Banater Sandwüste

Die Banater Sandwüste (nach der Landschaft Banat, serbisch-kyrillisch Банатски песак) oder Deliblatska Pescara, auch Sand des Banat (bosnisch Banatski Pesak genannt) ist ein Naturschutzgebiet mit Binnendünen, die sich im Bezirk Južni Banat in der selbstverwalteten Provinz Vojvodina in Serbien befindet. Zudem ist das auch als Deliblater Sand oder Deliblat-Dünen (teilweise lehnübersetzt, zuvor (anglisiert-)latinisiert Deliblatska peščara und dieses wohl entlehnt aus dem serbischen Делиблатска пешчара) bekannte Naturschutzgebiet nach dem dort im Südwesten gelegenen Ort Deliblato benannt, der zur Gemeinde Kovin gehört. Umgangssprachlich wird die Landschaft auch Europäische Sahara (slowenisch Evropska Sahara) genannt.

Deliblato Sands, Foggy morning
Die Banater Sandwüste
Banat Josephinische Landaufnahme pg166
Kartenblatt der Josephinischen Landnahme in der Umgebung von Grebenac, Deliblato-Sanddünen

Historische Namen für die Banater Sandwüste sämtlicher Sprachen im Banat

  • Banater Sandwüste (dt.)
  • Europäische Sahara (dt.)
  • Sandhügel (im Banat)
  • Agger Romanorum (lat.)
  • Homok Puszta (mag.)
  • Deliblatska Pescara (srb.)
  • Banatski Pesak (srb.)
  • Bielo Berdo (serbo-kroatisch)
  • Deliblato Sands (eng.)

Pesak ist das serbische Wort für Sand, der auf ungarisch mit Homok bezeichnet wird. Deutsche in Mramorak fuhren schlicht "in den Sand", wenn sie dort ihre Weingärten aufsuchten.

Beschreibung

Die Dünenlandschaft erstreckt sich zwischen den an der Donau gelegenen Orten Dubovac und Stara Palanka und erstreckt sich in nord-östlicher über eine Fläche von etwa 30.000 Hektar entlang der Orte Deliblato, Mramorak, Dolovo, Vladimirovac, Banatski Karlovac, Nikolonci, Ujma, Izbiste, Šušara, Zagaica, Oresac, Duplaja, Grebenac, Gajtasol, dem Fluss Karasch. Sie stellt ein wüstenartiges Phänomen dar mit einer in Europa einzigartigen Orografie, Flora und Fauna. Die Dünen erreichen teilweise Höhen von mehr als 200 m. i. J.. Ab 1818 wurde die Sandwüste von Franz Bachofen Edler von Echt vor allem zunächst mit heimischen Pappeln, später mit Kanadischen Pappeln und mit Akazien und einer Reihe anderer Pflanzen – aus lokalen Vorkommen und aus anderen Regionen stammend, sowie aus Nordamerika – kultiviert. Heute ist mehr als die Hälfte der Landschaft bepflanzt.

1867 entdeckte der Botaniker Josif Pančić in der Deliblater Sandpuszta zwei Kilometer südwestlich des Dorfes Šušara den Waldsteppen-Wermut. Die sehr seltene Art tritt nur hier sowie an einigen Stellen am anderen Rand der Pannonischen Florenprovinz – in Niederösterreich und in Südmähren – auf.

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Reservats ist der Mädchenbrunnen. Er wird mit vielen Legenden in Verbindung gebracht. Vor einem Jahrhundert wurde er zum Zwecke der Bewässerung künstlich hergestellt. Doch wurde er auch als Frischwasserquelle genutzt. Der Legende nach trugen früher junge Mädchen Wasser vom Brunnen zu den müden und tüchtigen Arbeitern. Um diesen großen Brunnen wurden große Sportanlagen, ein Bad und viele Wanderwege errichtet.

Die Sandbindung unter Franz Bachofen Edler von Echt

Im Jahr 1815 legte Franz Bachofen seinen ersten Sandbindungsplan dem Wiener Hofkriegsrat, sowie der Wiener Landwirtschaftsgesellschaft vor. Eingang in diesen ersten Sandbindungsplan fanden seine umfassenden Untersuchungen und Bestandsaufnahmen in den zurückliegenden Jahren. Sein Konzept wurde allerdings zur Bearbeitung zurückgewiesen.

1817 schloss Bachofen seine Korrekturen und Ergänzungen ab und legte seinen 2. Sandbindungsplan den gleichen Gremien in Wien zur Begutachtung vor. Diesmal überzeugte Bachofen die Fachleute (darunter Anton Rochel u. a.) und sollte nun im Jahr 1818 mit den Sandbindungs- und Bewaldungsarbeiten beginnen.

Überliefert sind zahlreiche Schwierigkeiten mit den führenden Militärs in Weißkirchen (serb. Bela Crkva, rum. Biserica Alba), gegen die er sich trickreich durchsetzte.

Bachofen ging davon aus, in lediglich 16 Jahren den kompletten Flugsand binden zu können. Weil dies nicht möglich war, er aber reichlich Erfahrungen gesammelt hatte, legte er 1832 einen abschließenden Sandbindungsplan vor. Zu Beginn ließ Bachofen einige Plantagen (heute Baumschulen) anlegen, in denen er zu Beginn hauptsächlich Pappeln aufziehen ließ. In einem Dokument aus dem Jahr 1836 verfügte Bachofen, 2000 Pappelsetzlinge aus der Plantage Mramorak bei Karlsdorf (serb. Banatski Karlovac) in den Sandboden einzupflanzen. Die Bindung des Flugsandes in der damaligen Banater Sandwüste steht als Beispiel für heutige Wüstenbekämpfungsprogramme zur Verfügung, auch wenn in der Vojvodina mitteleuropäische Niederschlagsbedingungen und in der Nähe zur Donau leicht erreichbares Grundwasser zur Verfügung steht. Bachofen hatte die Erfahrung gemacht, dass ein Riegel aus Bäumen dem Wind Košava in den Weg gestellt, vom Wind umweht wird, wobei die Wurzeln freigelegt werden. So kam er auf die Lösung, Baumreihen in Windrichtung anzupflanzen und sich mit diesen Baumreihen vom Rand des Flugsandgebiets ins Innere vorzuarbeiten.

Diese Informationen trug vor allem Josef Wessely für sein 1873 erschienenen Buches Der europäische Flugsand und seine Kultur zusammen. Wessely beklagte allerdings das Fehlen sämtlicher Dokumente aus der Hand Bachofens.

Das spezielle Naturreservat Deliblatska Pescara

Derzeit befindet sich das ehemalige Flugsandgebiet Deliblatska Pescara unter Naturschutz. Hierbei gilt die in Serbien gültige Rechtsform des Speziellen Naturreservats. In Speziellen Naturreservaten ist in Serbien menschlicher Einfluss erlaubt.

Die Deliblatska Pescara grenzt in Deliblato an das ebenfalls Spezielle Naturreservat Jezero Kraljevac. Das Gebiet der Deliblatska Pescara dient als Jagdgebiet, wird von Filmunternehmen genutzt, finanziert sich auch mit Holzhandel.

Illegaler Holzschlag in der Schutzzone 1 im Inneren der aufgeforsteten Banater Sandwüste stellt ein großes Problem für die Aufsichtsbehörde Vojvodina Sume, mit ihrer örtlichen Vertretung Banatske Sume dar.

Das Schutzgebiet umfasst auch die teilweise versunkenen Donauinseln Zilovo und Cibuklija und grenzt an das halb versunkene Delta des Grenzflusses Nera Labudovo Okno (dt. Schwanenfenster). Vom namensgebenden Dorf Deliblato ist das Territorium Cardak auf dem Weg nach Susara zu erreichen. In Cardak befindet sich ein Konferenzzentrum mit Übernachtungsgelegenheit für 600 Personen.

Literatur

  • Anton Rochel: Botanische Reise in das Banat im Jahre 1835 nebst Gelegenheits-Bemerkungen und einem Verzeichniß aller bis zur Stunde daselbst vorgefundenen wildwachsenden phanerogenen Pflanzen, sammt topographischen Beiträgen über den südöstlichen Theil des Donau-Stromes im österreichischen Kaiserthum, Pesth 1838, bei Gustav Heckenast; Leipzig bei Otto Wigand
  • Joseph von Dorner: Das Banat in topographisch-naturhistorischer Beziehung, mit besonderer Berücksichtigung der Herculesbäder nächst Mehadia und ihrer Umgebungen, Pressburg 1839, Druck und Verlag von C.F. Wigand
  • Josef Wessely: Der europäische Flugsand und seine Kultur: besprochen im Hinblike auf die Banater Sandwüste insbesondere, Wien 1873, Verlag Faesy & Frick
  • Nikola Pacicevic, Petar Stankevic: Deliblatski Pesak - Sastav, Osobine, Problematika, Beograd 1963, Institute for the forestry and wood industry S.R. Serbia (serbisch mit englischer Zusammenfassung)
  • Zbornik Radova 1: Deliblatski Pesak, Beograd 1969, Jugoslovenski Poljoprivredno-Sumarski Centar, Beograd i Sumsko-Industrijski Kombinat, Pancevo (serbisch mit französischen Zusammenfassungen)
  • Zbornik Radova 2: Deliblatski Pesak, Beograd 1970, Jugoslovenski Poljoprivredno-Sumarski Centar, Beograd i Sumsko-Industrijski Kombinat, Pancevo (serbisch mit englischen Zusammenfassungen)
  • Zbornik Radova 3: Deliblatski Pesak, Beograd 1975, Jugoslovenski Poljoprivredno-Sumarski Centar, Beograd i Sumsko-Industrijski Kombinat, Pancevo (serbisch mit englischen Zusammenfassungen)
  • Heinrich Bohland: Mramorak - Gemeinde an der Banater Sandwüste, 1978 Selbstverlag der Heimatortsgemeinschaft Mramorak
  • Branislav Schajinovic, Milena Mihajlov: Jovan Tucakov i Deliblatski Pesak, Deliblatski Pesak 1979, Sumsko-Industrijski Kombinat, Pancevo, OOUR Specijalni Prirodni Rezervat "Deliblatski Pesak" Pancevo, Druschtvo Ekologa Vojvodine, Novi Sad (serbisch mit englischer Zusammenfassung)
  • Dr. Leposava Stjepanovic-Veselicic: Vegetacija Deliblatske Pescare, Novi Sad 1979, Sumsko-Industrijski Kombinat, Pancevo, OOUR Specijalni Prirodni Rezervat "Deliblatski Pesak" Pancevo, Druschtvo Ekologa Vojvodine, Novi Sad (serbisch mit französischer Zusammenfassung)
  • Dr. Milovan Gajic: Flora Deliblatske Pescare, 1983 Pancevo, Prirodno-matematicki fakultet OOUR Institut za biologiju Novi Sad, Dr. Ilije Duricica 6 i Sumsko-industrijski kombinat „Pancevo“, Maksima Gorkog 24
  • Zbornik Radova 5: Deliblatski Pesak, Beograd 1986, Specijalni Prirodni Rezervat "Deliblatski Pesak", Sumsko Industrijski Kombinalt "Banat" Pancevo (serbisch mit englischen Zusammenfassungen)
  • Karl Holbach: Das Dorf Schuschara im Banat, Tübingen 1991, Karl Holbach im Selbstverlag, Auflage 200 Exemplare, ISSN 0172-5181-23
  • Zbornik Radova 6.1: Deliblatska Pescara, Beograd 1994, J.P. Za Gazdovanje Schumama "Srbijaschume"-Beograd, Schumsko Gazdinstvo "Banat"-Pancevo (serbisch mit englischen Zusammenfassungen)
  • Zbornik Radova 6.2: Deliblatska Pescara, Beograd 1994, J.P. Za Gazdovanje Schumama "Srbijaschume"-Beograd, Schumsko Gazdinstvo "Banat"-Pancevo (serbisch mit englischen Zusammenfassungen)
  • Thomas Dapper: Pionierleistungen im Banat am Beispiel der Geschichte der Banater Sandwüste, Sindelfingen 2017, S. 89: Kulturtagung 2017 Sindelfingen - Die Ansiedlung der Banater Deutschen vor 300 Jahren, Stuttgart 2018, Landsmannschaft der Banater Schwaben - Landesverband Baden-Württemberg, Hrsg. Halrun Reinholz, ISBN 978-3-00-061153-7

Siehe auch

Weblinks

Koordinaten: 44° 58′ N, 21° 1′ O

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