Brüder der Reinheit

Die sogenannten Brüder der Reinheit oder Lauteren Brüder (arabisch اخوان الصفا Ichwan as-Safa, DMG Iḫwān aṣ-ṣafāʾ / Ichwān aṣ-Ṣafā) waren eine meist aus Iranern bestehende muslimische philosophische, religiöse und politische Gruppe, die zuerst in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts (ca. 970)[1] in Basra auftrat und einen Zweig in Bagdad hatte. Ihre Mitglieder „tauschten über das religiöse Wissen, die Geschichte der Völker, die Religionsgesetze und Religionen Meinungen aus“[2].

Diese Geheimgruppe von in den üblichen Wissenschaften und Fertigkeiten ihrer Zeit bewanderten Gelehrten hinterließ viele Werke, ihr wichtigstes ist das enzyklopädische Rasa'il ichwan as-safa' (mit vollständiger Bezeichnung Rasa'il ichwan as-safa' wa-chillan al-wafa) in 52 Artikeln, das ein breites Spektrum verschiedener Themen – von Musik bis zu Magie, von den Natur- bis zu den Religionswissenschaften, von rationalen bis zu sozialen Themen – behandelt und „den Islam mit dem damaligen Stande der Philosophie und der exakten Wissenschaften zu vereinigen [suchte].“[3]

Irakischer Maler von 1287 001
Arabische Buchillustration aus dem 13. Jahrhundert

Mitglieder

Über die Mitglieder der Gruppe wurden verschiedene Betrachtungen angestellt. Zu ihr zugeordneten renommierten Persönlichkeiten zählen Zaid ibn al-Rifa'i[4] und „die Trinität der Erzhäretiker im Islam“ (al-Subki)[5] Abu l-'Ala al-Ma'arri, Ibn ar-Rawandi (ca. 825–910) und Abu Hayyan al-Tawhidi (gest. 1023).

al-Ghazali gilt als von der Gruppe beeinflusst, auch Raschid ad-Din Sinan ibn Sulayman (der sogenannte Alte vom Berge), das Oberhaupt der Assassinen in Syrien.

Omar Chajjam, der Schüler des Avicenna (Ibn Sina), kam in seinem Denken und seiner Beweisführung den Ichwan as-Safa nahe.

Vier Ranggruppen (nach Alter)

Ihre Mitglieder wurden nach vier Ranggruppen unterschieden:[2]

  1. Die erste, als die „freundlichen rechtschaffenen Brüder“ (al-abrār wa-r-ruhamā) bezeichnete Gruppe, bestand aus begabten Anfängern zwischen 15 und 30 Jahren.
  2. Die nächsthöhere Gruppe der Altersgruppe von 30 bis 40 waren die „wissenden und exzellenten Brüder“ (al-achyār wa-l-fudalā), die hohe Eigenschaften wie Großmut, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit besitzen mussten.
  3. Die dritte Gruppe, die „noblen und exzellenten Brüder“ (al-fudalā' al-kirām), bestand aus Mitgliedern im Alter von 40 bis 50. Diese mussten sich gut in den Gesetzen auskennen und die Wahrheit verteidigen.
  4. Personen über 50 gehörten zu vierten Gruppe – der Stufe der Weisen und Vervollkommneten (al-martabat al-malakiyya).

Hauptwerk (Rasa’il Ichwan as-Safa’)

Das Werk Rasa’il Ichwan as-Safa bzw. Rasa’il ichwan as-safa’ wa-chillan al-wafa (arabisch رسائل إخوان الصفاء وخلان الوفا, DMG Rasāʾil Iḫwān aṣ-Ṣafāʾ wa-Ḫullān al-Wafā) ist ihr wichtigstes gewesen. Es enthält 52 Artikel (rasa'il), die sich jeweils auf eine bestimmte Wissenschaft, von den Natur- bis zu den Religionswissenschaften beziehen, oder rationale und soziale Themen behandeln.

Das Werk wurde als „Begründung des Humanismus im klassischen Universalismus“[6] verstanden.

Forschungsgeschichte

Der deutsche Gelehrte Friedrich Dieterici (1821–1903) hat sich über 30 Jahre intensiv mit diesem Hauptwerk der Gruppe beschäftigt.[7] Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt.

Unter dem Titel The Epistles of the Brethren of Purity wird das Werk zur Zeit von der Oxford University Press in Verbindung mit dem Institute of Ismaili Studies, London, von mehreren Autoren in einer zweisprachigen Reihe mit einer arabischen kritischen Edition und angemerkten englischen Übersetzung neu herausgegeben.[8]

Werke

Ausgaben

  • Ikwan al-Safa’. Rasa’il Ikhwan al-Safa’ wa Khullan al Wafa’. Beirut: Dar Sadir, 1957.

Übersetzungen

  • As-Safa (Safa), I(k)hwan: Mensch und Tier vor dem König der Dschinnen. Aus den Schriften der Lauteren Brüder von Basra. hrsg. u. übers. v. Alma Giese, ca. 200 S. Hamburg: Felix Meiner, 1990. Gerichtsverhandlung um das Problem, ob sich die Menschen als Machthaber über die Tiere aufführen dürfen.
  • As-Safa, Ichwan: Mensch und Tier vor dem König der Dschinnen Aus den Schriften der Lauteren Brüder von Basra. Ed. Erdmann 2005 ISBN 978-3-86503-033-7
  • Epistles of the Brethren of Purity. On Logic. An Arabic Critical Edition and English Translation of Epistles 10–14. Edited and translated by Carmela Baffioni. Oxford University Press, Oxford 2010. Rezension von Peter Adamson in: Journal of Islamic Studies 2011, online.
  • The Rasail Ikhwan as-Safa

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ph. K. Hitti: History of the Arabs, 8. A., 1964, S. 372: „a philosophical but also a religio-political association with ultra-Shīʿite, probably Ismāʿīlite, views“.
  2. a b german.irib.ir: Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (30) (Sendemanuskript des IRIB vom 24. November 2011)
  3. Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 28.
  4. vgl. Seyyed Hossein Nasr: An Introduction to Islamic Cosmological Doctrines: Conceptions of Nature and Methods Used for Its Study by the Ikhwan Al-Safa, Al-Biruni, and Ibn Sina. State University of New York Press 1993, S. 25 (Online-Auszug) & iis.ac.uk: The Ikhwan al-Safa' and their Rasa'il: An Introduction (Nader El-Bizri)
  5. Ph. K. Hitti: History of the Arabs, 1964, S. 373: „the trinity of archheretics in Islam“, nach al-Subki, Ṭabaqat al-shāfiʿiya al-kubra
  6. Qarmaten und Ihwan as-Safa’ (Memento des Originals vom 3. November 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (Buchpräsentation)
  7. s. Dieterici (1858–1879 u. 1884–1886) / F. DIETERICI, Die Philosophie der Araber im X. Jahrhundert, 1865 ff. – Die Abhandlungen der Ichwân es safâ, 1883 ff.; vgl. Der Streit zwischen Mensch und Thier, ein arabisches Mährchen aus den Schriften der lauteren Brüder, übersetzt und mit einer Abhandlung über diesen Orden (1858)
  8. iis.ac.uk : Epistles of the Brethren of Purity Series (Memento des Originals vom 26. Mai 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Brüder der Reinheit (Alternativbezeichnungen des Lemmas)
Ikhwān aṣ-Ṣafā; Iḫwān aṣ-ṣafāʾ; Ichwan as-Safa; Ichwān al-ṣafā; Ichwān al-ṣafā; Lautere Brüder von Basra; Brüder der Reinheit; Brüder der Aufrichtigkeit und treuen Freunde; Lautere Brüder; Ichwân al-Ssafâ
Carmela Baffioni

Carmela Baffioni (* 29. Dezember 1951) ist eine italienische Philosophiehistorikerin, Arabistin und Islamwissenschaftlerin.

Dschamal ad-Din al-Afghani

Sayyid Muhammad ibn Safdar al-Husaini (arabisch سيد محمد بن صفدر الحسيني, DMG Sayyid Muḥammad b. Ṣafdar al-Ḥusainī; * 1838 in Asadabad, Iran; † 1897 in Istanbul), bekannt als Dschamal ad-Din Asadabadi (جمال الدين اسدآبادي / Ǧamāl ad-Dīn Asadābādī) oder Dschamal ad-Din al-Afghani (جمال الدين الأفغاني / Ǧamāl ad-Dīn al-Afġānī), war einer der Gründer der islamischen Moderne, ein politischer Aktivist und islamischer Theoretiker im Iran, in Afghanistan, Ägypten, Indien und im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts. Er gilt u. a. als Vordenker des Panislamismus und Antikolonialismus, als liberaler Reformtheologe und Modernist, aber auch als einer der geistigen Begründer des Politischen Islams und der Salafismus-Bewegung des späten 19. und 20. Jahrhunderts, die eine Rückbesinnung auf den wahren, unverfälschten Islam forderte.

Dschābir ibn Hayyān

Abū Mūsā Dschābir ibn Hayyān (ابو موسی جابر ابن حیان, latinisiert Geber; auch Jeber und Yeber) war ein in Arabisch schreibender Autor wissenschaftlicher Schriften, der in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts gewirkt haben soll.

Als Schüler des sechsten Imams Ǧafār aṣ-Ṣādiq soll Dschābir einer hermetischen Schule vorgestanden und ein umfangreiches Werk naturphilosophisch-alchemistischer und medizinischer Schriften hinterlassen haben.

Er wird zuerst in den Aufzeichnungen von des Hauptes eines Gelehrtenkreises in Bagdad Abu Sulaiman al-Mantiqi al-Sijistani (gestorben um 981) erwähnt. Damals war schon ein umfangreicher Korpus seiner Schriften bekannt und Abu Sulaiman bestritt seine Autorschaft und schrieb sie stattdessen einem gewissen al-Hasan ibn al-Nakad aus Mosul zu. Kurz nach dem Tod von Abu Sulaiman widersprach der schiitische Gelehrte Ibn an-Nadīm in seinem Fihrist von 987 den Zweifeln an der Existenz von Dschabir und identifizierte Dschafar, den Dschabir als seinen Lehrer bezeichnete, mit dem sechsten schiitischen Imam Dschaʿfar as-Sādiq und widersprach der Identifizierung mit dem Wesir von Harun al-Rashid aus der Familie der Barmakiden Ja'far ibn Yahya (gestorben 803). Je nachdem welcher der beiden Dschafar man nimmt fällt die Lebenszeit von Dschabir in das 8. oder den Beginn des 9. Jahrhunderts. Nach Eric John Holmyard, der 1928 Schriften von Dschabir herausgab, war dessen Vater ein Apotheker namens Hayyan in Kufa und Dschabir wurde als schiitischer Agent Anfang des 8. Jahrhunderts nach Khorasan gesandt. Der Umfang der erhaltenen Schriften veranlasste dagegen Paul Kraus zu der Schlussfolgerung, dass sie das Produkt von einer ganzen Schule von Wissenschaftlern seien. Nach Kraus verraten sie Kenntnis der Übersetzungen aus dem Griechischen der Schule von Hunain ibn Ishāq aus dem 9. Jahrhundert und enthalten Bezüge zur Muʿtazila-Strömung, so dass sie erst im 10. Jahrhundert entstanden. Nach Kraus werden die Schriften zuerst bei Ibn Wahshiyya und Ibn Umail im 10. Jahrhundert erwähnt und zeigen ähnliche ismailitische Einflüsse wie die Brüder der Reinheit, was die Einordnung ins 10. Jahrhundert weiter unterstützt.

Dād

Ḍād (arabisch ضاد, DMG ḍād oder حرف الضاد, DMG ḥarf aḍ-ḍād ‚der Buchstabe Ḍād‘; in isolierter Form ض; transliteriert als ⟨ḍ⟩) ist der 15. Buchstabe des arabischen Alphabets. Es zählt zu den vier emphatischen Konsonanten des Arabischen sowie zu den vierzehn Sonnenbuchstaben. Ḍād ist einer der sechs jüngsten Buchstaben des arabischen Alphabets und wurde erst in islamischer Zeit entwickelt. Im Abdschad ist ihm der Zahlenwert 800 zugeordnet.

Die Aussprache des Ḍād zugeordneten Phonems /ḍ/, arabisch صوت الضاد, DMG ṣawt aḍ-ḍād ‚der Ḍād-Laut‘, wird für die moderne arabische Hochsprache meist als pharyngalisierter oder velarisierter stimmhafter alveolarer Plosiv (IPA: [dˁ] bzw. [dˠ]) angegeben, doch finden sich historisch und in Dialekten Abweichungen von dieser Aussprache. Laut der Meinung zahlreicher Wissenschaftler wurde Ḍād einst lateral oder lateralisiert artikuliert – ein Charakteristikum, das dem Arabischen den Beinamen „Sprache des Ḍād“ gab. Hinweise auf diese Aussprache finden sich in südarabischen Dialekten sowie in arabischen Lehnwörtern im Spanischen und Indonesischen.

In arabischen Alphabeten anderer Sprachen tritt Ḍād meist nur in Lehnwörtern auf, ohne ein eigenes Phonem zu repräsentieren.

Emanation (Philosophie)

Emanation (von lateinisch emanatio „Ausfließen“, „Ausfluss“) ist ein Begriff der Philosophie und der Religionswissenschaft. Er bezeichnet in metaphysischen und kosmologischen Modellen das „Hervorgehen“ von etwas aus seinem Ursprung, der es aus sich selbst hervorbringt. Dabei wird metaphorisch an die Vorstellung des Ausfließens von Wasser aus einer Quelle oder der Lichtausstrahlung aus einer Lichtquelle angeknüpft. Modelle, die sich zur Welterklärung der Emanationsvorstellung bedienen, indem sie die Existenz von Dingen auf Emanation aus einer metaphysischen Quelle zurückführen, werden als emanatistisch bezeichnet (Emanationismus oder Emanatismus). Zu den Systemen mit emanatistischen Weltmodellen gehören vor allem der Neuplatonismus und von ihm beeinflusste philosophische und religiöse Lehren.

Der Begriff „Emanation“ wird nicht nur für das Hervorgehen, sondern auch für das Hervorgegangene verwendet. In diesem Sinne sagt man beispielsweise, die (emanatistisch gedeutete) Schöpfung oder einzelne Wesen seien Emanationen des Schöpfergottes.

Der mit „Emanation“ wiedergegebene altgriechische Begriff ist ἀπόρροια apórrhoia oder ἀπορροή aporrhoḗ (Ausfluss). Daneben wurden in der antiken griechischen Literatur auch die Ausdrücke προβολή probolḗ (das Hervorbringen) und πρόοδος pró[h]odos (das Hervorgehen) verwendet.

Enzyklopädie

Eine Enzyklopädie, früher auch aus dem Französischen: Encyclopédie (griechisch ἐγκύκλιος παιδεία enkyklios paideia, „Grundausbildung, allgemeine Erziehung“), ist ein besonders umfangreiches Nachschlagewerk. Der Begriff Enzyklopädie soll auf Ausführlichkeit oder eine große Themenbreite hinweisen, wie beispielsweise bei einem Menschen, dem enzyklopädisches Wissen nachgesagt wird. Es wird eine Zusammenfassung des gesamten Wissens dargestellt. Die Enzyklopädie ist demzufolge eine überblickende Anordnung des Wissens einer bestimmten Zeit und eines bestimmten Raumes, welche Zusammenhänge darstellt. Daneben werden als Fachenzyklopädien solche Werke bezeichnet, die nur ein einzelnes Fach- oder Sachgebiet behandeln.

Die Bedeutung des Begriffes Enzyklopädie ist fließend; Enzyklopädien standen zwischen Lehrbüchern einerseits und Wörterbüchern andererseits. Als älteste vollständig erhaltene Enzyklopädie gilt die Naturalis historia aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Vor allem die große französische Encyclopédie (1751–1780) hat die Bezeichnung „Enzyklopädie“ für ein Sachwörterbuch durchgesetzt. Aufgrund der alphabetischen Anordnung werden Enzyklopädien oft als Lexika bezeichnet.

Die heutige Form des Nachschlagewerkes hat sich vor allem seit dem 18. Jahrhundert entwickelt; dabei handelt es sich um ein umfangreiches Sachwörterbuch über alle Themen für eine breite Leserschaft. Im 19. Jahrhundert kam der typische neutral-sachliche Stil hinzu. Die Enzyklopädien wurden besser strukturiert und beinhalteten neue Texte, keine bloßen Übernahmen älterer (fremder) Werke. Eines der bekanntesten Beispiele im deutschen Sprachraum war lange Zeit die Brockhaus Enzyklopädie (ab 1808), im englischen die Encyclopaedia Britannica (ab 1768).

Seit den 1980er-Jahren werden Enzyklopädien ferner in digitaler Form angeboten, auf CD-ROM und im Internet. Teilweise sind es Fortführungen älterer Werke, teilweise neue Projekte. Ein besonderer Erfolg war die 1993 erstmals auf CD-ROM herausgegebene Microsoft Encarta. Die 2001 gegründete Wikipedia entwickelte sich zur größten Internet-Enzyklopädie.

Enzyklopädien aus dem islamischen Kulturkreis

Mit den Enzyklopädien aus dem islamischen Kulturkreis entstanden sehr früh sowohl generelle und spezielle als auch systematische und alphabetische Nachschlagewerke.

Fuad Masum

Mohammed Fuad Masum (kurdisch فوئاد مەعسووم Fuad Mesûm; arabisch محمد فؤاد معصوم, DMG Muḥammad Fuʾād Maʿṣūm; * 1938 in Koya) ist ein irakischer Politiker und war vom 24. Juli 2014 bis zum 2. Oktober 2018 Staatspräsident des Irak. Vom 14. Juni bis 11. November 2010 war er Vorsitzender des Repräsentantenrats des Irak. Er ist der zweite kurdische Präsident seines Landes nach Dschalal Talabani.

Geschichte der Geologie

Im Gegensatz zur historischen Geologie, die sich mit der Entwicklungsgeschichte der Erde (insbesondere der Erdkruste) befasst, ist das Thema Geschichte der Geologie die Entwicklung dieser Naturwissenschaft selbst. Hierbei kommt es zu Überschneidungen mit der Geschichte anderer Geowissenschaften, wie vor allem Paläontologie, Mineralogie und Petrografie.

Ichwan (Begriffsklärung)

Ichwan oder Ikhwan (arabisch für Bruderschaft) bezeichnet:

Brüder der Reinheit, eine Gruppe von islamischen Philosophen im Mittelalter

Ichwān, eine ehemalige wahhabitische Bewegung in Saudi-Arabien

Muslimbrüder, eine sunnitisch-islamistische Bewegung im Nahen Osten

Yihewani, hanafitische Bewegung in Chinaal-Ichwan, eine yemenitische InselgruppeIchwan ist der Familienname von

Jaenal Ichwan (* 1977), indonesischer Fußballspieler

Islāh

Islāh (arabisch إصلاح, DMG iṣlāḥ ‚Aussöhnung, Instandsetzung, Verbesserung‘) ist ein Begriff aus dem Vokabular des Korans, der seit dem späten 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle in den islamischen Reformdiskursen spielt. Der Begriff wird selbst ebenfalls meist mit "Reform" übersetzt, allerdings hat er durch seine Verankerung im Koran stärker religiöse Konnotationen. In den 1990er Jahren wurden mehrere islamisch-politische Bewegungen und Parteien gegründet, die sich nach diesem Prinzip benannten.

Jüdische Philosophie

Der Begriff jüdische Philosophie (hebräisch פילוסופיה יהודית, arabisch الفلسفة اليهودية, jiddisch ייִדישע פֿילאָסאָפֿיע) bezeichnet die Verbindung philosophischer Studien mit Inhalten der jüdisch-religiösen Traditionen. Während das Konzept selbst kontrovers ist, und über die prinzipielle Vereinbarkeit religiöser und philosophischer Inhalte debattiert wird, wird der Beginn jüdischer Philosophie ideengeschichtlich in der Regel mit Philon von Alexandria angesetzt.

Nikomachos von Gerasa

Nikomachos von Gerasa (griechisch Νικόμαχος Nikómachos) war ein antiker Philosoph, Mathematiker und Musiktheoretiker. Er lebte in der römischen Kaiserzeit; seine Geburt fällt frühestens ins 1. Jahrhundert, sein Tod spätestens ins späte 2. Jahrhundert. Nikomachos war Pythagoreer und Platoniker. Als Pythagoreer gehört er zur neupythagoreischen Richtung, als Platoniker zählt er zu den Vertretern des Mittelplatonismus.

Phaidon

Der Phaidon (griechisch Φαίδων Phaídōn, latinisiert Phaedo) ist ein in Dialogform verfasstes Werk des griechischen Philosophen Platon. Wiedergegeben wird ein literarisch gestaltetes Gespräch, das in eine Rahmenhandlung eingebettet ist. Der Philosoph Phaidon von Elis, nach dem der Dialog benannt ist, tritt in der Rahmenhandlung als Erzähler auf. Er ist wie Platon ein Schüler des Sokrates. Dieser ist vor kurzem in Athen wegen Asebie (Religionsfrevel) und Verführung der Jugend zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Phaidon schildert als Augenzeuge einer Gruppe von Zuhörern die Ereignisse des Todestags, den der Verurteilte im Gefängnis im Kreis von Freunden verbrachte. Den Hauptteil seiner Darstellung bildet die vollständige Wiedergabe einer philosophischen Diskussion, die Sokrates führte. Anschließend berichtet Phaidon von den letzten Handlungen und Äußerungen des zum Tode Verurteilten.

Die Gesprächspartner des Sokrates sind neben Phaidon zwei weitere seiner Schüler, Kebes und Simmias von Theben. Das Hauptthema ist die Seele: Es geht um ihre Beschaffenheit, ihr Verhältnis zum Körper, den sie beseelt, und ihr mutmaßliches Schicksal nach dem Tod. Sokrates versucht die Unsterblichkeit der Seele plausibel zu machen. Zu diesem Zweck trägt er mehrere Argumente vor, die seine These stützen sollen. Er betrachtet die individuelle Seele als unzerstörbar und sieht in ihr den Träger der Kenntnisse, Fähigkeiten und Erinnerungen des Menschen. Nach seinem Verständnis bewohnt, beherrscht und bewegt die Seele den Körper, sie verleiht ihm durch ihre Anwesenheit das Leben. Beim Tod trennt sie sich von ihm, was seinen Zerfall zur Folge hat. Im Verlauf der Seelenwanderung verbindet sie sich nacheinander mit verschiedenen Körpern. Demnach besteht kein Grund zur Todesfurcht, denn der Tod bedeutet nur Zerstörung des jeweiligen Körpers, die Person aber ist die Seele, die immer intakt erhalten bleibt. Sokrates verteidigt dieses anthropologische Modell gegen Einwände von Simmias und Kebes. Insbesondere wendet er sich gegen ein Alternativmodell, dem zufolge „Seele“ nur eine Bezeichnung für die Harmonie der materiellen Elemente des Körpers ist. Wenn man die Seele als Harmonie auffasst, muss man annehmen, dass sie vernichtet wird, wenn der Körper stirbt und infolgedessen seine Struktur zerfällt.

Nach Sokrates’ Überzeugung hängt das Schicksal der Seele nach dem Tod von ihrem Verhalten während des Lebens ab; optimal ist eine philosophische Lebensführung, wie er selbst sie praktiziert hat. Diese Sichtweise verhilft ihm zu einer gelassenen Haltung und einem heiteren, unbeschwerten Sterben, während die anderen tief betrübt sind und weinen.

Die direkte und indirekte Nachwirkung des Dialogs in der europäischen Kulturgeschichte war von der Antike bis zur Moderne gewaltig. Er wurde oft zitiert und in vielen Erörterungen über eine mögliche individuelle Fortexistenz nach dem Tod herangezogen. Einerseits bietet er eine philosophische Untersuchung von Grundfragen der menschlichen Existenz, andererseits gehört er auch zur klassischen Trostliteratur. Seit dem Beginn seiner Verbreitung spricht er Leser an, die sich mit dem Tod, der Todesfurcht und der Unsterblichkeitsfrage auseinandersetzen wollen. Außerdem hat er zusammen mit den Dialogen Apologie und Kriton das Bild der Nachwelt von der Persönlichkeit des Sokrates nachhaltig geprägt. In Platons Darstellung erscheint Sokrates als vorbildlicher Mensch, der sein Ideal der philosophischen Lebensführung bis zum Tod konsequent und unbeirrt verwirklicht hat.

Qarmaten

Die Qarmaten (auch Karmaten, arabisch قرامطة, DMG Qarāmiṭa) waren eine messianische und radikale schiitische Gruppierung des 9., 10. und 11. Jahrhunderts, die ebenso wie die Fatimiden zu den Ismailiten zählt und auf Hamdan Qarmat (890–906) zurückgeht.

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