Ben Franklin (PX-15)

Die Ben Franklin (Bezeichnung: PX-15) ist ein Forschungs-Mesoskaph, das 1967 von Jacques Piccard und der Grumman Aerospace Corporation gebaut wurde. Piccard wollte mit diesem Fahrzeug den Golfstrom erforschen und eine Drift durch diesen durchführen.

Piccard, der 1960 mit dem Bathyscaphen Trieste einen bis 2019 bestehenden Tiefenrekord von 10.912 m aufgestellt hatte[1], plante ab 1965 ein für längere Forschungsfahrten in mittleren Tiefen geeignetes Fahrzeug und traf sich daher mit Marc Bailley-Cowell von der Grumman Aerospace Corporation, um die Pläne auszuarbeiten. Der Bau begann 1967 wie bei Piccards vorhergehendem Boot, der Auguste Piccard im schweizerischen Monthey; zeitgleich führte Grumman Langzeittests durch, bei denen sich zwei Personen 100 Stunden lang in einer Druckkammer aufhielten. Im April 1968 wurde das Fahrzeug zur endgültigen Fertigstellung nach Palm Beach (Florida) verschifft, wo das Boot am 26. Juli 1968 vom Stapel lief. Am 21. August des Jahres wurde es auf den Namen von Benjamin Franklin getauft, dem Namensgeber des Golfstromes. Anschließend folgte eine längere Testphase, die im Frühsommer 1969 beendet war.

Am 14. Juli 1969 begann die wissenschaftliche Mission der Ben Franklin vor West Palm Beach, Florida. Ziel des Einsatzes waren die Erforschung der Tiefenströmung des Golfstromes vor der Ostküste der USA und des mehrwöchigen Zusammenlebens und Arbeitens der Mannschaft auf engem Raum. Im Hinblick auf letzteren Punkt kooperierte Piccard auch mit der NASA, die sich von dem Einsatz wichtige Erkenntnisse für den Bau von Raumstationen erhoffte und medizinische Untersuchungen durchführte. Gleichzeitig wurden die ozeanographisch relevanten Daten der Umgebung gemessen und für eine spätere Auswertung gespeichert. Zwei Schiffe, das Mutterschiff Privateer und das Forschungsschiff Kellar, begleiteten die PX-15 auf ihrer Fahrt.

Teilnehmer der Tauchfahrt waren:

  • Jacques Piccard als Projektleiter
  • Donald J. Kazimir von der Grumman Corporation als Steuermann
  • Erwin Aebersold, Piccards Mitarbeiter, als zweiter Steuermann
  • Roswell F. Busby, vom US Naval Oceanographic Office, für ozeanographische Experimente und Betrachtungen zur weiteren Verwendung dieses U-Boottyps
  • Kenneth Haigh, vom US Naval Oceanographic Office, für wissenschaftliche Experimente
  • Chester B. May, von der NASA, zur Auswertung der Lebensverhältnisse an Bord.

Die Mission endete 30 Tage und elf Stunden später am 14. August 1969, als die Ben Franklin ca. 500 km südlich von Halifax (Nova Scotia) auftauchte. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Boot mit dem Strom ca. 2.400 km zurückgelegt. Dabei variierte die Tauchtiefe zwischen 200 und 600 m. Die Besatzung kam nach eigenen Angaben gut mit den Gegebenheiten aus, alle Experimente und Aufgaben konnten termingerecht ausgeführt werden, Verbesserungsbedarf herrschte lediglich bei der Kommunikation mit der Außenwelt.

Nach diesem erfolgreichen Einsatz wurde die Franklin zunächst für weitere wissenschaftliche Tauchfahrten genutzt, wobei u. a. Robert D. Ballard an Bord war. Am 12. April 1970 wurde das Boot bei den Bahamas an einem Korallenriff schwer beschädigt. 1971 kaufte die Firma Horton Trading Ltd. das Boot und plante, es in British Columbia zu reparieren und zu erweitern. Dieser Plan wurde jedoch nicht ausgeführt, das Boot wurde stattdessen in einer Werft in Vancouver aufgelegt. 1999 spendete Horton Trading Ltd. das Boot dem Vancouver Maritime Museum, wo es restauriert wurde. Seit 2002 ist das Boot als Museumsschiff zu besichtigen.

Ben franklin today
Die Ben Franklin im Vancouver Maritime Museum, 2009

Das Boot verdrängt 130 t und ist ca. 16 m lang. Als maximale Tauchtiefe werden 2.000 Fuß (ca. 650 m) angegeben, die Zerstörungstiefe beträgt 4.000 Fuß (ca. 1.300 m). Die maximal aus eigenem Antrieb mit um 130° schwenkbaren Elektromotorgondeln erreichbare Geschwindigkeit beträgt 4 kn. Die Besatzung umfasste 6 Mann, es wurden jeweils Versorgungsgüter für sechs Wochen mitgeführt.

Ben Franklin
PX-15
Schiffsdaten
Flagge Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Schiffstyp Mesoskaph
Indienststellung 1967
Verbleib Museumsschiff
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
16 m (Lüa)
Verdrängung 130 t
Maschinenanlage
Maschine Elektromotoren
Höchst-
geschwindigkeit
4 kn (7 km/h)
Einsatzdaten U-Boot
Tauchtiefe, max. 650 m
Zerstörungstiefe 1300 m

Literatur

  • Norbert Gierschner: Tauchboote. Interpress/VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1980
  • Jacques Piccard: Tauchfahrt im Golfstrom – Entstehung und Erprobung des Mesoskaphs. Brockhaus, Wiesbaden 1972, ISBN 3-7653-0247-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Tiefseeforscher schlägt Tauchrekord und findet Plastiktüte. In: Süddeutsche Zeitung. 13. Mai 2019, abgerufen am 14. August 2019.

Koordinaten: 49° 16′ 39,9″ N, 123° 8′ 51,8″ W

Ben Franklin

Ben Franklin bezeichnet:

Benjamin Franklin (1706–1790), US-amerikanischer Politiker und Naturwissenschaftler

Ben Franklin (Texas), Ort in Texas

Ben Franklin (PX-15), Forschungs-Mesoskaph

Bertrand Piccard

Bertrand Piccard (* 1. März 1958 in Lausanne) ist ein Schweizer Psychiater und Abenteurer. Er umkreiste zusammen mit Brian Jones bzw. André Borschberg als erster Mensch die Erde in einem Ballon und in einem Solarflugzeug.

Golfstrom

Der Golfstrom ist eine rasch fließende Meeresströmung im Atlantik. Er ist Teil eines globalen maritimen Strömungssystems, das oft als globales Förderband bezeichnet wird. In Richtung Europa wird der Golfstrom zum Nordatlantikstrom. Er ist Teil der westlichen Randströmung und beeinflusst das Klima in Nordeuropa.

Der Golfstrom befördert etwa 30 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde (30 Sv) am Floridastrom, bei einer Geschwindigkeit von 1,8 Meter pro Sekunde, und bis zu maximal 150 Millionen Kubikmeter Wasser (150 Sv) bei 55° West. Das ist mehr als einhundertmal so viel Wasser, wie über alle Flüsse der Welt zusammen ins Meer fließt. Er transportiert etwa 1,5 Petawatt Leistung. Dies entspricht der elektrischen Leistung von ungefähr einer Million der größten Kernkraftwerksblöcken.

Der Name Golfstrom wurde von Benjamin Franklin geprägt und bezieht sich auf den Golf von Mexiko. Früher wurde er auch „Floridastrom“ genannt, auf den Karten des 16. und 17. Jahrhunderts heißt die Straße von Florida Canal de Bahama.

Mesoskaph

Der Begriff Mesoskaph bzw. Mesoscaph beschreibt eine Klasse von Unterseebooten, die sich im Gegensatz zu Bathyscaphen im mittleren bzw. flachen Tiefenbereich bewegen.

Der Ursprung des Begriffes ist nicht endgültig gesichert. Es wird angenommen, dass er von Auguste Piccard bzw. seinem Sohn Jacques Piccard zur Klassifikation der tiefgehenden Bathyskaphen FNRS-2 und Trieste gegenüber den relativ flach tauchenden Booten Benjamin Franklin (PX-15) bzw. Auguste Piccard (PX-8) geschaffen oder erstmals öffentlich verwendet wurde.

Bekannte Boote dieser Klasse sind:

Ben Franklin (PX-15), ein Forschungs-U-Boot zur treibenden Beobachtung im Golfstrom

Auguste Piccard (PX-8), ein flachgehendes touristisches U-Boot

PX

PX steht als Abkürzung für:

Air Niugini, die größte Fluggesellschaft Papua-Neuguineas, Sitz in Port Moresby nach dem IATA-Code

Christusmonogramm Chr., die Initialen Christi im Griechischen (eigentlich: XP)

Paraxylen, Paraxylol bzw. p-Xylen, p-Xylol, siehe Xylene

Pedro Ximénez, spanische Rebsorte

Praxair, US-amerikanisches Unternehmen (Börsenkürzel)

Primary Index, Dateiendung des Datenbankformats Paradox (Datenbank)

Army & Air Force Exchange Service, Post Exchange, eine Konsumgüterversorgungskette mit eigenen Ladengeschäften des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums für die Versorgung der US Army und der US Air Force

zwei Tauchboote:

Auguste Piccard (PX-8)

Ben Franklin (PX-15)

Vespa PX, ein seit 1977 gebauter Motorroller des italienischen Herstellers PiaggioPX als Unterscheidungszeichen auf Kfz-Kennzeichen:

Großbritannien: Carlisle

Norwegen: Mandal in der Provinz Vest-Agderpx steht als Abkürzung für:

Pixel, die einzelnen Farbwerte einer digitalen Rastergrafik

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