Bescheidenheit

Bescheidenheit (von „sich bescheiden“, „sich zurücknehmen“, „sich begnügen“, „verzichten“) ist im heutigen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit „Genügsamkeit“, „Anspruchslosigkeit“, „Einfachheit“, „Zurückhaltung“.[1] Sie kann sich auf die Wesensart eines Menschen beziehen (= Bescheidenheit als Charakterzug) oder auch nur ein bestimmtes Verhalten auszeichnen (= einfache Lebensführung, Luxus­verzicht). In der positiven Bewertung bildet sie den Kontrapart zu Begriffen wie „Geltungssucht“, „Überheblichkeit“, „Unbescheidenheit“, „Maßlosigkeit“ oder „Prunksucht“. In einer spöttisch abwertenden Tönung findet sie sich in Redewendungen wie „eine bescheidene Leistung“, „mit einer bescheidenen Intelligenz gesegnet“, „aus bescheidenen Lebensverhältnissen kommend“. Selbstironisch spricht man auch von „mein bescheidener Anteil“ (= geringer Anteil), „meine bescheidene Person“ (= meine Wenigkeit), „mein bescheidener Beitrag“, „meine bescheidene Gabe“ (= Mitbringsel/Spende).

Die Behauptung eines Menschen, er bzw. ein anderer sei „bescheiden“, kann

  1. eine freiwillige Selbstbeschränkung,
  2. eine unfreiwillige (womöglich „schicksalhafte“) Einschränkung der Persönlichkeit oder der Lebensverhältnisse oder
  3. Ironie oder Unaufrichtigkeit

ausdrücken.

Wortgeschichte

Das Wort Bescheidenheit leitet sich sprachgeschichtlich ab von ahd. bisceidan → mhd./nhd. bescheiden. In der mittelalterlichen Rechtssprache drückte es eine richterliche Entscheidung aus und nahm die Bedeutung „Bescheid geben“, „zuteilen“ an, was sich heute noch in der Redewendung „mein bescheidener (= mein mir beschiedener) Anteil“ wiederfindet. In der aktuellen Kanzleisprache ist diese Aussageform noch in der Redeweise jemanden abschlägig bescheiden präsent.

Das reflexive sich bescheiden folgt der Bedeutung „sich vom Richter bescheiden lassen“ und mit dem neutralen Richterspruch „sich zufrieden geben, sich begnügen“. Das Adjektiv „bescheiden“ folgte der Bedeutung des Verbs und meinte ursprünglich „vom Richter festgesetzt, zugeteilt“. Die Menschen, die sich entsprechend bescheiden ließen und zu bescheiden wussten, galten in mittelhochdeutscher Sprachgebung als „einsichtsvoll, besonnen, verständig“. Bescheidenheit war ein Synonym für „Verstand, Verständigkeit“. Heute ist das Wort vor allem im Sinne von „genügsam, einfach, anspruchslos“ in Gebrauch. In einer fast in Vergessenheit geratenen Wortbedeutung findet sich die Formulierung „Jemandem Bescheid tun“ (= antwortend zutrinken) auch noch in der Entgegnung auf einen Trinkspruch.[2]

Motivation

Bescheidenheit kann unterschiedliche Beweggründe haben: Als durchgängige menschliche Lebenseinstellung kann sie etwa aus einer Haltung der Demut erwachsen, der Ehrfurcht vor Gott, dem Herrn, über dessen Pläne zu urteilen dem Menschen nicht zustehe, sowie vor den Gaben der Natur, die sorgsam zu behandeln und nicht zu verschwenden seien.[3][4]

Im profanen Bereich kann sie als freiwillig selbstbeschränkende Bedürfnislosigkeit den Charakter einer Persönlichkeit kennzeichnen, die sich von materiellen Gütern unabhängig macht, die nicht auf überflüssigen Luxus setzt und ihre Sinnausrichtung an immateriellen Aufgaben und Wertvorstellungen orientiert. Im Unterschied zu der religiösen Bescheidenheit erwächst sie aus einer ethischen Motivation.[5]

Bescheidenheit kann aber auch eine Reaktion auf materielle Beschränkungen darstellen, wobei Menschen den Mangel, dem sie ausgesetzt sind, (vorerst) innerlich akzeptieren.

Der Psychosomatiker Rudolf Klußmann wies auf die Möglichkeit hin, dass durch eine „Überbescheidenheit“ Gier abgewehrt werden könne und zwar mit Hilfe einer Reaktionsbildung.[6]

Ideengeschichte und Bewegungen

Kynismus

Der Kynismus war eine im antiken Griechenland des 5. Jahrhunderts v. Chr. aufkommende philosophische Strömung, die sich die Bedürfnislosigkeit zu einem hochrangigen ethischen Ziel gesetzt hatte. Antisthenes und sein Schüler Diogenes von Sinope und zuletzt noch Demetrios oder Salustios aus Emesa in der römischen Kaiserzeit des 1. bzw. 5. nachchristlichen Jahrhunderts vertraten eine Lebensauffassung, nach welcher der Natürlichkeit, Bedürfnislosigkeit und Askese eine hohe Bedeutung zukam. Sie glaubten, ähnlich der Philosophenschule der Stoiker, über sie das Glück des Einzelnen erreichen zu können, das nach ihrer Überzeugung aus innerer Unabhängigkeit und Autarkie erwachse. (Wer nichts besitzt, kann auch nichts verlieren und entsprechend enttäuscht werden). Für die Richtung der Stoiker bedeutete Reichtum und Ansehen nur ein vermeintliches Glück.[7]

Christliches Verständnis

Der mittelhochdeutsche Ausdruck „Bescheidenheit“ ist zunächst eine Entsprechung zu lateinisch „prudentia, sapientia, scientia, discretio“,[8] so etwa bei Freidank, der um 1230 eine Sammlung von Epigrammen mit dem Titel Bescheidenheit verfasste.[9] Das Wort wird hier im Sinne des Unterscheidungsvermögens (lat. discretio) von Gut und Böse gebraucht. In anderen Kontexten ist eine Übersetzung etwa mit „Verständigkeit“ oder „Verstand“ möglich.

Erst seit Martin Luther wird im Deutschen „Bescheidenheit“ auch gebraucht als Entsprechung zu lateinisch moderatio, modestia, also im Sinne von „Zurückhaltung“ wie im heutigen Alltagssprachgebrauch. Dem liegt vermutlich ein juristischer Wortgebrauch zugrunde: althochdeutsch bisceidan, mittelhochdeutsch bescheiden für (gerichtlich) „den (ggf. ‚bescheidenen’ im heutigen Wortsinne) Anteil zuweisen“. Die moderatio, die Zügelung im menschlichen Handeln, wird in Ansätzen der Tugendethik des 12. und 13. Jahrhunderts mit Bezug insbesondere auf Cicero üblicherweise der temperantia nahegestellt bzw., wie etwa bei Thomas von Aquin, der temperantia als einer der vier Kardinaltugenden untergeordnet.[10]

„Bescheidenheit“ wird auch unter die Zwölf Früchte des heiligen Geistes eingeordnet, wie etwa im Katechismus der Katholischen Kirche:

Im Bezugstext der lateinischen Bibelübertragung steht hier "modestia" (Gal 5,22-23 ) (während der griechische Bibeltext nur neun Tugenden listet, haben u. a. die im 12. Jh. meistverwendete karolingische Rezension der Vulgata und die Glossa ordinaria deren zwölf, namentlich noch patientia, mansuetudo, castitas - ebenso Thomas u. v. a.).

Von Demut und Selbsterniedrigung heißt es u. a. bei Lk 18,14  im christlichen Neuen Testament: „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Friedrich Nietzsche gibt dem im Zuge seiner Kritik christlicher Ethik die ironische Wendung:

Jugendbewegung

Die aus dem sogenannten Wandervogel hervorgegangene Jugendbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts prägte eine eigene Jugendkultur, die sich in Denken und Lebensstil von dem der Elterngeneration abzusetzen versuchte. In der Tradition der Fahrenden Schüler des Mittelalters flohen die Schüler und Studenten unter dem Leitbild eines einfachen Lebens im Einklang mit der Natur aus den Städten und gingen „auf Wanderfahrt“. Man nutzte das Wandern als Fortbewegungsmittel, bereitete sich Speisen auf offenem Feuer und übernachtete in Scheunen, Zelten oder unter freiem Himmel. Verfallende Burgruinen wurden nach und nach zu Jugendherbergen ausgebaut. Zielsetzung der dynamischen Bewegung war das Erleben der Gemeinschaft und der Natur, die Selbstfindung über Wagnis und Abenteuer als beglückende ursprüngliche, selbstbestimmte Lebenserfahrung.[11]

Trekking und Survival

Die moderne Outdoorbewegung hat Aktivitäten hervorgebracht, die sich in Absetzung von der konsumorientierten Überflussgesellschaft und in der Beschränkung auf eine minimale Ausstattung mit Zivilisationsmitteln dem einfachen Leben und Überleben in der Wildnis als asketische, anstrengende, aber glückbringende Lebensformen verschrieben haben. Zivilisationsferne einsame Gebiete liefern das Gelände, in dem der Trekker, auf sich, seine Fertigkeiten und Kreativität gestellt, zu sich finden und kraft der erworbener Kompetenzen, einer robusten physischen Fitness und einer stabilen Psyche die Herausforderungen und Gefahren meistern kann, die sich ihm stellen. Dies setzt die Bereitschaft und die Fähigkeit zu einer von Zivilisationshilfen reduzierten, bescheidenen Lebensführung voraus. In der Erlebnispädagogik und der Wagniserziehung finden sie ihr wichtigstes pädagogisches und psychologisches Übungsfeld.[12]

Survival-Unternehmungen führen als Überlebensveranstaltungen bis an die Grenzen der physischen, psychischen und mentalen Belastbarkeit des Einzelnen und der Gruppe. Entstanden aus dem Erfordernis, auch Extremsituationen beim Trekking, bei Expeditionen oder militärischen Spezialeinsätzen noch gewachsen zu sein, setzen sie ein intensives Training, die Fähigkeit zu extremer Bedürfnislosigkeit und eine schrittweise Steigerung der Anforderungen voraus. Sie bedingen die Bereitschaft, sich im äußersten Fall ohne nahezu alle zivilisatorischen und mitmenschlichen Hilfen auf sich selbst verlassen zu können, mit entbehrungsreichen und gefährlichen Situationen zurechtzukommen.[13]

Frugalismus

In den USA ist (v. a. im Gefolge der Finanzkrise ab 2007) eine „Frugalistenszene“ entstanden, die aus mehreren Tausend Anhängern bestehen soll. Auch in Europa und anderen hochentwickelten Gebieten gibt es Frugalisten.[14] Ein deutscher Frugalist definiert den Begriff folgendermaßen: „Frugalisten sind Menschen, die aus dem Hamsterrad der Arbeitswelt ausbrechen wollen.“ Sie beschäftigten sich mit der Frage, „wie sie möglichst früh finanziell unabhängig von ihrem Einkommen werden, also nur noch von ihrem angesparten Vermögen leben“. Es handele sich bei Frugalisten um „Menschen, die nicht arbeiten wollen, bis sie 67 Jahre alt sind“. Es sei durchaus möglich, bis zu 60 Jahre lang ausschließlich von dem nicht konsumierten Teil des Erwerbseinkommens, das man bis zum 40. Geburtstag erzielt hat, und den auf die Aktien, die Geldanlagen und das Ersparte anfallenden Wertsteigerungen, Dividenden und Zinsen zu leben.[15] In den Vereinigten Staaten wird der Trend mit der Abkürzung „fire“ bezeichnet: „financial independance, retire early“ (finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand). Gisela Enders, Coach und Autorin, ist jedoch überzeugt, dass die meisten Menschen es nicht lange ohne Arbeit aushielten. Wer ausgesorgt habe, nehme meist wieder eine Tätigkeit in zeitlich begrenztem Umfang auf oder beginne ein Projekt. Diese Menschen hätten die Freiheit, sich für eine Tätigkeit zu entscheiden, die ihnen Spaß bereite.[16]

Das Institut für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ) charakterisiert Frugalisten als „Gruppe von Menschen, die radikal Status-unabhängig, aber nicht unchic leben möchten. Sie interessieren sich für Herkunft und Langlebigkeit von Produkten, für die Ökobilanz und den klimatischen Fußabdruck, vor allem aber für selbstgemachte Alternativen. In der Regel haben die Frugalisten wenig Geld, manchmal sind sie aber auch wohlhabend mit einer klar kritischen Attitüde und einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein für das große Ganze.“ In der „Post-Rezessions Ära“ ab 2009 hätten US-Amerikaner „die Erfahrung [gemacht], dass viele Landsleute nach wie vor sehr bewusst darauf achten müssen, ihr Geld zusammenzuhalten. Aber dass auch sie einen Beitrag leisten können, um gegen Erderwärmung und Klimawandel vorzugehen. Der Lifestyle der Frugalisten mit ihrem neuen bewussten Konsumverhalten hilft ihnen dabei.“[17] Auch Menschen, die unfreiwillig ein „bescheidenes“ Leben führen müssen, könnten Frugalisten sein, nämlich dann, wenn sie ein „stylishes Armutsbewusstsein“[18] hätten, meint Eike Wenzel, Leiter des ITZ.[19]

Beurteilung

Ökonomische Argumentation

Bescheidenheit kann das zwangsläufige Ergebnis geringer Kaufkraft sein. Solange sich die Einkommens- und Vermögensverhältnisse von Menschen mit einer geringen Kaufkraft nicht deutlich verbessern, sind sie in der Regel gezwungen, sich mit dem zu „bescheiden“, was sie besitzen, selbst herstellen bzw. erledigen und dazukaufen können. Sofern sie als kreditwürdig gelten, können sie sich zwar verschulden, gehen dabei aber das Risiko einer Überschuldung ein. In den USA wurde ab 2007 die vernünfige Regel massenhaft missachtet, wonach man sich nicht Dinge leisten sollte, die man langfristig nicht bezahlen kann, und wonach Geldgeber Menschen, die das in ihrem Fall anders beurteilen, nicht als kreditwürdig bewerten sollten. Das führte zu einem Beinahe-Kollaps der Wirtschaftsordnung.

Am Phänomen des Mangels an Kaufkraft knüpft auch das Konzept der "Frugal Innovation" an. Um die Märkte in Schwellen- und Entwicklungsländern für ihre Produkte zu öffnen, versuchen Firmen, diese auf ihre wichtigsten Merkmale zu reduzieren, um sie auch für ärmere Menschen erschwinglich anbieten zu können.[20] Dieses Verhalten hat, wie auch das der wenig konsumierenden Geringverdiener aus Gründen der ökonomischen Vernunft, nichts mit einer Umsetzung des Ideals der Demut zu tun.

Psychologische Argumentation

Kanadische Forscher von der University of British Columbia haben unter Leitung von Aaron Weidman die psychische Struktur von Bescheidenheit untersucht.[21] Die Antworten von insgesamt 1.438 Studienteilnehmern zeigten demnach, dass es zwei Formen gebe: eine anerkennende Bescheidenheit, bei der man andere lobe und auf sie zugehe, und eine abwertende Bescheidenheit, bei der sich jemand selbst herabsetze und zurückziehe.

Anerkennende Bescheidenheit folge persönlichem Erfolg, sei damit verbunden, dass man andere lobe, und mit einer Persönlichkeit verbunden, die auf Leistung und spontanen Stolz auf sich selbst aus sei, der aber nicht „inszeniert“ (d. h. anderen übermäßig deutlich gezeigt) werde. Selbstabwertende Bescheidenheit folge persönlichem Misserfolg und sei mit einer Persönlichkeit verbunden, die bei sich überwiegend Misserfolg, Scham und ein geringes Selbstwertgefühl wahrnehme und zur Unterwürfigkeit neige. Solche Menschen würden verlegen, wenn sie „von jemandem in den höchsten Tönen gelobt“ würden. Die Forscher bewerten diesen Persönlichkeitstyp als „neurotisch“.

Die Herausgeber der Zeitschrift „Wirtschaftspsychologie aktuell“ haben keinerlei Verständnis für das aus „falscher Bescheidenheit“ resultierende „selbstschädigende Verhalten“ eines Angestellten, der darauf verzichte, ein höheres Gehalt zu verlangen, wenn gute Aussichten bestünden, dass sein Arbeitgeber diesem Wunsch nachkomme.[22]

Philosophisch-moralische Argumentation

Theologen weisen gern auf die Mahnung des Apostels Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther hin: „Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich dann…?“ (1. Kor. 4,7). Demnach verkenne ein „Angeber“, dass die Quelle alles seines materiellen Besitzes, seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten Gott, sein Schöpfer, sei, dem allein der Dank für das von dem Menschen Erworbene und Erreichte zustehe. Dieses Zitat bedeute aber nicht, dass der Mensch leugnen müsste, dass er über die Gaben verfüge, derer er sich gerne rühmen würde. Verboten sei ihm nur ein übermäßiger Stolz über seinen Besitz, seine soziale Stellung und seine Begabung.[23]

Otto Friedrich Bollnow zufolge verlange „[d]ie Forderung der Bescheidenheit […] vom Menschen, daß er nicht vermessen über sich selbst hinausgreifen soll, daß er nicht zu viel verlangen soll, weder von sich selber noch vom Schicksal, sondern sich mit dem ‚bescheiden‘ soll, was ihm gegeben ist. Bescheidenheit bezeichnet hier also das rechte Verhältnis in den Lebenserwartungen, und zwar sowohl gegenüber den eigenen Kräften wie in den Ansprüchen an die Umwelt. Titanisches Wollen wie krankhafte Gier sind in ihrer Maßlosigkeit der Bescheidenheit in gleicher Weise entgegengesetzt.“[24]

Der Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz sieht in seiner Analyse des historisch immer wieder auflebenden Trends zur Bescheidenheit, zum Maßhalten und zum einfachen Leben, der sich von den antiken Philosophen wie Sokrates, Antisthenes, den Stoikern oder den Kynikern über das Mittelalter mit der ständig wiederholten Forderung nach der Mâze bis in die Deutsche Wandervogel­bewegung und das aktuelle Trekking- und Survival-Erlebnis verfolgen lasse, ein Bedürfnis nach dem elementaren Leben als „Schlüssel zum Glücklichsein“. Er fordert ein Umdenken dahingehend, dass diese „archaische“ Haltung nicht mehr als kurios verstanden werden soll: „Nicht die Bedürfnislosigkeit, sondern die überzogene Bedürfnishaltung ist in Wirklichkeit pathologisch“. (S. 223) In einer zunehmend auf materiellen Wohlstand und „übertriebenen Luxus“ ausgerichteten „Anspruchsgesellschaft“ könne der Bescheidene nach Warwitz zum Mahner der Gesellschaft werden, wie es die großen Propheten Buddha oder Jesus den Menschen ihrer Zeit vorgelebt hätten. Das Loslösen von „überflüssigen Bedürfnissen“ verspreche dabei mehr Freiheit für immaterielle Wertverwirklichungen. Das Geheimnis des Glücks liege danach nicht im überproportionierten bequemen Wohlstand, sondern in der erlernbaren Fähigkeit, Ansprüche an sich selbst zu stellen, mit dem „Notwendigen“ auszukommen, für sich eine ethisch basierte Sinngebung zu finden und über die eigene Leistung dabei mit sich und der persönlichen Lebensvorstellung ins Gleichgewicht zu gelangen.[25]

Literatur

  • K. Berg: Zur Geschichte der Bedeutungsentwicklung des Wortes Bescheidenheit, In: Würzburger Prosastudien Bd. 1: Wort-, Begriffs- und textkundliche Untersuchungen, München 1968, S. 16–80.
  • Otto Friedrich Bollnow: Wesen und Wandel der Tugenden. Ullstein, Frankfurt 1958, S. 122–135.
  • Otto Friedrich Bollnow: Die Tugend der Bescheidenheit. Die Sammlung 11, 1956, S. 225–233 (online)
  • Friedrich Koch: Der Kaspar-Hauser-Effekt. Über den Umgang mit Kindern. Opladen 1995. ISBN 978-3810013590.
  • John-Roger und Peter MacWilliams: Geld alleine macht nicht glücklich. Wege zur neuen Bescheidenheit. Ullstein, Frankfurt am Main 1994.
  • B. Schwenk: Art. Bescheidenheit, In: Historisches Wörterbuch der Philosophie Bd. 1, S. 837f.
  • Heinz Volz: Überleben in Natur und Umwelt. 14. Auflage, Walhalla-Fachverlag, Regensburg 2010, ISBN 978-3-8029-6436-7.
  • Siegbert A. Warwitz: Flow - Wenn Wagnis sich in Wohlgefühl wandelt, In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Schneider, 2. Auflage, Baltmannsweiler 2016, S. 222–223.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerhard Wahrig: Bescheidenheit, In: Ders.: Deutsches Wörterbuch. Gütersloh 1970, Spalte 643
  2. K. Berg: Zur Geschichte der Bedeutungsentwicklung des Wortes Bescheidenheit, In: Würzburger Prosastudien Bd. 1: Wort-, Begriffs- und textkundliche Untersuchungen, München 1968, S. 16–80
  3. P. Laféteur: Die Mäßigkeit., in: Arbeitsgemeinschaft von Theologen [Hrsg.]: Die katholische Glaubenswelt: Wegweisung und Lehre. - Herder, Freiburg [u. a.]. - 3. Auflage 1960. - Bd. 2: Moraltheologie., S. 868 (933)
  4. Otto Friedrich Bollnow: Wesen und Wandel der Tugenden. Ullstein, Frankfurt 1958, S. 131
  5. Siegbert A. Warwitz: Thesen zum wertorientierten Wagnis, In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Schneider, 2. Auflage, Baltmannsweiler 2016, S. 301–308
  6. Rudolf Klußmann: Psychosomatische Medizin. Eine Übersicht. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-97326-0, S. 19 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 31. August 2019]).
  7. Klaus Döring: Die Kyniker, C. C. Buchners Verlag, Bamberg 2006
  8. Schwenk, 837
  9. Vgl. neben den Angaben im Hauptartikel Freidank Einleitung und Text In: Wolfgang Spiewok (Hrsg.): Freidanks Bescheidenheit. Auswahl, mittelhochdeutsch - neuhochdeutsch. Reclam, Leipzig 1985
  10. Vgl. u. a. Summa theologica IIª-IIae, q. 143 co. Einen exemplarischen Überblick zu Debatten im 12. Jahrhundert und weitere Literatur bietet: Bernd Roling: Das 'Moderancia'-Konzept des Johannes de Hauvilla. Zur Grundlegung einer neuen Ethik laikaler Lebensbewältigung im 12. Jahrhundert, In: Frühmittelalterliche Studien 37 (2003), S. 167–258.
  11. Reinhard Barth: Jugend in Bewegung. Die Revolte von Jung gegen Alt in Deutschland im 20. Jahrhundert. Berlin 2006
  12. John-Roger und Peter MacWilliams: Geld alleine macht nicht glücklich. Wege zur neuen Bescheidenheit. Ullstein, Frankfurt am Main 1994
  13. Heinz Volz: Überleben in Natur und Umwelt. 14. Auflage, Walhalla-Fachverlag, Regensburg 2010
  14. Focus: Mit Mitte 40 in den Ruhestand: Frugalisten sparen mit eisernen Methoden, vom 27. April 2018, abgerufen am 11. Februar 2019
  15. "Frugalist" im Interview: "Ich gehe mit 40 Jahren in Rente". Wirtschaftswoche. 14. November 2017
  16. Anne Seith: Hippies mit Geld. In: Der Spiegel 46/2018, 10. November 2018, S. 72–74.
  17. Institut für Trend- und Zukunftsforschung (itz): Frugal Lifestyle. Neue Konsumspielarten für Anti-Konsumisten. 13. Oktober 2012
  18. Alexander von Schönburg: Die Kunst des stilvollen Verarmens: Wie man ohne Geld reich wird. Rowohlt. Reinbek 2005. ISBN 978-3-871-34520-3
  19. Eike Wenzel: Konsumziel Bewusstseinserweiterung. Die Presse. 23. Januar 2010
  20. Anne-Christin Lehner: Systematik zur lösungsmusterbasierten Entwicklung von Frugal Innovations. Dissertation. Nixdorf Institut, Universität Paderborn – Paderborn – 2016, S. 13ff.
  21. Anerkennende und abwertende Bescheidenheit. Wirtschaftspsychologie aktuell. 12. September 2016
  22. Selbstschädigendes Verhalten aufgeben. Wirtschaftspsychologie aktuell. 12. Juni 2013
  23. Thomas Gerlach: Demut – Was soll daran gut sein? evangelischer-glaube.de – die Online-Dogmatik. Folge 110
  24. Otto Friedrich Bollnow: Die Tugend der Bescheidenheit. Die Sammlung 11, 1956, S. 229
  25. Siegbert A. Warwitz: Wenn Wagnis sich in Wohlgefühl wandelt, In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Schneider, 2. Auflage, Baltmannsweiler 2016, S. 222–223
Aljoscha der Topf

Aljoscha der Topf (russisch Алёша Горшок, Transkription: Aljoscha Gorschok, Transliteration: Alëša Goršok) ist eine Kurzgeschichte von Lew Tolstoi, die Ende Februar 1905 entstand und 1911 postum erschien.

Tolstoi bietet darin ein Lob auf die Bescheidenheit des einfachen Menschen.

Amand Goegg

Amand Goegg (* 7. April 1820 in Renchen; † 21. Juli 1897 in Renchen) war ein führender Kopf der badischen Revolution und Mitglied der Revolutionsregierung. Goegg war der Ehemann der Schweizer Frauenrechtlerin Marie Pouchoulin.

Chris Bonington

Sir Christian „Chris“ John Storey Bonington, CVO, CBE, DL (* 6. August 1934 in Hampstead, England) ist ein britischer Bergsteiger. Er ist einer der bekanntesten und vielseitigsten Bergsteiger des 20. Jahrhunderts und wurde 1996 zum Ritter geschlagen.

In seiner Karriere hat er 19 Expeditionen in den Himalaya unternommen, davon vier zum Mount Everest. Unter seiner Leitung gelang 1975 erstmals die Durchsteigung der Südwestwand.

Bonington hat 15 Bücher geschrieben und ist häufig im Fernsehen aufgetreten. Zuweilen wird er für seine Bescheidenheit gelobt und dafür, dass er das „britische Kletterethos“ hochhalte und von Besteigungen ohne technische Hilfsmittel und Kletterhaken träume. Allerdings gab seine Verwicklung in den Tod des australischen Bergsteigers Anthony Tighe am Everest im Jahr 1972 zu Kritik Anlass. Bonington hatte Tighe ohne Erlaubnis der nepalesischen Regierung den Aufstieg in ein Hochlager gewährt, obwohl dieser kein Mitglied der Expedition war.

Von Januar 2005 bis Ende 2014 hatte er das Amt des Chancellors (entspricht etwa einem Rektor) an der Universität von Lancaster inne.

Contenance

Das Wort Contenance (gesprochen [kõtəˈnɑ̃ːs] – daher auch Kontenance geschrieben; über das altfranzösische contenance aus dem lateinischen continentia, für „Bescheidenheit, Zurückhaltung, Enthaltsamkeit, Selbstdisziplin, Selbstbeherrschung“, entlehnt; Nebenform: Kontinenz) bedeutet „Haltung“, „Fassung“ oder „Gemütsruhe“ sowie die Gelassenheit und Besonnenheit in schwierigen Situationen der Interaktion und Kommunikation.

Die Wahrung von Contenance kann in manchen Situationen taktische Überlegenheit schaffen und eine Eskalation verhindern. Besonders in gehobenen Gesellschaftsschichten dient die Wahrung der Contenance der Distinktion.

Häufig gebrauchte sprachliche Ausdrücke sind „die Contenance wahren“ oder „die Contenance verlieren“.

Derwisch

Der Ausdruck Derwisch bezeichnet vor allem in den europäischen Sprachen einen Sufi, einen Angehörigen einer muslimischen asketisch-religiösen Ordensgemeinschaft (tariqa), die im Allgemeinen für ihre Bescheidenheit und Disziplin bekannt ist.

Derwische praktizieren den Sufismus und gelten als Quelle der Klugheit, der Heilkunst, der Poesie, der Erleuchtung und der Weisheit. Zum Beispiel wurde Nasreddin nicht nur für Muslime zu einer Legende im Orient.

Freidank

Freidank (auch: Vrîdanc, Vrîgedanc; † vermutlich 1233 in Kaisheim) war ein fahrender Kleriker ohne Weihen (Vagant), der vermutlich aus Schwaben oder dem Elsass stammte. Er dürfte am Ende des 12. Jahrhunderts geboren sein. 1228 bis 1229 nahm er möglicherweise am Kreuzzug Friedrichs II. teil. Als Todesjahr wird nach den Angaben der Kaisheimer Annalen 1233 angenommen. Hartmann Schedel sah 1465 in Treviso nach eigener Angabe ein Grabmal mit Grabschrift eines Freydanck.

Graue Maus

Als graue Maus wird ein unauffälliger Mensch meist weiblichen Geschlechts bezeichnet. Weiteres Merkmal ist die Bescheidenheit, die allerdings auch vorgeschützt sein kann. Eine unauffällige – eben als grau empfundene – Kleidung verstärkt dieses Bild der betreffenden Person oft zusätzlich.

Im Wörterbuch der Mikropolitik heißt es dazu: „Auch kulturelle Faktoren beeinflussen den Stil der Selbstdarstellung: In einem Land, in dem Bescheidenheit und Kollektivismus normativ sind, wie z. B. Japan, wird assertive Selbstdarstellung seltener sein als in einer Kultur, in der v. a. individuelle Leistung zählt (z. B. USA).“ Jeder Stil sei mit Chancen und Risiken verbunden: eine „graue Maus“ (Tarnkappen-Effekt) bleibe zwar unauffällig und meist ungefährdet, könne aber auch nicht positiv hervortreten.

In der Bundesliga wurde oft der VfL Bochum als graue Maus bezeichnet, da er zwar über 20 Jahre lang die Klasse hielt, aber nur selten im oberen Tabellenfeld zu finden war, sondern zumeist gegen den Abstieg kämpfte.

Japanische Höflichkeitssprache

Ein zentrales Element der japanischen Sprache ist das Keigo (jap. 敬語), die Höflichkeitssprache. Das moderne Deutsch kennt den formalen Unterschied zwischen den Ebenen „Du“ und „Sie“, im japanischen ist dieses System komplexer. Der Hauptgedanke ist, dem Gesprächspartner und eventuell Dritten gegenüber Respekt zu zeigen, während man auf sich selbst bezogen Bescheidenheit übt. Die Sprache ist dabei sehr nuancenreich, mit fließenden Übergängen zwischen den einzelnen Höflichkeitsebenen.

Die Höflichkeit bewegt sich auf zwei Schienen. Die erste ist die Uchi-Soto-Beziehung, etwa Innen-außen-Beziehung. Die Bescheidenheit bezieht sich nicht nur auf den Sprecher selbst, sondern auch auf das, was zum Umkreis des Sprechers gehört, die eigene Familie, die Abteilung in der Firma oder die gesamte Firma gegenüber einem Kunden. Einem Außenstehenden gegenüber wird Respekt bezeugt.

Innerhalb des Uchi-Kreises gibt es dagegen eine Hierarchie, etwa die berufliche Stellung, das Alter oder die Generationen einer Familie. Hier wird die Höflichkeitssprache verwendet, um einem Höherstehenden gegenüber Respekt zu zeigen.

Ein ähnlich umfangreiches System der Höflichkeitssprache besitzt auch Sanskrit (Indische Sprachen), die javanische Sprache (Austronesisch), die koreanische Sprache sowie (heute nur mehr teilweise) die Chinesischen Sprachen.Verwendung findet Keigo nach wie vor bei formellen Anlässen, in der Politik und im Geschäftsleben; beim Gespräch mit Kunden wird von Angestellten der Gebrauch von Keigo erwartet. Dabei handelt es sich im heutigen Alltag hauptsächlich um ein Repertoire fester Formulierungen – eine fehlerlose Beherrschung des Keigo im freien Gespräch können nur wenige Japaner für sich beanspruchen.

Jean Siméon Chardin

Jean Siméon Chardin (* 2. November 1699 in Paris; † 6. Dezember 1779 ebenda), fälschlicherweise auch schon zu seinen Lebzeiten Jean-Baptiste-Siméon Chardin genannt, war der große Individualist unter den französischen Malern des 18. Jahrhunderts. Durch seine Stillleben und Genrebilder, die sich durch außerordentliche Klarheit und Bescheidenheit auszeichnen, erlangte er Berühmtheit. Er reiste nie ins Ausland, um sich von antiken Werken inspirieren zu lassen. Die Vervollkommnung der Komposition sowie die Harmonie von Farben und Schattierungen galten ihm mehr als die Themenwahl.

Johannes XXIII.

Johannes XXIII. (* 25. November 1881 in Sotto il Monte, Provinz Bergamo, Lombardei; † 3. Juni 1963 in der Vatikanstadt) – bürgerlicher Name Angelo Giuseppe Roncalli – wurde am 28. Oktober 1958 als Nachfolger von Pius XII. zum 261. Papst der römisch-katholischen Kirche gewählt. Er wird auch der „Konzilspapst“ oder wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe im Volksmund il Papa buono („der gute Papst“) genannt. Er wurde am 3. September 2000 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Papst Franziskus sprach Johannes XXIII. am 27. April 2014 heilig. Sein Gedenktag in der römisch-katholischen Kirche ist der 11. Oktober, der Tag, an dem 1962 das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet wurde. Die evangelisch-lutherische Kirche in Amerika gedenkt seiner am 3. Juni, seinem Todestag.

Kobayashi Issa

Kobayashi Issa (jap. 小林 一茶; * 15. Juni 1763 in Kashiwabara, Provinz Shinano (heute: Stadtteil von Shinano, Präfektur Nagano); † 5. Januar 1828 ebenda; bürgerlicher Name: 小林 信之 Kobayashi Nobuyuki, Kindheitsname: 小林 弥太郎 Kobayashi Yatarō) war ein japanischer Haiku-Dichter. Issa zählt zu den „Großen Vier“ der japanischen Haiku-Dichtkunst: Matsuo Bashō, Buson, Shiki, Issa. Der von ihm gewählte Dichtername Issa bedeutet so viel wie „ein Tee“ oder „ein Schluck Tee“ und ist als Ausdruck seiner Bescheidenheit und Einfachheit zu verstehen.

Liisi Oterma

Liisi Oterma (* 1915; † 4. April 2001) war eine finnische Astronomin und die erste Frau, die in Finnland in Astronomie promovierte. Sie ist besonders berühmt für ihre astronomischen Beobachtungen. Sie entdeckte unter anderem 54 Asteroiden und drei Kometen.Die talentierte junge Liisi Oterma studierte an der Universität Turku – zunächst im Fach Mathematik, dann im neu eingerichteten Studiengang Astronomie. Zusammen mit Yrjö Väisälä, dessen Schülerin sie anfangs war, war sie maßgeblich am Aufbau der astronomischen Forschung Finnlands beteiligt. Sie war die erste Frau, die in Finnland im Wissenschaftsbereich Astronomie promovierte. Ihre Doktorarbeit befasste sich mit einem Thema der Teleskop-Optik. Sie erhielt später eine Professur an der Universität Turku und trat die Nachfolge Väisäläs als Direktorin des Tuorla Observatoriums an.

In ihrer Laufbahn entdeckte Liisi Oterma im Rahmen eines der intensivsten Asteroiden-Suchprogramme Finnlands zahlreiche Asteroiden sowie u. a. die Kometen 38P/Stephan-Oterma und 39P/Oterma. Ihr selbst wurde der Asteroid (1529) Oterma gewidmet, der 1938 von ihrem Mentor Yrjö Väisälä entdeckt wurde. Oterma war vielseitig interessiert und begabt, wies jedoch gleichsam große Bescheidenheit auf, wenn es um ihre eigenen Person ging. Der dänische Professor Anders Reiz sagte einst, Liisi Oterma schweige in elf verschiedenen Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Ungarisch, Italienisch und Esperanto; Ihre Dissertation verfasste sie in französischer Sprache.

Pluralis Auctoris

Als Pluralis Auctoris (auch Autorenplural, Autorenmehrzahl) bezeichnet man die Verwendung einer Pluralform in wissenschaftlichen Texten und Vorträgen oder in der juristischen Sprache.

Der Sprecher oder Schreiber, obwohl er eigentlich sich selbst meint, kommuniziert so Einverständnis mit dem Zuhörer oder Leser (Bsp.: „Auf diesen Punkt wollen wir nicht weiter eingehen …“) bzw. kehrt die Objektivität und Generalität einer wissenschaftlichen Arbeit durch Verzicht auf das subjektive und spezielle „Ich“ hervor. Der Angesprochene wird vom Autor in die Überlegungen einbezogen. Im Übrigen ist wissenschaftliche Arbeit selten eine Einzelleistung, sondern baut auf Werken anderer auf. Auch das findet im Pluralis Auctoris seine Entsprechung.

In diesem Sinn hat Bonaventure d’Argonne als Argument Blaise Pascals überliefert: „Monsieur Pascal äußerte über jene Autoren, die sagen, wenn sie von ihren Werken sprechen: ‚Mein Buch, mein Kommentar, meine Geschichte usw.‘, man merke ihnen an, daß sie Bürger seien, die ein eigenes Haus besitzen und stets ein ‚bei mir daheim‘ im Munde führen. Sie täten besser daran, fügte dieser vortreffliche Mann hinzu, wenn sie sagten: ‚Unser Haus, unser Kommentar, unsere Geschichte usw.‘, weil sich ja gewöhnlich darin mehr vom Gut anderer als von ihrem eigenen finde.“Der Pluralis Auctoris wird zum Teil mit dem sogenannten Pluralis Modestiae (Bescheidenheitsplural) gleichgesetzt, bei welchem durch die Vermeidung des „Ich“ Bescheidenheit ausgedrückt werden soll. Autorenplural und Bescheidenheitsplural stehen damit in einem Gegensatz zum Pluralis Majestatis.

Pluralis Modestiae

Als Pluralis Modestiae (Bescheidenheitsplural, Bescheidenheitsmehrzahl) bezeichnet man die Verwendung einer Pluralform (Bsp.: „Wir haben es geschafft“ statt „Ich habe es geschafft“), um durch die Vermeidung des Wortes „Ich“ Bescheidenheit auszudrücken.Der Pluralis Modestiae wird zum Teil mit dem sogenannten Pluralis Auctoris (‚Autorenplural‘) gleichgesetzt, bei dem der Autor eines Textes das „Ich“ vermeidet. Bescheidenheitsplural und Autorenplural stehen damit in einem Gegensatz zum Pluralis Majestatis.

Subantarktis

Unter Subantarktis versteht man den Teil der Antarktis im weiteren Sinne, der sich zwischen der Antarktischen Konvergenz etwa bei 49° südlicher Breite und dem südlichen Polarkreis bei 66° 33' 38" südlicher Breite erstreckt. Südlich davon befindet sich die Antarktis im engeren Sinne.

Die subantarktischen Inseln sind für ihre Artenvielfalt bekannt. Es gibt dort verschiedene Robbenarten und zahlreiche Vögel wie den Weißgesicht-Scheidenschnabel und den Zügelpinguin.

Waldfriedhof Tallinn

Der Tallinner Waldfriedhof (estnisch Tallinna Metsakalmistu) ist der Prominentenfriedhof der Republik Estland.

Der Waldfriedhof von Tallinn wurde 1933 im Stadtbezirk Kloostrimetsa angelegt. Im Jahre 1939 wurde er offiziell eingeweiht. Er umfasste damals eine Fläche von 24,2 Hektar und wurde seither auf 48,4 Hektar vergrößert.

Auf dem Waldfriedhof dominieren die Ruhe und ungestaltete Natürlichkeit der Landschaft und des Waldes. Die Gräber selbst sollen sich durch Bescheidenheit in die Natur einpassen. Es fehlen daher großartige Grabmonumente. Die Höhe der Grabsteine ist auf 1,5 m begrenzt.

1936 wurde auf dem Gelände eine kleine Kapelle errichtet, die 1996 renoviert wurde.

Der Metsakalmistu ist seit seiner Gründung Grabstätte für die wichtigen Persönlichkeiten Estlands. 1933 wurde dort als Erster der Schriftsteller Eduard Vilde beigesetzt.

Wodaabe

Die Wodaabe („Volk des Tabus“) oder Fulbe Bororo gehören zur ethnischen Gruppe der Fulbe. Sie sind einer der letzten Stämme Afrikas, die sich als Rinderhirten in der Sahelzone ihr vollnomadisches Dasein bewahrt haben. Überwiegend leben die Wodaabe heute in Niger, wo sie etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Ihr Verhaltenskodex betont Zurückhaltung und Bescheidenheit (semteende), Geduld und Seelenstärke (munyal), Sorge und Voraussicht (bakkilo) sowie Loyalität (amana).Die 45.000 Mitglieder der Gemeinschaft legen Wert auf Schönheit und Charme, die die Grundlage eines ungewöhnlichen und einzigartigen Brautwerbungsrituals bilden, das geerewol, bei dem die Männer in einem dreitägigen Tanzwettbewerb um den Titel des Schönsten wetteifern. Das geerewol ist auch das Dankfest für den üppigen Graswuchs der Regenzeit.

YOLO

Die umgangssprachliche Abkürzung YOLO [ˈjoʊ.loʊ] steht als Akronym für die englische Phrase „you only live once“ („du lebst nur einmal“) und ist eine Aufforderung, eine Chance zu nutzen und einfach Spaß zu haben, egal welchen Gefahren man sich aussetzt, welche Verbote man missachtet oder ob man Disziplin, Ordnung und Vernunft außer Acht lässt. Daneben ruft sie zu Risikobereitschaft und unkonventionellem Vorgehen auf und soll den Eindruck vermitteln, dass der Sprecher „die Lage im Griff habe“.

Während der Begriff in weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt ist, ist er vor allem in jüngeren Altersgruppen bekannt und wird innerhalb dieser verwendet. Allerdings ist er nicht nur in Deutschland unter den Jugendlichen verbreitet, sondern fast weltweit unter der jüngeren Bevölkerung in Verwendung.

YOLO wird auch oft von Jugendlichen benutzt, nachdem sie etwas getan haben, das beispielsweise verboten oder gefährlich war. Sie sehen solche Aktionen als sogenannte „YOLO-Aktionen“ an, die für größeres Ansehen und Respekt sorgen.

YOLO wird oft mit dem lateinischen „carpe diem“ (deutsch: Nutze den Tag) verglichen und gleichgestellt, ist aber von etwas anderer Bedeutung. So verweist „carpe diem“ darauf, dass man in Bescheidenheit seinen Aufgaben nachkommt, um ein ruhiges Leben führen zu können und Erkenntnis zu erlangen. „YOLO“ kann demgegenüber, wie gesagt, geradezu als Aufforderung zur Unvernunft angesehen werden.YOLO soll zum ersten Mal als Aufdruck auf einem T-Shirt, das Adam Mesh bei einem Gastauftritt in der Fernsehshow „The Average“ 2004 trug, aufgetreten sein. Zu einem Schlagwort der Jugendkultur wurde es aber vor allem durch den Hip-Hop-Song „The Motto“ von Drake. Ungefähr seit Ende 2011 ist YOLO fester Bestandteil des Wortschatzes der Jugendsprache. Während viele Jugendliche häufig und gerne YOLO sagen, sind viele Erwachsene bereits genervt von diesem Ausdruck. So haben amerikanische Onlinemedien YOLO bereits als „das neueste Akronym, das Sie mit Vorliebe hassen werden“ und als „dumm“ bezeichnet.

2012 wurde „YOLO“ in Deutschland zum Jugendwort des Jahres gewählt.

Zoot Money’s Big Roll Band

Zoot Money’s Big Roll Band war eine britische Soul-Band, die Mitte der 1960er Jahre vornehmlich in Großbritannien erfolgreich war.

Zoot Money selbst spielte Orgel und sang in einem funkigen, vom Blues herkommenden Stil. Er beherrschte mit seiner kraftvollen, unverwechselbaren Persönlichkeit jeden Song und wurde von einer hervorragenden Band begleitet. Zu dieser gehörte unter anderem Andy Summers, der später mit The Police noch viel berühmter werden sollte.

In die Charts hat es die Band einmal geschafft, mit der Single Big Time Operator, in der Zoot sich in aller Bescheidenheit selbst beschreibt.

Zoot gründete später eine experimentelle Gruppe namens Dantalion’s Chariot, bevor er Organist bei Eric Burdons Animals wurde.

In anderen Sprachen

This page is based on a Wikipedia article written by authors (here).
Text is available under the CC BY-SA 3.0 license; additional terms may apply.
Images, videos and audio are available under their respective licenses.