffentlich von Luthers judenfeindlichen Aussagen. Ob und wie weit auch seine Theologie zu revidieren ist, wird diskutiert.

Masoretischer Text

Der masoretische Text (von hebräisch מסורה masora: „Überlieferung“; abgekürzt M bzw. 𝕸, MT oder MasT) ist eine hebräische Textversion des Tanach, der hebräischen Bibel. Er ist Ergebnis der streng geregelten Bearbeitung älterer Bibel-Handschriften ungefähr in den Jahren 700 bis 1000 durch die Masoreten (Punktatoren, Nakdanim). Diese jüdischen Schriftgelehrten vokalisierten den seit Beginn des 2. Jahrhunderts fixierten Konsonantentext, markierten Varianten, andere Lesarten, Parallelstellen und vermutete Fehler mit besonderen Zeichen, die man als die Masora (Schreibweise auch Massora) zusammenfasst und die als textkritischer Kommentar verstanden werden können.

Von den verschiedenen Masorasystemen setzte sich bis zum 11. Jahrhundert das der Familie Ben-Ascher aus Tiberias durch. Von ihr stammt der Codex von Aleppo (um 920), der bis zu seiner Beschädigung 1947 die älteste vollständig erhaltene Handschrift des Tanach war. Die älteste, heute noch vollständig erhaltene Handschrift des masoretischen Texts ist der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1008. Diese beiden Codices liegen allen heutigen wissenschaftlichen Ausgaben des hebräischen Bibeltexts zugrunde.

Der tiberisch-masoretische Text galt seit der Renaissance als biblischer Urtext. Diese Annahme wurde durch Funde von bis zu 1100 Jahre älteren Bibelhandschriften unter den Schriftrollen vom Toten Meer und anderswo teilweise entkräftet. Zugleich aber bestätigten diese Funde, dass der masoretische Text für die meisten Bücher des Tanach auf früher jüdischer Bibelüberlieferung beruht und diese erstaunlich genau bewahrt.

Mordechai Breuer (Rabbiner)

Mordechai Breuer (hebräisch מרדכי ברויאר; geboren am 14. Mai 1921 in Karlsruhe; gestorben am 24. Februar 2007 in Jerusalem) war ein israelischer Rabbiner und Bibelforscher.

MyBible

MyBible war eine kostenlose Bibelsoftware für das Betriebssystem Windows. Sie wurde in deutscher und englischer Sprache angeboten.

Neume

Neumen (griechisch νεῦμα neuma, deutsch ‚Wink‘) werden graphische Zeichen, Figuren und Symbole genannt, die seit dem 9. Jahrhundert zur Notation der melodischen Gestalt und der gewünschten Interpretation des Gregorianischen Gesangs verwendet werden. Gelegentlich dienen sie auch für das Aufschreiben weltlicher und religiöser Melodien außerhalb der Liturgie. Meist stehen sie über dem Text.Ferner wurden bereits im frühen Mittelalter kurze melodische Einheiten, Melodieformeln oder melismatische Melodieteile über einzelnen Vokalen – wie beispielsweise der Jubilus, der auf dem letzten Vokal des Alleluias gesungen wird – als Neumen bezeichnet. In diesem Fall wurde der Begriff Neume von Pneuma (gr. πνεῦμα pneuma ‚Geist‘, ‚Hauch‘, ‚Luft‘) abgeleitet.

Pogrom von Aleppo

Das Pogrom von Aleppo waren Angriffe muslimischer Bevölkerungsteile in Syrien gegen die Juden Aleppos im Dezember 1947, die zum Tod von etwa 75 jüdischen Bürgern der Stadt, zur Zerstörung zahlreicher Wohnungen und zu einer Vertreibungswelle führten.

Der Angriff war Teil einer Welle des sich ausbreitenden Antijudaismus in islamischen Ländern und kam als Reaktion auf die Entscheidung der Vereinten Nationen zur Teilung Palästinas, die zu Unruhen im ganzen Nahen Osten und in Nordafrika führte. Das Ereignis führte zum Tod von 8 bis 75 Juden und zur Verletzung von mehreren hundert weiteren. Im Anschluss daran musste etwa die Hälfte der jüdischen Bevölkerung der einst kosmopolitisch-multireligiösen Stadt ihre Heimat verlassen.

Schrein des Buches

Der Schrein des Buches (auch bekannt unter dem englischen Namen Shrine of the Book, hebräisch היכל הספר Hechal haSefer) ist ein Gebäude im Westteil Jerusalems in unmittelbarer Nähe der Knesset, des israelischen Parlaments. Das Bauwerk gehört zum Israel-Museum, dem israelischen Nationalmuseum. Bemerkenswert an diesem Gebäude ist das rundzeltähnliche Dach, das aus Beton mit weißen Keramikfliesen besteht und mehrere, teilweise unterirdische Stockwerke im Innenraum bedeckt. Darin werden Originale und Faksimiles antiker Schriftrollen des Tanachs aufbewahrt, allen voran das Buch Jesaja – daher der Name Schrein des Buches. Auch enthält die Ausstellung weitere Fundstücke von Qumran am Toten Meer. Die Architekten waren Friedrich Kiesler und Armand Bartos. Die Planungs- und Bauphase dauerte von 1950 bis 1960.

Der Schrein des Buches ist ein beliebtes Ausflugsziel und wird entsprechend vermarktet. Er gilt als Hauptattraktion des Israel-Museums und wurde zusammen mit den restlichen Teilen des Museums 1965 vom damaligen Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, eröffnet. Von 1962 bis 1965, noch vor der offiziellen Eröffnung des Israel-Museums, wurde der Bau bereits das erste Mal renoviert, das zweite Mal im Jahr 2003. Die Wiedereröffnung nach der Renovierung wurde 2004 durch den damals amtierenden Staatspräsidenten Mosche Katzav vollzogen.

Synagoge

Eine Synagoge (von altgriechisch συναγωγή synagōgē ‚Versammlung‘) ist ein Gebäude, das der Versammlung, dem gemeinsamen Gottesdienst und oft auch als Lehrhaus einer jüdischen Gemeinde dient. Sie ist die wichtigste Institution im Judentum und hat den gemeinschaftlichen Gottesdienst des Christentums und des Islams maßgeblich beeinflusst.In welchen Fällen in antiken Schriften συναγωγή (synagōgē) ein Gebäude zur Versammlung und zur Verrichtung religiöser Handlungen bezeichnet, und welcher Art diese waren, ist in der Forschung ebenso umstritten wie die Zeit der Entstehung der ersten Synagogen. Archäologische und schriftliche Zeugnisse machen die Existenz von Synagogengebäuden zur Zeit des Zweiten Tempels (etwa 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung), sowohl im Land Israel wie auch in der Jüdischen Diaspora jedoch wahrscheinlich.

Zentralsynagoge von Aleppo

Die Aleppiner Zentralsynagoge (hebräisch בית הכנסת המרכזי בחאלֶבּ, arabisch كنيس حلب المركزي Kanis Halab al-Markazi), auch als Joabsynagoge oder al-Bandara-Synagoge (كنيس البندرة) bekannt, ist eine Synagoge aus dem 5. Jahrhundert nach Chr., die beim Pogrom von Aleppo im Dezember 1947 zusammen mit zehn anderen historischen Synagogen zerstört wurde. Bis dahin hütete sie seit dem 14. Jahrhundert den Codex von Aleppo. Sie war die einzige noch genutzte antike Synagoge der Welt.

Weltdokumentenerbe in Israel

Gedenkblätter in der Halle der Namen (2013) | Rothschild Miscellanea (2013) | Codex von Aleppo (2015) | Schriften von Sir Isaac Newton (2015) | Israelisches Volksmärchen-Archiv (2017)

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