Altarretabel

Als Altarretabel (das Retabel, von lat. retabulum, sinngemäß „rückwärtige Tafel“, auch Pala) bezeichnet man jeden Altaraufsatz – im deutschen Sprachgebrauch oft einfach mit Altar gleichgesetzt –, also eine Schauwand, die entweder direkt auf die Mensa eines Altars mit oder ohne Predella aufgesetzt ist, auf einem separaten Unterbau hinter dem Altartisch aufgestellt oder an der Wand hinter dem Altar befestigt ist. Es gibt auch an die Chorwand gemalte Altarretabel, siehe unten. Als Altarschrein bezeichnet man in der abendländischen Kunstgeschichte das schrankartig sich öffnende Mittelstück eines mit Flügeln verschließbaren Schnitzretabels.[1] Das Gegenstück zum Retabel ist das Antependium, das gemäß der Bezeichnung an der vorderen Mensakante angebracht vor dem Altartisch auf Beinhöhe des Zelebranten hing. Diese Form der Altargestaltung kam im Mittelalter auf.

Campeche Retablo iglesia san Francisquito
Hochaltarretabel, San Francisquito, Campeche, Mexiko
Mindelheim, St. Stephan, Altar Erwin Holzbaur (2017-08-01 Spurzem)
Altar mit modernem Retabel in der Kirche St. Stephan in Mindelheim

Geschichte

Das romanische Altarretabel, wie auch das Antependium, aus Stein, Stuck oder Metall ist mit Reliefs geschmückt. Wenn es aus Holz besteht, ist es oft mit Blattgoldbeschlägen oder Malereien versehen. Sein Umriss ist rechteckig, halbrund oder rechteckig mit halbrunder Erhöhung in der Mitte.

In der Gotik wurde das Retabel durch bemalte Tafeln erweitert (Flügelaltar). Bisweilen wurden Einzelszenen mit zusätzlichen architektonischen Rahmungen, bestehend aus Pfeilern, Wimpergen und Fialen, umgeben. Eine Konstruktion aus architektonischen Elementen mit eingestellten Figuren oberhalb des Schreinkastens nennt man Gesprenge. Das größte gotische Altarretabel (27 m × 18 m) befindet sich in der Kathedrale von Sevilla. Zentren der Herstellung spätgotischer Retabel sind z. B. Lübeck und Antwerpen.

In Renaissance und Barock wurde das hinter dem Altar stehende Retabel üblich, wobei auf Flügel meist verzichtet wurde und nur das Mittelbild (auch Altarblatt genannt) übrigblieb. Dessen architektonische Rahmen bestehen aus einer Ädikula (Ädikula-Altar), mit der die Architektur des Chors und des ganzen Kirchenraums zu einer stilistischen und kompositorischen Einheit verschmilzt.

Bekannte Exemplare

Literatur

Einzelnachweise

  1. Dieser Sinn des Begriffs „Schrein“ ist nicht zu verwechseln mit der Bedeutung von „Schrein“ im Sinne von „Reliquienbehältnis“. Die Benennung als Schrein für den mittleren Teil eines Schnitzaltares bezieht sich nicht auf eine eventuelle Verwahrung von Reliquien, sondern das Wort „Schrein“ benennt hier den gezimmerten Holzkasten- Vgl. Friedrich Kobler: Flügelretabel. I. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Band 9: Firstbekrönung – Flügelretabel. München 2003, Sp. 1450–1536, insbes. Sp. 1450.
Ambrugeat

Ambrugeat (Ambrujac auf Okzitanisch) ist eine französische Gemeinde mit 201 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Corrèze in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Einwohner nennen sich Ambrugeacois(es).

Antwerpener Retabel

Antwerpener Retabel (im allgemeinen Sprachgebrauch auch Antwerpener Altäre) ist die Sammelbezeichnung für eine Gattung des Flügelaltars, die besonders im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts in großem Stil in Antwerpener Werkstätten für den Export produziert wurde und aus einem bildhauerischen hölzernen Mittelteil mit einem oder mehreren meist gemalten Flügelpaaren besteht. Antwerpener Retabel zeichnen sich in der Regel durch einen mittig überhöhten Schreinkasten und detailreiche schnitzerische Ausarbeitungen, aber auch durch gewisse Standardisierungen, etwa in den Maßen und in der häufigen Wiederholung bestimmter Figurengruppen, aus. Die gängige Bewertung als „Massenware“ wird jedoch dem Variantenreichtum nicht gerecht und muss heute neu hinterfragt werden. Vergleichbare Altaraufsätze als Exportstücke entstehen – neben anderen Kunst- und Luxusgütern – in den nahe gelegenen Produktionszentren Brüssel und Mechelen. Noch heute sind über 200 Exemplare in Kirchen und Museen verschiedener europäischer Länder erhalten.

Carves

Carves (okzitanisch: Carvas) ist ein Ort und eine südwestfranzösische Gemeinde (commune) mit 104 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) in der alten Kulturlandschaft des Périgord im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine.

Churriguerismus

Der Churriguerismus (spanisch churrigueresco) ist eine nach dem spanischen Baumeister und Bildhauer José Benito de Churriguera und seinen Brüdern benannte iberische und iberoamerikanische Spielart des Spätbarocks im Zeitraum von etwa 1690 bis 1750.

Flügelaltar

Der Flügelaltar (auch Klappaltar) ist eine in Mitteleuropa verbreitete Sonderform des Altaraufsatzes (Retabel), bei der der feststehende Schrein durch zwei (Triptychon), vier (Pentaptychon) oder mehrere (Polyptychon) bewegliche Flügel geschlossen werden kann. Die Fremdwörter stammen aus dem Altgriechischen: τρίς trís ‚dreimal‘, πέντε pénte ‚fünf‘, πολύς polýs ‚viel‘ sowie πτυχή ptychē ‚Falte, Schicht‘. Da der Flügelaltar so je nach den Motiven und der Art der Gestaltung (Gemalte Tafel oder Relief) an Werktagen, Sonn- oder Feiertagen wechselnde Ansichten bieten kann, heißt er auch Wandelaltar. An den Altarschrein ist manchmal ein gemaltes Altarblatt montiert, meist enthält er aber geschnitzte Darstellungen (Schnitzaltar). Oberhalb des Retabels befindet sich in einigen Kunstlandschaften das Gesprenge mit Fialen und Kreuzblumen. Unterhalb, in der auf der Mensa aufliegenden Predella, können in einem Sepulcrum Reliquien aufbewahrt werden.

Ginestas

Ginestas (okzitanisch: Ginestars) ist ein Ort und eine Gemeinde mit 1.410 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Süden Frankreichs im Département Aude in der Region Okzitanien.

Klappaltar von Kairo

Als Klappaltar von Kairo wird ein Altarbild im Ägyptischen Museum in Kairo bezeichnet, auf dem König (Pharao) Echnaton, dessen Große Königliche Gemahlin Nofretete und drei ihrer Kinder dargestellt sind. Das aus Kalkstein bestehende Altarbild mit der Inventarnummer JE 44865 hat eine Größe von 43,5 × 39 cm und wurde 1912 in Tell-el Amarna im Stadtbezirk, Haus Q 47, 16 von Ludwig Borchardt entdeckt. Gustave Lefebvre wählte dieses Objekt am 20. Januar 1913 bei der Fundteilung anstelle der Nofretete-Büste für die ägyptische Verwaltung für Altertümer (Service d’Antiquités Égyptiennes).

Laubert

Laubert ist eine südfranzösische Gemeinde mit 99 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Lozère in der Region Okzitanien. Sie gehört zum Arrondissement Mende und zum Kanton Grandrieu. Die Gemeinde besteht aus den beiden Dörfern Laubert und Gourgons sowie einigen verstreut liegenden Einzelgehöften.

Los Balbases

Los Balbases ist ein Ort und eine nordspanische Landgemeinde (municipio) mit 311 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) im Westen der Provinz Burgos in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León.

Medina de Pomar

Medina de Pomar ist eine Stadt und eine ca. 205 km² große Gemeinde (municipio) mit 5.816 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) im Norden der spanischen Provinz Burgos in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León. Die Altstadt von Medina de Pomar wurde als Kulturgut (Bien de Interés Cultural) in der Kategorie Conjunto histórico-artístico eingestuft.

Navamorales

Navamorales ist ein zentralspanischer Ort und eine Gemeinde (municipio) mit nur noch etwa 56 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) in der Provinz Salamanca in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León.

Padrones de Bureba

Padrones de Bureba ist ein nordspanischer Ort und eine Gemeinde (municipio) mit nur noch 50 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) im Nordosten der Provinz Burgos in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León.

Plateresker Stil

Der platereske Stil (spanisch estilo plateresco, abgeleitet von platero = „Silberschmied“) ist ein Architektur-Stil der spanischen Frührenaissance. Der Stil tritt Ende des 15. Jahrhunderts erstmals auf und dauert z. B. in Mexiko noch längere Zeit an.

Polyptychon

Als Polyptychon (Plural Polyptychen, Polyptycha; von altgriechisch ‚vielfach gefaltet‘) werden Schreibtafeln aus mehr als zwei Elementen bezeichnet, dann auch mehrfach geteilte Gemälde oder mehrteilige Relieftafeln, die mit Scharnieren zum Aufklappen verbunden sein können und sich insbesondere als Andachts- oder Altarbild finden. Im mitteleuropäischen Sprachgebrauch bezeichnet Polyptychon einen mehrfach klappbaren Flügelaltar oder „Wandelaltar“. Ein Mehrfachbild oder eine Schreibtafel aus zwei Teilen ist ein Diptychon, mit drei Bildteilen oder Flügeln ist es ein Triptychon, selten gebraucht wird der Begriff Pentaptychon für ein fünfteiliges Bild.

Saint-Céré

Saint-Céré (occitanisch: Sant Seren) ist eine Gemeinde mit 3449 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Lot in der französischen Region Okzitanien.

Sarran

Sarran (Serran auf Okzitanisch) ist eine französische Gemeinde mit 275 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Corrèze in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Einwohner nennen sich Sarranais(es).

Tönnies Mahler

Tönnies Mahler (auch Meister Tonio) (* um 1615 in Leer (Ostfriesland); † um 1663 ebenda) war ein deutscher Tischler, Bildschnitzer und Tafelmaler, der im 17. Jahrhundert Altarretabel und Kanzeln für die Kirchen in Ostfriesland schuf.

Vilvestre

Vilvestre ist eine nordwestspanische Gemeinde (municipio) in der Provinz Salamanca in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León.

Zariquiegui

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Zariquiegui (baskisch Zarikiegi) ist ein kleiner Ort am Jakobsweg Camino Francés, in der Autonomen Gemeinschaft Navarra, administrativ gehört er zur Gemeinde Cendea de Cizur.

Der Ort liegt am Rande des Bergzugs Sierra del Perdón, den der Jakobsweg am Alto del Perdón passiert. Die spätromanische Pfarrkirche San Andrés wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Sie besteht aus einem Schiff mit Kreuzgewölbe und quadratischem Turm. Außen zeichnet sie sich durch ein Portal aus, dessen Tympanon mit einem großen Chrismon geschmückt ist. Die Kapitelle sind mit vegetalen Motiven verziert. Im Inneren befindet sich ein romantisches Altarretabel aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Das Patronatsfest wird am vorletzten Juniwochenende gefeiert.

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