Anatomisches Theater

Anatomisches Theater (lateinisch Theatrum Anatomicum; von griechisch theatron, ‚Schaubühne‘) bezeichnet einen Raum oder Hörsaal mit tribünenartiger Anordnung der Zuschauerplätze und freier Sicht auf einen Tisch, auf dem anatomische Demonstrationen bzw. Sektionen (Zergliederungen) stattfanden.[1] Der Begriff war als Terminus im 18. und 19. Jahrhundert gebräuchlich.[2][3] Die Namensgebung nimmt Bezug auf die mit dem Sektionstisch versehene „Bühne“ von der sich ringsherum, ähnlich einem Amphitheater, die Sitzreihen für die Zuschauer erheben.

MuseumnachtLeiden2010
Anatomisches Theater (Rekonstruktion) im Museum Boerhaave (2010)

Herkunft

Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts fanden öffentliche Obduktionen statt. Diese für Fakultätsmitglieder, Studenten und Mitglieder der Obrigkeit theatralisch inszenierten Schaustellungen fanden aber meist einfach unter freiem Himmel beispielsweise auf Friedhöfen statt. Um 1484 verlagerte man diese Sektionen jedoch häufig in Universitätsgebäude, um die Zuschauer nicht der Witterung auszusetzen.[4] 1540 entstand für eine Obduktion unter der Leitung von Andreas Vesalius ein „temporäres theatrum anatomicum“. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts jedoch werden Ideen des Anatomen und Medizinprofessors Alexander (oder Alessandro) Benedetti (* um 1450; † 31. Oktober 1512)[5] umgesetzt und anatomische „Schaubühnen“ fest in den Universitäten installiert. Allerdings dauerte es noch bis ins 18. Jahrhundert, bis diese auch mit zufriedenstellenden Belüftungs- und Heizsystemen sowie effektiver Beleuchtung ausgestattet wurden.[6]

Damals stand nicht nur das wissenschaftliche Interesse im Vordergrund. Die Leute kamen auch der Schaulust und des ansonsten Verpönten wie die Darstellung von Nacktheit, Sexualität, Schmerz oder des Todes wegen.

Die Dauer einer Sektion schwankt zwischen Aufzeichnungen, in denen von drei Tagen erzählt wird, bis hin zu Zeugnissen, die von mehreren Wochen berichten. Hierbei gab es sowohl Obduktionen menschlicher Körper als auch von toten Tieren.[7]

Architektur

Entscheidende Kriterien bei der Architektur und dem Bau des anatomischen Theaters waren die Perspektive, Rahmung und die Sicht. Ebenso von Bedeutung waren die Anordnung des Raumes sowie die Raumbedingungen.

Der Anatomieraum des Mittelalters

Im Mittelalter existierte keine feste Theaterarchitektur. Sektionen fanden nur sehr selten statt. Man verwendete deshalb zufällig verfügbare Räume und richtete sie je nach dem Zweck um. Manchmal fanden die Sektionen aber auch im Freien und unter improvisierten Bedingungen statt. Um die Sektion vollrichten zu können, genügten ein Pult für den vortragenden Magister und ein langer Tisch für den Leichnam. Außerdem basierte das Lehrfach Anatomie überwiegend auf eine rein theoretische Lehrweise, die keine besonderen Anforderungen an den Raum stellte.[8]

Der Anatomieraum der Neuzeit

Für die öffentliche Zurschaustellung und die öffentliche Präsentation von medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden die Räumlichkeiten mit Beginn des 14. Jahrhunderts immer wichtiger. Wichtige Veränderungen (unter Einfluss der Philosophie, Religion usw.) wurden vorangetrieben und führten schließlich im 16. Jahrhundert zu einem grundlegenden Wandel für die Anatomie und den Anspruch an die Räumlichkeiten.[9]

Alessandro Benedetti, ein Chirurg, schrieb 1502 über den paradigmatischen Entwurf eines Anatomieraumes. Wichtig seien laut ihm, ein gut gelüfteter Raum und eine kreisrund angeordnete Sitzordnung. Es solle verhindert werden, dass die Ärzte gestört werden. Ein Aufseher, der alles überwacht und ordnet war ebenfalls notwendig, um unter anderem Pöbel fernzuhalten. Die Leiche wird in der Mitte auf einem erhöhten Tisch aufgestellt. Die Zeit für den Beginn und dem Ende musste festgelegt werden, damit die Aufgabe beendet war, bevor die Leiche verweste. Eine bestimmte Anordnung, also Dramaturgie, hing vom Zustand der Leiche ab.[10]

Théâtre-anatomique-Padoue
Theatrum anatomicum der Universität Padua heute, konstruiert auf Initiative von Girolamo Fabrizio

Beispiele berühmter anatomischer Theater

Die beiden berühmtesten Anatomieräume befinden sich in Padua (1594) und Bologna (1637). In den Universitäten dieser Städte wurden bereits im 15. Jahrhundert provisorische Anatomische Theater aus Holz verwendet.[12][13] Für die Anatomie-Theater wurde das römische Verständnis von griechischer Theaterarchitektur (römisch-antikes Amphitheater) herangezogen. Die amphitheatralische Form des Benedictus ist das räumliche Leitmotiv dieses Raumtypus. Ein wichtiger Grund für die Errichtung von Anatomietheatern war der Wunsch danach, dem Akt der Sektion eine würdige Umgebung zu schaffen.[14] Zunächst wurden nur ephemere Holzkonstruktionen in schon bestehenden Universitäten gebaut. Dass die Räumlichkeiten aus Holz konstruiert worden, lag unter anderem daran, dass ein anderer Baustoff für solche Arten der Bauweise nicht zur Verfügung standen. Zum anderen, hat das Holz den Vorteil gehabt, dass es den Geruch absorbiert hat.[8]

Die meisten Autoren verstehen unter dem Anatomischen Theater einen „Raum mit steigendem Gestühl, um den Zuschauern einen zu demonstrierenden Vorgang deutlich vor Augen führen zu können.“[15]

Gravue-Gymnasium-Patavium
Anatomisches Theater in Padua nach einer Gravur von 1654

Padua (1594)

Das Padua-Modell ist von praktisch-wissenschaftlichen Bedingungen ausgegangen, ist also eher zweckmäßig konstruiert worden. Es gilt als erstes fest eingebautes anatomisches Theater. Das Theater wurde in die Universität temporär eingebaut. Der Raum war elliptisch und 12 Meter hoch. Die sechs Sitzreihen waren steil ansteigend, wodurch man seinen Platz nur schwer erreichen konnte. Es war Platz für circa 500 Zuschauer. Den Vorrang hatte bei diesem Grundriss vor allem die Funktionstüchtigkeit.

Im Mittelpunkt und an der tiefsten Stelle des hölzernen Einbaus stand ein Demonstrationstisch, mit dem zu sezierenden Leichnam. Die unterste Sitzreihe umschließt den Demonstrationsplatz. Diese Anordnung erinnert stark an das griechische Theater. Dadurch ähnelt der Anatomieraum stark einer Art Festsaal. Da in diesem Bau keine Fenster eingebaut waren, verwendete man Kerzen für die Beleuchtung des Raumes. Das hatte den Nachteil, dass sich der Raum stark erhitzte und es an Frischluft fehlte. Der Name des Architekten dieser Form des Theaters ist unbekannt.[16]

Bologna (1637)

Das Bologna-Modell ist von einer dekorativen Idee ausgegangen und hatte eher eine repräsentative Funktion. Konstruiert wurde diese Form eines anatomischen Theaters von dem Architekten Antonio Levanti. Der rechteckige Raum bot viel mehr Ausstattung als in Padua. Er wurde aus Tannenholz hergestellt. Der Seziertisch war mit einer Rüstung umrandet und dadurch von den Rängen getrennt. Teilweise war der Tisch auch dreh- und versenkbar. Durch die kreisförmig angeordneten Sitzreihen um den Seziertisch herum, bot die Anordnung des Raumes eine bessere Sicht für die Zuschauer, als in Padua. Außerdem verfügte es über Nebenkabinette für die Präparation. Diese Form eines repräsentativen Theaters wurde nur einmalig nachgeahmt. Nur das anatomische Theater in Ferrara aus dem Jahr 1731 erinnert an das Bologna-Modell und dessen Grundriss und Ausstattung.[17]

Amsterdam

Das anatomische Theater ist durch eine Arenabühne, einer Umrandung des Tisches und einer Kuppel, die von kleinen Fenstern durchbrochen ist, gekennzeichnet.[9]

Anatomical theatre Leiden
Anatomisches Theater der Universität Leiden, 1610

Leiden (1579)

Um 1700 nimmt Leiden eine ähnlich führende Rolle wie Padua 100 Jahre zuvor, ein.[18] Die Ausstattung ist sehr nüchtern gehalten. Es verfügt über drei Reihen zum Stehen. Das Besondere an dem Raum in Leiden waren die hoch eingebauten Fenster auf der linken und rechten Seite, die den Raum mit Tageslicht ausstatteten. Jedoch stellte sich diese Lösung nicht als optimal dar, da das Tageslicht für Gegenlicht und für Schatten sorgte, welche die Sicht auf die Leiche erschwerten.[19]

Upsala (1662)

Errichtet wurde das Theatrum anatomicum in Upsala von Olaf Rudbeck. Dieser Anatomieraum verfügt über eine Rundumgalerie und steil ansteigenden Sitzplätzen. Der Demonstrationsraum ist reich verziert. Die Kuppeln wurden gebaut, um das Tageslicht als Beleuchtung von oben nutzen zu können. Die Rekonstruktion der Theaterräume mit eingebauten Glaskuppeln, ist ebenfalls aus der Vorstellung der römisch antiken Theaterräume hervorgegangen. Dadurch konnte man auf seitliche Fenster verzichten.[14]

Kopenhagen

1644 war das „Theatrum Anatomicum“ im „Domus Anatomica“ eingerichtet worden, 1728 durch Brand zerstört.[20] In Kopenhagen war das anatomische Theater einerseits dadurch gekennzeichnet, dass der Raum und die Ränge in den Boden versenkt worden sind. Anderseits war das Theater ein eigens verrichteter Bau, was als große Innovation galt. Es verfügte des Weiteren noch über zwei Nebenräume, die unter anderem zur Aufbewahrung der Materialien und den Geräten diente.[21]

Anatomische Theater in Deutschland

Heidelberg (1391)

Zwei Jahre nach der Gründung der Heidelberger Universität wurde 1388 eine medizinische Fakultät eingerichtet. Seit 1391 befand sich in einem Haus in der Dreikönigstraße ein „Theatrum Anatonicum“. 1771 fand ein Umzug in ein anderes Haus statt. 1805 kam das Anatomische Theater in den Chor des säkularisierten Dominikanerklosters in die Brunnengasse.[22]

Jena (1629)

1629 errichtete Werner Rolfinck das erste Anatomische Theater in Jena und führte auch öffentliche Leichensektionen durch, womit er erhebliches Aufsehen erregte.[23] Eine andere Quelle gibt als Entstehungsjahr 1654–55 an.[24]

Altdorf bei Nürnberg (1657)

Moritz Hoffmann, der in Padua studiert hatte, eröffnete 1657 an der Universität Altdorf ein Anatomisches Theater.[25] Es wurde nach Art eines Amphitheaters errichtet.

Nürnberg (1669)

Zunächst im Findlingshaus, ab 1671 im Refektorium des Katharinenkloster.[26]

Bremen (1685)

Johann Friedrich von Cappeln (1646–1714) ließ als Professor der medizinischen Fakultät am Gymnasium illustre eine sogenannte Anatomiekammer errichten, die am 2. Mai 1685 mit einer Zergliederung eröffnet wurde.[27]

Leipzig (1704)

Am 10. September 1704 wurde in Leipzig an der medizinischen Fakultät der Universität feierlich ein Anatomisches Theater durch Johann Christian Schamberg im ersten Stockwerk des Paulinums eröffnet.[28] Nachdem es baufällig geworden war, fand 1818 eine umfangreiche Renovierung statt.[29]

Würzburg - Gartenpavillon des Juliusspitals, Südwestfassade
Ehemaliges Theatrum anatomicum in Würzburg

Würzburg (1726)

Unter Leitung des Anatomieprofessors Johann Simon Bauermüller entstand aus dem zwischen 1705 und 1714 (von Joseph Greissing errichteten)[30] Gartenpavillon im Botanischen Garten des Würzburger Juliusspitals ein von 1727 bis 1853 als Theatrum anatomicum, unter anderem von Albert von Kölliker und Rudolf Virchow[31] genutztes Gebäude, das von 1786 bis 1788[32] durch Carl Caspar von Siebold[33] noch baulich erweitert worden war.[34][35] Das 1945 zerstörte Gebäude wurde 1958 als Festsaal wieder aufgebaut.[36]

Tieranatomisches Theater Berlin innen
Innenansicht des Anatomischen Theaters der Tierarzneischule in Berlin, 2012

Berlin (1789/90)

1787 verfügte König Friedrich Wilhelm II. eine Tierarzneischule in Berlin einzurichten, weil „der Schaden, der aus Mangel an guten Ross- und Viehärzten entstanden, für das Land und die Cavallerie von allertraurigsten Folgen“ sei.[37] Das Anatomisches Theater der Tierarzneischule wurde 1789/90 von Carl Gotthard Langhans als frühklassizistisches Gebäude in Anlehnung an Andrea Palladios Rotonda erbaut.

Die Ausstattung

Ab dem 18. Jahrhundert ging eine Ausweitung des Raumbedarfs vor sich. Zu den Räumlichkeiten des anatomischen Theaters gehörten neben dem öffentlichen Demonstrationsraum auch ein privater Arbeitsraum, ein Sammlungsraum sowie eine „Anatomische Küche“. Die Küchen dienten vor allem der Knochenpräparierung, -der Knochenreinigung und dem Kochen.[38]

Auch die Ausstattung an Materialien wurde immer vielfältiger. Rasierklingen, Messer und kleine Sägen waren die wichtigsten Werkzeuge beim Sezieren.[39]

Die Dekoration

In Bologna gab es zum Beispiel zahlreiche Holzskulpturen von Hippokrates und berühmten Anatomen an den Wänden und an der Decke, was darauf hinweist, dass das Theater gleichzeitig ein Ort war, wo die großen Vorreiter dieser Disziplin geehrt wurden.[40] Des Weiteren war der Raum in Bologna mit Holztäfelungen und Chorgestühl ausgeschmückt.

In vielen Abbildungen sind die Worte „momento mori“ abgebildet, was die Konfrontation mit dem Tod mit sich brachte, also mit dem Körper als vergänglichem Leib. Man sollte sich bewusst sein, dass man eines Tages sterben wird.[41]

Leiden besaß eine Rundumgalerie von Porträts mythischer und historischer Helden. Eine weitere Besonderheit waren die Schaukästen und Präparate, die zur Schau gestellt wurden.

Das Theatrum anatomicum in Amsterdam erhält seinen einzigartigen dekorativen Charakter durch einen prunkvollen Kronleuchter, der über dem Seziertisch hängt.[14]

Organisation

Die Sektionen wurden in der Regel von Studenten organisiert, die sich in verschiedenen Positionen und Hierarchien befanden: ein Rektor (eine ausgewählte Studentenposition), zwei consiliarii (Präsidenten der „Studentennationen“) und zwei massarii (Seniorenstudenten, die unter anderem für den Erwerb von Leichen und Instrumenten verantwortlich waren).[42]

Die Veranstaltungen fanden vor allem in den Wintermonaten statt und dauerten ungefähr sechs Wochen.[43]

Die öffentlichen anatomischen Demonstrationen hatten vor allem im 16. Jahrhundert einen feierlichen Charakter: Sie waren akademische Veranstaltungen und wurden von einem rituellen feierlichen Rahmen umgeben, denn der Umgang mit dem Tod musste in einem sakralen Ambiente vollzogen werden, es musste Abbitte dafür geleistet werden. Gabriele Falloppio bezeichnet diese mit dem Wort „feste“. (lat. festus: feierlich, festlich, „religiöse und weltliche Feierlichkeiten, die außerhalb der Tagesroutine einer menschlichen Kultur stehen.“)[44] Dadurch wird auf das Spektakuläre dieser Demonstrationen hingewiesen.[45][46] Zum Beispiel wurden in Bologna Sektionen in besonders feierlichem Rahmen gehalten: funzione dell’anatomia. Hier fanden Sektionen auch in der Karnevalszeit statt, weil diese einen feierlichen Charakter hatten und an die Vergänglichkeit des Menschen erinnerten. Die Besucher mussten Masken tragen und die Veranstaltungen waren unter anderem von Witzen begleitet. Interessant daran ist es den kulturellen Status einer Gesellschaft zu analysieren: Wie inszeniert eine Gemeinde den Umgang mit dem Tod und dem Unerklärlichen?

Vorgehensweise

Am Anfang des 16. Jahrhunderts hatten die öffentlichen anatomischen Demonstrationen eine Einführungsfunktion: sie galten für die neuen Studenten als Einführungen in das Studium. Deswegen, und weil diese Aufführungen vor einer großen Anzahl von Personen gehalten wurden, wurden diese von Jacopo Berengario (Professur in Bologna) anatomia communi (lat. üblich, gewöhnlich/gemeinsam) genannt. Somit bieten die ersten anatomische Aufführungen nur allgemeines anatomisches Wissen und nicht eine Darstellung von ganz bestimmten Untersuchungen am menschlichen Körper (wie zum Beispiel Krankheiten).[47]

Benedetti - Historia corporis humani - 3017032
Historia corporis humani

Zum Beispiel, notierte Benedetti in seiner 1498 in Venedig erschienenen Schrift „Anatomica, sive historia corporis humani“, dass die Leiche eine normale, generelle Struktur haben soll, sie soll auch nicht zu dünn und auch nicht zu dick sein. Nach bestimmten Merkmalen, Eigenschaften und Anomalien des Körpers wurde nicht gesucht.[48]

In den ersten anatomischen Theatern des 16. Jahrhunderts spielte aber das Gesehene eine kleinere Rolle als das Gesprochene. Für Alessandro Benedetti zum Beispiel war der Prozess der Dissektion weniger wichtig.[49] Der Anatom (Dozent, doctores extraordinarii), der aus Mondinos Anathomia (1316, auf den Schriften von Galen basierende Texte) las, stand im Mittelpunkt der Sektionen und spielte eine wesentlichere Rolle als die Leiche. Seine Worte waren die Basis der anatomische Lehre, eine Tatsache, die die Kultur des medizinischen Humanismus während der Renaissance widerspiegelte.[50] Ein Vorführer (doctores ordinarii) zeigte dem Dissektor die Körperteile, über die der Anatom las und die geschnitten werden mussten. Der Vorführer bewies durch Zeigen das, was der Dozent sprach. Dafür wird das Wort „declaret“ (deklamieren) benutzt. Manchmal wurden die Rollen des Lektors und des Vorführers von derselben Person ausgeführt. Die Sektionen wurden nicht von den Anatomen gemacht, sondern bspw. von einem Chirurgen, Wundarzt oder Barbier.[51][52][53] Es wurde genau nach der vorgelesenen Schrift gehandelt und nicht nach Sehen und Beobachten.

Die Hierarchisierung im Rahmen der anatomischen Aufführungen zeigt, dass diese einen formellen Charakter hatten und Gelegenheiten für die akademische Persönlichkeiten waren, ihre Macht und ihr Prestige zu festigen und ihre Autorität dem Publikum zu demonstrieren.[52] Kontrolle über das Geschehene zu haben und das bekannt zu machen, war wesentlich in einer öffentlichen Zurschaustellung.

William Heckscher meint in seinem Buch „Rembrandt’s Anatomy of Dr. Nicolaas Tulp“, dass wegen der Ausgabe von Rollen diese Veranstaltungen wie stilisierte Spektakel gewirkt hätten.[54]

Durch diese Hierarchisierung, aber auch durch die räumliche und zeitliche Begrenzung, wurde das Theatralische der anatomischen Aufführungen deutlich gemacht.

Rezeption

Am Anfang des 16. Jahrhunderts nahmen vor allem Studenten und Professoren, aber auch Künstler, die ihr Wissen über die anatomischen Proportionen erweitern wollten, an den anatomischen Demonstrationen teil. Die Berichte zeigen, dass in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Veranstaltungen mehr von Angehörigen der Fakultäten besucht wurden.[52][55] Weil im Rahmen der Veranstaltungen der Anatom seine Autorität und Macht zeigen und bekannter werden konnte, wurden Einladungen an bedeutende akademische Persönlichkeiten, Vertreter des öffentlichen Lebens und Angehörige des Adels geschickt. Während im deutschsprachigen Raum die Teilnahme an den anatomischen Vorführungen relativ begrenzt war, berichtete man ab der Mitte des 16. Jahrhunderts in Italien auch von der Teilnahme von Angehörigen niederer Stände an solchen Veranstaltungen.[56][57]

Ein Beweis dafür, dass das anatomische Theater in seinen Anfängen nicht unbedingt einen didaktischen Charakter hatte, ist auch die Tatsache, dass die Plätze mit der besten Leicheneinsicht nicht den Studenten vorbehalten waren, sondern den Akademikern und den höheren Staatsautoritäten. Darüber hinaus berichteten die Kritiker mehr über die rhetorischen Fähigkeiten des Anatomen als über die Sektion an sich. Weil die haptische Wahrnehmung von der optischen Wahrnehmung getrennt war und weil das Sehen eingeschränkt war, war es schwer Verknüpfungen zwischen dem Gelesenen und dem Gesehenen zu machen und somit anatomisches Wissen zu erwerben.[58][59] Das Publikum bildete so wie im Theater eine Gemeinde und musste Eintrittskarten lösen. Das Eintrittsgeld wurde vor allem für die Abdeckung der Organisationskosten benutzt.[60][61]

In der breiten Masse des Volkes gab es auch Gegenstimmen, die sich wegen des christlichen Glaubens an die Auferstehung gegen die Zerstückelung und Zergliederung der Körper aussprachen. Deswegen wurden für die anatomischen Theater die Leichen der zum Tode Verurteilen und der Selbstmörder benutzt. Wegen der großen Nachfrage hat man auch Handel mit Leichen betrieben.[62]

Andreas Vesalius, die vesalische Revolution

In seine Schriften De humani corporis fabrica schlägt Andreas Vesalius einen neuen Charakter der anatomischen Aufführungen vor und ändert somit das Verhältnis zwischen Leiche und Zuschauer. Er orientiert seine Praxis an den Originalschriften von Galen, der meint, dass der Mediziner auf das Geschaute und nicht auf das Gelesene vertrauen müsse.[63] Dennoch deckt Vesal auch auf, wo sich Galen geirrt hat. Mit ihm entstand ein neues Wissenschaftsverständnis.

Nach ihm sind die privaten, intimen Sektionsdurchführungen wichtiger, weil sie durch den nichtöffentlichen Charakter einzig die Rolle haben, zu lehren und anatomisches Wissen und Erfahrung zu verbreiten. Er meint, dass im Rahmen solcher privater Veranstaltungen verschiedene Krankheiten und ganz bestimmte Themen behandelt werden konnten, während man bei den öffentlichen Sezierungen nur Allgemeines am menschlichen Körper zeigen konnte, weil auch das Publikum ein anderes war (nicht nur akademisches Publikum wie bei den privaten Sezierungen).[64]

Vesalius ist bekannt dafür, dass er mehr Wert auf Zeigen, Sehen, Handeln, Berührung und Untersuchung der Leiche gelegt hat und weniger auf das Gesagte und auf den vorgegebenen Text. Es ändert sich dadurch der Charakter der öffentlichen Demonstrationen und die Fokussierung auf die Fähigkeit des Anatomen, die Leiche zu sezieren, tritt zurück. Somit wachsen die Anforderungen an den Anatomen.[65] Es wurde mehr Wert auf die Untersuchung des menschlichen Körpers als auf den vorgegebenen Text und das Gesprochene gelegt. Gegen Ende des Jahrhunderts haben Medizinstudenten Sektionen durchgeführt.[66]

Die Distanz zwischen Zuschauer und Handelnden soll verschwinden, der Student soll frei sein die Leiche zu berühren, zu handeln und sich im Raum zu bewegen. Weil diese Distanz gebrochen wurde, gewannen die Aufführungen an Klarheit. Somit verloren die anatomischen Aufführungen ihren formellen Charakter und wurden überzeugender, beredter. Die Improvisation übernahm die Stelle der vorgegebenen hierarchischen Rollen.[52][67]

Heute

Heute lassen sich die Zeugnisse für anatomisches Theater vor allem in zu Museen umfunktionierten Gebäuden wie beispielsweise in Padua, Tartu oder auch Bologna finden. Allerdings gibt es trotz intensiver Forschung immer noch Unklarheiten beim Ablauf einer solchen Schaustellung. So ist beispielsweise immer noch ungeklärt, wie genau die Rolle der Redner definiert war.[68]

Eine neue Form der anatomischen Darstellung bietet Gunther von Hagens mit seinen Körperwelten-Ausstellungen. Hierbei häutet und präpariert er die Leichname so, dass sie in der Bewegung innezuhalten scheinen. Dadurch verstärkt sich der Eindruck, man könne „In den Körper hineinschauen“ und sehen, wie dieser im Alltag funktioniert. Allerdings ist gerade dies ein starker Kritikpunkt für viele Leute. Außerdem wird oft angeführt, dass dies kein respektvoller Umgang mit menschlichen Überresten sei, da die Körper in gewisser Weise bloßgestellt würden.

Literatur

  • Helmar Schramm (Hrsg.): Spuren der Avantgarde. Theatrum anatomicum. Frühe Neuzeit und Moderne im Kulturvergleich, De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-024578-3.
  • Im Anatomischen Theater fand er selbst den Tod. In: Ärzte Zeitung, 28. Februar 2007 (dpa)
  • Michael Bergeest: Bildung zwischen Commerz und Emanzipation: Erwachsenenbildung in der Hamburger Region des 18. und 19. Jahrhundert, Waxmann Verlag GmbH, Münster 1995, ISBN 3-89325-313-0, S. 115, (books.google.de).
  • Konrad Rückbrod: Das Anatomische Theater – Archetypus des modernen Hörsaals. In: Medizinischer Monatsspiegel Merck, 1973.
  • Gottfried Richter: Das Anatomische Theater, (Dr. Emil) Ebering Verlag, Berlin, 1936.
  • Adolph Leopold Richter: Geschichte des Medizinal-Wesens der Königlich-Preußischen Armee bis zur Gegenwart. Ferdinand Encke Verlag, Erlangen 1860, S. 110, Textarchiv – Internet Archive
  • Johann Stephan Pütter, Friedrich Saalfeld: Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg Augustus Universität zu Göttingen. Band 4. Vandenhoeck & Ruprecht, 1838, S. 144, Textarchiv – Internet Archive
  • Johann Andreas Demian: Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen. Band 2. August LeRour, Mainz 1826, S. 259, Textarchiv – Internet Archive
  • W. C. Praetorius: Beschreibung der Königl. Dänischen freyen Grenz- und Handlungs-Stadt Altona und des benachbarten Dänischen Gebietes. F. Bachmann (Verlag), Hamburg 1792, S. 193, Textarchiv – Internet Archive
  • Christoph Schweikardt: Anatomisches Theater. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 61.

Fremdsprachige

  • Norm Friesen u. a.: The Anatomy Lecture Then and Now. Educational Philosophy and Theory, Taylor & Francis Online, 2013.
  • Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, ISBN 978-1-4214-0142-3.
  • Giovanna Ferrari: Public Anatomy Lessons and the Carneval: the Anatomy Theatre of Bologna. In: Past and Present, Nr. 117, November 1987, Oxford University Press on behalf of Past and Present Society, S. 50–70.
  • Luke Wilson: William Harvey’s Prelectiones: the Performance of the Body in the Renaissance Theatre of Anatomy, Representations, n°17, University of California Press, 1987.
  • William Brockbank: Old Anatomical Theatres and What Took Place Therein [archive], Medical History, n°12, Cambridge University Press, 1968.
  • Levi Robert Lind: Studies in Pre-Vesalian Anatomy. Biography, Translation, Documents. Philadelphia 1975, insbesondere S. 69–137.

Einzelnachweise

  1. Christoph Schweikardt: Anatomisches Theater. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 61.
  2. Anatomie-Gebäude in Göttingen. In: Centralblatt der Bauverwaltung, 3. Juni 1882, S. 189, abgerufen am 10. Dezember 2012
  3. Im Meyers 1905 noch lemmatisiert, als „… bühnenartig gebauter Hörsaal für anatomische Vorlesungen (s. Anatomie)“, in der aktuellen Online-Ausgabe nicht lemmatisiert.
  4. Luke Wilson: William Harvey’s Prelectiones: the Performance of the Body in the Renaissance Theatre of Anatomy, Representations, n°17, University of California Press, 1987.
  5. Sigrid Oehler-Klein: Benedetti, Alessandro. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 163 f.
  6. Robert Jütte: Die Entdeckung des „inneren“ Menschen 1500–1800. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500–2000. Böhlau Verlag, Wien 1998, ISBN 3-205-98873-6, S. 247f.
  7. Rafael Mandressi: Le Regard de l’anatomiste. Dissection et invention du corps en Occident, in: Éditions du Seuil, Paris 2003, o. S., ISBN 978-2-02-054099-5
  8. a b Gottfried Richter: Das Anatomische Theater. (Dr. Emil) Ebering Verlag, Berlin, 1936.
  9. a b Norm Friesen u. a.: The Anatomy Lecture Then and Now. Educational Philosophy and Theory, Taylor & Francis Online, 2013.
  10. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice, Baltimore: The Johns Hopkins University Press 2011.
  11. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011., S. 28.
  12. Christoph Schweikardt: Anatomisches Theater. (2005), S. 61.
  13. G. Ferrari: Public anatomy lessons and the carnival: the anatomy theatre of Bologna. In: Past and Present. Band 117, 1987, S. 50–106.
  14. a b c Helmar Schramm (Hrsg.): Spuren der Avantgarde. Theatrum anatomicum. Frühe Neuzeit und Moderne im Kulturvergleich, De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-024578-3.
  15. Rückbrod Konrad, „Das Anatomische Theater – Archetypus des modernen Hörsaals“. Medizinischer Monatsspiegel Merck (1973) S. 48
  16. Gottfried Richter: Das Anatomische Theater (Dr. Emil) Ebering Verlag, Berlin, 1936, S. 37ff.
  17. Gottfried Richter: Das Anatomische Theater. (Dr. Emil) Ebering Verlag, Berlin, 1936, S. 53ff.
  18. Gottfried Richter: Das Anatomische Theater. (Dr. Emil) Ebering Verlag, Berlin, 1936, S. 42ff.
  19. Giovanna Ferrari: Public Anatomy Lessons and the Carneval: the Anatomy Theatre of Bologna. In: Past and Present, Nr. 117, November 1987, S. 50 ff.
  20. Britta Scholz: 2.7.2 Kopenhagen. In: Das Christianeum in Altona 1730-1773: Universitätskonzept des König Christian VI. Books on Demand, Norderstedt, ISBN 978-3-8370-2736-5, S. 33, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fbooks.google.de%2Fbooks%3Fid%3D5WxQ2Np_BW0C%26pg%3DPA33%26dq%3Dfalse%23v%3Donepage%26q%26f%3Dfalse~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  21. Vgl. Ferrari, Giovanna.
  22. Institutsgeschichte. In: Institut für Anatomie und Zellbiologie. Universität Heidelberg, 18. Mai 2014, abgerufen am 24. Januar 2017.
  23. Claus Priesner: Rolfink, Werner. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 9 f. (Digitalisat).
  24. Adolf Meyer: Naturforschung und Naturlehre im alten Hamburg: Erinnerungsblätter zu Ehren der 90. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte in Hamburg (September 1928), Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Hrsg.), Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 1928, S. 20.
  25. Christoph Gottlieb von Murr: Beschreibung der vornehmsten Merkwürdigkeiten der H. R. Reichsfreyen Stadt Nuernberg und der hohen Schule zu Altdorf, Johann Eberhard Zeh, Nürnberg 1[7]78, S. 657 (Digitalisat)
  26. Christoph Gottlieb von Murr: Beschreibung der vornehmsten Merkwürdigkeiten der H. R. Reichsfreyen Stadt Nuernberg, in deren Bezirke und der Universität Altdorf, 2. Auflage, Wolf Penkerische Buchhandlung, Nürnberg 1801, S. 384 (Digitalisat)
  27. Ärztliche Vereine zu Bremen (Hrsg.): Biographische Skizzen verstorbener bremischer Ärzte und Naturforscher. Johan Georg Heyse, Bremen 1844 S. 140 (Digitalisat).
  28. Carl Rabl: Geschichte der Anatomie an der Universität Leipzig. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1909, S. 12 (Textarchiv – Internet Archive).
  29. Ludwig Cerutti: III. Beschreibung des anatom. Theaters zu Leipzig. In: Beschreibung der pathologischen Präparate des anatomischen Theaters zu Leipzig. Carl Cnobloch, Leipzig 1819, S. 287 (Digitalisat) und Carl Rabl: Geschichte der Anatomie an der Universität Leipzig. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1909, S. 79.
  30. Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 638 f.
  31. Der Gartenpavillon, Virchows Arbeitsstätte in Würzburg von 1849–1853. Universität Würzburg
  32. Andreas Mettenleiter: Die Anatomenskulpturen von Johann Peter Wagner an der Fassade des juliusspitälischen Gartenpavillons in Würzburg. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 18, 1999, S. 95–109.
  33. Karl Kaspar Siebold: Rede von den Vortheilen, welche der Staat durch öffentliche anatomische Lehrveranstaltungen gewinnt. Bey der feyerlichen Einweyhung des neuen anatomischen Theaters im Julius Spital zu Wirzburg den 9. Julius 1788. Nürnberg (Grattenauer) 1788.
  34. Theodor Heinrich Schiebler: Anatomie in Würzburg (von 1593 bis zur Gegenwart). In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Hrsg. von Peter Baumgart, Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 985–1004; hier: S. 987–989
  35. Der Gartenpavillon. Stiftung Juliusspital
  36. Heinz Otremba: Rudolf Virchow. Begründer der Zellularpathologie. Eine Dokumentation. Echter-Verlag, Würzburg 1991, S. 18.
  37. Richard Schneider (Hrsg.): Berlin um 1900. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004, ISBN 3-89479-164-0, S. 168
  38. Gottfried Richter: Das Anatomische Theater. (Dr. Emil) Ebering Verlag, Berlin 1936, S. 65.
  39. Brockbank, William: „Old Anatomical Theatres and What Took Place Therein [archive]“, Medical History, n°12, 1968.
  40. Vgl. Brockbank, William.
  41. Wilson Luke: William Harvey’s Prelectiones: the Performance of the Body in the Renaissance Theatre of Anatomy, Representations, n°17, 1987.
  42. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice'. Baltimore: The Johns Hopkins University Press 2011, S. 19.
  43. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice'. Baltimore: The Johns Hopkins University Press 2011, S. 20.
  44. enzyklo.de abgerufen am 23. Januar 2015
  45. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice'. Baltimore: The Johns Hopkins University Press, 2011, S. 17, 24.
  46. Robert Jütte: Die Entdeckung des „inneren“ Menschen 1500-1800. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500–2000. Böhlau Verlag, Wien 1998, ISBN 3-205-98873-6, S. 241–258, 244.
  47. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice'. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 21, 23.
  48. Vgl. Benedetti, Alessandro, Anatomica. sive historia corporis humani, 1502, Kapitel 1, zit. nach: Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 23.
  49. Vgl. Benedetti, Alessandro, Anatomica, sive historia corporis humani
  50. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 26, 28.
  51. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 18, 20 f.
  52. a b c d Robert Jütte: Die Entdeckung des „inneren“ Menschen 1500–1800. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500–2000, Böhlau Verlag, Wien 1998, ISBN 3-205-98873-6, S. 244
  53. Andrea Carlino: Books of the Body. Anatomical Ritual and Renaissance Learning. The University of Chicago Press, Chicago 1999, S. 115–119.
  54. Vgl. Heckscher, William, Rembrandt’s Anatomy of Dr. Nicolaas Tulp. An iconological study, New York University Press: Washington Square 1958, S. 46.
  55. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 24.
  56. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 29, 30.
  57. Robert Jütte: Die Entdeckung des „inneren“ Menschen 1500–1800. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500–2000. Böhlau Verlag, Wien 1998, ISBN 3-205-98873-6, S. 248, 250.
  58. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 28, 30.
  59. Karen Ingham: Tissue to text. Ars moriendi and the theatre of anatomy. In: Performance Research Journal, Volume 15, Nr. 1, CPR (Centre for Performance Research): Aberystwyth, March 2010, S. 48–57, S. 50.
  60. Hartmut Böhme: Der Körper als Bühne. Zur Protogeschichte der Anatomie. In: Bernhard Siegert (Hrsg.) u. a.: Bühnen des Wissens. Interferenzen zwischen Wissenschaft und Kunst, Dahlem University Press, Berlin 2003, S. 110–139, 126.
  61. Robert Jütte: Die Entdeckung des „inneren“ Menschen 1500–1800. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500–2000. Böhlau Verlag, Wien 1998, ISBN 3-205-98873-6, S. 249, 251.
  62. Robert Jütte: Die Entdeckung des „inneren“ Menschen 1500–1800. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500–2000. Böhlau Verlag, Wien 1998, ISBN 3-205-98873-6, S. 251 f.
  63. Vgl. Galen on anatomical procedures. Translation of the surviving books with introduction and notes by Charles Singer., Oxford University Press: London 1956.
  64. Vgl. O’Malley, Charles Donald, Andreas Vesalius of Brussels 1514-1564, University of California Press: London 1964, S. 343.
  65. Robert Jütte: Die Entdeckung des „inneren“ Menschen 1500–1800. In: Richard van Dülmen (Hrsg.): Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500–2000. Böhlau Verlag, Wien 1998, ISBN 3-205-98873-6, S. 245.
  66. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 18.
  67. Cynthia Klestinec: Theaters of Anatomy. Students, Teachers, and Traditions of Dissection in Renaissance Venice. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, S. 29–42.
  68. Vgl. Cunningham, Andrew: The End of the Sacred Ritual of Anatomy. In: Canadian Bulletin of Medical History, n°18, 2001, o. S.
Akademisches Kunstmuseum

Das Akademische Kunstmuseum ist das älteste Bonner Museum. Es beherbergt die Antikensammlung der Universität Bonn mit über 500 Abgüssen antiker Statuen und Reliefs und über 2000 Originalen. Es befindet sich in einem klassizistischen Bau am südlichen Ende des Hofgartens direkt gegenüber dem Kurfürstlichen Schloss.

Anatomieturm (Jena)

Der Anatomieturm ist ein ruinenhafter Rundturm und Teil der Überreste der Stadtmauer von Jena. Er war der südwestliche Eckpunkt der mittelalterlichen Stadtumgrenzung, befindet sich am Teich- und Leutragraben sowie in unmittelbarer Nähe des Anatomischen Institutes und des Collegium Jenense.

Das erhaltene Teilstück ist der fensterarme Sockel. Darauf aufgebaut war ein anatomisches Theater mit vielen Metern hohen Fenstern. Zur Mitte hin abschüssig, umgaben Holzbankreihen den Leichentisch. Hier fanden zu medizinischen Lehr- und Wissenschaftszwecken präparatorische Demonstrationen statt, vor allem für Medizinstudenten. Der Anatomieturm gewährte also zum einen durch die hohen Fenster eine gute Belichtung des Körperspenders, zum anderen bewahrte er sowohl durch die Lage des anatomischen Theaters in einigen Metern Höhe als auch durch die hörsaalähnliche Abschüssigkeit Diskretion.

Im Anatomieturm forschten Johann Wolfgang Goethe und Justus Christian Loder am Zwischenkieferknochen des menschlichen Embryos und des Elefanten. Der Zwischenkieferknochen war der wissenschaftlichen Welt allerdings schon vorher bekannt, so dass Goethes und Loders Forschungen – entgegen ihrer irrigen Ansicht – keine neue Entdeckung darstellten.

Anatomisches Theater der Tierarzneischule

Das Anatomische Theater der Tierarzneischule (offizielle Bezeichnung: Tieranatomisches Theater der Humboldt-Universität zu Berlin) ist ein denkmalgeschütztes Gebäude auf dem Gelände der früheren Königlichen Tierarzneischule bzw. Tierärztlichen Hochschule östlich der Luisenstraße im historischen Berliner Stadtquartier der Friedrich-Wilhelm-Stadt. Es ist das älteste noch erhaltene akademische Lehrgebäude Berlins. Nach einer umfangreichen Sanierung wird es seit 2012 durch das Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik als Ausstellungsraum und für Veranstaltungen genutzt.

Antonio Scarpa

Antonio Scarpa (* 19. Mai 1752 in Motta di Livenza; † 31. Oktober 1832 in Bosnasco/Provinz Pavia) war ein italienischer Anatom.

Der Sohn eines Schiffers studierte ab 1766 an der Universität Padua Medizin und arbeitete gleichzeitig als Sekretär bei seinem Lehrer Giovanni Battista Morgagni (1692–1771). 1770 promovierte er und ab 1772 hatte er eine Professur am Lehrstuhl für Anatomie und theoretische Chirurgie an der Universität von Modena. Dort wurde auf seine Initiative ein Anatomisches Theater eingerichtet und 1775 eingeweiht. Im Jahr 1780 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. In den Jahren 1781–1782 unternahm er eine Studienreise nach Frankreich und England. In Paris hatte er die persönliche Bekanntschaft von Kaiser Joseph II. gemacht, der inkognito als Graf von Falkenstein reiste. Joseph II. förderte ihn danach und durch seine Unterstützung wurde er 1784 auf den Lehrstuhl für Anatomie in Pavia berufen, wo er auch eine chirurgische Klinik eröffnete. Mit der finanziellen Unterstützung des Kaisers folgten Studienaufenthalte an den Universitäten Prag, Dresden, Leipzig, Berlin, Helmstedt, Göttingen. Ab 1786 war er auch als Chirurg am Militärspital in Modena tätig.

1804 wurde er emeritiert, blieb aber bis 1812, als sein Sehvermögen stark nachgelassen hatte, weiterhin als Chirurg und Anatom tätig. 1805 wurde er zum Ersten Wundarzt Napoleons als König von Italien, 1808 zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Bereits seit 1780 war er auch auswärtiges Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1791 wurde er zum Mitglied der Royal Society gewählt.

Sein Verdienst liegt vor allem in der Entwicklung der chirurgischen Anatomie. 1772 beschrieb er in einer Monographie den komplizierten anatomischen Bau des Innenohrs. Er beschrieb zudem unter anderem die Nervenversorgung des Herzens und des Mittelohres. Eines seiner Hauptgebiete war zudem die Behandlung des angeborenen Klumpfußes, den er 1803 erstmals beschrieb.

Nach ihm sind das Scarpa-Dreieck (Trigonum femorale) und das Scarpa-Ganglion (Ganglion vestibulare) benannt.

Sein Kopf wurde nach seinem Tod von seinem Assistenten abgetrennt und ist im Universitätsmuseum von Pavia.

Athenaeum Illustre Amsterdam

Das Athenaeum Illustre Amsterdam war eine voruniversitäre Bildungseinrichtung in Amsterdam, die von 1632 bis 1877 bestand und als Vorläufer der Amsterdamer Universität angesehen wird.

Berliner Medizinhistorisches Museum

Das Berliner Medizinhistorische Museum (BMM) der Charité ist bekannt für seine pathologisch-anatomische Sammlung. Es handelt sich dabei um einen kultur- und medizinhistorisch bedeutsamen Bestand an Feucht- und Trockenpräparaten. Direktor des Museums ist seit 2000 Thomas Schnalke, der außerdem die Professur für Geschichte der Medizin und Medizinische Museologie an der Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin leitet. Es befindet sich auf dem Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 (ehemals: Schumannstraße 20/21).

Bohlenbinder

Bohlenbinder, auch Bohlenbogen, ist die Bezeichnung für einen aus kurzen senkrecht nebeneinander gestellten oder waagerecht aufeinander im Längsversatz gelegten verdübelten, vernagelten oder verschraubten Bohlenlagen bestehenden Träger; dem Prinzip nach vergleichbar einem Mauerwerksverband. Im Ansatz, kleinere Holzbauteile zu einem größeren Tragelement zusammenzufügen, kann der Bohlenbinder als Vorläufer der heute gebräuchlichen Träger aus Brettschichtholz angesehen werden.

Brandenburgische Universität Frankfurt

Die Brandenburgische Universität Frankfurt – die Alma Mater Viadrina – war die erste Universität in Brandenburg. Sie wurde 1506 in Frankfurt (Oder) gegründet und 1811 geschlossen. In den Pestjahren 1613, 1625, 1626 und 1656 wurde die Universität in die nahegelegene Stadt Fürstenwalde/Spree verlegt.

Carl Gotthard Langhans

Carl Gotthard Langhans (* 15. Dezember 1732 in Landeshut, Schlesien; † 1. Oktober 1808 in Grüneiche bei Breslau) war ein deutscher Baumeister und zählt zu den bedeutendsten Architekten Berlins. Seine Werke gehören zu den frühesten Bauten des Klassizismus in Deutschland. Sein bekanntestes Werk ist das Brandenburger Tor in Berlin.

Christoph Franz von Hutten

Christoph Franz von Hutten (* 19. Januar 1673 in Mainberg; † 25. März 1729 in Würzburg) war ein deutscher Theologe, Domherr und von 1724 bis 1729 Fürstbischof von Würzburg.

Girolamo Fabrizio

Girolamo Fabrizi(o) (da Acquapendente), auch (Girolamo) Fabrici d'Acquapendente, (* 1533 oder 1537 in Acquapendente bei Orvieto; † 21. Mai 1619 in Padua) war ein italienischer Anatom und Chirurg und der Begründer der Embryologie. Die latinisierte Form seines Namens, unter der seine Werke zu finden sind, lautet Hieronymus Fabricius ab Aquapendente.

Inge Mahn

Inge Mahn (* 20. November 1943 in Teschen) ist eine deutsche Bildhauerin.

Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter

Die Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter (lit. Dievo Motinos Ėmimo į Dangų katedra; russ. Кафедральный собор во имя Успения Пречистой Божией Матери) in Vilnius ist die Hauptkirche der orthodoxen Christen in Litauen.

Lindenau (Adelsgeschlecht)

Die von Lindenau waren eine meißnisch-sächsische Uradelsfamilie mit gleichnamigem Stammsitz bei Lindenau (Leipzig).

Luisenstraße (Berlin)

Die Luisenstraße ist ein Verkehrsweg im Berliner Ortsteil Mitte. Sie entstand im 18. Jahrhundert, als sich Berlin ausdehnte, und ist Teil der Friedrich-Wilhelm-Stadt. Zwischen 1971 und 1991 hieß sie Hermann-Matern-Straße.

Museum Boerhaave

Das Rijksmuseum Boerhaave, vor 2017 nur Museum Boerhaave, ist ein Museum für die Geschichte der Naturwissenschaften und der Medizin in Leiden (Niederlande). Es bewahrt eine Sammlung von historischen wissenschaftlichen Apparaten und Geräten vornehmlich aus der Medizin, Physik und Astronomie sowie von Dokumenten zu den einzelnen Wissenschaften.

Nicolaes Tulp

Nicolaes Tulp, auch Nicolaas Tulp und latinisiert aus seinem Geburtsnamen Claes Pieterszoon auch Nicolaes Petreius (* 9. Oktober 1593 in Amsterdam; † 12. September 1674 ebenda) war ein niederländischer Chirurg und Anatom sowie einer der bekanntesten Ärzte des 17. Jahrhunderts sowie Bürgermeister in Amsterdam.

Universität Bologna

Die Universität Bologna (italienisch: seit 2000 Università di Bologna – Alma mater studiorum, vorher Università degli studi di Bologna; lateinisch Universitas Bononiensis) ist eine staatliche Universität in Bologna und gilt als älteste Universität in Europa. Die Universität Bologna ist darüber hinaus nach der Sapienza Universität von Rom und der Universität Neapel Federico II die drittgrößte Universität in Italien.

An den 23 Fakultäten sind etwa 85.500 Studenten eingeschrieben (2017/18). Seit 1989 betreibt die Universität neben ihrem Hauptsitz in Bologna auch Abteilungen in Cesena, Forlì, Ravenna und Rimini, 1998 wurde eine Zweigstelle in Buenos Aires eingerichtet.

William Hunter (Anatom)

William Hunter (* 23. Mai 1718 in East Kilbride, South Lanarkshire; † 30. März 1783 in London) war ein schottischer Anatom und Geburtshelfer.

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